Auszug aus Henry Benrath: Vorarbeiten zu "Die Kaiserin Theophano"

HENRY BENRATH - VORARBEITEN

 

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HENRY BENRATH

Vorarbeiten zu „Die Kaiserin Theophano“

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Stuttgart Berlin

Deutsche Verlags-Anstalt

 

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Copyright 1941 by Deutsche Verlags-Anstalt G.M.B.H

Stuttgart. Printed in Germany. Druck der Deutschen Verlags-Anstalt G.M.B.H. Papier von der Papierfabrik Salach in Salach, Württemberg

 

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VORWORT DES VERFASSERS

 

Die wenigen (unter den unzähligen) Vorarbeiten zu der Prosadichtung «Die Kaiserin Theophano», welche in diesem Buche veröffentlicht werden, sollen dartun, daß ihr Verfasser einen geschichtlichen Stoff erst dann zu einem künstlerischen Gebilde auszuglühen vermag, wenn er ihn durch sachliche Klärung und psychologische Durchdringung auf die Ebene der größten Wahrscheinlichkeit hinaufgehoben hat.

 

Solange nicht mit mathematischer Genauigkeit alle Imponderabilien errechnet werden können, aus denen sich --- von Fall zu Fall --- geschichtliches Handeln ergibt, kann Geschichte niemals «faktische» Wahrheit sein.

 

Dem Dichter ist die Bemühung um die menschliche Seele aufgetragen, nachdem er sich das genaue Wissen um die Geschehnisse zu eigen gemacht hat. Die Geschehnisse ihrerseits aber erstrahlen ihm in besonderem Lichte, wenn er um Anlage und Art ihrer Verursacher und Vollzieher Bescheid weiß. Aus dieser beständigen Wechselwirkung wird die Dichtung geboren. Schon der Beginn ihrer Geburt ist die Überwindung des mühsam zusammengetragenen Stoffes: ist schon das Geheimnis. An den Schöpfer können also billigerweise keine Fragen mehr gerichtet werden.

 

Cerro (Lago Maggiore), Juli 1940.

 

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Wilhelm Braun

In Erinnerung an alle Jahre gemeinsamer Arbeit gewidmet

 

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Erster Teil

TEXT

 

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I WER WAR DIE KAISERIN THEOPHANO?

 

Der Universitätsbibliothek Basel in Dank gewidmet

 

Wir hatten in der Schule und auf der Universität gelernt, daß der Kaiser Otto I. (936-973) im Jahre 972 seinen einzigen Sohn, den Kaiser Otto II., mit der byzantinischen Prinzessin Theophano, der Tochter des Kaisers Romanos II., aus der sogenannten «makedonischen» Dynastie vermählt habe.

 

Theophano war also für uns die «purpurgeborene» Tochter des oströmischen «Basileus» (Herrschers), die Schwester der zukünftigen Thronerben Basileios II. und Konstantin VIII. Die deutschen und ausländischen Geschichtsschreiber, welche zu Anfang des 20. Jahrhunderts Geltung hatten, vertraten die gleiche Ansicht.

 

Daß schon im Jahre 1878 ein junger deutscher Gelehrter -- Johannes Moltmann -- in einer Inauguraldissertation (Göttingen), welche von hohem geschichtlichen Einfühlungsvermögen Zeugnis ablegt, mehr als berechtigte Zweifel an der Richtigkeit dieser allgemein gültigen Auffassung erhob, störte die Historiker nicht besonders. Moltmanns These lautete ganz einfach dahin, daß Theophano keine Prinzessin des makedonischen Kaiserhauses gewesen sein könne.

 

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Stammtafel der Kaiserin Theophano (956-991)

 

 

 

 

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Abstammung

 

Auch ich hatte lange die herrschende Auffassung zu der meinen gemacht, bevor ich die selten gewordene Dissertation Moltmanns zu Gesicht bekam. Es gab, nachdem ich sie mehrere Male gelesen und quellenmäßig überprüft hatte, für mich keinen Zweifel mehr, daß sie den Nagel auf den Kopf treffe: Theophano hatte nun auch für mich aufgehört, die «purpurgeborene» byzantinische Prinzessin zu sein, welche dem deutschen Königssohn zu einem Zeitpunkt vermählt wurde, als er schon gekrönter Mitkaiser seines Vaters war. Es kann hier nicht meine Aufgabe sein, die Argumente Moltmanns bis ins einzelne zu kommentieren. Ich kann Sie nur -- da ich Sie anerkenne -- psychologisch ausweiten.

 

Als Ausgangspunkt dieser Darlegungen ist folgende Tatsache festzuhalten: Es ist nirgends bestätigt, daß der Kaiser Romanos II. überhaupt eine Tochter des Namens Theophano gehabt habe. Romanos, der in zweiter Ehe mit einer Frau verheiratet war, welche Anastasia hieß und nicht näher zu bestimmender Abkunft war -- die Legende ihrer proletarischen Abkunft (Schankwirtstochter) muß natürlich mit größter Vorsicht aufgenommen werden ---, hatte außer seinen beiden Söhnen Basileios II. (geb. um 957) und Konstantin VIII. (geb. um 960) nur eine einzige, drei Tage nach seinem Tode zur Welt gekommene Tochter (963), Anna mit Namen. Nur dieser Tochter also könnte die durch den Bischof Liutprand von Cremona im Jahre 968 vorgetragene Werbung Ottos I. gegolten haben, sofern die Braut der herrschenden makedonischen Dynastie entstammen sollte. Es ist uns

 

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nicht einmal bekannt, ob Liutprand während seines Aufenthaltes in Byzanz überhaupt die damals erst fünfjährige Prinzessin Anna zu Gesicht bekam. Sein berühmter Bericht über seine Reise schweigt sich über die Frage der Werbung und ihrer Begleitumstände aus. Als sicher dürfen wir annehmen, daß er den Kaiser Otto I. zu weiteren Werbungen in Byzanz nicht eben ermutigt hat. Und ebenso sicher dürfen wir damit rechnen, daß Ottos Gemahlin, die Kaiserin Adelheid, welche als Tochter des burgundischen Königs Rudolf II. und seiner Gattin Bertha welfisch-schwäbisches Blut in den Adern hatte, eine Ehe ihres Sohnes mit dem «purpurgeborenen» Kind aus Byzanz nicht mit freundlichen Augen ansah. Es war also der Stand der Dinge Anfang 969 so: Die Werbung Ottos I. um die Prinzessin Anna hatte zu keinem Ziel geführt. Von einer Prinzessin Theophano, welche als Ersatz hätte in Frage kommen können, verlautet nichts.

 

Ein zweiter, vielleicht der wichtigste Punkt im Verlauf der Aufklärung, ist dieser: Wir besitzen die Schenkungsurkunde des jungverheirateten Kaisers Otto II. an seine Gattin Theophano aus dem Jahre 972:


also ein Dokument allerersten Ranges, an dem nichts zu deuten und zu drehen ist. Im Jahre 972 regierte in Byzanz Johannes Tsimiskes, welcher nicht der makedonischen Dynastie angehörte. In der Schenkungsurkunde nun wird Theophano nur bezeichnet als die Nichte dieses Kaisers Tsimiskes. Ist es glaubhaft, daß man in einem so bedeutsamen Dokument die junge Kaiserin nicht als Tochter des Kaisers Romanos II. aufgeführt hätte, wenn Sie es gewesen wäre? Sollte man in der Rücksicht auf den Kaiser Tsimiskes soweit gegangen sein, den Rang einer

 

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Nichte des augenblicklichen Throninhabers für höher zu erachten als den Rang einer «purpurgeborenen» Tochter des verstorbenen Kaisers aus der Makedonenfamilie? Das ist, nach der äußerst strengen Auffassung jener Zeiten, völlig ausgeschlossen. Percy Schramm, der bekannte deutsche Historiker, hat in seiner prachtvollen Arbeit «Kaiser, Papst und Basileus» dieser psychologischen Begründung noch eine sehr einleuchtende formale zugefügt: er weist nach, daß die Schenkungsurkunde abgefaßt ist nach der genauen Vorlage einer andern Schenkungsurkunde: nämlich derjenigen des Königs Lothar von Italien an seine Gattin Adelheid (die in zweiter Ehe mit Otto I. verheiratete Kaiserin). In dieser Urkunde wird Adelheid, wie es ganz selbstverständlich ist, als «Tochter des Königs Rudolf erlauchten Angedenkens» bezeichnet. Das Fehlen eines solchen präzisen genealogischen Hinweises in der Urkunde der Theophano beweist, daß er billigerweise nicht angebracht werden konnte.

 

Es gibt einen dritten Punkt, dessen Gewicht das schon vorhandene Ergebnis vertieft. Er liegt im Bereich der kanonischen Gesetzgebung und wird auch von Schramm angeführt. Er hilft uns, den mittelbaren (indirekten) Beweis dafür zu erbringen, daß die Kaiserin Theophano unmöglich die Tochter Romanos‘ II. gewesen sein kann.

 

Theophano war -- wie jeder weiß -- die Mutter Ottos III., eines der ungewöhnlichsten und genialsten Menschen, die jemals den deutsch-römischen Kaiserthron innehatten. Er wurde von manchen seiner Zeitgenossen «Wunder der Welt» genannt. Nach der seither üblichen Auffassung, welche in Theophano die Tochter Romanos' II.

 

Benrath, Vorarbeiten 2

 

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sehen will, hätte also Otto III. neben dem sächsisch-welfisch-schwäbischen Blut seines Vaters, Ottos II. auch das Blut der makedonischen Dynastie und außerdem das unbestimmbare Blut seiner mütterlichen Großmutter --- der angeblichen Schankwirtstochter Anastasia --- in seinen Adern getragen: also eben jene Mischung, welche man ihm oft genug vorwarf und als die Quelle seiner Sonderbarkeiten oder gar seiner «Dekadenz» bezeichnete. Er wäre --- durch seine Mutter Theophano --- der Neffe der Kaiser Basileios II. und Konstantin VIII. Gewesen, welche schon vor seiner Geburt, seit dem Jahre 976, nach dem Tode des Kaisers Tsimiskes, die Herrschaft der makedonischen Dynastie unter unter einer gemeinsamen Regierung fortführten. Basileios II. war unverheiratet und ohne Leibeserben. Konstantin VIII. aber hatte drei Töchter, Eudokia, welche, durch Pockennarben entstellt, als Nonne in einem Kloster lebte, und die späteren Kaiserinnen Zoë und Theodora.



Zoë nun (oder auch Theodora, was auf das gleiche hinausläuft), welche im Jahre 980 geboren wurde, ist eben diejenige byzantinische, «purpurgeborene» Prinzessin, um deren Hand Otto III. in der Mitte der Neunzigerjahre werben ließ. Sie war gleichaltrig mit ihm --- und wäre die Tochter seines blutsverwandten Onkels, also seine Kusine gewesen, sofern man in Theophano die Tochter des Romanos II. und die Schwester des Kaisers Konstantin VIII., also die blutsverwandte Tante der Zoë, sehen will.

 

Nun: es ist nach den Auffassungen des 10. Jahrhunderts, und besonders nach den unendlich strengen, die in Byzanz herrschten, ganz ausgeschlossen, daß eine Ehe von Vetter und Kusine (welche immer Blutsverwandte sind)

 

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jemals hätte vollzogen werden können. Die Bewerbung Ottos III. um die Prinzessin Zoë (oder Theodora) ist geschichtliche Tatsache. Also kann Theophano unmöglich die Schwester Konstantins VIII., unmöglich die Tochter Romanos‘ II. gewesen sein, Zwischen ihr und der makedonischen Dynastie kann überhaupt keine Verwandschaft bestanden haben. Hiermit ist der erste Teil der Beweisführung abgeschlossen. Wir wissen genau, wer Theophano nicht war. Unsere weitere Bemühung hat nun zu ergründen, wer sie war.

 

Ein einziger Anhaltspunkt ist --- geschichtlich --- aus der Schenkungsurkunde gegeben: Sie war die Nichte des Kaisers Johannes Tsimiskes, der von 969 bis 976 regierte, nachdem er seinen Vorgänger (Vetter oder Onkel), den mißliebig gewordenen Kaiser Nikephoros Phokas II. (963--969), beseitigt hatte. Wieso war Theophano die Nichte des Tsimiskes? Durch Bande des Blutes oder durch Anheirat ? Durch Anheirat, behaupten die Vertreter der der Meinung, daß Theophano als die Tochter Romanos‘ II. angesprochen werden müsse, auch wenn kein einziger überlieferter Stammbaum der Familie des Romanos diesen Namen führt. Denn: (argumentiert man) Der Kaiser Tsimiskes war in zweiter Ehe (971) verheiratet mit Theodora, einer Schwester des Kaisers Romanos, also einer Tochter des Kaisers Konstantin VII. Porphyrogenetos: also einer blutsverwandten Tante der Theophano. Durch diese Ehe, welche eine nahe Verwandschaft des armenischen Tsimiskes mit der makedonischen Dynastie herstellen sollte, wäre Theophano als Sprossin

 

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der gleichen Dynastie zu einer angeheirateten Nichte des Tsimiskes geworden. Ihre Bezeichnung als solche in der ehelichen Schenkungsurkunde ihres Gatten bestünde also zu Recht.

 

Diese Argumentation scheidet für jeden aus, der sich mit uns davon überzeugt hat, daß Theophano mit der makedonischen Dynastie nichts zu tun gehabt haben kann. Es bleibt also --- nach Ablehnung der unmöglichen Version --- nur die Tatsache bestehen, daß sie infolge anderer Verwandtschaftsbeziehungen die Nichte des Tsimiskes gewesen sein muß. Welcher?

 

Wir wissen nichts von Brüdern oder Schwestern des Kaisers Tsimiskes. Immerhin: es könnte der Fall gewesen sein, daß er solche gehabt hätte, auch wenn sie im Stammbaum seiner Familie nicht erwähnt wären. Denn wir können für die Genealogie einer noch so hohen Adelsfamilie von seiten der zeitgenössischen Historiker nicht dieselbe Genauigkeit der Namensverzeichnung voraussetzen wie für die regierende Kaiserfamilie. Johannes Tsimiskes gehörte dem vornehmsten armenischen Geschlechte an, das es damals gab: dem Geschlecht der Kurkuas (oder Gurgen), dessen Stellung im oströmischen Reich etwa mit derjenigen einer deutschen oder französischen Herzogsfamilie der gleichen Epoche verglichen werden kann. Theophano könnte also sehr wohl die Tochter eines Bruders oder einer Schwester des Tsimiskes gewesen sein und daher in der Urkunde als seine «Nichte» bezeichnet werden. Es möge hier sogleich gesagt sein, daß diese Möglichkeit für jeden zu Recht besteht, dem die nächstfolgenden Beweisführungen nicht stichhaltig genug erscheinen. Wir selbst können, sofern

 

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wir auf Grund historischer Gegebenneiten alle Chancen der Kombinationen gewissenhaft überprüfen und ausnutzen wollen, nicht bei dieser sehr vagen Wahrscheinlichkeitsrechnung stehenbleiben.

 

Erledigen wir hier zunächst noch eine Zwischenfrage: Den Fall gesetzt, Theophano wäre tasächlich eine Bruder- oder Schwestertochter des Tsimiskes und also aus dem Blute der armenischen Kurkuas gewesen: hätte ihr diese Abstammung die Berechtighng gegeben, als Mitglied des kaiserlichen Hauses geführt zu werden? Unbedingt, nachdem die zweite Werbung des Kaisers Otto I. ja erst zu einem Zeitpunkt erfolgt war, wo Tsimiskes schon den Purpur trug. Sie hätte durchaus im Rang einer dem regierenden Hause angehörigen «Prinzessin» getragen, wenn auch nicht den höchsten Rang einer «Purpurgeborenen» und Otto II. hätte auf alle Fälle eine ebenbürtige Braut zugeführt bekommen. Denn er selbst war ja auch nicht in kaiserlichem Purpur geboren. Er war der Sohn eines deutschen Königs. Otto I. Kaiserkrönung erfolgte erst sieben Jahre nach Otto II. Geburt, nämlich am 2. Februar 962.

 

Kehren wir zum eigentlichen Thema zurück. Welchen geschichtlichen Anhaltspunkt haben wir noch, der uns einen Weg weisen könnte? Einen einzigen, sehr bedeutsamen, welcher der Berechnung neue Bahnen weist, und zwar solche, die bis jetzt von noch keinem Forscher beschritten worden sind.

 

Wir wissen, wer die erste Frau des Kaisers Tsimiskes war: Maria Skleros, die Sprossin einer Familie des hohen Militäradels, welche an Geltung der Familie Kurkuas wohl kaum nachstand. Maria Skleros ist schon

 

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vor der Thronbesteigung des Tsimiskes gestorben, und zwar kinderlos. Es könnte also auch von der Seite Skleros her Theophano eine Nichte des Tsimiskes gewesen sein: eine Nichte durch Anheirat. Ihre Mutter oder ihr Vater könnte ein Glied der Familie Skleros gewesen sein. Aufschluß kann nur der Stammbaum der Familie Skleros geben. Welchen? Wir stellen fest, daß Maria Skleros, die frühverstorbene erste Gattin des Tsimiskes, zwei Brüder hatte: den nach dem Tode des Tsimiskes durch eine Rebellion gegen die makedonischen Kaiser Basileios II. und Konstantin VIII. berühmt gewordenen Heerführer und Potentaten Bardas Skleros (der sich selbst zum Kaiser ausrief) und Konstantin Skleros, welcher seinem Bruder Bardas treu zur Seite stand und zweifellos die Schaffung einer Dynastie Skleros mit allen Kräften und gutem Feldherrntalent begünstigte. Von der Gattin des Bardas Skleros wissen wir nichts. Es ist uns nur sein Sohn Romanos Skleros bekannt, den er auf äußerst geschickte Weise --- gewissermaßen als Rückendeckung «für alle Fälle» -- in sein politisches Spiel einsetzte. Aber der Name der Gattin des Konstantin Skleros ist uns überliefert: und dieser Name ist es, der den Kreis unserer Berechnungen in einer geradezu verblüffenden Weise schließt: Konstantin Skleros war verheiratet mit Sofia Phokas, der Sprossin des dritten Adelsgeschlechtes, das in der byzantinischen Geschichte des 9. und 10. Jahrhunderts im Vordergrunde steht. Sofia Phokas war die Tochter des Leo Phokas, des Präfekten von Kappadokien, des späteren Großadmirals der byzantinischen Flotte und schließlich des Oberhofmarschalls am Hofe seines berühmten Bruders, des Kaisers

 

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Nikephoras Phokas II., der von Tsimiskes --- wie schon gesagt wurde --- 969 beseitigt worden war. Sofia Phokas war also die blutsverwandte Nichte des Kaisers Nikephoros Phokas.

 

Es ist nicht der Name Phokas: es ist der Name Sofia, der uns blitzartig die Zusammenhänge enthüllt, welche wir zu ergründen versuchen.

 

Theophanos beide erste Kinder aus ihrer Ehe mit Otto II. waren Mädchen, geboren 977 und 978. Nach der Sitte der damaligen Zeit gab man den Enkelkindern die Namen der Großväter bzw. Großmütter, indem man der väterlichen Linie den Vorrang ließ. Wir sehen also, daß die älteste Tochter nach der väterlichen Mutter Adelheid genannt wurde. Die zweite aber erhielt --- nach der mütterlichen Mutter--- den Namen Sofia. Theophanos Mutter muß also den Namen Sofia getragen haben.

 

Konstantin Skleros war der Bruder der Maria Skleros, der Gattin des Tsimiskes, also der Schwager des Tsimiskes. Seine Tochter mußte also die Nichte des Tsimiskes sein (durch Anheirat): Nun: niemand anderes als Theophano war diese in der Schenkungsurkunde erwähnte «Nichte des Kaisers Johannes (Tsimiskes) in Konstantinopel»: Theophano war die Tochter des Konstantin Skleros und der Sofia Phokas. Sie war damit nach zwei Seiten hin «kaiserliche» Prinzessin, ja, sie war dem Kaliser Nikephoros Phokas II., ihrem Großonkel, sogar blutsverwandt.

 

Dieses ist die logische und lückenlose Errechnung der Herkunft der Kaiserin Theophano auf Grund der geschichtlichen, wie ein feines Räderwerk ineinandergreifenden

 

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Tatsachen. Andere (unkontrollierbare) Möglichkeiten bestehen noch, wie schon ausgeführt wurde: Solange aber Geschichtsschreibung sich zunächst noch auf Tatsachen stützt und nicht ausschließlich auf psychologische Spekulation, muß den logischen Ergebnissen, welche den Tatsachen entspringen, der Vorrang gegeben werden: und dies doppelt, wenn diese Ergebnisse die Kraft haben, mühelos ein Dunkel aufzulichten, das seither in quälender Undurchdringlichkeit auf einer ganzen Reihe widerspruchsvoller, kaum erklärbarer Ereignisse lag.

 

Es wird berichtet, einige abendländische «Große»hätten die Sendung der Theophano statt der Anna für einen bewußten Betrug des Tsimiskes gehalten und dem Kaiser nahegelegt, die «unerwünschte» Braut nach Byzanz zurückzuschicken. Das scheint der Form nach, in der es übermittelt wird, ganz unglaubhaft. Es ist sehr wohl möglich, daß in manchen deutschen Hofkreisen --- und gerade vielleicht in der Umgebung der Kaiserin Adelheid --- solche Stimmen laut wurden, weil überhaupt eine Abneigung gegen eine Ehe des deutschen Kaisersohnes und schon gekrönten Kaisers mit einer byzantinischen Prinzessin bestand: man hoffte mit der Ablehnung Theophanos die ganze Frage aus der Welt zu schaffen: aber Otto I. war nicht gesonnen, solchen «Stimmungen» Rechnung zu tragen, wenn die Verwirklichung großangelegter politischer Pläne auf dem Spiele stand, die er gründlich erwogen und wiedererwogen hatte. Im Gegenteil: Otto I. hatte wohl mehr als gut begriffen, daß ihm --- so wie nun einmal bei der zweiten Werbung durch den Erzbischof

 

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Gero von Köln (971) die weltpolitischen Verhältnisse lagen --- eine dem damals de facto regierenden Kaiser Tsimiskes nah verwandte Prinzessin Skleros ganz andere Dienste leisten konnte als die achtjährige Tochter einer in den Schatten gedrängten Dynastie (der makedonischen), von der niemand wissen konnte, ob sie je noch einmal ans Ruder gelangen würde. Tsimiskes war im Jahre der zweiten Werbung erst 46 Jahre alt. Er war eben eine zweite Ehe mit einer makedonischen Prinzessin, mit Theodora, der Schwester Romanos‘ II., eingegangen. Wer sagte, daß er ohne Erben bleiben würde? Wer sollte vollends glauben, daß er einem eigenen Sohne, der mütterlicherseits ja nun ebenfalls makedonisches Blut getragen hätte, nicht das Vorrecht der Erbfolge vor seinen «Schützlingen» Basileios und Konstantin gesichert hätte?

 

Außerdem aber: es mußte auch der abendländischen, ottonischen Dynastie daran gelegen sein, rasch Erben zu bekommen. Otto war im Jahr der Eheschließung (972) 17 Jahre alt, Theophano 16. Diese Ehe konnte sofort vollzogen werden. Schon 973 konnte ein Erbe da sein: zum Besten der Reichseinheit, welche immer noch im Innern von den Stammesgewalten, an den Grenzen aber durch gefährliche Barbarenvölker bedroht war. Eine 972 mit einem achtjährigen Mädchen geschlossene Ehe aber konnte vor dem Jahre 977 nicht vollzogen werden. Denkt man sich sorgfältig in die Berechnungen Ottos I. ein, so muß man geradeswegs zu dem Schluß kommen, daß seine zweite Werbung (971) gar nicht mehr einer Prinzessin aus dem makedonischen Hause gegolten haben kann! Ich möchte es als sicher ansehen, daß er seinem

 

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Mittelsmann, dem durchaus weltläufigen und gebildeten Erzbischof Gero von Köln, im geheimen Winke dahin gegeben hat, eine Verwandte des Kaisers Tsimiskes als Braut zu erbitten. Das war doch --- so wie sich die Dinge im Osten nun einmal gestaltet hatten --- das Natürlichste, das politisch Klügste und Zweckmäßigste. Daß jemals eine byzantinische Prinzessin, wer immer sie sei, dem deutschen Kaiser die zu Byzanz gehörenden Süditalienischen Themen (Provinzen) Kalabrien und Apulien als Mitgift bringen würde: das hat Otto I., der große Realpolitiker, wohl niemals geglaubt. Daß aber die Verwandte des regierenden Kaisers Tsimiskes, welche mit allen einer «Purpurgeborenen»geschuldeten Ehren empfangen wurde, obwohl Sie eine solche nicht war, die Garantie des Status quo (neben großen Reichtümern) mitbrachte: das war das Äußerste, auf das man deutscherseits rechnen konnte. Theophano brachte diese Garantie. Solange Tsimiskes regierte, war Friede zwischen Ost und West. Erst als die Makedonenprinzen Basileios und Konstantin nach 976 doch noch zur tatsächlichen Herrschaft gekommen waren, änderte sich die Lage. Die nächste Verwandte ihrer schlimmsten Gegner, der Skleros, saß ja nun als Kaiserin auf dem deutsch-römischen Thron: eine Konstellation, die niemand hatte errechnen können.

 

Nach allem Ausgeführten also ließe sich sogar rückschließend sagen: Theophano konnte auch schon deswegen gar keine kaiserliche Prinzessin aus dem makedonischen Herrscherhause sein, weil der Kaiser Otto I. eine solche nach der Thronbesteigung des Tsimiskes gar nicht mehr als Gattin seines Sohnes hätte gebrauchen können. Kaiserliche Ehen sind immer politische Ehen: innen- oder

 

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außenpolitische, und was heute wünschenswert erscheint, ist es morgen nicht mehr. So paradox es klingen mag: Theophano ist deutsch-römische Kaiserin geworden, weil Sie keine Prinzessin, keine «Purpurgeborene» der makedonischen Dynastie war. Eine solche hätte Tsimiskes nicht geschickt, denn man gibt seinen geheimen Feinden keine Wirkungsmöglichkeiten in seinem Rücken --- eine solche auch hätte Otto I. nicht mehr angenommen: denn man setzt nicht auf eine ausgespielte Karte, die --- nach menschlichem Ermessen --- in absehbarer Zeit nicht mehr in das Spiel zurückkehren wird.

 

Wesen und politische Haltung

 

Charakter, Leben und Politik der Kaiserin Theophano, einer der außergewöhnlichsten Frauengestalten der deutschen Kaisergeschichte, werden erst klar, wenn man in ihr die Sprossin der byzantinischen Hochadelsgeschlechter Phokas-Skleros sieht und eben damit die Gegenspielerin der makedonischen Dynastie. Die Familie Phokas hatte in Nikephoros Phokas II. den Purpur schon getragen, und die Familie Skleros, dem Tsimiskes aufs engste befreundet, strebte nach dessen Tode (976) den Purpur an. So sachlich und so witterungssicher auch Theophano in die abendländischen Verhältnisse, in die vielen Aufgaben einer abendländischen, deutsch-römischen Kaiserin hineingewachsen war: ihr Herz mußte, wenn Sie an die Geschehnisse in ihrer Heimat während der Jahre 976 bis 989 dachte, auf Seiten ihrer Familie, also der Rebellen Skleros, sein. Ihr Herz mußte --- entgegen allen falschen

 

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Auslegungen ihrer politischen Haltung --- auch mit ihrem Gatten sein, als dieser im Jahre 982 den Sarazenenkrieg in Süditalien begann. Wenn uns berichtet wird, daß Theophano sich nach der furchtbaren Niederlage ihres Gatten bei Cotrone (15. Juli 982) zu bitteren, ja zu bösen Worten habe hinreißen lassen, so galt diese Wut nicht den süditalischen Abwehrkämpfen selbst, sondern --- und dies mit vollem Recht --- der leichtsinnigen Kriegsführung, durch welche da ein jugendlich-ungestümer, oft genug das rechte Maß vergessender Herrscher weltpolitische Interessen des Reiches verspielte. Gerade weil in Theophano das Blut alten Militäradels lebendig war, haßte sie den militärischen Dilettantismus des blinden Draufgängertums, gerade weil ihr ganzes Sein der abendländischen Reichsmacht gehörte, war sie die kühle, ja eiskalte Rechnerin, welche in sinnloser Kräftevergeudung ein Verbrechen an der Substanz des Imperiums sah. Sie hat, solange Sie allein regierte (von 983 bis 991), bewiesen, wie Sie Kräfte zu sparen und auszugewichten verstand: Sie hat geherrscht mit einer Beherrschtheit, die ihr hohes politisches und moralisches Lob selbst eines so kritischen Historikers wie Thietmars von Merseburg eintrug. Sie hat geherrscht als Realistin, welche Fragen des Abendlandes als Fragen des Abendlandes aufzufassen und anzupacken verstand, ganz und gar nicht aber als byzantinische «Purpurgeborene». Sie war eben --- zu ihrem eigenen Glück --- keine «Purpurgeborene» aus der Magnaura von Byzanz: Sie war eine Skleros, eine Phokas, eine Geistesverwandte (und sicherlich Freundin) des hochbegabten Johannes Tsimiskes, in dem man einen der glanzvollsten und menschlich-weitesten Herrscher

 

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der byzantinischen Geschichte zu sehen hat. Nein: der Kaiser Otto I. hatte keinen schlechten Tausch gemacht, als man ihm statt der im Kindesalter stehenden Prinzessin Anna aus der makedonischen Dynastie die sechzehnjährige Prinzessin Theophano aus dem Hause der Fürsten Skleros nach Rom sandte.

 

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Die Kaiserin Theophano konnte am deutschen Hofe unmöglich das sein, was man eine «beliebte» Persönlichkeit nennt. Sie konnte bestaunt, vielleicht bewundert werden. Ihre wahre Bedeutung aber war bestimmt nur wenigen erhabenen Geistern klar: einem Willigis von Mainz, einem Bernward von Hildesheim, einem Gerbert von Reims, einem Adalbero von Reims, einer Äbtissin Mathilde von Quedlinburg, einer Beatrix von Lothringen. Sicherlich auch ihrem Gatten und der Kaiserin Adelheid: obwohl zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter niemals ein gefühlsmäßig freundliches Verhältnis aufkommen konnte. Der innere Abstand war zu groß. Die kalte Rechnerin Theophano lag dem sentimentalen Temperament der matronenhaften Adelheid nicht. Adelheid mußte mißtrauisch sein gegen eine Frau vom Schlage Theophanos. Sie mußte dies um so mehr, als 'Theophano sich --- dank ihrer hohen Intelligenz --- in erstaunlicher Weise den abendländischen, den deutschen, ja den sächsischen Notwendigkeiten anzupassen verstand. Kein größerer Unsinn ist über diese wahrhaft fürstliche Fürstin geschrieben worden als der, sie habe ihren Sohn seiner deutschen (sächsischen) Art und Aufgabe entfremdet und zu einem «verweichlichten» Byzantiner

 

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gemacht. Das genaue Gegenteil ist wahr. Sie hat diesen ihren einzigen Sohn, der ein Mensch von starker körperlicher, geistiger und seelischer Vitalität war, schon in seinen Kinderjahren mit gewollter Strenge erzogen. Sie hat das sechsjährige Kind schon auf einen Wenden-Feldzug mitführen lassen; sie hat seiner körperlichen Ausbildung dieselbe Sorgfalt gewidmet wie seiner geistigen. Ottos III. körperliche und politische Erziehung lag in deutschen Händen: nur im Griechischen konnte ihn Theophano nicht von einem Deutschen unterrichten lassen: dazu bedurfte es eines griechischen Lehrers und ihrer eigenen Bemühungen. Sie hätte sich einer sträflichen Nachlässigkeit schuldig gemacht, wenn Sie ihrem Sohne die vollkommenste Kenntnis ihrer griechischen Muttersprache, welche damals wieder Weltsprache geworden war, nicht übermittelt hätte. Daß aus der Kenntnis dieser Sprache heraus Otto III. zu einem byzantinisch gefärbten Imperialismus gekommen sei, ist eine ebenso oberflächliche Unterstellung wie das Gerede von der Fremdheit seiner Mutter. Ottos III. politische Auffassungen waren durch westliche, durch abendländische Vorstellungen und Hoffnungen bestimmt, wie sie damals in der Luft lagen. Er träumte --- wozu ihn die Politik seines Großvaters (und Vaters) ja geradezu hingetrieben hatte --- von einer «Renovatio imperii Romanorum», von einer «Erneuerung des Reiches der Römer», dessen Mitte Rom sein sollte: in bewußter Stellungnahme gegen die Anmaßung von Byzanz, von «Neu-Rom» (Nova Roma), wie sich lange Zeit die Konstantinstadt genannt hatte.

 

Wozu, da wir von Theophano sprechen und nicht von

 

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ihrem Sohn, alle diese Hinweise und Erwägungen? Nun: es will mir scheinen, daß auch sie ein gewisses Licht auf die Abstammung der Theophano werfen. Ich glaube eben nicht, daß eine «purpurgeborene» Prinzessin der makedonischen Dynastie, eine im kaiserlichen Gynaikeion (Frauenhaus) mit allem Dünkel gottähnlicher Herrlichkeit aufgezogene Frau ihre deutschen Kinder so ausgebildet hätte, wie es Theophano tat. (Ihre Töchter Adelheid und Sofia, die späteren Äbtissinnen, erhielten eine sächsische Erziehung.) Theophano besaß den icheren Blick einer Frau, die sich in reichlich freier Anschauung der Welt und ihrer sonderbaren Angelegenheiten hatte entfalten können. Eine Prinzessin Skleros hatte natürlich enge Bindungen an den Hof und sein Zeremoniell: aber diese Bindungen waren nicht die Fesseln, welche sie für jede «Purpurgeborene» sein mußten. Theophano hatte weltmännisches Gepräge: das kann keine «Purpurgeborene» haben, die immer nur «Purpurgeborene» bleibt und an der Enge solcher Geburt jedesmal da scheitern wird, wo das «Schema» aufgegeben werden muß. Es läßt sich im Leben Theophanos kein Schematismus feststellen. Sie erscheint auf jedem Kampfplatz, auf den sie das Leben ruft, mit der fast militärischen Präzision hohen persönlichen Verantwortungsgefühles; sie verbirgt sich niemals im elfenbeinernen Turm falsch verstandener Würde und überschätzten Gottesgnadentums. Wenn Sie also schon als eine so «freie» Frau an den deutschen Hof kam, wie es niemals eine aus der das Gottesreich nachahmenden byzantinischen Hierarchie stammende «Purpurgeborene» hätte sein können, so hat die immer bewegte, wenn auch nicht allzu milde Luft, welche den

 

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deutsch-römischen Hofstaat umwehte, ihre natürlichen Anlagen erst recht entfaltet. Man darf wohl annehmen, daß sie unter der kritischen Schau der Entfernung den geheimen Zweck der byzantinischen Majestätsvergottung als das gesehen und gewertet hat, was er war: als das wohlberechnete Mittel, die Massen mit eben den Trugbildern im Zaum zu halten, an die sie sich selber klammerten. Wir hören nichts davon, daß sie sich jemals nach Byzanz zurückgesehnt hätte. Der menschlich-gefühlsmäßige Mittelpunkt ihres Lebens war nicht ihr Gatte, sondern ihr Sohn. Der geistige Mittelpunkt aber war ihre politische Aufgabe, der sie sich geopfert hat. Nicht einen Augenblick lang hat sie die Zügel aus der Hand gegeben. Nicht einen Augenblick lang den Blick von dem Schachbrett der deutsch-römischen Weltpolitik abgewendet, auf dem sie ihr Spiel zu spielen hatte: und ganz besonders, von 983 an bis zu ihrem Tode, das große deutsch-französische Spiel.

 

Es ist unfaßlich, daß die deutsche Geschichtsschreibung dieses gewaltige Schlußkapitel aus dem Leben Theophanos immer nur stiefmütterlich behandelt hat. Die allgemeine Formel darüber lautet, es sei Theophano nichts anderes übriggeblieben, als den Bestand der Herrschaft, wie Sie ihn beim Tode ihres Gatten Otto II. im Jahre 983 vorfand, zu erhalten. Neues habe sie nicht schaffen können. Eine solche Feststellung --- als Werturteil --- bekundet weiter nichts als die Beschränktheit ihrer Verkünder: als ob es nicht --- je nach den Umständen --- hundertmal wesentlicher sein könne, ein dauernd Gefährdetes zusammenzuhalten, als ein «Neues» zu erwerben, dessen unabmeßbare Gewichte vielleicht sogar

 

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die Basis des «Alten», des halbwegs Gesicherten, zu zerstören vermöchten.

 

Außerdem aber ist es gar nicht wahr, daß Theophano nicht auf «Neues», das im Bereich erfüllbarer Möglichkeiten lag, gesonnen hätte. Theophano hat, vom zentralen Deutschland aus, bewußt Slawen-, das heißt Ostpolitik getrieben, und gleichzeitig, über Lothringen und den imperial gesinnten Teil des französischen Klerus, eine Westpolitik, von deren genialem Raffinement jeder Politiker jederzeit hätte lernen können. Sie war zum Krieg gegen ihren Vetter Hugo Kapet, den französischen König, im Frühjahr 991 bereit. Sie starb in dem Augenblick, wo sie den großen Schlag hätte führen können. Sie hatte sich --- durch persönliches Eingreifen an Ort und Stelle --- in Rom bei dem Papst und dem Patricius Crescentius den Rücken gedeckt: ihre Anwesenheit in dem lothringischen Nymwegen, dicht an der französischen Grenze, um Ende Mai 991, beweist, daß sie nicht gesonnen war, der dem Imperium gefährlich werdenden Entwicklung der kapetingischen National- und der kirchlichen Absonderungspolitik in Frankreich tatenlos zuzuschauen. Es ist nicht nur möglich, es ist sogar wahrscheinlich, daß sie die Konsolidierung des französischen Nationalstaates unter kapetingischer Führung im Interesse der von ihr befolgten deutschen Reichspolitik, welche unter ihrer Herrschaft realistisch und nicht ideologisch war, gesprengt hätte. Ihre Mittelsmänner in Frankreich waren an der Arbeit: blieben auch noch an der Arbeit nach ihrem Tode. Die Grundlinie Aachen-Rom --- die unentbehrliche Grundlinie des Imperiums --- hätte das ihrige zur Vollendung des Planes beigetragen.

 

Benrath, Vorarbeiten 3

 

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Byzanz --- die makedonische Dynastie des Basileios II. und Konstantin VIII. ---ist seit Theophanos Tode dieser Hypothenuse der kaiserlichen Politik heimlich in den Rücken geschlichen. So blieb Theophanos Sohn, Otto III., zunächst nichts anderes übrig, als diese Basis wieder zu festigen und, wenn möglich, auszubauen. Nichts anderes hat Otto III. getan. Daß er den realpolitischen Plan seiner Mutter dann noch --- dank dem Einfluß des Erzbischofs Gerbert von Reims, später von Ravenna --- ideologisch unterlegte, war, von uns Heutigen aus gesehen, wohl ein Irrtum. Von den Bedingungen der damaligen Zeit aus gesehen, war er nicht mehr und nicht weniger als ein Versuch, der sehr wohl hätte gelingen können, wenn nicht die beiden Hauptträger des Gedankens dieser «Renovatio», dieser «Erneuerung», Otto und Gerbert, schon in den Jahren 1002 und 1003 gestorben wären. Vor dem verfrühten Tode täterischer Menschen aber --- sei es politischer, sei es rein geistiger --- schweigt jeder Kommentar der unvollendeten Leistung. Auch Theophanos verfrühter Tod enthebt uns eines Endurteils über das «Ergebnis». Aber wir neigen uns in Ehrfurcht und Bewunderung vor ihrem unbeugsamen Willen, vor ihrer strengen Pflichterfüllung und vor ihrer gläubigen Hingabe an die vom Schicksal zugewiesene deutsche Aufgabe.

 

Geschrieben: Paris, 1937.

 

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BILDNIS DER KAISERIN TIEKOPHANO (956--991)

 

REDE, GEHALTEN IN DER GESELLSCHAFT ZUR FÖRDERUNG KULTURELLEN LEBENS

 

ZÜRICH, AM 2. MÄRZ 1939

 

Meine Damen und Herren:
Von der Kaiserin Theophano, der Mutter Ottos III., der Gattin Ottos II., der Schwiegertochter Ottos I., sprechen, heißt in den unruhevollen Halbdämmer jenes zehnten Jahrhunderts hinabsteigen, aus dem sich --- ahnungsschwer --- die ersten Konturen des «Abendlandes» aufheben.

 

Von der Kaiserin Theophano sprechen, heißt ein Bildnis beschwören, dessen kühle, dessen unnahbare Schönheit das Entzücken aller künstlerischen Menschen erweckt, aller Menschen auch, denen Würde, Selbstzucht, Verantwortungsgefühl und Herrschersinn überzeitliche Grundwerte unseres Daseins bedeuten. Von Theophano sprechen, heißt sich zu glaubhaftem Kaisertum bekennen und der begnadeten Größe bedingungslos den Vorrang einräumen vor allen Ansprüchen der landläufigen Kaste oder Clique.

 

Dieses Bildnis aber zeichnen, heißt ein vielbewegtes

 

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Menschenleben zurückführen auf die Gesetze, aus denen es lebte: Gesetze, welche stärker waren als alle Umstände, in denen Sie sich auswirkten, mächtiger als alle Formen, die zu schaffen ihnen aufgetragen war.

 

Wer war die Kaiserin Theophano? Lange ist sie von der Geschichtsforschung für eine im Purpur geborene Tochter des Kaisers Romanos II. von Byzanz gehalten worden. Schon im Jahre 1876 hat ein deutscher Gelehrter, Johannes Moltmann, diese Auffassung bekämpft und in einer ausgezeichneten Dissertation (Göttingen) nachgewiesen, daß Theophano keine Prinzessin aus der byzantinisch-makedonischen Dynastie, welcher Romanos II. angehörte, gewesen sein könne. Der Nachweis, obwohl überzeugend geführt, wurde von der Zunft nicht anerkannt. Es erschien eben unmöglich, daß der abendländische Kaiser Otto II. sich mit einer Gattin «begnügt» hätte, welche nicht aus der makedonischen (= legitimen) Dynastie Ostroms stammte. Die heutige Geschichtsschreibung hat Moltmanns These angenommen. Es ist mir selbst, nach endlosem Durchsuchen und Überprüfen des genealogischen Quellenmateriales, im Frühjahr 1938 gelungen, die Richtigkeit der Moltmannschen Auffassung dadurch zu erhärten, daß ich nachweisen konnte, welcher Familie Theophano tatsächlich entsprossen ist. Sie war die Tochter des Fürsten Konstantin Skleros und der Prinzessin Sofia Phokas. Sie gehörte also dem höchsten byzantinischen Militäradel an. Sie war aber --- infolge ihrer Abstammung --- auch Mitglied zweier kaiserlichen Familien. Die Schwester ihres Vaters, Maria Skleros, war die erste Gattin des Kaisers Johannes Tsimiskes, sie selbst also dessen Nichte.

 

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Ihre Mutter aber war die Nichte des Kaisers Nikephoros Phokas II., sie selbst also dessen Großnichte.

 

Der deutsch-römische Kaiser Otto II. --- schon seit seinem dreizehnten Jahre Mitkaiser seines großen Vaters, Ottos I. --- erhielt also eine durchaus ebenbürtige Prinzessin zur Gattin. Zur Zeit, als die Werbung in Byzanz durch den Erzbischof Gero von Köln erfolgte, regierte Johannes Tsimiskes, Theophanos Oheim, über Ostrom. Als dessen Nichte auch wird sie in der ehelichen, uns erhaltenen Schenkungsurkunde genannt. Tsimiskes wünschte (und brauchte) Frieden mit dem abendländischen Kaisertum. Die Heirat seiner Nichte mit dem deutsch-römischen Kaiser bot die beste politische Gewähr für seine Absichten. Theophano war also ein viel wichtigeres Friedenspfand, als es je eine Prinzessin aus dem damals völlig in den Schatten gedrängten «legitimen» makedonischen Kaiserhause hätte sein können. Wenn einige abendländische Große, deren Adelsdünkel offenbar jedes Maß verloren hatte, Otto I. bestimmen wollten, Theophano als «nicht ebenbürtig» nach Byzanz zurückzusenden, so waren sie sich der politischen Dummheit eines solchen Verlangens wohl nicht ganz bewußt. Otto I. hat sie nicht einmal angehört. Er wußte, was er wollte. Und er wußte wohl auch, daß die antibyzantinische Partei an seinem Hofe (der die Kaiserin Adelheid nicht ganz fern gestanden haben dürfte) gar zu gerne die deutsch-oströmische Heirat überhaupt verhindert hätte. Auf eine Kaiserin aus einer der abendländischen Sippen, die alle miteinander verwandt waren, konnte man Einfluß gewinnen: diese «Fremde» aber, die da aus dem anspruchvollsten Reich der Welt herüberkam, diese über

 

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alle Begriffe verwöhnte Byzantinerin --- Byzanz war, was heute Paris ist ---, die auch noch eine fremde Sprache redete, diese in allem Raffinement hellenischer Renaissance erzogene Halborientalin mußte fern, mußte unerreichbar und unbeteiligt bleiben. Sie mußte zu einer gefährlichen, übergeordnet-neutralen Macht werden, sofern Sie Macht gewann. Und warum sollte Sie keine gewinnen? Mit persönlichen Anliegen würde ihr wohl niemand kommen können ---.

 

Niemals wohl ist die ausländische Gemahlin eines deutschen Kaisers mit soviel Neugierde, Unsicherheit, Voreingenommenheit erwartet worden wie Theophano im Frühling 972. Sie war sechzehn Jahre alt. Sie war von großer Schönheit, von bezwingender Eleganz. Sie war natürlich, selbstsicher, zurückhaltend. Sie war unaussprechlich kühl. Sie war nicht im geringsten verwirrt durch die neuen Eindrücke. Es war offensichtlich, daß sie längst mit sich darüber ins reine gekommen war, was diese deutsche Heirat für sie bedeuten würde. Sie war Fürstin von Kopf bis zu Fuß, ohne Bedürfnis, auch nur das Geringste von dem zu verraten, was in ihr vorging. Sie gab sich nicht «vertrauensvoll» in die Obhut der kaiserlichen Schwiegermutter Adelheid. Diese gefühlvolle Frau mußte ihr vom ersten Augenblick an fremd sein. Sie empfand keine Lust, sich bemuttern, geschweige denn ins Schlepptau nehmen zu lassen. Sie brachte einen eignen Hofstaat mit. Sie brachte also ein Stück Byzanz mit: die Rückverbindung mit der soeben verlassenen Welt. Sie wollte, gestützt auf dieses Heimatliche, das ihr das Gleichgewicht wahren half, mit eignen Augen sehen, mit eignen Ohren hören. Sie wußte, daß es

 

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Unsägliches zu lernen gab. Sie war an Lernen gewöhnt. Sie war im kaiserlichen Gynaikeion erzogen worden. Die Anforderungen, welche in dieser Palastschule an die Lernenden gestellt wurden, waren außerordentlich. Die Bildung der abendländischen Frauen aus dem Hochadel --- einige Äbtissinnen ausgenommen --- war kirchlicher Natur und konnte sich nicht messen an byzantinisch-antiker Laienbildung. Theophano dachte nicht daran, ihr vielfaches Wissen auszuspielen gegen das Nichtwissen ihrer neuen Umgebung. Sie hatte lange begriffen, daß man nicht aus Büchern das Entscheidende lernt. Auch stammte sie aus den höchsten Militärkreisen. Ihre beiden Oheime, Bardas Skleros und Bardas Phokas, gehörten zu den bedeutendsten Feldherrn ihrer Zeit. Wer es seit seiner Kindheit gelernt hat, die kriegerische Tat zu bewundern und den Menschen, der Sie vollbringt, der verfällt nicht dem toten Buchstaben noch dem Hochmut der Gelehrsamkeit. Er weiß nur, daß Wissen eine unendliche Hilfe im Erkennen ist: weil es die Fülle der Vergleiche erhöht.

 

Es ist nicht anzunehmen, daß sich Theophano im voraus sehr um ihre Ehe mit dem siebzehnjährigen Kaiser gesorgt habe. Man hatte ihr sicherlich sein Bild nach Byzanz geschickt. Sie wußte also, daß er angenehm war. Nicht besonders groß, aber ebenmäßig gebaut, blond, von frischer Farbe. Als sie ihn kennengelernt hatte, konnte sie ergänzen: auch geistig gut ausgebildet. Freundlichen Gemütes. Aber sprunghaft, unberechenbar-knabenhaft. Ganz ohne Selbstzucht. Gefährlich beeinflußbar.

 

Nachdem die Hochzeit am 14. April 972 gefeiert war ---

 

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was das Abendland an Namen aufzuweisen hatte, hatte sich in Rom eingefunden ---, blieb der Hof noch einige Wochen in Italien, ehe er den Zug über die Alpen nach Deutschland antrat. Noch mußte Theophano --- solange sie auf dem Boden des alten Imperium Romanorum weilte --- ein Gefühl des Vertrautseins mit den Dingen und Menschen haben. Noch war es dieselbe südliche Sonne wie in Byzanz, welche hier über Meeren, Küsten, Städten, Fluren leuchtete . . . Wie aber mag die Zukunft ihres Schicksals an ihr Herz gegriffen haben, als sich der kaiserliche Zug nun im Juli langsam auf den Alpenstraßen zu den Paßhöhen hinaufbewegte, hinter denen das unergründliche, das gefährliche Deutschland lag?

 

Meine Damen und Herren: Wenn es einen Augenblick des inneren Zurückprallens vor zugewiesenem Schicksal in Theophano gab: wenn es einen Augenblick der Lebensangst in ihr gab, des plötzlichen Aufschauderns vor dem Ungewissen, das da abgründig in Wäldern und Seen und Frühnebeln vor ihr lag: So kann es nur an der Wende des Paßweges gewesen sein, der plötzlich ein eben noch im Lichte Lächelndes nach rückwärts abschließt und die jenseitige Tiefe aufreißt. Byzanz --- und Deutschland! Welcher Abgrund zwischen Welten! Wie vieler Kräfte würde es bedürfen, ihn auszufüllen --- ihn zu überwinden --- ihn unsichtbar zu machen . . .

 

Nicht lange blieb Theophano Zeit, sich an das große Fragezeichen zu verlieren: Sofern es jemals überhaupt als Macht der Ferne in ihr Geltung gewann. Schon drängten die Dinge der neuen Welt an sie heran, verlangten bemerkt, bewertet, vielleicht geliebt zu werden. Sie sah St. Gallen, die unvergleichliche Stätte abendländischer

 

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Gesittung und Bildung. Man sprach ihr von Cluny und dem Ceiste der Katharsis, der von diesem Kloster aus langsam den verrotteten Klerus durchdrang. Sie kam nach der Reichenau, nach Konstanz, dann an den Rhein (der Sie vielleicht an Sommertage am oberen Euphrat erinnerte), dann in das Elsaß, dann nach Ingelheim --- und schließlich, zu Weihnacht, nach Frankfurt. Sie erlebte den deutschen Winter: Schnee, der liegenbleibt, gefrorene Flüsse und Weiher, die den Himmel spiegeln, Tannenäste, die unter den weißen Lasten brechen . . . Flammende Kerzen, die an den Hochaltären der nächtigen Christmessen brennen. Sie erlebte die deutsche Frühe und ward ihres zauberhaften Hauches teilhaftig, um sich seiner nie mehr zu entäußern.

 

Langsam ging die Reise weiter nach den sächsischen Stammsitzen der Kaiser: nach Quedlinburg, nach Magdeburg. Einem Hoftag folgte der andere. Immer neue Gesichter tauchten auf, die man kennen und behalten mußte, immer neue Neugierde wurde an sie herangetragen. Es erwies sich, daß ihre Haltung richtig gewesen war. Sie hatte sich mit niemandem befreundet, sie hatte keine Meinungen geäußert noch Urteile gefällt. Sie hatte nicht einmal gelächelt, wenn sie die Kaiserin Adelheid huldvoll-hoheitsvoll zwischen Dingen und Menschen dahinwallen sah: und am liebsten zwischen jugendlichen Menschen. Nein: hier war ein Unüberbrückbares, wie die Witterung von Frau zu Frau sofort erkannte. Hier war nur Gegensatz. Adelheid: im Grunde immer verfallen, und sei es einem Wunschbild, Theophano: immer fern und bewußt, selbst wo sie angehörte. Dort alles «Gefühl» --- hier alles Nerv und Zucht und Herrscherwille:

 

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wenn auch noch sehr zurückgehaltener. Es bedeutete nicht viel, daß Theophano auch schon den Titel einer Kaiserin führte: ihre Stellung war die einer Kronprinzessin. Und niemand mehr als Adelheid wachte darüber, daß neben dem ihren kein ebenbürtiger legitimer Einfluß aufkam. Das Schicksal durchkreuzte ihre Berechnungen: am 7. Mai 973 starb in der Pfalz zu Memleben Otto I.



Adelheid war Kaiserinwitwe geworden. Otto II., ihr Sohn, alleinregierender Kaiser, Theophano alleinregierende Kaiserin. Mit einem Schlage war die gesamte politische Perspektive geändert. In Nichts versunken, wie nie gewesen, schien das eine, einzige Jahr der Hingabe an die neuen Eindrücke, das Theophano vom Schicksal gegönnt wurde. Was nun begann, war Kampf. Kampf auf unzähligen Schauplätzen, Kampf ohne Rast und ohne Ende: Kampf der Herrscher um das immer wieder umstrittene Gut: die Herrschaft. Achtzehn Jahre war dieser Kaiser alt, als die Last des Weltreichs auf seine Schultern sank, siebzehn Jahre die Gefährtin, die ihm der Wille seines Vaters: das heißt die Notwendigkeit der abendländischen Politik, bestimmt hatte.

 

Theophano spürte, welche stumme Feindschaft --- Erbe alten Sippenzankes --- um den jungen, noch unerfahrenen Herrscher aufschoß. Sie witterte, was sich da im Dunkel zusammenrotten, was da im trüben fischen wollte: und sie begriff, daß sie nun erst recht im Hintergrunde bleiben und die Entscheidungen jenen Geübten überlassen müsse, die das Spiel der Cliquen zu durchschauen und also auch zu durchkreuzen vermochten. Nur in einer Frage sah sie ganz klar: in der bayrischen. In Bayern regierte

 

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die ottonische Sekundogenitur, vertreten seit Herzog Heinrichs I. Tode durch seine Witwe Judith und seinen zweiundzwanzigjährigen Sohn Heinrich II., den Zänker. Judiths Tochter Hadwig --- jene Hadwig vom Hohentwil, die jedes Kind aus Scheffels Märchenbuch «Ekkehard» kennt --- war als halbes Kind dem um gut vierzig Jahre älteren Herzog Burchard von Schwaben verkuppelt worden, damit der gesamte deutsche Süden dem bayrischen Einfluß unterworfen sei. Adelheids persönliche Vorliebe für die bayrische Sekundogenitur war bekannt. Was sollte werden, wenn diese ungeheure Feudalgewalt neue Ansprüche erhob oder sich gegen die Reichsgewalt --- also den Kaiser --- auflehnte, wie es in ihrer Tradition lag?

 

Schon hatte sie ihre Machenschaften bei der bischöflichen Neuwahl in Augsburg begonnen. Der Herzog Burchard von Schwaben hatte es durch mehr als niedrige Intrigen fertiggebracht, das Bistum Augsburg einem Neffen der Herzogin Judith, also einem Mitgliede der Sekundogenitur, in die Hände zu spielen. Der Kaiser erkannte den Betrug, als es zu spät war . . . Er machte zunächst gute Miene zum bösen Spiel. Vielleicht unter Theophanos Einfluß, welche aus ihrem byzantinischen Vaterlande her die besondere Taktik solcher Feudalkämpfe kannte. Wir wissen es nicht. Aber wir wissen ein anderes, Erstaunliches, das den jugendlichen Kaiser furchtlos auf der Höhe seiner Aufgaben zeigt: Als noch im Jahre des Augsburgers Betruges der alte Burchard starb und sich die bayrische Sekundogenitur an ihrem Ziel angekommen glaubte, da ja die jugendliche Witwe Hadwig eine Hand zu vergeben hatte, machte Otto II.

 

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kurzen Prozeß. Er nahm ihr das Herzogtum ab und gab es seinem mit ihm gleichaltrigen Neffen und bewährten Freunde Otto, dem Sohne Liudolfs. Die bayrische Clique tobte. Die Saat des Hasses und der Rache war gesät. Sie ging auf in den Rebellionen Heinrichs des Zänkers, welche --- mit geringen Unterbrechungen --- die Jahre 974 - 977 füllten.

 

Als das Jahr 973 zu Ende ging, fand sich Theophano schon mitten in den Strudel der deutschen und abendländischen Politik hineingezogen . . . Bis an das Ende ihres Daseins gab es von nun an nur noch Notwendigkeiten. Sie hatte keine Wahl mehr. Sie konnte nicht abseits bleiben. Sie war ein ausgesprochen politisches Temperament. Die Sache ging sie an. Der Sache gab sie sich, und gab sich ganz. Das ist der männliche Zug ihres Wesens. Das ist die Dynamis ihres gesamten Daseins. Nicht im Gefühl: nein: im Willen zur Macht offenbarte sich die Leidenschaft ihrer Natur. Sie war eine kalte, eine unbestechliche Rechnerin. Sie verstand sich auf die Kunst der Geduld. Sie verachtete das ewig erregte Herz. Sie verabscheute jede Vermengung von Person und Sache. Da Adelheid niemals diese Trennung folgerichtig durchzuführen imstande war, mußte sich nach 973 die Spannung zwischen den beiden Frauen noch verschärfen und bis zum heimlichen Kriege in den Kulissen steigern. Otto hatte durch sein Vorgehen in der Angelegenheit des Herzogtums Schwaben Theophano bewiesen, wessen er fähig war: hatte sie also in ihrem eignen Wollen sehr ermutigt. Es galt für sie vor allem, den Kaiser ganz für sich zu gewinnen, sein Selbstbewußtsein zu steigern und ihn dem hemmenden Einfluß der

 

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sentimentalischen Mutter zu entziehen. Ja, es galt vielleicht, diese allmählich in eine solche Lage zu versetzen, daß Sie einen Aufenthalt in ihrer burgundischen Heimat einem Verweilen am deutschen Kaiserhof vorzog.

 

Es steht über allem Zweifel, daß sich zwischen 974 und 978 erbitterte Kämpfe zwischen Schwiegertochter und Schwiegermutter abgespielt haben, auch wenn jeder nähere Bericht fehlt. Theophano dachte nicht daran, die geheim wirkenden Gegensätze nach außen zu tragen. Das wäre auch, angesichts des bayrischen Rebellionskrieges, unklug gewesen. Aber sie wußte, wo und wie sie zu treffen hatte. Sie kämpfte nicht gegen die «Frau», geschweige denn gegen die «böse Schwiegermutter» Adelheid: Sie kämpfte gegen das politische Prinzip Adelheid, das ihr überlebt, falsch und --- angesichts der zu erwartenden Entwicklungen --- geradezu gefährlich schien. Sie kämpfte gegen jede Sippenwirtschaft und für jede Stärkung der zentralen Reichsgewalt: nicht weil Sie Byzanz nachahmen wollte, sondern weil sie begriffen hatte, daß auch das deutsch-römische Abendland nicht zusammengehalten werden könne, wenn die Macht des Kaisers nicht unantastbar und unerreichbar über allen feudalen Anmaßungen throne. Der Begriff der «Majestät» war für sie ein lebendiger, aus unversiegbaren Quellen gespeister Inhalt, eine Wunderkraft, die einen ganzen Kontinent durch ihre Strahlung zusammenzuhalten vermochte. Für diese Kraft kämpfte und siegte Theophano --- lautlos und unbeirrbar --- bis zu ihrem letzten Atemzug.

 

Sie hatte in diesem Kampfe einen Bundesgenossen höchsten Ranges: den Umstand, daß sie infolge ihrer

 

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byzantinischen Abstammung keiner deutschen Vergangenheit, sondern --- durch ihre Heirat --- lediglich einer deutschen Zukunft verpflichtet war. Adelheid war durch Blut, durch Versippung und Erlebnis, unentrinnbar der deutschen Geschichte verbunden. Selbst wenn sie sich dieser Bindung hätte entziehen wollen, wäre es ihr kaum gelungen. Sie war weder seelisch noch geistig stärker als die Vorbedingungen und Umstände ihres kaiserlichen Lebens. Sie war immer mitten in ihnen befangen --- ihre Anlage und ihr Temperament verlangten ein solches Beteiligtsein. Das gewann ihr die Herzen des braven Durchschnitts --- erweckte aber auch, bei den bedeutendsten Geistern ihrer Umgebung, manches verzeihende Lächeln. Theophano hingegen war völlig unbeteiligt an Gewesenem. Auch fehlte ihr jede Lust an unfruchtbarer Rückversenkung. Sie war unromantisch bis in die Fingerspitzen. Sie war eine Realistin großen Stiles: begessen von ihrer ganz in die Zukunft greifenden Aufgabe, ungehemmt durch Rücksichten auf Umstände und Menschen, die sie niemals gekannt hatte: gehorchend nur einem einzigen Befehle: der Stärkung und Machterweiterung des Reiches. Die Verpflanzung in den Westen bedeutete für sie nicht einen Bruchteil dessen, was für Adelheid eine Verpflanzung in den Osten bedeutet hätte. Denn Theophano lebte ganz aus der Aufgabe, aus der Idee heraus, in die sie das Schicksal verwiesen hatte: Adelheid aber lebte --- mit allem Drum und Dran --- ein kaiserliches Frauenleben auf Grund ihrer kaiserlichen Position. Es war klar, wer Siegerin bleiben mußte, falls die unter der Asche glimmenden Funken sich zur Flamme eines offnen Entscheidungskampfes entfachen sollten.

 

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Ende 978 kam es soweit. Den letzten Anlaß zur Verfeindung zwischen dem jungen Kaiserpaare und der Kaiserinmutter hatten die Ereignisse des Jahres 977 gegeben: die endgültige Niederwerfung der bayrischen Revolte, die rücksichtslose Bestrafung Heinrichs des Zänkers durch Entthronung und Gefangensetzung --- sowie die Lösung der niederlothringischen Belehnungsfrage.

 

Wir dürfen als wahrscheinlich annehmen, daß sich Theophano, welche damals den Einfluß der Kaiserinmutter auf ihren Sohn verdrängt hatte, leidenschaftlich gegen jede milde Behandlung des Rebellen auflehnte, also die bayrischen Sympathien ihrer Schwiegermutter bei der Urteilsfällung einfach beiseite geschoben sehen wollte . . . Wir dürfen aber für noch viel wahrscheinlicher, wenn nicht als sicher erachten, daß sie bei der Lösung der niederlothringischen Lehensfrage die ganze Verschlagenheit byzantinischer Diplomatie spielen ließ.

 

Das Herzogtum Niederlothringen, das etwa von Trier aus nördlich bis zur Nordsee reichte --- also Köln, Aachen und Nymwegen umfaßte ---, bedurfte eines Oberhauptes, nachdem es lange Zeit unter einer Art provisorischer Reichsverwaltung gestanden hatte. Die Wahl fiel --- nach langen Beratungen --- auf den Bruder des regierenden Königs Lothar von Frankreich, auf den Prinzen (und gegebenen Falles französischen Kronprätendenten) Karl.

 

Wollen wir uns doch einmal vergegenwärtigen, was das bedeutete! Ein jugendlicher französischer Thronanwärter wird durch die Belehnung mit einem zum Deutschen Reich gehörenden Herzogtum kaiserlicher «Beamter», kann also --- wenn dies die Umstände verlangen ---

 

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gegen seinen eigenen Bruder, den König von Frankreich, ausgespielt und eingesetzt werden! Fügen Sie noch zu, daß dieser französische König der Schwiegersohn der Kaiserin Adelheid ist, da er deren Tochter Emma aus erster Ehe seit 966 zur Gemahlin hat. Fügen Sie weiter zu, daß Karl von Niederlothringen aufs heftigste mit seiner Schwägerin Emma verfeindet war --- er zieh sie einer unerlaubten Beziehung mit dem Bischof Ascelin von Laon --- und deshalb von Adelheid mit unauslöschlichem Haß verfolgt wurde. Erwägen Sie schließlich noch, daß der König Lothar von Frankreich immer geheime Absichten auf Nieder- und Oberlothringen hegte: und Sie werden erkennen, welches ungeheure menschliche und diplomatische Spiel da im Mai 977 in Diedenhofen ausgetragen wurde: über den Kopf der Kaiserinmutter hinweg, hinweg über alle ihre persönlichen Empfindsamkeiten: hinweg auch über alle Einwände ihrer Sippenpolitik, die den Erfordernissen der Stunde nicht mehr standhielt. Natürlich fürchtete Adelheid die Rache des französischen Königs Lothar nach einem solchen Affront. Sie fürchtete das Wiederausbrechen der deutsch-französischen Kriege, welches die klug vermittelnde Politik einer königlichen Frau --- Gerbergas von Frankreich, der Mutter Lothars --- lange Jahre verhindert hatte. Der junge Kaiser dagegen sah einer solchen Möglichkeit sehr gelassen ins Auge. Als sie --- 978 --- zur Tatsache wurde, als Lothar bis nach Aachen vordrang, aber unverrichteterdinge wieder umkehren mußte, kündigte Otto II. öffentlich einen Revanchekrieg für den 1. Oktober an. Einer solchen Politik konnte --- begreiflicherweise --- Adelheid nicht mehr folgen. Man hatte ihre Warnungen

 

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in den Wind geschlagen. Sie verließ den Hof und reiste, begleitet von ihrer Tochter, der Äbtissin Mathilde von Quedlinburg, nach Vienne, an den Hof ihres Bruders, des Königs Konrad von Burgund.

 

Theophanos Einfluß am Hof wurde nun allmächtig. Er stieß auf keine Widerstände mehr. Wer hätte diese wagen sollen?

 

Die französische Frage war aufgerollt. Theophano wußte, daß sie --- trotz aller Versuche von Zwischenlösungen --- aufgerollt bleiben würde. Sie hatte längst erkannt, daß das deutsch-französische Verhältnis eines der Grundprobleme der zukünftigen Reichspolitik darstellen würde: ein Problem von nicht minderem, sondern eher noch größerem Gewicht als das slawische im Osten. Sie wußte, daß dieses Problem eine grundsätzliche Lösung verlangte, bei welcher Rücksichten auf verwandtschaftliche Bindungen, Gefühle und Ressentiments keine ausschlaggebende Rolle mehr spielen durften.

 

In Frankreich regierten noch immer die Karolinger. Es durfte keine karolingischen Ansprüche mehr an die Ottonen geben, auf welche mit Ottos I. Kaiserkrönung --- 962 --- die imperiale Machtstellung und Prätention Karls des Großen übergegangen waren. Wie innenpolitisch, so hatte auch außenpolitisch die Omnipotenz der ottonischen Majestät zu gelten und der deutsch-römischen Reichspolitik den Stempel ihres karolingischen Erneuerungsgedankens (Renovatio) aufzudrücken. Der Preis für die Durchsetzung dieses Standpunktes mochte nicht immer billig sein. Aber er mußte gezahlt werden: denn ein großes Reich lebt auf die Dauer nur aus der Idee, die es vertritt und verkörpert: nicht aber aus den Zufälligkeiten

 

Benrath, Vorarbeiten 4

 

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eines «Wohlstandes», der mit schwindender Machtgeltung ebenfalls schwinden würde.

 

Theophanos politischer Glaube fand seine Bestätigung, als sie im Juli 980 dem Thronerben --- Otto III. --- das Leben gab. Nun war auf den eignen Sohn beziehbar, was seither als autonome Idee in ihr wirksam gewesen war. Sie sagte «Reich», wenn sie fortan Sohn sagte. Und sie dachte «Sohn», wenn sie ihre eigne Aufgabe dachte. Die kühle Klarheit ihres kaiserlichen Pflichtbewußtseins war zur berauschenden Klarheit ihres gesamten Lebenszustandes geworden. Unzweideutig, in göttlicher Helle, lag vor ihr der ungeheure Weg: der Weg zu dem Sohne durch den Sohn, welcher kein anderer war als der Weg der Erfüllung, beginnend in Gottes Gesetz, endend in Gottes Gesetz: Sei es durch Glück, sei es durch Leid, sei es durch beider Verkettung.

 

Als der Hof Ende 980 Deutschland verließ, um sich der Lösung wichtiger italischer Fragen zu widmen, trennte sich Theophano nicht von dem erst vierteljährigen Kinde. Die beiden 977 und 978 geborenen Töchter, Adelheid und Sofia, ließ sie in Deutschland zurück: der Thronerbe aber wurde mitgenommen auf die beschwerliche Reise.

 

Die Reise war zunächst für sie eine Entspannung. Sie atmete nach acht langen Jahren wieder südliche Luft, sah südliche Blumen, Südliches Meer . . . Vielleicht vergaß sie für ein paar Wochen, daß dieser Zug nach Ravenna, Rom und Apulien politische Ziele verfolgte: er galt vor allem der Ordnung der Verhältnisse in den Ländern der Fürsten von Benevent, Spoleto, Capua, welche die südlichen Grenzwächter des Reiches waren. Er galt

 

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aber auch --- sehr möglich --- einem äußerst verwegenen Ziel: der Eroberung der beiden, zu Byzanz gehörigen apulisch-kalabrischen Militärprovinzen (Themen) unter dem Vorwand eines Krieges gegen die von Sizilien auf das Festland vordringenden fatimidischen Sarazenen.

 

Wenn Theophano --- als Byzantinerin und orthodoxe Christin --- bestimmt mit dem Kampfe gegen die mohammedanischen Heiden einverstanden war, so mußte ihr der Angriff auf byzantinisches Gebiet als ein sehr gefährliches Unterfangen erscheinen. Sie war es gewöhnt, sich an die Lehrsätze der byzantinischen Flottenpolitik zu halten: Byzanz würde niemals seine wichtigsten Marine-Stützpunkte in Apulien oder Kalabrien preisgeben. Und wie sollte das Reich, selbst bei einem günstigen Ausgang des Krieges, diese entfernten Küsten oder Häfen halten, nachdem es nicht einmal die kleinste eigne Flotte besaß? Sie ließ es bestimmt nicht an Warnungen fehlen: aber die Kriegspartei --- deren Seele wohl der Kaiser selbst war --- war stärker als ihre Einwände: zu tief saß diesen Deutschen im Blute der Gedanke, daß --- de jure --- ganz Italien zu ihrem Reiche --- dem Erbe des «Imperium Romanorum» --- gehöre. Die Gelegenheit erschien zu günstig, als daß man sie nicht hätte ausnutzen sollen . . .

 

Das Ende des Feldzuges ist bekannt: Nach anfänglichem Sieg geriet das kaiserliche Heer infolge einer frevelhaft nachlässigen Kriegsführung in einen Hinterhalt der (zweifellos von den Byzantinern unterstützten) Sarazenen und wurde zusammengehauen. Die Niederlage wuchs sich zur Katastrophe aus. Der Tag der Schlacht bei Kap Kolonne --- 15. Juli 982 --- gehört zu den schlimmsten

 

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Tagen der deutschen Geschichte im Mittelalter. Selbst der Kaiser wurde nur durch ein Wunder vom Tode gerettet.

 

Theophano fiel in Wut: wenn sie etwas haßte, so den politischen und militärischen Dilettantismus. Das sinnlose Draufgängertum überheblicher Heißsporne hatte bedeutende Werte des Reiches für nichts und wieder nichts verspielt und dem kaiserlichen Namen einen Prestigeverlust gebracht, der durch zwei Jahrhunderte hin nicht wiedergutzumachen war. Der Kaiser selbst war das Opfer seines gefährlichsten Dämons geworden: der Unbeherrschtheit. Er hatte sich gehen lassen: Todsünde in den Augen Theophanos.

 

Ein Jahr später starb er in Rom an den Folgen der gleichen Todsünde. Er war an Darmstörungen erkrankt. Die Verordnungen des Arztes brachten ihm nicht rasch genug die erwünschte Wirkung. So nahm er ganz einfach das Vielfache der vorgeschriebenen Aloedosis und --- verblutete an dieser knabenhaften Eigenwilligkeit: Reich und Gattin und Sohn dem dunkelsten Schicksal überlassend.

 

Die Berichte erzählen von Theophanos tiefer Trauer um den Toten. Ich glaube diesen Berichten nicht. Ich glaube, daß Theophano damals nur von einem einzigen Gefühl beseelt war: von dem der Erbitterung gegen ein solches Maß von Verantwortungslosigkeit. Otto II. war, als er starb, achtundzwanzig Jahre alt. Eben in diesem Alter pflegen die Grundeigenschaften der männlichen Natur durchzubrechen. Sollten Beeinflußbarkeit und Unbeherrschtheit sich als solche Grundeigenschaften Ottos II. erwiesen haben: So wäre allerdings sein Tod ein

 

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Glück für das deutsch-römische Imperium gewesen. Es steht uns kein Urteil darüber zu.

 

Theophanos Größe wird erst sichtbar nach dem Tode des Kaisers. In der Stärke ihrer Seele lag nun das Schicksal des Reiches. Sie war siebenundzwanzig Jahre alt . . . Aber es lebt ja alterlos, wer vom Feuer eines großen Gedankens lebt: von der Hingabe an ein Ziel, das um seiner selbst willen besteht und dennoch auf einen Erben bezogen werden kann.

 

Meine Damen und Herren: wollen Sie einmal mit mir erwägen, wie Theophanos Lage unmittelbar nach dem Tode des Kaisers war.

 

Ihr Sohn, Verkörperung und Sinnbild ihres eignen Daseins, war gerade in Aachen zum deutschen König gekrönt worden, als die Nachricht vom Tode des Kaisers in Deutschland eintraf. Das Signal zum Aufstand der Gegner war gegeben. Heinrich der Zänker verließ Utrecht, wo er sechs Jahre lang in Haft gehalten worden war, und verlangte vom Erzbischof von Köln die Auslieferung des dreijährigen Königs. Der Erzbischof gehorchte. Auch die kaiserlichen Prinzessinnen wurden von dem Bayern in Gewahrsam genommen. Einige kleinere weltliche und eine ganze Reihe geistlicher Fürsten schlossen sich dem Empörer an. Der König Lothar von Frankreich hielt sich --- je nach den Chancen --- zum Eingreifen auf der kaiserlichen oder kaiserfeindlichen Seite bereit. Die Propaganda arbeitete mit allen Mitteln der Lüge und Gehässigkeit gegen Theophano, gegen die «Fremde», die «Undeutsche», die «Sittenlose» --- man sagte ihr eine Beziehung zu dem schönen Griechen Johannes Philagathos, dem späteren Erzbischof von Piacenza

 

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nach --- und gegen ihren Sohn, den Halbgriechen, der niemals ein rechter deutscher König sein werde . . .

 

Aber Theophano --- die politischen Notwendigkeiten hatten ihr ein Zusammenarbeiten mit Adelheid aufgezwungen --- hatte einen großen Freund, dessen Stimme und Willen mehr Gewicht besaßen als die Anstrengungen all ihrer Gegner: Willigis, den Erzkanzler des Reiches und Erzbischof von Mainz. Wüßte man gar nichts von Theophano als nur die Tatsache, daß sie mit diesem Manne durch alle Jahre ihrer Regentschaft hin die Politik des Reiches geleitet hat, ohne daß das gute Einvernehmen der beiden Partner auch nur ein einziges Mal gestört worden wäre, so hätte man Klarheit darüber, wie man sie einzuschätzen hat. Daß die Frau aus höchstem byzantinischen Adel mit diesem unbeugsamen Sachsen schlichtester Herkunft, aber genialer staatsmännischer Begabung, in einer wirklichen Freundschaft leben konnte, spricht mehr für sie als alle freundlichen Dinge, die Thietmar von Merseburg über sie berichtet. Es beweist, daß sie den Wert der menschlichen Substanz über den Wert der Geburt stellte. Es beweist, daß Sie turmhoch über den dünkelhaften Vorurteilen der Feudalität stand und dem Genie gab, was des Genies war. Es beweist auch ihre Unbeeinflußbarkeit und jene Mißachtung des «Üblichen», welche alle wahren Herrschernaturen kennzeichnet.

 

Willigis vertrat --- seit Anfang 984 --- mit ungewöhnlicher Energie die Rechte der Krone gegen die hochverräterische Usurpation des Zänkers. Gemeinsam mit Theophano kämpfte er den schweren Kampf bis zum endlichen Siege. Der Bayer lieferte den gekrönten König

 

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und die kaiserlichen Prinzessinnen aus, verzichtete auf alle Thronansprüche und gab --- ein für allemal --- den Kampf für eine ungerechte und unsaubere Sache auf. Gewiß: er erhielt sein Herzogtum --- wenn auch verkleinert --- zurück. Aber er leistete dem jungen König den Lehnseid und brach ihn niemals mehr bis an sein Lebensende. Die bayrische Clique hatte aufgehört, für Theophano eine Gefahr zu bedeuten. Von 985 bis zu ihrem Tode ist die Kaiserin auf keine ernsthaften innerpolitischen Schwierigkeiten mehr gestoßen.

 

Aber seit dem Jahre 986 schob sich die französische Frage in ihrer ganzen Schwere auf den vordersten Plan der Reichspolitik. Im Frühjahr 986 war der König Lothar von Frankreich gestorben, im Frühjahr 987 folgte ihm sein einziger, erst zwanzigjähriger Sohn Ludwig V. nach. Rechtmäßiger Erbe wäre --- da Ludwig keine Nachkommen hinterließ --- Lothars Bruder gewesen: eben jener Herzog Karl von Niederlothringen, der durch die Annahme der reichsdeutschen Belehnung kaiserlicher «Beamter» geworden war.

 

Es liegt auf der Hand, daß weder Theophano noch die französischen Großen die Erhebung dieses Karolingers auf den Thron Frankreichs wünschen konnten. Der Erzbischof Adalbero von Reims --- ein Mann von hoher politischer Begabung --- besorgte sowohl das Geschäft der Kaiserin als auch der westfränkischen Feudalität, indem er den Herzog von Franzien, Hugo Kapet, Theophanos (weil Ottos II.) Vetter, zum König wählen ließ. Theophano hatte mit dieser Wahl genau das, was sie wollte und brauchte: die Spaltung der nationalen Kräfte in Frankreich. Sie konnte --- je nachdem es nun ihre eigne

 

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Politik verlangte --- auf diese oder jene Karte setzen. Sie konnte den Karolinger gegen den Kapetinger ausspielen --- und umgekehrt. Frankreich zerrissen und schwach zu halten: das war ihr oberstes und bedeutsamstes Ziel, Frankreich dem Imperium bei passender Gelegenheit wieder einzuverleiben: Sehr wahrscheinlich ihr nächstes, sorgfältig geheimgehaltenes. Denn sie dachte ja in der von den Ottonen übernommenen karolingischen Reichstradition. Auch wußte sie, daß noch Otto I. und sein Bruder, der Erzbischof Brun von Köln, eine Art Vormundschaft über die Könige von Frankreich ausgeübt hatten. Was war, konnte wieder werden --- und mehr. Sie war es von Byzanz her gewohnt, immer in der jeweilig höheren Einheit zu denken.

 

Sie hat mit bewunderungswürdiger Zähigkeit an ihrem Ziele festgehalten, genau so, wie sie der Ostpolitik ihre wacheste Aufmerksamkeit lieh. Im Süden dagegen gingen ihre Bemühungen kaum weiter als Rom und die kampanischen Randstaaten. So genau sie wußte, daß in Kalabrien und Apulien für das Reich nichts zu holen war: So unantastbar schien ihr die Notwendigkeit engster Zusammenarbeit mit der Kurie. Das Reich mußte vor der ganzen Welt als Beschützer der Kurie gelten und sich für diese einsetzen, sobald es nötig war. Es mußte jedem Versuch, die Universalität der Kirche zu schwächen, mit Gewalt entgegentreten. Denn diese kirchliche Universalität war ja nur die Parallele der Reichsuniversalität: war die geistliche Bestätigung des übergeordneten weltlichen Imperiums.

 

Gerade der Umstand, daß die Kirche sich ganz in den Schutz der Reichsmacht stellte --- wohlgemerkt: im

 

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10. Jahrhundert! --- sicherte Theophano die Helferschaft eines Teiles des hohen französischen Klerus für ihre Pläne in Frankreich. Kein Geringerer als der kapetingische Königsmacher, der Erzbischof Adalbero von Reims, war ihr überzeugtester Schrittmacher: Schon zur Zeit des bayrischen Usurpationsversuches.

 

Die französische Frage nahm eine für Theophano sehr unerfreuliche Wendung, als es Hugo Kapet gelungen war, Karl von Lothringen mit seiner gesamten Familie zu fangen und auch den Erzbischof Arnulf von Reims, Adalberos Nachfolger, Karls Parteigänger, in Haft zu setzen. Aber Theophano wurde nicht kleinmütig. Sie sah sofort den Punkt, von dem aus sie ihre Politik weiterführen und wieder Oberwasser gewinnen konnte. Die eigenmächtige Absetzung und Verhaftung eines dem Papst unterstehenden Erzbischofs durch einen französischen König war ein schwerer Verstoß gegen das kanonische Recht. Hugo Kapet hätte Theophano gar keinen größeren Dienst erweisen können als eben diesen Verstoß zu begehen. Sie wußte, daß er sich mit dem Gedanken trug, die westfränkische Kirche von Rom zu lösen. Eine nationalfranzösische Kirche wäre für das Reich unannehmbar gewesen, weil Sie eine Schwächung der Kurie und gleichzeitig eine Stärkung der französischen Dynastie bedeutet hätte.

 

Theophano machte also aus dem Rechtsbruch Hugo Kapets eine weltpolitische Frage: Der französische König hatte durch Verletzung des kanonischen Rechts sakrosankte Reichsinteressen geschädigt. Willigte er nicht in eine Wiedergutmachung ein, so war der deutsche Angriff gegen Frankreich unvermeidlich. Daß einen solchen die

 

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kapetingische Dynastie überstehen würde, schien unglaubhaft. Denn deren Stellung war damals schwach --- und es war mehr als unsicher, wer von den untereinander rivalisierenden westfränkischen Herzögen sie stützen würde. Ein französisches Nationalgefühl gab es noch nicht. Der Feudalgedanke überwog den Staatsgedanken.

 

Außerdem aber hatte Theophano ihre heimlichen Helfer und Agenten in Frankreich, die nur auf ihre Aktion warteten. Da war vor allem Gerbert von Reims, der Schüler Adalberos: ein ebenso gebildeter wie durchtriebener Mann, der sehr wohl wußte, wo sein Weizen blühte . . . Da war Ascelin, der Bischof von Laon, die Gesinnungslosigkeit in Person, der immer zu haben war, wo etwas für ihn abfiel. Die Grafen Eudes de Chartres und Herbert de Troyes aber --- wahrhafte «Gangsters» ihrer Zeit --- dienten in skrupelloser Offenheit dem, der am besten zahlte. Nun: an Gold fehlte es Theophano gewiß nicht . . . und doppelt nicht, wenn es um ein so hohes Spiel ging . . .

 

Schon war sie --- indessen Hugo Kapet das Konzil von St. Basle vorbereitete, auf dem die öffentliche Entehrung und Absetzung des «verräterischen» Erzbischofs Arnulf proklamiert werden sollte --- in der Pfalz von Nymwegen, dicht an der französischen Reichsgrenze erschienen, um sofort in die sich vorbereitenden Ereignisse eingreifen zu können: da starb sie eines plötzlichen, geheimnisvollen Todes am 15. Juni 991.

 

Hatte man Sie vergiftet? Wir wissen nichts. Wir dürfen nur annehmen, daß Gift bei solchen «Toden zur rechten Zeit» eine größere Rolle gespielt hat, als die Chroniken berichten . . .

 

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Hugo Kapet mußte die Kaiserin hassen, seit er über das geheime Ziel ihrer französischen Politik keine Zweifel mehr hegen konnte. Ihre Stellung in Deutschland war --- trotz mancher persönlichen Anfeindungen aus den Kreisen der Hofkamarilla --- sehr stark. Ihrer unermüdlichen, gewissenhaften, fast militärisch-präzisen Führung der Geschäfte zollte man ehrliche Bewunderung. Sie war ganz deutsch in ihrem Wollen und politischen Handeln. Sie hat nur «Reich» gedacht --- und «Reich» erfüllt . . .

 

Was sie aber als «Frau» verkörperte und bedeutete, blieb unergründlich. Es ist wohl nur wenigen bewußt und noch wenigeren durch persönlichen Austausch spürbar geworden. Denn wer sich so wie sie im Zaume hält, erschließt sich auch nur schwer vor denen, die er liebt . . . Wen aber liebte Sie, außer ihrem Sohn?

 

Lassen Sie mich schließen, indem ich wiederhole, was ich an anderer Stelle von ihr gesagt habe:

 

«Es war eine ihrer kaiserlichsten Eigenschaften, daß Sie das Gesetz der Grenzen kannte und übte. Sie faszinierte, weil sie zu herrschen verstand, aber sie herrschte nicht, weil sie faszinierte. Sie war Gott als Gläubige verbunden. Die Menschen aber hat sie wohl verachtet: ohne davon überzeugt zu sein, daß dies besser sei als sie zu lieben. Das Leben hatte ihr keine Zeit gelassen, ihre eigene kritische Veranlagung der Selbstkritik zu unterziehen. Sie hat gehandelt und gewirkt nach ihrem Auftrag und nach ihren Möglichkeiten. Sie war stolz und einsam. Und sie war groß, weil Sie nicht vom Wahn der Größe besessen war. In schlaflosen Nächten brauchte sie nicht nur zum Brevier: nein: Sie konnte zu Homer, zu Sappho, zu Thukydides greifen. Sie wußte, daß jedes

 

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Lächeln schon gelächelt und jedes Weinen schon geweint worden sei. Sie betete stumm vor der verhaltenen Glut der Ikone. Sie versank im Gebet und erhob sich aus ihm wie alle täterischen Menschen, welche die Phrase hassen. Sie hatte es niemals nötig gehabt, pathetisch zu sein.»

 

Geschrieben: Paris, 1939.

 

 

 

Quelle:

Auszug aus Henry Benrath: Vorarbeiten zu «Die Kaiserin Theophano»
dva. Stuttgart Berlin. Deutsche Verlags-Anstalt. 1941. S. 1-60.

Die im Buch erwähnte Dissertation an der Georg-August-Universität zu Göttingen von Johannes Moltmann: Theophano, die Gemahlin Otto II., in ihrer Bedeutung für die Politik Ottos I. und Ottos II. Schwerin 1878 wurde vom Münchener Digitalisierungszentrum eingescannt und ist unter folgendem Link verfügbar:

https://reader.digitale-sammlungen.de//defs1/object/display/bsb11371792_00005.html

 

Die eingefügten Fotos aus der Hagia Sophia, der Klosterruine Memleben und der Schatzkammer der Stiftskirche in Bad Gandersheim sind nicht im Buch enthalten.

 

 

Dissertation Johannes Moltmann 1878 über Theophano, die Gemahlin Otto II.

Theophano, die Gemahlin Ottos II.,
in ihrer Bedeutung für die
Politik Ottos I. und Ottos II.

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Inangural- Dissertation
zur Erlangung der philosophischen Doctorwürde
an der Georg-Angust-Universität zu Göttingen

von Johannes Moltmann.

Schwerin, 1878.
Druck der Hofbuchdruckerei von Dr. F. Bärensprung.



Eine Untersuchung der politischen Bedeutung der Kaiserin Theophano gliedert sich, der Natur des Gegenstandes gemäss, in drei Abschnitte. Für Otto I. war die Griechin ein hervorragendes Moment einer Pläne und Bestrebungen während der letzten Jahre seines Lebens; Ottos II. Politik erhielt nach Sicherung des Thrones in Deutschland ihre Richtung allein von ihr; nach dem Tode des Letzteren aber wurde sie selbstständige Leiterin der Angelegenheiten des Reichs. Otto den Grossen hielt der Plan, die Bewilligung der griechischen Prinzessin zu erzwingen, fast fünf und ein halbes Jahr in Italien; Otto den Zweiten führten die griechische Gemahlin und die an diese anknüpfenden Ansprüche von Neuem gen Süden; für Otto den Dritten aber war der Einfluss der griechischen Mutter und Regentin ein allseitiger, erschöpfender.

Ich behandle im Folgenden die beiden ersten Abschnitte, die Bedeutung Theophanos für die Politik Ottos I. und Ottos II., die Jahre 967---972 und 973--983.

I. Ottos I. Werbung in Byzanz und die Motive derselben.
Quellen: insonderheit Liudprands legatio.

Am ersten Weihnachtstage 967 1) war Otto II. in St. Peter zum römischen Kaiser gekrönt worden. Otto I. hatte ihm damit, wie schon vor sechs Jahren die Nachfolge in Ostfranken, so jetzt die Nachfolge auf dem Kaiserstuhle Karls des Grossen
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1) Nach der Chronologie jener Zeit, die das neue Jahr mit diesem Tage begann, 968, wie auch die Ann. Lobiens., S. Ponifacii, Colon., Blandiniens, überliefern.

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gesichert. Dauernd hatte er Zuständen vorgebeugt, wie sie nach dem Tode Kaiser Ludwigs II. eingetreten waren, wo die Kaiserkrone, ein Spielball in den Händen der Päpste, diesen hatte dazu dienen müssen, Schutz und Hülfe gegen die Saracenen zu erkaufen. Otto I. konnte an ein Erblichwerden der Kaiserkrone denken.

Es galt jetzt, auch die fernere Nachfolge zu sichern, dem jüngeren Otto eine Gemahlin zuzuführen. Otto d. Gr. wandte seine Blicke nach dem Osten, aus dem fernen Byzanz wollte er eine Gemahlin für seinen Sohn. Er sandte Unterhändler an den oströmischen Kaiser Nikephorus und warb um dessen Stieftochter, die Tochter des verstorbenen Kaisers Romanus II.

Gar mancherlei Vermuthungen sind darüber aufgestellt worden, was Otto zu diesem Schritte bewogen, weshalb er nicht einer abendländischen Fürstentochter den Vorzug gegeben habe. Fast möchte es scheinen, als sei ein einfacher Hinblick auf die Progression in den äusseren Verhältnisgen des Sächsichen Herrscherhauses Erklärung genug. Der Herzogssohn Heinrich I. wählte unter den Töchtern der Grossen seines Landes, der Königssohn Otto I. führte zu zweien Malen Königstöchter heim, dem Kaisersohne Otto II. -- gebührte eine Gemahlin aus kaiserlichem Geblüt. Indess war eine Werbung in Constantinopel doch ein so weitausschauendes Unternehmen, und Otto I. hielt an dem Zustandekommen seines Planes mit einer solchen Beharrlichkeit fest, dass es nur zu gerechtfertigt erscheint, wenn man tieferliegende Motive muthmasste. Dass die Ansichten hiebei nicht unbedeutend auseinandergingen, lag weniger in der Natur der Sache, als in den verschiedenen Standpunkten der betreffenden Forscher begründet.

Etwas naiv 2) möchte ich die Erklärung nennen, welche
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2) Allerdings begründet auch Hugo Capet 988 seine Werbung in Byzanz für seinen Sohn mit den Worten: „quoniam est nobis unicus filius et ipse rex; nec ei parem in matrimonio aptare possimus propter affinitatem vicinorum regum“. Cf. Leibniz, Ann. Imp. occid. III., p. 528.

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uns die Origines Guelficae 3) und auch die Annales imperii occidentis 4) von Leibniz mit Berufung auf den Chronographus Saxo 5) bringen. „Otto d. Gr.“, sagen sie, „wollte Seinem Sohne eine Gemahlin zuführen, deren Stand Seiner neuen Würde entspräche, und da nun die meisten Töchter aus erlauchtem Geblüt in Deutschland wie in den Nachbarreichen dem jungen Kaiser zu nahe verwandt waren, als dass eine eheliche Verbindung gestattet gewesen, warb er um eine Schwiegertochter aus dem Orient“. Vergessen ist hiebei nur, dass Otto I. selbst die Nichte (Adelheid) seiner älteren Schwiegertochter (Ida, Gemahlin Liudolfs) heimgeführt hatte.

Schon weniger naiv ist die verkleinernde Insinuation Gfrörers in seiner Allgemeinen Kirchengeschichte im 3. Bande, p. 1268. Gfrörer misbraucht den Patriotismus seiner deutschen Leser, um das hohe Bild Ottos in ihren Augen herabzusetzen. „Eine germanische Fürstentochter“, sagt er, „schien ihm zu gering für seinen Sohn. Das sächsische Königsblut sollte durch Beimischung eines fremden, welches in Ottos Augen ohne Zweifel weit höheren Werth hatte -- nämlich durch griechisches veredelt werden, und Teutschland in Zukunft Herrscher der vornehmsten Art erhalten“. Ich brauche kein Wort über die Abgeschmacktheit 6) dieser Insinuation zu verlieren. Gfrörer gelbst scheint sich ihrer zu schämen, denn er fügt ihr wohlweislich noch andere Vermuthungen von etwas wisgenschaftlicherem Anstriche hinzu. Er fährt fort: „Ausser
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3) IV., p. 460, Anm, 3.
4) III., p. 291.
5) ad 972: „Otto Romanorum imperator augustus, filio suo unice dilecto Ottoni, agnomine Rufo, hisce regionibus nullam tantae copulationi dignam nisi in sua cognatione, cui nequaquam jungi licebat, repperiri non nesciens feminam, Greciam misit.“ MG. SS. XVI, 152.
6) Begreiflich wird Gfrörers Darstellung nur aus der Zeit, welche sein Werk erscheinen sah: 1844. Es klingen seine Worte wie ein Hohn auf die damals noch in Blüthe stehende Neigung des deutschen Volkes, sich und die eigene Arbeit im Vergleich zu andern Nationen und ihren Producten selbst gering zu achten.

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diesen mystischen Gründen mögen jedoch auch politische Berechnungen die griechische Heirath unterstützt haben. Mehrere Spuren sind vorhanden, dass die Partei unter dem römischen Clerus, welche für die Unabhängigkeit des Stuhles Petri arbeitete, schon seit 965 Verbindungen mit dem Hofe zu Constantinopel in der Absicht unterhielt, durch byzantinische Hülfe das teutsche Übergewicht zu brechen. Später trat dieser Plan deutlicher hervor. Man muss nothwendig annehmen, dass Otto die geheimen Umtriebe seiner Gegner kannte. Wenn es ihm nun gelang, seinen Sohn und Nachfolger mit einer Tochter des byzantinischen Herrscherhauses zu verbinden, so schien die Gefahr, die dem teutschen Kaiserthum von Osten her drohte, entweder beseitigt oder wenigstens verringert“.

Auch diese Vermuthung ist völlig gehaltlos. Sehen wir ab von den geheimen Conspirationen des römischen Clerus, für deren Existenz Gfrörer keinerlei Beweismaterial erbringt, so kannte Otto jedenfalls ein wirksameres Mittel, Rom im Zaum zu halten, als eine Heirathsverbindung mit dem fernen Byzanz, dessen Kaiser Nikephorus allerdings die kleinasiatischen und kretischen Saracenen, wie die Bulgaren überwältigt hatte -- Letztere auch nur mit Hülfe der Russen --, dessen Macht aber keineswegs ausreichte, die südliche Hälfte Italiens zu behaupten. Otto I. scheute durchaus nicht vor Gewaltmassregeln, und war es die Absetzung des Papstes selbst, zurück.

Mehr Thatsächliches, als dieser Conjectur Gfrörers, scheint einer anderen Annahme zu Grunde zu liegen, zu deren Vertreter sich u. A. 6b) Giesebrecht in seiner Geschichte der deutschen Kaiserzeit (4. Aufl.) I., p. 496 macht. „Otto“, behauptet er, „wünschte ohne Zweifel, dass Theophano als Mitgift seinem Sohne die Besitzungen der Griechen in Unteritalien
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6b) Auch Wattenbach in seiner Einleitung zu Liudprands Werken (Geschichtsschreiber d. deutsch. Vorzeit, X. Jahrh., 2. Bd.), p. XIV.: „Apulien und Kalabrien sollten die Mitgift der Theophano sein“.

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zubringen möchte.“ Wenn man sich die Thatsache vergegenwärtigt, dass Otto in Apulien mit Heeresmacht einfiel und vergeblich Bari belagerte, ohne die genaue Aufeinanderfolge der Ereignisss zu beachten, so erscheint diese Darstellung allerdings höchst annehmbar. Otto will Unteritalien erwerben, er versucht es mit Gewalt, Bari, der Hauptstützpunkt der griechischen Macht trotzt seinen Bemühungen, deshalb lässt er von der Belagerung ab und betritt den Weg der Unterhandlungen. Indess einmal ging die Gesandtschaft des Dominicus dem Einfall in Apulien voran, und andererseits zeigte die Folge, dass Otto sich auch ohne jene Mitgift mit der blossen Heirath begnügte. Giesebrecht fügt deshalb selbst hinzu: „Aber er (Otto I.) legte, wie es scheint, mehr Gewicht darauf, dass überhaupt nur die beabsichtigtes Vermählung und ein festes Bündniss mit dem griechischen Kaiser zu Stande käme, als dass er ängstlich auf der Grösse der Mitgift bestanden hätte“.

Ihre völlige Widerlegung findet aber Giesebrechts Vermuthung schon durch die legatio Lindprandi. Dieser sagt nämlich im siebten Kapitel ausdrücklich, Otto habe Apuliam omnem potestati subditam der fraternitati des Nikephorus als  optimam amicitiae arabonam (arrhabonem) dargebracht, und weist damit darauf hin, dass Otto vor der Abreise Liudprands Apulien wieder geräumt habe. Es hätte dies doch keinen Sinn, wollte er es gleich darauf als Mitgift wiederfordern. Zum Überfluss hat er unmittelbar vorher die Heirath 7) Romanus II. mit König Hugos natürlicher Tochter Bertha gleichfalls als Entgelt für Hugos Verzicht auf Unteritalien dargestellt. Hält man dazu noch die Worte Kaiser Ottos d. Gr. selbst in dem Brief bei Widukind III., c. 70, wo er von den Verhandlungen mit Byzanz spricht: „Apuliam et Calabriam
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7) Es ist allerdings hier das Heirathsverhältniss ein umgekehrtes, wie in unserm Fall; indess war es Hugo, dem an dem Zustandekommen der Verbindung gelegen war, Cf. auch Vogel, Ratherius von Verona I., p. 121.

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provincias, quas hactenus tenuere, nisi conveniamus, dabunt, so kann kein Zweifel drüber sein, dass Otto d. Gr. garnicht ZS an eine derartige Mitgift dachte 8).

Kann ich nun somit keiner der vorstehenden Motivirungen für Ottos Werbung in Constantinopel beistimmen, so glaube doch auch ich nicht, nur der Gedanke, die künftige Schwiegertochter müsse seines kaiserlichen Sohnes würdig sein, habe Ottos Handlungsweise bestimmt. In der legatio Lindprands findet sich eine Reihe von Stellen, die mir volles Licht über tiefer liegende Motive Ottos zu verbreiten scheinen. Bevor ich jedoch diese Stellen zu einem Beweise aneinanderreihe, will ich meine Ansicht von der Sache, wie sie sich auf Grund derselben gebildet hat, unabhängig von ihnen entwickeln. Ich muss dabei allerdings ein Wenig weiter ausholen.

Ich greife zurück auf die Entstehung des ost- und weströmischen Reichs. Sie datirt von der Theilung durch Theodosius d. Gr. Theodosius wollte durch dieselbe keineswegs zwei Reiche gründen, die nichts mit einander gemein hätten. Das römische Reich repräsentirte einen Begriff und zwar den der Weltherrschaft. Theodosius gab mit der Theilung diesen Begriff nicht auf, auch konnte er denselben nicht auf jeden der beiden Theile für sich übertragen. Der Begriff der Weltherrschaft blieb beiden gemeinsam, die beiden Kaiser waren nur Genossen im Tragen desselben. Es gab auch ferner nur ein römisches Kaiserthum, aber zwei römische Kaiser.
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8) Dümmler, Kaiser Otto d. Gr. p. 437, sagt, wie oben: „Lindprand habe sich anheischig gemacht, gegen den Verzicht auf Apulien und Calabrien dem jungen Kaiser Otto die Hand der Prinzessin Theophano zu gewinnen“. Was er aber dann p. 421 meint mit den Worten, Otto habe durch die Heirathsverbindung zwischen beiden Reichen zugleich die streitigen Rechtsansprüche zu friedlichem Vergleiche zu einigen gedacht, verstehe ich nicht ganz. Otto giebt Unteritalien auf, damit sind „die streitigen Rechtsansprüche geeinigt“, Das konnte er aber auch ohne die Heirath. Oder denkt auch Dümmler an einen Sachverhalt, wie ich ihn sogleich entwickeln werde?

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Durch Odoaker war der Herrscherthron des Westens gestürzt, nur Ostrom hatte die gefahrvolle Periode der Völkerwanderungen überdauert, das römische Kaiserthum hatte wiederum nur Einen Kaiser, der Begriff nur Einen Träger. Da trat am Weihnachtstage 800 (nach unserer Rechnung 799) Karl d. Gr. das seit über dreihundert Jahren ruhende Erbe Westroms an. Er übernahm mit der Krone den Begriff, er stellte sich Ostrom als Genossen, als Bruder an die Seite. Dass er sich dessen bewusst war, ersehen wir aus der Thatsache, die uns Cedrenus 9) überliefert, aus seiner Werbung um die Hand der oströmischen Autokratin Irene. Durch diese Heirath wollte er beide Theile des Reichs vereinen, er wollte der alleinige Träger der Idee sein.

Sein Plan scheiterte, und auch sein Kaiserthron war eine Weile unbesetzt geblieben. Otto d. Gr. bestieg ihn von Neuem. Auch sein Blick schaute wieder gen Osten. Dem Gedanken an eine Vereinigung war durch die thatsächliche Lage der Dinge vorgebeugt. In Byzanz sass kein Weib, sondern der thatkräftige Nikephorus auf dem Thron. Aber war auch nicht an Vereinigung zu denken, die Genossenschaft, die Verbrüderung lag im Bereich des Möglichen. Um sie voll durchzuführen, bedurfte es der Anerkennung von seiten Ostroms, bedurfte es, dass der künftige Herrscher des Westens ein Glied der Kaiserfamilie des Ostens wurde. Wie einst zur Zeit des Arcadius und Honorius zwei Brüder die Weltherrschaft theilten, so sollte jetzt Otto II. durch die Heirath
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9) Historiarum Compend. II., p. 28, ed. Bonn: „ἔψϑασαν δὲ ἀπὸ Καρύλου τοῦ στεφϑέντος βασιλέως Ῥώμης παρὰ Λέοντος τοῦ πύπα ἀποϰριριάριοι πρὸς τὴν εὐσεβεστάτην Εἰρήνην, αἰτούμενοι ζευγϑῆναι αὐτὴτ τῷ Καρούλῳ πρὸς γάμον ϰαὶ ἑνῶσαι τὰ ἑῷα ϰαὶ τὰ ἑσπέρια ἤτισ ὑπήϰουσεν ὔν, εἰ μὴ Ἀτιος ἐϰώλυσε τὸ ϰράτος εἰς τὸν ἴδιον ἀδελφὸν σφετεριζόμενος“ cf. die Angaben der Ann. Guelferbyt., Lauriss. min., Enhardi Fuld. zu den Jahren 802 u. 803, vor Allen aber die Ann. Einhardi zu 803 (MG, I, p. 191), wo es ganz übereinstimmend mit der Erzählung des Cedrenus heisst; nam Herenam post adventum legationis Francicae deposuerunt.

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mit der Tochter Romanus II. ein Bruder ihrer Brüder, der - künftigen Kaiser Basilius und Constantin werden. Nur so konnte die thatsächliche Theilnahme an dem Begriff des römischen Kaiserthums ein legitimes Aussehen bekommen. Der Begriff war Eigenthum der Römer, ihr Geist hatte ihn geboren, nur mit ihrer resp. ihrer rechtmässigen Erben, der Byzantiner, Einwilligung Konnte Otto ebenso rechtmässigen Antheil an demselben erlangen 10).

Und nun die Beläge aus Liudprand. Dass die Anerkennung des ottonischen Kaiserthums die conditio sine qua non für das Zustandekommen der Unterhandlungen sei, deutet gleich im zweiten Kapitel der Streit über Ottos Titulatur an, den Liudprand mit dem Curopalaten Leo, dem Bruder des Kaisers Nikephorus, auszufechten hatte. Liudprand beansprucht für seinen Herrn den Titel βασιλεύς, wie die Griechen das römische Wort imperator wiedergaben, während Leo ihm nur das Prädicat ῥὴξ zugestehen will. Es kommt darüber zum heftigen, wie Liudprand selbst sagt, ermüdenden Streit. Leo beendet denselben mit den für Liudprands ganze Mission verhängnissvollen Worten, er sei non pacis, sed contentionis causa gekommen. Die Erfolglosigkeit von Liudprands Bestrebungen ist damit vorhergesagt. Der Kernpunkt der ganzen Angelegenheit ist sofort berührt, und die Unmöglichkeit einer Einigung über denselben ausgesprochen.
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10) Man bedenke, Otto richtete nicht eine neue, eine ſränkische oder deutsche Weltherrschaft auf, die römische Kaiserkrone war es, die er sich aufs Haupt gesetzt. Er verdankte dieselbe seiner persönlichen Grösse, aber mit der Thatsache allein war es nicht gethan. Um einem Throne Dauerhaftigkeit zu verleihen, bedarf es, dass derselbe sein Fundament im Rechtsbewusstsein der Völker hat. Legitimität aber hat zu allen Zeiten am Meisten Eindruck auf die Gemüther gemacht. An ihr musste auch Otto dem Grossen gelegen sein. Cf. auch Dümmler a. a. O. p. 437: „Durch die vorgeschlagene Vermählung und die damit verbundene Anerkennung seines abendländischen Kaiserthums von Seiten der Griechen durfte Otto hoffen, sein Angehen zu steigern und den Anspruch seines Hauses auf das Kaiserthum zu sichern.

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Auf diesen Kernpunkt kommen denn auch beide Parteien während der ganzen Verhandlung stets zurück. Nikephorus sucht auf alle Weise das Westreich herabzusetzen. Er spottet über die vergebliche Belagerung Baris durch Otto, über die deutsche Bewaffnung, über den Mangel einer deutschen Seemacht, über deutsche Sitten und Lebensweise (cap. 11), ja selbst dass die auch von der westlichen Kirche anerkannten ökumenischen Concilien alle der griechischen Welt angehören, muss ihm zur Verkleinerung seines Concurrenten dienen (cap. 21). Sein Refrain ist: Vos non Romani, sed Longobardi estis! (cap. 12, 33, 37).

Völlig klar liegt aber die Streitfrage im Kapitel 25. Dominicus, der frühere Gesandte Ottos, sagt Nikephorus, habe ihm juramento versprochen, nunquam illum in aliquo nostrum scandalizare imperium. „Vis“, fährt er fort, „vis majus scandalum, quam quod se imperatorem vocat, imperii nostri themata sibi usurpat? Utraque non sunt ferenda; et si utraque importabilia, istud est non ferendum, immo nec audiendum, quod se imperatorem nominat. Liudprand soll ihm wie sein Vorgänger Dominicus schwören, dass Otto dieses scandalum abstellen werde, dann solle er fortunatus atque locuples heimkehren. Liudprand weigert sich, und nun beginnt Nikephorus ein System, um Liudprands Willenskraft zu brechen, das seinem Character keineswegs Ehre macht, durch seine Wirkungslosigkeit Liudprands Befähigung für seine Mission, die Giesebrecht in Zweifel zieht 11), aber glänzend rechtfertigt. Nicht an Liudprands Auftreten scheiterte vorläufig Ottos Plan, die Gründe hiefür lagen um Vieles tiefer.

Die Griechen sahen in der Anerkennung Ottos als römischen Kaisers das Centrum der Unterhandlungen, das steht aus dem Bisherigen unzweifelhaft fest. Sollte dies nicht aber auch ein wenigstens indirecter Beweis für Otto selbst sein?
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11) Deutsche Kaiserzeit (4. Aufl.) Bd. 1, p. 523.

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Ich denke es, um so mehr, als Liudprand für die andere Seite meiner Darlegung, nämlich dass es Otto nicht sowohl um die Person der Schwiegertochter, als um das verwandtschaftliche Verhältniss zu Byzanz zu thun war, directes Beweismaterial erbringt. Er spricht cap. 7 von der amicitia und fraternitas, die Otto mit Nikephorus herzustellen wünsche; cap. 15 sagt er, er sei parentelae causa quae esset occasio infinitae pacis gekommen; cap. 47 endlich ermahnt Papst Johann den Kaiser Nikephorus in seinem Brief, ut parentelam firmamque amicitiam faceret mit Otto. Von der Braut ist hier nirgends die Rede, sie ist nur Mittel zum Zweck.

Die Braut allein zu bewilligen, ohne dass dies Folgen für ihr Widerstreben gegen die Anerkennung Ottos habe, scheinen die Griechen übrigens bereit gewesen zu sein. Si datis quod decet, sagen sie im funfzehnten Kapitel der legatio, accipietis quod libet. Das quod decet findet seine Erklärung sogleich in dem folgenden: Ravennam scilicet et Romam cum his omnibus continuatis, quae ab his sunt usque ad nos, das quod libet aber im Vorgehenden: quia tam excellentem rem petitis, nämlich porphyrogeniti porphyrogenitam. Indess was galt Otto die griechische Verwandtschaft, wenn er dafür die Kaiserkrone opfern sollte? Grade auf die Anerkennung der Letzteren kam es ihm an, das sehen wir auch hier wieder; die Verwandtschaft sollte dieselbe nur dauernd sichern, sie sollte occasio infinitae pacis sein.

Wie schon im Vorgehenden angedeutet, waren zwei Gesandtschaften Ottos erfolglos geblieben. Die erste unter dem Venetianer Dominicus im Jahre 967 hatte, wie es scheint, Ottos Intentionen überhaupt nicht begriffen, Sie war mehr Verpflichtungen eingegangen, als Otto zu erfüllen gewillt war; die zweite unter dem Bischof Liudprand von Cremona im Sommer 968 hielt sich an ihre Vorschriften, aber kehrte infolge dessen völlig ohne Resultate heim. Auch Ottos Kriegführung in Apulien und Calabrien brachte ihn seinem Ziele

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nicht näher 12). So lange der energische Nikephorus auf dem Throne von Byzanz sass, der durch seine Kriegsthaten die Zeiten der alten Römer wiederheraufbeschworen zu haben glaubte, war an kein Nachgeben, an keine Anerkennung von östlicher Seite zu denken.

Aber Nikephori Tage waren gezählt 13). In der Nacht vom 10. zum 11. December 969 fiel er einer Verschwörung zum Opfer, an deren Spitze seine eigene Gemahlin Theophano und ein von ihm zurückgesetzter Feldherr, Johannes mit dem Beinamen Tzimiskes, der ihn einst selbst auf den Thron befördert hatte, standen. Da die Söhne des Romanus, Basilius und Constantin, noch klein waren, schwang Tzimiskes sich selbst auf den Thron der Cäsaren. Auch er war ein tapferer Kriegsheld, und auch von ihm hätte Otto wohl wenig Tröstliches zu erwarten gehabt, hätte nicht die veränderte Lage der Dinge ihm eine Vereinfachung der äusseren Verwicklungen wünschenswerth erscheinen lassen. Aber abgesehen davon, dass er als Usurpator, der den Thron nur auf dem Wege des Verbrechens erlangt hatte, begreiflicher Weise genug zu thun hatte, um die Ruhe in der eigenen Hauptstadt aufrecht zu erhalten, lauerte auch noch in Cilicien, Phönicien und Cölesyrien der offene Abfall der den Arabern erst jüngst entrissenen Städte, und was noch gefahrvoller war, im Norden standen 60,000 Russen unter ihrem Fürsten Swiätoslaw, die einst Nikephorus zur Vernichtung des Bulgarenreichs herbeigerufen hatte, und machten keinerlei Anstalt, nun nach gethaner Arbeit wiederabzurücken. Tzimiskes musste sich die Hände frei machen, sollte Byzanz nicht an den Abgrund des Verderbens geführt werden.
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12) Giesebrecht, Jahrbücher Ottos II., p. 2: „Otto räumte durch Krieg und Gewalt der Waflen die Bedenklichkeiten hinweg, die man ihm gemacht hatte“.
13) Vergl. zum Folgenden die Erzählungen des Leo Diaconus und Georgius Cedrenus.

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Am Hofe zu Byzanz weilte seit dem zweiten Drittel des Jahres 969 der Herzog Pandulf der Eisenkopf, Ottos tapferer Feldherr in den unteritalischen Feldzügen, als Gefangner. Diesen sandte Tzimiskes jetzt heim, Pandulf bewog Otto, seine Truppen aus Apulien zurückzuziehen, und 14) gegen Ende des Jahres 971 ging wiederum eine Gesandtschaft Ottos nach Constantinopel; diesmal aber nicht um die unnützen Unterhandlungen von Neuem aufzunehmen, ihre Bestimmung war vielmehr, die von Tzimiskes bewilligte Theophano in ihre neue Heimath überzuführen. Otto hatte seinen Plan erreicht, seinem Sohne wurde als Kaiser eine Verwandte des oströmischen Kaiserhauses zu Theil, Ostrom hatte Westrom anerkannt 15).

II. Theophano ist nicht die von Otto anfänglich begehrte Tochter des Kaisers Romanns II.

Quellen: u. A. Georgius Cedrenus, Thietmar von Merseburg, die Urkunde Ottos I. und II. betr. die Morgengabe für Theophano.

Der Name der griechischen Braut war Theophano, oder wie die abendländischen Schriftsteller und Urkunden sie nennen, Theophanu. Eine Tochter des früheren Kaisers
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14) Die Darstellung ist sprungweise, weil eben nur die erwähnten Thatsachen, nicht ihr Zusammenhang überliefert ist. Die Beläge s. bei Dümmler a. a. O., p. 474.
15) Dagegen Dümmler a. a O., p. 483: „in wie weit sich das griechische Reich zu einer Anerkennung des römischen Kaisertitels der Ottonen herbeiliess, vermögen wir nicht anzugeben“; während er auf p. 482, Anm. 2, sagt; „Wir werden uns den Ausgang den Anerbietungen Ottos entsprechend denken dürfen.“ Dümmler hat bei letzterer Äusserung nur den Besitzstand in Unteritalien im Auge; es ist aber kein Grund ersichtlich, der die Ausdehnung derselben auf alle in Verhandlung befindlichen Punkte hinderte.
Der Umstand, dass spätere byzantinische Kaiser von den westlichen Genossen wiederum nichts wissen wollten, kann meiner Darlegung begreiflicherweise nicht entgegengehalten werden. Eine Continuität der byzantinischen Politik ist bei dem schnell folgenden Dynastienwechsel und bei dem unablässigen Intriguenkrieg am kaiserlichen Hof schwerlich zu erwarten.

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Romanus II. wird sie allüberall genannt, wo von ihr in neueren Werken die Rede ist. Um eine solche hatten Ottos Gesandten geworben, kein Zweifel, eine solche erhielt er. Und doch sagt der Merseburger Chronist 1), Tzimiskes habe non virginem desideratam, sed neptem suam, Theophanu vocatam gesandt. Sollte Thietmar seine Angabe so völlig aus der Luft gegriffen haben? Er irrt, entgegnet Dümmler 2) und weist dabei auf Liudprands legatio hin.

Aber wo steht denn im Liudprand, dass die von Otto Geforderte Theophano geheissen habe? Nirgends. Dümmler gelbst citirt Ottos Forderung: filiam Romani imperatoris et Theophanae imperatricis. Der Name dieser Tochter des Romanus bleibt aber ungenannt 3); für die Identität derselben mit der späteren Gemahlin Ottos II., Theophano, ist somit durch diese Berufung auf Liudprand garnichts bewiesen. Wir schulden Thietmar, ehe wir seine Angabe verwerfen, jedenfalls eine nochmalige Untersuchung des Sachverhalts.

Die griechischen Schriftsteller, welche die Zeit des Kaisers Romanus II. behandeln, kennen nur eine Tochter desselben, und diese heisst Anna. Von einer zweiten Tochter
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1) II., cap. 9.
2) Otto I, p. 480. Eine gleiche Zurückweisung erfährt Thietmar schon von Leibniz, Ann. imp. occid. III, 292. Leibniz meint: non credibile est, Ottonem aliam pro alia, pro porphyrogenita privatam sibi dari passum.
3) Auch der Contin. Reginon. zu 967 (MG., I., p, 629) nennt den Namen der begehrten „privigna ipsius Nichofori, filia scilicet Romani imperatoris“ nicht.

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Theophano findet sich keine Spur. Nun sagt Dümmler 4) zwar: „Merkwürdig und gewiss nicht zufällig ist es, dass Theophano von den Byzantinern todtgeschwiegen wird“, und wenn anders ich seine Intention recht verstehe, will derselbe mit diesen Worten einen gewissen Ärger der Griechen über das Aufkommen des weströmischen Reichs deutscher Nation andeuten, der ihnen das Todtschweigen der ganzen Angelegenheit als das Gerathenste erscheinen liess. Aber wenn man das Geschichtscompendium des Georgius Cedrenus liest, wenn man liest, wie er Otto I. unbeanstandet den Titel βασιλεὺς ertheilt und sein Verhalten Johann XII. gegenüber im augenfälligen Gegensatz zu den ungehinderten Ausschweifungen des griechischen Patriarchen Theophylact erzählt 5), so blickt bei ihm doch keineswegs eine antifränkische Tendenz hindurch. Cedrenus aber gerade ist es, welcher uns von den Kindern mit einer Bestimmtheit berichtet, die den Gedanken an das Todtschweigen eines vierten Kindes völlig ausschliesst. Er schreibt 6): „διαδέχονται δὲ τὴν αὐτοῠ (Romani II.) βασι λείαν Βασίλειος ϰαὶ Κωνσταντῖνος οἱ παῖδες αὐτοῦ σὺν Θεοφανοῖ τῇ μητρί, τεχδείσης αὐτῷ ϰαὶ ϑυγατρὸς πρὸ δύο ἡμερῶν τῆς αὐτοῦ τελευτῆς, ᾓν ῞Ανναν ὠνόμασαν.“ Also zu den beiden älteren Söhnen war noch unmittelbar vor dem Tode des Romanus eine Tochter Anna als drittes Kind
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4) a. a O., p. 480. Auch George Finlay, Hist. of the Byzantine and Greek Empires from 716 to 1453, tom. I., p. 401 bemerkt dies Schweigen. Er sagt: An other more important marriage is passed unnoticed by the Byzantine writers. Zimiskes, finding that he could ill spare troops to defend the Byzantine possessions in Italy against the attacks of the Western emperor, released Pandulf -- --, and by his means opened amicable communications with Otho the Great. A treaty of marriage was concluded between young Otho and Theophano, the sister of the Emperors Basil and Constantine – – – – ; and the talents and beauty of the Byzantine princess enabled her to act a prominent and noble part in the history of her time.
5) II., p. 335 ed. Bonn.
6) II., p. 345 ed. Bonn.

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hinzugekommen. Wären uns also nur die griechischen Autoren und Liudprands legatio bekannt, wüssten wir nicht, wie Ottos II. spätere Gemahlin geheissen, resp. wäre der Ehebund überhaupt nicht zu Stande gekommen, so würden wir in allen Werken, wo von Ottos Werbung gesprochen würde, lesen: Otto I. habe die am 13. März 963 geborene, also zur Zeit der Gesandtschaft des Dominicus eben vierjährige Prinzess Anna für seinen Sohn zur Gemahlin begehrt. Das jugendliche Alter der gewünschten Braut würde uns kaum Wunder nehmen können, wenn wir uns vergegenwärtigten, dass Romanus II. selbst erst zehn Jahre zählte, als er nach fünfjähriger Ehe mit Bertha, der Tochter Hugos von Italien, Witwer wurde, und auch Adelheid, Ottos d. Gr. zweite Gemahlin, ihrem ersten Gatten Lothar kaum sechsjährig verlobt wurde. Übrigens bliebe ja auch noch der Ausweg, anzunehmen, Otto sei über das Alter des Kindes nicht genau orientirt gewesen; macht doch Dümmler 7) ein Gleiches für die Werbung um Ottos I. erste Gemahlin Edgith wahrscheinlich. In beiden Fällen würde unsere oben entwickelte Ansicht, dass es Otto nicht um die Persönlichkeit der künftigen Schwiegertochter, sondern nur um das Verwandtschaftsverhältniss zum oströmischen Hof zu thun war, wesentlich unterstützt sein.

Allein es gilt nicht minder, die abendländischen Quellen in dieser Frage zu prüfen. Da zeigt sich denn zuerst, dass Theophano, die Gemahlin Ottos II., nirgends eine Tochter Romanus II. genannt wird. Im Gegentheil, die Fundatio monast. Brunwilar., deren Erzählung Dümmler 8) allerdings als „ganz unbrauchbar“ bezeichnet, macht sie geradezu zur Tochter des Kaisers Johannes Tzimiskes. Es ist letztere Angabe ja auch jedenfalls durchaus unrichtig, nennt doch das offizielle Actenstück, welches uns von Ottos II. und Theophanos Hochzeit berichtet, die Urkunde über die Morgengabe
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7) a. a. O., p. 11,
8) a. a. O., p. 481.

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für Theophano, sie ausdrücklich eine Nichte des Kaisers Johannes Tzimiskes. Immerhin möge die Fundatio mir aber als Stützpunkt dienen, wenn ich auch die Angaben Sigeberts von Gembloux: Theophanu, filiam imperatoris Constantinopolitani, sowie der Annales Weissemburgenses und Altahenses, die wiederum nicht den Namen nennen: filia imperatoris de Graecia als völlig irrelevant bei Seite liegen lasse. Aus neptis wurde unter den Händen ungenauer Autoren gar schnell filia, und die Kenntniss von Liudprands legatio half vielleicht schon dabei.

Im Übrigen finden wir aber stets nur unbestimmte Ausdrücke. Widukind und das chronicon Benedicti lassen nur eine puella, letzteres allerdings de sanguine regale aus Griechenland kommen. Ebenso unbestimmt sind die Angaben der Ann. Sangall. maj.: Theophanu ex nobilibus Graecorum, des Ann. Saxo: Greca, Theophanu Constantinopolitana, der Ann. Magdeburg.: Grecam illustrem imperatoriae stirpi proximam, der Ann. Hildesh.: Ottoni imperatrix de Constantinopoli venit, und endlich der Ann. Lamberti: Theophanu ab imperatore de Graecia missa est. Der Einzige, dessen Angabe, abgesehen von Thietmar, bestimmt und mit der vorhin erwähnten offiziellen Urkunde übereinstimmend ist, wird der Annalist vom Monte Cassino sein. Er nennt Ottos Braut: neptem Johanni Constantinopolitani imperatori.

Also eine Nichte des Johannes Tzimiskes haben wir in Theophano vor uns. Dies schlösse nun allerdings nicht aus, dass Sie zugleich auch eine Tochter des früheren Kaisers Romanus II. sein könnte. Leo Diaconus (VII., c. 9) und Georgius Cedrenus (II., p. 392), die auch Dümmler zur Erklärung heranzieht, melden uns, Johannes Tzimiskes habe im November 971 Theodora, die Schwester des Kaisers Romanus II. geheirathet. Wäre Theophano die Tochter des Romanus gewesen, so rechtfertigte sich also durch diese Heirath auch ihre Bezeichnung als Nichte des Tzimiskes. Aber die Tochter des Romanus war zu der Zeit, als Liudprand in Constantinopel

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um sie warb, doch auch Stieftochter des Nikephorus. Fordert Liudprand sie denn auch nur einmal als Stieftochter des Letzteren? Nie, Romanus war vier Jahre todt, Nikephorus war ein viel mächtigerer und gewaltigerer Herrscher als sein Vorgänger; gleichwohl nennt Liudprand stets genau ihre Abstammung aus kaiserlichem Geblüt.

Ganz anders verhält es sich mit der Urkunde Ottos II. Hier heisst Theophanu einzig „Johannis Constantinopolitani imperatoris neptis clarissima“. Ist es denkbar, dass hier in der offziellen Urkunde, bei der feierlichen Gelegenheit der Vermählung nicht ihre volle, directe Abstammung genannt worden wäre, wenn dieselbe obendrein noch Gelegenheit gegeben hätte, ihre porphyrogenitas hervorzuheben? Wie sollte man nur darauf verfallen sein, dieselbe zu verschweigen und dafür das kahle „Johannis -- neptim“ zu setzen? Dass diese letztere Bezeichnung gewählt, vermag ich mir nur daraus zu erklären, dass eben dieses Verhältniss zum Kaiser Johannes die einzige Grundlage für ihr Prädicat als Glied des kaiserlichen Hauses war. Ein solches musste sie sein, denn sonst wäre das ganze Unternehmen verfehlt gewesen; ein solches war sie aber auch als Nichte des Johannes Tzimiskes, war es doch mit der Erbfolge auf dem römischen Thron schon seit dem Tode Neros eine gar heikle Sache.

Theophano war die Nichte des Kaisers Johannes Tzimiskes, aber nicht die Tochter Romanus II., nicht die Schwester Basils II. und Constantins VIII. Der Beweis für diess an die Spitze dieses Abschnitts gestellte Behauptung, denke ich, ist erbracht; mindestens ist einer gegentheiligen, d.h. der gewöhnlichen Darstellung jeder Boden entzogen. Thietmars Glaubwürdigkeit hat sich doch wohl wieder einmal bewährt. Wie verhielt es sich dann aber mit Ottos I. Werbung? War Otto durch Johannes Tzimiskes getäuscht? Thietmar meldet 9) weiter: Fuere nonnulli, qui hanc fieri conjuncionem apud
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9) Leibniz a. a. O.: quod nullam veri speciem habet.

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imperatorem impedire studerent, eandemque remitti consulerent. Quos idem non audivit, sed eandem dedit tune filio suimet in uxorem, arridentibus cunctis Italiae Germaniaeque primatibus. Es geht hieraus hervor, dass Otto jedenfalls noch vor der Hochzeit klar sah. Er hörte nicht auf Rathgeber, welche die Verbindung hindern wollten. Mit dem Bewusstsein, dass sie nicht die begehrte, Sondern eine ander Prinzessin ei, gab er Seinem Sohne Theophano zur Gemahli Ob Otto diese Kenntniss erst bei Theophanos Ankunft oder früber erhalten, ist im Grunde gleichgültig.

Dafür tritt aber jetzt eine andere Frage an uns heran. Was bewog Otto von der Werbung um eine Tochter Romanus II. abzustehen und sich mit Theophano zu begnügen? Dass Otto von seinen ursprünglichen Plänen abgelassen und mit Geringerem fürlieb genommen, ist kaum glaublich 10). Dazu hatte er dieselben zu lange gehegt und zu eifrig zu verwirklichen gesucht. Vielmehr müssen wir annehmen, dass ihm jetzt Theophano dieselben Vortheile brachte, wie ehemals eine Tochter des Romanus, dass er mit ihrer Erlangung seine Pläne verwirklicht sah. Um dies zu begreifen, müssen wir wiederum einen Blick auf die veränderte Lage in Byzanz werfen.

Tzimiskes war schon der zweite Kaiser nach Romanus; die Witwe des Letzteren und Mutter der von Otto begehrten Prinzess Anna büsste die Ermordung ihres zweiten Gatten Nikephorus in der Verbannung fern von der Hauptstadt; ihre Söhne Constantin und Basil waren völlig in der Gewalt des Tzimiskes. Dieser hatte soeben, wie schon erwähnt, eine zweite Ehe geschlossen, nachdem seine frühere Gemahlin schon vor mehreren Jahren gestorben war. Dadurch war Aussicht geschaffen für ein Erblichwerden der Krone im Geschlecht des Tzimiskes. Dass Basil und Constantin, Annas Brüder, je den Thron selbstständig inne haben würden, war
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10) s. oben Anm. 2 die Notiz aus Leibniz. Ann. Imp. Occid.

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nicht nur zweifelhaft, es war geradezu unwahrscheinlich geworden.

Otto wollte Verwandtschaft mit dem herrschenden Hause in Byzanz. So lange Nikephorus lebte, war dies die Dynastie Basils I. des Macedoniers 11) Nikephorus gehörte derselben nicht direct an, aber durch seine Gattin, die Witwe des Romanus, war er ein Glied derselben geworden. Da seine Ehe kinderlos, blieben die Söhne des Romanus die muthmasslichen Thronfolger.

Mit der Thronbesteigung des Tzimiskes war wenigstens zeitweise die Dynastie des Macedoniers beseitigt. Zwar war seine Gemahlin eine Tochter Constantins VII., und hatte er durch diese Ehe seiner Herrschaft ein legitimes Aussehen gegeben. Indess wäre dieselbe nicht gleichfalls kinderlos geblieben, was 971--2 ja noch nicht vorauszusehen war, die Geschichte würde von seiner Thronbesteigung den Anfang einer neuen Dynastie datiren.

Dazu kam, dass Otto augenscheinlich über die Tochter des Romanus nur höchst mangelhaft unterrichtet war. Liudprands Gesandtschaftsbericht nennt weder ihren Namen, noch ihr Alter, noch bringt er irgend ein anderes Detail über dieselbe. Er wird dadurch verdächtig, nichts Genaueres von ihr gewusst, ja da der Bericht erst auf der Rückreise geschrieben ist, sich auch in Constantinopel keineswegs bemüht zu haben, Nachrichten in Betreff des Gegenstandes seiner Werbung einzuziehen. Es klingt dies fast unglaublich, und doch kann ich nicht umhin, an dieser Vermuthung festzuhalten. Denn wie wäre es sonst zu erklären, dass er ein absolutes Stillschweigen über diese Dinge bewahrt? Wir haben hier nur wieder einen eclatanten Beweis für die Richtigkeit obiger Darlegung, dass die Person der Braut völlig
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11) Basil I. regierte 867--886. Ihm ſolgten 886--911 sein Sohn Leo VI., der Philosoph, 911 -- 959 dessen Sohn Constantin VII. Porphyrogenitus. Der Sohn des Letzteren war Romannus II., 959 – 963.

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Nebensache war. Diese kam erst zur Sprache, als man über die Hauptsachen einig war. Nun aber stellte sich die Sache so:

Otto hatte um eine Tochter des Romanus geworben. Eine solche war vorhanden, aber ihr Alter belief sich auf erst acht Jahre. Dass Otto, wenn er dies vorher wirklich nicht wusste, durch solche allzu grosse Jugendlichkeit besonders angenehm überrascht wurde, ist nicht glaublich. Immerhin wäre sie aber, wenn nur die übrigen Verhältnisse dieselben geblieben, gewiss von ihm mit in den Kauf genommen. Aber Letzteres war nicht der Fall. Anna verschaffte ihm nicht mehr das nahe verwandtschaftliche Verhältniss zu der herrschenden Dynastie. Otto liess mit Freuden die Werbung um sie fallen.

Seine Gesandten begehrten deshalb eine andere Persönlichkeit, die den an sie gestellten Anforderungen besser entspräche. Tzimiskes bot wahrscheinlich eine Schwester- oder Brudertochter an, -- über den näheren Verhältnissen der Familie liegt nie zu lichtendes Dunkel 12) --- jedenfalls seine nächste passende Blutsverwandte. Die Gesandten erklärten ich einverstanden, und der Vertrag wurde geschlossen. Anna blieb in Konstantinopel, bis sie nach Jahren, 988, mit dem Russenfürsten Wladimir vermählt wurde. Theophano aber wurde ihrer Stelle die Gemahlin Kaiser Ottos II.
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12) Beachtenswerth ist, dass Theophano später ihrer ältesten Tochter den griechischen Namen Sophia gab, den wir sonst nirgends im Abenland in jener Zeit finden. Die jüngeren Kinder wurden nach den Eltern und der Grossmutter resp. der Schwester Ottos II. benannt. Hiess Theophanos Mutter vielleicht Sophia, und war sie eine Schwester des Tzimiskes?

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Theophanos Persönlichkeit und die allgemeinen Bedingungen, unter denen sie ein Glied der abendländischen Kaiserfamilie wurde.

1) Negative Folgerungen aus Abschnitt II.

Eine allgemein verbreitete und für thatsächlich gehaltene Angabe neuerer Historiker hat sich uns im Vorhergehenden als irrig erwiesen. Sie war aus der Verbindung von zwei historisch sicheren Facten entsprungen. Otto I. hatte um eine Tochter des Romanus geworben, er erhielt Theophano, folglich war Theophano die Tochter des Romanus, um die er geworben. Es berechtigte zu dieser Verbindung zwar nichts, gleichwohl schien dieselbe um so zulässiger, als das Prädicat „Nichte des Tzimiskes“ auch der Tochter des Romanus vindicirt werden konnte. Thietmars Einsprache kam dagegen kaum in Betracht.

Die Angabe ist gefallen, und mit ihr fallen begreiflicherweise auch die Folgerungen, die man derselben für die Persönlichkeit Theophanos entnommen hat. Letztere sind verschiedener Natur. Schicken wir uns an, dieselben näher zu beleuchten.

Vor Allem gehört hieher die Vermuthung über das Alter der Theophano. Ihr angeblicher Vater Romanus war bis zum Jahre 949 mit Bertha, der natürlichen Tochter Hugos von Italien, vermählt gewesen. Bertha war in dem genannten Jahr gestorben, und Romanus hatte, der Zeitpunkt dieser Hochzeit ist nicht genau mehr festzustellen, die Lacedämonierin Anastasia, die dann den Namen Theophano erhielt, zu seiner zweiten Gemahlin erhoben. Theophano gebar ihrem Gemahl im Jahre 958 ihren ältesten Sohn Basilius, 960 folgte ein

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zweiter Sohn Constantin, 963 am 13. März die Tochter Anna. „Nehmen wir an“, sagt Dümmler 1), „dass Theophano das erste Kind dieser Ehe war, so konnte sie etwa 955 geboren sein, als ihr Vater siebzehn Jahre alt war, und hätte selbst mit sechszehn bis siebzehn Jahren geheirathet“. Da nun aber Theophano überhaupt kein Kind dieser Ehe war, ist natürlich auch diese schöne Berechnung ihres Alters umsonst.

Es ist dies um so mehr zu bedauern, als zu einer anderweiten Bestimmung desgelben so gut wie kein Material vorliegt. Die einzige Angabe der Annales Quedlinburgenses, Theophano sei im Jahre 991 immatura morte gestorben, ist doch viel zu unbestimmter Natur, als dass sie einen Schluss auf ihr Alter im Jahre 972 gestattete. Ob Theophano älter oder jünger war als ihr sechszehnjähriger Bräutigam, ein Verhältniss, welches für die Folgezeit nicht ohne Gewicht sein konnte, wir wissen es nicht.

Aber auch weitere Folgerungen lassen sich nicht mehr aufrecht erhalten. Am Hofe zu Byzanz war Jahrzehnte hindurch die Pflege der Wissenschaften in hoher Blüthe gewesen. Als einst Kaiser Leo der Philosoph, der Grossvater Romanus II., die Wachsamkeit der Posten auf die Probe stellen wollte und sich bei dieser Gelegenheit selbst gefangen nehmen liess, fragte er den Wächter, ob er den Kaiser Leo nicht kenne. Der Wächter verneinte dies mit den Worten, er habe den Kaiser nie gesehen, da dieser ja immer in seinen Gemächern sitze und nach den Sternen gucke 2). Und wie Leo lebte auch sein Sohn Constantin VII. einzig den Wissenschaften. Ist es da zu verwundern, dass man auch ihrer Enkelin, der Tochter Romanus II., eine gelehrte Bildung beilegte? Allerdings Wattenbach 3) will dieselbe auch noch aus
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1) a. a. O., p. 481.
2) Liudprand, Antapod. I., 11.
3) Deutschlands Geschichtsquellen (4. Aufl.) I., 260.

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der sorgsamen Erziehung ihrer Kinder erkennen; indess ist dies wohl mehr ein Schluss von der Folgerung auf die Voraussetzung. Wenigstens giebt Wattenbach weiterhin 4) selbst zu, dass unter Sophia, Theophanos Tochter, der Äbtissin von Gandersheim, die wissenschaftliche Bedeutung dieses Klosters ein Ende gefunden habe. Um aber Ottos III. gelehrte Neigungen zu erklären, bedarf es doch im Hinblick auf Erzbischof Brunos Bestrebungen und ihre Resultate, wie auf die Persönlichkeit eines Gerbert keiner weiteren Begründung. Wir können darum auch in Bezug auf Theophanos Bildungszustand nur bekennen: Ignoramus. Immerhin mag ihr aber die Durchschnittsbildung der vornehmen Byzantiner, mit der sich die Abendländer ja keineswegs messen konnten, zugestanden bleiben. Zu beachten ist jedoch, dass sie ihre Heimath in jugendlichem Alter verliess.

Wie es aber nahe lag, von den Vorfahren väterlicherseits auf die Enkelin zu schliessen, so konnte es auch nicht ausbleiben, dass nicht auch Characterzüge ihrer angeblichen Mutter auf die jüngere Theophano übertragen wurden. Die griechische Kaiserin Theophano, die Frau des Romanus, war, wie Giesebrecht 5) kurz resumirt, „ein schönes, stolzes 6) Weib, voll von Leidenschaft und verwegenem Muthe. Sie war ausschweifend und von einer Gewissenslosigkeit, die vor keinem Frevel erbebte.“ Wenn überall historische Überlieferungen von Zeitgenossen 7) Glauben verdienen, so ist es gewiss, dass sie die Mörderin ihres zweiten Gatten Nikephorus war. Nach Cedrenus 8) stiftete sie ihren ersten Gatten Romanus zur Vergiftung seines Vaters Constantin an, um selbst zur Herrschaft zu gelangen, und auch bei der Erzählung vom Tode des Romanus
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4) ib. I., 274.
5) Kaiserzeit I., 515 (4. Aufl.).
6) Für dieses Prädicat habe ich keine thatsächlichen Beläge entdecken können.
7) Leo Diaconus V., c. 5-8.
8) II., p. 337, ed. Bonn.

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berichtet Leo Diaconus 9) von dem Verdacht, derselbe habe Gift im Frauenhause erhalten. Ist es ein Wunder, dass Gfrörer 10), der es bekanntlich liebt, Schwarz in Schwarz zu malen, die Tochter dieser Verbrecherin auf dem Throne gleichfalls als das Muster eines ränkevollen Weibes darstellt? Wunderbarer ist es jedenfalls, dass er sich nicht beim Tode Ottos II. zu immerhin naheliegenden Combinationen hinreissen lässt.

Für uns fällt auch dieser Hintergrund für das Bild unserer Theophano weg. Sie hatte nichts zu thun mit der Schenkwirthstochter 11), der die Höhe des Throns, auf welche sie die Neigung des kaiserlichen Knaben Romanus plötzlich gehoben, so verhängnissvoll geworden. Wird auch unser Bild wiederum um eine Nuance farbloser, der Umstand, dass sie nicht jenes schuldbeladene Weib zur Mutter hat, kann demselben nur zum Vortheile gereichen. Denn wenn auch Giesebrecht 12), gestützt auf Thietmars 13) allgemeine Redensarten unsere Theophano selbst als Tochter jener älteren Theophano völlig weiss zu waschen sucht, so konnte er doch nicht hindern, dass für den aufmerksamen Leser ein tiefer Schatten, der eben seinen Ursprung in ihrer Abstammung hatte, zurückblieb. Das Sprichwort: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ forderte Anwendung. Es schien undenkbar, dass die Tochter einer dreifachen Mörderin ein Ideal holder Weiblichkeit sein sollte.

Und endlich muss auch noch eine Folgerung, die Giesebrecht und Gfrörer gemeinsam haben, zurückgewiesen werden. Giesebrecht 14) nennt Theophano „mit den Künsten der  Herrschaft
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9) II., c. 10: „ὡς δὲ ἡ τῶν πλειόνων ὑπόνοια ἔχει, ϰώνειον αὐτὸν πεπωϰέναι πρὸς τῆς γυναιϰωνίτιδος“.
10) Allg. Kirchengesch., Bd. 3.
11) Cedrenus II., p. 337, ed. Bonn.
12) Kaiserzeit I., p. 633 d. 4. Aufl.
13) IV., c. 8.
14) a. a. O., I., 633.

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von frühester Jugend an nicht unbekannt“, während Gfrörer 15) behauptet, sie habe in mehr als einem Falle bewiesen, dass sie am byzantinischen Hofe ihre Lehrjahre durchgemacht habe“. Da ihr Onkel Johannes Tzimiskes erst im December 969 den Thron bestieg, vorher aber, in Ungnade gefallen, sich vom Hofe fern halten musste, so ist an eine derartige Beeinflussung durch das intriguenreiche Hofleben kaum zu denken. Zeigte sich Theophano später als kraftvolle Regentin, so verdankte sie dies nicht einer solchen Schule, sondern ihren persönlichen Geistesgaben. Es wäre durchaus verfehlt, schon in der eben aus Griechenland herüberkommenden Braut eine geriebene Intrigantin zu suchen. --

2) Positive Zeugnisse.

An die Prüfung der Folgerungen, die sich aus der widerlegten falschen Voraussetzung herausgebildet hatten, schliesst sich von selbst eine Prüfung der positiven Zeugnisse, die von der Persönlichkeit Theophanos berichten. Dieselben sind nur höchst mangelhafter Natur, so dass an die Zeichnung eines ausführlichen Characterbildes nicht zu denken ist.

Was ihre äussere Erscheinung anbetrifft, so liegt uns nur die einzige Äusserung der Annales Magdeburg. 972 vor, welche Theophano vultu elegantissimam nennt. Einzelheiten, ihre Grösse, Farbe u. s. w. meldet Niemand.

Etwas unterrichteter stellt sich an einer Stelle 16) seiner Chronik Thietmar von Merseburg in Bezug auf ihr geistiges Naturell. Er spricht von ihrer modesta fiducia, ihrer egregia conversatio und schliesst daran ein Urtheil über ihre spätere Haltung, das Giesebrecht sich veranlasst fühlt, für allein competent zu erklären. „Dieses Urtheil“, sagt er 17), „schlägt jede üble Nachrede nieder -- und lässt sie (Theophano) im
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15) a. a. O., III, p. 1441.
16) IV., 8.
17) Kaiserzeit I., 633.

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Lichte der Wahrheit erscheinen“. Giesebrecht verzichtet infolge dessen auf eine eingehendere Untersuchung einiger Stellen bei andern Schriftstellern, die von Thietmar abzuweichen scheinen. Er verweist dieselben in die Anmerkungen zu seinem Werk, wo sie unwiderlegt, wie sie dastehen, erst recht Gewicht erhalten. Dass Thietmar an einer zweiten Stelle 18), wo er sagt, es sei ihm zu wenig über Theophanos optima conversatione zur Kenntniss gekommen, und habe er sich deshalb damit begnügt, vorhin strictim de immensa ejus nobilitate zu reden, ihm geradezu die Berechtigung zu seinem Verfahren entzieht, scheint Giesebrecht zu übersehen. Hier muss Thietmars Angabe unbenutzt bleiben.

Aber auch die eben erwähnten Stellen, die für den Character Theophanos compromittirend sein wollen, resp. zum Nachtheile desselben gedeutet worden sind, müssen wir wenigstens vorläufig ausser Acht lassen. Es beziehen sich dieselben auf ihr späteres Leben und zum Theil auf ganz spezielle Ereignissse. Es wäre ungerecht und würde der Wahrheit meiner Darstellung Eintrag thun, wollte ich dieselben schon jetzt, wo noch keine allseitige Beleuchtung, resp. Berichtigung möglich ist, zur Füllung meiner Zeichnung heranziehen. Ich begnüge mich, vorläufig auf dieselben hinzuweisen. Sie werden theils im Verlauf dieser Abhandlung, theils in einem besonderen Excurs ihre Erledigung finden.

Damit sind wir aber auch am Ende der directen Zeugnisse in Betreff der Persönlichkeit Theophanos. Es scheint, als müsse dieselbe vorläufig, bis wir zu den Einzelheiten ihres Lebens als Gemahlin Ottos II. kommen, für uns nur ein Name ohne jegliche Illustration bleiben.

Indess dürfte es noch eine Quelle geben, die uns wenigstens einige Federstriche zu unserem Bilde zu liefern im Stande wäre. Theophano war eine Griechin und kam als Fremde zu unserem Volke. Mit welchen Empfindungen, mit
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18) IV., 9.

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welchen Vorurtheilen mochte sie das italische Gestade betreten? Mussten dieselben nicht für die Folgezeit von wesentlichem Einfluss für sie sein? Ihre Vorurtheile waren begreiflicherweises die Vorurtheile ihres Volkes, und ihre Empfindungen resultirten aus denselben. Es verspricht darum eine Beleuchtung des Verhältnisses der Griechen zum Westen einige Ausbeute für unsern Zweck.

3) Folgerungen aus allgemeinen Verhältnissen.

Hauptquelle für die Letzteren: die Werke Kaiser Konstantins VII. Porphyrogenitus.

Liest man Liudprands legatio, so gewinnt es den Anschein, als hätten die Griechen auf die Franken, wie sie die westlichen Völker zusammenfassend nennen, mit Verachtung herabgeblickt. Nikephorus weiss nicht Worte genug zu finden, um solche Verachtung zur Schau zu tragen. Für ihn und seine Creaturen sind sie Barbaren, die nicht würdig sind, dass man ihnen die Producte griechischer Manufactur für schweres Geld verkaufe 19). Nimmt man dazu die nichtswürdige Behandlung, die Liudprand persönlich zu Theil wird, so kann es nicht fehlen, dass wir Nachkommen der alten „Franken“ fast unwillig werden über die Aufgeblasenheit des Griechenkaisers, dessen Reich wir gewohnt sind als einen durch Jahrhunderte langsam vermodernden Leichnam zu betrachten.

Wie erstaunt man aber, wenn man mit solchen Empfindungen von der Lecture des Liudprand zu dem Studium der Werke des Kaisers Konstantin VII. Porphyrogenitus übergeht. Konstantin schrieb kaum zwanzig Jahre früher. Seine Werke bieten uns den directen, unverfälschten Ausdruck seiner Ansichten in Betreff der „Franken“, und doch steht in ihnen kein verächtliches Wort über dieselben. Im Gegentheil, er
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19) legatio, c. 54.

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spricht mit vielem Interesse von den westlichen Völkern, er giebt ihren Königen Karl 20), Lothar 21), Otto 22) das Prädicat „ὁ μέγας“, er erzählt 23) von Karl dem Grossen, derselbe sei Herr aller Königreiche gewesen, und zu seiner Zeit habe keiner der übrigen Könige sich diesen Titel beizulegen gewagt. Vor Allem aber muss sein Antheil an König Hugo von Italien auffallen. Auch Liudprand in seiner Antapodosis 24) berichtet ja, Constantin habe sich bei Berengar II. für Hugos Sohn Lothar verwandt, in Konstantins Werk de administrando imperio aber ist ein eigenes Kapitel 25) der „Genealogie des ausgezeichneten Königs Hugo“ gewidmet. Wie schon erwähnt, war Hugos natürliche Tochter Bertha mit Constantins Sohn Romanus vermählt. Constantin berichtet mit liebevoller Ausführlichkeit von dieser verwandtschaftlichen Beziehung und leitet, wie mich däucht, mit einer gewissen Befriedigung aus derselben gleiche Beziehungen zum grossen Könige Karl her.

Und wie er einzelnen Herrschern des Westens seine Hochachtung bezeugt, so erfreut sich auch das ganze Volk der Franken seiner Vorliebe. Im dreizehnten Kapitel 26) des genannten Werkes berichtet er, Constantin der Grosse und Heilige habe seinen Nachfolgern jegliche Heirathsverbindung mit fremden Nationen verboten, nur die Franken ausgenommen. Denn in ihren Gegenden sei er geboren, und zwischen Römern und Franken sei allezeit συγγένεια ϰαὶ ἐπιμίξια πολλὴ gewesen. Es sei deshalb den römischen Kaisern gestattet, mit den Franken Ehebündnisse einzugehen διὰ τὴν ἄνωϑεν τῶν
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20 u. 21) de administrando imperio, c. 26, ed. Bonn., t. III., p. 114.
22) ib. c. 30, ed. Bonn., t. III, p. 144.
23) Cf. Note 20 u. 21.
24) VI., c. 2.
25) Κεφάλαιον ϰς᾿. ἠ γενεαλογία τοῦ περιβλέπτου ῤηγὸς Оὔγωνος. ed. Bonn. t. III., p. 114-118, Man vergl. auch Liudprands Antapodosis VI., 7--10 den freundlichen Empfang, welcher Liudprand als Hugos Gesandten zu Theil wurde.
26) ed. Bonn., t. III, p. 86.

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μερῶν ἐϰείνων ϰαὶ γενῶν ϰαὶ εὐγένειαν. Auch waren die westlichen Könige (Sachsens, Baierns, Franciens) die einzigen fremden Herrscher, denen in offiziellen Schriftstücken das Prädicat „πεποϑημένος πνευματιϰὸς άδελφὸς“ zuertheilt wurde 27).

Im Hofceremoniell standen allerdings die Franken den Saracenen und Bulgaren nach 28), ein Umstand, der Liudprand, da er ihn für eine persönliche Chikane hielt und nicht wusste, dass man hierin nur hergebrachten Satzungen folgte, fast zur Verzweiflung bringt 29). Indess handelte es sich hierbei nicht um eine höhere Schätzung jener Völker, vielmehr hatte man nur der Noth gehorcht. Die Saracenen und Bulgaren waren seit Jahrhunderten der stete Schrecken der Byzantiner, während man zu den Franken nur durch freundschaftliche Gesandtschaften in Beziehung getreten war. Den Saracenen und Bulgaren gegenüber hatte man sich mehr als einmal zur Zahlung eines nicht unbedeutenden Tributs genöthigt gesehen, kein Wunder, dass man ihnen auch bei Hof einen gewissen Vorrang einräumen musste. Das hinderte die Byzantiner keineswegs, beide Völker für Barbaren zu erklären.

Theophanos Jugend war nun allerdings zum Theil unter der Regierung des Nikephorus verflossen. Es könnte daher scheinen, als sei die Meinung, die dieser bei Liudprand in Betreff der Franken zur Schau trägt, auch ihr früh eingeimpft worden. Indess ist es kaum glaublich, dass es Nikephorus mit seinem verächtlichen Urtheil wirklich Ernst war; dasselbe erscheint vielmehr als eine oberflächliche Hülle für seinen Ärger über den neuen Concurrenten. Seine übrigen Feinde konnte der thatkräftige, aber eitle Mann mit der Schärfe eines Schwertes demüthigen, zur Demüthigung des fernen
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27) Constantin de cerimoniis aulae Byzantinae II., c. 48, ed. Bonn., t. I., p. 689, 691.
28) ib. II., c. 52, ed. Bonn., t. I., p. 740.
29) legatio, c. 19.

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Frankenkönigs aber, der es gewagt hatte, sich ihm als Genossen auf dem römischen Kaiserthron an die Seite zu stellen, reichte seine Macht nicht aus. Kein Wunder, dass er es kleinlicher Rache dem Gesandten Ottos gegenüber nicht fehlen liess.

Für Theophano möchte ich vielmehr die Ansichten Kaiser Konstantins in Anspruch nehmen. In ihnen sehe ich die lang hergebrachte und durch manche Gesandtschaft und die durch Letztere übermittelten Ehrengeschenke zum Ausdruck gekommene Schätzungsweise der ganzen griechischen Nation. Für sie waren die Franken ein wenn auch nicht an Civilisation ihr gleichkommendes, so doch die übrige Glieder der menschlichen Völkerfamilie überragendes Geschlecht. Sie waren nicht Römer -- das byzantinische Ideal, aber wie Constantin sagt, häufige Verwandtschaft mit Letzteren hatte sie geadelt. Theophano kam daher nicht mit dem Gefühl zu uns, sie werde aus politischen Rücksichten einem Volke preisgegeben, das tief unter ihren Stammesgenossen stehe, vielmehr musste sie sich als das Schlussglied in der langen Ketto verwandtschaftlicher und freundschaftlicher Verbindungen ansehen, durch welche die Franken allmälig zu den Römern hinaufgestiegen waren. Durch ihre Verbindung mit Otto II. wurden die Franken den Römern gleichwerthig, durch dieselbe wurde das römische Kaiserthum deutscher Nation anerkannt, wurden die Franken Römer.

Ein zweiter Punkt, in welchem wir von den allgemeinen Beziehungen der griechischen Nation auf die spezielle Stimmung Theophanos schliessen dürfen, betrifft die kirchlich-religiösen Verhältnisse. Während sich das Abendland, namentlich durch die Bemühungen Bonifacius‘, vor dem geistlichen Stuhle von Rom beugte, hatte bekanntlich die Rivalität zwischer dem Papst und dem Patriarchen von Konstantinopel eine Trennung der Kirche Christi in eine orientalische und ein occidentalische zur Folge gehabt. Die politische Losreissung des alten Roms vom byzantinischen Reiche hatte diesen Prozess

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beschleunigt. Wie leicht begreiflich gesellten sich dann zu der äusserlichen Scheidung bald innere, confessionelle Differenzen, ja diese dienten schon zum Theil als Deckmantel für die persönlichen Motive der Ersteren. Wie Papst Nicolaus I. in seinem Briefe 30) an die fränkischen Bischöfe schreibt, warfen die Griechen den Lateinern ausser einer Anzahl kleiner Ketzereien, als Priestercölibat, Sabbathfasten u. s. w. vor Allem die Verkehrung der Lehre vom heiligen Geist vor. Die Griechen lehrten, Letzterer gehe vom Vater allein aus, die Römer fügten hinzu: und vom Sohne (filioque). Auf die Vorwürfe der Griechen antworteten in besonderen Streitschriften 31) der Bischof Aeneas von Paris und der Mönch Ratramnus von Corbie, auch verwarf die Synode 32) zu Worms im Jahre 868 feierlich die ineptias Graecorum.

Auch nach dem Tode des streitbaren Papstes Nicolaus I. (867, 13. Nov.) dauerte der Kampf fort. Mehrere Concilien zu Constantinopel fanden statt, bald zu Gunsten der Kircheneinheit unter römischer Oberhoheit, bald zu Gunsten einer Trennung. Noch unter Leo VI. am Anfange des zehnten Jahrhunderts kamen, wie Constantin meldet 33), der Bischof Nicolaus und der Cardinal Johannes von Rom nach Byzanz διὰ τὴν ἔνωσιν τῆς ἐϰϰλησίας. Da aber die Nachfolger Petri immer ohnmächtiger, ja bald nur ein Spielzeug römischer Intrigantinnen wurden, schlief der Kampf allmälig ein. Die orientalische Kirche kümmerte  sich nicht mehr um den römischen Oberpriester, und dieser war froh, wenn er nicht, wie Johann XI., ein Gefangener war. Unter Alberichs Herrschaft hatte das Papstthum fast jede Bedeutung verloren.

Nichts desto weniger gaben die byzantinischen Kaiser dem römischen Bischof noch immer den Titel „ὁ πνευμαατιϰὸς  
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30) bei Hincmar, Ann. 867, MG. I., p. 476.
31) Beide bei d‘Achery, Spicilegium, Band 1.
32) cf. Ann. Fuldens. MG. I. p. 380.
33) de cerim. II., c. 52, ed. Bonn., I., p. 739.

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ἡμῶν πατήρ 34)“, und kamen noch je einmal Gesandte desselben nach Byzanz 35), so hatten sie den Vortritt vor ihren byzantinischen Collegen gleichen Ranges. Blieb Rom doch den Byzantinern stets ἱ πρεσβύτερα Ῥώμη 36), die Muttor des neuen Roms, Byzanz.

Auch Theophano wird deshalb kaum eine confessionelle Scheu vor dem geistlichen Oberhaupt des Westens verspürt haben. Mochten auch einige Abweichungen im Ritus etc. sie fremdartig genug berühren, jene Differenz in der Lehre vom heiligen Geist ist ihr, wenn sie dieselbe überhaupt kannte schwerlich als etwas Wesentliches erschienen. Überdies waren die Byzantiner wohl eifrige Beobachter kirchlicher Ceremonien, im Übrigen einer irdischen Auffassung der Dinge aber viel zugänglicher, als der weniger vorgeschrittene, aberglaubenreiche Westen.

Ein dritter und letzter Punkt, der hier unsere Aufmerksamkeit auf ich ziehen muss, ist endlich das Verhältniss der Sprachen von Byzanz und dem Abendlande.

„Als das oströmische Reich“, sagt Kaiser Constantin in seiner Schrift de thematibus 37), „seit der Zeit des Heraklius 38) immer mehr zusammenschmolz, und an die Stelle der grossen Provinzen kleine ϑέματα, Districte, traten, nahmen die Bewohner auch die griechische Sprache an und entäusserten sich der ererbten römischen. Aus den Longini wurden nun Chiliarchen, aus den Centurionen Hekatontarchen, aus den comites Strategen. Der Name der Districte selbst: ϑέμα ist ja griechischen, nicht lateinischen Ursprungs“. Man sollte
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34) Constantinus de cerim, II., c. 47, 48., ed. Bonn., I., p. 680, 686, 689.
35) ib. II., c. 52, ed. Bonn., I., p. 727, 739.
36) ib. II., c. 47, ed. Bonn., I., p. 681.
37) lib. I., ed. Bonn., p. 12-13.
38) Der Sündenbock ſür den Verfall des Reichs in den Augen der Späteren,

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hiernach glauben, die lateinische Sprache habe ganz das Feld geräumt und sei völlig von der griechischen ersetzt worden. Dass dies sich aber nicht so verhält, dafür sind gleich Constantins Werke selbst der beste Beweis. Allerdings die Sprache ist griechisch, aber durchsetzt mit unzähligen Überbleibseln des verdrängten Lateinischen. Ja gerade das Gebiet, welchem Constantin seine Beispiele entnimmt, die Titulatur, ist voll lateinischer Reste. Noch immer gab es im zehnten Jahrhundert in Byzanz 39) ϰόμητες (comites), μάγιστροι, πραιπόσιτοι, πρεμφέϰτορες (praefecti),   ϰοιαίστορες (quaestores), πραίτορες, σινάτορες; es gab ὀφφιϰιάριοι (officiales), νοτάριοι, ἀσηϰρήται (a secretis), ῥεφερενδάριοι, ϰαρτουλάιοι, ϰουβιϰουλάριοι, σιλεντιάριοι, ϰαγϰελλάριοι, βεστήτορες (vestitores) etc. Von den vier Ordnungen der Hofmiliz hiess eine die ἐξϰούβιτα, excubitores, eine andere νούμεροι, numeri. Von den Districten, in die das Reich zerfiel, und die grösstentheils ihre Namen den alten Ländernamen entlehnt hatten, trugen einige, welche diese Regel nicht befolgten, Namen lateinischen Ursprungs. Das vierte von Constantin aufgezählte thema hiess τὸ Ὀψίϰιον 40), das fünfte  τὸ Ὀπτίματον 41), das sechste  τὸ Βουϰελλαρίων 42). Einen Begriff aber von der Verbreitung lateinischer Wörter in der Sprache des täglichen Gebrauchs zu geben, hierauf muss ich bei der Grösse der Aufgabe verzichten. Würde ihre Lösung doch allein den Raum einer Abhandlung, wie die vorliegende, einnehmen. Ich begnüge mich, einige wenige eclatante Beispiele herauszugreifen. Bei Constantin finden sich in nicht seltener Wiederholung die Wörter: μανδάτον, mandatum; βῆλον, velum; ταβλή, tabula; σϰουτάριον, scutum; βέργα,
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39) Belag für das Folgende ist namentlich Constantins Werk de cerimoniis aulae Byzantinae.
40) = Obsequium, 5. Erklärung bei Constantin de thematibus I., p. 24.
41) τῶν Ὀπτιμάτων, s. ib. p. 26 f.
42) Erklärung s. ib. p. 28.

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virga; ίγλη, vigilia; ϰονσιστώριον; ϰαμπηδηϰτόριον, campiductorium; μητατώριον; ῥαίϰτωρ, rector; ἀδμηνσουνάλιος, admissionalis; ϰαστρήσιος, castrensis; ϰεντινάριος centenarius; ἀϰουμβίζειν, accumbere; βότον, votum; ὀρνατόριον, urnatorium; διβέρσιον, diversium; βενεφίϰιον; τίρων; προβατωρία; ἀδοράτωρ; προτέϰτωρ; ϰάμπος etc. etc. Er gebraucht dieselben ohne jeden erläuternden Beisatz.

Geeignet, besonderes Interesse zu erwecken, ist aber der Umstand, dass man sich bei feierlichen Gelegenheiten geradezu noch der lateinischen Sprache bediente. Wenn die Kaiser zur grossen Kirche in Prozession zogen 43), sangen die cancellarii quaestoris: Δε Μαρίε Βέργηνε etc. Sass der Kaiser bei Tafel, so sangen die fünf βουϰάλιοι (vocales, cantores) 44): Κονσέρβετ Δέους ὴμπέριουμ βέστρουμ; darauf fuhr einer von ihnen fort: βόνά τονα σέμπερ, dann ein zweiter: βίϰτωρ σῆς σέμπερ, ein dritter: μούλτους ἄννους φιϰίδιαϑ᾿ Δέους (victorem te facias), der vierte: βίϰτωρ (eris) σέμπερ, und endlich schloss der fünfte: Δέους πρένστεϑ! (praestet!) Trank der Kaiser das mit Wein untermischte Wasser, so riefen ihm die βουϰάλιοι zu: βήβητε (vivite), Δόμηνι ἠμπεράτορες, ἠν μούλτος ἄννος. Δέους ὀμνήποτενς πρεστεϑ! Während der Mischung sang der erste derselben: ἠν γαυδίψ πρανδεῖτε, und zum Schluss, wenn Kaiser und Tischgenossen sich erhoben, riefen alle fünf: βόνω Δόμνω σέμπερ (sc. gloria). Andere lateinische Formeln waren: Αὔγουστε, τούμβιϰας (tu vincas)! Ἠλϑερ η μούλτος ἄννος φιλιϰήσιμε (felicissime)! Βαῖνε, βαῖνε, ἡ αὺγούστα (bene, bene, A.)! Λεβὰ πατρίϰιε, προφέϰτωρ λώϰ (leva -- loco)! Es hellt hieraus, dass die lateinische Sprache in Byzanz keineswegs ganz vergessen war. Verstand auch das gemeine Volk nichts davon, am Hof und in den Kreisen der Vornehmen
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43) Constantin de cerimon, I., c. 74.
44) ib. I., c. 75. Ich schliesse mich in Bezug auf die Schreibweise durchans der edit. Bonn. an.

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wurde Sie hoch genug geschätzt, um einzelnen Acten grössere Feierlichkeit verleihen zu können.

Auch Theophano konnten daher die lateinischen Laute, die ihr am deutschen Hofe entgegenschallten, keineswegs fremdartig klingen. Im Gegentheil, die Sprache, welche sie hier als Sprache der Gebildeten, (oder sage ich besser nur: der Gelehrten?) als allgemeine Schriftsprache traf, war ihr von je her als die edlere, die den Römern (und auf dieses Römersein thaten sich die Byzantiner ja so viel zu gut) ursprünglichere dargestellt. Es konnte ihr daher auch in dieser Hinsicht ihre Heirath nicht als Mesalliance erscheinen. Mochte auch der grosse Haufe mit seinen nordischen Lauten ihr barbarisch genug vorkommen, der Hof, die Geistlichkeit trugen wenigstens in ihrer Sprache römisches Gepräge. Diese Sprache war der Punkt, in welchem beide Theile sich begegneten. Theophano kehrte zur altrömischen Sprache, die einst ihr ganzes Volk (wie man wenigstens wähnte) gesprochen, zurück, Otto II.. und seine Umgebung kamen von der anderen Seite.

Zur schnelleren Acclimatisirung Theophanos musste überdies auch noch der Umstand beitragen, dass namentlich durch Erzbischof Bruns Bemühungen und wohl auch durch Bischof Liudprand von Cremona, der schon 949 als Gesandter Hugos von Italien in Byzanz gewesen und Sgich dann dauernd am Hofe Ottos aufhielt, die griechische Sprache sich einigen, wenn auch, wie man neuerdings 45) hervorgehoben hat, nur höchst mangelhaften Bekanntseins bei den Hofleuten Ottos erfreute. Gerade der Mann, den Otto d. Gr. absandte, um Theophano auf italischem Boden zuerst zu begrüssen, Bischof Theoderich von Metz, war ein vertrauter Schüler Bruns gewesen: Es dürfte keine allzu kühne Vermuthung sein, wenn
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45) Am weitesten geht Olleris, vie de Gerbert (vor einer Ausgabe der Werke Gerberts, Clermont et Paris 1867), p. XXXII: „On croira sans peine que très-peu de personnes savaient „même lire“ le grec“ und „Le grec n'était donc pas connu en Occident au Xe. siècle.“

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ich annehme, dass neben seiner nahen Verwandtschaft zum kaiserlichen Hause und seiner Stellung bei Otto I. als vertrauter Rath die Kenntniss des Griechischen es war, die ihm jene ehrenvolle Mission eintrug. --


IV. Theophano in den Jahren 972-980.

Zu den Hauptquellen für diesen und den folgenden Abchnitt zählen die erhaltenen Kaiserurkunden. Da Böhmer wie Stumpf (= St.) in ihren Regesten auf die Interventionen beim Kaiser absolut keine Rücksicht nehmen, sah ich mich gezwungen, die über 330 in Betracht kommenden, in den verschiedensten Sammelwerken verstreuten Urkunden selbst einzusehen. Die gehabte nicht unbedeutende Mühe lässt mich die Nichtbeachtung eines so wichtigen Punktes in den genannten Werken für einen Mangel halten, dem gelegentlich Abhülfe zu Theil werden muss.

Ausser den Urkunden kommen hier noch eine Reihe von Autoren in Betracht, deren Mehrzahl im dritten und vvierten Bande der Scriptores in den Monumenta Germaniae historica zu finden ist. –

Theophano hatte für die letzte Phase der Politik Ottos d. Gr. eine durchaus entscheidende Bedeutung gehabt. Voll fünf Jahre hatte Otto daran gesetzt, ihre Hand für seinen Sohn zu gewinnen. Dem galt seine ganze Thätigkeit, und mit dem Erreichen dieses Ziels endigte auch sein Antheil an der Entwicklung des deutsch-römischen Kaiserreichs. Das Werk der Begründung war im vollsten Masse vollendet; Westrom stand Ostrom ebenbürtig zur Seite.

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Von diesem Gesichtspunkte aus gewinnt die am 14. April 972 zu Rom vollzogene Vermählung Ottos II. und Theophanos eine, wie mir scheint, bisher nicht genügend gewürdigte Bedeutung. Sie bildet einen Abschnitt in der Geschichte unseres deutsch-römischen Kaiserthums. Sie ist die Krone von Ottos I. Bestrebungen, der Schlussstein in der Begründung des Reichs. Erst nach ihrer Vollziehung beginnt die eigentliche Geschichte desselben.

Aber auch für die politische Bedeutung Theophanos selbst bildet diese Hochzeit einen Abschnitt. Bisher war dieselbe nur in ihrem Character als griechische Prinzess in Betracht gekommen, ihre Persönlichkeit war ausser Spiel geblieben. Jetzt tritt sie auch persönlich in den Kreis der deutsch-römischen Angelegenheiten. Als Gemahlin des Thronfolgers und dann des Kaisers selbst konnte sie nicht ohne Einfluss bleiben.

Otto dem Grossen war nach der Beendigung seiner welthistorischen Aufgabe noch ein kurzer Lebensabend vergönnt. Er erscheint uns während des noch folgenden Jahres als friedlicher Regent, der hie und da wohl ordnet und verordnet in Sachen des Reiches und Einzelner, im Übrigen aber Anstalten trifft, sich zur Ruhe zu begeben. Sein Blick schweift zurück zu dem Ausgangspunkte seiner ruhmvvollen Laufbahn, sein Schritt lenkt heimwärts zu den Stätten seiner Jugend.

Welcher Art das Verhältniss gewesen, in welchem sich Theophano während der letzten Tage Ottos I. Zu demselben befand, wir hören nichts darüber. Otto hatte zusammen mit seinem Sohne der Schwiegertochter am Hochzeitstage einen nicht unbedeutenden Besitz an Ländereien zu Theil werden lassen. An der Nordsee am adriatischen Meer, am Harz wie am Rhein war diese Morgengabe gelegen. Die Urkunde über dieselbe ist die einzige, in welcher Schwiegervater und Schwiegertochter zugleich auftreten, (St. 568.)

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Es darf uns dieser Umstand nicht Wunder nehmen, auch wenn wir auf das Gewicht hinblicken, welches Otto in den vorhergehenden Jahren dem Besitze Theophanos beigelegt hatte. Auf eine persönliche Unbedeutendheit derselben zu schliessen, wäre in Anbetracht ihrer späteren Thätigkeit verfehlt. Vielmehr müssen wir uns vergegenwärtigen, dass doch auch ihr Gemahl Otto II. noch eine recht nebensächliche Rolle am Hofe des Vaters spielte. Von den fünf Urkunden desselben, die uns aus der Zeit zwischen der Hochzeit und dem Tode Ottos I. erhalten sind (St. 570-574), sind zwei nur Duplicate von Urkunden des Letzteren, eine dritte enthält den Zusatz: „patre nostro dilectissimo ac coimperatore volente“, eine vierte vor den Worten: „per carissimae conjugis nostrae Theophanu obnixum interventum“ die anderen Worte: „Per nostri genitoris dilectissimi ac coimperatoris voluntatem“, und endlich die fünfte die Bemerkung: „scientia ac voluntate Burghardi Alamannorum ducis.“ Überall ist Otto nur Vollstrecker eines fremden Willens, von eigener Entschliessung kann keine Rede sein 1).

Der Grund hiefür liegt auf der Hand. Otto II. war ein sechszehnjähriger 2) Knabe, an ein selbstständiges Auftreten war noch nicht zu denken. Dass unter diesen Umständen auch Theophano, die wohl schwerlich viel älter war, nicht in den Vordergrund tritt, erscheint gleich selbstverständlich.
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1) Vgl. auch Stumpf, Reichskanzler II., p. IX: „Bemerkenswerth ist, dass Otto II. als Mitregent wohl selbstständig Urkunden für Deutschland, niemals aber welche für Italien ausstellte“.
2) Otto war am Ende des Jahres 955 geboren. Der continuator Reginonis, wie die Chronik Albrichs von Troisfontaines (MG. SS. 23, 767) überliefern uns dieses Jahr, die Annales Quedlinburgenses melden auch die Geburt seiner Schwester Mathilde zu demselben, die vita Mahthildis post. (MG. SS. 4, 293) sagt von Otto I. und Adelheid: Primo procreabant puellam, inclitae Mahthildis reginae vocabulo dictam – –. Exinde gignebant puerulum, patris nomine vocatum“. Also Mathilde und Otto II. sind beide 955 geboren, jene vor diesem, also wohl zu Anfang, dieser zu Ende des Jahres.

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Ein anderes Verhältniss hätte mit dem Tode Ottos I. eintreten können. Nun war Otto II. trotz seiner Jugendlichkeit der Erste im Reich, und Theophano stand an seiner Seite. Indess die Kaiserin-Mutter Adelheid, welche selbst erst zweiundvierzig Jahre zählte, hatte ihren Sohn zu gut erzogen, und dieser war, wie wir auch später noch sehon werden, ein viel zu unselbstständiger Character, als dass er sich sogleich dem mütterlichen Einflusse zu entziehen vermocht hätte. Einmüthig berichten die Chronisten, Otto habe industria ac
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(Vgl. allerdings über die Glaubwürdigkeit der vita Wattenbach, Geschichtsquellen I., 277 (4. Aufl.). Ich sehe indess nicht, wie der Verfasser zu einer solchen Altersfolge der Geschwister gekommen sein sollte, wenn ihm nicht gleichlautende Nachricht vorgelegen hätte. Die Tendenz der vita berührt diesen Punkt ja doch nicht.)

Einen andern Zeitpunkt für Ottos Geburt nehmon sowohl Giesebrecht (Jahrb. Ottos II., p. 3), wie Dümmler (Otto I., p. 292) aa. Giesebrecht will mit dem Datum des contin. Reginon. eine Angabe der Annales Lobienges und Sigeberts vereinen, wonach Otto 961 am 26. Mai bei seiner Krönung puer septennis gewesen. Er meint, derselbe sei deshalb wohl im Anfange des Jahres 955 geboren. Indess auch abgesehen davon, dass die vereinten Angaben der Annales Quedl. und der vita Mahth. einer solchen Erklärung widersprechen, muss Giesebrecht selbst zugestehen, dass Otto auch dann an jenem Tage „nur sechs Jahre“ alt sein konnte, und der Ausdruck (septennis) immer ungenau bleibt. Giesebrecht zieht übrigens die Angabe des Cont. Reginon. nicht in Zweifel.

Anders verfährt Dümmler a. a. O. Er meint: „Da die Ann. Quedl. die Geburt von Ottos Tochter Mechtild auch in das J. 955 setzen, so kann wohl nur eins von beiden richtig sein, und wir werden mit den Ann. Lobiens. (MG. SS. II., 210), die Otto II. am 26. Mai 961 anno aetatis suae septimo geweiht werden lassen, seine Geburt in das Jahr 954 setzen müssen“. Ich habe dreierlei darauf zu erwidern:

1) Nach der vita Mahthildis ist Mathilde älter als Otto II. Können daher, wie Dümmler will, nicht beide im J. 955 geboren sein, so muss die Geburt Mathildens, nicht die Ottos ins J. 954 verlegt werden. Dem aber widerspricht die Glaubwürdigkeit der Ann. Quedl.

2) Die Ansicht Dümmlers, es könnten nicht beide Geschwister im J. 955 geboren sein, hat nichts Zwingendes, wohl aber ist seine Behauptung, Otto sei schon 954 geboren, einfach unmöglich. Die Hochzeit Ottos I. und Adelheids fand nach Dümmler selbst (p. 198) am Ende des J. 951 statt. Adelheid gebar nach Widukind III., 12 ihrem zweiten Gemahl zuerst die Söhne Heinrich (cf. Dümmler, p. 213: Ende 952 oder Anfang 953) und Brun (cf. Dümmler, p. 292). Otto folgte erst, nachden ihm, wie ich der vita Mahthildis glaube, auch noch die Schwester Mathilde voraufgegangen, an vierter Stelle. Da nun von Zwillingen nirgends die Rede, so ist es einfach unmöglich, dass Otto II. noch im J. 954 geboren sei.

3) Die Angabe der Ann. Lobienses: anno aetatis suae septimo widerspricht dem cont. Reginon. Etc. keineswegs. Die Rechnungsweise der alten Annalisten zählte (vielleicht noch an den Fingern) die Jahre 955, 956, 957, 958, 959, 960, 961 her. Das sind sieben Jahre, deshalb befand sich der im J. 955 geborene Otto II. im J. 961 anno aetatis suae septimo. Beispiele gleicher Rechnungsweise liessen sich doch wohl in genügender Menge heranziehen.

Wie wenig übrigens bei unsern Autoren schon an ein wirkliches Subtrahiren zu denken iat, erhellt auch noch aus einer anderen Rechnungsweise, die mit der eben erwähnten Hand in Hand geht. Auch sie befolgt das Prinzip des einfachen Zählens, statt aber Bruchtheile für voll zu nehmen, lässt sie diese einfach ganz bei Seite. Derart sind z. B. die Angaben Hrotsuiths und Widukinds in Betreff der Regierungsjahre Heinrichs I., die allzu schnell für den Zusammenhang beider Autoren als Beweis gelten sollten. Hierhin gehört u. A. auch die Berechnung der Regierungsjahre Unnis von Bremen bei Adam, während derselbe Autor bei Unnis Nachfolger Adaldag wiederum die Bruchtheile für voll nimmt. Vgl. übrigens in Betreff der Regelmäsgigkeit derartiger Angaben noch Stumpf, Reichskanzler II, p. XII, wo es heisst: „Es sind in den Urkunden K. Ottos I. unter dem Kanzler Liudolf die königlichen Regierungsjahre und desgl. unter dem Kanzler Willigis die Incarnationsjahre durchweg um ein Jahr zu hoch gerechnet, dagegen bei K. Otto II. unter dem Kanzler Egbert und unter K. Otto III. während Heriberts deutscher Kanzleiführung die Königsjahre fast immer um ein Jahr zu niedrig beziffert etc.“ An Verderbnisse in der Datirung ist da nicht immer gleich zu denken, vielmehr haben wir meist nur aus der alten, primitiven Rechnungsweise in die unsrige zu übertragen.

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sapientia Adelheidae matris seine Herrschaft befestigt, und Übereinstimmung hiemit zeugen eine Reihe erhaltener Urkunden von Adelheids Einfluss. Theophano stand auch noch

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nach der Thronbesteigung Ottos II. eine ganze Weile im Hintergrund. In Urkunden von 973 findet Sich ihr Name nur dreimal 3).

Zu weit scheint mir aber gleichwohl Gfrörer 4) zu gehen, wenn er den, wie er sagt, alten Erfahrungssatz, dass Schwieger und Schnur sich schlecht vertragen, auch hier bestätigt sehen will. Es ist doch keineswegs ein Zeichen von Eifersucht, wenn Theophano gerade in den ersten Urkunden, in denen sie auftritt, zusammen mit Adelheid und zwar speciell für deren Witthum 5), das Kloster S. Maximin zu Trier auftritt (St. 590 und 605). Dass aber auch ihr Verhältniss zu der Sippe Adelheids, zu der baierischen Partei kein von Hause aus schlechtes war, beweist die dritte Urkunde (St. 613), in welcher sie sich auf Bitten Heinrichs II. von Baiern für den Vertrauten Judiths, den Freisinger Bischof Abraham verwendet.

Überhaupt möchte ich von vorne herein Verwahrung einlegen gegen die Hereinziehung späterer Verhältnisse in diese erste Zeit. Odilo, der Verfasser des epitaphium Adelheidae, berichtet uns (c. 8), wie gehässig die Stimmung Theophanos und Adelheids gegen einander gewesen, aber er stand der Letzteren erst in ihren späteren Lebensjahren nahe, und beziehen sich seine Angaben daher auch nur auf diese Zeit. Dass er auch hier nicht massgebend ist, liegt bei seiner Voreingenommenheit für Adelheid auf der Hand.
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3) Abgesehen von den Urkunden St. 575 und 601. Letztere ist nicht precibus oder per interventum, sondern nur (auf Bitten Notkers v. Lüttich) pro amore -- Adelheidis atque Theophanu erlassen; während erstere Stumpfs Verdacht in Bezug auf ihre Echtheit erregt. Ich möchte ihm hierin eben wegen der Nennung Theophanos beistimmen, da sich in den folgenden Urkunden für Magdeburg Adelheids Name stets allein findet.
4) Allgem. Kirchengesch. III., p. 1386.
5) Vgl. hingegen Dümmler a. a. O. p. 334, der die Urkunde, in welcher S. Maximin. 962 zum Witthum für Adelheid und ihre Nachfolgerinnen bestimmt wird, durchaus verwirft.

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Den Grund für das seltene Auftreten Theophanos auch in Urkunden dieser Zeit suche ich in Verschiedenem. Einmal möchte ich nochmals die Jugendlichkeit des kaiserlichen Paares, die sich selbstverständlich von Älteren leiten liess, betonen. Dazu kam dann aber, dass Theophano auch wohl unter dem rauhen, wechselvollen Klima unserer Gegenden zu leiden hatte, und endlich, dass ihr in den ersten Jahren ihrer Ehe das gemüthvolle Familienleben mehr zusagte, als das intriguirende Parteileben, das sich bald auch am Hofe Ottos II. breit machen sollte. Einen Belag bieten meiner Ansicht nach zwei Urkunden vom 27. Mai und 3. Juni 975, in denen Otto II. dem Kloster Fulda Schenkungen macht pro sanitate dilectae conjugis Theophanu (St. 651 und 652).

Dass es nicht Theophano war, die Ottos II. energisches Auftreten gegen die baierische Sippe veranlasste, geht übrigens schon aus der Reihenfolge der Thatsachen hervor. Das Letztere begann noch am Ende von 973 mit der Verleihung Schwabens an Otto, den Sohn Liudolfs. Theophanos Einfluss ist aber in hervorragenderer Weise urkundlich erst seit dem Anfang des Jahres 975 nachzuweisen, also dem Zeitpunkt, wo Willigis Erzbischof von Mainz und Archikapellan wurde. Ein bedeutsames Zusammentreffen, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie treu Willigis späterhin in den Zeiten der Gefahr zu Theophano und ihrem Sohne Otto III. gegen den baierischen Empörer stand. Wer von den Beiden den andern hob, ist nicht ganz klar. Indess möchte auch ich Willigis Erhebung Theophano zuschreiben 6), da doch auch schon einige
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6) C. Euler in s. Abh.: „Erzbischof Willigis von Mainz in den ersten Jahren seines Wirkens“, Naumburg 1860, p. 21, sagt geradezu: „Eine Hauptfürsprecherin aber hatte Willigis an Ottos Gemahlin, der klugen und schönen Theophano; ihr Einfluss, der damals, als das bis dahin sehr innige Verhältnis des Kaisers zur Mutter sich zu lockern begann, fast in allen Urkunden sichtbar wurde, brachte die missgünstigen Stimmen zum Schweigen“. Allerdings geschah die Erhebung Willigis „multis hoc ob vilitatem sui generis rennuentibus“ (Thietmar III., 3).

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Urkunden aus dem August 974 ihre Fürbitte bekunden, und andererseits das Zurücktreten der baierischen Partei, der Adelheid so eng liirt war, ein Zurücktreten dieser und damit das Hervortreten derjenigen bedingte, die Otto II. allein die verlorene Mutterliebe zu ersetzen vermochte. Die Bundesgenossenschaft Theophanos und Willigis aber tritt eclatant in der Urkunde vom 25. Januar 975 (St. 641) hervor, in welcher Otto II. dem Mainzer Erzstift alle seine Privilegien interventu Theophanos und Willigis bestätigt.

„Allmählich entfremdete die Griechin der Mutter das Herz des Sohnes.“ Es ist nichts falscher, als diese Behauptung Gfrörers 7). Allerdings stand sie später auf Seiten der Gegenpartei, aber sie war nicht die Seele, die Urheberin derselben. Adelheid hatte sich mit der baierischen Partei zu sehr eingelassen, sie war derselben durch Verwandtschaft zu vielfältig verbunden -- Burchard von Schwaben war dem Anschein nach ihr Onkel; Heinrich II. von Baiern heirathete ihre Nichte Gisela von Burgund; ja sie soll diesem sogar einmal ihre eigene Tochter Emma zugedacht haben 8), die dann die Gemahlin Lothars von Frankreich wurde --, als dass es nicht den Gegnern der Baiern ein Leichtes gewesen wäre, auch ihren gefürchteten Einfluss auf Otto II. zu brechen. Odilo, ihr Vergötterer, der Theophano wahrlich nicht schont, meldet nicht, Theophano, nein iniqui viri seien es gewesen, qui inter
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7) a. a. O. III. p. 1386.
8) Dümmler, p. 375, stellt dieser Nachricht der vita Mahthildis post. das Bedenken entgegen: „doch war Heinrich ungefähr 7 Jahre jünger als Emma“. Es waren mir diese Worte Dümmlers völlig unverständlich, da Dümmler selbst p. 173 die Hochzeit Adelheids und Lothars ins J. 947 setzt, die Ann. Quedl. die Geburt Heinrichs aber zum J. 951 melden. Der Altersunterschied konnte also höchstens drei Jahre betragen. Endlich gewahrte ich den Ursprung jenes Irrthums auf p. 269. Dümmler bezeichnet Heinrich II. daselbst oben im Text ganz richtig zum J. 955 vierjährig, während er unten in Anm. 4 die Angabe der Ann. Quedl. In Betreff seiner Geburt versehentlich statt zu 951 zu 955 angiebt; eine Ungenauigkeit, die hundert Seiten weiter die zweite nach sich zog.

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eos nisi sunt seminare discordiam. Wer diese iniqui viri waren, liegt auf der Hand. Im Kampfe gegen Heinrich I. von Baiern und indirect gegen Adelheid war Ottos I. Sohn Liudolf zu Grunde gegangen. Heinrichs Sohne Heinrich standen nun wiederum ein Sohn Liudolfs, Otto, gegenüber, und wie Dümmler p. 213 bemerkt, der Hass der Väter vererbte sich auf die Söhne in voller Stärke.

Otto, der Sohn Liudolfs, war ein Jahr älter als sein kaiserlicher Oheim, aber niemals, soweit die Quellen uns einen Einblick in die inneren Verhältnisse gestatten, hat er seinem vom Glücke bevorzugten, jüngeren Oheim den Thron, der nach strengem Erstgeburtsrecht ihm selbst gebührt hätte beneidet. Willig ordnete er sich unter, denn er hatte sich eine andere Lebensaufgabe gestellt. Das unglückselige Geschick des Vaters wollte er rächen, rächen an dem Urheber desselben und an seinem Geschlecht, dem Geschlecht der baierischen Heinriche.

Zu ihm standen noch altbewährte, in Treue gegen das Kaiserhaus ergraute Männer, wie Graf Berthold vom Nordgau, dem wir schon 941 als Vertrauensmann Ottos d. Gr. begegnen. Was ihn zum Feinde der Heinriche gemacht, ist nicht ganz klar. Es dürfte vielleicht die Verleihung Bambergs und Aurachs in der Grafschaft Bertholds, Volkfeld, Heinrich II. von Baiern (cf. Urkunde vom 27. Juni 973. St. 592) hier in Betracht kommen. Dieselbe geschah auf Verwendung der Kaiserin-Mutter Adelheid und könnte immerhin zu Zwistigkeiten den Anlass gegeben haben; waren doch beide Orte ehemals babenbergische Besitzungen gewesen 9). Ob dann auch noch Theoderich von Metz und Giselher von Merseburg den iniquis viris zuzuzählen seien, wage ich nicht zu entscheiden. Ihr Einfluss wurde jedenfalls von dem Fall der baierischen Partei nicht tangirt.
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9) cf. Giesebrecht, Kaiserzeit II., p. 54 (4. Aufl).

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Wie schon bemerkt, begann der Sturz derselben mit der Verleihung Schwabens an Otto, den Sohn Liudolfs, am Ende des J. 973. Ihr folgten, wie der Biograph Bischofs Ulrich von Augsburg berichtet (c. 28), quamvis ex vicina propinquitate caritate conjuncti fore debuissent, ex machinatione male suadentis Satanae invidiae et dissensiones zwischen Otto von Schwaben und dem drei Jahre älteren Heinrich von Baiern, an denen sich auch Berthold vom Nordgau beteiligte (Thietmar V., p. 372). Der Sommer brachte dann die erste Verschwörung Heinrichs gegen seinen kaiserlichen Vetter, deren weitere Glieder Boleslaw von Böhmen und Micislaw von Polen waren. Dieselbe endete mit der Haft Heinrichs zu Ingelheim. Erst 976 tritt er von Neuem auf.

Während der Haft des Baiernherzogs können wir nun das Niedergehen des mütterlichen Einflusses in den kaiserlichen Urkunden beobachten. Es liegt nur zu nahe, zwischen beiden Ereignissen einen Causalnexus zu vermuthen. Jener Gewaltstreich Ottos gegen den treulosen Vetter emancipirte ihn zugleich von der Vormundschaft Adelheids. Derselbe bezeichnet den Grenzpunkt, auf welchem Otto die Zügel der Herrschaft wirklich selbst in die Hände nimmt. Fortan verschwindet die Formel „pia domnae et carissimae genetricis nostrae Adelheidis ammonitione“ aus den Urkunden, und an ihrer Statt begegnen uns immer häufiger zwei andere Namen: Theophano und Otto von Schwaben. Der letztere überwiegt im Anfang durchaus.

So sehen wir Theophano die ihr als Gattin gebührende Stelle der Mitregentin einnehmen nicht infolge eigenen Intriguirens gegen die kaiserliche Mutter, vielmehr haben die allgemeinen Hofverhältnisse ihr dieselbe verschafft. Nachdem sie aber einmal an dieses Ziel gelangt ist, weiss sie sich dauernd zu behaupten. Ihr Einfluss ist, abgesehen von einer Unterbrechung, die wir noch zu beleuchten haben werden, bis an Ottos II. Tod nicht mehr zu verkennen.

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Man hat indess noch zwei andere Ursachen für die Entfremdung zwischen Mutter und Sohn geltend gemacht, und auch Giesebrecht, Jahrb. p. 27, erwähnt dieselben. Einmal soll das gänzliche Verzichten Adelheids auf weltlichen Schmuck und Genuss bei den lebensfroheren Kindern Anstoss erregt haben. Es wird uns nun allerdings Adelheid von ihren priesterlichen Verehrern als ein Muster selbstpeinigender Enthaltsamkeit geschildert. Obgleich sie ihr ganzes Leben hindurch, sagt der liber miraculorum (MG. SS. IV., 645), „regalibus divitiis et dignis suo generi facultatibus abundaret carnem a primaevo viduitatis tempore cilicio edomabat“, und Odilo im epitaphium (MG. SS. IV., 641-642), c. 11 bestätigt dies mit den Worten: „Cumque mirificis, ut imperiali dignitati congruebat, valeret corpus decorare indumentis et preciosissimis caput redimire gemmis, talibus nolebat se gravare implicamentis“. Anders verhielt es sich mit Theophano, der man noch später (MG. SS. IV, p. 888) aus der Einführung fremder Moden und ungewohnten Putzes ein schweres Verbrechen machte. Auch scheint Thietmar II., c. 28 (MG. SS. III., 757) einen derartigen Gegensatz bezeichnen zu wollen, wenn er der „aurea mediocritas“ aus Ottos I. Zeit „novam hanc normam quae sequebatur“ und von der die ältere Generation nichts wissen wollte, entgegenstellt. Indess, so glaubwürdig Thietmar in Einzelheiten ist, wenn er sich in allgemeinen Schilderungen ergeht, kommt der übertreibende Prediger nur zu oft zum Vorschein, ja er verwickelt sich durch solche Übertreibungen nicht selten in Widersprüche, deren Lögung nur eben aus psychologischen Gesichtspunkten möglich wird.

Der zweite Punkt ist die alles Mass übersteigen Almosenverschleuderung Adelheids. Wir erinnern uns, dass auch die Königin Mathilde einst von ihren Söhnen Otto I. und Heinrich wegen solcher frommen Verschwendung angefeindet, ja aus ihrem Witwensitze vertrieben wurde 10). Es
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10) cf. Dümmler a. a. O., p. 147 f.

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erscheint deshalb die Erneuerung eines solchen Zwistes bei folgenden Generation keineswegs unglaublich. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass keine der Stellen, die auch Dümmler (p. 520) dran glauben lassen, directe Aussagen dieser Art enthalten.

Die Stelle in der vita S. Majoli von Syrus cap. 9 (MG. SS. IV, 654) lautet folgendermassen: „Sub eodem tempore praedictus imperator matrem zelabatur, quia apud se falso crimine deferebatur. In eam tunc quasi rei publicae dilapidatricem et sui ab ea expulsatricem per falsos delatores tali stimulabatur jurgio, ut eam versa vice propellere minaretur regno. Suorum principum nullus eum convenire falsumque crimen a sanctissima matre temptabat avertere. Ipsi eam defendere neglegebant a crimine falsitatis, quos illa extulerat ad summos gradus dignitatis. Hanc omnes excusationem praetendebant, quod imperiali majestati contradicere non audebant. Ja weiterhin wird sogar von periculo vitae Adelheidis indubio gesprochen. Nehmen wir auch hier wieder auf den priesterlich übertreibenden Ton Rücksicht, so scheint mir zweierlei Gewissheit aus dieser Nachricht hervorzugehen. Einmal, dass Theophano durchaus nicht Urheberin des Zwistes, auch nicht einmal unbewusst durch die neuen, prächtigeren Sitten war, die sie aus Griechenland mitbrachte, und andrerseits, dass es sich bei dem Zwist zwischen Otto II. und Adelheid keineswegs nur um die Almosenverschwendung hat handeln können. Für letztere Annahme sind die Bezeichnungen rei publicae dilapidatrix et sui ab ea expulsatrix denn doch allzu stark. Otto droht die Mutter versa vice regno propellere, also glaubt er selbst sein Reich auf dem Spiele stehend. Das war auch bei noch so grosser Verschwendung Adelheids nie der Fall. Es kann sich deshalb meiner Ansicht nach hier nur um politische Intriguen Adelheids handeln, würde doch Syrus sonst nicht von einem crimen falsum sprechen können. Ob wahr oder nicht, die iniqui viri brachten Otto dem Zweiten die Überzeugung bei, Adelheid sympathisire mit

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dem Baiern, ja gönne dem Sohne ihres geliebten 11) Schwagers Heinrich den Thron mehr als dem eigenen Kinde.

Dass nicht die Almosen den Grund des Zwistes bilden, hiefür scheint mir auch die spätere Versöhnung zu sprechen. Eine solche war doch nur möglich, nachdem alles Entgegenstehende aus dem Wege geräumt war. Adelheid betrieb ihre frommen Übungen und Schenkungen aber bis an ihr Lebensende; darin trat keine Änderung ein. Wohl aber finden wir eine solche in den politischen Verhältnissen. Seit Heinrich sich in Utrecht, seiner Herzogswürde beraubt, in sicherem Gewahrsam befand, war auch nichts mehr von etwaigen Sympathien Adelheids für ihn zu fürchten. Deshalb ist Otto nun gerne zur Versöhnung mit der Mutter bereit, und brauchen wir hiebei keineswegs wie Gförer (III., p. 1387) 12) an ein voraufgehendes Erkalten des Verhältnisses zwischen ihm und Theophano, welches sich mit den übrigen Ereignissen durchaus nicht in Einklang bringen lässt, zu denken. Otto gehorchte gerne der Stimme kindlicher Pietät, nachdem derselben nicht mehr politische Bedenken im Wege standen.

Fürs Erste sollte er aber noch keine Ruhe haben. Heinrich von Baiern war noch nicht gewillt, seinen Frieden mit dem Kaiser zu machen. 976 steckte er, seiner Haft entkommen, von Neuem die Fahne der Empörung auf. Das Resultat war allerdings nur Flucht nach Böhmen, jedoch sah ihn das J. 977 schon wieder in voller Thätigkeit. Der Aufstand, an dem sich nun auch Heinrich von Kärntheb betheiligte, den Otto erst im Jahre vorher zu dieser Würde befördert hatte, nahm gefährliche Dimensionen an und dauerte bis in den Herbst des Jahres. Dann endlich unterwarfen
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11) cf. Forschungen IX, 336, wo Waitz darauf hinweist, dass Worte Hrotsuiths 680--681 wohl eine ungünstigere Auffassung des Verhältnisses zwischen Adelheid und Heinrich widerlegen sollten.
12) „Die Griechin konnte den Sohn nicht mehr von der Mutter losreissen“. Sie hat es nie versucht.

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sich die Empörer. Das Fürstengericht von Magdeburg übergab sie sicherem Gewahrsam.

Während dieser ganzen Zeit sehen wir in den Urkunden ununterbrochen Theophano in Thätigkeit als Beratherin ihres Gemahls. Ihr zur Seite stehen namentlich Herzog Otto von Schwaben und Baiern, Erzbischof Willigis von Mainz und Bischof Dietrich von Metz, der ehemalige Vertraute Ottos I..  Adelheids Name erscheint nur sehr sporadisch, im J. 976 garnicht, 977 im October, 978 im März. Dann finde ich ihn erst wieder im Februar 980. Zwischen letztere beiden Daten würde ja auch nach den Ann. Magdeb. (MG. 8S. XVI, 154) ihr Aufenthalt in Oberitalien fallen.

Theophano besass jetzt vollen Einfluss auf die Thätigkeit ihres Gemahls, aber wie Letztere noch keine freiwillige, aus rein politischen Erwägungen hervorgegangene ist, dieselbe vielmehr noch den Character der Nothwehr gegen aufrührerische Elemente trägt, so kann auch in dieser ersten Periode der Regierung Ottos II. von einer wirklich politischen Bedeutung Theophanos kaum die Rede sein. Sie ist vielmehr nur, wenn ich mich dieser modernen Bezeichnungsweise bedienen darf, „Minister der inneren Angelegenheiten“. Während Otto selbst damit beschäftigt ist, die Widersacher seines Regiments zu Boden zu werfen und dauernd unschädlich zu machen, leiht sie ihr Ohr den friedlichen Elementen des Reichs und bringt deren Gesuche vor den vielbeschäftigten kaiserlichen Gemahl. Politische Bedeutung gewinnt sie erst wieder, als Otto sich die Hände frei gemacht hatte, als er aus eigener Initiative an die Weltpolitik seines grossen Vaters anknüpfte.

Bevor er aber hiezu kam, sollte er noch einen heftigen Strauss zu bestehen haben. Wohl hatte er seinem Throne Respect verschafft bei den Dänen, Wenden und Böhmen, wohl lag Deutschland selbst gehorsam zu seinen Füssen, aber noch drohte von Westen her Gefahr. Wie Giesebrecht in den Jahrb. Ottos II., p. 27 f., eingehend schildert, war mit der Vernichtung der baierischen Partei der Zusammenhang zwischen

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dem westfränkischen und ostfränkischen Herrscherhause zerrissen. Lothar, der vorltzte gekrönt Spross des einst so herrlichen Geschlechts der Karolinger, war vermählt mit der Tochter Adelheids aus ihrer ersten Ehe mit Lothar von Italien. Er hatte zu Deutschland fast in demselben Verhältniss gestanden, wie einst zur Zeit Ottos I. Konrad von Burgund, aber eben nur die Verwandtschaft mit Adelheid hatte ihn dasselbe ertragen lassen. Seitdem nun Letztere nicht nur mit Otto II. entzweit, sondern auch ausser Landes gegangen war, musste ihm die Abhängigkeit von dem Kaiser unerträglich erscheinen. Er dachte daran, sich von ihr zu befreien. Ob seine Pläne noch weiter gingen, ob er Wiederherstellung des Reiches Karls des Grossen erträumte, muss dahingestellt bleiben.

Als Otto mit Theophano, die wiederum der Geburt ihres Kindes (nicht ihres Sohnes, Ottos III., der erst 980 13) geboren wurde) entgegensah, in Aachen verweilte, traf ein Blitz aus heiterem Himmel die Kunde, Lothar von Westfranken nahe mit Heeresmacht. Unvorbereitet, wie er war, musste er schleunigst sein Heil in der Flucht suchen und die Eroberung Aachens durch Lothar zulassen, Aber er war nicht gewillt, diese Schmach auf sich sitzen zu lassen. Eiligst bot er seine ganze Heeresmacht auf, am 1. October 978 überschritt er die westfränkische Grenze, in Kurzem stand er vor den Mauern von Paris. Dieses zu erobern, war er allerdings nicht im Stande, aber Lothar war durch die Energie des Kaisers erschreckt genug; um etwaige hochfliegende Pläne schleunigst fahren zu lassen. Im Mai 980 trat er in einer Zusammenkunft am Grenzflusse Chier in das alte Verhältniss
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13) cf. Wilmans, Jahrb. Ottos III, p. 2, wo wiederum eine Reihe Beläge für meine oben p. 40 entwickelte Auffassung in Betreff der alten Rechnungsweisen zu finden sind. Da Wilmans diese nicht kennt, findet er Widersprüche. Thietmar zählt an der citirten Stelle nur die ganzen Jahre, während die Urkunden und die Annal. Einsidl, die Bruchtheile als voll mitrechnen,

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zu Otto zurück, er verzichtete auf seine Ansprüche in Betreff Lothringens und schloss unter „Handschlag, Kuss und Eid“ Freundschaft mit dem mächtigeren Nachbarn.

Kurz vorher hatte Otto auch den letzten seiner auswärtigen Gegner, den Herzog Micislaw von Polen zur Ruhe gebracht. Ob Letzterer sich völlig unterworfen, wissen wir nicht, jedenfalls hatte er nichts mehr von ihm zu fürchten. Endlich war überall im Reiche und an seinen Grenzen die Herrschaft Ottos gesichert. Es gab hier nirgends mehr für ihn zu thun, und sein lebhafter Geist konnte endlich frei um sich schauen. Er konnte dran denken, aus eigener Initiative der Verwirklichung politischer Ideale nachzugehen. Inwiefern die Persönlichkeit Theophanos hiebei in Betracht kam, wird der folgende Abschnitt zeigen.

V. Theophano und die italische Politik Ottos II.

Quellen: wie zu IV.

Nach zwei Richtungen sind die Meinungen der Historiker in Betreff der süditalischen Campagne Ottos II. aus einander gegangen. Die eine findet ihren bündigsten Ausdruck in den Worten von Leibniz, Ann. imp. III, p. 394: „Ottonem II. arma non repulisse, sed intulisse, veteres memorant“, die andere vertritt Giesebrecht in den Jahrbüchern Ottos II., p. 145 ff., wenn er behauptet, die treulose Politik Constantinopels habe Otto zu kriegerischem Vorgehen gezwungen.

Um uns den Weg zur Auffindung des richtigen Sachverhalts zu sichern, müssen wir im Auge behalten, wie einst

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im J. 972 der Vertrag zwischen Otto I. und Tzimiskes lautete. Es wird ja im Allgemeinen behauptet, man wisse über denselben nichts Bestimmtes; aber wie wir oben (Abschnitt I) dargethan haben, geben uns die legatio Liudprandi und Widukind, III., 70, zweifellose Zeugnisse für den Inhalt desselben. Zwar sind beide vor dem Schluss des Vertrages geschrieben, und es könnte sich unter Umständen noch Manches bis zu Letzterem geändert haben; indess sind die Forderung und das Zugeständniss Ottos doch so klar und bestimmt und an beiden Stellen so übereinstimmend formulirt, dass an eine Abänderung nicht zu denken ist.

Nach jenen Zeugnissen verzichtete Otto I. auf Calabrien und Apulien ausdrücklich. Es konnte sich daher für Otto II. unmöglich um das Besitzergreifen einer zurückgehaltenen Mitgift seiner Gemahlin handeln. Zugleich fällt aber auch die Behauptung Giesebrechts hin, die Treulosigkeit der griechischen Politik habe Otto zum Kriege gezwungen, insofern dieselbe auf das Streitigmachen eines einmal zugestandenen Gebietes hinzielt. Süditalien gehörte vertragsmässig den Griechen, das ist keine Frage 1).

Nach Giesebrecht hätte der feindselige Gegensatz zwischen dem ost- und weströmischen Reich schon sofort im Jahre 974 wieder begonnen. Irre geleitet durch die Pratillischen Fälschungen, die zur Zeit des Erscheinens der Jahrbücher ja noch nicht als solche erkannt waren, giebt er eine detaillirte Schilderung der betreffenden Kämpfe und schliesst dann p. 144: „Die ganze Stellung des Pandulf aber und diese Kriege sind unerklärlich, wofern man nicht annimmt, dass Otto ein Recht auf die angegriffenen Landschaften glaubte geltend machen zu müssen; wie hätte er sonst die so lange gesuchte Verbindung mit dem Hofe zu Constantinopel durch
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1) Thietmars Erzählung III., 12, beruht entschieden auf Unkenntniss der geographischen Verhältnisse Süditaliens. Auch Dümmler, p. 482, sagt: „Dass Thietmar ungenau unterrichtet ist, liegt auf der Hand“.

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ein feindliches Auftreten in dem Augenblicke, wo sie kaum zu Stande gekommen war, wieder selbst gelöst?“

Von jenen Kämpfen ist das Wenigste wahr, wie schon der Umstand, dass das berüchtigte chronicon Cavense fast die einzige Quelle für dieselben ist, begreiflich macht. Immerhin kann aber Pandulf mit seinen Nachbarn in steter Fehde gelegen haben, ohne dass wir hier gleich einen Zusammenhang mit der Politik Ottos vermuthen dürfen. Otto war in Deutschland überreichlich beschäftigt, an einen allgemeinen Landfrieden war überall in diesen Zeiten noch nicht zu denken, Sonderfehden zwischen einzelnen Fürsten waren keineswegs etwas Ungewöhnliches. Pandulfs kriegerische Tätigkeit schliesst darum ein friedliches Verhältniss zwischen beiden Kaiserreichen nicht aus. Ein Bruch des Letzteren tritt vielmehr erst mit den Rüstungen Ottos II. selbst zu Tage.

Um aber die Lage der Dinge völlig zu überschauen, müssen wir doch auch einen Blick nach Constantinopel werfen. Otto I. hatte sein neues Reich an das bestehende oströmische angeknüpft, indem er ein nahes Verwandtschaftsverhältniss erwirkte. Theophano gehörte der Dynastie Tzimiskes an. Am Anfange des J. 976 starb Tzimiskes, wie es hiess, an Gift. Er hinterliess keine Kinder. Die alte Dynastie Basils des Macedoniers bestieg in Basil II. und Constantin VIII. von Neuem den Thron. Das verwandtschaftliche Band zwischen Ost- und Westrom war gelöst.

Es könnte nun wieder jede der beiden vorhin erwähnten Ansichten in Betreff der Ursachen des Krieges von 982 Recht haben. Man könnte eine Treulosigkeit der griechischen Politik vermuthen, nur dürfte man diese nicht mit Giesebrecht in einem Streitigmachen süditalischer Besitzungen suchen. Vielmehr kann nur der Fall in Betracht kommen, dass etwa die neue oder besser die wiederhergestellte alte Dynastie sich nicht durch den Vertrag des Tzimiskes gebunden wissen wollte und deshalb dem Westreich ihre Anerkennung versagte.

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Andererseits, suchen wir die Schuld, wenn wir von einer solchen sprechen dürfen, bei Otto, so giebt es hier die doppelte Möglichkeit: entweder er seinerseits glaubte sich mit dem Ende der verwandtschaftlichen Beziehungen nicht mehr an den Vertrag gebunden und wollte deshalb die Ohnmacht der Griechen in Unteritalien zur Erweiterung der Grenzen seines Reichs ausnützen, oder, ein phantastischerer Gedanke, der aber für einen „Romantiker auf dem Thron“ als welchen man ihn bezeichnet hat, nicht unmöglich erscheint, er betrachtete sich nach dem kinderlosen Tode des Tzimiskes als den rechtmässigen Erben auch des oströmischen Reiches und schickte sich an, von seinem Erbe Besitz zu ergreifen.

Die Entscheidung zwischen diesen Eventualitäten wird uns durch den Umstand erschwert, dass die directen Zeugnisse 2) mangelhaft und widersprechend sind. An Provocation von Seiten Ostroms ist allerdings wohl nicht weiter zu denken, da die inneren Verhältnisse dieses Reichs complicirt genug waren, um seine Herrscher den äusseren Frieden wünschen zu lassen. Auch ist zu beachten, dass die Griechen ja durchaus nichts selbst thaten, um Ottos Siegeslauf zu hemmen. Als ihre Gesandtschaft, die Otto vom Kriege zurückhalten sollte, nichts erreichte, sahen sie sich genöthigt, ihre süditalischen Besitzungen einem von zwei Feinden preiszugeben: Otto oder den Saracenen. Rivalität bestimmte sie zu letzterem Entschluss, und so sah sich Otto statt den Griechen den sicilisch-afrikanischen Horden gegenüber.

War es aber sonach Otto, der den Krieg aus freier Entschliessung 3) unternahm, so liesse sich zwischen den beiden
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2) Ann. Sangall. maj. 982 (983), MG. I., p 80: Otto -- non contentus finibus patris sui -- etc. Ann. Magdeb. 981, MG. SS. XVI., 155: -- propter affinitatem quam per uxorem suam Theophanu cum imperatoribus Graecorum habebat: ib. 982; Graeci offensi, eo quod imperator Otto contra jus et fas provincias eorum invaderet.
3) Leibniz, Ann. imp. occ. III., p. 397. Otto -- bellum in Graecos meditabatur, ut Italiam totam sibi subjiceret. Itaque de acquirendo, non de conservando certabat.

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erwähnten Motivirungen seiner Handlungsweise vielleicht dahin ein Abkommen treffen, dass Otto allerdings Erbansprüche durch seine Gemahlin Theophano zu haben glaubte, diese aber nur insoweit geltend zu machen gedachte, als seine Machtverhältnisse ihm ihre Verwirklichung ermöglichten. An eine Eroberung des Ostens konnte er bei dem gänzlichen Mangel einer Flotte wohl kaum denkon.

Kann es nun immerhin noch zweifelhaft erscheinen, ob Otto bei seinem Angriff auf das griechische Süditalien von dem Character seiner Gemahlin als griechischen Prinzess ausging, reichen die Quellen nicht aus, uns hierüber volle Gewissheit zu verschaffen, so verbürgen sie uns eine andere Beziehung Theophanos zu dem Unternehmen um so sicherer. Theophano persönlich war es vor Allen, die Otto zu demselben ermunterte. Beredete sie ihn auch nicht, wie Gfrörer III., p. 1404 will, überhaupt zu dem Zuge nach Italien, verstand dieser sich doch von selbst, da Ober- und Mittelitalien Theile seines Reichs waren und als solche Anspruch auf seine zeitweise Gegenwart hatten, so bezeugen doch Brun, vita S. Adalberti, c. 10 (MG. SS. IV., 598) und die Miracula Adelheidae, c. 2 (MG. SS. IV., 646) auf das Bestimmteste, dass sie es war, auf deren Betrieb er jenen Feldzug gegen die Griechen unternahm. Bei ihr aber können wir wohl unbedenklich ein Anknüpfen an ihre griechische Abkunft, einen bewussten Gegensatz gegen die Dynastie des Basilius voraussetzen. Waren ja die griechischen Kaiser nicht, wie man bisher wähnte, ihre Brüder, sondern Glieder eines Geschlechts, welches ihr Onkel Tzimiskes vom Throne zu verdrängen gesucht hatte.

Übrigens stand sie nicht allein in ihren Bestrebungen. Wie uns Sigebert von Gembloux in seiner vita Deoderici, c. 20 meldet, war Bischof Dietrich von Metz auch jetzt conscius omnium consiliorum Ottos II. Seinem Schutze vertraute derselbe Theophano an, als er sie während des Feldzugs in

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Rossano zurückliess. Wir sind deshalb auch trotz der bald folgenden Feindseligkeiten zwischen Theoderich und Theophano durchaus berechtigt, seine Zustimmung zu dem Kriege vorauszusetzen. Dass auch Otto von Schwaben lebhaftes Interesse an der Sache nahm, scheint mir aus Thietmar, II., 12, hervorzugehen.

Was den Gang der Ereignisse anbetrifft, so werde ich mich auf wenige Anmerkungen beschränken. Vorerst richte ich mein Augenmerk auf ein kaiserliches Aufgebot, welches uns Jaffé im fünften Bande seiner Bibliothek, p. 471 aus dem codex Udalricus bringt. Jaffé, wie Lehmann, Forschungen IX., p. 439, theilen dasselbe dem Jahre 980 zu. Es stimmt der Inhalt auch vollkommen zu dieser Zeitbestimmung, und haben wir es demnach mit dem Aufgebot zu der in Frage stehenden Romfahrt Ottos II. zu thun. Auffällig ist nur, wie auch schon Lehmann a. a. O. bemerkt, dass der Bischof Theoderich von Metz darin übergangen wird, während doch Sigebert in seiner vita c. 20 ihn 980 mit dem Kaiser nach Italien ziehen lässt. Ein Hinblick auf den verstümmelten Zustand des Verzeichnisses reicht zur Erklärung schwerlich aus, ist doch an der Stelle, wo wir Dietrich erwarten, nämlich vor oder nach Otto von Schwaben von solcher Verstümmelung nichts zu merken.

Statt Dietrichs finden wir an jener Stelle in gleich auffälliger Weise einen „Domnus Sicco imperatorius frater“, welcher 20 loricatos führen soll. Jaffé hält denselben für einen, ut videtur, natürlichen Sohn Ottos I, dessen, wie er selbst sagt, nirgends weiter Erwähnung geschieht. Mir will die Existenz eines solchen, sonst völlig unbekannten Bruders Ottos II. nicht recht glaublich erscheinen, um so weniger, als derselbe nicht imperatoris frater, sondern imperatorius frater genannt wird. Letztere Bezeichnung lässt mich dran zweifeln, ob frater überhaupt im eigentlichen Sinne zu nehmen sei, vielmehr möchte ich in dem Domnus Sicco nur im Allgemeinen

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ein Glied des kaiserlichen Hauses sehen 4). Das Unbekanntsein eines solchen ist doch schon leichter erklärlich, als das eines Sohnes Ottos I.  

Und noch ein dritter Punkt des Aufgebots verdient unsere Aufmerksamkeit. Auch Lehmann a. a. O. hat ihn hervorgehoben. Karl von Nieder-Lothringen wird als custos patriae zurückgelassen. Gegen wen? Doch nur gegen seinen eigenen Bruder, König Lothar von Westfranken. Otto befolgt hier eine gewagte und nur in dem besonderen Fall zu rechtfertigende Politik, indem er sich des einen Bruders gegen den andern als Schutzes bedient. Karl rechtfertigte dieses Vertrauen vollkommen, wie sein späteres Eintreten für die Sache Ottos III. und Theophanos gegen Dietrich von Metz vollauf beweist.

Es finden sich in Betreff dieses Karls auch bei bedeutenden Historikern so durchaus irrige Angaben, dass ich es mir trotz der Entlegenheit des Gegenstandes von meinem Thema nicht versagen kann, dieselben hier zu berichtigen. Olleris, der Herausgeber der Oeuvres de Gerbert, nennt ihn in den Notes zu denselben wiederholt, p. 505 und 511, „bâtard de Louis d'Outre-Mer“, während Waitz und Dümmler ihn, wenn ich nicht ganz fehlgehe, mit seinem älteren Bruder Karl resp. Karlmann zu einer Person zusammenschweissen.

Olleris Benennung ist um so auffälliger, als er sie an der ersten Stelle im bewussten Gegensatz gegen Baluze anwendet, der Karl ganz richtig einen Sohn der Königin Gerberge, der Gemahlin Ludwigs IV., nennt. „C'est une
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4) Ich glaubte im ersten Augenblicke der doppelten Schwierigkeit, dem Fehlen Dietrichs und dem unerwarteten Auftreten des imperatorius frater Sicco dadurch abhelfen zu können, dass ich beide für identisch hielt. Sicco erschien mir dann als eine Verkürzung resp. Doppelname für Dietrich, wie Poppo für Folcmar, Dudo für Lindolf. Indess hat mich der Umstand, dass Sicco doch vielmehr auf eine vollere Form Sigebert, Sigefrid u. a. hinzuweisen scheint, wie auch, dass Dietrich von Metz sonst nirgend Sicco genannt wird, wieder stutzig gemacht.

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erreur, sagt Olleris, Charles était bâtard“. Er scheint danach die Stellen bei Flodoardi Ann. ad 953; Richer, II., 102; Widukind, II., 39, absolut nicht zu kennen. Alle drei bezeugen Karls Legitimität.

Mit der Verwechselung durch Waitz und Dümmler verhält es sich aber folgendermassen. Als einst im Jahre 945 König Ludwig IV. in die Gefangenschaft der Normannen gerathen war, löste ihn Herzog Hugo von Francien, indem er einen Sohn Ludwigs nebst dem Bischof Wido von Soissons als Geiseln gab. Jenen Sohn Ludwigs nennt Flodoard, Ann. ad 945: Karolus, Widukind, II., 39: Karlomannus. Letzterer meldet ferner, derselbe sei in der Gefangenschaft gestorben, was nur zu glaublich, da er bei seiner Auslieferung erst wenige Monate alt war. Waitz (MG. SS. II, p. 448) und Dümmler, Otto d. Gr., p. 142--143 zeihen nun Widukinds Angabe der Unrichtigkeit, indem sie den Tod des Kindes verneinen. Waitz sagt: Karolus ibidem minime mortem obivit. Da beide ihre Behauptung nicht weiter ausführen, so scheinen sie sich nur auf die spätere Existenz eines Sohnes Gerbergens und Ludwigs, Namens Karl, nämlich unseres Herzogs von Nieder-Lothringen zu stützen. Es scheint, als hielten sie diesen für die ehemalige Geisel. Dies aber ist durchaus unrichtig. Flodoard, der authentische Zeitgenosse, meldet zu zweien Malen, 945 und 953 die Geburt eines Karls, Sohnes der Gerberge. Der ältere wurde noch im selben Jahre 945 den Normannen ausgeliefert und erscheint nicht wieder in der Geschichte, während der spätere Herzog von Nieder-Lothringen der jüngere, im J. 953 geborene ist 5). Dass jener ältere Karl wirklich, wie Widukind will, in der Gefangenschaft gestorben, geht doch wohl auch daraus hervor, dass Gerberge ihren späteren Sohn wiederum Karl nannte, gleichsam, als wollte sie das Gedächtniss des ihr so schnell entrissenen
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5) Richer II, 102; Carolus -- cum naturali virium robore educatur.

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früheren Kindes erneuern. Zwei lebenden Brüdern gleiche Namen zu geben, war damals doch noch nicht Sitte.

Doch zurück zu dem Unternehmen Ottos II. Am 5. December 980 finden wir ihn in Pavia (St. 782). Odilo, epitaph. Adelh. c. 7, schildert uns in seinem widerlich-erbaulichen Stil, wie hier durch Vermittlung des Abts Majolus eine Versöhnung zwischen Adelheid und Otto II. stattgefunden. Er erwähnt dabei Theophanos nicht, ebenso wenig wie Syrus, vita S. Majoli, c. 9 dies thut. Gleichwohl kann ich Leibniz nur durchaus beistimmen, wenn er Ann. imp. III, 401 sagt: Caeterum et Theophaniam nunc cum Adelheide in gratiam redisse putem 6). Bleibt doch trotz der Versöhnung der Einfluss Theophanos, soweit uns die Urkunden einen Einblick erlauben, der hervorragendere.

Von Pavia ging Otto über Ravenna nach Rom. Die erste hier ausgestellte Urkunde (St. 790) datirt vom 30. März 981; sie betrifft die Stiftung Ottos von Schwaben, S. Peter zu Aschaffenburg. Am 7. Juli ist er schon südlich von Rom in Trivigliano (St. 795), am 12. zu Sora (St. 796), am 6. August zu Cerice in den Abruzzen (St. 801), am 23. September zu Luceria (St. 805), am 10. October zu Benevent (St. 808), am 4. November in Neapel (St. 812). Theophano war stets an seiner Seite, sie war auch hier das Mittelglied für die friedlichen Interessen des Reichs. Ottos Verfügungen in Hinsicht dieser zeigen fast überall ihre Mitwirkung.

Dieses einträchtige Verhältniss des kaiserlichen Paares dauerte auch im J. 982 fort. Theophano wie Otto strebten auf dasselbe Ziel zu, Ottos Waffen waren glücklich, bis Rossano folgte ihm die treue Gattin. Da am 13. Juli zerschnitt jene verhängnissvolle Niederlage Ottos auch dies Verhältniss. Noch die letzte uns erhaltene Urkunde vor jener Schlacht (St. 821)
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6) Oder deutet das Schweigen der beiden Zeugen an, dass es zwischen beiden Frauen einer Versöhnung nicht bedurfte, weil überhaupt noch keine persönliche Spannung zwischen ihnen bestanden?

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zeigt uns ihren und Theoderichs von Metz Namen. Nach derselben verschwindet der Name der Kaiserin für lange Zeit.

Wenn man die Fürbitter der nächsten Urkunden überblickt, so will es fast scheinen, als habe sich Otto nach seiner Rettung eine Weile dem Zuspruch der Seinigen ganz entzogen. Noch zwei Urkunden sind uns aus dem Monat Juli erhalten, St. 822 und 823, aber kein vertrauter Name begegnet uns in ihnen. Dieselben sind erlassen interventu des Kanzlers Gerbert, also eines Mannes, dessen Amt es bedingte, dem Kaiser nahe zu bleiben. Die Worte „ad hoc culmen Imperii nostri sublimatum fore credimus“ in der ersten derselben vom 21. oder 22. Juli machen den Eindruck eines fast krampfhaften Anklammerns an den nun so schmählich zerstörten Traum unüberwindlicher Grösse.

Im August finden wir dann auch wieder den Namen Ottos von Schwaben, im September die Dietrichs von Metz und -- Adelheids. Theophano aber erscheint erst wieder im Juni des folgenden Jahres auf dem Reichstage zu Verona.

Fragen wir nach dem Grunde dieger offenbaren Trübung des Verhältnisses der kaiserlichen Gatten, so geben uns die Quellen bereitwillig Aufschluss darüber, aber in einer Weise, die geeignet ist, erst recht zu verwirren. Bruno, vita S. Adalberti, c. 10 sagt: Otto II. -- cum stupentibus oculis nefas exhorret, tandem pudet, quia mulierem audivit, tandem sero poenitet quia infantilia consilia secutus sentencias majorum projecit. Alpert aber in seinem Buche de episcopis Mettensibus, c. 1 berichtet, Theophano habe bei der Nachricht von dem Unglück „statim procaci locutione, ut fert levitas mulierum, conterrales suos (sc. Graecos) ad coelum extollere exitumque adversi praelii cum summo probro ad derogationem imperatoris intorquere, qui tanta frequenter virtute laudatus, a suis tam facile sit superatus“. „Praesul Deodericus, fährt er fort, auditis reginae contumeliarum verbis, multum, ut dignum erat, contra eam movetur; et cum de amicissimi ac reverentissimi

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domini adversitatibus, tum suorum dilectorum militum, et ceterorum amicorum qui occubuerant, maximo dolore affligitur, tamen procacitatem et contumeliam reginae oblivioni non dedit“.

Die Äusserung Bruns ist nur unter einer Bedingung zu verstehen, nämlich dass wir Otto II. für einen Menschen ohne jede Spur von Characterstärke halten. Über anderthalb Jahre hat er seinem Ziele, der Unterwerfung Süditaliens zugestrebt; nun, da die Sache unglücklich ausläuft, gereut es ihn, dass er sich drauf eingelassen, und er wendet sich ab von derjenigen, die ihm gerathen hat. Es erleuchtet hieraus, wie ganz Theophano die Seele der süditalischen Politik Ottos gewesen, wie die Expedition, die, man mag vom modernen Standpunkte darüber denken, wie man will, doch immer die Grösse und Erhöhung unseres Vaterlandes im Auge hatte, allein ihr Werk war.

Und damit sollen wir nun wieder reimen, was Alpert sagt! Theophano soll über die Niederlage der Deutschen gespottet haben. Es erscheint unmöglich, auch wenn wir mit Leibniz, Ann. imp. III, 432 annehmen wollten, sie sei durch voraufgehende, die Ehre der griechischen Nation verachtende Reden ihrer Umgebung dazu gereizt worden. Theophano war die Urheberin des Feldzugs, sie kämpfte als Erbin, als Rächerin ihres vergifteten Oheims, ein unglücklicher Ausgang konnte ihr unmöglich erwünscht sein.

Es wäre nun das Bequemste, mit 7) Giesebrecht Alperts Bericht einfach alle Glaubwürdigkeit abzusprechen, stände uns hiebei nur nicht eins im Wege. Mögen wir Alpert glauben oder nicht, eins bleibt Thatsache, die Vertrautheit Theophanos und Dietrichs von Metz, die sich noch in jener Urkunde vom 18. Mai 982 (St. 821) zeigte, ist zu Ende. Fortan
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7) Jahrb. Ottos II., Excurs IX., p. 144-147, wo man auch die völlig entgegengesetzte Ansicht G's. in Betreff des Antheils Theophanos am Kriege eingehen möge. Er beseitigt die ihm unbequemen Zeugnisse, indem er ihnen das Prädicat „höchst unwahrscheinlich“ ertheilt.

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Sehen wir sie nur noch als Gegner, ja geradezu als Todfeinde auftreten. Dietrich erlangt bald, wenn auch nur vorübergehend wieder Einfluss beim Kaiser, während Theophano, wie gesagt, noch lange nicht wieder so weit gelangte.

Die Erklärung für diese Veränderung giebt aber nur Alpert. Dietrich, sagt er, non dedit oblivioni die Worte der Kaiserin. Was heisst das anders, als: er hinterbrachte sie dem Kaiser? Damit haben wir aber auch eine nähere Illustration für die Stelle bei Brun. Der schwache Otto, in Verzweiflung über sein Unglück, bedarf, wie alle Menschen seines Schlages, eines Andern, auf dessen Schultern er die Schuld an demselben wälzen kann. Dietrich meldet ihm Theophanos Worte, und Otto ist erbärmlich genug, sie ohne Prüfung anzunehmen. Ihn pudet, quia mulierem audivit und nicht sentencias majorum. Es ist immerhin denkbar, dass Dietrich jetzt einzelne, früher gethane Äusserungen hervorsuchte, um sich den Anschein zu geben, als habe er von vorne herein gewarnt. Dietrich war ein überaus gewandter und in seinen Mitteln eben nicht wählerischer Hofmann der aus jeder Lage der Dinge seinen Vortheil zog.

Dietrich von Metz streute den Samen der Zwietracht zwischen das bis dahin einige Paar. Das scheint mir festzustehen. Wie verhält es sich dann aber mit der angeblichen Äusserung Theophanos. Ist sie, wie Giesebrecht a. a. O. will, „zuverlässig grundlos?“ Es scheint undenkbar, dass Dietrich die Verwegenheit besessen haben sollte, eine derartige Beschuldigung gegen die kaiserliche Herrin ohne Weiteres aus der Luft zu greifen. Es scheint undenkbar, dass Otto später, als er sich doch mit der Gattin wiederausgesöhnt hatte, den Verläumder länger am Hofe geduldet, ihm länger Vertrauen geschenkt haben sollte. Theophano hat sich entschieden nicht in der Weise geäussert, wie Alpert berichtet, das ist klar; dafür bürgt auch die sachliche Unrichtigkeit, Theophano habe gespottet, weil Otto a suis, d. h. Den Griechen so leicht besiegt sei, während er es doch mit den Saracenen zu thun

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hatte. Aber irgend eine Äusserung, an welche Dietrich anknüpfen, aus welcher er mit einiger Geschicklichkeit eine Waffe für sich schmieden konnte, eine Äusserung, die auch später trotz der Versöhnung ihre anstössige Seite behielt, muss Theophano getan haben. Und da möchte ich, auf die Gefahr hin, ein Phantast zu scheinen, mir die Sache so denken:

Theophano ist ganz Feuer für ihre vielleicht weltumfassenden Pläne. Mit den Erfolgen wächst ihre Zuverzicht, ihre Begeisterung. Überhaupt sieht sie die Überwältigung der Araber als gethane Sache an, hat Sie doch in ihrer Jugend, als die Phokas 8) ihre Heldenschlachten schlugen, stets nur von Niederlagen der Muselmänner gehört. Sie glaubt sich am Ziel, da plötzlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel trifft sie die Kunde: Alles ist vorbei. Die Unvorsichtigkeit des Kaisers hat das ganze stolze Gebäude zu Boden gerissen, und die Tapferkeit seiner Ritter ist nicht im Stande gewesen, dasselbe zu halten. Wie mochte sich ihr Herz zusammenziehen vor heftigem Schmerz! Alle ihre Pläne sind vernichtet, vernichtet durch die elenden Moslems, deren Kriegsfertigkeit sie verachten gelernt. O wären meine Griechen hier, durchzuckte es ihren Geist, die hätten es anders gemacht! Die Araber wären unterlegen, und meine Pläne wären nicht zerschellt! Und diesem Schmerz, diesem unwillkürlichen Gedankengang lieh sie in der ersten Erregung Worte. Es war nicht Freude, was sie lachen machte; Schmerz, heftiger Schmerz war es, was ihr eine grelle, selbstverhöhnende Lache abnöthigte: „Ja, wäre ich Kaiserin der Griechen, ich brauchte jetzt nicht zu fliehen, aber ich bin ja nur Kaiserin der Franken !“

Es ist begreiflich, dass eine derartige Äusserung selbst einem wohlgesinnten Deutschen hätte wehe thun müssen, aber er hätte den Schmerz der Kaiserin verstanden, da er ihn theilte, und hätte nicht weiter darüber gesprochen. Anders
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8) Cf. vor Allen Leo Diaconus.

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der ränkevolle Bischof von Metz. Als der Kaiser in Rossano wieder zu den Seinen stiess, war das Erste, was Dietrich ihm zu melden hatte: die Kaiserin hat des Unglücks gespottet.

Wir müssen aus den Worten Bruns, der wohl unterrichtet sein konnte, entnehmen, dass Otto in der That völlig den Muth verloren hatte. Er that, was ihm allein übrig blieb, er begab sich nach Norden. Am 21. oder 22. Juli ist er noch in Rossano (St. 822), am 27. in Cassano (St. 823), am 18. August in Salerno (St. 824), am 26. September in Capua (St. 825), im December wieder bei Salerno (St. 833 und 834), dann geht er weiter nach Norden. Im April 983 ist er in Rom (St. 836--838), am 1. Juni in Verona.

Wie Johannes Canaparius in seiner vita S. Adalberti (MG. SS. IV, 584), c. 8 berichtet, hatte Otto hier endlich wieder Muth gefasst. Er dachte an die Sammlung eines neuen Heeres, volens ultum ire damna victoriae. Es mag dieser neue Entschluss zusammenhängen mit jener Gesandtschaft der sächsischen Fürsten, von der Thietmar berichtet. Sie mochte ihm zum Bewusstsein gebracht haben, dass er noch ein mächtiger Kaiser geblieben, da sein Volk treu zu ihm stand. Beachtenswerth aber ist vor Allem, dass mit dem Entschluss, die süditalische Schmach auszuwetzen, auch eine Versöhnung mit Theophano sich verband. Am 10. Juni findet sich in einer Urkunde für das Kloster Kempten wieder die Formel „pro salute conjugis et prolis“, und in den Urkunden der nächsten Tage nimmt Theophano wieder völlig die Stelle ein, in welcher wir sie vor jenem verhängnissvollen 13. Juli 982 gesehen.

Otto hatte auf dem Reichstag zu Verona viele wichtige Reichsgeschäfte zu erledigen. Hierher gehört namentlich die neue Verleihung der Länder Ottos von Schwaben, der im November 982 auf der Heimreise zu Lucca sein kurzes, ruhmvolles Dasein beschlossen hatte 9). Otto II. gab Baiern
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9) Beachtenswerth ist, dass selbst angelsächsische Annalen seinen Tod melden, cf. Dümmler a. a. O. p. 290.

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an den aus der Verbannung zurückgerufenen Heinrich den Jüngeren, den ehemaligen Herzog von Kärnthen; Schwaben erhielt Konrad, der Sohn des fränkischen Grafen Udo, dem wir unter Otto dem Grossen begegnen.

Das hervorragendste Ereigniss der Versammlung aber war ohne Zweifel die Wahl des drei Jahre alten Ottos III. um fränkischen König. Otto II. hatte im Jahre vorher dem Tode zu nahe ins Auge gesehen, als dass er nicht an die Nachfolge auf seinem Throne hätte denken müssen. Das Reich sollte nicht herrenlos ein, wenn sein Vorhaben ihm diesmal wirklich das Leben kosten würde.

Wie wohl er gethan, zeigte sich in Bälde. Nach Erledigung verschiedener norditalischer Angelegenheiten, die ich hier übergehe, brach er von Neuem auf gen Süden. Theophano begleitete ihn, während Adelheid, wohl als Statthalterin, in Pavia zurückblieb. Am 24. August finden wir ihn schon am Flusse Trigno (nicht am Ticino, wie noch Giesebrecht, Jahrb. p. 90), am 27. urkundet er in Larino am Biferno in der heutigen neapolitanischen Provinz Molise (St. 862 und 863). Es scheint also, als habe er direct auf sein Ziel los wollen, als habe er Rom, vor welchem ihn der Abt Majolus als seinem Sterbeorte gewarnt haben soll 10), in der That zur Seite liegen lassen.

Vergebliche Vorsicht! Der Tod Benedicts VII. rief ihn doch mit unumgänglicher Nothwendigkeit dorthin. „Imperator Augustus, sagen die Ann. Magdeb. zum J. 983, Romam revertitur ac Dominum Apostolicum digno cum honore Romanae praefecit ecclesiae“. Der neue Papst war Bischof Peter von Pavia, Ottos ehemaliger Kanzler. Derselbe nahm den Namen Johann XIV. an 11).

Otto verliess Rom nicht mehr. Nicht war ihm der Tod auf dem Schlachtfelde beschieden. Er erkrankte erst
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10) Syrus, vita S. Majoli III, 10.
11) Hermann, Contr. 983.

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unbedeutend, voll Ungestüm aber, wie er war, und „sanital avidus“ nahm er Arzenei im Übermass 12), um die Genesung zu beschleunigen. Am 7. December 983 schied er aus dem Leben.

So war Theophanos Plänen von Neuem ein vorzeitiges Ziel gesteckt. Die Lage, in welcher sie sich befand, war eine überaus traurige. Keiner ihrer Vertrauten war in der Nähe. Willigis und Johann von Ravenna weilten mit Otto III. in Aachen, wo sie denselben zum König der Ostfranken salbten; Otto von Schwaben war todt; Giselher von Magdeburg und Bernhard von Sachsen waren in Kämpfe mit den nordischen Grenznachbarn verwickelt. Nur einer der alten Freunde befand sich in Rom, aber die Freundschaft zwischen ihm und der kaiserlichen Herrin war längst zu Ende.

„Deodericus praesul, meldet Alpert, c. 1, parata profectione, iter domum proficiscendi arripuit, et memor reginae improperii adversus caesarem prolati, secum volvere coepit, qualiter illi sub occasione filii regnandi jura subtraheret“. Giesebrecht in seiner Geschichte der deutschen Kaiserzeit I, p. 612, bemerkt zu diesem Factum: „Wir wissen nicht, wodurch Theophano den ehrgeizigen und vielgewandten Bischof beleidigte“. Eine merkwürdige Verkehrung der Verhältnisse, die ihren Grund nur in dem oben berührten Verhalten Giesebrechts zu dem Berichte Alperts hat. Theophano Dietrich beleidigt! Umgekehrt verhielt sich die Sache. Dietrich hatte Theophano beleidigt; fast ein Jahr lang hatte er ihr durch seine Verleumdung das Vertrauen ihres Gemahls entzogen. Ich dächte, Grund genug, um sich jetzt, wo Theophano Vormund ihres unmündigen Kindes die Regentschaft zustand, aus dem Staube zu machen. Auch an ihm bewährte sich das Schillersche Wort:

Das eben ist der Fluch der bösen That,
Dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären.
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12) Richer III, 96.

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Aus dem Verrath an der Kaiserin spross nun auch der Verrath an seinem Herrn, Otto III., und damit an allen denen, deren Erbe dieser war. Von der guten Sache der Ottonen fiel er zu der schlechten der Heinriche ab.

Es würde die Grenzen dieser Arbeit überschreiten, wollte ich auf die nachfolgenden Thronstreitigkeiten des Näheren eingehen. Theophano verhielt sich zu ihnen passiv und konnte sich nur so verhalten, da es dabei einmal nicht auf persönlichen Einfluss, sondern nur auf das Interesse der am Streite Betheiligten ankam, und es andrerseits Dietrich auch geglückt war, ihr Anschen durch seine Verleumdungen zu untergraben. Die Persönlichkeit, die allein die Sache der Ottonen retten konnte und wirklich rettete, war jener Erzbischof von Mainz, dem Theophano einst zu dieser Würde verholfen hatte, und der ihr nun vollen Dank zahlte, war Willigis.


Excurs.
Im Abschnitt III, p. 26, erwähnte ich einige Zeugnisse, die für Theophanos Character compromittirend sein wollen, resp. Dahin ausgelegt sind. Es sind dies folgende Stellen:

Petrus Damianus ad Cadaloum Parmensem episcopum: Johann, Erzbischof von Piacenza „cum imperatrice quae tunc erat obscoeni negotii dicebatur habere mysterium“; und
Brun, vita S. Adalberti, c. 12: „pulerum luctum (s. lutum) Graeca imperatrix augusta“

Ich würde von denselben, da sie für die politische Rolle Theophanos keinerlei Bedeutung haben, nicht Notiz nehmen,

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hielte ich es nicht für Pflicht des Historikers, der der Theophano überhaupt seine Aufmerksamkeit zuwendet, zu protestiren gegen die Behandlung, welche Giesebrecht, Gesch. d. Deutsch. Kaiserzeit, Bd. I, denselben zu Theil werden lässt. Wie schon mehrfach bemerkt, sucht Giesebrecht Theophano in einem möglichst idealen Lichte darzustellen. Hiezu taugen ihm in Rede stehende Stellen begreiflicherweise nicht. Statt nun aber dieselben einer eingehenderen Kritik zu unterwerfen, findet Giesebrecht es für gut, in seiner Darstellung ihrer nicht zu erwähnen; er begnügt ich vielmehr, sie nachträglich in den Anmerkungen zu seinem Werke anzuführen. Dass sie hier, unwiderlegt, wie sie dastehen, erst recht Gewicht erhalten und geeignet sind, die Wahrheit seiner gegeben Darstellung zu verdächtigen, übersieht er.

Die Verläumdung Damians hat schon Leibniz in seinen Annales imperii occid. III, p. 693, als solche erwiesen. Er deutet an, dass es ein gewöhnliches Verfahren klerikaler Schriftsteller sei, an verhassten Persönlichkeiten Alles zum Schlechten zu wenden. Johann wurde von allen Orthodoxen verabscheut, weil er sich des päpstlichen Stuhles mit Gewalt hatte bemächtigen wollen und -- ihm dies nicht gelungen war; genügend, um, wie Leibniz sagt, quod in aliis laudi, in hoc vituperio zu rechnen. Selbst die Erhebung seines Bischofsstuhles zur Metropole gereichte ihm nun zur Schande; nur zu begreiflich, dass die Gunst, welche Theophano ihrem Landsmann (er war wenigstens ein Grieche, wenn auch nur aus Unteritalien) zu Theil werden liess, und die jeder Unbefangene nur zu natürlich finden muss, nicht unbehelligt blieb.

Will man diese Beweisführung von Leibniz gegen die Glaubwürdigkeit Damians, die sich auf allgemeinere Gesichtspunkte stützt, nicht gelten lassen, so kann für dieselbe auch eine speziellere Betrachtung eintreten. Sehen wir auf den Zweck, den Damian mit seinem Briefe an Cadalous verfolgt. Letzterer ist in die Fusstapfen Johanns getreten, auch er

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streckt die Hand nach der römischen Doppelkrone aus 1). Damian warnt ihn, indem er ihm den Ausgang des Calabresen vor Augen hält. Zugleich aber ist er bemüht, das Factum als etwas Fluchwürdiges und den Thäter als einen Verworfenen darzustellen. Er nennt ihn einen fur und tyrannus und bemüht sich, auch seinen Character in ein möglichst schlechtes Licht zu stellen. Der Brief ist daher durchaus tendenziös, und von historischer Glaubwürdigkeit kann keine Rede sein.

Dass Johann bei Theophano in grosser Gunst stand, ist allerdings unbestreitbar. Indess auch Otto II. und Otto III. schätzten ihn sehr hoch. Letzterer vertraute ihm seine Brautwerbung in Constantinopel an, während für die Gesinnung des Ersteren die Urkunde St. 868 spricht, durch welche Johann zum Abt von Nonantula erhoben wird. Otto II. bezeichnet ihn hier als „probis moribus ornatum, pudicum, sobrium, docibilem, Graeca scientia non ineruditum, totiusque prudentiae et sanctitatis fulgore praeclarum“. Es ist nicht denkbar, dass dieses detaillirte Zeugniss für Johann nur Phrase sein sollte. --

Anders wie mit dem völlig unglaubwürdigen Zeugniss Damians verhält es sich mit der zweiten der angeführten Stellen. Hier ist noch überhaupt strittig, ob dieselbe für Theophano wirklich gravirend sein wolle. Es ist eine doppelte Lesart überliefert: luctum und lutum. Giesebrecht meint nun in der betreffenden Anmerkung, a. a. O. I, p. 848, man müsse doch wohl lutum lesen, da luctum sich nicht erklären lasse, und scheint ihm Brun in diesem Worte seiner Geringschätzung gegen Theophano Ausdruck gegeben zu haben. Dümmler, Otto I., p. 481, bemerkt dazu, letztere Folgerung sei selbst dann, wenn man lutum lese, noch nicht nöthig, lutum brauche nur so viel wie Staub zu bedeuten. Indess möchte
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1) Die dreifache Tiara stammt erst aus dem Anfang des 14. Jahrh., vgl. u. A. G. Weber, Allg. Weltgesch. VI, p. 266.

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ich die Lesart lutum noch keineswegs zugeben. Eine Prüfung der Gewähr für letztere Lesart, wie sie das Vorwort zu Bruns vita S. Adalberti in den MG. SS. IV, p. 480, ermöglicht, lässt mich an einer handschriftlichen Überlieferung derselben überhaupt zweifeln. Im codex Admontensis, den Pertz wiedergiebt, steht: luctum; lutum dagegen bringen Surius in seiner Ausgabe vom J. 1571 und Henschen, der den Prager Codex edirt. Pertz citirt den Prager Codex nur, qualis in edition Henschenii exprimitur. Die Gewissheit aber dafür, dass Henschen an unserer Stelle wirklich seiner Handschrift gefolgt ist, wird uns durch die Bemerkung entzogen, Henschen habe seinen Codex adhibita tamen saepius editione Suriana edirt. Haben wir aber in unserem lutum eine derartige Berücksichtigung des älteren Drucks, so würde ich das lutum auf Surius beschränken, dessen Codex hodie incognitus est. Von Surius heisst es dann, auch er habe seinen Text nur stylo modice correcto herausgegeben; eine Bürgschaft, dass überhaupt irgend eine Handschrift lutum lese, geben uns die Monumenta daher keineswegs. Und doch bringen dieselben die Lesart lutum hervorgehoben durch ein (!), cf. ib. p. 600.

Ich halte, bis aus dem Prager Codex, dessen Einsicht mir nicht möglich, die Lesart lutum wirklich bezeugt ist, daran fest, Brun schrieb nicht lutum, sondern luctum. Giesebrecht bemerkt nun allerdings, luctum lasse sich nicht erklären; aber lässt sich denn Lutum erklären? Wie mir scheint, noch viel weniger. Jenem stehen grammatikalische, diesem innere, d. h. doch ungleich schwerer wiegende Gründe entgegen. Dass Brun gegen die Grammatik verstösst, ist glaublich; dass er aber in Einem Athem schmähen und huldigen sollte, wer hielte dieses psychologische Problem für möglich?

Brun tadelt Otto II. wegen der Aufhebung des Merseburger Bisthums und spricht seine Verwunderung darüber aus, dass Otto so verblendet gewesen und nicht den Ursprung seines Unglücks in dieser seiner Frevelthat erkannt habe. Im Gegensatz hiezu fährt er dann fort: Set peccatum, quod

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vivens neglexit, mortuo marito superstes uxor emendare instabat, legatos mittit, elemosinas et oraciones multorum per quos propicium Redemptorem apellaret, peccatorem regem ab incendio liberaret. Endlich als sie hört, S. Adalbert wolle nach Jerusalem, lässt sie denselben heimlich kommen und giebt ihm massam argenti ingentem, ut pro anima senioris oraret. Sie handelt in Allem nach dem Herzen Bruns, sie ist ihm die fromme Witwe, die für das Seelenheil des geliebten Todten bekümmert ist und ihr Möglichstes thut, demselben zu helfen.

Dasselbe Bild von Theophano entwirft uns Brun auch an der in Frage stehenden Stelle. Ibi (Rom), sagt er, tunc . . . . . .  Graeca imperatrix augusta, quae jam longos dies mortuum flevit, sepulti conjugis memoriam reparat, dulcem Ottonem elemosinis et oracionibus commendat. In der Lücke steht pulcrum luctum s. lutum. Es ist wahr, die Form pulcrum luctum passt nicht ganz. Aber setzen wir dafür pulcro luctu, eine Correctur, wie sie bei der Schreibweise der Handschriften jedenfalls als erlaubt erscheinen muss, so ist auch nicht der mindeste Anstoss an der Stelle zu nehmen. Die etwas pleonastische Ausdrucksweise passt vorzüglich zu dem schwülstigen Stil Bruns.

Dass derselbe nicht im Entferntesten dran dachte, Theophano zu beschimpfen, liegt selbst bei oberflächlicher Betrachtung der Stelle auf der Hand. Auch Dümmler a. a. O. betont diese Unmöglichkeit. Aber lassen wir den Zusammenhang einmal ausser Acht, nehmen wir an, Brun wolle Theophano beschimpfen, mit Geringschätzung von ihr sprechen, würde er es in dieser Weise gethan haben? Es ist unglaublich. Man denke, der exaltirte, nach dem Martyrium begierige Mönch, dessen Sprache Wattenbach (Geschichtsquellen I, 287) mit Recht als widerlich blumenreich und salbungsvoll bezeichnet, lässt plötzlich seine schwülstige Ausdrucksweise bei Seite und verfällt in den trockensten Sarkasmus! Pulcrum lutum -- -- imperatrix augusta (der Zusatz Graeca

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dient begreiflicherweise nur zur Unterscheidung von Adelheid und hat keinerlei Hautgout): welch nackter Hohn, welch beissender Sarkasmus in dieser Zusammenstellung! Nein, wollte Brun die Kaiserin tadeln, er hätte sich wahrlich nicht mit den zwei Worten begnügt, er hätte sich phantastischere Bezeichnungen gesucht, als das derbe lutum.




Quelle:
Dissertation von Johannes Moltmann an der Universität Göttingen
„Theophano, die Gemahlin Ottos II., in ihrer Bedeutung für die Politik Ottos I. und Ottos II.“
Schwerin, 1878. Hofbuchdruckerei von Dr. F. Bärensprung.