Burkhard Meier 1911: Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe

Zeitschrift für Geschichte der Architektur

unter ständiger Mitarbeit von Prof. Dr. Dehio – Strassburg ∙ Prof. Dr. Dörpfeld – Athen ∙ Hofrat Prof. Dr. Neuwirth – Wien ∙ Hofrat Prof. Dr. Strzygowski – Wien ∙ Prof. Dr. Winnefeld – Berlin und Vize-Direktor Prof. Dr. Zemp – Zürich

Herausgegeben von Dr. Phil. Fritz Hirsch

== Beiheft 6 ==

 

 

DIE ROMANISCHEN PORTALE ZWISCHEN WESER UND ELBE

VON BURKHARD MEIER

MIT 63 ABBILDUNGEN

Mit Unterstützung der historischen Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt

 

Heidelberg 1911

Carl Winter's Universitätsbuchhandlung

Verlags-Nr. 641.

 

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Carl Winter's Universitätsbuchhandlung in Heidelberg

Zeitschrift für Geschichte der Architektur

unter ständiger Mitarbeit von Prof. Dr. Dehio – Straßburg ∙ Prof. Dr. Dörpfeld – Athen ∙ Hofrat Prof. Dr. Neuwirth – Wien ∙ Hofrat Prof. Dr. Strzygowski – Wien ∙ Prof. Dr. Winnefeld – Berlin und Vize-Direktor Prof. Dr. Zemp – Zürich

Herausgegeben von Dr. Phil. Fritz Hirsch

 

Die Zeitschrift für Geschichte der Architektur befaßt sich im Gegensatz zu den Bauzeitungen nur mit der Geschichte der Architektur und im Gegensatz zu den kunsthistorischen Zeitschriften nur mit der Archtektur. Unter Architektur will die Zeitschrift das gesamte Bauwesen in ästhetischer, konstruktiver und kultureller, auch in rechtshistorischer Beziehung verstanden wissen und auch das Kunstgewerbe, soweit es mit der Architektur in Zusammenhang steht, einschließen. Zeitliche und räumliche Grenzen sollen nicht gezogen werden; die Zeitschrift für Geschichte der Architektur will vielmehr alle die um eine Fahne sammeln, die in der wissenschaftlichen Erforschung der Architektur ihre Lebensaufgabe erblicken, sie will eine Brücke schlagen zwischen den getrennt marschierenden Gruppen der historisch arbeitenden Architekten und der für Architektur interessierten Archäologen, Philologen und Historiker.

 

Der Geschichte der Architektur haben sich in den letzten Jahren durch Ausgrabungen und durch bedeutsame Resultate der verschiedenen Hilfswissenschaften neue Perspektiven eröffnet; Axiome sind ins Wanken gekommen. Die Zeitschrift für Geschichte der Architektur will durch historische Aufsätze aus allen Zweigen der Baukunst und des Bauwesens die wissenschaftliche Erkenntnis in vorbereitender Arbeit fördern und in der Vermittlung der verschiedenartigen Forschungsgebiete ihre vornehmste Aufgabe erblicken. Eine fortlaufende Bibliographie, zusammenfassende Referate und kritische Literaturbesprechungen werden dem Architekturhistoriker eine willkommene Zugabe sein.

 

Die Zeitschrift für Geschichte der Architektur erscheint monatlich in Heften von etwa 3 Bogen. Der Abonnementspreis für den Jahrgang beträgt 20 Mk. Jede Buchhandlung nimmt Bestellungen an.

 

In allen redaktionellen Angelegenheiten wolle man sich an Herrn Großherzogl. Oberbauinspektor Dr. phil. Fritz Hirsch in Bruchsal (Baden) wenden. Dorthin werden auch Rezensionsexemplare erbeten.

 

Der Verlag bezahlt für den Druckbogen ein Honorar von 30 Mk. Jeweils im April und Oktober für die vorhergehenden Halbjahre und liefert von den Originalaufsätzen 20 Sonderabdrücke in Umschlag, von den übrigen Beiträgen (Mitteilungen, Besprechungen usw.) 3 Belege ohne Umschlag.

 

 

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Zeitschrift für Geschichte der Architektur

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== Beiheft 6 ==

 

 

DIE ROMANISCHEN PORTALE ZWISCHEN WESER UND ELBE

VON BURKHARD MEIER

MIT 63 ABBILDUNGEN

Mit Unterstützung der historischen Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt

 

Heidelberg 1911

Carl Winter's Universitätsbuchhandlung

Verlags-Nr. 641.

 

 

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Alle Rechte, besonders das Recht der Übersetzung in fremde Sprachen, werden vorbehalten.

 

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MEINEN ELTERN GEWIDMET

 

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Inhaltsverzeichnis.

 

Vorwort

6

Einleitung

7

I. Das Portal der karolingischen Epoche und sein Verhältnis zur Antike

8

II. Das Portal in Sachsen bis zum Beginn des 12. Jahrhunderts

13

III. Die nordthüringisch-Hirsauer Schule und ihr Einfluß auf Sachsen

17

§1. Hirsau

17

§2. Der Petersberg bei Erfurt

17

§3. Paulinzelle

19

§4. Die Ausbreitung der nordthüringisch-Hirsauer Formen in Sachsen

25

A. Der frühe Typus

25

B. Die jüngere Gruppe

32

IV. Die Portale des Übergangsstiles

44

§1. Zwischenstufen

45

§2. Marienberg, Naumburg, Magdeburg

49

§3. Die Goldene Pforte zu Freiberg i. S.

54

Anhang: Die Tympana und ihr Schmuck

59

Verzeichnisse

70

 

 

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Vorwort.

 

Der größere Teil der vorliegenden Abhandlung ohne die Tafeln diente mir als Dissertationsschrift, die ich als Schüler Adolph Goldschmidts in Halle in den Jahren 1909/10 verfaßte. Ihm vor allen anderen gebührt mein Dank, demnächst meinen Freunden und Kollegen Hermann Giesau, Max Ohle und Hans Christ für mancherlei Hinweise und Überlassung von Photographien. In den Fragen des ersten Kapitels unterstützten mich die Herren Paul Clemen, Joseph Strzygowski, Christian Rauch, ganz besonders aber Rudolf Kautzsch.

 

Die historische Kommisssion für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt gewährte mir einen namhaften Zuschuß zu den Druckkosten.

 

Über die Herkunft der Abbildungen folgt am Schluß ein Verzeichnis, die meisten sind nach Aufnahmen meiner Freunde und eigenen Aufnahmen hergestellt; die Zeichnung auf Tafel VIII verdanke ich Herrn Regierungs-Bauführer Johannes Fischer, der sie eigens für dieses Buch fertigte; für Reproduktionserlaubnis bin ich der Königlichen Meßbildanstalt in Berlin und der Verlagshandlung Gustav Fischer in Jena verpflichtet.

 

Ebenfalls folgen am Schluß ein genaues Ortsverzeichnis und die ausführlichen Titel der Denkmälerbeschreibungen, die im Text kurz als „Inventare“ bezeichnet sind.

 

Berlin, im September 1911.

 

Dr. Burkhard Meier.

 

 

 

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Einleitung.

 

Debio und von Bezold haben in ihrer „Kirchlichen Baukunst“ ein Kapitel den Türen gewidmet 1; sie haben auf die schöpferische Arbeit hingewiesen, welche die Romanik in der Ausbildung des Portales geleistet hat, sie haben in unübertrefflicher Weise die ästhetische Funktion des Portales beschrieben und in großen Zügen eine Entwicklung skizziert. Die Aufgabe der vorliegenden Arbeit soll es sein, für ein beschränktes Gebiet diese Skizze zu einem vollen Bilde zu gestalten, in möglichst vollständiger Behandlung des Materials. Dabei werden sich in mancher Beziehung Abweichungen ergeben.

 

Eine ähnliche Arbeit ist bisher nur einmal geleistet worden, durch Bernoulli für die Provence 2; sie kommt hier nicht in Frage.

 

Es bedarf keiner besonderen Rechtfertigung, daß gerade Sachsen, das Land zwischen Weser und Elbe, für eine derartige Arbeit gewählt wird. In der Geschichte der romanischen Baukunst hat dieses Gebiet einen ehrenvollen Platz inne; groß ist die Zahl der erhaltenen Denkmäler. Mannigfaltige Beziehungen zu anderen Landschaften verwischen nicht, sondern bereichern nur das Bild ausgesprochenster Eigenart, welches die romanische Kunst in Sachsen bietet.

 

Unser Gebiet wird also im Osten von der Elbe, im Westen von Weser und Werra begrenzt, greift südlich nicht über den Thüringer Wald und das Erzgebirge hinaus. Nordthüringen soll für uns nur ein Unterbegriff sein. Im Norden bildet die ungefähre Grenze der Beginn des Backsteinbaues. Politisch gehören also große Teile von Hannover, fast die ganze Provinz Sachsen, vom Königreich Sachsen das Land links der Elbe dazu. Ferner umschließt das Gebiet die Herzogtümer Braunschweig und Anhalt und einige thüringische Staaten. Die Kenntnis der romanischen Baukunst in Sachsen wird vorausgesetzt. So oft sich aber ein Anlaß bietet, besonders, wenn die Ansicht des Verfassers von der geltenden abweicht, wird auf die Geschichte der einzelnen Bauten näher eingegangen.

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1 Bd. 1, S. 697. - 2 „Die romanische Portalarchitektur in der Provence“ 1906.

 

 

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I. Die karolingische Epoche und das Verhältnis zur Antike.

 

In Sachsen ist der älteste uns erhaltene Bau die Wipertikrypta in Quedlinburg (1. H. s. X). Ob es vorher schon massive kirchliche Gebäude gegeben hat, muß bezweifelt werden; jedenfalls ist nichts erhalten, nicht einmal einzelne Bauglieder, und der Versuch Albrecht Haupts 1, ein altertümlich anmutendes Portal in Ronnenberg bei Hannover für 6. Jahrhundert zu erklären, wird an späterer Stelle als unmöglich erwiesen werden.

 

Wir müssen uns in andere Gebiete begeben, um den Urgrund zu finden, von dem unsere Untersuchung ausgehen kann. Dazu eignet sich am besten der Mittelrhein. Dort ist die antike Tradition nie erloschen, dort ist es möglich, Beziehungen des frühmittelalterlichen Portales zum antiken festzustellen und seine Entwicklung bis zu dem Zeitpunkt, wo wir auf unser eigentliches Gebiet überspringen können, zu verfolgen.

 

Das antike Portal kennt nicht den dekorativ behandelten Entlastungsbogen, es ist ein einfacher Mauerdurchbruch, der eingerahmt wird durch etwas vor die Wandung tretende Pfosten und den als scheitrechten Bogen konstruierten oder monolithen Sturz. Pfosten und Sturz sind durch flache zierliche Profile belebt, welche die ästhetische Funktion, als Rahmen der Türöffnung zu dienen, betonen; der Sturz wird außerdem durch ein stark ausladendes, schattendes Gesims bekrönt.

 

Der Entlastungsbogen, falls überhaupt vorhanden, bleibt ganz schmucklos. Die dekorative Verwertung desselben scheint das Verdienst der syrischen Baukunst zu sein. Vielleicht ist es sogar ein altorientalischer Brauch, denn bereits das Löwentor zu Mykene besitzt in seinem berühmten Entlastungsdreieck ein verwandtes Motiv. In Syrien herrscht bis in das 6. Jahrhundert das rein antike Portal, doch finden sich dort bereits im 4. Jahrhundert, und die Beispiele mehren sich, Portale, bei denen zu den bisherigen Elementen, Pfosten und Sturz, als gleichwertig der über einen offenen Halbkreis geschlagene Entlastungsbogen tritt, der auf dem Sturz genau über den Pfosten aufsitzt und wie diese reich profiliert ist. 2 Diese Portalbildung ergreift dann Besitz von oströmischen Bauten (Kaiserpalast in Spalato, Koimesiskirche in Nicäa).

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1 „Die Baukunst der Germanen“ 1909, S. 92, Abbildung 57.

2 Vergl. Butler, „Architecture and other arts“ 1904, Part II.

 

 

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9] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 167

 

Oskar Wulff 1 hält den Entlastungsbogen über offenem Halbkreis ebenfalls für byzantinisch-orientalischen Ursprungs. Nach ihm findet er sich außer in S. Marco nicht an italienisch-frühromanischen Portalen. Noch heute zeigt das Portal der Theotokoskirche des Klosters Hosios Lucas in Phokis (Foto Meßbild), daß das Bogenfeld als Fenster behandelt wurde; es ist geschlossen durch eine Platte mit zahlreichen kreisrunden Öffnungen.

 

Mit seiner Einführung ist, wie Albrecht Haupt schreibt, das halbkreisförmige Tympanum geschaffen, „einer der allerfruchtbarsten Gedanken in der Architektur“.

 

In den Rheinlanden gibt es bis in das 11. Jahrhundert hinein Portale mit offenem Entlastungsbogen, z. B. Lorch im Rheingau 2, Hochmünster in Aachen 3, Limburg a. H. 4, ein vermauertes Portal in der Gothardkapelle zu Mainz. Ich halte also orientalischen Einfluß hier für wahrscheinlich.

 

Die Portale der römischen Ziegelbauten in Trier, die aus mehreren konzentrischen, nach innen sich verengenden Bögen und Pfosten gebildet werden, stehen ebenfalls unter byzantinischem Einfluß 5, haben aber keine Bedeutung für die frühmittelalterlichen Portale. Beliebt war noch in der karolingischen Zeit ein Wechsel von Ziegel- und Hausteinen in der Wölbung. An Portalen findet er sich in Lorch und Ingelheim. Hieraus leitet sich der Geschmack ab, helle und dunkle Steine abwechseln zu lassen, der bis zum Ende des 12. Jahrhunderts herrscht. Mit dem Verschwinden der Ziegeltechnik wird der Ziegelstein durch einen rötlichen gewachsenen Stein ersetzt. Dies ist schon in Aachen der Fall.

 

Bei der großen Wichtigkeit, welche die frühmittelalterlichen Portale für die Entstehungsgeschichte des romanischen Portales haben, sollen im folgenden alle erhaltenen aufgezählt werden.

 

In der karolingischen Pfalz zu Ingelheim 6 ist das Portal der Ostwand der Basilika in einer Zeichnung auf uns gekommen 7, ein anderes von Christian Rauch aufgefunden worden. 8 Bei beiden ist die antike Tradition noch lebendig trotz starker Reduzierung; Pfosten und Sturz haben ihre einheitliche Profilierung als Rahmen der Türöffnung verloren, der Entlastungsbogen besteht aus glatten Wölbsteinen, nur der Sturz hat sein bekrönendes, noch reich profiliertes Gesims behalten (Wulst zwischen 2 Kehlen). Die Pfosten sind aus Quadern aufgemauert, das Tympanon merkwürdigerweise durch eine Platte geschlossen.

 

Diesem Typus schließt sich der Sturz des Portales zu Engelstadt (Tafel I) in Rheinhessen an. Hier ist das Gesims zur einfachen Schräge geworden, die Fläche des Sturzes füllen Ornamente, die sich aus 5 Quadraten mit verschiedenen Mustern zusammensetzen. Sie sind sehr sorgfältig gezeichnet und erinnern lebhaft an gepunzte fränkische Schmuckstücke; 4 sind geometrische Figuren, das 5. Quadrat zeigt ein Tier. A. Haupt hat einen auffallend ähnlichen Sturz in Toledo, westgotischen Ursprungs, mit Engelstadt zusammengestellt. 9

 

Der Sturz in Engelstadt ist wesentlich älter als das Portal. Schuhmacher in seiner gründlichen Studie über frühmittelalterliche Steinskulpturen! 10 hat die Frage offen gelassen.

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1 „Koimesiskirche in Nicäa“, S. 149. -- 2Inv. Reg.-Bez. Wiesbaden I.

3 Faymonville, «Der Dom zu Aachen» 1909, --- 4 Meyer-Schwartau, „Der Dom zu Speyer“ 1893, Tafel 30. -- 5 Strzygowski, „Der Dom zu Aachen“ 1904, S. 44 f. - - 6 Clemen, Westdeutsche Zeitschrift, IX, bes. S. 72.

7 v. Cohausen, „Abbildungen von Mainzer Altertümern“, V, 1852.

8 Der Güte Chr. Rauchs verdanke ich Mitteilungen darüber.

9 A. a. O., S. 89, Abgüsse beider Stücke im röm.-germ. Zentralmuseum zu Mainz.

10 Die Altertümer unserer heidnischen Vorzeit, 5, 1906, mit Abbildungen.

 

Zeitschrift für Geschichte der Architektur. Beiheft VI.

 

 

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168 Burkhard Meier. [10

 

Daß die Pfosten nicht monolith sind, wie bei den meisten anderen Portalen dieser Gruppe außer Ingelheim und Aachen, würde eben wegen dieser Ausnahmen vielleicht nicht entscheidend sein, aber der rechtwinklig umrahmte Bogen ist 12. Jahrhundert, er findet sich an Bauten dieser Gegend, die für diese Zeit bezeugt sind, in Höningen 1, Stetten 1 und an der Synagoge in Worms. Die rechtwinklige Umrahmung stammt, wie wir weiter unten sehen werden, aus Hirsau; sie kann dieser Gegend durch das zerstörte Kloster Dissibodenberg vermittelt sein.

 

Ein bisher nicht publiziertes Portal in Rüssingen 2, das verschieden datiert wird, gehört aus demselben Grunde dem 12. Jahrhundert an. Hier sprechen auch die Profile für diese Zeit.

 

Der Schmuck des Sturzes, wie er in Engelstadt erscheint, unabhängig von seinem architektonischen Charakter, ist ebenfalls im Orient vorgebildet. 3

 

Neben dem eben beschriebenen Typus bildet sich in der karolingischen Zeit ein zweiter. Am Hause des Rhabanus Maurus in Winkel (Rheingau), das neuerdings wieder zu seinem Rechte gekommen ist, karolingisch zu heißen, befindet sich ein einfach rechteckiger Sturz, auf dem in feiner Zeichnung der Kontur eines antiken Giebels mit den Eck-Akroterien eingemeißelt ist. 4 Ein Sturz im Museum des Mainzer Altertumsvereins zeigt eine ähnliche Form 5, in Albsheim a. d. Eis 6 (Tafel I) ist eine Wiederholung in roher Form. Alle drei ruhen oder ruhten auf monolithen Pfosten.

 

Während diese drei Stürze von rechteckiger Gestalt sind und den Giebel nur als Ornament führen, hat der Sturz von Pfeddersheim 7 giebelförmige Gestalt (Tafel I). Als ein vermittelndes Glied ist der Sturz von Pfaffenhofen (Rheinhessen, Tafel I) anzusehen; er ist ebenfalls giebelförmig, hat aber außerdem das Giebelornament.

 

Dem antiken und spätantiken Portal ist der Giebelsturz fremd. Eine Vergleichsmöglichkeit scheinen nur die Portale im Djebel Hauran zu bieten, die Butler (a. a. O.) abbildet. Bei diesen läßt sich die allmähliche Reduzierung der Tempelfassade zum Portal verfolgen; schließlich tritt hier an Stelle des Entlastungsbogens ein den geraden Sturz bekrönender selbständiger Giebelaufbau, der aber doch etwas wesentlich anderes ist als der frühmittelalterliche Giebelsturz. Am spätrömischen Turm der Winde in Athen hatte das Portal eine Giebelbekrönung, die auf zwei Konsolen, als Tierköpfe gebildet, aufsaß. Sie ist jetzt abgeschlagen, und man kann dadurch feststellen, daß sie rein dekorativ vor der Quaderwand saß.

 

Der gezeichnete Giebel mit seinen Akroterien verrät deutlich die Erinnerung an den Giebel des antiken Tempels. So nahe auch die Annahme liegt, daß der gezeichnete Giebel nur eine Verkümmerung des wirklichen Giebelsturzes ist, scheint das Abhängigkeitsverhältnis in Wahrheit gerade umgekehrt zu sein.

 

An römischen Grabmälern und Sarkophagen kommen häufig Nischen vor, die mit einem Giebel überdeckt sind, also den Portalen entsprechen; ob man aber eine Beziehung zwischen ihnen herstellen kann, erscheint sehr ungewiß.

 

A. Haupt 8 gibt eine Entwicklung des frühmittelalterlichen Portales, der ich mich nicht

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1 „Die Baudenkmale in der Pfalz“, II, 1889-1892, S. 122 und V, 1895 und 1897, S. 192.

2 Gutachten einiger Forscher an Herrn Pastor Schäfer in Rüssingen, dem ich eine Photographie verdanke.

3 Strzygowski, „Kleinasien, ein Neuland der Kunstgeschichte“ 1903, S. 67, Abbildung 57. Derselbe, „Jahrbuch der preußischen Kunstsammlungen“, XXV, S. 266.

4 Eichholz, „Das älteste deutsche Wohnhaus“ 1907.

5 Eine Photographie, noch in situ, verdanke ich Herrn Prof. Neeb in Mainz.

6 Bayrische Pfalz, nicht publiziert. -- 7 Jetzt Paulus-Museum in Worms. Schuhmacher a. a. O. weist ihn einer Basilika von 763 zu. - 8 A. a. O., S. 90.

 

 

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11] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 169

 

anschließen kann. Wichtig aber ist, daß er die Entstehung des Giebelsturzes aus technischen Ursachen als Ersatz für den Entlastungsbogen erklärt. Es ist sicher, daß ein solcher Sturz den Druck der Mauermassen leichter ertragen kann; leider sind die frühen Stürze nicht an Ort und Stelle erhalten, aber die meisten späteren Portale mit Giebelsturz besitzen außerdem einen Entlastungsbogen, so daß jener rein dekorativ ist.

 

Um diese interessante Reihe der frühen Portale zu vervollständigen, bedarf es noch der Aufzählung weniger Beispiele. Das Portal in Bierstadt 1 bei Wiesbaden bietet eine besondere Lösung: der Entlastungsbogen ist ganz flach gebildet und greift mit seinen Anfängern in den rechteckigen Sturz hinein. Flache Bögen finden sich auch im unteren Geschoß des Aachener Münsters.

 

Stichbögen an Stelle von Türstürzen finden sich an römischen Bauten, z. B. am Dom zu Trier, in der Stadtmauer von Tours; dann und wann tauchen sie an romanischen Bauten auf, z. B. an einem Portal des südlichen Seitenschiffes im Dom zu Trier und des Schlosses zu Münzenberg. Ob sie an römischen Bauten auch als Entlastungsbögen vorkommen, ist mir nicht bekannt.

 

In Nieder-Zündorf (Kreis Mühlheim) befinden sich zwei Portale, die Clemen in das 11. Jahrhundert setzt. 2 Ihrer Gestalt nach könnten sie sehr wohl älter sein: monolithe Pfosten, ein Sturz mit feinem Rahmen-Profil wie in Winkel, über diesem ein kümmerlicher flacher Bogen, über dem anderen ein scheitrechter Bogen, der giebelartig ansteigt.

 

Im Hochmünster zu Aachen führen zwei karolingische Türen in die Anna- und Karlskapelle. Nur hier und in Ingelheim sind die Pfosten aus Quadern aufgemauert; sie sind als Innentüren ganz einfach gehalten, über dem Sturz ist ein Halbkreisbogen geschlagen, das Feld ist offen.

 

Ein wichtiger Punkt muß wenigstens kurz berührt werden. Wie ist das Verhältnis zum Westfrankenreiche? Denn auch hier finden sich verwandte Bildungen, z. B. der rechteckige Sturz mit eingezeichnetem Giebelkontur (S. Etienne in Caen), der Wechsel von dunklen und hellen Wölbsteinen usw. Es ist sehr wohl möglich, daß die antiken und orientalischen Elemente von Westen her an den Rhein gelangt sind. Hier kann auf diese Frage nicht näher eingegangen werden; es ist auch nicht anzunehmen, daß sich die von mir geäußerten Ansichten über das Verhältnis des frühmittelalterlichen Portales zum antiken wesentlich verschieben würden.

 

Die von uns bisher behandelten Portale genauer zu datieren, soll nicht versucht werden. Ingelheim, Aachen, das Haus des Rhabanus Maurus sind sicher rein karolingisch, den Sturz in Engelstadt möchte man eher für noch früher halten. Manche werden schon ottonisch sein.

 

Die Tradition des spätantiken, orientalisch beeinflußten Portales ist in der karolingisch-ottonischen Zeit lebendig geblieben. Es macht sich eine Tendenz zu immer größerer Einfachheit geltend. Zuerst werden Pfosten und Bogen ihrer Profile beraubt, dann wird auch dem Sturz sein Gesims genommen. So zeigt sich noch das Portal des 11. Jahrhunderts. Ein so stolzer Bau wie Limburg a. H. begnügt sich damit (s. S. 9).

 

Ein neues Motiv ist der Giebelsturz, er gibt dem niederrheinischen Portal im 12. und 13. Jahrhundert sein Gepräge. Schon im 11. Jahrhundert findet er sich vereinzelt in anderen Gegenden, z. B. in Solnhofen im Altmühlthal und S. Aurelius in

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1 Eichholz a. a. O. Adamy, „Die fränkische Torhalle zu Lorsch“ 1891, S. 42.

2 Inv, Rheinlande, V, 2.

 

 

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170 Burkhard Meier. [12

 

Hirsau und Reichenbach bei Freudenstadt i. W. 1 Sein Erscheinen in Sachsen wird weiter unten noch ausführlich besprochen.

 

Im 12. Jahrhundert entsteht unter den mittelrheinischen Portalen eine Art Renaissance, hier hat sich der gerade Sturz gehalten, er wird wieder mit einem Gesims geschmückt, ähnlich dem karolingischen Portal in Ingelheim. Ein Portal von ganz spätantikem Gepräge bietet sich an der Afrakapelle des Domes zu Speyer dar, Ende des 12. Jahrhunderts 2 (Tafel II). Da bilden Pfosten und Sturz wieder den reich profilierten Rahmen der Türöffnung, da ist auch der offene Entlastungsbogen ebenso reich profiliert, und es fehlt ganz das Zeichen der hochromanischen Epoche, die Abtreppung des Gewändes. Dieses Portal kann nicht allein aus heimischer Tradition erklärt werden, aber auch die oberitalienischen Beziehungen des Speyerer Domes können das Rätsel dieses schönen Portales nicht ganz lösen.

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1 Hager, „Heimatkunst, Klosterstudien etc.“ 1909, S. 254 und 260.

2 Nach Meyer-Schwartau.

 

 

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II. Das Portal in Sachsen bis zum Beginn des 12. Jahrhunderts.

 

Die Zahl der Portale, die in Sachsen aus dem 10.-11. Jahrhundert erhalten sind, ist sehr gering und kaum genügend, um ein klares Bild der Entwicklung zu gewinnen. An manchen wichtigen Bauten, wie Corvey, Walbeck, Drübeck, Huyseburg, sind sie zerstört. Wir müssen uns begnügen mit dem Hauptportal der Klosterkirche zu Gernrode (2. H. s. X), zwei Türen in der Michaeliskirche zu Hildesheim (1. H. s. XI), dem Querschiffportal der Moritzbergkirche bei Hildesheim, den Westportalen der Dome zu Goslar, Hildesheim, Gandersheim (Mitte und 2. H. s. XI).

 

Das Portal in Gernrode (Tafel II) sitzt an der Nordseite und führt in den westlichen, querschiffartigen Teil des Langhauses; es macht den Eindruck des Haupteinganges, obwohl nicht ausgeschlossen ist, daß dieser im Westen belegen war, da der Westchor ein Anbau des 12. Jahrhunderts ist. 1 Das Portal ist völlig erneuert, aber anscheinend getreu dem alten Zustand. 2 Trotz Fehlens jeglicher vorspringender Glieder und Profile ist es von einem bisher nicht angetroffenen Reichtum, denn das Gewände weitet sich nach außen durch zwei Abtreppungen. Zum ersten Male müssen wir unterscheiden zwischen Gewändepfosten und Türpfosten, jene setzen sich in konzentrischen Bögen fort, diese sitzen nicht mehr in der Flucht der Außenwand, sondern sind um ein Drittel der Mauerstärke nach innen gerückt, sie tragen ein den ganzen Bogen ausfüllendes Tympanum. -- Ein gesonderter Sturz fehlt, das Tympanum hat keine tektonische Funktion, der Entlastungsbogen ist zur selbständigen Archivolte geworden. Also eine völlige Umbildung alles bisher Dagewesenen! Eine Ableitung ist mir nicht gelungen. Vielleicht gibt auch hier der Orient Aufklärung, denn auch die Gestaltung des Innenraumes zeigt deutliche Anklänge an byzantinische Bauten. Ansätze zur Abtreppung finden sich nach Strzygowski im zentralen Kleinasien. 3

 

Es bleibt die Regel bei abgetreppten Portalen, daß die Türpfosten nie bis zur Flucht der Innenwand einrücken, sondern die innere Hälfte oder mehr der Wandstärke

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1 v. Sommerfeldt, Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte etc. 1905, sucht die ursprüngliche Existenz eines Westchores nachzuweisen.

2 Aus Puttrich, „Denkmale der Baukunst des Mittelalters in Sachsen“ I, 1836-1843, ist wenigstens zu ersehen, daß der Grundriß vor der Restauration durch Quast derselbe war, auch ist Quast als gewissenhafter Restaurator bekannt.

3 Zeitschrift für Bauwesen 1903, Sp. 630, Siehe auch Wulff, a. a. O., S. 149.

 

 

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172 Burkhard Meier. [14

 

ein einfacher Mauerdurchbruch bleibt, dessen Laibung stets hinter den Pfosten etwas zurückspringt und senkrecht zur Mauer liegt oder sich nach innen ein wenig weitet. Die innere Archivolte, unter der das Tympanum sitzt, ist meist als Tonne bis zur Innenwand durchgemauert; Abweichungen werden, soweit bekannt, angeführt.

 

Das Fehlen des Sturzes bezeugt ein immer stärkeres Nachlassen der antiken Tradition, es bleibt eine Eigentümlichkeit des sächsischen Portales, und es ist interessant, daß sie bereits in dieser frühen Zeit vorhanden ist.

 

Im Gegensatz zu Gernrode entsprechen die Türen der Michaeliskirche in Hildesheim (Tafel II) dem rheinischen Typus: monolithe Pfosten, Sturz, Entlastungsbogen mit Wechsel von roten und weißen Steinen, aber das Feld zwischen Sturz und Bogen wird von einer halbkuppelartigen Nische eingenommen, meines Wissens ein Unikum.

 

In S. Michael befinden sich mehrere Türen desselben Typus, alle im Innern. Besonders interessant sind die, welche die jüngste Restauration freigelegt hat, durch die Frage, wohin sie geführt haben. Sie befinden sich in der Westwand des westlichen Querschiffes neben den Vierungspfeilern (Tafel II). Jetzt befinden sich dahinter Anbauten des 12. Jahrhunderts. Ins Freie führten sie nicht, denn sie kehren ihre Schauseite nach innen. Höchstwahrscheinlich führten sie in einen kleinen Anbau, von dem aus man, im rechten Winkel sich wendend, in die Krypta gelangte. Diese seitlichen Zugänge zur Krypta finden sich öfter im 11. Jahrhundert, z. B. in der Michaelsbasilika auf dem Heiligenberge bei Heidelberg, auf der Limburg a. H.; der Dom in Merseburg ist so zu rekonstruieren. In Hildesheim selbst spricht die Kirche auf dem Moritzberge für diese Hypothese. Aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts stammend, steht sie noch ganz in Bernwardischer Tradition; das zeigt sich besonders im Quaderwerk. Hier sind ebenfalls die Eingänge zur Krypta seitlich unter besonderen Anbauten angeordnet, der südliche Anbau ist weggebrochen, der nördliche umgebaut. Zeller hält ihn für gotisch und übersieht ganz den klar zutage tretenden alten Mauerkern. 1

 

Ebenfalls rheinisch ist das Tor in der Mitte des Unterbaues des Kaiserhauses in Goslar: einfache Pfosten, giebelförmiger Sturz, offenes Bogenfeld. Mit solchen Merkmalen früher Entstehung behaftet, gehört es gewiß noch dem Bau an, den Heinrich III. durch Benno aus Hirsau, den späteren Bischof von Osnabrück, errichten ließ. 2 Es ist somit den auf S. 11 unten genannten Portalen anzuschließen.

 

Das jetzt vermauerte Portal am nördlichen Querschiff der Kirche auf dem Moritzberge, offenbar der alte Haupteingang, ist ein lehrreiches Beispiel für die Art, mit der man an Bauten zweiten Ranges ein Portal konstruierte. Es liegt flach in der Flucht der Außenwand, das Bogenfeld ist aus einzelnen Quadern zugemauert, in den Entlastungsbogen ist der Sturz in sehr ungeschickter Weise eingeschachtelt.

 

Wie wir es für die Rheinlande nachweisen können, so wird es auch für Sachsen gegolten haben; noch im 11. Jahrhundert bestehen die Portale der kleinen und mittleren Bauten aus einfachen Mauerdurchbrüchen, an der Schauseite springen Pfosten vor die Laibung, diese selbst weitet sich durch einfache Abschrägung nach innen oder liegt senkrecht zur Mauer. Im 12. Jahrhundert bleibt dieser Typus an Dorfkirchen und für Innentüren bestehen.

 

Es liegt auf der Hand, daß er für größeren Verkehr, noch dazu bei großer Mauerstärke sehr unpraktisch war. Man beschäftigte sich bereits im 11. Jahrhundert mit Versuchen, die Eingänge starkem Verkehr anzupassen. Die eine Lösung liegt vor in

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1 Zeller, „Die romanischen Baudenkmäler von Hildesheim“ 1907.

2 Invent. Hannover II, 1 und 2, S. 14 und 21.

 

 

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15] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 173

 

den Kirchen S. Peter zu Werden und St. Emmeran zu Regensburg. 1 Hier liegen ausnahmsweise die Pfosten in der Flucht der Innenwand, davor buchtet sich das Gewände in einem Viertelkreis aus, so daß die Tür gleichsam die Arme weit öffnet, die Kirchgänger in sich aufzunehmen. In Werden ist die Mauer verstärkt worden, um Tiefe für die Nische zu gewinnen.

 

Eine ganz außerordentliche Leistung bedeutet die zweite Lösung des Problems: das Westportal des Doms zu Speyer, heute modern ummantelt, aber verläßlich zu rekonstruleren. 2 Meyer-Schwartau weist es mit der Vorhalle dem ersten Bau zu, der 1061 geweiht wurde. 3 Die ungeheure Stärke der Mauer erklärt sich daraus, daß wahrscheinlich die Vorhalle bereits gewölbt war. Die Türpfosten liegen genau in der Mitte der Wandstärke, von hier aus weitet sich die Gewandung nach innen wie nach außen durch fünf regelmäßige Rücksprünge von 3,69 m auf 8,80 m, eine sehr reiche und praktische Gliederung, die einen völligen Bruch mit dem antiken Portal bedeutet und, soviel sich sehen läßt, außer in Sachsen ohne Parallelen ist; auch in Italien und Frankreich gibt es nichts Ähnliches. Kämpfer, Sturz, Tympanum scheinen nicht vorhanden gewesen zu sein.

 

Wie gesagt, das Portal von Speyer hat nur in Sachsen Schule gemacht, in den Westportalen der Dome zu Goslar, Hildesheim und Gandersheim, jedesmal in Verbindung mit einer Vorhalle. Sie sind, etwas später als Speyer, in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entstanden.

 

Der zeitlich erste ist der Dom zu Goslar, spätestens 1047 begonnen. 4 Hier wird der Speyerer Portaltypus in Sachsen eingeführt; derartig weitgreifende Beziehungen sind hier bereits in einem Falle nachgewiegen, zu Konstanz durch die polygonalen Würfelkapitelle. Kaiser Heinrich III. und Benno von Osnabrück, deren Namen mit dem Goslarer Dom verknüpft sind, werden die Mittelspersonen gewesen sein.

 

Das Portal ist nur im Grundriß überliefert (Tafel XXI). Von den Türpfosten aus ist es nach innen dreimal, nach außen fünfmal abgetreppt. Wenn der Grundriß recht hat, sind die Rücksprünge nicht regelmäßig. Nur hier findet sich die Abtreppung nach innen, das spricht noch besonders für den direkten Zusammenhang mit Speyer; bei den anderen beiden Portalen fehlt sie; Hildesheim und Gandersheim sind von Goslar abhängig.

 

Das Portal in Hildesheim stammt aus dem Bau Hezilos (1054–1079) 5; es ist nach außen sechsfach abgetreppt, Kämpfer aus Schräge und Platte bezeichnen den Bogenansatz, ein Tympanum ist nach Zeller vorhanden, ob auch ein Sturz, gibt er nicht an.

 

Das Portal in Gandersheim (Tafel II) ist stark restauriert und verändert. 6 Das Gewände mit fünf Pfosten ist ursprünglich, ebenso der reich profilierte Kämpfer, modern aber seine Fortsetzung über der Tür; die Türpfosten sind den Gewändepfosten nicht gleichwertig behandelt, sondern schwächer, und die Basis des Gewändes verkröpft sich nicht um sie. Sie trugen ursprünglich ein einfaches Tympanon analog Hildesheim.

 

Steinacker schreibt das Portal seines altertümlichen Charakters wegen dem

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1 Effmann, „Die ottonischen Bauten zu Werden“ 1899, S. 306 f. Von ähnlicher Bildung ist das Hauptportal im Innern der Vorhalle von S. Marco in Venedig.

2 „Der Dom zu Speyer“, Tafel 2 und 14. -- 3 A. a. O., S. 142.

4 Invent. Prov. Hannover II, 1 und 2, S. 48, -- 5 Zeller, a. a. O., S. 43.

6 Steinacker, „Braunschweigisches Magazin“ 1909, Invent. Herzogtum Braunschweig V.

 

 

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174 Burkhard Meier. [16

 

ottonischen Bau von 1007 zu. Da aber auch für die Jahre 1063-1094 eine Bauperiode bezeugt ist, wird es richtiger sein, es dieser Zeit zuzuschreiben in Übereinstimmung mit der zeitlichen Ansetzung von Speyer und Hildesheim.

 

Ich muß mich mit dieser kurzen Behandlung des 11. Jahrhunderts begnügen. Sie genügt jedoch, um zu zeigen, wie bedeutend die Leistungen in Sachsen waren. Trotz der auswärtigen Beziehungen, die ich teils vermutete, teils feststellte, besteht zwischen Gernrode und der Goslarer Gruppe eine folgerichtige Entwicklung; was dort in ersten Ansätzen vorhanden war, die Abtreppung des Gewändes, ist hier voll ausgebildet. Damit ist der Bruch mit dem antiken Portal vollzogen und die Grundlage geschaffen für das kommende Säulenportal.

 

Als bleibende sächsische Eigentümlichkeit zeigt sich von Anfang an das Fehlen des Sturzes.

 

In Gernrode und Hildesheim ist ein glattes Tympanum vorhanden ohne Rahmen und ohne plastischen Schmuck. Es wird die Regel gebildet haben.

 

Eine Sonderstellung nimmt das Portal der Stiftskirche zu Quedlinburg 1 ein. Zu den Portalen des 12. Jahrhunderts steht es in keiner Beziehung; es ist deshalb praktisch, dasselbe gleich hier anzuschließen. Wie die Ornamentik, so hat auch das Portal teil an den italieniscben Beziehungen; aus S. Abbondio in Como hat es die in das Gewände eingestellte Säule bezogen. Es ist wichtig, festzustellen, daß Deutschland aus Italien die Portalsäule bezieht, nicht aus Frankreich; ob Italien oder Frankreich die Priorität gebührt, ist bisher nicht festgestellt, interessiert uns hier auch weniger. Strzygowski sucht die Entstehung des Säulenportales im Orient, doch ist er den Beweis bisher schuldig geblieben.

 

Im Grunde ist das Quedlinburger Portal kaum über Gernrode hinausgekommen; verwandelt man die Säulen zu Pfosten analog der rechteckig gebliebenen Archivolte, so erhält man ein Portal, das, abgesehen von der Basis, dem Gernröder recht ähnlich sieht.

 

Das Portal war bis zur Restauration ganz verbaut, Kugler 2 und Hase 3 erwähnen bei ihrer Beschreibung die Säulen nicht. Es ließ sich nicht feststellen, ob sie aus der Restauration stammen oder nach vorhandenen Ansätzen gemacht sind. Gibt die heutige Gestalt den alten Zustand, so hat das Portal darin seine Bedeutung, daß es das erste und für sehr lange Zeit das einzige Säulenportal in Deutschland war.

 

Ob es in Sachsen Schule gemacht hat, ist nicht mehr festzustellen, denn an den drei Bauten, die unter dem Einfluß von Quedlinburg stehen, S. Ulrich in Sangerhausen, Kloster Gröningen und Liebfrauen in Magdeburg, sind die Portale nicht erhalten. Weitere Ausdehnung war der Quedlinburger Schule versagt, denn gegen die Mitte des Jahrhunderts begannen die Formen der nordthüringisch-Hirsauer Schule das sächsische Gebiet zu erobern. Das folgende Kapitel soll davon handeln.

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1 Weihedatum von 1129. -- 2 Kleine Schriften I, S. 560. 3 „Die mittelalterlichen Baudenkmäler Niedersachsens“ II, 1867, S. 205.

 

 

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III. Die nordthüringisch-Hirsauer Schule und ihr Einfluß auf Sachsen.

 

Die Bedeutung und Eigenart der Hirsauer Bauschule und der nachhaltige Einfluß, welchen sie durch die Klosterkirchen von Paulinzelle und auf dem Petersberg bei Erfurt auf Sachsen gewann, dürfen als bekannt vorausgesetzt werden. Ich verweise auf die Schrift von C. H. Baer 1, der eine allerdings unvollständige Übersicht über ihre Verbreitung gibt.

 

Über die Portale im besonderen bleibt immerhin noch manches zu sagen übrig.

 

§ 1. Hirsau.

 

Es ist vor allem wichtig, festzustellen, wie in Hirsau die Portale ausgesehen haben. S. Aurelius kommt nicht in Betracht, es hatte ein Portal ohne Rücksprünge, das somit unter die Portale einzureihen wäre, die im ersten Kapitel besprochen sind.

 

Von dem Westportal in S. Peter ist wenigstens der Grundriß festzustellen; es hatte eine doppelte Abtreppung, der äußere Pfosten trat ein wenig über die Flucht der Außenwand heraus, die Tür lag ungefähr in der Mitte der Gesamttiefe, hinter den Türpfosten trat das Gewände zurück und verlief parallel der Achse. Alles andere können wir nur mutmaßen; jedenfalls waren keine Säulen vorhanden. Auch das Westportal in Cluny hatte doppelten Rücksprung ohne Säulen. Vielleicht war die Wölbung des Portales von S. Peter rechteckig umrahmt, wie wir es auf dem Petersberg bei Erfurt sehen werden.

 

Das kleine Nordportal von S. Peter ist dagegen erhalten (Tafel III). Es tritt um die Stärke des Mauersockels vor die Außenwand; dieser Sockel, aus zwei Schrägen zwischen zwei Platten bestebend, winkelt um und umrahmt rundbogig das Portal. Kämpfer und Basis fehlen. Das Ganze macht den Eindruck wuchtiger Einfachheit.

 

Zwei Neuerungen finden wir in Hirsau: Das Portal tritt aus der Wand heraus und es erhält einen besonderen Rahmen, der, wenn möglich, durch Herumleiern des Mauersockels gebildet wird.

 

In der Zahl der Rücksprünge steht Hirsau hinter der Goslarer Gruppe in Sachsen zurück.

 

§ 2. Der Petersberg bei Erfurt.

 

Dem Gründungsjahr nach gebührt der Klosterkirche auf dem Petersberg in Erfurt der Vortritt. Als Bauzeit gelten die Jahre 1103–1147.

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1 „Die Hirsauer Bauschule“ 1897.

 

Zeitschrift für Geschichte der Architektur. Beiheft VI.

 

 

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176 Burkhard Meier. [18

 

Die noch unaufgeklärte Baugeschichte bedarf einer eingehenden Untersuchung; das Inventar versagt hierin ebenso wie in der Beschreibung des Baues, der Grundriß ist unzuverlässig. Dagegen gibt es eine früher erschienene weit bessere Beschreibung von Böckner. 1 Er beobachtete bereits, daß die östlichen Joche der Seitenschiffe und die Nebenchöre mit Tonnen gewölbt waren. Ich füge hinzu, daß außer in den drei östlichen Jochen von jedem Schiffspfeiler ein breiter Gurtbogen zur Außenwand ging. Auch das Gewölbe der Vorhalle erwähnt Böckner, beschreibt es aber nicht richtig. Der dem Mittelschiff entsprechende oblonge Teil der Vorhalle war mit einem halben Kreuzrippengewölbe gedeckt. Die schweren, rechteckigen Rippen gehen von den östlichen Pfeilern der Vorhalle aus und müssen, wohl auf einer Konsole, über dem Portal zusammengestoßen sein. Diese Vorhalle samt dem Gewölbe gehört dem ursprünglichen Bau, vielleicht als sein spätester Teil an, aber die ruhige Klarheit der übrigen Teile des Baues ist hier einer wirren Unsicherheit gewichen.

 

Ein Kreuzrippengewölbe vor 1150 ist ein Ding der Unmöglichkeit, wenigstens in Sachsen. Die Daten sind also mit größter Vorsicht zu verwerten. Wahrscheinlicher ist, daß der jetzige Bau erst nach dem großen Brande von 1142 begonnen ist. Dann wird auch sein Verhältnis zu Paulinzelle klarer. Wie mag es denn kommen, daß beide Bauten, angeblich zu gleicher Zeit und von gleichgeschulten Kräften erbaut, im System und im Detail so wenig Berührungspunkte haben, daß aber plötzlich die späte Vorkirche in Paulinzelle auf die Formen des Petersberges zurückgreift? Die Details, Sockel, Dachgesims usw. sind am Petersberg viel reicher als an der Hauptkirche von Paulinzelle.

 

Das Nebenportal am südlichen Querschiff des Petersberges, ganz erhalten, ist die verkleinerte Wiederholung des großen Westportales. Von diesem ist nur die nackte Öffnung erhalten, alle Profile sind sorgfältig abgemeißelt und nur noch als leiser Schatten erkennbar. Das Gewände ist erhalten, ebenso der Türsturz, der genau so in Paulinzelle wiederkehrt und dort (S. 21) beschrieben wird. Das Querschiffportal soll hier anstatt des Hauptportales besprochen werden. Die Eigenschaften, die wir für die Hirsauer Portale charakteristisch fanden, sind auch hier vorhanden: das Heraustreten aus der Wand und der Rahmen, der sich aus dem Mauersockel entwickelt. Dieser, schon sehr viel reicher als in Hirsau, spaltet sich in zwei Teile; der untere, Schräge auf senkrechtem Ansatz und attisches Profil, verkröpft sich als Gewändebasis um die beiden kleinen Rücksprünge; der obere, ein einfacher Mauervorsprung, winkelt um und dient bis zur Kämpferhöhe als Rahmen und zugleich als äußerer Pfosten. Ein Kämpfer mit attischem Profil verkröpft sich um das Gewände und die Stirnseite des Portals. Über ihm spaltet sich der Rahmen in einen rundbogigen und einen rechteckigen Teil.

 

Das Tympanum zeigt zum ersten Male ein vertieftes Feld, von einem einfachen Rahmen umsäumt.

 

Der Sockel zieht das Portal in innige Verbindung mit der Mauer, aus der es hervorwächst, der kräftige rechteckige Rahmen über der Wölbung betont dagegen seine Selbständigkeit.

 

Es ist bereits weit reicher als die Nebenportale von Hirsau und Paulinzelle; letzteres ist, wie wir sehen werden, über sein Vorbild nicht hinausgekommen. Eine Ansetzung des Petersberger Portales gegen die Mitte des Jahrhunderts erscheint infolgedessen nicht zu spät.

 

Es ist möglich, daß der rechteckige Rahmen den Arkaden im Langhaus entnommen ist; es ist aber nicht ausgeschlossen, wie bereits S. 17 bemerkt, daß auch

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1 Mitteilungen des Vereins für die Geschichte etc. von Erfurt, XI, 1883.

 

 

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das Westportal in Hirsau rechteckig umrahmt war. Dafür spricht, daß sich in Schwaben noch Beispiele dieser Art finden, z. B. an der Schloßkirche in Pforzheim, wo der rechteckige Rahmen ebenfalls erst über dem Kämpfer aufsitzt, etwas anders in Gmünd.

 

§ 3. Paulinzelle.

 

Für Paulinzelle gelten die Daten 1112--1132. Das große Portal, das von der Vorkirche in das Langhaus führt, genießt besonderen Ruhm, gilt es doch als das erste Portal in Deutschland, das abgetrepptes Gewände mit eingestellten Säulen besaß (Tafel IV und V, Grundriß Tafel XXI).

 

Holtmeyer 1 sagt darüber folgendes: Das Portal entstand vor der Vorhalle und zwar in solcher Stärke, um eine kleine Nonnenempore zu tragen, die er als Ersatz für die aufgegebene Vorhalle ansieht. Es kann nur als freistehend gedacht sein; wäre die Vorhalle gleichzeitig, würde sie ja die reichen Formen des Portales ganz in Schatten gesetzt haben. Es ist in Mitteldeutschland das erste Beispiel eines weit aus der Mauerflucht heraustretenden, mit selbständigem Dach versehenen Portals, eine Leistung in Deutschland ohne Vorbild, übertroffen erst fast 100 Jahre später, auch ohne italienischen Einfluß. Entstanden ist es unter Abt Ulrich, der 1154 zuletzt, dessen Nachfolger Gebhard 1163 zuerst erwähnt wird. 2 Holtmeyer denkt sich das Portal des ersten Zustandes einfach, etwa wie Petersberg. 3

 

Meine Ansicht weicht in allen Punkten von der Holtmeyers ab, auch seiner Entstehungsgeschichte der Vorhalle muß ich widersprechen. 4

 

Die Pfeiler der Vorkirche, welche das Portal begrenzen, zeigen die Formen des Langhauses und sind grundverschieden von den übrigen Pfeilern der Vorkirche: sie haben keine eingestellten Säulen, sondern sind einfach rechteckig, über ihren Kämpfern; die denen des Langhauses gleichen, steigt ein senkrechtes Profil mit Schachbrettmuster auf, wie im Langhaus. Der Anfänger des Arkadenbogens ist rechteckig ohne Eckrundstab. Mit dem zweiten Wölbstein darüber zeigt sich ein auffallender Wechsel der Formen. Von da ab sind die Kanten des Arkadenbogens mit einem zarten Rundstab verziert, ihm untergelegt ist ein starker Rundstab, auf den der Kämpfer nicht eingerichtet ist; der mit Schachbrett verzierte Teil des Arkadenrahmens wird mit einem Viertelkreisstab fortgeführt. 5

 

Kurz, ein deutlicher Bauabschnitt liegt hier vor! Die östlichen Pfeiler der Vorkirche sind gleichzeitig mit dem Langhaus, wie die ganz übereinstimmenden Formen zeigen. Eine Zeit mit völlig veränderter Baugesinnung setzte den Bau der Vorkirche fort. Damit ist die Rekonstruktion der ursprünglichen Planung der Vorkirche, wie sie Holtmeyer (Tafel XXI) gibt, als unmöglich erwiesen, denn diese Pfeiler mit den Bogenanfängern sind ein deutliches Zeichen dafür, daß von Anfang an offene Arkaden geplant waren.

 

Daß die Vorkirche ursprünglich einschiffig war, lassen die ohne Verband nach Osten und Westen hin aufgeführten Seitenschiffmauern vermuten. Doch ist dies nicht zwingend und für unsere spezielle Untersuchung unwichtig.

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1 Holtmeyer, „Beiträge zur Baugeschichte Paulinzellas“, Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte 1904, S. 149, 165, 228, 229 Anmerkung. -- 2 A. a. O., Anmerkung 153. -- 3 Rekonstruktion, S. 140.

4 Bei den folgenden Untersuchungen unterstützte mich mein Freund Giesau.

5 S. 185, Anm. 171, hat Holtmeyer diese Beobachtungen wohl zum Teil gemacht, aber falsch ausgelegt.

 

 

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178 Burkhard Meier. [20

 

Es wäre dagegen auch möglich, daß eine Anlage geplant war, wie sie Hager 1 für Hirsau nachgewiesen hat: offener Vorhof in der Breite des Mittelschiffes, eingefaßt auf beiden Langseiten von Hallen, die sich in Arkaden nach dem Vorhof öffneten und die Höhe von Seitenschiffen hatten. Der Giebel des Langhauses lag somit ganz frei. Dieser Vorhof wurde in Hirsau im Verlauf des 12. Jahrhunderts zu einer basilikalen Anlage umgebaut, daraufhin führte man auch in Paulinzelle den begonnenen Bau eines Vorhofes als basilikale Vorkirche weiter. Es wäre damit eine Lösung gefunden für das Problem, den als freiliegend gedachten Mittelschiffgiebel mit der im ursprünglichen Plane liegenden Vorkirche in Einklang zu bringen.

 

Die oben beschriebenen östlichen Pfeiler sind mit dem Gewände des Portals im Verband aufgeführt. Und auch wenn sie es nicht wären, ein Blick auf den Grundriß (Tafel XXI) zeigt, daß die Pfeiler auf das Portal Rücksicht nehmen. Also bereits im ersten Plane bestand es in der jetzigen Tiefe und muß, wenn wir uns der üblichen Datierung anschließen, spätestens 1132, in welchem Jahre die Kirche geweiht wurde, vorhanden gewesen sein.

 

Ein derartig reiches Säulenportal ist aber für die frühe Zeit nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien und Frankreich eine Unmöglichkeit. Das Dilemma würde seine Lösung finden, wenn sich nachweisen ließe, daß die Säulen eine spätere Zutat sind. Dieser Beweis soll im folgenden versucht werden; er läßt sich nicht bis zur völligen Gewißheit führen, aber doch bis zu hoher Wahrscheinlichkeit.

 

Versuchen wir uns ein Bild von der ursprünglichen Gestalt des Portales zu machen, wie es bei der Vollendung des Langhauses 1132 bestand. Säulen, Kämpfer und die auf diesen aufsitzenden profilierten Archivolten fehlten; es bot sich ein Anblick dar, der dem oben besprochenen Portal von Gandersheim vergleichbar ist: 4 Rücksprünge, den Türpfosten mitgerechnet 5; dieser ist aber wie in Gandersheim den Gewändepfosten nicht gleichwertig. Die attische Gewändebasis verkröpft sich nicht um ihn. Ein Kämpfer wird vorhanden gewesen sein, er ist bei dem Umbau ausgebrochen. Die einfach rechteckigen Archivolten bilden, ein wenig zurückspringend, die Fortsetzung der Pfosten.

 

Das erste Portal in Paulinzelle läßt sich nicht aus den Beziehungen zu Hirsau, wohl aber aus den sächsischen Portalen der Goslarer Gruppe herleiten.

 

Die Tiefe des Portales wurde künstlich erheblich vergrößert, wie es auch bei der Goslarer Gruppe der Fall ist und auch sonst im 11. Jahrhundert nicht mehr ungewöhnlich war (Werden). Im Gewände führt wie in Cluny eine Wendeltreppe empor 2, hier bildet sie den Zugang zu einer Empore, die auf dem Portalkörper lag, wie Holtmeyer richtig annimmt. Er glaubt, daß sie nötig wurde, als der Bau der Vorkirche aufgegeben war. Beides steht aber in keinem Zusammenhang, denn nach meiner Annahme fällt der Bau des Portales samt der Empore zusammen mit dem Baubeginn des Vorhofes.

 

Man nimmt an, daß bei dem Bau der basilikalen Vorkirche das Mittelschiff zweistöckig angelegt wurde; die Spuren der Balkendecke sind zwar deutlich sichtbar, diese könnte jedoch ein Einbau späterer Zeit sein, dann hätte sich das Portal ursprünglich frei dem Blick des Beschauers dargeboten.

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1 A. a. O., S. 314. -- 2 Holtmeyer, a. a. O., S. 149, Anm. 131.

 

 

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21] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 179

 

Das Tympanum 1 gehört zur ersten Fassung.

 

Betrachten wir das Portal rückseitig vom Langhause aus, so sehen wir die Spuren eines Sturzes, der den hinter der Tür liegenden Teil des Einganges überdeckte. In der Frontansicht wurde er durch das Tympanum verdeckt. Später wurde er aus unbekannten Gründen abgeschlagen. Über ihm setzte in reinem Halbkreis die Wölbung des inneren Teiles des Einganges an. Da diese um die Dicke des Sturzes höher ansetzt als die Archivolte über dem Halbkreisbogenfeld, so überschneiden sich die Bögen.

 

Wahrscheinlich zu der Zeit, als man den Bau der Vorkirche wieder aufnahm, entstand das Bedürfnis, das Portal zu bereichern. Der Ruhm irgendeines Säulenportals weckte den Ehrgeiz des Bauherrn. Die geringe Größe der Rücksprünge und die Gewändebasis waren der Einstellung von Säulen hinderlich. Trotzdem ließ man die Basis stehen, wodurch der Raum, der für die Säulen übrig blieb, noch kleiner wurde. Diese fielen infolgedessen sehr dünn aus, ihre Kapitelle sehr klein. Die Rücksicht auf die Gewändebasis bedingte, daß die Säulen ganz frei standen; ihre Basen waren ohne Verband. Um ihnen wenigstens oben den nötigen Halt zu geben, wurden die Kapitelle nachträglich in das Gewände eingebunden. Das bedingte wiederum die merkwürdigen Plättchen zwischen Kapitell und Pfosten, denn die Kapitelle waren um die Breite der Gewändebasis von den Pfosten entfernt.

 

Holtmeyer irrt, wenn er die Plättchen aus den ungleichen Seiten der Rücksprünge erklärt; deren Seiten sind völlig gleich.

 

Der über den Kapitellen liegende Kämpfer bindet ebenfalls; beides, das nachträgliche Einbinden der Kapitelle und des Kämpfers, ist technisch durchaus möglich.

 

Der Kämpfer füllt die Rücksprünge ganz aus, so daß die Pfosten in ihm nicht mehr zum Ausdruck kommen, sie sind nur noch durch die Säulenschäfte hindurch sichtbar. Völlig verschwindet ihre Fortsetzung in der Wölbung. Hier ist es am leichtesten zu erfassen, daß die Archivolten über den Säulen später eingesetzt sind; sie sind ohne Verband, breite Lücken klaffen zwischen ihnen und den dahinter noch deutlich erkennbaren Pfosten-Archivolten, die aus sorgfältig behauenen Wölbsteinen bestehen. was nur Zweck hatte, wenn sie sichtbar sein sollten.

 

Eine Unklarheit besteht hinsichtlich des äußeren Rahmens an der Stirnseite des Portals und des inneren Rahmens auf dem innersten Pfosten; auf Teilen sitzend, die zu dem ursprünglichen Portale gehören, scheinen sie bei dem Umbau angearbeitet zu sein. Bei dem äußeren Rahmen verkröpft sich der Kämpfer um das Rahmenprofil, bei dem inneren Rahmen ist es umgekehrt.

 

Hinzugefügt wurde auch die Frontmauer über der Wölbung, sie bindet nicht mit den Arkadenpfeilern.

 

Der Geist, der sich in den hinzugefügten Teilen zu erkennen gibt, gleicht dem der Vorkirche, er ist sehr spielerisch und steht weit unter dem, der in der Kirche sich zeigt. Ein Studium der Kapitelle läßt dies klar erkennen. Die Motive des Langhauses sind gehäuft bei den einen, andere gleichen denen der Vorkirche, die plastisch aufgesetzten Tiere auf zwei Kapitellen des rechten Gewändes deuten schon eine entwickeltere Stufe an als die sehr unplastischen Verzierungen der Kapitelle in der Vorkirche. Die Säulenbasen ahmen die des Langhauses nach. Der Kämpfer überklettert in des

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1 Näheres im Anhang, S. 60.

 

 

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180 Burkhard Meier. [22

 

Wortes eigenster Bedeutung den äußeren Rahmen; dessen Kehle überbrückt er, man kann mit der Hand dahinter durchfassen.

 

Die Archivolten sind verschieden gestaltet; die 1. und 4. (von innen nach außen gezählt) sind im Grunde richtige Rundstäbe, die als Fortsetzung der Säulenschäfte gedacht sind; da diese aber weit vor der Wand stehen, mußten die Rundstäbe, die doch nicht frei schweben konnten, an rechteckige Stücke angearbeitet werden. Ist bei diesen beiden Archivolten der Rundstab als Fortsetzung der Säulen noch ziemlich deutlich, so sieht er bei der 2. Archivolte nur wie eine Verzierung der Kante aus. Die 3. Archivolte wiederholt ein Motiv der Vorkirche, an ihrer Stinseite ist ein Rundstab in eine tiefe Kehle eingebettet; bei den Pfeilern der Vorkirche stehen die vorgelegten Säulen ebenfalls in tiefen Mulden. 1

 

Man sieht deutlich, in dieser Archivolte ist ein Motiv, das in der Vorkirche eine gewisse architektonische Berechtigung hatte, in spielerischer Weise nachgeahmt.

 

Der Umbau des Portales ist später, zum mindesten gleichzeitig mit der Vorkirche, wahrscheinlich sogar von demselben Architekten ausgeführt. Dieser, ein unbedeutender Mann, hat den Petersberg bei Erfurt und die Paulinzeller Kirche eifrig studiert und lauteres Gold in die kleine Münze eigener Prägung verwandelt.

 

Die Ableitung des Portales und die Datierung der Vorkirche bieten nicht geringe Schwierigkeiten. Holtmeyers Datierungsversuch hat weder Beweis- noch Überzeugungskraft. Er sagt 2: Abt Ulrich hat das Portal gebaut, die Vorkirche widersprach seinen Absichten, da damit das Portal schlecht sichtbar und die Empore über ihm unnötig wurde. Folglich ist die Vorkirche erst nach seinem Tode (1154?) begonnen, sie gibt das Vorbild ab für die Vorkirche von Thalbürgel, die vor 1174 vollendet sein soll. Das Jahr 1160 ist der späteste Termin für die Vollendung der Vorkirche von Paulinzelle.

 

Über Thalbürgel spreche ich weiter unten, das Jahr 1174 stimmt nicht. Überhaupt, mit Ausnützung der Urkunden und mit historischen Überlegungen ist keine Sicherheit zu gewinnen. Vielleicht kommt man auf stilkritischem Wege weiter. Der Baumeister, dessen Fähigkeiten ich so gering anschlug, hat das Säulenportal sicher nicht erfunden. Wo mag er denn ähnliches gesehen haben? Wir müssen weit mit ihm wandern, wenn wir im Geiste seinen Studienreisen nachgehen wollen. Die mittelalterlichen Architekten sind gewandert; wie weit und wie häufig, ist erst durch manche neuere Untersuchungen bekannt geworden; es gehört heute zu den geläufigen Vorstellungen.

 

Der Mann kann z. B. in Schwaben gewesen sein, um an den Quellen der Paulinzeller Architektur zu studieren. Am Westportal der Klosterkirche von Maulbronn (1178 geweiht) 3 hat er vielleicht bemerkt, daß das Verkröpfen des Kämpfers um das äußere Rahmenprofil ein hübsches Motiv ist (Tafel V). Es kommt nämlich gar nicht häufig vor, sonst nur noch in Schwarzach bei Kehl (um 1200) 4, Pforzheim (von Maulbronn abhängig) und in den von Paulinzelle abhängigen Portalen von Königslutter und Thalbürgel (datiert 1199). Dies Verkröpfen des Kämpfers ist ein sehr bezeichnendes Motiv, das kaum zweimal erfunden wird. Es ist wohl möglich, daß der Paulinzeller Architekt es in Maulbronn, dem frühesten Beispiel, kennen gelernt hat.

 

Sonst zwar ist das Maulbronner Portal ganz anders gestaltet; es ist, wie P. F. Schmidt nachgewiesen hat, von einem mittelrheinischen Architekten gebaut. Dieser Meister Hermann baute

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1 A. a. O., Tafel 7. Das Motiv ist dem Petersberg entnommen.

2 A. a. O., S. 174. -- 3 P. F. Schmidt, „Maulbronn“ 1903. -- 4 Siehe unten S. 58.

 

 

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23] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 181

 

später die Ostteile des Wormser Domes. Aber auch mit den Ostportalen des Mainzer Domes ist die Verwandtschaft so groß, daß wir auf denselben Architekten schließen können. Wie hübsch es sich zusammenfügt: Er baut in Mainz die Ostportale, bringt deren Formen nach Schwaben, vermischt sie hier mit einheimischen Formen und wandert dann nach Worms!

 

Übrigens dringen diese eigentümlichen Kapitelle noch weiter nach Osten; sie finden sich in der Vorhalle von S. Emmeran in Regensburg. Man darf sie als spezifisch mittelrheinisch bezeichnen, charakteristisch ist ihre einfache bauchige Form, auf der, außer in Mainz und Speyer, noch eine Platte liegt.

 

Unser Paulinzeller Architekt wandert weiter und kommt an den Mittelrhein. Hier sieht er ein Wunder romanischer Kunst, die Galluspforte in Basel (Tafel VI). Unser Weg ist kühn und mag Bedenken erregen. Aber wir finden tatsächlich Übereinstimmungen mit Paulinzelle, und wir könnten weiter wandern die Kreuz und die Quer, ohne ein Portal zu finden, von dem wir das gleiche behaupten könnten.

 

Vergleichspunkte sind: 1. Gewände und Säulen haben zwar einen gemeinsamen Sockel, aber eine getrennte Basis. Wir müssen hier wie in Paulinzelle unterscheiden zwichen Gewändebasis und Säulenbasis.

2. Die Säulen stehen infolgedessen ganz frei vor dem Gewände, sind sehr schlank, haben sehr zierliche Kapitelle, und ihre Kämpfer füllen die Rücksprünge aus, so daß die Pfosten nicht zur Geltung kommen.

3. Die Säulen setzen sich in der Wölbung durch Rundstäbe fort; diese mußten wie in Paulinzelle an rechteckige Stücke angearbeitet werden. 1

 

Diese Galluspforte hat unser Architekt eifrig studiert, und das Portal in Paulinzelle ist die Frucht dieser Studien.

 

Es könnte uns fast irre machen an der Entstehungsgeschichte des Paulinzeller Portales: was in Basel einheitlich konzipiert ist, soll in Paulinzelle das Ergebnis eines Umbaues sein, z. B. das Freistehen der Säulen, die gesonderten Basen, die Gestaltung der Archivolten! Ohne die Galluspforte wäre der Umbau vielleicht garnicht möglich gewesen. Kein anderes Portal hätte bei den vorhandenen Bedingungen als Vorbild dienen können. Denn die Galluspforte und die von ihr abhängige oberrheinische Gruppe unterscheiden sich in wichtigen Punkten von den Säulenportalen der bayrischen und der rheinisch-westfälischen Gruppe, die allein von Bedeutung sind. Dort sind die Rücksprünge so groß bemessen, daß die eingestellten Säulen bequem Platz haben und die Kämpfer sich auch um die Pfosten verkröpfen, so daß für den Beschauer ein Wechsel von Säulen und Pfosten entsteht, ebenso in der Wölbung, wo man Rundstäbe als Fortsetzungen der Säulen und rechteckige Fortsetzungen der Pfosten unterscheiden muß. Ich werde sie Säulen-Archivolten und Pfosten-Archivolten nennen. 2

 

Die Galluspforte hat Arthur Lindner eingehend behandelt 3, wichtige Bemerkungen haben Vöge 4 und Reiche 5 gemacht. Es ist unmöglich, die Entstehung dieses reichen Gebildes auf eine Formel zu bringen, französische und italienische Einflüsse lassen sich nachweisen. Ob die Plastik oberitalienisch oder südfranzösisch ist, muß noch genauer untersucht werden. Italienisch sind die

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1 Jedoch ist dies nur scheinbar, wie ich nachträglich durch Beobachtung der Fugen erkannte. Die Rundstäbe der Wölbung sind ähnlich eingebunden, wie an dem weiter unten behandelten Portal in Minden (S. 52 und Tafel XIII). -- 2 Näheres über diese anderen Gruppen siehe S. 44 ff.

3 „Die Basler Galluspforte etc.“ 1899. -- 4 Repertorium XXV, S. 412, Anm. 11.

5 „Das Portal etc. zu Paderborn“, Straßburger Dissertation 1905, S. 17, Anm, 1.

 

 

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182 Burkhard Meier. [24

 

zierlichen Säulen und die Rahmung der Tür, nicht italienisch aber die Gliederung des Gewändes: Pfeilerstatuen sind schließlich auch in Frankreich nachweisbar. 1 Reiche bemerkt richtig, daß der monumentale Maßstab der Gewändestatuen nur durch französischen Einfluß erklärt werden könne.

 

Der Galluspforte ähnlich in Einzelheiten sind die äußeren Portale von S. Marco in Venedig. 2 Hier füllen die Säulen die Rücksprünge ganz aus; außer in Toscanella wird man diese Gewändebildung in Italien nicht antreffen. Die Archivolten als Fortsetzung der Säulen sind einfach rechteckig. Die Säulen stehen ganz frei auf selbständigen Basen, das Gewände hat seine eigene Basis. Meines Wissens findet sich diese Eigentümlichkeit eben nur noch an der Galluspforte und den von dieser abhängigen Portalen. In der Hoffnung, daß ein anderer vielleicht diese Einzelbeobachtungen verarbeiten kann, mag noch angeführt werden, daß ein französisches Portal mit der Galluspforte zu vergleichen ist: in S. Sernin zu Toulouse. 3

 

An Arles erinnert, was Lindner nicht erwähnt, wie die Säulen weit vor die ganz im Schatten ihres Gebälkes stehenden Relief-Statuen gerückt sind. Das wird man in Italien vergebens suchen.

 

Die Rosetten in Hohlkehle, welche die Wölbung außen umrahmen, sind ebenfalls französisch (Le Puy, Semur, S. Etienne in Beauvais).

 

Für die Baldachine fand Lindner keine Ableitung, sie findet sich in nächster Nähe, in Andlau. Hier stehen je fünf Baldachine übereinander, allerdings im flachen Relief. Italienische Vorbilder sind in Parma und Nonantola 4, ebenfalls im Relief. Das Motiv in Freiplastik übertragen zu haben, ist das Verdienst des schöpferischen Meisters der Galluspforte.

 

Trotz aller Beziehungen, die man feststellen kann, bleibt noch vieles an der Galluspforte ungeklärt.

 

Lindner hat eine ziemlich überzeugende Datierung gegeben mit den Jahren 1176-1177. Sie wird gestützt durch eine ebenfalls datierbare Nachahmung, die sich in Petershausen befand 5. Der Bau dieser Kirche erstreckte sich von 1173--1183. Das Tympanum 6 dieses interessanten Portales ist offensichtlich französisch beeinflußt. Besonders die schwebenden Engel der Mandorla erinnern an Cahors.

 

Die Galluspforte ist auch sonst von größtem Einfluß am Oberrhein gewesen, weit bis in das 13. Jahrhundert hinein. Dem nachzugehen würde den Rahmen dieser Arbeit überschreiten. 7

 

Wir wenden uns nach diesem Exkurs wieder unserem eigentlichen Thema zu. Wir fanden zwei datierbare Portale, die Berührungspunkte mit Paulinzelle boten: Maulbronn und Basel. Beide sind gleichzeitig am Ende der siebziger Jahre entstanden. Sollen wir da noch zögern, das Portal und die Vorkirche von Paulinzelle in die gleiche Zeit zu setzen? Noch dazu, da Hindernisse historischer Art nicht verhanden zu sein scheinen!

 

Ich setze den Umbau des Portales rund in das Jahr 1180.

 

In Paulinzelle ist noch ein kleines Portal am nördlichen Querschiff zu besprechen, das zu dem ersten Bau gehört und sich als eine Kopie des oben (S. 17) genannten kleinen Hirsauer Portales darstellt. Es fehlt nur ein Rücksprung, was sich aus der Verschiedenheit der Sockel erklärt; in Hirsau besteht er aus zwei Schrägen, abwechselnd

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1 Toulouse, Musée des Augustins; abgeb. Vitry-Brière „Documents de sculpture francaise“ 1904.

2 Foto Naya 3550. -- 3 Abgeb. Michel, „Histoire de l'art“ I2, S. 615.

4 Abgeb. Venturi „Storia dell'arte italiana“ III, 1904, Fig. 145 und Fig. 298.

5 Jetzt Altertumssammlung in Karlsruhe; in ursprünglicher Gestalt abgebildet in „Denkmale deutscher Baukunst am Oberrhein“ I, 1825, Tafel 10. -- 6 Inventar Baden I, S. 237.

7 Neuerdings beschäftigte sich auch Cohn-Wiener mit den hier behandelten Fragen in den Monatsheften für Kunstwissenschaft 1911, S. 116. Er Spricht über den italienischen Einfluß, ohne etwas Neues vorbringen zu können. Falsch ist aber, wenn er die Galluspforte aus dem „elsässischen Portaltypus von Gebweiler, Sipolsheim usw.“ ableitet. Dieser elsässische Portaltypus ist erst durch die Galluspforte eingeführt. Cohn-Wiener denkt sich das Verhältnis gerade umgekehrt, als es in Wahrheit ist (S. 122).

 

 

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25] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 183

 

mit zwei senkrechten Stücken, in Paulinzelle nur aus einer Schräge auf senkrechtem Ansatz. Das glatt rundbogige Herumleiern des Sockels, das zum Hauptkennzeichen der abhängigen Bauten werden sollte, ist an den maßgebenden Bauten nur hier erhalten. Es muß das besonders betont werden.

 

Die technischen Besonderbeiten, die (S. 21) an dem Hauptportal erörtert wurden, finden sich auch hier.

 

 

§ 4. Die Ausbreitung der nordthüringisch-Hirsauer Formen in Sachsen.

 

Wie einflußreich die Bauten auf dem Petersberg und in Paulinzelle wurden, zeigt sich besonders an den Portalen. So ziemlich alle Portale bis zum Beginn des 13 Jahrhunderts, falls Sie überhaupt architektonisch bemerkenswerte Formen haben, stehen unter diesem Einfluß. Er brachte eine völlige Umwälzung mit sich.

 

Es lassen sich zwei große Gruppen unterscheiden, erstens der frühe Typus, abhängig von dem Portal des Petersberges, weniger von dem Paulinzeller Querschiffportal; zweitens der spätere Typus, der durch die Nachahmungen des Paulinzeller Säulenportales gebildet wird. Beide Gruppen sind weniger zeitlich als örtlich getrennt; die erste Gruppe herrscht im westlichen Teile, die zweite im östlichen. Die Grenze bildet etwa die Oker. Das ist sehr merkwürdig. Der frühe Typus herrscht von 1150--1180 allein, aber im östlichen Teile wurde in dieser Zeit zufällig wenig gebaut; von 1180 ab gehen beide Typen nebeneinander her, aber man wird im westlichen Teile keine großen Säulenportale finden. Das erste Westportal von Paulinzelle scheidet ganz aus, die Wirksamkeit des Baues überhaupt setzt erst sehr spät ein; Hamersleben, das gewöhnlich in die erste Hälfte des Jahrhunderts datiert wird, wird viel später gebaut sein, wovon (unten S. 68) noch die Rede sein soll.

 

A. Der frühe Typus.

 

Wegen ihrer ungewöhnlich primitiven Form müssen die beiden Portale der Frankenberger Kirche in Goslar an die Spitze dieses Abschnittes gestellt werden. Sie stehen noch auf der Stufe des Querschiffportales von Paulinzelle; trotz aller äußerlichen Ähnlichkeit zeigen sie verschiedenen Charakter; die Energie atmende Sockelrahmung in Paulinzelle ist hier ganz kraftlos geworden, obwohl hier wie dort eine Schräge auf senkrechtem Ansatz rundbogig ohne Unterbrechung durch einen Kämpfer herumgeführt ist. In dem Bogenfeld des Querschiffportales ist der Sturz sichtbar, der wie in Paulinzelle den Eingang der ganzen Tiefe nach überdeckt; der Rest des Halbkreises ist durch zwei Quadern ausgefüllt. Eine sehr primitive Art, die noch an das Portal der Moritzbergkirche (S. 14) erinnert. Das Portal des nördlichen Seitenschiffes, sonst genau so, hat ein normales monolithes Tympanum.

 

Eine Datierung auf Grund der sehr verwickelten Baugeschichte zu geben, ist unmöglich. Die Portale werden gleichzeitig sein mit den Vierungspfeilern und den westlichen Pfeilern der Langhausarkaden, die sich an die Empore anlehnen, welche schöne Paulinzeller Profile zeigen. Bei der nach der Mitte des 13. Jahrhunderts vorgenommenen Einwölbung scheinen alle anderen Stützen ausgewechselt zu sein. Allein ihrer Erscheinung nach zu urteilen, könnten die Portale noch in der ersten Hälfte des Jahrhunderts entstanden sein.

 

Andererseits zeigt das Beispiel von Hamersleben, wie lange sich diese primitiven Formen unter Umständen halten. Hier steht das kleine Portal des südlichen

 

Zeitschrift für Geschichte der Architektur. Beiheft VI.

 

 

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184 Burkhard Meier. [26

 

Querschiffes noch auf der Stufe Paulinzelle-Frankenberg, abgesehen von dem reich dekorierten Tympanum. Auch nach Ausweis der Ornamentik (s. S. 68) im Inneren und der Doppelarkade, die in die Vorhalle führte und die Kenntnis der Paulinzeller Vorkirche verrät, ist der ganze Bau frühestens Ende des 12. Jahrhunderts entstanden. Hier kann man nicht von zurückgebliebenen Formen reden, es ist ein bewußtes Zurückgehen auf Paulinzelle, das eben immermehr in den Ruf eines schlechthin mustergültigen Baues kam. Das gibt zu denken auch bei der Datierung der Frankenberger Portale.

 

Frankenberger Kirche und Hamersleben sind die einzigen Beispiele des frühen Typus, die allein durch Paulinzelle erklärt werden können. Bei den folgenden Portalen spielt der Petersberg die ausschlaggebende Rolle.

 

Zum ersten Male ist der Einfluß des Petersberges in Amelunxborn festzustellen. Allerdings fehlt ein charakteristisches Motiv, die Verwertung des Sockels als Portalrahmen.

 

Das Hauptportal am nördlichen Seitenschiffe 1 tritt als rechteckiger Körper aus der Mauer heraus. Mit drei Rücksprüngen ist es etwas reicher als das Portal des Petersberges. Der äußere Pfosten gibt sich an der Frontseite als breiter Pilaster wie am Petersberge; diesem ähnlich sind Basis und Kämpfer, die sich ebenfalls an der Außenseite hinziehen. Sonst ist die Frontseite ganz glatt, es fehlt der Rahmen. Pfosten und Archivolten sind einfach kantig. Zwei dünne Wandsäulen neben dem Portal waren wohl für einen hölzernen Vorbau bestimmt. 2

 

Einfacher ist das Portal am südlichen Querschiff 3, es tritt rundbogig abgeschlossen aus der Wand heraus. Von Basis und Kämpfer gilt dasselbe wie am Hauptportal. Eine Art Rahmen ist vorhanden, außen sitzt zwischen Basis und Kämpfer eine Halbsäule, die sich über diesem als Halbrundstab fortsetzt.

 

Amelunxborn ist 1158 geweiht, gegen dieses Datum ergeben sich keine Widersprüche. Wir sehen also, daß im Beginn der zweiten Jahrhunderthälfte die nordthüringischen Formen sich noch nicht völlig durchgesetzt haben, daß ferner eingestellte Säulen noch nicht bekannt sind.

 

Amelunxborner Formen finden sich in dem von hier aus gegründeten Marienthal bei Helmstedt an dem Portal des südlichen Seitenschiffes. Von diesem Bau ist ein Weihedatum von 1146 bekannt. 4

 

Eine direkte Kopie des Petersberger Portales befindet sich in Lausigk (Tafel VII) 5, weitab im Südosten unseres Gebietes. Das Tympanum fehlt im heutigen Zustand. Die beiden aneinander geschobenen plumpen Viertelstäbe im Gewände erinnern an die Archivolten des Portales in Moosburg (s. S. 57), die Ornamentik, die den Kämpfer und Halbkreisrahmen bedeckt, findet sich ähnlich am Jakobsportal in Regensburg (s. S. 56). Der Rundbogenfries innerhalb des rechteckigen Rahmens findet sich an dem, allerdings späteren, Fürstenportal in Bamberg.

 

Also alle Formen, die sich am Petersberger Portal nicht finden, scheinen auf bayerisch-fränkischen Einfluß zurückzugehen, von dem noch ausführlich die Rede sein wird. Eine genauere Datierung dieses merkwürdigen Portales ist kaum möglich wegen seiner großen Roheit; wahrscheinlich ist es im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts entstanden.

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1 Inventar Braunschweig IV, Abb. 77. -- 2 A. a. O., S. 120 und 124. - 3 A. a. O., abgeb. vor S. 1,

4 Inventar Braunschweig I, S. 133. -- 5 Inventar Königreich Sachsen XV, S. 74.

 

 

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27] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 185

 

Noch ein zweites Mal lassen sich in Obersachsen direkte Beziehungen zur nordthüringischen Schule feststellen, am Portal der Kapelle auf Burg Mildenstein in Leisnig. 1 Auch hier kann man, wie in Lausigk, die Beobachtung machen, die auch sonst Ihre Berechtigung hat: „Je schlechter die Arbeit, desto absonderlicher die Form.“ Das Gewände hat zwei Rücksprünge, die Kanten der Pfosten sind abgeschrägt, und diese Schrägen sind mit einem Schachbrettmuster geschmückt. Ein Kämpfer fehlt, die attische Basis winkelt am Türpfosten um und wandert als innerer Rahmen um Tür und Tympanum, ein Motiv, das sich genau so am Westportal von Paulinzelle und ähnlich in Wunstorf (Siehe S. 28) findet. Darum ist eine Datierung in das 11. Jahrhundert, zu der Gurlitt neigt, nicht möglich. Das Portal wird gleichzeitig mit Lausigk sein.

 

Nach dieser geographischen Abschweifung kehren wir nach Niedersachsen zurück.

 

Zwei Bauten, bei denen der Einfluß des Petersberges besonders in der Außenarchitektur klar zutage tritt, sind S. Godehard zu Hildesheim und Münchenlohra (südlich Nordhausen), beide unter sich wieder zusammengehörig. 2 Man vergleiche die Gliederung der oberen Außenwand durch Halbsäulen und ihr Zusammenstoßen mit dem Rundbogenfries und dem Dachgesims.

 

Für S. Godehard ist die lange Bauzeit von 1133--1172 überliefert. Die Ornamentformen gehen zusammen mit dem Umbau von S. Michael in Hildesheim, der 1186 geweiht wurde, sie sind also frühestens am Ende der Bauzeit denkbar.

 

Die Kapitelle des Übergangsstiles in der Vierung und im Chor dürfen an dieser Datierung nicht irre machen. Sie rühren offenbar von einem Einbau her, zum Zwecke einer Überkuppelung der Vierung und Einwölbung des Ostbaues.

 

Am Hauptportal des nördlichen Seitenschiffes (Tafel VII) 3, bekannt durch das Stuckrelief im Tympanum, biegt der obere Teil des Mauersockels rechtwinklig um und geht als rahmender Pfosten bis zur Kämpferhöhe, hier zweigt von ihm ein senkrecht aufsteigendes Glied als rechteckiger Rahmen ab, während er selbst in fast unverminderter Stärke der Wölbung folgt. Dieser doppelte Rahmen erinnert lebhaft an den Petersberg; ein Unterschied besteht jedoch darin, daß der Kämpfer hier den Rahmen nicht unterbricht. Umgekehrt wie dort ist hier der größere Teil des Sockels zum Rahmen verwendet, der kleinere Teil als Gewändebasis. Das Portal besitzt nur einen Rücksprung, genauer gesagt ist es anstatt eines rechten Winkels eine Viertelkreiskehle, in die eine Säule hineingestellt ist. Dies findet sich nur noch einmal wieder, in Knobelsdorf (Königreich Sachsen). 4 Die Säule trägt in der Wölbung eine einfach rechteckige Archivolte. Die Herkunft der Säule ist dunkel, mit Paulinzelle hat sie nichts zu tun, sollte sie eine Erinnerung an Quedlinburg sein? Denn auch die Ornamentik am Kämpfer des Hildesheimer Portales hat große Ähnlichkeit mit den Palmetten-Lotos-Friesen an der Schloßkirche zu Quedlinburg, nur ist deren steife, etwas trockene Zeichnung in Hildesheim fließender und eleganter geworden. Alle Teile des Portales sind erneuert, frei hinzugefügt wahrscheinlich die fremdartigen Konsolen unter dem Tympanum. An dem sonst sehr ähnlichen Portal des nördlichen Querschiffes fehlen sie, ebenso die Säulen. Das Stuckrelief ist später angefügt, ursprünglich wird das Tympanum wie das des Querschiffportales (erneuert) ausgesehen haben: vertieftes Feld, von profiliertem Rahmen umsäumt. Alle Portale von S. Godehard besitzen einen durch das Tympanum der

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1 Inventar Königreich Sachsen XXV, Beilage 7 und S. 135. -- 2 s. S. 67.

3 Zeller, a. a. O., Tafel 37. -- 4 Inventar Königreich Sachsen XXV. Fig. 86.

 

 

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186 Burkhard Meier. [28

 

Schauseite verdeckten Sturz, auch hier setzt die Wölbung, wie in Paulinzelle, über dem Sturz als reiner Halbkreis an, so daß sie die tiefer ansetzende Archivolte über dem Tympanum überschneidet.

 

An S. Godehard scheint sich das Portal am südlichen Querschiff der Stiftskirche zu Wunstorf angeschlossen zu haben. Der Mauersockel enthält dieselben Glieder, die aber ganz anders für das Portal verwendet werden. Hier geht nur der obere Teil, kurze Schräge auf senkrechtem Ansatz, als rundbogiger Rahmen herum, der somit ebenso einfach ist. wie in Goslar und Hamersleben. Der reichere Teil dient dem Gewände als Basis. Deren Hauptglied, ein schwerer Wulst, eingefaßt von zwei Plättchen, winkelt innerhalb des Rücksprunges um und umrahmt Tür und Tympanum. Das findet sich ähnlich in Paulinzelle am Westportal, wo die attisch profilierte Basis ebenfalls umwinkelt und als innerer Rahmen dient.

 

Auf dem Scheitel des äußeren Rahmens setzt wie am Querschiffportale des Braunschweiger Domes eine Lisene an.

 

Diese verschiedenartigen Beziehungen entsprechen ganz dem Charakter der Ornamentik der Kirche, die sich aus Motiven von S. Godehard, S. Michael und Königslutter zusammensetzt.

 

Man sieht an dem Beispiel von Wunstorf, welche reiche Abwechslung sich durch ein varlierendes Spiel mit Sockel, Rahmen und Gewändebasis erzielen ließ.

 

Auch an dem romanischen Westbau der Andreaskirche zu Hildesheim, über deren Erbauung anscheinend keine Daten existieren 1, ist ein Portal des frühen Typus erhalten, sogar mit einer offenen Vorhalle verbunden, die unter dem Turm liegt und sich in drei durch schlanke Säulen geteilte Arkaden nach außen öffnet. Diese offene Turmhalle ist als ein Ersatz für die Vorkirchen anzusehen wie sie die Hirsauer Regel erfordert, und wie wir sie auch in Paulinzelle, Thalbürgel und Hamersleben finden. Sie erinnert in dieser Gestalt an elsässische Kirchen, in unserem Gebiet ist sie außer in Bücken bei Verden nicht anzutreffen.

 

Im Schatten dieser Vorhalle liegt das sehr einfache, jetzt demolierte Portal. Kämpfer, Türpfosten und Tympanum sind abgeschlagen, es steht nur noch das nackte Gerippe. Zwei gleichmäßige Rücksprünge; die innerste Archivolte ist anders wie in S. Godehard bis zur Innenwand durchgemauert. Der untere Teil des Vorhallensockels, Schräge auf senkrechtem Ansatz, verkröpft sich als Basis um das Gewände. Der obere Teil, kräftiger Wulst zwischen zwei Plättchen über einem senkrechten Stück, ist ohne Unterbrechung rundbogig herumgeleiert.

 

In der Klosterkirche zu Münchenlohra 2 gehört ein Portal am südlichen Querschiff in dieses Kapitel. Es ist erheblich ergänzt und erneuert; zwei einfache Rücksprünge; der Mauersockel, ein hohes glatt senkrechtes Glied, oben von einem kleinen Wulst begleitet, legt sich als breiter rechteckiger Rahmen um das Portal. Die Ähnlichkeit mit dem Petersberg ist hier, wenigstens was den Rahmen anbetrifft, nicht sehr deutlich, desto größer mit der Johanniskirche in Gmünd. Diese Ähnlichkeit läßt sich dadurch erklären, daß ab und zu neue Formen aus Schwaben importiert werden. Ich habe bei der Behandlung des Paulinzeller Portales gezeigt, daß derartiges sehr wohl

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1 Gerlands Datierung in das 10. Jahrhundert „Zeitschrift für bildende Kunst“ 1892, Spalte 298 und Zellers Datierung in das 11. Jahrhundert a. a. O., S. 43, bedürfen keiner Widerlegung.

2 Inventar Provinz Sachsen XII.

 

 

 

29] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 187

 

möglich war und durch Studienreisen der sächsischen Architekten nach Schwaben erklärt werden kann.

 

Die Baugeschichte von Münchenlohra ist noch nicht geklärt; was das Inventar sagt, ist keineswegs richtig. Das einheitliche, gewölbte Mittelschiff ist den Goslarer Bauten ähnlich und muß gegen die Mitte des 13. Jahrhunderts gesetzt werden. Ob der Ostbau noch Teile des 12. Jahrhunderts bewahrt, ist ungewiß. Die Ornamentik des Chores, der Vierung, des Langhauses und der Empore hat unterschiedslos Motive des 12. Jahrhunderts. Ausgesprochen 13. Jahrhundert sind einige Kapitelle unter der Empore.

 

Von Münchenlohra holen sich das Motiv des breiten Rahmens die hübschen, einander wie Zwillinge gleichenden Portale der Dorfkirchen zu Naundorf bei Reideburg (Tafel XVII) und Hayna 1, die aber abgesehen davon Formen des 13. Jahrhunderts zeigen.

 

Anders wird dieser breite rechteckige Rahmen bei einer Gruppe von Portalen behandelt, deren Vorbild das Portal am nördlichen Querschiff des Domes zu Braunschweig ist. Hier bildet er die Folie für den rundbogigen Rahmen, er ist ohne selbstständige Bedeutung. Auf seinem Grunde hebt sich das Portal besonders kräftig von der Wand ab.

 

Mit diesen Portalen beginnt der frühe Typus dem Fortschritt der Zeit Rechnung zu tragen. Er bereichert die kantigen Pfosten durch Eckrundstäbe, angeregt durch die Säulenportale der späteren Gruppe. Zumeist vermeidet er wirkliche, in die Rücksprünge eingestellte Säulen. Eine interessante Mischung beider Gruppen werden wir in einigen Braunschweiger Portalen kennen lernen, bei denen man durchaus im Zweifel sein kann, welcher Gruppe man sie zuteilen soll. Da sie die Anregungen der zweiten Gruppe in stärkstem Maße aufgenommen haben, werden sie bei dieser behandelt werden (s. S. 36).

 

Die späte Phase des frühen Typus beginnt ziemlich gleichzeitig mit dem Auftreten der Paulinzeller Säulenportale, ungefähr 1180. Das früheste Beispiel ist das oben erwähnte Portal am Dom zu Braunschweig (Tafel VII). Dieser wurde 1173 begonnen und in einem Zuge hochgeführt. Man wird nur selten einen Bau finden, der in allen Teilen ein derartig einheitliches Gepräge trägt. Es gehörten schon die Energie und die Hilfsmittel eines Heinrich des Löwen dazu, um einen solch raschen Baubetrieb zu ermöglichen. Nur das zweite Turmgeschoß scheint später zu sein.

 

Also das Ende der siebziger Jahre ist der späteste Termin für das Portal. Demgemäß ist die Abfasung der Kanten durch Rundstäbe noch verhältnismäßig einfach und gleicht mehr einer Abrundung der Ecken.

 

Wie eine spätere Zeit die Eckrundstäbe behandelt, läßt sich sehr deutlich am Turmportal der Martinikirche in Moringen 2 bei Einbeck erkennen. Hier hebt sich der Rundstab, auf jeder Seite von einer Kehle begleitet, kräftig aus dem Pfosten heraus ; er erhält fast die Bedeutung einer selbständigen Säule.

 

Hase (a. a. O.) hält das Portal für wesentlich früher als das Langhaus, das bereits ausgeprägt spitzbogige Arkaden besitzt. Es ist ihm aber gleichzeitig.

 

Je selbständiger sich ein Eckrundstab gebärdet, desto später ist er entstanden.

 

In Anlehnung an das Braunschweiger Portal ist das Querschiffportal der Klosterkirche zu Heiningen (Reg.-Bez. Hildesheim) 3 entstanden. Die Säule, die in den Rücksprung

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1 Inventar Provinz Sachsen XVI. 2 „Die mittelalterlichen Baudenkmale Niedersachsens“ III, 1883. 3 „Die mittelalterlichen Baudenkmale Niedersachsens» II, 1867.

 

 

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188 Burkhard Meier. [30

 

hineingestellt ist, deutet auf Kenntnis des Portales an S. Godehard in Hildesheim. Anstatt der rechteckigen Archivolte ist aber ein schwerer Rundstab angebracht, vielleicht unter westfälischem Einfluß, Tympanum und Türpfosten sind modern.

 

Auch im Innern der Kirche zeigt sich der Einfluß des Braunschweiger Domes. Außer Ilsenburg (später eingebaut) ist in Sachsen die gleiche Wölbung des Mittelschiffs nur hier angewendet: leicht spitzbogige Tonne mit steigenden Quertonnen. Die Chorbildung ist ähnlich Königslutter. Die Details sind paulinzellisch.

 

Dem Heininger Portal verwandt, aber wohl früher, ohne besondere Eigentümlichkeiten, ist das Portal am nördlichen Querschiff der Kirche in Fredelsloh (bei Einbeck) 1, das wiederum das Vorbild für Moringen gewesen ist.

 

An dem Braunschweiger Portal ist noch bemerkenswert, daß die Tür von einer Doppelkehle umsäumt wird, die auf dem Bogenfeld einen Kleeblattbogen bildet, das erste Vorkommen eines solchen in Sachsen.

 

Nachgeahmt ist dieses Motiv an dem Portal des nördlichen Querschiffes von S. Paul in Halberstadt, dem Profil nach bereits 13. Jahrhundert. Der Eckrundstab ist durch eine tiefe Schiffskehle ersetzt. Ein ähnliches Portal an S. Burchardi ebenda 2 hat noch ganz schüchterne Rundstäbe; es ist ausgesprochen 12. Jahrhundert. Beide Portale sind trotz Fehlens des rechteckigen Rahmens dem Braunschweiger Portale verwandt.

 

Eine empfindliche Lücke in unserer Darstellung bedeutet die Zerstörung des großen Portales am nördlichen Seitenschiffe des Braunschweiger Domes. Es muß stark die Erscheinung des Außenbaues beeinflußt haben, dies sieht man noch daran, daß die Arkaden des Mittelschiffes in der Achse des Portales höher sind und die Fenster über ihnen kleiner.

 

Am Ende dieser Reihe steht das Hauptportal am nördlichen Seitenschiff der Neuwerkskirche in Goslar (Tafel VII). Der rechteckige Rahmen ist nur noch in ganz flachem Relief vorhanden. Dagegen ist eine Überfülle von Profilen über alle Glieder ausgestreut. Der reich gegliederte Sockel umzieht mit drei Wulsten als rundbogiger Rahmen das Portal. Die Pfosten der beiden Rücksprünge sind durch schwerfällige Schiffskehlen und frei herausgearbeitete. Rundstäbe abgefaßt. Die Archivolten setzen über einer ornamentierten Kämpferschräge auf und wiederholen auf das genaueste die Gliederung des Gewändes.

 

Türpfosten und Tympanum sind modern. 3

 

Das Portal, fest verwachsen mit dem Langhaus, teilt auch das Schicksal seiner späten Datierung. Das Langhaus ist im Gegensatz zum Ostbau einheitlich mit den Gewölben 4; für diese ist der Terminus post der Bischofsgang des Magdeburger Domes, denn hier wie dort liegen die Kämpfer der Schild- und Gurtbögen mit denen der Diagonalrippen nicht in gleicher Höhe.

 

Ich setze also das Portal mit dem Langhaus in das Ende der dreißiger Jahre des 13. Jahrhunderts.

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1 Aufnahme der Meßbildanstalt. Die Kirche soll 1172 vollendet worden sein. Siehe „Die mittelalterlichen Baudenkmale Niedersachsens“ I, 1861, --- 2 Inventar Provinz Sachsen XXIII, Fig. 190.

3 Abbildung vor der Restauration im Inventar Hannover II, 1 und 2, S. 101.

4 Zuerst ausgesprochen von Köhler, „Kunstgeschichtliche Anzeigen“ 1906, S. 104.

 

 

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31] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 189

 

Die Ornamentik der Kämpfer, analog der des Inneren, zeigt, wie lange sich an Orten, die fernab von den Zentren der Kunstentwicklung liegen, manche Formen halten.

 

Die Neigung zu reicher Profilierung des Gewändes findet sich besonders häufig am Nordrand des Harzes, eine spielerische, die Würde des Portales nicht gerade betonende Manier. In Goslar selbst ist diese Profilsucht noch am Portal des nördlichen Seitenschiffes der Marktkirche und an dem Portal in der Domvorhalle 1 zu konstatieren. Dieses hat als einziges Portal in Goslar eine gewisse monumentale Gestaltung erfahren, so daß es weiter unten noch einmal erwähnt werden muß; trotzdem aber kennzeichnet es sich als echt Goslarer Schöpfung durch eben diese Häufung der Profile. Ferner scheint bezeichnend für die Goslarer Formengebung die Flachheit der Profile, besonders an Sockeln, Basen und Kämpfern; bei attischen Profilen ist der untere Wulst kaum stärker als der obere. Man könnte von Schlaffheit und Mattigkeit reden, wie schon bei der Frankenberger Kirche.

 

Die Goslarer Kunst zeigt in eminenter Weise kleinbürgerlichen Charakter, der im einzelnen oft nicht ohne Reiz ist.

 

Eine Spur dieses Geistes entdeckt man versprengt in Hillersleben (nördlich Magdeburg). Hier ist ein kleines Portal erhalten (Tafel VIII), das vom Kreuzgang in das südliche Querschiff führte und jetzt in eine Sakristei verbaut ist. Es bringt ein neues Motiv, das wir weiter unten noch einmal in Thalbürgel wiederfinden werden. Der rechteckige Rahmen entwickelt sich hier nicht aus dem Mauersockel, sondern sozusagen aus dem Portal selbst heraus, indem nämlich die Gewändebasis an der Front zum Rahmen umwinkelt. So erhält das Portal den Charakter großer Geschlossenheit. Das Gewände ist zweimal kurz abgestuft, die Kanten mit Rundstäben besetzt, die ohne Unterbrechung herumlaufen, da ein Kämpfer fehlt. Das Gewände erinnert so an das Braunschweiger Portal, die zahlreichen flachen Profilglieder an Goslar. In seinen Beziehungen zur westlichen Hälfte steht Hillersleben in seiner Gegend ziemlich allein.

 

Feste Daten sind für Hillersleben nicht vorhanden. Chor und Querschiff, die Ähnlichkeit mit dem Braunschweiger Dom zeigen, sind wohl noch im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts entstanden, Langhaus, Westbau und Kreuzgang folgten erst 100 Jahre später. Das Portal scheint später als der Ostbau zu sein, die Klarheit der Einzelteile dort ist einer unruhigen Überfülle gewichen. Ausschlaggebend ist aber die Art der Eckrundstäbe, worüber bereits Seite 29 gesprochen wurde.

 

Im Ostbau sind die Eckrundstäbe auf jeder Seite von einem feinen Plättchen begleitet, so daß zwei Rillen entstehen (zwischen Pfeiler und Plättchen und zwischen Plättchen und Rundstab). Im Laufe der Entwicklung fällt das Plättchen fort, und der Rundstab arbeitet sich immermehr in den Pfeilerkern hinein, er wird aus einem Viertelstab ein Halbrundstab, ein Dreiviertelstab.

 

Am Portal nun ist die Entwicklung schon ziemlich weit vorgeschritten, es wird deshalb schon in das 13. Jahrhundert gesetzt werden müssen.

 

Man kann diese Betrachtung über die Eckrundstäbe mit Erfolg anwenden bei einer Vergleichung der Ostteile von Neuwerk mit dem Langhaus oder der südlichen Arkadenreihe in Hecklingen mit der nördlichen.

 

Im östlichen Teile Sachsens zeigen noch vereinzelte Beispiele anstatt eingestellter

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1Inventar Hannover II, 1 und 2, Fig. 51.

 

 

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190 Burkhard Meier. [32

 

Säulen profilierte Pfosten, z. B. Geithain (Königreich Sachsen) noch 12. Jahrhundert. 1 Ein Beispiel für das vorgeschrittene 13. Jahrhundert ist ein in der Residenz zu Halle a. S. vermauertes Portal. 2 Hier gleichen die Eckrundstäbe schon eingestellten Säulen. Es ist ausgezeichnet durch sorgfältige Arbeit.

 

Im übrigen sind diese Portale dem beschriebenen Formenkreise schon entrückt.

 

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Seite 25 und 29 wurden bereits allgemeine Bemerkungen über den sogenannten frühen Typus gemacht, auf die ich mich hier am Schluß dieses Abschnittes beziehen kann.

 

Mit wenigen und sehr bescheidenen architektonischen Formen wurde eine Fülle verschiedener Gebilde geschaffen, es lohnte sich, diesen Variationen nachzugehen. Immerhin muß betont werden, daß die Erfindung des Petersberger Portales nicht überholt worden ist. Trotz allerlei neuer Motive im Detail ist die Architektonik des Portales nicht bereichert worden.

 

Es ließen sich unterscheiden, die Portale mit kantigen Pfosten und die mit abgefasten Pfosten, was in der Regel durch Ecksäulchen geschah. Jene entstanden rund zwischen 1150 und 1180, diese herrschten von 1180 ab bis weit in das 13. Jahrhundert hinein. Ich vermutete, daß die Ecksäulchen einen Ersatz für die in die Rücksprünge eingestellten Säulen bilden sollten und somit unter dem Einfluß der Paulinzeller Säulenportale aufkamen. Ausnahmen bilden S. Godehard, Heiningen und Fredelsloh, die selbständige Säulen besitzen. Die Säulen bei S. Godehard wurden mit Quedlinburg in Beziehung gesetzt, die Rundstabarchivolten der beiden andern Portale können durch westfälische Beziehungen erklärt werden (s. Seite 44).

 

Der Petersberg war für diese Gruppe wichtiger als Paulinzelle. Während wir den frühen Typus nur selten im östlichen Teile fanden, werden wir den späteren Typus, die ausgebildeten Säulenportale, überhaupt nicht im westlichen Teile finden.

 

 

B. Die jüngere Gruppe.

 

Das Säulenportal von Paulinzelle, welches in einem früheren Abschnitt eingehend besprochen wurde, hat einen großen Einfluß ausgeübt, und gerade die Eigentümlichkeiten, die es von den bayrischen und rheinisch-westfälischen Portalen unterscheiden, dagegen mit der oberrheinischen Gruppe in Beziehung bringen, haben sich auf seine Nachkommen vererbt und halten sich mit Zähigkeit weit in das 13. Jahrhundert hinein.

 

Zwei Portale, die wegen ihrer in gewisser Hinsicht primitiven Formen an die Spitze dieser Reihe gestellt werden müssen, sind die Westportale der Klosterkirche zu Marienthal bei Helmstedt und der Liebfrauenkirche zu Magdeburg. Bei jenem sind alle Säulen mit ihren Kapitellen und das Tympanum neu, nur einige Basen alt, bei diesem ist überhaupt nur ein geringer Rest in einer Säule und dem Ansatz des zweiten Rücksprunges erhalten, alles andere weggebrochen. Immerhin, soviel läßt sich noch feststellen: die Säulen -- in Marienthal sind es drei Paare, in Magdeburg werden es ebensoviele gewesen sein -- stehen frei in den Rücksprüngen, ihre Kämpfer

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1 Inventar Königreich Sachsen XV.

2 Publiziert vom Kunstgewerbeverein Halle a. S., „Ältere Denkmäler der Baukunst etc. in Halle a. S.“ Heft 1, 1895. Es stammt wahrscheinlich aus Kloster Neuwerk bei Halle.

 

 

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33] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 191

 

füllen diese ganz aus, die Säulen in Magdeburg sind schlank und haben echt Paulinzeller Würfelkapitelle mit dreifach umrandeten Schild; bei beiden Portalen sind die Archivolten -- darin zeigt sich ihre Primitivität und ein Unterschied gegen Paulinzelle -- einfach rechteckig und kantig. In Marienthal sind sie eher die Fortsetzung der Pfosten als der Säulen, soweit springen sie zurück; die Säulen haben hier also gar keine Funktion. Der Kämpfer greift ähnlich Paulinzelle auf den äußeren Rahmen über. Die Westfassade, mithin auch das Portal, ist der Kirche von Marienthal später vorgeblendet. 1 Die Einfachheit des Langhauges ist aufgegeben, Lisenen und Rundbogenfries beleben die Mauerfläche, der Sockel ist reicher gestaltet, ähnlich S. Godehard, und ahmt die Pfeilersockel des Langhauses nach.

 

Das Portal ist eine frühe, teils nicht verstandene, teils vereinfachte Nachahmung von Paulinzelle.

 

Das Portal der Liebfrauenkirche hat nichts mehr mit den Bauteilen zu tun, die bei dem Tode Erzbischof Norberts 1134 vollendet waren. Wahrscheinlich fällt es mit der Bauperiode zusammen, in der die Säulen im Langhaus durch Pfeiler mit Ecksäulchen wie am Braunschweiger Dom ersetzt wurden, was im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts geschah.

 

Später als diese beiden entstand das Westportal der Kirche in Thalbürgel (Tafel IX), das fast eine Kopie nach Paulinzelle zu nennen ist. Die Zahl der Rücksprünge, die Profilierung der Archivolten, getrennte Basis für Gewände und Säulen, äußerer und innerer Rahmen, Verkröpfen des Kämpfers um dieselben, alles genau dasselbe. Nur ist in Thalbürgel alles festgefügt, die Säulenbasen stehen auf einem aus dem Gewände hervortretenden Sockel, als Zeichen einheitlicher Entstehung. Die Formen sind gedrungener, der Kämpfer überklettert nicht die Rahmen, sondern unterbricht sie. Während in Paulinzelle die Basis zwar umwinkelnd den inneren Rahmen bildet, den äußeren aber überschneidet, gehen hier beide Rahmen unmittelbar aus der Basis hervor.

 

Die Säulen samt den Kapitellen sind erneuert, zwei Originalsäulen stehen im römischen Hause im Weimarer Schloßpark. 2

 

Holtmeyers Ansicht 2, daß das Portal später in die Vorhalle (Tafel IX, Grundriß Tafel XXI) eingebaut sei, ist irrig. Die Arkatur der Vorhalle nimmt durchaus Rücksicht auf die Portalnische, genau wie in Paulinzelle. Eher noch könnte das Portal vor der Vorhalle entstanden sein.

 

Deren Arkatur ist einerseits bedingt durch die Wölbung ihrer Seitenschiffe -- das Mittelschiff scheint flach gedeckt gewesen zu sein --, andererseits durch das in das Mittelschiff (der Vorhalle) weit hineinragende Portal. Die in zwei quadratischen Jochen gewölbten Seitenschiffe bedingten den starken mittleren Pfeiler, dem nach Westen als Zwischenstütze eine Säule folgt; nach Osten hin war dies nicht möglich, da hier das Portal hindernd in den Weg trat, so daß die durch den Stützenwechsel erforderliche Säule einem Wandpfeiler weichen mußte. Im Mittelschiff wirken die Arkaden sehr unglücklich, erst im Seitenschiff versteht man ihre Anlage. Abgesehen davon, daß der Portalkörper mit dem begrenzenden Mauerwerk der Vorhalle bündig ist, müßte eine derartige Überlegung Holtmeyer vor seiner Ansicht bewahrt haben.

 

Außerordentlich wichtig ist nun, daß das auf dem Tympanum gegebene Datum

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1 Inventar Braunschweig I, S. 133. -- 2 Inventar Sachsen-Weimar II, S. 214.

3 A. a. O., S. 181, Anm. 162.

 

Zeitschrift für Geschichte der Architektur. Beiheft VI.

 

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192 Burkhard Meier. [34

 

1199 auch auf die ganze Vorhalle bezogen werden muß. Es gibt in der romanischen Baukunst unserer Gegend kein Werk, das zeitlich so unverrückbar festgelegt wäre. Da die Kapitelle ornamentiert sind, ist das auch für die Datierung der Ornamentik wichtig.

 

Das Jahr 1174, welches man als den Baubeginn ansieht, ist vielleicht auf den Ostbau zu beziehen. Von diesem ist nur eine Doppelarkade erhalten, die den Zugang vom Querschiff in den nördlichen Ostturm bildete. Sie zeigt einen der Vorhalle verwandten Charakter. Anschließend an den Ostbau ging man zum Bau der Vorhalle über, die offenbar nötiger war als das Langhaus. Denn dieses fällt bereits ganz in das 13. Jahrhundert. Hier zeigt sich wieder, was ich von der Entwicklung der Ecksäulchen sagte. In der Vorhalle sind sie von Plättchen begleitet, im Langhaus gleichen sie selbständigen Säulchen, die in einen Rücksprung eingestellt sind. In Wahrheit sind sie aber aus dem Pfeilerkern herausgearbeitet.

 

Wichtiger als Thalbürgel ist Königslutter. Die beiden Portale (Tafel IX) sind getreue Nachbildungen aus dem Jahre 1835. Das am nördlichen Querschiff hat noch direkte Beziehungen zu Paulinzelle. Der obere Teil des Mauersockels, attisches Profil auf senkrechtem Ansatz, geht als Rahmen rundbogig um das Portal herum. Der Kämpfer verkröpft sich um ihn; er unterbricht ihn nicht, wie in Thalbürgel, er überklettert ihn nicht, wie in Paulinzelle, sondern schmiegt sich eng an sein Profil an, so daß sich im Kämpfer das Rahmenprofil deutlich widerspiegelt. Genau so ist es in Maulbronn (Taf. V).

 

Die Säulen, hier nur 3 Paare, stehen frei in den regelmäßigen Rücksprüngen, die der Kämpfer ganz ausfüllt. Die Archivolten sind eine freie Umbildung der Paulinzeller; in der Grundform rechteckig, haben sie durch Wulste und Kehlen eine reichere Gestaltung erfahren.

 

Unterschiede gegen Paulinzelle zeigen sich besonders darin, daß das Gewände keine Basis bat, daß ferner der Türpfosten nicht einen besonderen Rücksprung bildet, sondern durch Verlängerung des inneren Gewändepfostens gebildet wird. Die Kapitelle wandeln eigene Bahnen, sie sind von dem italienisch geschulten „Meister von Königslutter“. 2

 

Ein schöpferisches Werk ist diesem Meister in dem Portal des nördlichen Seitenschiffes gelungen. Weder in Deutschland noch selbst in Italien läßt sich ein Vorbild nennen.

 

Der ganze Portalbau ist um ein Drittel breiter als der am Querschiff; da die Wand hier noch nicht einmal so stark ist wie dort und sie auch für das Portal nicht künstlich verstärkt wurde, breitet sich dieses flach der Wand entlang aus, es entsteht keine plastische Tiefenwirkung wie dort. Das Gewände sehr einfach, selbständige Türpfosten, die ein modernes Tympanum tragen, dann 2 flache, aber breite Gewändepfosten, so daß die Abtreppung der Tiefe nach sehr gering ist; das äußere Pfostenpaar hat die Flucht der Außenwand erreicht, vor ihnen stehen frei 2 Säulen, die auf Löwen ruhen, welche sich lang an der Wand ausstrecken. 3 Der Mauersockel muß ihretwegen haltmachen, dicht hinter ihnen biegt er rechtwinklig um, erklimmt, erst senkrecht aufsteigend, dann in einer kurzen Viertelkreisbewegung, die Höhe der Säulen und schwingt sich von diesen ab als weiter Halbkreis um die Portalwölbung. So entsteht ein unreiner Kleeblattbogen.

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1 Inventar Braunschweig I, S. 212. -- 2 P. J. Meier, „Kunstchronik“, N. F. XII, Sp. 97.

3 Die Originale im Inneren.

 

 

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35] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 193

 

Die Portallöwen sind dem Oberitaliener etwas sehr Geläufiges; während sich aber dort ein baldachinartiger Vorbau über ihnen erhebt, hat sich der Deutsche, -- und als solchen müssen wir diesen Meister doch wohl ansehen --, dazu nicht entschließen können. Da er die Löwen zwar als außerordentlich wirksam empfindet, aber den Zweck der Schatten spendenden Baldachine am Ort nicht einsieht, projiziert er den Baldachin einfach flach auf die Wand. Den Reiz der oberitalienischen Portalvorbauten hat er auf diese Weise nicht annähernd erreicht.

 

An wenigen zerstreuten Punkten in Deutschland spürt man leise Wirkungen dieser eleganten, oft in mehreren Stockwerken aufsteigenden Portalvorbauten. Das einzige Beispiel mit mehreren Stockwerken findet sich in Billerbeck (Tafel X) bei Münster in Westfalen, dem Lande, das durch seine absonderlichen Beziehungen zum Ausland so vielfach in Erstaunen setzt. Hier tritt das Nordportal ein Stück aus der Wand beraus, auf ihm erhebt sich über einem Gesims ein hoher Aufbau, von breiten Lisenen eingefaßt. Dieser endigt in einem Giebel, dessen Spitze das Dachgesims des Mittelschiffes erreicht ; unten erhält er ein rheinisches Fünfpaßfenster, darüber eine große Rose.

 

Der offene italienische Vorbau ist hier nordischen Bedingungen entsprechend geschlossen. Das Südportal in Billerbeck wiederholt ihn in verkleinertem Maßstab.

 

Einen einstöckigen Baldachin trifft man unerwarteter Weise in dem entlegenen Moosbach (Kreis Waldbroel). 1 Dieser mutet besonders italienisch an, da er auf freistehenden Säulen ruht, die allerdings recht verkümmert sind, da sie erst über einer ziemlich hohen Brüstungsmauer beginnen.

 

Bei den beiden Ostportalen des Domes zu Mainz muß man ebenfalls eine bestimmte Erinnerung an oberitalienische Baldachine annehmen. Diese sind hier ganz zum Relief geworden, die freistehende Säule zur Wandhalbsäule, die Tonne, welche auf ihnen ruhte, zur Archivolte.

 

Dieser Prozeß ist auch in Italien selbst vor sich gegangen, eine Zwischenstufe ist in Genua 2, vollendet ist er in Vezzolano. 3 Infolgedessen hat dieses Portal große Ähnlichkeit mit Mainz.

 

Die zeitliche Ansetzung der Werke dieses „Meisters von Königslutter“ ist im Inventar ausführlich und überzeugend erfolgt. Er beginnt seine Tätigkeit mit dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts und krönt sie mit dem Kreuzgang, der ca. 1200 vollendet sein wird. Demnach fallen beide Portale in diese Zeit.

 

P. J. Meier 4 hält aber, von historischen Überlegungen ausgehend, das Langhaus für früher als die Ostteile, er glaubt, daß es gleich nach der Gründung 1135 begonnen und vor der Mitte des Jahrhunderts vollendet wurde. Deshalb hält er das Löwenportal für einen späteren Einbau.

 

Das Innere des Langhauses, in den Proportionen von Paulinzelle beeinflußt, bietet zur stilistischen Untersuchung nur Kämpfer- und Basenprofile, mit denen allein zu operieren eine mißliche Sache ist. Wichtiger ist die einheitliche Gestalt des Außenbaues, Sockel und Rundbogenfries sind in allen Teilen gleich. Auch am Löwenportal ist kein zwingender Beweis für den späteren Einbau zu entdecken.

 

Am Vierungspfeiler setzt die Langhauswand breiter an, als sie fortgeführt wird, insbesondere der Anfänger des Arkadenbogens ist breiter als der übrige Teil des Bogens. Wahrscheinlich hat man die Anlage des Langhauses zur Wölbung zwar geplant, aber nicht zur Ausführung gebracht; möglich ist aber auch, daß nur die erste Arkade stärker sein sollte, der nach Hirsauer Art geplanten Türme wegen (zwischen Langhaus und Querschiff).

 

Ich glaube, daß das Langhaus in Fortsetzung des Ostbaues gebaut wurde, daß also das Löwenportal einheitlich mit der Seitenschiffmauer errichtet wurde.

 

Eine kümmerliche Nachfolge hat das Löwenportal einzig in dem schon erwähnten

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1 Inventar Rheinlande V, Heft 1, Fig. 42. -- 2 Venturi „Storia etc.“ III, S. 92.

3 Venturi III, S. 83. -- 4 Inventar Braunschweig I, S. 216 f.

 

 

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194 Burkhard Meier. [36

 

(S. 31) Portal der Domvorhalle in Goslar (Grundriß Tafel XXI) gefunden. Hier ist das Motiv der frei vor die Wand gestellten Säulen und des Kleeblattbogens wiederholt.

 

Es hat nicht den Anschein, als ob das Portal einheitlich mit der Vorhalle gebaut sei. Man kann sich aber einen späteren Einbau schwer vorstellen. Der Meister der Vorhalle war ein anderer wie der des Portals. Sie arbeiteten ihre Pläne nicht gemeinschaftlich, der Meister des Portales war gezwungen, seine Idee einem Kompromiß zu unterwerfen. Das Motiv des Kleeblattbogens ist dem Portal aufgezwungen, die seitlichen Arme sind nur Stümpfe, die in die Vorhallenpfeiler eingelassen sind. Der Kleeblattbogen mußte sich der gegebenen Breite des Mittelschiffes der Vorhalle fügen.

 

Die Profile an Basen und Kämpfern sind andere am Portal, andere in der Vorhalle. Die Ecksäulchen am Portal haben eine spätere Form als in der Vorhalle. Die sehr frei behandelte, von Königslutter abhängige Ornamentik des Portales findet sich nicht in der Vorhalle, deren Kämpfer trockene, spezifisch goslarische Ornamentik zeigt.

 

Ein Bogenfeld fehlt, die Tür war rundbogig geschlossen, eine seltene Erscheinung.

 

Die Vorhalle zeigt einen Thalbürgel verwandten Grundriß. Sie wird im Beginn des 13. Jahrhunderts entstanden sein.

 

Glaubten wir bei dem Querschiffportal von Königslutter noch an direkte Beziehungen zu Paulinzelle, so ist dies bei dem Goslarer und allen folgenden nicht mehr nötig. Die Paulinzeller Formen wurden sehr rasch Allgemeingut.

 

Das Portal am nördlichen Querschiff der Bartholomäuskirche zu Zerbst 1 verdient noch eine Ausnahmestellung, da es vier Säulenpaare im Gewände hatte wie Paulinzelle und Thalbürgel. Die schlanken Säulen und die Archivolten zeigen die übliche Form. Neu ist, daß der Kämpfer sich nicht auch um die Türpfosten verkröpft, an seine Stelle tritt eine Konsole, die unter das Tympanum greift. Ein in gewohnter Weise vorspringender Rahmen fehlt, der äußere Pfosten liegt in der Flucht der Außenwand. Erst in Kämpferhöhe springt mit einem Viertelkreis ein Rahmen heraus, der dann die Wölbung umzieht. Eine Doppelkehle zieht sich die äußeren Pfosten hinauf und setzt sich über den Rahmen hinweg fort.

 

Eine reizvolle und graziöse Ornamentik belebt Kämpfer und Kapitelle. Sie bildet mit dem Kreuzgang des Magdeburger Domes, mit Hecklingen und Jerichow eine besondere Gruppe, die ihre Motive zumeist aus Königslutter bezieht, aber auch italienische, die nicht dort vorkommen, wie besonders die palmettenartig geformte Muschel verwendet.

 

Der hinter der Tür liegende Teil des Einganges ist durch einen Stichbogen überwölbt, eine Konstruktion, die einige Male an Portalen des 13. Jahrhunderts vorkommt.

 

Kurz erwähnt werden mögen einige kleine Portale zu Aken a. E. und Groß-Ammensleben (nördl. Magdeburg). Sie sind einmal abgetreppt, haben eine eingestellte Säule und suchen den Eindruck zu bereichern, indem sie die Pfosten mit Ecksäulen schmücken. Dagegen sind ihre Wölbbogen einfach rechteckig. Ammensleben steht der Ornamentik nach auf der Stufe des Magdeburger Domkreuzganges. Aken hat bereits ausgesprochen rheinische Stengelblätter.

 

Wie Zerbst im kleinen Maßstabe mit dem Portal von Paulinzelle zu wetteifern suchte durch vier Säulenpaare, so in großem einige Portale in Braunschweig. Es wurde bereits (S. 29) auf ihre Sonderstellung hingewiesen.

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1 Inventar Anhalt, Fig. 306. Vier Säulen sind verschwunden und durch häßliche Ziegelstützen ersetzt.

 

 

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37] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 195

 

Es handelt sich in erster Linie um die Westportale von S. Martini (Tafel X) und S. Katharinen (Tafel XX). Beide sind einander sehr ähnlich und können in der Hauptsache zusammen besprochen werden. In der Rahmung durch einen schwächlichen Sockel und in der Wölbung bieten sie nichts Besonderes. Aber eine Besprechung verlangen die Gewändesäulen. Sie treten mit dem Anspruch auf, als selbständige Säulen nach Paulinzeller Art zu gelten. Das sind sie aber keineswegs, sondern allerdings ganz ungewöhnlich kräftig entwickelte Ecksäulen. Bei den äußersten Säulen ist dies am deutlichsten: es sind Dreiviertelsäulen, bündig gemauert mit den Pfosten. An S. Martini ist auch das dritte Paar aufgemauert, alle anderen Säulen sind monolith. Aber auch bei ihnen ist derselbe Eindruck vorhanden, daß sie aus den Pfosten herausgearbeitet, nicht aber hineingestellt sind; sie sind von ihnen umklammert. Braunschweig liegt gerade in der Mitte zwischen der Einflußsphäre des frühen Typus und des späteren Typus. Die Ecksäule an den Pfosten dort und die in die Rücksprünge eingestellte Säule hier vermischen sich zu monolithen Ecksäulen in der Stärke von freien Säulen. In dieser Beleuchtung erscheinen die beiden Portale von besonderem Interesse.

 

Die Kapitelle an S. Martini zeigen Königsluttersche Ornamentik in sehr verflachter Form. Die Wölbung hat eine geringe Neigung zum Spitzbogen, die mit einem Karniesprofil abgefasten Archivolten besitzen in ihren Anfängersteinen kleine Pyramiden, deren Spitze mit einem Knauf versehen ist und deren Seiten leicht geschwungen sind; sie stehen in der Kehle des Karnieses. Verfasser kann sie nicht anders erklären, wie als mißverstandene und verkümmerte Knollenblätter, wie sie sich an gleicher Stelle an dem großen Portal in Paderborn und z. B. in Noyon finden. Immerhin erheben sich schwere Bedenken gegen eine derartige Ableitung, da dadurch das Portal in ungewöhnlich späte Zeit rücken würde. Aber vor den zwanziger Jahren braucht es so wie so nicht entstanden zu sein.

 

Man muß überhaupt damit rechnen, daß unter gewissen Bedingungen die Formensprache sehr konservativ bleibt. Das läßt sich an der Neuwerkskirche in Goslar, und, wie wir noch sehen werden, in Wechselburg erweisen. Es ergeben sich da Differenzen bis zu 30 und 40 Jahren. Pfarrkirchen zumal pflegen nicht an der Spitze der Entwicklung zu marschieren.

 

Es ist noch weniges in der Beschreibung des Martinikirchenportals nachzutragen. Der Kämpfer läßt den Türpfosten frei, aber auch sein Ersatz durch Konsolen wie in Zerbst und Hecklingen fehlt. Pfosten und Tympanum sind zwar neu, aber analog der Katharinenkirche zu denken.

 

An S. Katharinen zeigen die Kapitelle bereits die Kenntnis des Chorumganges im Magdeburger Dom; es sind gedrungene Kelchblockformen mit frei gearbeiteten Ranken. Das Tympanum kopiert ein Tympanum ebendort (s. S. 68). Hiernach muß die Datierung bestimmt werden. Vielleicht ist der Unterbau der Westfront nicht sehr viel früher als der Oberbau, der im Beginn der zweiten Jahrhunderthälfte in den Formen des Halberstädter Übergangsstiles fortgeführt wurde. 1

 

Die Archivolten dieses Portales sind abweichend von dem Westportal an S. Martini, aber sehr ähnlich denen des Südportales an S. Martini, welches bei dem Hallenumbau in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts versetzt und stark verändert wurde.

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1 P. J. Meier, „Die Baudenkmäler der Stadt Braunschweig“ 1906.

 

 

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196 Burkhard Meier. [38

 

Die Profilierung der Archivolten beginnt hier nicht unmittelbar über dem Kämpfer, der Anfang ist mit Akanthusblattwerk verziert, wie in Wechselburg.

 

Beim Umbau trat an die Stelle des Tympanums ein offener Fünfpaßbogen, bestehend aus drei größeren und zwei kleineren Pässen; er ähnelt der Nische im südlichen Querschiff des Magdeburger Domes.

 

Wie dieser Braunschweiger Typus für bescheidene Bedürfnisse umgebildet wird, zeigt die Dorfkirche von Melverode. 1 Hier sitzt an der Südseite des Turmes ein kleines Portal, dessen Wölbung leicht zugespitzt ist, deren Säulen wieder bescheidene Ecksäulen geworden sind.

 

Eine Sondergruppe wird von einer Reihe kleinerer Bauten in der Umgegend von Halle a. S. gebildet. Neben Beziehungen zu Paulinzelle, Königslutter und Hildesheim haben sie sich einen ausgeprägt eigenen Charakter gebildet. Es gehören dazu der Petersberg bei Halle, die Schloßkapelle zu Landsberg, die Neumarktskirche zu Merseburg, was das Portal anbetrifft, auch Hecklingen. Von hier aus gehen Einflüsse nach dem Königreich Sachsen, in erster Linie nach Wechselburg.

 

Am weitesten westlich gelegen, läßt sich das Portal am nördlichen Seitenschiff der Kirche in Hecklingen 2 (Tafel X) an Königslutter anschließen. Für die Größe der Kirche ist es verhältnismäßig bescheiden, denn es hat nur zwei Rücksprünge, das innere Pfostenpaar versieht zugleich den Dienst als Türpfosten; an Stelle des Kämpfers tragen sie wie in Zerbst Konsolen. Hier sind bereits zwei Motive besonders betont, die ein Charakteristikum der ganzen Gruppe wurden; der durch Königslutter eingeführte oder vielmehr wiederbelebte Perlstab und die schwerfälligen Schiffskehlen in den Archivolten, die sich in etwas zarterer Form auch außen am Chor von Königslutter finden. Sie sind verschieden profiliert: Kehle und Wulst, getrennt durch Plättchen; kleiner und großer Wulst; zwei Kehlen. In Hecklingen laufen diese Glieder in Hörner aus wie in Königslutter; im allgemeinen sind es reine Schiffskehlen.

 

Beides finden wir wieder am Portal des nördlichen Querschiffes der Kirche auf dem Petersberg b. H. 3 (Tafel X). Der Perlstab umsäumt hier die rechteckige Türöffnung, ein antik anmutendes, sehr reizvolles Motiv. Absonderlich ist das Gewände: zwei Rücksprünge, aber der Pfosten dazwischen ist durch eine freigearbeitete Säule ersetzt, so daß drei -- sehr stämmige -- Säulen auf einem Haufen steben. Die Pfostensäule sieht man überdies kaum.

 

Das Portal ist stark restauriert, aber von Quast, der alle Fundstücke gewissenhaft verarbeitet hat.

 

Über den Bau dieser Kirche sind eine auffallend große Zahl von Daten vorhanden; wenn es gelingt, diese Daten nach den sehr unklaren Angaben des Chronisten auf die richtigen Teile des Baues zu beziehen, kann man so gut wie nirgends sonst eine Baugeschichte mit festen Zahlen fixieren. Bisher ist das noch nicht versucht.

 

Für das Portal paßt ausgezeichnet das Weihedatum 1184, das auch sonst auf das Querschiff bezogen wird.

 

An dem kleinen Portal der Wiedenkirche in Weida (Sachsen-Weimar) kann man erkennen, wie weit sich die Formen des Petersberges verbreiteten. Das Bogenfeld fehlt hier.

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1 Inventar Braunschweig II, Abbildung S. 102.

2 Eine Monographie über diesen Bau wird demnächst eine Hallische Dissertation von Max Ohle bringen. -- 3 Inventar Provinz Sachsen, Neue Folge, I.

 

 

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39] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 197

 

Reicher gestaltet, vom Petersberg abhängig, ist das Portal der Neumarktskirche in Merseburg 1, jetzt an das Querschiff versetzt. Es hat drei Säulenpaare; eine Schiffskehle in der Wölbung ist mit dem Kugelfries ausgesetzt. Dieser befindet sich auch an dem Dachgesims der Nebenapsis auf dem Petersberge b. H., wohin er wahrscheinlich von der nämlichen Stelle am Braunschweiger Dom gelangte. Das Portal rückt bereits ziemlich weit in das 13. Jahrhundert, es hat Stengelblattkapitelle. Die Pfosten sind mit Rundstäben besetzt.

 

Die verschiedene Gestaltung der Kämpfer -- links eine ornamentierte Schräge, rechts eine umgekehrte attische Basis -- entspricht dem Geschmack des 13. Jahrhunderts, wir werden ihm noch oft begegnen. Hier verkröpft sich der Kämpfer wieder um die Türpfosten, Konsolen fehlen infolgedessen. Ein Tympanum scheint vorhanden gewesen zu sein, denn es findet sich auf der Zeichnung bei Puttrich. Bemerkenswert ist noch eine Knotensäule.

 

Ein kleines Nebenportal besaß kein Bogenfeld, hier umsäumt wie auf dem Petersberg ein kräftiger Perlstab rundbogig die Tür. Die Kapitelle stehen auf einer etwas früheren Stufe, das links hat große Ähnlichkeit mit einem Kapitell des Magdeburger Domkreuzganges. 2

 

Der Perlstabrahmen der Tür findet sich noch an den Dorfkirchen zu Neutz 3 (Tafel XIX) und Pfützenthal 4, deren Portale von einem Steinmetzen des Petersberges b. H. gearbeitet sind.

 

Alle bisher besprochenen Mitglieder dieser Gruppe verwenden in normaler Weise den Mauersockel als äußeren Rahmen; abgesehen von dem späten Beispiel der Neumarktskirche, wo er schon recht altersschwach aussieht, ist er von sehr kräftiger, fast schwerfälliger Wirkung.

 

Da die Gewände ihre eigene Basis verloren haben nach dem Vorgange von Königslutter, können die Säulen ganz in die Winkel der Rücksprünge hineingeschoben werden; da sie mehr Platz haben, können sie korpulenter werden, was ganz dem Charakter dieser Gruppe entspricht.

 

In dem Lapidarium des Petersberges b. H. liegt ein mit schön gezeichnetem Flachornament versehener Stein, der nur als Türpfosten gedient haben kann. Quast hat ihn bei der Restauration nicht wieder zu verwenden gewußt, an dem besprochenen Portal wird er kaum gesessen haben, aber es sind ja noch andere Portale dort vorhanden. Pfosten, deren Laibungsseite ornamentiert ist, finden sich höchst selten, außer auf dem Petersberg nur noch an der Schloßkapelle zu Landsberg und an der Klosterkirche in Wechselburg.

 

Damit ist für unsere Darstellung eine Brücke geschlagen zu den eigenartigen Portalen der Kapelle zu Landsberg 5 (Tafel XVII u. XVIII). Sowohl das größere Nordportal wie die kleine Pforte der Südseite lassen sich in keine der in dieser Arbeit aufgestellten Gruppen einordnen, und es ist Verfasser nicht gelungen, eine Ableitung für sie zu finden.

 

Die architektonische Form des Hauptportales ist denkbar einfach. In einer Nische, deren Laibung abgeschrägt und mit verschiedenen Mustern ornamentiert ist, sitzt auf

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1 Grundriß im Inventar Provinz Sachsen VIII.

2 Hamann, Jahrbuch d. pr. K.-S. 1909, S. 60, Abb. 7. Es wird in Zukunft zitiert nach der Buchausgabe: Hamann-Rosenfeld, „Der Magdeburger Dom“ 1910, Abb. 7. -- 3 Inventar Provinz Sachsen, N. F., I.

4 Inventar Provinz Sachsen XIX. -- 5 Inventar Provinz Sachsen XVI.

 

 

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breiten Pfosten das Tympanum. Die Schauseite der Pfosten und das Tympanum sind mit figürlichen Darstellungen gesch mückt; die an späterer Stelle besprochen werden sollen. Hierauf hat der Künstler sein ausschließliches Interesse gerichtet, und die architektonische Ausgestaltung hat darunter leiden müssen.

 

Die gewohnte Rahmung durch den Sockel fehlt, statt dessen sitzen an der Frontseite in Kämpferhöhe zwei kauernde Männchen, die an die Karyatide im Kreuzgang von Königslutter erinnern; auf ihnen sitzt jetzt ein Ziegelrahmen, der aber mit der Portalwölbung nicht konzentrisch ist. Er wird wie alle Backsteinteile an der Kapelle eine Zutat des 17. Jahrhunderts sein, in dem sie restauriert und mit einem dritten Stockwerk versehen wurde. Diese Karyatiden werden einen konzentrischen Bogen getragen haben, ähnlich Zerbst (S. 36) und Wechselburg (S. 41).

 

Die Laibungsseite der Türpfosten ist mit einer sehr fein gezeichneten doppelten Akanthusblattranke geziert. In gröberer Ausführung kommt sie oft vor, in dieser Feinheit erinnert sie direkt an Italien. 1 Vielleicht ist das ganze Portal durch direkte italienische Beziehungen zu erklären.

 

Auffallend ist ferner ein Ornament in der Wölbung: aneinander gereihte flache Rundbögen, die von einem breiten Bande spiralartig umwunden werden. Dasselbe geltene Ornament kommt noch vor in Knobelsdorf (siehe S. 27) und Altdorf im Elsaß.

 

Das Tympanum ist genau so lang, wie die Pfosten hoch sind.

 

Das Nebenportal besteht aus zwei in der Wand liegenden, ebenfalls an der Laibungsseite ornamentierten Türpfosten, die einen giebelförmigen Sturz ohne Entlastungsbogen tragen. Die Pfosten sind neu, die Originale liegen im Inneren.

 

Giebelstürze sind eine rheinische Eigentümlichkeit, sie kommen von dorther im 13. Jahrhundert vereinzelt nach Sachsen. In diesem Falle kann man kaum von rheinischem Einfluß sprechen. Die Ornamentik im Inneren ist sicher nicht rheinisch.

 

Der Bau der Kapelle wird gewöhnlich mit einem überlieferten Datum 1180 in Zusammenhang gebracht. Es spricht nichts gegen eine solche Datierung, Verwandtschaft der Kapitelle im Inneren mit S. Godehard in Hildesheim eher dafür.

 

Die Doppelkapelle ist an die Kapelle an der Burg Heinrich des Löwen in Braunschweig anzuschließen. Auf einer Abbildung von 1547 sind zwei zierliche Türme im Westen dieser Kapelle zu sehen. Auch in Landsberg deuten die besonders kräftigen westlichen Pfeiler, die sonst ganz unerklärlich wären, auf das ehemalige Vorhandensein solcher Türme hin. Als Abkömmling der Braunschweiger Kapelle erklären sich auch die westlichen Beziehungen in der Ornamentik.

 

An das Nebenportal in Landsberg lassen sich noch zwei Portale anschließen, die ebenfalls plastisch bearbeitete Pfosten und Giebelsturz, anscheinend ohne Entlastungsbogen, haben. Das eine stammt aus Scharwegk und ist jetzt an der Kirche von Klein-Paschleben eingemauert. 2 Die Pfosten sind figürlich skulptiert, wie am Hauptportal in Landsberg. Auch die Ornamentik des Sturzes läßt sich dorther ableiten.

 

Das andere ist in Ronnenberg (siehe S. 8). 3 Die Pfosten sind an der Schauseite mit Ranken bedeckt, deren Blätter eigentümlich gebildet sind, sie bestehen aus tiefen Mulden mit erhabenen Rändern. Ein fast identisches Ornament in derselben Technik zeigen die Säulen am Jakobsportal in Regensburg. Trotz seiner altertümlichen

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1 Vergl. S. Antimo Piovi di Siena. Venturi, a. a. O. III, S. 819. 2 Inventar Anhalt, S. 289. Abb. --

3 Inventar Hannover, Bd. I, 1. Abb.

 

 

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41] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 199

 

Erscheinung ist es ungefähr zu derselben Zeit, wenn auch vielleicht ohne Zusammenhang mit Landsberg entstanden.

 

Die sogenannte Schloßkirche zu Wechselburg 1 hat, wie bereits mehrfach angedeutet, Beziehungen zu der Hallenser Gegend. Das Portal des nördlichen Querschiffes hat einen Rücksprung mit einer Säule; die Archivolte hat eine kleine Schiffskehle, deren Ansatz mit kleinen Blättern geschmückt ist wie in Braunschweig (S. 38). Der äußere Rahmen setzt wie in Landsberg und Zerbst erst in Kämpferhöhe auf einem kleinen Konsol an, ist rechteckig und hat an der Innenseite eine aus einem Karnies gebildete Schiffskehle. Ein Kämpfer fehlt, die Archivolte setzt direkt über dem Kapitell auf.

 

Die Funktion der Türpfosten als Träger des Tympanums ist ganz verdunkelt, indem die Profilierung der Pfostenkante sich ohne Unterbrechung und unverändert auf dem Tympanum fortsetzt und auf diesem ein vertieftes Feld umrahmt, das für das Auge in der Luft schwebt, da Pfosten und Rahmen aus einem Stück zu sein scheinen. Erst bei näherem Studium der Fugen erkennt man die Konstruktion.

 

Die Ornamentik der Kapitelle ist Landsberg verwandt.

 

Interessanter ist das Doppelportal am nördlichen Seitenschiffe 2 mit der schönen zweijochigen Vorhalle (Tafel XI). Diese machte eine reichere Behandlung der eigentlichen Portale überflüssig. Auf zwei kantigen Pfosten liegt das Tympanum. Hier ist die Funktion der Pfosten noch besonders betont, indem Kragsteine das Tympanum tragen helfen. Am Portal rechts ist der eine als Widderkopf, der andere wie in Landsberg als kauerndes Männchen gebildet.

 

Die Kragsteine des linken Portales erinnern lebhaft an Naumburg. Ihre Grundform ist ein Viertelkreis; von diesem Segment ist ein lilienförmiges Muster herausgesägt; dies findet man ähnlich an Fenstern des Naumburger Domes, z. B. im Inneren des nördlichen Querschiffarmes. 3

 

Hinter den Bogenfeldern befinden sich Stichbögen, wie in Zerbst und Naumburg; über ihnen sitzt ohne Entlastungsbogen die massive Mauer auf.

 

Die Laibungsseiten der Pfosten sind ornamentiert; die Muster erinnern teils an die Pfosten in Landsberg, teils an den Pfosten im Lapidarium des Petersberges. 4

 

Die übrige Architektur gehört, streng genommen, zur Vorhalle. Vor jedem Portal liegt ein Joch, das von einem grätigen Kreuzgewölbe bedeckt ist. Prill glaubt, daß die Vorhalle ursprünglich flach gedeckt gewesen sei, doch ist dies nicht wahrscheinlich, wenn auch die jetzigen Gewölbe neueren Datums sein mögen.

 

Die Portale sind umrahmt von den Schildbögen der Gewölbe, die Schiffskehlen tragen, ähnlich dem Querschiffportal. Diese Schildbögen, der die Joche trennende Gurtbogen und die äußeren Arkadenbögen haben jeder ihre eigenen Säulendienste, so daß Gruppen von zwei und drei Säulen entstehen.

 

Die Vorhalle war nach drei Seiten hin offen, die Hauptschauseite, jetzt verbaut, lag nach Norden gegenüber den Portalen, sie hatte einen Giebelaufbau, ihre Arkaden waren von reich profilierten Rahmen, von denen noch das untere Stück sichtbar ist, umzogen, der die Arkaden trennende Rahmen ging bis zur Giebelspitze. Der Giebel

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1 Inventar Königreich Sachsen XIV. Schöne Zeichnungen in der Monographie von Prill 1884.

2 Romanische Doppelportale sind sehr selten: S. Emmeran in Regensburg; Straßburg, Münster, südliches Querschiff.

3 Eine Zusammenstellung dieser Muster im Inventar Provinz Sachsen XXIV, Fig. 42. -- 4 Prill, Tafel 7.

 

Zeitschrift für Geschichte der Architektur. Beiheft VI.

 

 

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200 Burkhard Meier. [42

 

besaß, falls die Rekonstruktion von Prill richtig ist 1, einen steigenden Rundbogenfries. Der besondere Schmuck der Rahmen sind Hohlkehlen mit fein gearbeiteten Rosetten besetzt.

 

Die reiche Ornamentik der Säulenschäfte und der Kapitelle enthält Erinnerungen an Königslutter, hat aber auch deutliche Beziehungen zum Kreuzgang und Chorumgang des Magdeburger Domes. Ein Schaft hat eine merkwürdige Dekoration, wie sie sich im Domkreuzgang und anscheinend sonst nirgends findet; sie zu beschreiben, ist schwer. „Pfeilspitzen“ oder „Kerzen“ besagen nicht das Richtige, eher noch „Astansätze“.

 

Das Kapitell neben dem Portal ganz links ist mit einem Kapitell des Magdeburger Chorumganges zu vergleichen. 2

 

Mit der Goldenen Pforte steht die Ornamentik in keiner Beziehung, sie ist früher; die ähnliche Dekoration der Schäfte besagt gar nichts.

 

Die Vorhalle ist einheitlich mit den Portalen und der ganzen Kirche etwa in den zwanziger Jahren des 13. Jahrhunderts entstanden.

 

Man hat bisher stets den Bau der gesamten Kirche mit dem Weihedatum von 1184 zusammengebracht. Dehio, der sah, daß diese Zeit unmöglich auf die Vorhalle passen konnte, versucht in seinem „Handbuch“ diesen Widerspruch zu lösen, die Kirche und die Portale seien von 1184, die Vorhalle allein eine spätere Hinzufügung.

 

Ich glaube bei der Beschreibung deutlich gemacht zu haben, daß Portale und Vorhalle einheitlich sind, daß die Form der Eingänge durch die Vorhalle bedingt ist. Ich betonte bei den Portalen, die ja im allgemeinen einen frühen Eindruck machen, die Verwandtschaft der Konsolen mit Naumburg, wodurch sie mit den Formen der Vorhalle in eine Zeit gerückt werden.

 

Die Vorhalle ist aber auch einheitlich mit dem Langhaus. Beide haben dieselbe späte Form des Rundbogenfrieses, ein sehr weiches Karniesprofil; das Dachgesims hat dieselbe Hohlkehle mit Rosetten besetzt. Die Herkunft dieses Motivs wurde schon Seite 24 besprochen, in Sachsen wurde es erst durch Naumburg eingeführt.

 

Chor und Querschiff haben einen etwas früheren Rundbogenfries, der aus einer Doppelkehle besteht, aber sowohl an der Innen- wie an der Außendekoration der Apsis finden sich die Formen der Vorhalle, was schon Prill beobachtet hat, der aber die nötigen Schlüsse daraus nicht ziehen konnte, da er den späten Charakter der Vorhalle noch nicht erkannt hatte.

 

Wenn auch die Ostteile etwas früher sein mögen, im allgemeinen ist die Kirche ein einheitlicher Bau, der ältere Formen neben späteren verwendet, also in manchem eine zurückgebliebene Leistung. Ähnliche Erscheinungen fanden wir an Neuwerk in Goslar und den Braunschweiger Pfarrkirchen.

 

Die Formen, die wir in Wechselburg antreffen, entstammen alle derselben Gegend, die älteren kommen aus Landsberg und vom Petersberg, die jüngeren aus Magdeburg und Naumburg. Sie gehen nebeneinander her und finden sich vermischt an allen Bauteilen.

 

Auch der Westbau ist niedersächsisch : ein hoher rechteckiger Unterbau ohne Eingang, aber mit einem Radfenster; über diesem einheitlich behandelten, durch Gesimse in zwei horizontale, durch Lisenen in drei vertikale Teile gegliederten Geschoß setzen die Türme an, die an den äußeren

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1 Prill, Tafel 5. -- 2 Hamann-Rosenfeld, a. a. O., Fig. 52.

 

 

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43] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 201

 

Ecken polygonal gebildet sind, aber doch mit einem Zwischenbau einheitlich aufsteigen. Vergleiche damit den Braunschweiger Dom.

 

Von dem Querschiffportal in Wechselburg ist ein kleines Portal der Ägidienkirche in Penig 1 abhängig; hier findet dieselbe Verdunkelung des Verhältnisses zwischen Pfosten und Tympanum statt.

 

An der Dorfkirche zu Rochsburg 2 ist ein Portal, das der guten Arbeit nach von dem Meister der Vorhalle in Wechselburg gemacht sein könnte.

 

Außerhalb dieses Kreises steht das eine der beiden Portale, die von dem Kloster Altzelle bei Meißen an die Kirche zu Nossen versetzt sind. 3 Es gehört in die Reihe der großen Säulenportale nach Paulinzeller Art, muß aber schon ziemlich spät fallen, da abgesehen von dem Spitzbogen der Wölbung die Profile der Archivolten ausgesprochen frühgotisch sind. Ein Bogenfeld fehlt, an Stelle des Türpfostens steht eine Säule. Das Portal ist wohl ursprünglich ein offener Durchgang gewesen.

 

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Innerhalb der Einflußsphäre des späteren Typus fanden wir eine Reihe bedeutender Leistungen, zum Teil von großer Selbständigkeit. Hand in Hand mit einem größeren Reichtum an architektonischen Formen zeigte sich ein stärkeres Schmuckbedürfnis in vermehrter Heranziehung der Ornamentik.

 

Der Schatz der nordthüringischen Formen erwies sich als außerordentlich ergiebig, das ganze 12. Jahrhundert zehrte davon. Andere architektonische Formen fanden keinen Anklang. Man war zufrieden und verlangte nicht nach Neuigkeiten; ständiges Variieren der vorhandenen Formen war die einzige Betätigung; doch genügte es, um keine Ermüdung aufkommen zu lassen. In unserer Darstellung haben wir des öfteren lange Schritte in das 13. Jahrhundert getan, ohne das Bild im wesentlichen verändert zu finden.

 

Der folgende Abschnitt wird zeigen, wie der konservative sächsische Geist allmählich neuen Formen, die mit übermächtiger Gewalt im 13. Jahrhundert Einlaß begehren, Aufnahme gewähren muß.

 

Die ruhige Sicherheit des 12. Jahrhunderts ist dahin, eine auffallende Unruhe tritt an ihre Stelle, ein unsicheres Tasten und Experimentieren mit ungewohnten Formen.

 

Mitunter glänzende Lösungen!

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1 Inventar Königreich Sachsen XIV, Tafel 5.

2 Inventar Königreich Sachsen XIV, S. 78, Abb.

3 Bericht der Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler im Königreich Sachsen 1898, Abb.

 

 

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IV. Die Portale des Übergangsstiles.

 

Rund um das Jahr 1220 waren die Krypta des Domes zu Naumburg und der Chorumgang des Domes zu Magdeburg vollendet. Mit diesen beiden Bauten beginnt eine neue Ära in Sachsen. Jener zeigt in seiner Ornamentik enge Beziehungen zu rheinischen Übergangsbauten 1, dieser enthält einerseits die letzte und höchste Entwicklung der heimisch-romanischen Ornamentik, andererseits Beziehungen zu westfälischen Bauten des Übergangs und die ersten direkten französischen Einflüsse. 2

 

Die schwäbisch-Maulbronner Formen, die von Süden eindringen, bringen wohl neue Einzelheiten für die Portale mit, beeinflussen aber kaum ihre tektonischen Formen.

 

Mit diesen beiden Bauten gelangen auch die rheinisch-westfälischen Portale in Sachsen zu Einfluß, allerdings sehr viel langsamer als die Ornamentik. Die architektonischen Formen der nordthüringischen Schule wurzelten zu tief, als daß sie so leicht hätten beseitigt werden können, ja, es nimmt wunder, mit welcher Zähigkeit sie sich an manchen Orten behaupten, man kann ruhig sagen, bis zur Mitte des Jahrhunderts.

 

Die besonderen Merkmale der rheinischen Portale wurden S. 23 bereits kurz erwähnt. Ich werde später noch einmal die verschiedenen Gruppen von Säulenportalen in Deutschland fixieren. Vorläufig kommen nur die rheinisch-westfälischen Portale in Betracht, und es genügt, ihre Eigenart kurz zu kennzeichnen.

 

In Sachsen werden die dekoraliven Glieder des Portales ausschließlich betont, in den Rheinlanden sind die tektonischen Glieder ihnen gleichgestellt. Denn die eingestellten Säulen und die auf ihnen ruhenden Archivolten, welche die Pfosten und die auf ihnen ruhende eigentliche Wölbung ganz zurücktreten lassen und zum Teil unsichtbar machen, sind rein schmückende Glieder, sie könnten entfernt werden, ohne daß das Portal zusammenstürzte. Pfosten und Pfostenarchivolten machen das eigentliche tektonische Gerüst des Mauerdurchbruches, welcher das Portal doch ist, aus.

 

In den Rheinlanden werden die Rücksprünge so groß genommen, daß die Säulen nicht den ganzen Platz einnehmen können. Deshalb treten die Pfosten mehr hervor, so daß für den Eindruck ein Wechsel von Pfosten und Säulen entsteht. Auch der Kämpfer hat nun die Möglichkeit, sich um die Pfosten zu verkröpfen. Entsprechend dem Gewände ist auch die Wölbung gestaltet; hier setzen sich die Pfosten in Bögen von rechteckiger Grundform, die vielfach profiliert sind, fort, die Säulen in Rundstäben,

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1 Siehe Ausführliches über dieses Thema in der 1912 erscheinenden Hallischen Dissertation von Hermann Giesau. -- 2 Hamann, „Der Magdeburger Dom“ 1910.

 

 

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die meist die gleiche Stärke wie der Säulenschaft haben. Eine andere Besonderheit der rheinischen Portale, der getrennte giebelförmige Sturz, findet wenig Anklang in Sachsen. Er konnte sich schon im 11. Jahrhundert nicht einbürgern und auch im 12. Jahrhundert ist er höchst selten.

 

Was von der Anordnung der rheinischen Gewände gesagt wurde, könnte auch für die Gruppe der Säulenportale gelten, die bisher noch nicht berührt wurde, die bayrisch-fränkische. Da sie uns später noch einmal beschäftigen muß, ist es praktisch, sle gleich hier zu charakterisieren. Auch bei allen bayrischen Portalen finden wir diese Betonung der Pfosten, jedoch gegenüber den rheinischen mit einem wichtigen Unterschied: die Rücksprünge sind so bemessen, daß die eingestellten Säulen etwa ein Viertel des Rücksprunges einnehmen. Dadurch erreicht man, daß die Pfosten genau so stark in die Erscheinung treten wie die Säulen. Dies zeigt sich am deutlichsten im Kämpfer. Er verkröpft sich bei allen bayrischen Portalen in ganz gleicher Bewegung über Pfosten und Säulen, er beschreibt eine gleichmäßige Zickzackbewegung mit lauter gleichen Seiten.

 

Bei allen rheinisch-westfälischen Portalen sind die Rücksprünge im Verhältnis zu den Säulen kleiner bemessen, gerade so groß, daß die Pfosten noch sichtbar bleiben. Der Kämpfer beschreibt also eine unregelmäßige Zickzacklinie, über den Säulen sind ihre Seiten größer als über den Pfosten.

 

Man wird, wenn man diese Beobachtungen sich einprägt, nie ein bayrisches und ein rheinisches Portal miteinander verwechseln können, abgesehen davon, daß in Bayern alle Glieder von größerer Zierlichkeit sind. Ich komme darauf zurück.

 

 

§ 1. Zwischenstufen.

 

Nachklänge der nordthüringischen Schule, neue rheinische Formen, dazu Details in Maulbronner Art ergeben ein buntes Bild. Ich zähle im folgenden die Portale auf, bei denen eine Mischung dieser verschiedenen Elemente auftritt. Auf genaue chronologische Reihenfolge wird nicht gehalten.

 

An dem Westportal der Nikolaikirche zu Eisenach (Tafel XI) tritt zum ersten Male die stärkere Betonung der Pfosten in Erscheinung, aber in sehr unreiner und mißverstandener Weise. Es folgen sich im Gewände von außen nach innen: Pfosten, Säule, Pfosten, Pfosten, Säule, Türpfosten. Die Säulen stehen in sehr großen Rücksprüngen, es ist aber des Guten gleich zu viel getan, und ein Pfosten mehr als üblich eingefügt. Denkt man sich diesen überflüssigen Pfosten weg, so kommt eine verhältnismäßig normale Gewändebildung zustande, aber eher nach bayrischer Art, als nach rheinischer. Denn die Säulen nehmen etwa nur ein Viertel der Rücksprünge ein.

 

Merkwürdig ist ferner, daß nur die Pfosten Kämpfer haben und die kämpferlosen Säulenkapitelle auf gleicher Höhe mit diesen stehen.

 

In der Wölbung zeigt das Eisenacher Portal, daß es die Nähe von Paulinzelle noch nicht vergessen hat. Ob über Pfosten oder Säulen aufsitzend, die Archivolten sind ganz gleich behandelt, rechteckig, die äußere Kante mit einem mehr oder weniger starken Rundstab besetzt.

 

Eine einheitliche Basis umzieht Pfosten und Säulen, darunter liegt ein glatt durchlaufender Sockel, der umwinkelnd auch die Innenseite der Türpfosten umzieht.

 

Eisenach liegt schon etwas außerhalb des eigentlich sächsischen Gebietes. Es kann frühzeitiger als sonst üblich Beziehungen mit dem Süden angeknüpft haben.

 

 

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204 Burkhard Meier. [46

 

Es mag um 1200 entstanden sein, ein typisches Beispiel für unverstandene und unvollkommene Herübernahme fremder Formen.

 

Obwohl später entstanden, bewahrt die Paulinzeller Tradition noch treuer das Westportal der Pfarrkirche zu Stadtilm 1 (Tafel XI). Hier füllen Kapitelle und Kämpfer noch die ziemlich kleinen Rücksprünge voll aus, die Säulenschäfte stehen nicht frei, sondern sind in die Winkel der Rücksprünge zurückgeschoben, so daß zwischen ihnen die Pfosten deutlich sichtbar sind.

 

Die Archivolten sind noch ganz paulinzellisch, nur über den Türpfosten, das Tympanum umrahmend, ist ein selbständig gemauerter Rundstab eingefügt.

 

Die Kapitelle der beiden Seiten sind verschieden behandelt, links Kelchblock-, rechts Kelchknospen-Kapitelle. 2 Auffallend ist die große Ähnlichkeit mit dem Veitsportal in Bamberg. 3 Dieses hat dieselben weit ausladenden Kämpfer von gleicher Profilierung und rechteckige an den Kanten profilierte Archivolten. Da die Bildung des Veitsportales den anderen Portalen am Bamberger Dom absolut fremd ist, wie wir noch sehen werden, so müßte man annehmen, daß diese in Sachsen ganz geläufigen Formen nach Bamberg von dort aus gelangt sind. Sonst ist ja Bamberg stets der gebende, der Norden der empfangende Teil. Es ist aber doch möglich, daß ein nordischer Architekt, an dem großen Dombau beschäftigt, aus einem gewohnten Formenkreis heraus das Veitsportal schuf. Oder sollte sich dieses aus einer Verbindung mit der oberrheinischen Portalgruppe erklären lassen? Beziehungen zum Südwesten sind ja an anderen Teilen des Bamberger Domes vorhanden.

 

Stadtilm ist in seiner sonstigen Architektur, besonders der Türme, von der Liebfrauenkirche in Arnstadt abhängig. Die Portale haben nur wenig Beziehungen miteinander. Arnstadt ist der heimischen Tradition gegenüber viel selbständiger. Das Westportal zwar hat auch drei Säulen, deren Schäfte sich in die Ecke zurückziehen und deren Kapitelle und Kämpfer soweit ausladen, daß sie den ganzen Rücksprung ausfüllen. Das ist aber auch alles.

 

Das Portal tritt als selbständiger Körper aus der Westfront heraus, der Kämpfer des Gewändes umzieht diesen auch an den Außenseiten, der obere Abschluß ist nicht horizontal, sondern durch einen flachen Giebel bewirkt. Der Portalgiebel hat sich in Sachsen vor der Herrschaft der Gotik nicht einbürgern können, er ist auch dem übrigen romanischen Deutschland fremd. In den Rheinlanden wäre nur ein abgelegenes Beispiel in Wichterich (Kr. Euskirchen) 4 zu nennen, wo aber der Giebel nach antiker Weise auf einem horizontalen Gesims aufsitzt. In Italien und Frankreich ist er häufig; da er aber anscheinend erst im 13. Jahrhundert nach Deutschland kommt, wird man annehmen müssen, daß er aus Frankreich eingeführt ist, vielleicht über Burgund. Besonders zahlreich finden sich die Portalgiebel in der Provence.

 

Das Arnstädter Westportal hat in der Wölbung die heimische Art bewahrt, aber mit Motiven der Maulbronner Schule vermischt; aus dieser stammen die Diamantschnittstreifen.

 

Die mittlere Archivolte ist mit einem Rundbogenfries belegt. Diese zu einem Halbkreis gebogenen Rundbogenfriese sind in der Zeit des Übergangestiles sehr

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1 Inventar Schwarzburg-Rudolstadt. -- 2 Siehe die Bemerkung S. 39.

3 Details bei Schäfer, „Bauornamente der romanischen und gotischen Zeit“ 1903, Tafel 37 und 38.

4 Inventar Rheinlande IV, Heft 4.

 

 

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häufig, sie sind im Relief oder frei gearbeitet. Besonders zahlreich finden sie sich in Burgund, und es liegt nahe, anzunehmen, daß die Maulbronner Schule sie Deutschland übermittelt hat.

 

Freigearbeitet kommt er vor an Portalarchivolten in Ostritz (Amt Zitlau) 1, Rinteln 2, Riddagshausen 3. An Gurtbögen in S. Andreas zu Köln, in der Schloßkapelle zu Freyburg a. U. und an der Krypta des Bamberger Doms. In Relief an Archivolten in Seligenstadt (Chor), Ebrach, Arnstadt, Halberstadt 4, Riddagshausen, Wiener-Neustadt 5. Auf Tympana in Trebitsch und Liebshausen in Österreich, in Penig (Kgr. Sachsen) und S. Maria in Lyskirchen in Köln.

 

Die Säulen haben Schaftringe. Das Tympanum ist modern, alles andere ebenfalls erneuert, aber, wie die Abbildung bei Puttrich lehrt, sehr getreu.

 

Interessant ist das kleinere Nordportal (Tafel X) ebenda, es ist bereits etwas weiter in der Entwicklung, denn zum ersten Male treffen wir hier neben ausgebildetem Spitzbogen selbständig gearbeitete Rundstäbe in der Wölbung (siehe die Ausnahmen S. 32). Die Kapitelle sind übereck gestellt, ein bei Gewölbediensten beliebtes Maulbronner Motiv, hier ohne rechten Sinn übernommen. Es findet sich von hier aus übertragen in der Vorhalle des Halberstädter Domes (Tafel XX). Es kommt auch am Mittelrhein vor, z. B. am Querschiff des Mainzer Domes an dem Portal, das den Eingang zur Gothardkapelle bildet; überladen mit Schaftringen und Diamantschnitt-Ornament steht es unter Maulbronner Einfluß.

 

Besonderer Beachtung ist das Bogenfeld wert. Hier findet sich ein selbständiger Sturz mit steilem Giebel, überdacht mit einem schweren, aus kleinen Röllchen zusammengegetzten Rundstab, ein echt rheinisch-westfälisches Motiv; darunter den Giebel begleitend ein steigender Rundbogenfries, aus sieben Bogen bestehend. Dies Motiv kann man auf seinem Wege vom Rhein her durch Westfalen verfolgen: Billerbeck, Vreden 6, Wadersloh 7, Wiebrechtshausen 8. Das direkte Vorbild könnte jedoch das Westportal von S. Maria in Lyskirchen in Köln gewesen sein. Hier befinden sich allerdings die Rundbogen nicht auf dem Sturz, sondern begleiten das Rund der Wölbung. Das Ornament der Rundstabarchivolte ist Arnstadt sehr ähnlich. Sich kreuzende Bänder schaffen rhombenförmige Felder, die mit Rosettenblumen gefüllt sind.

 

Also das Nordportal ist eine Mischung rheinischer und Maulbronner Elemente. Die Arnstädter Portale sind ein deutliches Zeichen für die Lebendigkeit des derzeitigen Kunstbetriebes. Von allen Seiten kommen neue Formen und werden ziemlich wahllos aufgegriffen und nicht immer zu wirklichen Einheiten verschmolzen. In Arnstadt sicher nicht! Man sehe nur, wie unglücklich beim Nordportal der Giebelsturz seitlich gegen die Wölbung stößt, wie häßlich der flache Giebel bei beiden Portalen auf der Wölbung lastet.

 

In Beziehung zu Arnstadt und Stadtilm steht das Nordportal der Bonifaziuskirche in Treffurt (Tafel XI). Sein Charakter ist noch etwas romanischer, da die Wölbung

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1 Berichte der sächsischen Denkmalskommission 1903-1905, S. 93.

2 Inventar Regierungsbezirk Kassel III, Tafel 6. -- 3 Inventar Braunschweig II, Tafel 12, Abb. 55.

4 Inventar Provinz Sachsen XXIII.

5 Heider und Eitelberger, „Mittelalterliche Kunstdenkmale des österreichischen Kaiserstaates“ II, 1860, Tafel 35. -- 6 Inventar Westfalen IX.

7 Inventar Westfalen VI. Sehr ähnlich Conques bei Cahors. Bulletin Monumental 1901. Beidemal kleine steigende Blendarkaden mit figürlichen Darstellungen. -- 8 Mittelalterliche Baudenkmäler Niedersachens I.

 

 

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rundbogig ist und Schaftringe fehlen. Es hat je drei in die Winkel sich verkriechende Säulen mit ausladenden Kämpfern und Kapitellen; diese sind wie in Stadtilm rechts Kelchblock-, links ausgebildete Kelchknospen-Kapitelle. Es wurde schon darauf hingewiesen, daß sich in dieser Variation ein bestimmter Geschmack geltend macht.

 

In der Wölbung ist die Trennung von Pfosten- und Säulen-Archivolten schon streng durchgeführt. Die Kanten der Pfosten und ihrer Bögen sind abgeschrägt und mit zwei Reihen im Zickzack gebrochener Stäbchen, die miteinander Rhombenfelder bilden, besetzt, eine vergröberte Wiederholung des Diamantschnittes in Arnstadt.

 

Im Tympanum befindet sich in Nachahmung von Arnstadt der steigende Rundbogenfries, aber hier, da ein Sturz fehlt, dem Halbkreis in ungeschickter Weige sich anschließend. Zu vergleichen ist damit das Portal in Willich (bei Krefeld).

 

Der Portalkörper tritt wieder ziemlich weit aus der Wand heraus und ist mit einem abgewalmten Giebel überdacht, dessen drei Seiten gleich lang sind.

 

Mit Arnstadt hängt, wie erwähnt, der Dom in Halberstadt zusammen. Der Charakter des Hauptportales ist bereits frühgotisch und fällt daher aus dem Rahmen dieser Arbeit heraus. Es bietet mit seinem Gewände, dessen Gliederfülle noch durch die anschließenden Gewölbedienste der geplanten Vorhalle vermehrt ist, dem Doppeleingang, den Figürchen und Köpfen ein überaus reiches und prächtiges Bild. Eine genaue Beschreibung würde Seiten füllen. Es genügt, die Formen anzugeben, die aus Arnstadt stammen. Es sind: 1. die Rundbogenfriesarchivolte, die hier sogar gedoppelt auftritt; 2. die feinen Diamantschnittstreifen, besonders aber 3. die Füllung des Bogenfeldes, die durch sechs steigende kleine Blendarkaden gebildet wird. Das erinnert an das Nordportal in Arnstadt, im Grunde ist es derselbe Gedanke. In Arnstadt sind es einfache Rundbögen auf Konsölchen aufsitzend, in Halberstadt sind es Kleeblattbögen auf Säulen, dort gab die Linie des Giebelsturzes das Maß des Aufsteigens an, hier der Spitzbogen der Wölbung. Ähnlich ist die Arkatur im Giebel eines Portales am Münster in Hameln, das schon zur westfälischen Baukunst gehört. Ebenso sind zu vergleichen die steigenden Nischen in den Giebeln der Querschiffportale von Freiburg i. Br. oder Gelnhausen. Die Halberstädter Fassade ist im Beginn der vierziger Jahre entstanden.

 

Ähnlich reich gestaltet wie in Halberstadt ist das Gewände eines Portales in Mildenfurt. Wie schon früher in dem benachbarten Weyda, finden sich auch hier noch Nachklänge der Gruppe des Petersberges b. H. In der Wölbung ist ein regelmäßiger Wechsel von Rundstäben und rechteckigen Archivolten, die durch kräftige Schiffskehlen profiliert sind. Das Portal wird kaum vor 1250 entstanden sein, soweit die Ornamentik erkennen läßt. Es ist wie die Kirche Ruine, zur Hälfte steckt es in der Erde, die Schaftringe der Gewändesäulen sind noch gerade zu sehen.

 

Recht nützlich erweist sich die Kenntnis rheinischen Einflusses, wenn es gilt, zurückgebliebene Werke, wie das Westportal der Frauenberger Kirche in Nordhausen, richtig zu datieren. Es macht in seinen schwerfälligen Verhältnissen und dem herumgeleierten Wandsockel durchaus den Eindruck des 12. Jahrhunderts. 1 Aber zwischen den beiden Gewändesäulen treten die Pfosten hervor, der Kämpfer verkröpft sich um sie. In der Wölbung setzt sich die eine Säule in einem Rundstab, die andere allerdings noch in einer Archivolte nach Paulinzeller Art fort. Die verwitterten Kapitelle

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1 Inventar Provinz Sachsen XI.

 

 

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49] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 207

 

lassen dunkel noch die Kelchblockform erkennen. Das Portal mag ungefähr 1230 entstanden sein.

 

Keinen Zweifel an einer späten Datierung wird man bei dem Westportal der Magnikirche in Braunschweig (Tafel XIII) hegen, denn dem ausgesprochenen Spitzbogen und der Ornamentik sieht man den Fortschritt der Zeit ohne weiteres an. Sonst ist es noch nicht viel über den Typus der früheren Braunschweiger Portale hinausgelangt. Der Rahmen entwickelt sich, allerdings in unvollkommener Weise, aus dem Wandsockel. Im Gewände sind die vier Säulenpaare zwar ganz selbständig, aber der Kämpfer verkröpft sich noch nicht um die Pfosten, erst in der Wölbung treten diese hervor, da die Säulen sich in Rundstäben fortsetzen. Die Wölbung macht mit den einfach kantigen Pfostenbögen einen kahlen und langweiligen Eindruck, der dem des Querschiffportales am Dom zu Minden nahe kommt (Tafel XIII).

 

Der Neubau von S. Magni ist erst seit etwa 1252 im Gange. 1 So bildet das Portal den letzten Nachhall Paulinzeller Formen. Es ist interessant, daß es wieder eine bürgerliche Pfarrkirche ist, die sich nicht entschließen kann, moderne Bauformen zu verwenden.

 

Im nächsten Abschnitt werden einige Portale behandelt, die zum Teil viel früher als die zuletzt besprochenen sich rückhaltlos den neuen Formen angeschlossen haben, bei denen die Erinnerung an das 12. Jahrhundert völlig erloschen ist.

 

 

§ 2. Marienberg, Naumburg, Magdeburg.

 

Als Werke eines rheinischen Meisters sind die Portale des Klosters Marienberg in Helmstedt anzusehen. 2 Ihre Architektur, ohne irgendwelche Beziehungen zu anderen sächsischen Bauten, ist nur durch direkte rheinische Beziehungen verständlich. Ihre zeitliche Stellung zu Naumburg und Magdeburg zu fixieren, ist infolgedessen nicht leicht. Ihrer ausgesprochen rundbogigen Wölbung nach müßten sie früher sein. Ausschlaggebend ist jedoch die Ornamentik, sie ist abhängig von dem Magdeburger Chorumgang, also, wie wir noch sehen werden, früher als das dortige Querschiffportal. Die Portale werden wenig später sein als das Naumburger Querschiffportal.

 

Da das Südportal in Marienberg nur eine bescheidene Wiederholung des Westportales ist, soll ausschließlich von diesem die Rede sein (Tafel XII). Es tritt nur wenig als rechteckiger Körper aus der Wand heraus, der Mauersockel läuft sich tot. Die Paulinzeller Art, die im benachbarten Braunschweig zur gleichen Zeit noch üblich ist, hat hier keine Geltung mehr. Ein oberer Abschluß des Portalbaues fehlt.

 

Den Eindruck des Ganzen beherrscht die Ornamentik, die, fast völlig erneuert, getreu die alten Formen wiedergibt. Die Ornamentik der Kapitelle zieht sich als breiter Streifen auch über die Pfosten und die Außenseite des Portalkörpers hin. Diesem horizontalen Streifen sekundieren zwei vertikale, die an Stelle von Gewändesäulen und abwechselnd mit ihnen das Gewände hinaufziehen und in gleicher Weise sich in der Wölbung fortsetzen, nur unterbrochen durch Kapitell und Kämpfer. Das Gewände ist unregelmäßig gebildet aus drei großen Rücksprüngen, denen sich innen und außen je ein kleiner, gleichsam verkümmerter, anschließt. Die Pfosten treten deutlich heraus und sind auch in der Wölbung einfach kantig; die beiden Säulenpaare haben monolithe Schäfte und setzen sich durch Rundstäbe in der Wölbung fort. Die vertikalen

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1 P. J. Meier, „Baudenkmäler der Stadt Braunschweig“. -- 2 Inventar Braunschweig I, Tafel 4.

 

Zeitschrift für Geschichte der Architektur. Beiheft VI.

 

 

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208 Burkhard Meier. [50

 

Ornamentstreifen, die mit ihnen abwechseln, sind in breite Viertelkreisstäbe eingelegt, die die Rolle von Gewändesäulen übernommen haben.

 

Schmale glatte Türpfosten mit einfachen Viertelkreiskonsolen tragen das Tympanum, das merkwürdigerweise kein vertieftes, sondern ein erhöhtes Mittelfeld hat.

 

Rheinisch ist das Weiterführen der Kapitellzone um die Außenseiten, es findet sich in Andernach und Maria Laach (Portal der Vorhalle), rheinisch sind vor allem die ornamentierten Streifen, die eingelassen in Viertelkreisstäbe das Gewände schmücken. Dies findet sich sonst nicht in Sachsen, auch nicht in Magdeburg, aber sehr häufig am Rhein, entweder wie in Marienberg als Ersatz für Säulen oder als Abfasung der Pfosten. Beispiele sind am Mittelrhein Mainz, Leichhofportal am Dom, damit zusammenhängend Aschaffenburg und Querschiffportale in Gelnhausen, am Niederrhein Knechtsteden, in Westfalen Billerbeck, Coesfeld, Obermarsberg, Osnabrück, schließlich noch das ganz rheinische Portal am Dom zu Lübeck.

 

Im Gegensatz zur Architektur scheint die Ornamentik von Leuten gearbeitet zu sein, die am Magdeburger Chorumgang tätig waren. Das Muster des breiteren Ornamentstreifens in der Wölbung, hervorgegangen aus dem Palmetten-Lotosfries, von dem aber eigentlich nur die äußere Einteilung beibehalten ist, ein Wechsel von großen und kleinen Blattsträußen, läßt sich vergleichen mit den Stücken, die Hamann dem Meister der breitlappigen Kelchblockkapitelle zuschreibt. 1 Dieser bildet einheimische spätestromanische Formen. Ob sie sich aber wirklich aus der einheimischen Entwicklung erklären lassen, ist doch sehr zweifelhaft. Das Ornament gilt als byzantinisch, wie Hamann sagt und bestreitet, und es scheint sogar sehr wahrscheinlich, daß es wirklich byzantinisch ist. Die Beschreibung, die Hamann von den Formen dieses Meisters gibt, paßt auch für die Marienberger Archivolte: „ein einfaches Thema, Zweige und Palmetten, die von einem zusammenschließenden Motiv nach oben und zur Seite führen“.

 

Freigearbeitete Ranken nehmen in Marienberg den meisten Raum ein. Sie bedecken unter anderem den Kapitellfries des linken Gewändes. Hier sind auch herabschießende Vögel angebracht, ein rheinisches Motiv (Andernach), das sich aber auch in Magdeburg und Naumburg findet.

 

Der Kapitellfries rechts ist ganz anders gezeichnet, wie wir es nun schon häufig trafen, er besteht aus Stengelblättern, die sich vergleichen lassen mit Kapitellen, welche Hamann dem „mittelrheinischen Meister der Münsterer Vorhalle“ zuschreibt. 2

 

Ein Unterschied zwischen den Magdeburger und Marienberger Kapitellen besteht darin, daß dort die Ornamentik sich ganz bestimmten tektonischen Formen unterordnet, dem Würfel, dem Kelchblock oder dem einfachen Kelch, während hier zwar noch eine Erinnerung an den Kelchblock zu erkennen ist, aber die Unterscheidung von Kelch und Block fast ganz aufgehoben ist. Das Ornament in Magdeburg brachte diese Trennung in Kelch und Block auch in seiner Zeichnung sehr fein zum Ausdruck urid erhielt so eine straffe Gliederung, in Marienberg fehlt das und trotz der durchaus ebenbürtigen Ausführung wirkt es etwas schlaff.

 

Abgesehen von diesem Mangel, der sich in der architektonischen Wirkung kaum geltend macht, ist das Marienberger Portal weitaus die beste Leistung des Übergangsstiles in Sachsen und vor allem von den viel anspruchsvolleren Portalen von Magdeburg und Naumburg nicht entfernt erreicht.

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1 A. a. O., S. 13 Tafel A -- 2 A. a. O., Abb. 33.

 

 

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Die Datierung regelt sich nach dem Magdeburger Chorumgang, der im Jahre 1220 vollendet gewesen sein wird.

 

Zwei Portale, die unabhängig von Marienberg, ähnliche Einflüsse vom Westen, speziell von Westfalen her erfahren haben, befinden sich in Neustadt a. R. bei Hannover. 1 Auch sie sind zu loben wegen ihrer reichen Ornamentik.

 

Ziemlich zu derselben Zeit wie Marienberg muß auch das Hauptportal des Naumburger Domes (Tafel XII), an der Front des südlichen Querschiffes gelegen, fertig gewesen sein. An Tiefe übertrifft es alle rheinischen Portale und berührt sich darin mit den sächsiscben des 11. Jahrhunderts. Von gleichzeitigen Werken kann sich nur das Fürstenportal des Bamberger Domes mit ihm messen. Die Paulinzeller Formen, die an den Türen des Inneren (z. B. im nördlichen Querschiff) und in dem von Naumburg abhängigen Freyburg a. U. noch nicht ganz verschwunden sind, finden sich hier nicht mehr.

 

Das Gewände ist mit fünf monolithen Säulenpaaren begetzt. Die Rücksprünge sind so groß bemessen, daß der Kämpfer sich in regelmäßigen Bewegungen über Säulenkapitelle und Pfosten hinziehen kann. Hier ist also die Gleichstellung von Pfosten und Säulen vollkommen erreicht; S. 83 wurde dies als eine ausschließliche Eigenschaft bayrischer Portale hingestellt. Ein Einfluß von dorther ist durch die engen Beziehungen, die zwischen Naumburg und Bamberg bestehen, durchaus wahrscheinlich. Immerhin ist er gering, denn die Proportionen der Portalglieder und die Ornamentik sind rheinisch ; es ist also ein Zusammenfluß verschiedenartiger Elemente anzunehmen.

 

Die Pfosten sind kantig, ihre Archivolten durch eine Kehle abgefast. Das äußerste Säulenpaar trägt außer dem Rundstab die Diagonalrippen des Gewölbes der Vorhalle. Das ist, wie Hamann 2 richtig bemerkt, eine rheinische Gewohnheit und findet sich z. B. in S. Martin in Köln, in Maria Laach (Eingang von der Vorhalle in das Seitenschiff) und Magdeburg.

 

Die Ornamentik zieht sich wie in Marienberg auch über die Pfosten, selbst über die Türpfosten hinweg.

 

Das Verhältnis des Portales zur Vorhalle und seine Einordnung in den Gesamtbau bedarf einer Erörterung. Heinrich Bergner hat dies bereits in ausführlicher Weise besorgt. 3 Er hat recht, wenn er die jetzt bestehende Vorhalle für einen späteren Anbau hält. Dagegen seine Theorie von der allmählichen Entstehung des Portales durch nachträgliche Vertiefung ist nicht recht verständlich, auch nicht bei einer Untersuchung an Ort und Stelle. Er schließt aus dem Befunde von Vorlagen am Außenbau, daß im ersten Plane nur zwei Rücksprünge vorgesehen waren, dann eine Erweiterung um abermals zwei Rücksprünge vorgenommen, schließlich durch Anbau der Vorhalle ein fünfter Rücksprung gewonnen wurde. Das Portal, wie es dasteht, macht, wie Bergner auch zugibt, einen einheitlichen Eindruck. Ein zwingender Beweis gegen eine einheitliche Planung ist nicht erbracht, gegen eine einheitliche Entstehung nicht versucht.

 

Der Kreuzgang 4, jetzt an der Südseite, lag ursprünglich an der Nordseite. Die Ansatzspuren sind vorhanden, ob er jemals ausgeführt wurde, steht dahin. Wahrscheinlich entschloß man sich schon im Laufe des Baues, die Klausur auf die Südseite zu verlegen. Die Ornamentik des bestehenden Kreuzganges gleicht der in den spätesten

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1 „Die mittelalterlichen Baudenkmäler Niedersachsens“ I, 1861. Bl. 39 und 40. -- 2 A. a. O. S. 89.

3 Inventar Provinz Sachsen XXIV, S. 39 und 61.

4 Für das Folgende durfte ich Untersuchungen H. Giesaus benutzen.

 

 

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210 Burkhard Meier. [52

 

Teilen des Langhauses. Das Südportal ist mit der Klausur auf der Südseite unvereinbar. Im ursprünglichen Plane schließen sich Portal und Klausur auf derselben Seite aus, denn an das Querschiff stoßen stets die Klausurgebäude, mit dem Kapitelsaal beginnend. 1228 wird das Hochstift verlegt 1, das bedeutet sicher auch die Verlegung des Kreuzganges. Damals muß das Portal bereits fertig gewesen sein.

 

Der verschobene Grundriß der Vorhalle ist bedingt durch die Rücksichtnahme auf das Portal, den Kreuzgang und die ältere Dreikönigskapelle; abgesehen von den späteren Formen zeigt schon ein Studium des Grundrisses, daß sie ein unglückseliges späteres Einschiebsel ist. Das äußere Säulenpaar am Portal, die Ansätze der Basen und Kapitelle deuten aber darauf hin, daß stets ein Vorbau geplant war, etwa nach westfälischer Art (Paderborn, Herford) natürlich mit einem normalen Grundriß und Öffnung nach Süden. Als der Kreuzgang verlegt wurde, war diese Vorhalle noch nicht in Angriff genommen, man mußte sie aufgeben und an ihrer Stelle die jetzige aufführen.

 

Daß das Portal tatsächlich zu den früheren Teilen des Baues gehört und sicher viel früher als der Kreuzgang und die Vorhalle ist, lehrt die Ornamentik. Sie besteht aus einzelnen kurzen Spiralranken, die Neigung zu Kurvenbewegungen zeigen, wie sie sich schon im östlichen Teile der Krypta, dann besonders in der südlichen Nebenapside und am Tympanum einer Tür im Inneren des östlichen Chorquadrates (Tafel XIX) finden. Immerhin hat die Portalornamentik einen verhältnismäßig selbständigen Charakter, sie ist eine Weiterbildung der Kryptenornamentik und unterscheidet sich deutlich von den Formen im östlichen Teile des Langhauses, vollends mit den Rankenkapitellen im westlichen Teile des Langhauses hat sie gar nichts zu tun. Hier sind die Blätter und Ranken anders gezeichnet. Identisches gibt es nur im Ostchor und Querschiff.

 

Die beiden Seiten des Gewändes sind verschieden dekoriert, links steigen die Ranken aus den Winkeln zwischen Pfosten und Säulen auf, rechts entwickeln sich die Spiralen aus kleinen Tierköpfen, die oben an der Vorderseite von Pfosten und Kapitellen sitzen. Die Kapitelle links sind mit herabschießenden Vögeln geschmückt; auch in Marienberg sitzen sie nur auf der linken Seite.

 

Um es noch einmal zusammenzufassen: Das Portal ist einheitlich mit dem Ostbau aufgeführt, zeigt Ansätze, die die ursprüngliche Planung einer Vorhalle wahrscheinlich machen. Es ist vor dem Kreuzgang und vor der Jetzigen Vorhalle entstanden.

 

Trotz seines vielgliedrigen Gewändes und des reichen Dekors der Kapitellzone wirkt das Portal in seiner Gesamtheit sehr nüchtern, ja, durch die ausgesprochen unterspitze Wölbung schwerfällig. Trotz einiger erheblicher Unterschiede kommt ihm im Eindruck sehr nahe das Portal am nördlichen Querschiff des Mindener Domes (Tafel XIII). Die Wölbung ist auch hier unterspitz; die Wirkung ist noch kahler, da die Pfosten nicht dekoriert sind. Schon das Westportal an S. Magni in Braunschweig erinnerte an Minden. Etwas Verwandtes liegt auch im Naumburger Portal.

 

Ein dem erwähnten Mindener Portal fast gleiches am südlichen Querschiff ebenda (Tafel XIII) ist dadurch besonders interessant, weil es nur soweit erhalten ist, daß die Wölbung im Querschnitt sichtbar geworden ist. Wir erhalten so wertvolle Aufschlüsse über die Konstruktion. Man sieht, daß die Rundstäbe fest mit der Wölbung zusammenhängen, indem sie an dünne Platten angearbeitet sind, die auf den Pfosten-Archivolten aufliegen.

 

In Naumburg trifft man zum ersten Male eine rheinische Konstruktion der Innenseite

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1 A. a. O., S. 68.

 

 

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53] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 211

 

des Portales, wie sie sich z. B. in Gelnhausen findet. Wir lernten bisher drei verschiedene Methoden kennen: 1. einfache Tonne, 2. horizontaler Sturz mit der Tonne darüber, 3. anstatt dessen ein Segmentbogen ohne Tonne. Am Hauptportal sitzt hinter dem Tympanum als Sturz ein scheitrechter Bogen, der giebelförmig ansteigt; in seine Unterseite schneidet die Türöffnung einen etwas flacheren Giebel aus, über ihm ist die innerste Archivolte der Schauseite als Tonne bis zur Innenwand durchgemauert. In Naumburg ist diese eigenartige Konstruktion noch öfter angewendet, z. B. am Eingang vom Kreuzgang in die Vorhalle. 1 Sie kommt später in Riddagshausen und Magdeburg (Tür im südlichen Seitenschiff) vor.

 

Auch der Segmentbogen findet sich in Naumburg, z. B. am Eingang vom Kreuzgang in das südliche Seitenschiff.

 

Eine Erinnerung an den selbständigen Giebelsturz auf der Schauseite ist auf dem erwähnten Tympanum im Ostchor vorhanden (Tafel XIX), etwas deutlicher an dem Portal der Ägidienkurie 2, doch beidemal rein dekorativ.

 

Ein Nachkomme des Naumburger Hauptportales ist das Portal des südlichen Querschiffes am Magdeburger Dom 3 (Tafel XIV). Es ist nicht wie in Naumburg das Hauptportal -- dieses lag vielmehr am nördlichen Querschiff --, sondern stellt die Verbindung des Kreuzganges mit der Kirche her und ist für diesen Zweck außergewöhnlich reich. Ein größeres Portal ist an dieser Stelle sonst überhaupt nicht üblich.

 

Es besitzt fünf Säulenpaare, das äußerste trägt die Rippen des Kreuzganggewölbes. Die senkrechten Pfosten sind glatt, in der Wölbung sind sie mit einem Karnies abgefast. Die Ornamentik der Kapitelle zieht sich auch über die Pfosten hin, alles wie in Naumburg.

 

Ein charakteristischer Unterschied besteht darin, daß die Rücksprünge nicht gleiche Seiten haben; die der Front parallele Seite ist ziemlich doppelt so lang wie die zu ihr senkrechte Seite.

 

Der Grund für diese Grundrißdisposition liegt in den örtlichen Verhältnissen. Der Meister dieses Portales hatte den Ehrgeiz, es dem Naumburger gleich zu tun; der Kreuzgang, ohnehin schon nicht besonders breit, verbot eine Verstärkung der Mauer, die eine größere Tiefe des Portales hätte bewirken können. So war der Architekt gezwungen, innerhalb der gegebenen Mauer zu bleiben. Was er an Tiefe verlor, suchte er an Breite zu gewinnen. Man könnte einwenden, daß er ja die Tür, die ungefähr in der Mitte der Wandstärke liegt, weiter nach innen hätte rücken können. Das würde aber die Wand zu sehr aufgelockert und ihre Widerstandskraft gegen den Schub der Gewölbe vermindert haben. Auch in Naumburg hatte man das Bestreben, die Schauseite möglichst weit nach außen zu rücken. Der Durchbruch der Mauer hinter der Tür, wenig breiter als diese, ist in Magdeburg mit einer soliden Tonne ohne Sturz überwölbt und somit ganz gefahrlos.

 

Die flächenhafte Tendenz, die sich in der Anlage des Portales geltend macht, für ein Zeichen der Zeit zu halten und zu verallgemeinern, wird nicht möglich sein. Dazu ist sie zu selten. Es können nur zwei Beispiele genannt werden, wo die Rücksprünge ähnlich gebildet sind: das Nordportal des Domes zu Paderborn, wo die Absicht maßgebend war, nicht über den Mauersockel hinauszugehen, und das Westportal in Spießkappel

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1 A. a. O., Abb. S. 64. -- 2 Puttrich, Tafel 27. Die Zeichnung sehr ungenau.

3 Hamann, a. a. O., Abb. 122. Details Abb. 41 und 163.

 

 

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212 Burkhard Meier. [54

 

(Reg.-Bez. Kassel). Es kann nur als Ausnahme gelten, gerade in der spätesten Zeit der Romanik macht sich das Streben nach großer Tiefe bemerkbar: Naumburg, Bamberg, Freiberg i. S.

 

Für die folgenden Bemerkungen bilden die Untersuchungen Hamanns die Grundlage. 1 Der Gesamteindruck ist wie in Naumburg kühl und streng. Die Ornamentik ist eine Musterkarte aller im Chorumgang und Bischofsgang vorkommenden Formen. Der mittelrheinische, der westfälische, der französische Meister, der Meister des Magdalenentympanums, der Meister der Baldachine über den Chorstatuen, sie alle sind vertreten, jedoch ohne daß sie persönlich dabei tätig waren; dazu ist die Arbeit zu spröde, nichtssagend und flüchtig. Ohne daß die Benennungen Hamanns in jeder Beziehung einleuchten, die Parallelen zwischen der Portalornamentik und der Chorornamentik sind ohne Zweifel richtig. Auch die Verwandtschaft mit Naumburg hat Hamann erkannt.

 

Die Verbindung des Portals mit dem Gewölbejoch hält er, wie schon bei Naumburg erwähnt, für rheinisch, die Wandpfeiler des Kreuzganges erinnern ihn an die Laacher Vorhalle. Diese sind gleichzeitig mit dem Portal, die Außenwand des Kreuzganges, die Kapelle gegenüber dem Portal, mithin auch die Gewölbe sind später, vielleicht im Zusammenhang damit die Kapitelle des äußeren Säulenpaares, die eine von den übrigen sehr verschiedene Ornamentik zeigen, was Hamann nicht erwähnt.

 

Die Zeit der Entstehung ergibt sich aus der Ornamentik. Das Portal ist nach dem Chor entstanden, denn es verwertet Ornamente aus allen Teilen desselben. Rosenfeld rechnet zu den 1234 als benutzt bezeugten Teilen noch nicht Querschiff und Vierung. 2 Trotzdem kann natürlich das Portal um diese Zeit, also etwa 1230, bereits fertig gewesen sein.

 

Eine Kopie dieses Portales besitzt die Nikolaikirche zu Coswig. 3 Die flachen Rücksprünge, die in Magdeburg unter einem besonderen Zwange entstanden sind, sind hier sinnlos nachgeahmt. Auch die Ornamentik wiederholt Magdeburger Motive.

 

Spuren Magdeburger Ornamentik glaubt man in dem zweiten Altzeller Portal in Nossen zu entdecken (Tafel XIV). 4 Es ist etwas trockene, aber saubere Arbeit. Das Gewände ist nach bayrisch-fränkischer Art gestaltet, wie es auch bei der südlichen Lage natürlich ist. Die Pfosten sind durch Dreiviertelstab zwischen zwei Kehlen profiliert; die Kehlen mit Rosetten besetzt, wie in Wechselburg. Die beiden Altzeller Portale (s. S. 43) gehören also ganz verschiedenen Schulen an, obwohl sie anscheinend gleichzeitig geschaffen sind.

 

Früher ist das Klostertor in Altzelle, gemischt aus Ziegeln und Quadern, errichtet; ganz einfach, wirkt es durch seine monumentalen Verhältnisse. 5 Das Gewände gehört der bayrisch-fränkischen Gruppe an.

 

 

§ 3. Die Goldene Pforte zu Freiberg i. S.

 

Als der Gipfel und die Vollendung sächsisch-romanischer Kunst gilt die Goldene Pforte (Tafel XV). Und doch hat sie, an der äußersten Südgrenze unseres Gebietes gelegen, architektonisch nichts mit den sächsischen Portalen zu tun. Adolph Goldschmidt hat nachgewiesen,

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1 A. a. O., S. 90, 93, 99. -- 2 A. a. O., S. 140. Siehe auch Magdeburger Geschichtsblätter 1909.

3 Inventar Anhalt, Abb. S. 503.

4 Siehe S. 43, Anm. 3. Vergl. die Kapitelle der rechten Portalseite mit den Abbildungen 23 und 51 bei Hamann, a. a. O. -- 5 Siehe S. 43, Anm. 3.

 

 

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55] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 213

 

daß der plastische Schmuck in enger Beziehung zur eigentlich sächsischen Kunst in Halberstadt entstanden ist. 1 Die Architektur ist bisher bei allen Untersuchungen zu kurz gekommen, sie steht gegenüber der eminenten Bedeutung des plastischen Schmuckes auch mit gewissem Recht im Hintergrunde. Denn während die Plastik die modernsten Gedanken der Zeit verkörpert, wandelt die Architektur in altgewohnten Bahnen. Trotzdem bedeutet sie eine große Leistung und verdient eine eingehende Erörterung. Die Plastik, die Goldschmidt in stilistischer und inhaltlicher Beziehung erschöpfend behandelt hat, wird hier unberücksichtigt gelassen.

 

Es ist natürlich immer schon hervorgehoben, daß die Architektur völlig unberührt von den französischen Einflüssen, denen die Plastik ausgesetzt war, geblieben ist. Entkleidet man das Portal seines plastischen Schmuckes, so erhält man ein architektonisches Gebilde, das sich leicht aus der heimischen Entwicklung ableiten läßt. Fünf Säulenpaare zieren das Gewände, das äußerste steht frei vor der Front. Die Pfosten sind durch eine ungewöhnlich breite Kehle abgefast. Die Rücksprünge sind so groß, daß die Säulen nur ein Viertel ihres Raumes einnehmen und die Kämpfer sich mit ganz gleichen Seiten um Säulen und Pfosten verkröpfen. Die Glieder der Wölbung sind dementsprechend. Die Säulen setzen sich in Rundstäben fort, welche die Dekoration der Schäfte in etwas stärkerem Relief wiederholen, die Pfosten in gleich stark abgefasten Archivolten. Über dem äußersten Säulenpaare liegen Löwen, auf denen ein schwacher Rahmen aufsitzt, der die Wölbung begleitet.

 

Der daneben aufsteigende senkrechte Rahmen und der horizontale obere Abschluß des Portalkörpers durch einen schwächlichen Rundbogenfries sind modern, die Zeichnung bei Puttrich zeigt sie nicht; ob alte Ansätze vorhanden waren, ist ungewiß.

 

Die Türpfosten tragen figürliche Konsolen, wie wir sie bereits im früheren Wechselburg fanden. Die Kapitellzone setzt sich nicht über die Pfosten hin fort, deren Kehlung bereits direkt unter dem Kämpfer beginnt. S. 45 wurde es als Eigentümlichkeit der bayrischen Säulenportale hingestellt, daß der Kämpfer sich mit ganz gleichen Seiten um Pfosten und Säulen verkröpft, so daß für den Beschauer ein regelmäßiger Wechsel von Pfosten und Säulen im Gewände entsteht, durch das besondere Verhältnis von Säulen und Rücksprüngen hervorgerufen. Das alles trifft bei der Goldenen Pforte zu.

 

Es soll also versucht werden, sie aus der bayrisch-fränkischen Entwicklung abzuleiten. 2

 

Auf dem Wege nach dem Süden ist Bamberg der nächste Ort von Bedeutung. Vergleichspunkte bietet das Georgenportal (Tafel XVI), unter dem nördlichen Ostturm gelegen. Die Anordnung der Rücksprünge, das Verhältnis der Säulen zu ihnen und zu den Pfosten ist dasselbe. Die Rundstäbe der Wölbung nehmen die Dekoration der Säulenschäfte in etwas verstärktem Relief auf. Die Pfosten sind durch eine starke Schiffskehle abgefast. Die Kapitellzone läßt die Pfosten frei, da die Schiffskehle direkt unter dem Kämpfer beginnt. Ja sogar ein plastisches Motiv, das ich in Freiberg meinem Vorsatz getreu nicht erwähnt habe, findet sich wieder: Der obere Anlauf der Kehlen ist mit figürlichem Schmuck versehen. Die Türpfosten tragen figürliche Konsolen.

 

Das Bamberger Portal hält sich innerhalb der Turmmauer, infolgedessen fehlt das fünfte Säulenpaar an der Front.

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1 Jahrbuch d. pr. K.-S. XXIII, auch separat: „Studien zur Geschichte der sächsischen Skulptur“ 1902.

2 Die folgenden Untersuchungen erfolgten unabhängig von Hamann, der a. a. O. im Nachtrag S. 125 vereinzelte Beobachtungen ähnlicher Art macht.

 

 

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214 Burkhard Meier. [56

 

In Bamberg sind alle Glieder von größerer Zierlichkeit, in Freiberg war die Architektur als Folie für die Skulptur gezwungen, sich breit zu entfalten.

 

Der Kämpfer in Bamberg macht den Eindruck eines glatt durchlaufenden Frieses, seine Verkröpfung über Pfosten und Säulen wird durch die Reihe der Apostel und Propheten mit dem durchlaufenden Schriftband verdunkelt.

 

Ein ähnlicher skulpierter Fries an Stelle des Kämpfers findet sich am Hauptportal von Borgo S. Donnino. 1 Dieses Motiv, wie alle anderen am Georgenportal, lassen sich aber an früheren bayrischen Portalen belegen. Der Kämpfer des nicht mehr bestehenden Portales in Mönchsmünster 2 (Tafel XVI) ist mit einer dichten Reihe von Köpfen besetzt. Ob er sich verkröpft, ist aus dem alten Stich nicht zu ersehen.

 

Das Fürstenportal in Bamberg ist viel komplizierter als das Georgenportal. Hier gibt es keine Pfosten mehr, sondern nur eine dichte Reihe von Säulen. Vielleicht liegt schon französischer Einfluß vor. Die Säulenstatuen setzen über Schaftringen an wie in Chartres, Südportal, oder Laon, Westportal. Dort stehen zwischen den Säulen, die Statuen tragen, dünnere Säulen, während beim Fürstenportal alle Säulen gleich stark sind, vielleicht unter heimischem Einfluß, wenn man sich an Stelle der Säulen Pfosten denkt. Eine Vorstufe könnte Moosburg sein, wo alle Archivollen ganz gleich als Halbrundstäbe gebildet sind.

 

Dazu kommt rheinischer Einfluß. Wie in Laach, Portal der Vorhalle, ist der obere horizontale Abschluß des Portalkörpers bewirkt durch ein reich ornamentiertes Gesims und einen Rundbogenfries. Auf den Kapitellen der linken Seite sind herabfliegende Vögel angebracht, die wiederholt als ein rheinisches Motiv gekennzeichnet wurden.

 

Während das Fürstenportal sich als ein Gebilde erweist, bei dessen Zustandekommen französische, rheinische und bayrische Elemente beteiligt ind, ist das Georgenportal ein Glied in der Kette der bayrischen Portale. Daß diese Behauptung richtig ist, lehrt ein Vergleich mit dem berühmten Portal von S. Jakob in Regensburg (Tafel XVI). Es scheinen sogar direkte Beziehungen zur Goldenen Pforte vorzuliegen, denn wir finden hier die freistehenden Säulen an der Front, auf denen Löwen liegen, wieder, die wir in Bamberg vermißten. Die Pfosten sind durch Schiffskehlen abgefast, die stärker als in Bamberg doch die gleiche Profilierung, Kehle zwischen zwei Wulsten, haben. Ihre Anläufe beginnen direkt unter dem Kämpfer und sind (hier auch der untere) mit Figürchen besetzt wie in Bamberg und Freiberg. Die Dekoration der Säulen aber setzt sich nicht in der Wölbung fort, die Rundstäbe sind glatt.

 

1184 soll S. Jakob und somit auch das Portal vollendet sein.

 

Das eigentliche Portal fügt sich zwanglos in die Gruppe der bayrischen Portale ein, der Portalbau insgesamt ist aber in Bayern und in Italien ohne Parallelen. Dehio weist in seinem Handbuch auf westfranzösischen Einschlag hin. Schon F. Keller 3 fand eine gewisse Ähnlichkeit in der Gesamtdisposition mit dem Portal am Großmünster in Zürich, die durch eine gemeinsame westliche Quelle ihre Erklärung fände. Das Portal von S. Croix in Bordeaux scheint tatsächlich Dehio Recht zu geben. Ein breiter selbständiger Bau, zu beiden Seiten durch kräftige Pilaster und Säulen eingerahmt. Das eigentliche Portal sitzt ganz ähnlich wie in Regensburg in diesem Bau. Die übrig bleibende Fläche ist durch Arkatur belebt. Den Portalbau von S. Croix kann man sich entstanden denken als die verkleinerte Nachahmung einer Fassade, z. B. der von Notre Dame de la Grande in Poitiers. Hier ist sogar ein Rundbogenfries, der dem in Regensburg gleicht.

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1 Zimmermann, „Oberitalische Plastik“ 1897, Abb. 47.

2 Abbildung bei Nagler, „Notitiae origines domus boicae illustrantes» 1804.

3 „Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft zu Zürich“ I.

 

 

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57] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 215

 

Ein Portal in Moosburg, ungefähr 1180 zu datieren 1, bringt dieselben Motive wie Regensburg. An der Front sitzen, hier über Pilastern, die Löwen. Das Verhältnis von Pfosten und Säulen ist das gleiche, jene sind mit einem dünnen Rundstab besetzt und in die Kapitellzone einbezogen. Daß die Wölbung eine Vorstufe des Fürstenportales zu sein scheint, wurde bereits erwähnt. Nach Hager hat Moosburg Beziehungen zu Regensburg.

 

Wir sind durch die Oberpfalz nach Oberbayern gelangt; je weiter wir nach Süden vordringen, desto stärker spüren wir den oberitalienischen Einfluß. Straubing ist der nördlichste Punkt in Bayern, wo der gesonderte Türsturz vorkommt. Dies Portal hat große Ähnlichkeit mit S. Michele zu Pavia. Weiter südlich wird der Türsturz immer häufiger: Altenstadt, Freising, Reichenhall. Das Portal der Peterskirche in Salzburg unterscheidet sich in nichts mehr von oberitalienischen Portalen.

 

Es würde zu weit führen, das langsame Vordringen dieser Formen durch Tirol nach Bayern im einzelnen zu verfolgen, es würde damit auch nichts Neues gesagt werden.

 

Jedenfalls ist es wichtig, festzustellen, daß die besondere Gestaltung des Gewändes, die wir von Freiberg an fanden, genau so in Ferrara und Verona üblich ist.

 

Die Goldene Pforte und das Georgenportal (in gewisser Hinsicht auch das Fürstenportal) gehen direkt hervor aus den südbayrischen Portalen italienischer Färbung.

 

Ein schwacher Nachhall ließ sich in Naumburg feststellen.

 

Franck-Oberaspach 2 hat an mehreren Beispielen nachgewiesen, daß Architekt, Dekorateur und Bildhauer oft verschiedene Persönlichkeiten waren, die ihre Bildung in verschiedenen Gegenden erhalten hatten. Das trifft auch auf die Goldene Pforte zu. Der Architekt hat sich in Bayern gebildet, der Bildhauer in Sachsen. Aber beide haben Hand in Hand gearbeitet und so ein einheitlich empfundenes und gestaltetes Ganze geschaffen, in welchem Plastik und Architektur nicht weniger als in Frankreich zusammengewachsen sind. Der Architekt hat mit großem Geschick eine Portalform, die zur Aufnahme plastischen Schmuckes bisher nicht geeignet war, dazu umgebildet, ohne ihren Charakter zu zerstören.

 

Die Gewändestatuen, die vollplastisch vor die abgefasten Pfosten gestellt sind, als Pfeilerstatuen zu bezeichnen und aus Italien abzuleiten, wie es Reiche tut 3, geht wohl nicht an. Sie sind nur aus den örtlichen Verhältnissen zu begreifen; sie sind dem Gewände eingefügt unter möglichster Schonung der Architektur. Säulenstatuen hätten ihr geschadet. So eilen die Statuen der Entwicklung im Lande ihrer Abstammung, Frankreich, voraus, wo freigearbeitete Statuen, lösbar in die Architektur hineingestellt, erst später aufkommen. Die beiden Statuenportale in Bamberg und Magdeburg, die der Goldenen Pforte zeitlich vorangehen, haben ausgesprochene Säulenstatuen.

 

Franck-Oberaspach hat eine Bemerkung über das Verhältnis von Statue und Gewände gemacht 4, die Widerspruch herausfordert. Er schreibt: „er hat die Säulen aus der Abtreppung herausgenommen, da, wo eine Figur hinkommen sollte, die Nische ausgefüllt und abgeschrägt und vor diese Schräge nun erst seine Figur gestellt“. Das beweist ein völliges Mißverstehen des Wesens dieser Architektur.

 

Eine Parallele zur Geschichte der Goldenen Pforte bietet das Doppelportal am Querschiff des Straßburger Münsters. Auch hier ist die Plastik französisch-gotisch, die Architektur romanisch. In der äußeren Rahmung erkennt man noch Hirsauer Gewohnheit. Die leichte Neigung zum

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1 Hager, a. a. O., S. 92. -- 2 Repertor. XXII, S. 105. -- 3 A. a. O., S. 9.

4 „Der Meister der Ecclesia und Synagoge“ 1903, S. 77.

 

Zeitschrift für Geschichte der Architektur. Beiheft VI.

 

 

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216 Burkhard Meier. [58

 

Hufeisenbogen in der Wölbung findet sich ebenso in dem nahegelegenen Schwarzach (bei Kehl). Dieses Portal, auch in der Skulptur des Tympanums noch rein romanisch, könnte auf Straßburg von Einfluß gewesen sein.

 

Die Anordnung des Tympanums in Straßburg mit dem darunterhängenden Relief ist bereits französisch, merkwürdigerweise aber nicht von Chartres, sondern von Laon abhängig.

 

Franck-Oberaspach vermutet, daß die Skulpturen erst nachträglich dem fertigen Portal eingefügt wurden. Das ist aber wenig wahrscheinlich.

 

Die Goldene Pforte nach ihrer Architektur zu datieren, würde zu keinem gewissen Ergebnis kommen. Die Plastik bietet mehr Anhaltspunkte. Goldschmidt setzt das Werk auf Grund dessen um das Jahr 1225. Das wird das frühest mögliche Datum sein. Bis zum Erscheinen der Naumburger Stifter ist in Sachsen nichts mehr geschaffen worden, was über die Freiberger Plastik hinausführte. Wir gewinnen einen Spielraum für die Entstehung, der von 1225 bis zur Jahrhundertmitte reicht.

 

Für eine spätere Datierung spricht auch, daß die Pforte keine Nachfolge mehr gefunden hat, außer in dem hübschen, aber unbedeutenden Portal von Tharandt. 1 Man stand eben dicht vor dem Einbruch der Gotik, die von der Jahrhundertmitte ab auch die Architektonik der Portale bestimmt.

 

In der Geschichte des romanischen Portales sind der bedeutendste und interessanteste Teil die Säulenportale mit treppenförmiger Anlage. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bilden sich vier deutlich unterschiedene Gruppen in Deutschland: 1. die oberrheinische Gruppe, 2. die sächsische, 3. die rheinisch-westfälische, 4. die bayrisch-fränkische Gruppe.

 

Eine kleine Sondergruppe mit wenigen Mitgliedern ist die mittelrheinische: Mainz mit Maulbronn und Ilbenstadt, unabhängig von diesen einige Wormser Portale. Sie haben direkte italienische Beziehungen und bilden ihr Gewände infolgedessen ähnlich den bayrischen Portalen, die, wie wir sahen, besonders intime Beziehungen zu Oberitalien haben.

 

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Von dem Oberhaupt der oberrheinischen Gruppe, der Galluspforte, ließ sich nicht nachweisen, woher die besondere Gestaltung des Gewändes stammt. Alle italienisch beeinflußten Portale in Deutschland sind abweichend angelegt. Gerade für die sächsische Gruppe, die uns hier besonders interessiert, wäre eine überzeugende Ableitung der Galluspforte wichtig gewesen, da sie ohne diese nicht denkbar ist. Wir müssen uns bescheiden, die engen Beziehungen, die zwischen der Galluspforte und Paulinzelle und somit zwischen der oberrheinischen und sächsischen Gruppe bestehen, festgestellt zu haben. Wie jene die Gestalt der sächsischen Säulenportale im 12. Jahrhundert bestimmt, so die rheinisch-westfälische und die bayrisch-fränkische im 13. Jahrhundert. Jede Gruppe hat eine bedeutende Leistung in Sachsen geschaffen, die rheinische in dem Portal von Marienberg, die bayrische in der Goldenen Pforte.

 

Es ist merkwürdig, daß Schwaben, für einen großen Teil der sächsischen Portale von eminenter Bedeutung, bei der Schaffung des Säulenportales einfach ausschaltet. Dieses mußte sich Sachsen von jenseit des schwäbischen Gebietes holen. Die Säulenportale, die man in Schwaben findet, sind meist klägliche Leistungen, von der oberrheinischen oder mittelrheinischen Gruppe abhängig.

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1 Inventar Königreich Sachsen XXIV mit Abbildung.

 

 

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Anhang.

Die Tympana und ihr Schmuck.

 

Die bildlichen Darstellungen an romanischen Portalen haben von jeher großes Interesse erregt. Sich in ihrer Deutung zu versuchen, war besonders für Dilettanten von Reiz. Seit den grundlegenden Untersuchungen älterer Forscher, besonders Anton Springers, lag die Forschung lange Jahre still, erst „der Albanipsalter“ Adolph Goldschmidts (1895) bedeutete einen großen Fortschritt. Hier wurden auf Grund mit Erklärung versehener Darstellungen Deutungen gebracht, die das Sinnvolle und den Zusammenhang der Darstellungen betonten, ohne wiederum der Gefahr zu verfallen, in jedem dekorativen Tier einen symbolischen Gedanken zu vermuten. So gelang zum ersten Male die Erklärung größerer Zyklen, wie des Pfarrhofportales in Remagen und des Jakobsportales in Regensburg.

 

Joseph Sauers „Symbolik des Kirchengebäudes“ (1902) zeigt gründliche Kenntnis der mittelalterlichen symbolischen Literatur, aber einen Mangel an kunsthistorischer Schulung und an Übersicht des Denkmälermaterials. Das Kapitel über den symbolischen Bilderschmuck ist eine unsystematische Aufzählung von Beispielen aller Völker und Zeiten in buntem Durcheinander.

 

Die zusammenstellungaller Darstellungen an sächsischen Portalen, die hier katalogartig folgen soll, ist eine rein kompilatorische Leistung. Berufenere werden mit dem hier vermittelten Material weiter arbeiten können. Neue Deuitungen sind nur selten versucht.

 

Rein ornamentaler Schmuck der Tympana -- diese kommen für die Darstellungen fast ausschließlich in Betracht – ist sehr selten, in den meisten Fällen ist ein symolischer Gedanke zum Ausdruck gekommen. Zwei Gedanken werden nach Goldschmidt dem Kirchgänger vorgeführt, entweder die Gefahren der Welt und der Kampf der guten und bösen Mächte oder das Heil, das in der Darstellung Christi den Gläubigen winkt.

 

In Sachsen sind die Darstellungen, besonders an Dorfkirchen, häufiger als in anderen Gebieten.

 

Zuerst eine Erörterung der Frage: Wann kommen die Darstellungen an Tympana auf? In den sächsischen Inventaren findet man die merkwürdigsten Begriffe über die Datierung, eine völlige Unsicherheit herrscht da.

 

Das antike Portal kannte auf dem Sturz keinen anderen Schmuck als die Rahmenprofilierung. In Kleinasien kommen zuerst im 4. Jahrhundert symbolische Zeichen auf den Stürzen vor. In Andaval sind es drei griechische Kreuze. 1 Unter orientalischem Einfluß finden sich in karolingisch-ottonischer Zeit skulpierte Stürze am Niederrhein: Engelstadt, Pfeddersheim, Pfaffenhofen 2 (Tafel I). In Ingelheim war der Sturz nur profiliert, aber das glatte Bogenfeld war vielleicht bemalt.

 

In Sachsen sind die Tympana anfangs glatt, selbst ohne Rahmen: Gernrode, Hildesheim, Quedlinburg. Erst in der Hirsauer Schule erhalten sie ein vertieftes Mittelfeld und einen Rahmen. Hirsauisch ist auch die Teilung der Tympana in Felder durch den Mittelbalken. Sie ist in Sachsen

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1 Strzygowski, „Kleinasien etc.“, S. 67. Jahrbuch d. Pr. K.-S. XXV, S. 266. -- 2 S. Kapitel 1.

 

 

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218 Burkhard Meier. [60

 

außerordentlich häufig. In Schwaben ist sie seltener: Hildrizhausen, Weinsberg. Im Elsaßß: Neuweiler, Hagenau, Altdorf.

 

Der Schmuck durch Malerei geht dem plastischen Schmuck voran.

 

In Paulinzelle und auf dem Pertersberg in Erfurt sind zum erstenmal Spuren von Malerei erhalten; diesen reiht sich das späte Portal von Stadtilm an. Diesen dreien ist gemeinsam, daß die Heiligenscheine durch einen dichten Kranz eingemeißelter radialer Strahlen dargestellt sind.

 

1. Paulinzelle (Tafel IV). Maria, das Kind links von sich haltend, zu jeder Seite ein tiefer sitzender Heiligenschein, der wahrscheinlich Engeln angehörte. Später wurde das Feld verputzt, wobei das feine Rahmenprofil verdeckt wurde. Man erkennt neben dem Schein rechts eine gemalte Weltkugel, anscheinend barock. Holtmeyers Ansichten sind irrig. 1 Er sieht z. B. Neben Maria und Kind noch Gottvater mit Weltkugel. Die ursprüngliche Darstellung der Maria mit den Engeln gehört zum ersten Bau.

 

2. Pertersberg (Tafel III). Maria, das Kind auf ihrer rechten Seite haltend, zu jeder Seite ein Engel mit byzantinischer Flügelstellung, alle in Halbfiguren. Auf dem Rahmen das Allahornament. In den Zwickeln zwischen Wölbung und rechteckigem Rahmen schwer erkennbare Figuren, die Modelle tragen, in symmetrischer Anordnung.

 

3. Stadtilm (Tafel XI). Maria mit Kind thronend. Der Thron ist wie die Heiligenscheine angedeutet. Auf jeder Seite ein knieender Engel. Jetzt sieht man an Stelle der Madonna und des Thrones ein rätselhaftes Gebilde, das eine spätere Hinzufügung ist, als die Malerei bereits zerstört war.

 

Deutliche Reste von Malerei ferner in Pforta: Neben einem Reliefkreuz in Mandorla Maria und Johannes. 2

 

Von den meisten glatten Bogenfeldern kann man annehmen, daß sie bemalt waren. Das Südportal in Marienberg hatte vor seiner Erneuerung Spuren von Malerei.

 

Die leeren zweifeldrigen Tympana werden höchstens gemalte Rosetten besessen haben, doch sind Spuren nicht erhalten.

 

Die große Masse der Tympana hatte plastischen Schmuck. Kein Stück ist mit Sicherheit der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts zuzuweisen. Die meisten sind rohe handwerkliche Arbeiten und einer stilistischen Untersuchung nicht zugänglich. Ein Tympanon in Odagsen (bei Einbeck) 3 trägt die Jahreszahl 1183. Es zeigt eine sehr einfache Dekoration. In der Mitte ein Vortragekreuz, zwischen den Armen Blattschmuck, auf jeder Seite ein Lilienbaum auf Halbkreis und ein palmettenartiges Blattgebilde. Eine Inschrift bildet die Umrahmung.

 

Ein Tympanum in Gandersheim 4, jetzt über einer gotischen Tür vermauert, recht roh, aber mit deutlichen Stilmerkmalen, läßt sich ungefähr in dieselbe Zeit datieren. Es hat gewisse Ähnlichkeiten mit den Pfeilerstatuen der Galluspforte, ohne daß damit wirkliche Beziehungen behauptet werden sollen; sie finden sich in den Gewandsäumen, die mit Perlen und Sternchen besetzt sind, in dem linearen Schwung der Falten, die Neigung zu lebhafter Bewegung haben und doch aus dem Zwang unplastischen Empfindens nicht recht heraus können. Um das Jahr 1180 sind auch die Skulpturen der Landsberger Portale entstanden. Es gibt in Sachsen kein Stück, das irgendwelche Anhaltspunkte zu früherer Datierung böte.

 

Wir dürfen daraus schließen, daß die ganze Masse der Tympana an Dorfkirchen die wegen ihrer großen Roheit und unbehilflichkeit oft in ganz frühe Zeit datiert wurden, erst in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, wahrscheinlich nicht vor dem letzten Viertel, oft sogar erst im 13. Jahrhundert, entstanden sind.

 

Es folgen eine gedrängte Übersicht über die Themata und, wenn nötig, zu den einzelnen Stücken kurze Anmerkungen. 5

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1 A. a. O., S. 170, Anm. 147. -- 2 Inventar Provinz Sachsen XXVI, Abb. 100.

3 Abgebildet Mithoff, „Kunstdenkmäler im Hannoverschen“ II, 1873, S. 164, Tafel 4. Von der Inschrift nur entzifferbar: anno domn. incar. MCLXXXIII. -- 4 Abgebildet Inventar Braunschweig V.

5 Die Inventare bilden fast alle Tymana, wenn auch meist in schlechten Zeichnungen ab. Es ist deshalb nicht hinzugefügt, daß eine Abbildung vorhanden ist.

 

 

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61] Die romanischen Protale zwischen Weser und Elbe. 219

 

Das Christusthema, also der Gedanke des Heils und der Erlösung, ist am häufigsten vertreten.

1. Christus in majestate.

a) In der Mandorla von Engeln getragen

Landsberg 1 (Tafel XVII), Naumburg (Hauptportal).

b) Zwischen Petrus und Paulus-Museum

Gandersheim 2, Goslar 3, Beesenlaublingen 4.

c) Zwischen beiden Johannes und deren Symbolen

Elstertrebnitz 5, Dornstedt 6, Ilsenburg, Klosterkirche 7.

d) Zwischen zwei heiligen Bischöfen

Hildesheim, S. Godehard 8 (Tafel VII).

e) Zwischen Kain und Abel

Wennigsen 9.

f) Zwischen zwei Rosetten 10

Heiligenthal 11, Gehrden 12.

g) Allein

Bierbergen 13, Lachem 14.

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1 S. u. S. 66.

2 S. S. 60.

3 Eingemauert an der Frankenberger Kirche. Sehr verwittert. Nimben mit muschelartiger Riffelung. Roh, aber plastisch empfunden. Nach Bode, „Deutsche Plastik“ S. 42, ca. 12500, meiner Ansicht nach etwas früher.

4 Abgebildet Inventar Provinz Sachsen N. F. I.

5 Flechsig, Sammlung des sächsischen Altertumsvereins, Tafel I. Inventar Königreich Sachsen XV. Anders denkt Bergner „Monatsschrift für Gottesdienst und kirchliche Kunst“, 1898, S. 3 35.

6 Inventar Provinz Sachsen XIX, nach Brinkmann die Dreieinigkeit.

7 Inventar Provinz Sachsen VII, abgebildet bei Schäfer, a. a. O., ca. 1230. Das Tympanon sitzt in einem ganz verfallenen Portal zwischen den Westtürmen, das zu dem rheinisch-westfälischen Typus gehört.

8 Bode, a. a. O., S. 42; Goldschmidt, Jahrb. d. Pr. K.-S. XX; Zeller a. a. O., Tafel 37; Bachem, Berliner Dissertation, 1908, S. 17.

Bode und Bachem datieren 1240-1250. Bachem findet die Arbeit mäßig. Goldschmidt glaubt mit Recht, daß diese hervorragende Arbeit bereits um das Jahr 1200 entstanden sein kann. Dargestellt sind Godehard und Epiphanius. Bernward, den Bode nennt, wäre an sich nicht unmöglich an Stelle von Epiphanius. Bernward wird aber durch sein Kreuz oder Kirchenmodell gekennzeichnet, Epiphanius durch Schriftband. Der Bischof des Portales hält ein Buch.

9 Mithoff, a. a. O. I, 1871, Tafel 4. Inventar Provinz Hannover I, 1. Christus auf reichem Thron, links Abel ein Lamm darbringend, rechts Kain mit Garbe. Über Kain und Abel je ein vertiefter Kreis. Umrahmung wie in Königslutter (S. 65) durch flachen Rundbogenfries im Halbkreis. Die Kirche 1224 zuerst erwähnt. In diese Zeit paßt der Stil, der an gleichzeitige Miniaturen erinnert. Diese Darstellung auch sonst selten. In Sachsen nur auf der Kanzel in Wechselburg. Haseloff „Thüringisch-Sächsische Malerschule“ verzeichnet sie nicht.

10 Über die Bedeutung der Rosetten siehe weiter unten.

11 Inventar Provinz Sachsen XIX. Albanipsalter, S. 80. Brinkmann, der Verfasser des Inventars, setzt das Portal in das 11. Jahrhundert. Das Brustbild Christi sitzt auf eigentümlich gewelltem Grunde. Nach Goldschmidt ist der Körper Christi in eine Quelle verwandelt, nach Psalm 41, V. 1: „Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser“.

12 Mithoff I, Tafel 4. Inventar Hannover I, 1, S. 72 Abb. Der Ort 1233 zuerst erwähnt, das Portal in ausgebildetem Übergangsstil nicht früher.

13 Mithoff III, Tafel 6. Bertram: „Geschichte des Bistums Hildesheim“, 1899, abgebildet S. 267. Am unteren Rande eine Inschrift, von der zu entziffern ist: Lambertus me fecit . . . . . . ora pro eo. Der Gewandbehandlung nach Anfang des 13. Jahrhunderts.

14 Mithoff I, Tafel 4. Christus hält mit ausgebreiteten Armen ein Schriftband, auf dem zu lesen ist: eu te serve bone. Auf dem Heiligenschein steht: jhs. Nazarenus r. Jud.

 

 

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220 Burkhard Meier. [62

 

2. Crucifixus.

a) Mit Maria und Johannes

Arnstadt 1 (Tafel X), Mühlhausen 2, Zerbst 3.

b) mit Rosetten.

Aue-Aylsdorf 4.

 

Die Darstellung des Crucifixus scheint erst im 13. Jahrhundert aufzukommen, denn Arnstadt, Mühlhausen und Zerbst fallen bereits in das 13. Jahrhundert; infolgedessen wird auch der bekleidete Crucifixus in Aue-Aylsorf nicht mehr in das 12. Jahrhundert fallen, wofür auch die Gliederung der Portalwandung spricht.

 

An die Stelle figürlicher Darstellungen treten, oft besonders an Dorfkirchen, symbolische Zeichen.

 

An Stelle des Christus in majestate tritt die Hand mit segnender Gebärde, an Stelle des Crucifixus treten das Lamm (mit Kelch und Kreuzesfahne) oder das einfache Kreuz. Über die Bedeutung der Rosetten ist man bisher nie recht klar geworden. In den meisten Fällen sind sie nicht nur Dekoration, sondern Symbole. Sie haben aber ganz verschiedene Bedeutung, je nach ihrer Stellung. Sitzen sie zur Seite des Christus in majestate oder der segnenden Hand, so vertreten sie Petrus und Paulus oder die beiden Johannes; sitzen sie zur Seite des Crucifixus oder des Lammes oder des Kreuzes, so vertreten sie Maria und Johannes. Sitzen sie über den Querbalken des Kreuzes, so deuten sie auf Sonne und Mond hin. Dabei ist nicht ausgeschlossen, daß sie oft nur als Füllornament dienen. Vielleicht ist der Ausdruck „Symbole“ nicht ganz zutreffend, sie deuten nur an: an dieser Stelle steht eigentlich Petrus oder Maria usw. Sie sind von verschiedenster Gestalt: radiale Blättchen, kleine Palmetten, verschlungene Bänder. Manchmal kann man sie gar nicht mehr als Rosetten bezeichnen. Treten sie in größerer Anzahl auf, so wird man sie nur als Füllmotive zu betrachten haben.

 

Die Rosetten gehören schon zum typischen Bestande der byzantinischen und islamischen Kunst. 5 Im Kaiser-Friedrich-Museum zu Berlin befindet sich ein Holzarchitrav koptischer Herkunft 6, auf dem ein Kreuz zwischen zwei Rosetten dargestellt ist. Der Ursprung ist auch von Courajod und Marignan eingehend behandelt worden. 6 Nach ihnen sind Rosetten und Sterne uralte Symbole, mit religiösen Vorstellungen verknüpft.

 

Es folgt eine Aufzählung der Symbole, sie sind im östlichen Teile unseres Gebietes seltener, besonders häufig am Südostrande des Harzes, um Mansfeld und Halle herum und im Königreich Sachsen.

 

3. Symbol Christi: Hand, Lamm oder Kreuz.

a) Lamm mit der hinweisenden Hand Johannes des Täufers und einer Rosette Oberröblingen 7, Rheden 8.

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1 Nordportal. Stilstufe der klugen und törichten Jungfrauen, die im Chor des Magdeburger Domes eingemauert sind. Auf jeder Seite kniet ein Stifter in weltlicher Kleidung, links die Frau, rechts der Mann. Auf diesen bezieht sich wohl die Inschrift am Rande: Wilhelm. Auf der linken Seite steht die moderne Inschrift: Episcopus.

Die Figuren sind fast freiplastisch gearbeitet und auf dem Sturz angebracht.

2 Über dem Windfang an der Innenseite des Hauptportales in der Blasiuskirche angebracht. Sehr weiche Formen, ca. 1230.

3 Abgeschlagen; soweit zu sehen, keine schlechte Arbeit. Hochrelief, aber in einer tiefen Mulde sitzend.

4 Inventar Provinz Sachsen I. Die Rosetten sitzen über den Querbalken des Kreuzes. Christus ist mit einem langen Rock bekleidet. Zu jeder Seite ein Lilienbaum, ähnlich Odagsen. Der noch übrig bleibende Raum durch einen langen Zweig und ein vierteiliges Blatt ausgefüllt.

5 Strzygowski, Jahrb. d. Pr. K.-S. XXV, S. 266.

6 „Les temps francs», Bericht Vöges im Repert. 1902.

7 Inventar Provinz Sachsen XIX. Eine Zwischenstufe. Johannes der Täufer hat noch ein besonderes Kennzeichen erhalten. Die Rosette ist logischerweise Johannes der Evangelist. Meistens macht man es sich noch bequemer und gibt auch für den Täufer eine Rosette. -- 8 Mithoff III, Tafel 4.

 

 

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63] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 221

 

b) Zwischen zwei Rosetten

Burgsdorf 1, Unter-Greislau 2, Hornburg 3, Nauendorf a. Petersberge 4, Schkauditz 5, Rochsburg 6, Wechselburg 7, Odagsen 8.

c) Mit einer Rosette

Groß-Ammensleben 9, Knobelsdorf 10.

d) Allein

Naumburg 11 (Tafel XIX), Naundorf bei Eisleben 12, Groß-Ottersleben 13, Oberröblingen 14, Unter-Rißdorf 15, Seeburg 16, Wormsleben 17, Wischroda 18, Oberelsdorf 19, Werkleits 20, Wolferstedt 21, Meerbek 22, Ronnenberg 23.

e) Lamm mit den vier Evangelistensymbolen

Ober-Greislau 24.

 

Drei Rosetten nur auf einem Sturz im Kreuzgang zu Gernrode 25.

 

Die häufige Teilung der Tympana in zwei Felder bedingte symmetrische Füllungen. Der Mittelpunkt, Christus, mußte fortfallen, abgesehen von zwei Ausnahmen, Ammensleben und Knobelsdorf, wo eine Rosette fortfiel und das Symbol Christi, auf die Seite gerückt, ein Feld füllte.

 

Sehr oft findet sich in jedem Felde eine Rosette, für deren Deulung uns das Symbol Christi nicht zu Hilfe kommen kann. Sie werden nur Füllornament sein.

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1 Inventar Provinz Sachsen XIX. Die segnende Hand, dahinter ein Kreuz, sitzt in einem Kranz, den von oben eine zweite Hand erfaßt. Nach Brinkmann ist die erste Hand die flehende Hand eines Beters; dies ist sehr unwahrscheinlich. Die leierartigen Instrumente und noch mehr die Violine außerhalb des Halbkreisfeldes sehen modern aus. Das eigentliche Feld sitzt in einem großen sturzartigen Stein.

2 Inventar Provinz Sachsen III. Kreuz.

3 Inventar Provinz Sachsen XIX. Das Lamm mit der Kreuzesfahne sitzt in einem besonderen Kleeblattrahmen.

4 Inventar Provinz Sachsen N. F. I. Giebelförmiger Sturz, zur Gruppe des Landsberges gehörig (s. S. 40). Die Hand im Kleeblattrahmen ähnlich Hornburg.

5 Inventar Provinz Sachsen I. Kreuz, die Rosetten über den Querbalken, also wahrscheinlich Sonne und Mond.

6 Inventar Königreich Sachsen XIV. Das Lamm trägt eine Lilie, die es, sich umwendend, küßt.

7 Inventar Königreich Sachsen XIV. Lamm, ähnlich Rochsburg. -- 8 S. S. 60.

9 In zwei Felder geteilt, links die Rosette, rechts das Lamm. Für eine zweite Rosette war kein Platz.

10 Inventar Königreich Sachsen XXV. Wie Ammensleben. Beide bilden eine Ausnahme. Bei zwei Feldern ist die Füllung sonst symmetrisch.

11 Tür im Ostchor. Lamm mit Kreuz vor Ranken, die das Feld ausfüllen.

12 Inventar Provinz Sachsen XIX. Griechisches Kreuz in einem Kreis, ähnlich dem nahegelegenen Burgsdorf.

13 Griechisches Kreuz.

14 Inventar Provinz Sachsen XIX. Griechisches Kreuz.

15 Inventar Provinz Sachsen XIX. Hand in Kranz, vergl. Anm. 1.

16 Inventar Provinz Sachsen XIX. Kreuz. -- 17 Inventar Provinz Sachsen XIX. Kreuz.

18 Inventar Provinz Sachsen IX. -- 19 Inventar Königreich Sachsen XIV. Kreuz.

20 Inventar Provinz Sachsen X. Kreuz.

21 Inventar Sachsen-Weimar II. Griechisches Kreuz, auf der Kreuzung Rosette. Am Rande 12 Kreise. Nach dem Inventar die 12 Apostel.

22 Inventar Schaumburg-Lippe.

23 Inventar Provinz Hannover I. Drei Tympana: 1. Griechisches Kreuz auf Halbkreis; 2. Kreuz, auf jedem Querarm ein dreigeteiltes Blatt, vergl. Odagsen und Aue-Aylsdorf; 3. Kreuz mit Laubwerk umzogen.

24 Inventar Provinz Sachsen III Soll mit dem Tympanum in Freyburg verwandt sein (s. S. 65). Die Evangelistensymbole in Deutschland sehr selten: Soest, S. Patroclus, unter französischem Einfluß.

25 Wackenroder, „Das heilige Grab zu Gernrode“, Hall. Diss., 1907, S. 19, glaubt, daß er früher in der Tür des heiligen Grabes gesessen haben könnte und die Rosetten vielleicht die drei Siegel des Pilatus bedeuten.

 

 

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222 Burkhard Meier. [64

 

4. Zwei Rosetten.

Cöllme 1, Freist 2, Halberstadt 3, Naundorf bei Reideburg 4 (Tafel XVII), Petersberg b. H. 5, Schlettau 6, Flemmingen (S.-A.) 7, Penig 8, Moringen 9, Helmstedt 10.

Eine besondere Erwähnung wegen der feinen Arbeit verdienen die Rosetten der Tympana auf dem Petersberge b. H., in Schlettau und Naundorf. Sie sind sehr zierlich und ganz erhaben gearbeitet; jedes Feld ist außerdem von einer Hohlkehle umsäumt, in der wieder Rosetten sitzen. Das Vorbild für alle drei ist das Portal im Dom zu Naumburg gewesen, das vom Kreuzgang in das Seitenschiff führt. Diese Tympana fallen also etwa in die zwanziger Jahre des 13. Jahrhunderts.

 

5. Zwei große und zwei kleine Rosetten.

Griesheim 11, Wechselburg 12.

 

6. Symmetrische Tierdarstellungen.

Hamersleben 13, Zuchau 14, Kemnade 15, Wunstorf 16.

 

Weniger häufig werden die Gefahren, die den Menschen bedrohen, und der Kampf der guten und bösen Mächte zum Ausdruck gebracht, vielfach im Anschluß an die Zweiteilung.

 

7. Symbolische Kampfszenen.

Dungelbeck 17, Alsleben 18, Gernrode 19, diese drei mit der Teilung in zwei Felder; ohne diese: Sylbitz 20, Wartburg 21, Lichtenwalde 22, Wechselburg 23, Holtensen 24, Reinhausen 25.

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1 Inventar Provinz Sachsen XIX. -- 2 Inventar Provinz Sachsen XIX. -- 3 Burchardi, Inventar Provinz Sachsen XXIII, s. S. 30. -- 4 Inventar Provinz Sachsen XVI. -- 5 Eingang zum Lapidarium. -- 6 Inventar Provinz Sachsen N. F. I. -- 7 Inventar Sachsen-Altenburg I. Nach Lüttich, Naumburger Gymnasialprogramm 1902, der mittleren Krypta in Naumburg verwandt. -- 8 Inventar Königreich Sachsen XIV. Die Rosettien haben halbkugelförmige Gestalt. Von ihnen strahlen Akanthuszweige aus. -- 9 M.-A. Baudenkmäler Niedersachsens III, Bl. 122, s. S. 29 dieser Arbeit. -- 10 Ludgerikirche, jetzt Braunschweig. Vaterl. Museum. In der Mitte eine Nische, wohl zur Aufnahme eines Figürchens bestimmt. -- 11 Inventar Schwarzburg-Rudolstadt. Trennung durch Säule. -- 12 Querschiffportal. Anstatt der Rosetten sind es in jedem Feld ein großer und ein kleiner Lilienbaum auf Halbkreisen. -- 13 Inventar Provinz Sachsen XIV. Zwei liegende Löwen zu Seiten einer Säule. Sogen. orientalisches Teppichmuster. Die Löwen als Wächter. Otte, „Deutsche Baukunst“, Fig. 239, fühlt sich mit Recht an das Löwentor in Mykene erinnert. Ein zweites Bogenfeld, nicht mehr am alten Ort, ist das gedankliche Gegenstück. In dem durch einen breiten Rahmen herausgehobenen Mittelfeld sitzen zwei Drachen, die zwei Weinreben, welche den Rahmen füllen, verschlingen. -- 14 Inventar Provinz Sachsen X. Ohne Trennung in der Mitte. Zwei löwenartige Tiere, welche sich nach einem kleinen Kreis am Scheitel, der ein Kreuz enthält, aufrichten. Ebenfalls Wächter. -- 15 Zeitschrift für Bauwesen, 1899, Tafel 35. Dort: „11. Jahrhundert“. Ähnlich Hamersleben. -- 16 Sakristeitür. Zwei Vögel schreiten aufeinander zu, offenbar in friedlicher Absicht, worauf die Inschrift auf dem Rahmen hindeutet: pax huic domui et omnibus. -- 17 Mithoff III, Tafel 6. Links ein hundeähnliches Tier, rechts ein Tier, halb Schwein, halb Drache in heftiger Bewegung gegeneinander. Nach Bertram, a. a. O., Hund und Schwein als kirchenfeindliche Tiere. Es scheint aber eine Kampfesszene zu sein, s. Anm. 19. -- 18 Inventar Provinz Sachsen XIX. Jetzt in Gernrode innen über dem Windfang des Hauptportales. Getrennt durch einen Palmettenbaum stehen Löwe und Drache gegeneinander. Goldschmidt, Albanipsalter, S. 63, glaubt, daß beide als Vertreter des Bösen auf die Palme, das Sinnbild Christi, eindringen. -- 19 An der ehemaligen Klostermauer. Schäfer, a. a. O., Tafel 43. In der Mitte eine Säule, rechts ein Centaur auf einen davoneilenden Drachen links schießend. Die bösen Geister, die einander vernichten; vielleicht liegt derselbe Gedanke in Dungelbeck vor. -- 20 Inventar Provinz Sachsen N. F. I. Völlig unverständliche Darstellung. - 21 Weber, „Geschichte der Wartburg“, 1907, S. 118. Vom alten Torturm. Eine Aspis hat einen Ritter bis zu den Hüften verschlungen. Es soll eine Szene aus der Heldensage vorliegen. Nach Goldschmidt, a. a. O., S. 67, dagegen eine Illustration zu Psalm 69, V.5. -- 22 Inventar Königreich Sachsen VI. Löwe schlägt einen Drachen in die Flucht. Auch dieses Stück auf einer Burg. Hier waren Kampfszenen beliebt, vergl. Pfalz in Gelnhausen, Coucy-le-Chateau bei Soissons. Goldschmidt, a. a. O., S. 80. Der Drache hält mit seinem Schwanze einen Weinzweig, von dessen Trauben herabfliegende Vögel zu picken versuchen: Die Nahrung des Gläubigen, der Weinstock, vom Bösen bedroht; vom Löwen, dem Symbol der Macht Christi, gerettet. Der symbolische Gedanke ist selten so klar ausgedrückt. -- 23 Kampf zwischen Löwe und Drache, s. S. 66. -- 24 Mithoff 1, Tafel4. Tier einen menschlichen Kopf angreifend, daneben Rebe. Goldschmidt, S. 80: Der Mensch bedrängt, der Weinstock als Erlöser. -- 25 Mithoff II, Tafel 4. Löwe mit menschlichem Kopf im Maul.

 

 

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65] Die romanischen Portale zwischen Weger und Elbe. 223

 

Im Zusammenhang mit den Tierdarstellungen mag noch ein Fragment in Freyburg a. U. erwähnt werden. Es ist nur ein Tier erhalten, das Bergner zu einer symmetrischen Darstellung ergänzt. 1

 

Die Tympana mit zwei leeren Feldern bieten wenig Interesse. Durch zwei gedrehte Taue geteilt sind die Tympana in Paulinzelle 2 und Nordhausen 3.

 

Durch die reiche Dekoration des Rahmens sind beachtenswert Wunstorf 4 und Creisfeld 5.

 

Ganz einfach mit zwei leeren Feldern sind die Tympana in Aken, Jerichow 6, Petersberg b. H. 7 (Tafel X), Amelunxborn.

 

S. Maria.

a) Mit Kind und Engeln

Paulinzelle, Petersberg, Stadtilm 8, Freyburg a. U. 9 (Tafel XVIII).

b) Mit Kind und Stiftern

Holzzelle 10, Quedlinburg 11, Reinsdorf 12.

c) Allein

Königslutter 13.

 

9. Einzelne Heilige.

S. Nikolaus: Landsberg, Stadtkirche 14 (Tafel XVIII); S. Stephanus: Mehringen 15; S. Ulrich: Sangerhausen 16; S. Petrus: Heiningen 17.

 

10. Adam und Eva.

Gumperda 18.

 

11. Darstellungen historischen Inhalts.

a) Stifter Arnstadt 19 (Tafel X), Quedlinburg 20, Reinsdorf 20, Holzzelle 20 (Tafel XVIII).

b) Ludwig der Springer und der heilige Ulrich

Sangerhausen 20.

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1 Inventar Provinz Sachsen XXVII. Ohne Abbildung. Bergner charakterisiert es folgendermaßen: „Ein abenteuerliches Tier marschiert nachdenklich nach rechts“.

2 Tür, die vom Kreuzgang in das Querschiff führte. Lehfeldt hält die Taue für modern. Holtmeyer, a. a. O., S. 131, glaubt, daß durch das Tau die Aufhängung des Türsturzes an den Bogen versinnbildlicht werden soll! Ähnlich Lüssem, Inventar Rheinlande IV, Heft 4, S. 41.

3 Inventar Provinz Sachsen XI, S. 67. Turmtür im Inneren des Domes.

4 Abgebildet Dehio-Bezold, Tafel 350. Nicht am alten Ort, dort aber noch die Inschrift: praesidet his portis, qui tollit vincula mortis. -- 5 Inventar Provinz Sachsen XVIII. Verschollen.

6 Eingang vom Kreuzgang in die Kirche. -- 7 Hauptportal, s. S. 38. -- 8 S. zu diesen dreien S. 60.

9 Inventar Provinz Sachsen XXVII. Thronend, zu jeder Seite ein räucherfaßschwingender Engel, Flügelstellung wie in Naumburg. Einzige plastische Darstellung dieses Themas, ca. 1225. -- 10 S. S. 66.

11 Aus dem Wipertikloster, jetzt Städtisches Museum, auf jeder Seite kniet ein Stifter, trotz der großen Roheit von tiefer Inbrunst, ca. 1230. -- 12 S. S. 66. -- 13 Tür zum Kapitelsaal, Stuck, Brustbild, die Augen waren eingesetzt. Inschrift: . . . ia dn. . . . . . Ein flacher Rundbogenfries umzieht im Halbkreis das Feld.

14 Inventar Provinz Sachen XVI. Stuck, Bischof mit Krummstab zwischen Lamm mit Fahne und Löwe. Umschrift im Halbkreis: O Nicolae precibus dominum places ab hinc tuo populo sit laus semper deo nostro. Am unteren Rande: Qui transit dicat quod se virtutibus ornat.

15 Inventar Anhalt, S. 176. Steinigung, Stephanus kniet in der Mitte, auf jeder Seite ein Steine werfender Jude, darüber die Hand Gottes. Haseloff, Malerschule, S. 208, kennt zwei ähnliche Darstellungen. Inschrift: Lapidabant Judei Stephanum invocante et dicente dne Jhv suscipe spiritum meum. Gute Arbeit.

16 S. S. 66. -- 17 Das Tympanum steht jetzt im Garten. Das Figürchen ist nachträglich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts aus dem Stein herausgehauen und steht wie in einer Nische.

18 Inventar Sachsen-Altenburg II. Rechteckiger Sturz, darin durch eine Weinrebe ein Halbkreisfeld abgesondert, in diesem Sündenfall, außen in den Zwickeln Adam hackend, Eva am Spinnrocken.

19 S. S. 62, -- 20 S. oben und S. 66.

 

Zeitschrift für Geschichte der Architektur. Beiheft VI.

 

 

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224 Burkhard Meier. [66

 

Besondere Erwähnung verdienen folgende Darstellungen, die zumeist bereits verzeichnet sind.

 

Auf dem Tympanum in Sangerhausen 1 sitzt links eine Figur in eng anschließendem Gewande auf einem Faltstuhl, rechts zwischen zwei Säulen eine zweite Person. Diese Szene wird nach außen durch eine einfache Wellenranke im Halbkreis umrahmt, der sich innen eine Inschrift anschließt. Diese lautet: Suscipe sancte domum quam vinctus compede vovi. Sie und die Darstellung beziehen sich auf Ludwig den Springer, der 1114 in Gefangenschaft geraten, dem heiligen Ulrich die Kirche gelobte. Eine Datierung auf Grund des Stiles ist bei der schlechten Erhaltung nicht möglich.

 

Von den Stifter-Tympana zeichnen sich die zu Reinsdorf 2 und Holzzelle 3 durch eine größere Figurenzahl aus.

 

In Reinsdorf kniet links der Maria ein Priester mit dem Modell der Kirche, rechts ein Engel mit Blumenstengel und Büchse, ganz rechts geduckt ein Mönch, der auf den Anfang der Inschrift hinweist. Diese, von Größler rückläufig gelesen, lautet: Alma teotoka virgo (que regia) solve precatu nostra piacula plena reatu.

 

Das Tympanum aus Holzzelle, einem zerstörten, 1147 zuerst erwähnten Benediktinerinnenkloster, ist sehr beschädigt, läßt aber erkennen, daß es eine recht gute Arbeit ist, wenigstens besser als die anderen (Tafel XVIII). Es entstammt dem Anfang des 13. Jahrhunderts, wie die verwandten Stücke von Freyburg, Reinsdorf, Naumburg, Hauptportal.

 

Links von Maria kniet ein Erzbischof, durch Beischrift bezeichnet, dann folgt nach der Erklärung von Brinkmann weiter links die Stifterfamilie; die erste Person hält eine Büste, die zweite das Kirchenmodell, rechts von Maria knieen Äbtissin, Propst und Nonne (?), für die das Kloster bestimmt war. Es ist also der Weiheakt des Klosters ausführlich dargestellt. Ein breiter ornamentierter Rahmen umschloß das Ganze.

 

In Wechselburg gehören die Tympana des Doppelportales gedanklich zusammen, wie dies Steche im Inventar ausgeführt hat. Links ist der Kampf des Guten gegen das Böse dargestellt, rechts die Erlösung aus diesem Kampf durch den Opfertod Christi (s. S. 63 und 64).

 

Ein ähnlicher Gedanke ist in Heiligenthal zu erkennen. An den Türpfosten Kampf von Menschen und Löwen mit Drachen. Jene sind in arger Bedrängnis. Die Erlösung winkt durch die Gestalt Christi im Tympanum (s. S. 61).

 

Das Hineinziehen der Pfosten in die Darstellung findet sich noch zweimal in derselben Gegend: in Landsberg und Scharwegk.

 

Beiden scheint das vornehmste Thema, das überhaupt dargestellt wurde, das jüngste Gericht, zugrunde zu liegen.

 

In Scharwegk enthält der Sturz das Brustbild Christi, von einem Kreis umschlossen, links nahen zwei Frauengestalten, rechts zwei Männer mit ängstlicher Gebärde. Auf dem rechten Pfosten hebt Petrus warnend die Himmelsschlüssel, auf dem linken Pfosten Maria mit Kind, modern überarbeitet (s. S. 40).

 

Auf dem Tympanum des Hauptportales der Schloßkapelle in Landsberg (Tafel XVII) thront Christus auf dem Regenbogen und tritt mit den Füßen auf Aspis und Basilisk. Ihn umrahmt die Mandorla, die zwei Engel halten. Dann folgen auf jeder Seite drei Personen (in Holzzelle die gleiche Anzahl), von denen in den Zwickeln sind nur die Köpfe sichtbar. Vier sind als Heilige, zum Teil mit Schriftband gekennzeichnet, erkennbar nur Petrus und Paulus.

 

Auf den Türpfosten stehen je zwei Personen übereinander. Der Mann links oben hat Lanze, Schild und Flügel (Gabriel?), rechts oben ein weibliches Wesen, der Kopfbedeckung nach zu urteilen. Die unteren Figuren nicht mehr erkennbar.

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1 Inventar Provinz Sachsen V. Die Inschrift ist nach den Reinhardsbrunner Annalen festgestellt.

2 Inventar Provinz Sachsen XXVII. Von dem Meister des Freyburger Tympanums. Plath, Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte etc., 1893, bezieht das Tympanum auf eine Kapelle, die 1226 von Einhard v. Scheidungen gestiftet und der Maria und dem hl. Michael geweiht wurde. Dargestellt sind nach Plath der Ritter mit dem Modell und Michael. Seine Ausführungen sehr überzeugend. Die Inschrift im Inventar hübsch übersetzt. -- 3 Inventar Provinz Sachsen XIX. Jetzt Eisleben, Luthers Sterbehaus.

 

 

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67] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 225

 

Primitiver ist das jüngste Gericht in Eisdorf 1dargestellt. Dort thront Christus, links von ihm ein Lamm, rechts ein Drache, und scheidet die Seligen und Verdammten.

 

Tympana mit vornehmlich ornamentalem Schmuck.

 

Symbolische Gedanken sind in dieser Gruppe nicht ausgeschlossen, treten aber ganz in den Hintergrund.

 

In Eisenach ist das Tympanum von einer fächerartig ausgebreiteten Muschel besetzt, neben der nur noch zwei kleine Palmetten Platz haben.

 

Eine sächsische Besonderheit bilden die Rankentympana. In dieser Zahl sind sie sonst nirgends zu finden, und nur hier sind Leistungen vorhanden, die sich über die Mittelmäßigkeit der bisher besprochenen Stücke herausheben.

 

1. Gruppe aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts: Hildesheim, S. Godehard, Wunstorf, Landsberg, Münchenlohra, Neutz, Pfützenthal, Ilsenburg, Krosigk.

 

Bezeichnend für die Füllungen dieser Gruppe ist die regellose Zeichnung der Ranke, sie kriecht in jede Ecke hinein in dem Bestreben, keine Stelle leer zu lassen.

 

Das früheste Stück wird ein Tympanum am südlichen Seitenschiff von S. Godehard sein. 3 In der Mitte ein vielverzweigter Palmettenbaum, in den Zwickeln Tiere, aus deren Maul Palmettenranken wachsen.

 

Derselbe ungeschickte Handwerker hat auch einige Kapitelle im Inneren dekoriert.

 

Von diesem wird auch das Tympanum am südlichen Querschiff in Wunstorf sein 3, das, in zwei Felder geteilt, in jedem einen Palmettenbaum enthält. Eine sauber gezeichnete Wellenranke zieht auf dem Rahmen hin.

 

Denselben Charakter hat der Giebelsturz in Landsberg 4 (Tafel XVIII). In der Mitte zwei gegeneinander stehende Vögel, aus deren Schwänzen lange Wellenranken hervorwachsen; über den Vögeln ein Kopf, dem ebenfalls zwei Wellenranken entsprießen. Ein breiter Fries von Halbpalmetten bildet den Rahmen.

 

Für den oben Seite 27 behaupteten Zusammenhang von Münchenlohra und S. Godehard spricht auch ein Tympanum 5, welches das Muster von S. Godehard variiert. Aus Münchenlohra stammt ein Tympanum in Hainrode 6 mit Palmettenfüllung von ungewöhnlicher Zeichnung.

 

Die Tympana der Stadtkirche in Ilsenburg 7 (Taſel XIX) und in Krosigk 8 haben zwei tiefe Halbkreisnischen. Der übrigbleibende Raum wird durch Akanthusblattwerk ausgefüllt.

 

Sehr reizvolle Arbeiten hat die Werkstatt des Petersberges b. H. in Neutz (Tafel XIX) und Pfützenthal 9 geschaffen. In beiden Tympana sind Fische, die Symbole der christlichen Kirche, angebracht, der übrige Raum wird durch Palmetten-Lotos-Ranken in sehr sorgfältiger Zeichnung ausgeſüllt.

 

2. Gruppe des 13. Jahrhunderts: Magdeburg, Merseburg, Halberstadt, Gröningen, Braunschweig, Süpplingenburg, Naumburg, Mühlhausen.

 

Die erste Gruppe bildet eine Vorstufe zu der Gruppe des Übergangsstiles. Man kann diese nicht allein durch rheinische Einflüsse erklären, die sich nur etwa auf die Blattbildung erstrecken. Was es außerhalb Sachsens an Rankentympana gibt, ist unbedeutend. Der heimische Geschmack, schon im 12. Jahrhundert bemerkbar, hat sie geschaffen.

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1 Inventar Provinz Sachsen XIX. -- 2 Mithoff III, Tafel 5. Goldschmidt, S. 63, glaubt, daß die Tiere als zerstörendes Element symbolische Bedeutung haben. Der rein ornamentale Charakter überwiegt aber.

3 Mithoff I, S. 189. -- 4 Inventar Provinz Sachsen XVI und o. S. 40.

5 Inventar Provinz Sachsen XI. Sicher nicht «vielleicht 1666 einem vorhandenen Muster nachgebildet».

6 A. a. O.

7 Inventar Provinz Sachsen VII. Das Motiv ist einem gewöhnlichen Rundbogenfries entlehnt, besonders ähnlich an der Südseite der Frankenbergerkirche in Goslar: rechteckig abgestufte Bogen auf Kopfkonsolen. Vergl. Kreuzgangportal am Dom zu Worms und Rom in Dänemark.

8 Inventar Provinz Sachsen N. F. I.

9 Inventar Provinz Sachsen N. F. I und Inventar Provinz Sachsen XIX. S. o. S. 39.

 

 

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226 Burkhard Meier. [68

 

Im Magdeburger Dom sind drei Bogenfelder an Türen in den Abseiten des Chorquadrates, die teils auf die Osttürme, teils auf den Bischofsgang führen, mit Ranken geschmückt. Hamann hat eingehend die Herkunft ihrer Ornamentik untersucht. 1 Es sind von der Mitte der Grundlinie ausgehende sehr sorgfältig gezeichnete Spiralranken.

 

Das Tympanum des östlichen Portales der Nordseite 2 hat gebuckelte Blätter, es steht dem französischen Meister nahe. Die Ranken entspringen einem Kopf.

 

Am westlichen Tympanum derselben Seite hat ein rheinischer Künstler gearbeitet. 3

 

Das Tympanum an der Südseite 4 hat löffelartig ausgehöhlte Blätter, wie Sie der niederrheinischen Schule eigen sind. Die Spiralranken haben weniger kreisförmige als Kurvenbewegung und erinnern dadurch etwas an die Naumburger Ranken. Sie haben ein wenig naturalistische Tendenz, die sich in der unregelmäßigen, knorrigen Zeichnung der Ranken zeigt. Die Ranken wachsen, auch bei dem vorher besprochenen Feld, organisch aus dem Boden.

 

Obwohl beide äußerlich sehr ähnlich sind und beide rheinisches Blattwerk haben, sind sie doch nicht von einer Hand, aus ihnen spricht ein ganz verschiedenes Gefühl.

 

Das Tympanum der Nordseite, nicht das der Südseite, wie Hamann meint, hat in Sachsen Schule gemacht. Die meisten hat er bereits zusammengestellt. 5

 

Am nächsten kommt seinem Vorbild ein Tympanum, eingemauert an der Gottesackerkirche zu Merseburg (Tafel XIX). Etwas selbständiger zeigt sich das Tympanum in der Turmhalle des Halberstädter Domes 6 (Tafel XX). Es ist komplizierter in der Rankenbildung. Ferner ist ein symbolisches Motiv aufgenommen: Aspis und Basilisk nagen an den Reben, die dadurch als Symbol Christi gekennzeichnet sind. Die kleinen Rosetten des Magdeburger Feldes fehlen.

 

Die Turmhalle zeigt schon Motive des Bischofsganges, das Feld ist in der fleischigen Behandlung der Blätter und dem naturalistischen Baumstamm von dem Portal im südlichen Seitenschiff in Magdeburg, das schon ganz frühgotisch ist und mit den Chortympana nichts mehr zu tun hat 7, beeinflußt. Das Halberstädter Feld ist also bedeutend später als die Chortympana.

 

Eine trockene Wiederholung von Halberstadt ist in Kloster Gröningen (Tafel XIX); hier picken Vögel im Rankengeäst, sie bedeuten die Gläubigen im Schutze Christi.

 

Ebenso trocken ist das Tympanum am Westportal der Katharinenkirche zu Braunschweig behandelt 8 (Tafel XX). Trotzdem hier wie in Halberstadt Aspis und Basilisk an den Blättern nagen, scheint es doch in direkter Abhängigkeit von Magdeburg zu stehen, der Rankenführung, den kleinen rosettenartigen Blüten und der Gliederung der Blätter nach.

 

Durch Abhängigkeit von Halberstadt würde es sehr spät datiert werden müssen, c. 1240 anstatt c. 1225.

 

Noch dürrer sind die Ranken auf einem Tympanum aus Süpplingenburg geworden, von dem drei kleine Fragmente sich im Vaterländischen Museum in Braunschweig befinden.

 

Der Baubeschreibung im Inventar nach 9 müßte das Portal, zu dem das Feld gehört hat, noch aus dem 12. Jahrhundert stammen. Das ist aber auch der Architektur des Portales nach eine Unmöglichkeit, denn in der Wölbung befindet sich ein rheinischer Rundstab. Tympanum und Portal bezeugen gleichermaßen eine Entstehung im 13. Jahrhundert.

 

In diesem Zusammenhang mag noch erwähnt werden, daß ein Kapitell in Hamersleben 10 auf seinem Schild eine Rankenfüllung hat, die den Magdeburger Feldern sehr nahe steht. Aus dem 12. Jahrhundert ist nichts Derartiges bekannt. Ein Grund mehr zu den S. 26 genannten, daß der Bau nicht in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden sein kann.

 

Vergl. übrigens mit dem Kapitell ein Bogenfeld in Spoleto, Mus. Civico. abg. Dehio- Bezold, Tafel 325.

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1 A. a. O., S. 49. -- 2 A. a. O., Abb. 60. -- 3 Nach Hamann jetzt erneut?

4 A. a. O., S. 31, Abb. 40. -- 5 A. a. O., S. 31, Anm. 2. -- 6 Von Hamann nicht genannt.

7 Hamann, Abb. 66. -- 8 S. S. 37. -- 9 Inventar Braunschweig I Von Hamann nicht genannt.

10 Abgebildet Inventar Provinz Sachsen XIV, S. 123.

 

 

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69] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 227

 

In der Ornamentik unabhängig von Magdeburg ist das Feld im Ostchor des Naumburger Domes 1 (Tafel XIX). Eine gewisse Beziehung ließe sich darin erblicken, daß es an der gleichen Stelle wie in Magdeburg sitzt. Ähnliches gibt es auch im Rheinland: Brauweiler. Die Rankenführung hat Neigung zu Kurven. Die Blattbehandlung ist anders wie in Magdeburg.

 

Ein sehr hübsches Bogenfeld ist in der Ägidienkurie aufgefunden. Es ist gefüllt mit fächerartig von der Mitte der Grundlinie ausstrahlenden Blättern; zwischen diesen ein bogenschießender Mann.

 

Von Naumburg abhängig ist ein Tympanum in der Marienkirche zu Mühlhausen 2 (Tafel XIX), stark beschnitten in dem gotischen Bau wieder verwendet. Es ist gröber gearbeitet. Die Ranken wachsen aus Tieren hervor, Vögel picken an Trauben. Beides fehlt in Naumburg, dort bildet die Ornamentik die Folie für das Lamm Gottes.

 

Ein kleines Feld in Steinbach steht ebenfalls unter Naumburger Einfluß. 3

 

Alle Tympana, die nach irgendeiner Richtung hin Interesse bieten, wurden erwähnt. Trotz aller Vielgestaltigkeit zeigte sich eine große geistige Armut verbunden mit künstlerischem Unvermögen, die einfachen Gedanken darzustellen. Im Gegenzatz zu der Portalarchitektur, die durch Beziehungen zu anderen Gebieten nie in Erstarrung verfiel, sondern neue Formen sich aneignete, ließen sich bei den Tympana weder geistig noch künstlerisch nennenswerte Befruchtungen feststellen.

 

Von den romanischen Darstellungen führt keine Brücke zu der reichen Welt der Gedanken, die sich unter französischem Einfluß in den Portalen von Magdeburg (geplant am nördlichen Querschiff) und Freiberg i. S. offenbart. Sie bedeuten eine Erlösung.

 

 

 

Nachtrag.

 

Von dem Tympanum in Wennigsen (s. S. 61) behauptet Herr Cohn-Wiener (Sitzungsberichte der kunstgeschichtlichen Gesellschaft; Berlin 10. März 1911. S. 57), daß es im Stil „die überraschendsten Übereinstimmungen mit dem von Beaulieu“ habe. Die Ähnlichkeit, die in der Haltung Christi und der Zeichnung der Gewandsäume tatsächlich besteht, läßt nicht etwa, wie dies Herr Cohn-Wiener zu glauben scheint, auf direkte Beziehungen schließen, sondern besagt nur, daß beide Werke byzantinische Formen enthalten; ich wies ja bereits darauf hin, daß das, übrigens sehr rohe, Tympanum von Wennigsen den Stil gleichzeitiger sächsischer (byzantinisch beeinflußter) Miniaturen zeigt.

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1 S. S. 63.

2 Inventar Provinz Sachsen IV.

3 Inventar Provinz Sachsen IX.

 

 

Berichtigung.

 

S. 9, Zeile 3. Statt Luc lies Lucas.

S. 37, 3. Abszatz, Zeile 4. Statt 39 lies 30.

Im Ortsverzeichnis fehlt bei Albsheim der Hinweis auf Tafel I.

 

 

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Verzeichnis der benutzten Inventare.

 

I. Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen

 

1. Heft: Kreis Zeitz von Otte und Sommer 1879.

3. Heft: Kreis Weißenfels von Otte und Sommer 1880.

4. Heft: Mühlhausen von Otte und Sommer 1881.

5. Heft: Sangerhausen von Julius Schmidt 1882.

7. Heft: Grafschaft Wernigerode von Sommer und Jakobs 1883.

8. Heft: Kreis Merseburg von Burchhardt und Küstermann 1883.

9. Heft: Kreis Eckartsberga von Otte und Sommer 1883.

10. Heft: Kreis Calbe von Hertel und Sommer 1885.

11. Heft: Stadt Nordhausen von Julius Schmidt 1887.

12. Heft: Grafschaft Hohenstein von Julius Schmidt 1889.

13. Heft: Stadt Erfurt von F. W. v. Tettau 1890.

14. Heft: Kreis Oschersleben von H. Schmidt 1891.

16. Heft: Kreis Delitzsch von G. Schönermark 1892.

18. Heft: Mansfelder Gebirgskreis von Größler und Brinkmann 1893.

19. Heft: Mansfelder Seekreis von Größler und Brinkmann 1895.

23. Heft: Halberstadt (Stadt und Land) von Oskar Doering 1902.

24. Heft: Stadt Naumburg von Heinrich Bergner 1903.

26. Heft: Kreis Naumburg (Land) von Heinrich Bergner 1905.

27. Heft: Kreis Querfurt von Heinrich Bergner 1909.

Neue Folge I. Stadt Halle u. d. Saalkreis von Schönermark 1886.

 

 

II. Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen.

 

6. Heft: A.-H. Flöha von Steche 1886.

14. Heft: A.-H. Rochlitz von Steche 1890.

15. Heft: A.-H. Borna von Steche 1891.

24. Heft: Dresden-A. (Land) von Gurlitt 1904.

25. Heft: A.-H. Döbeln von Gurlitt 1903.

 

 

III. Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover herausgegeben von Carl Wolff.

 

I. Bd. Reg.-Bez. Hannover.

1. Landkreise Hannover und Linden 1899

II. Bd. Reg.-Bez. Hildesheim.

1. und 2. Stadt Goslar von v. Behr und Hölscher.

 

 

IV. Die Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogtums Braunschweig.

 

1. Kreis Helmstedt von P. J. Meier 1896.

2. Kreis Braunschweig von P. J. Meier 1900.

3. Kreis Wolfenbüttel von P. J. Meier und Karl Steinacker 1906.

4. Kreis Holzminden von Karl Steinacker 1907.

5. Kreis Gandersheim von Karl Steinacker 1910.

 

 

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71] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 229

 

V. Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens von Lehfeldt.

Großherzogtum Sachsen-Weimar.

1. Bezirk Weimar 1893. 2. Bezirk Apolda 1888.

Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt.

1. Oberherrschaft 1894. 2. Unterherrschaft 1889.

Herzogtum Altenburg.

1. Ostkreis 1895. 2. Westkreis 1888.

 

VI. Anhalts Bau- und Kunstdenkmäler von Büttner 1894.

 

VII. Die Bau- und Kunstdenkmäler im Reg.-Bez. Wiesbaden.

1. Der Rheingau von Ferdinand Luthmer 1902.

 

VIII. Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz herausgegeben von P. Clemen.

IV. Bd. 4. Heft. Kreis Euskirchen von Clemen und Renard 1900.

V. Bd. 1. Heft. Kreise Gummersbach, Waldbroel und Wipperfürth von Renard 1900.

V. Bd. 2. Heft. Kreis Mülheim a. Rh. von Clemen und Renard 1901.

 

IX. Die Kunstdenkmäler des Großherzogtums Baden herausgegeben von F. X. Kraus.

I. Bd. Kreis Konstanz 1887.

 

X. Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen von Ludorff.

6. Kreis Beckum 1897.

9. Kreis Ahaus 1900.

 

XI. Die Bau- und Kunstdenkmäler im Reg.-Bez. Cassel.

III. Bd. Kreis Grafschaft Schaumburg von Siebern und Brunner 1907.

 

 

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Verzeichnis der Abbildungen.

 

1. Engelstadt. Gesamtanzicht, Aufnahme im Großherzogl. Hessischen Denkmälerarchiv.

 

2. Stürze von Engelstadt, Pfattenhofen, Pfeddersheim. Aufnahme des Verfassers nach Gypsabgüssen im Röm.-Germ. Zentralmuseum in Mainz.

 

3. Albsheim a. d. Eis.

 

4. Speyer. Dom. Afrakapelle. Aufnahme des Verfassers.

 

5. Gernrode. Nordportal der Stiftskirche. Aufnahme der Neuen Photogr. Gesellschaft in Steglitz.

 

6. Hildesheim. St. Michael. Tür in der Westwand des westlichen Querschiffes. Aufnahme des Verfassers.

 

7. Gandersheim. Münster. Detail des Westportales. Aufnahme des Verfassers.

 

8. Petersberg in Erfurt. Südportal. Aufnahme von Max Ohle.

 

9. Hirsau. St. Peter. Nordportal. Aus Paulus: Die Kunstdenkmale im Kgr. Württemberg.

 

10. Paulinzelle. Westportal. Gesamtansicht.

 

11. 12. Paulinzelle. Westportal. Details. Aufgenommen von Hermann Giesau.

 

13. Maulbronn. Westportal der Kirche. Details. Aufgenommen von Hermann Giesau.

 

14. Basel. Galluspforte. Aufnahme im kunsthistor. Apparat der Universität Straßburg.

 

15. Lausigk. Aufnahme von Hans Christ.

 

16. Hildesheim. St. Godehard. Portal des nördl. Seitenschiffes. Aufnahme von Max Ohle.

 

17. Braunschweig. Dom. Pforte am nördl. Querschiff. Aufgenommen von Hermann Giesau.

 

18. Goslar. Neuwerk. Aufgenommen v. Herm. Giesau.

 

19. Hillersleben. Pforte in der Sakristei, Gez. von Joh. Fischer.

 

20. 21. Thalbürgel. Westportal und südl. Arkadenreihe der Vorkirche. Auſgenommen von H. Giesau.

 

22. 23. Königslutter. Aufnahme im Herzogl. Braunschweigischen Denkmälerarchiv.

 

24. Billerbeck. Oberer Teil des nördl. Portalvorbaues. Aufnahme des Verfassers.

 

25. Braunschweig. Martinikirche. Westportal. Aufnahme im Braunschw. Denkmälerarchiv.

 

26. Hecklingen. Detail des Nordportales. Aufnahme von Max Ohle.

 

27. Petersberg b. H. Portal am nördl. Querschift, Aufnahme von H. Giesau.

 

28. Wechselburg, Detail der Vorhalle mit einer Portallaibung,. Aufnahme des Verfassers.

 

29. Eisenach. Nikolaikirche. Westportal. Aufnahme von H. Giesau.

 

30. Stadtilm. Pfarrkirche. Westportal. Aufnahme von H. Giesau.

 

31. Arnstadt. Liebfrauenkirche. Nordportal. Aufnahme von H. Giesau.

 

32. Treffurt. Bonifaziuskirche. Nordportal. Aufnahme von H. Giesau.

 

33. Braunschweig. Magnikirche. Westportal. Aufnahme des Verfassers.

 

34. Helmstedt. Marienberg. Aufnahme im Braunschweig. Denkmälerarchiv.

 

35. 36. Naumburg. Dom. Hauptportal, Aufnahme des Verfassers.

 

37. Minden. Dom. Portal am nördl. Querschiff. Aufnahme von H. Giesau.

 

38. Minden. Dom. Portal am südl. Querschiff. Aufnahme von H. Giesau.

 

39. Magdeburg. Dom. Portal am südl. Querschiff. Aufnahme des Verfassers.

 

40. Altzelle, jetzt Nossen. Aufnahme v. H. Christ.

 

41. Freiberg i. S. Goldene Pforte am Dom. Aufnahme von Dr. Franz Stoedtner.

 

42. Bamberg. Dom. Georgenportal. Aufnahme der Kgl. pr. Meßbildanstalt.

 

43. Mönchsmünster. Nach einem Stich bei Nagler „Notitiae origines domus boicae illustrantes“ 1504.

 

 

____

73] Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. 231

 

44. Regensburg. S. Jakob. Nach Hager u. Aufleger: „Die mittelalterlichen Bauten Regensburgs“.

 

45. 46. Landsberg. Schloßkapelle. Hauptportal. Gesamtansicht und Tympanum. Aufnahmen von Hermann Giesau.

 

47. Naundorf bei Reideburg. Aufnahme des Verfassers.

 

48. Freyburg a. U. Tympanum, eingemauert in der Stadtkirche. Meßbild.

 

49. Holzzelle. Tympanum, jetzt Eisleben, Museum. Aufnahme des Verfassers.

 

50. Landsberg. Stadtkirche. Aufnahme von Max Ohle.

 

51. Landsberg. Schloßkapelle. Nebenportal. Aufnahme von H. Giesau.

 

52. Ilsenburg. Stadtkirche. Aufnahme von Dr. Wackenroder.

 

53. Neutz. Aufnahme des Verfassers.

 

54. Merseburg. Tympanum, eingemauert in der Gottesackerkirche. Aufnahme von Max Ohle.

 

55. Halberstadt. Pforte in der Turmhalle des Domes. Aufnahme des Küsters.

 

56. Kloster Gröningen. Tympanum im Innern. Aufnahme von Max Ohle.

 

57. Braunschweig. Katharinenkirche. Aufnahme im Braunschw. Denkmälerarchiv.

 

58. Naumburg. Dom. Tür im Ostchor. Aufnahme von Max Ohle.

 

59. Mühlhausen i. Th. Tympanum im Innern der Marienkirche. Meßbild.

 

60. Goslar. Dom. Grundriß des Westportales und der nördl. Vorhalle. Entnommen den „Kunstdenkmälern der Provinz Hannover II, 1 und 2.

 

61. Paulinzelle. Grundriß der Vorkirche. Entnommen den „Bau- und Kunstdenkmälern Thüringens“.

 

62. Paulinzelle. Rekonstruktion der Vorkirche durch Holtmeyer. Aus der „Zeitschrift des Vereins für Thüring. Geschichte“ N. F., 15. Bd.

 

63. Thalbürgel. Grundriß der Vorkirche. Herkunft wie 62.

 

 

Zeitschrift für Geschichte der Architektur. Beiheft VI.

 

 

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Ortsverzeichnis.

 

Aachen, Münster 9. 11.

Aken 36. 65.

Albsheim a. d. Eis 10.

Alsleben 64.

Altdorf 40. 60.

Altenstadt 57.

Altzelle 43. 54. Tafel XIV.

Amelunxborn 26. 66.

Ammensleben, Groß- 36. 63.

Andaval 59.

Andernach 50.

Andlau 24.

Arles 24.

Arnstadt 46 ff. 62. 65. Tafel X.

Aschaffenburg 50.

Athen, Turm der Winde 10.

Aue-Aylsdorf 62. 63, A. 23.

 

Bamberg, Dom 26. 46f. 54f.

Basel 23f. 58. 60. Tafel VI.

Beesenlaublingen 60.

Bierbergen 61.

Bierstadt 11.

Billerbeck 35. 47. 50. Tafel X.

Bordeaux 56.

Borgo S. Donnino 56.

Braunschweig, Dom 29 f. 39. Tafel VII.

-- Burgkapelle 40.

-- Martini 37. 41. Tafel X.

-- Katharinen 37. 67 f. Tafel XX.

-- Magni 49. 52. Tafel XIII.

Burgsdorf 63.

Bücken 28.

 

Caen 11.

Cahors 24.

Chartres 56. 58.

Cluny 20.

Coesfeld 50.

Cöllme 64.

Como, S. Abbondio 16.

Corvey 13.

Coswig 54.

Coucy-le-Chateau 64, A. 22.

Creisfeld 65.

 

Dissibodenberg 10.

Dornstedt 61.

Drübeck 13.

Dungelbeck 64.

 

Ebrach 47.

Eisdorf 67.

Eisenach 45. 67. Tafel XI.

Elstertrebnitz 61.

Engelstadt 9. 11. 59. Tafel I.

Erfurt, siehe Petersberg.

 

Flemmingen S.-A. 64.

Fredelsloh 30. 32.

Freiberg i. S. 42. 54ff. 69. Tafel XV.

Freiburg i. Br. 48.

Freising 57.

Freist 64.

Freyburg a. U. 47. 51. 65f. Tafel XVIII.

 

Gandersheim 15. 60 f. Tafel II.

Gehrden 61.

Geithain 32.

Gelnhausen, Marienkirche 48.50.53.

-- Pfalz 64, A. 22.

Gernrode 13f. 59. 63f. Tafel II.

Gmünd 19. 28.

Goslar, Dom 15. 31. 36. Tafel XXI.

-- Frankenberg 25. 61. 67, A.7.

-- Kaiserhaus 14.

-- Neuwerk 30f. 37. Tafel VII.

-- Marktkirche 31.

Greislau, Ober- u. Unter- 63.

Griesheim 64.

Gröningen, Kloster- 16. 67. Tafel XIX.

Gumperda 65.

 

Hagenau, S. Georg 60.

Hainrode 67.

Halberstadt, S. Paul 30.

-- Burchardi 30. 64.

-- Dom 47f. 67f. Tafel XX.

Halle a. S. 32.

Hameln 48.

Hamersleben 25. 64. 68.

Hayna 29.

Hecklingen 31. 36. 38. Tafel X.

Heiligenberg bei Hedelberg 14.

Heiligenthal 61. 66.

Heiningen 29. 32. 65.

Helmstedt. Marienberg 49. 58. 60. Tafel XII.

-- Ludgeri 64

Herford 52.

Hildesheim. S. Michael 13f. Tafel II.

-- Moritzberg 14. 25.

-- Dom 15f.

-- S. Andreas 28.

-- S. Godehard 27. 32. 40. 61. 67. Tafel VII.

Hildrizhausen 60.

Hillersleben 31. Tafel VIII.

Hirsau 11. 17ff. Tafel III.

Holtensen 64.

Holzzelle 65f. Tafel XVIII.

Hönignen 10.

Hornburg 63.

Hosios Lucas 9

Huyseburg 13

 

Jerichow 36. 65.

Ilbenstadt 58.

 

Ilsenburg, Klosterkirche 30. 61.

-- Stadtkirche 67. Tafel XIX

Ingelheim 9. 11. 59

 

Kemnade 64.

Knechtsteden 50.

Knobelsdorf 27. 40. 63.

Köln. S. Andreas 47.

-- S. Maria in Lyskirchen 47.

-- S. Martin 51.

Königslutter 34 ff. 38. 40. 42. 61. A. 9. 65. Tafel IX.

Krosigk 67.

 

Laach, Maria- 50 f. 54. 56.

Lachem 61.

Landsberg, Schloßkapelle 39. 60 f. 66 f. Tafel XVII, XVIII.

-- Stadtkirche 65. Tafel XVII.

 

 

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75] Die romanischen Protale zwischen Weser und Elbe. 233

 

Laon 56. 58.

Lausigk 26. Tafel VII.

Leisnig 27.

Lichtenwalde 64.

Liebshausen 47.

Limburg a. H. 9. 11. 14.

Lorch i. Rh. 9.

Lübeck, Dom 50.

Lüssem 65, A. 2.

 

Magdeburg, Liebfrauen 16. 32f.

-- Dom 36 f. 42 44. 49 ff. 67 ff. Tafel XIV.

Mainz, Museum 10.

-- Dom 9. 23. 35. 50.

Marienberg, siehe Helmstedt.

Marienthal 26. 32f.

Maulbronn 22. 58. Tafel V.

Meerbek 63.

Mehringen 65.

Melverode 38.

Merseburg, Dom 14.

-- Neumarkt 39.

-- Gottesacker 67 f. Tafel XIX.

Mildenfurt 48.

Minden, Dom 49. 52. Tafel XIII.

Mönchsmünster 56. Tafel XVI.

Moosbach 35.

Moosburg 26. 57.

Moringen 29 f. 64.

Mühlhausen i. Th. 62. 67. Taf. XIX.

Münchenlohra 27 ff. 67. 69.

Münzenberg 11.

Mykene 8. 64, A. 13.

 

Nauendorf a. Petersberg 63.

Naumburg 41. 44. 49ff. 61. 63f. 66 ff. Tafel XII, XIX.

Naundorf bei Eisleben 63.

Naundorf bei Reideburg 29. 64. Tafel XVIII.

Neustadt am Rübenberge 51.

Neutz 39. 67. Tafel XIX.

Neuweiler 60.

Nicäa, Koimesiskirche 8.

Nieder-Zündorf 11.

Nonantola 24.

Nossen, siehe Altzelle.

Noyon 37.

 

Oberelsdorf 63.

Obermarsberg 50.

Oberröblingen 62 f.

Odagsen 60. 63.

Osnabrück 50.

Ostriz 47.

Ottersleben, Groß- 63.

 

Paderborn, Dom 37. 52f.

Parma 24.

Paschleben, Klein-, siehe Scharwegk.

Paulinzelle 17 ff. 60. 65. Tafel IV, V, XXI.

Pavia 57.

Penig 42. 47. 64.

Petersberg bei Erfurt 17 ff. 60. 65. Tafel III.

Petersberg bei Halle 38f. 48. 64. Tafel X.

Petershausen 24.

Pfaffenhofen 10. 59. Tafel I.

Pfeddersheim 10. 59. Tafel I.

Pforta 60.

Pforzheim 19. 22.

Pfützenthal 39. 67.

Poitiers 56.

 

Quedlinburg, Wiperti 8. 65.

-- Schloßkirche 16. 32. 59.

 

Regensburg, S. Emmeran 14. 23.

-- S. Jakob 40. 56. 59. Tafel VI.

Reichenbach 12.

Reichenhall 57.

Reinhausen 64.

Reinsdorf 65 f.

Remagen 59.

Rheden 62.

Riddagshausen 47. 53.

Rinteln 47.

Rißdorf, Unter- 63.

Rochsburg 43. 63. Rom in Dänemark 67, A.7.

Ronnenberg 8. 40. 63.

Rüssingen 10.

 

Salzburg, Peterskirche 57.

Sangerhausen 16. 65f.

Scharwegk 40. 66.

Schkauditz 63.

Schlettau 64.

Schwarzach 22. 58.

Seeburg 63.

Seligenstadt 47.

Soest, S. Patroclus 63, A. 24.

Solnhofen 11.

Spalato 8.

Speyer 12. 15. Tafel II.

Spießkappel 53.

Spoleto 68.

Stadtilm 46. 60. 65. Tafel XI.

Steinbach 69.

Stetten 10.

Straßburg, Münster 57 f.

Straubing 57.

Süpplingenburg 67 f.

Sylbitz 64.

 

Thalbürgel 22. 33 f. 36. Tafel IX, XXI.

Tharandt 58.

Toledo 9.

Toulouse 24.

Trebitsch 47.

Treffurt 47. Tafel XI.

Trier 9.

 

Venedig, S. Marco 9. 24.

Vezzolano 35.

Vreden 47.

 

Wadersloh 47.

Walbeck 13.

Wartburg 64.

Wechselburg 38. 41 ff. 54. 63 f. 66. Tafel XI.

Weida 38. 48.

Weinsberg 60.

Wennigsen 61.

Werden 14.

Werkleits 63.

Wichterich 46. Wiebrechtshausen 47.

Wiener-Neustadt 46.

Willich 48.

Winkel 10. 11.

Wischroda 63.

Wolferstedt 63.

Worms, Synagoge 10.

-- Paulusmuseum 10. Tafel I.

-- Dom 23. 67, A.7.

Wunstorf 28. 64f. 67.

 

Zerbst 36. 41. 61.

Zuchau 64.

Zürich 56.

 

 

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C. F. Wintersche Buchdruckei

 

 

 

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Tafeln I bis XXI

 

 

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Quelle:

 

Zeitschrift für Geschichte der Architektur

unter ständiger Mitarbeit von Prof. Dr. Dehio – Strassburg ∙ Prof. Dr. Dörpfeld – Athen ∙ Hofrat Prof. Dr. Neuwirth – Wien ∙ Hofrat Prof. Dr. Strzygowski – Wien ∙ Prof. Dr. Winnefeld – Berlin und Vize-Direktor Prof. Dr. Zemp – Zürich

Herausgegeben von Dr. Phil. Fritz Hirsch

== Beiheft 6 ==

DIE ROMANISCHEN PORTALE ZWISCHEN WESER UND ELBE

VON BURKHARD MEIER

MIT 63 ABBILDUNGEN

Mit Unterstützung der historischen Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt

Heidelberg 1911

Carl Winter's Universitätsbuchhandlung

Verlags-Nr. 641.

 

Hinweis: Das Beiheft wurde vom Münchener Digitalisierungszentrum eingescannt. Ein Scan dieses Beiheftes ist unter folgender URN verfügbar:

http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066817-8

Link zu der Seite: http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00066817/image_1