Deutsche Fachwerkstraße

Deutsche Fachwerkstraße  Station: Königslutter
Deutsche Fachwerkstraße Route 2c

 

LINK: http://www.deutsche-fachwerkstrasse.de/de/index.php?s=2&c=sbesch

 

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Georg Beisse: Stadtbücherei Königslutter

 

 

 

Bilder der Vergangenheit - 5 Jahre neuer Marktplatz in Königslutter

Bilder der Vergangenheit
Fünf Jahre neuer Marktplatz in Königslutter
In Form einer digitalen Foto-Show unter dem Motto: „Der Marktplatz im Wandel der Zeit” und einer Ausstellung „Alte Ansichtskarten - Marktplatz” ließen die etwa 30 Teilnehmer anlässlich der „Fünf Jahre Marktplatz” anhand alter Aufnahmen die Vergangenheit noch einmal Revue passieren.
Königslutter (as). Die Veranstaltung wurde durch Frank Kolbe im Namen der AG Marktplatz eröffnet. Bürgermeister Alexander Hoppe hielt im Anschluss eine kurze Begrüßungsrede, die er mit den Worten: „Ich liebe den Marktplatz“ abschloss. Ziel der Veranstaltung war das Erinnern an den vor fünf Jahren neugestalteten Marktplatz. Teils sei der neue Marktplatz umstritten, weiß Frank Kolbe. Begründung: zu wenig Grün. Die Mehrheit der Einwohner und auch Außenstehende empfänden dies jedoch ganz anders, sagt Kolbe, der ständig mit Zulieferern im Gespräch ist. Zudem existieren Blumenkübel, die der Begrünung des Marktplatzes dienen sollen. Außerdem sei zur weiteren Verschönerung des Marktplatzes die Aufstellung von Sitzmöglichkeiten durch die AG Marktplatz geplant. Die Genehmigung des zuständigen Bauamtes liegt jedoch noch nicht vor.
Die Foto-Show, welche ebenfalls im Rathaus von Königslutter stattfand, dauerte etwa 20 Minuten. Gezeigt wurde die Entwicklung der Stadt bis zum neuen Marktplatz. Auch Bildersequenzen von den Umbaumaßnahmen wurden gezeigt. Möglich war diese Vorstellung nur, weil viele Bürger im Vorfeld ihr altes Bildmaterial im Stadt- und Bildarchiv in Königslutter abgaben.
Wilfried Kraus, der Leiter des Stadtarchivs, und  Bildarchivar Jörg Günsche bitten alle Bürger, alte Schriftstücke sowie Bild- oder Videomaterial in das Stadt- und Bildarchiv in Königslutter zu bringen. Dort werden dann Kopien angefertigt, sodass jeder seine Erinnerungsstücke wieder rnit nach Hause nehmen kann. Im „Gedächtnis der Stadt“ lagern mittlerweile 5000 bis 6000 Akten und knapp 13500 Bilder, zum größten Teil digitalisiert.
Jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr können Interessierte das Stadtarchiv in der Marktstraße 1 besuchen. Aus Platzgründen wird das Archiv jedoch im Laufe des nächsten halben Jahres in die Stadtbücherei, Sack 1, ziehen. Die Ebenerdigkeit ist ein weiterer Pluspunkt des neuen Standortes.
Auch die Ansichtskarten kamen bei der Veranstaltung „Fünf Jahre Marktplatz" gut an. Der Vorsitzende des Vereins Briefmarkenfreunde Königslutter Thomas Markwardt hatte nicht mit so einem riesigen Interesse der Besucher gerechnet. Die insgesamt 33 Mitglieder der Briefmarkenfreunde sind gerade dabei, eine Ausstellung zur Heimatgeschichte aufzubauen.
Am Sonntag, dem 2. Dezember, findet von 9 bis 14 Uhr eine Ausstellung von knapp 500 Postkarten mit anschließender Tauschbörse im Rathaus statt. Jeden zweiten Freitag im Monat treffen sich die Briefmarkenfreunde. Interessierte können sich unter www.briefmarkenfreunde-koenigslutter.de informieren.

Wilfried Kraus (1.) ist bereits seit 1985 als Leiter des Stadtarchivs in Königslutter tätig. Bildarchivar Jörg Günsche (Mitte) archiviert seit zehn Jahren Bilder, und Thomas Markwardt (r.) ist Vorsitzender des Vereins Briefmarkenfreunde Königslutter
Foto: Steinkamp

 

Veröffentlicht in:

Stadtspiegel  20. Jg. 1. Dezember 2012 23/12 Seite 12

 

Einfügung: Den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Stadtarchivs Königslutter, insbesondere Hrn. Wilfried Kraus und Hrn. Jörg Günsche sei an dieser Stelle für Ihre Unterstützung bei der Bereitstellung von Literatur gedankt. Ohne ihre Unterstützung wäre die Digitalisierung vieler Artikel aus dem Stadtarchiv auf dieser Homepage nicht so zügig fortgeschritten.

 

 

 

Der Bau des Rathauses

Der Bau des Rathauses: (Stadtarchiv)
Da die Ratsherren der Stadt Königslutter gesehen hatten, daß in anderen Städten des Landes die Rathäuser vergrößert und verschönt wurden, beschlossen sie, solches in Königslutter auch zu tun. Im Jahre 1829 begannen sie mit dem Neubau. Vor allem sollten der Keller vergrößert werden, um mehr Platz zum Lagern der Bier und Weinfässer zu gewinnen, und ein Stockwerk aufgesetzt werden, damit ein neuer Tanzsaal eingerichtet werden könnte. Der Bau machte anfangs auch gute Fortschritte. Aber dann kam das böse Jahr 1830. Zunächst entstanden - wie überall in Deutschland - Unruhen, so daß die Arbeit wochenlang ruhte. Nicht lange danach stellte man bei den Ausschachtungsarbeiten für den Keller fest, daß unter dem nicht tief stehenden Felsen überall schlammiger Boden lag, so daß Rammpfähle eingesetzt werden mußten, die das Vorhaben erheblich verteuerten. Nach dem Bau der Kellerräume zeigte es sich, daß die Seitenwände zum Tragen des Gewölbes zu schwach waren und auf den Rat des Baumeisters Blumenstengel, den sie mit der Durchführung der Bauarbeiten beauftragt hatten, mußten sie die bereits aufgerichteten Mauern wieder abreißen und durch stärkere ersetzen lassen. Die Ratsherren machten bedenkliche Gesichter, denn die Baukosten überstiegen nunmehr bei weitem die dafür angesetzten Beträge. Nachdem der Bau fertiggestellt war, versammelten sie sich, um ihn zu betrachten. Die neu errichteten Teile des Rathauses machten einen guten Eindruck. Aber noch stand ja der alte Bau.
Er nahm gerade jene Front ein, die am meisten ins Auge fiel, die Südfront nach dem Markt zu. Zusammen wirkten beide Gebäudeteile einfach geschmacklos. Schon redete man in der Stadt von einem neuen "Schöppenstedter Streich" der Stadtväter. So beschlossen sie, den noch stehenden alten Bau abzureißen und durch einen Neubau, der beide Teile harmonisch verbinden sollte, zu ersetzen. Als endlich alles fertig war, bezogen sie das Haus mit bedrücktem Herzen. Die großen Schulden lasteten auf ihnen. Auf einmal erschien ihnen auch alles in dem neuen Rathaus fremdartig und viel zu weitläufig. So waren sie froh, daß sich nach einiger Zeit ein Käufer fand, der ihnen des Haus abkaufte und als "Stadtkeller" einrichtete. Die Ratsherren aber erwarben ein kleineres älteres Fachwerkhaus dem Rathaus gegenüber. Dort fühlen sie sich noch heute wohl.

Heinz Röhr

Veröffentlicht in:
Das Moosholzmännchen  Nr. 7/1962





Öffentliche Stadtführungen 2013 in Königslutter

öffentliche Stadtführungen in Königslutter 2013


Von April bis Oktober  bieten die Mitglieder der Stadt- und Domführergilde an jedem ersten Sonnabend im Monat jeweils um 14 Uhr eine öffentliche Stadtführung an. Dies sind folgende Termine: 6. April, 4. Mai, 1. Juni, 6. Juli, 3. August, 7. September und 5. Oktober. Auf einer einstündigen Tour durch die Domstadt am Elm erfahren die Teilnehmer Interessantes über Kaiser Lothar III., der den Dom errichten ließ, oder über das berühmte Ducksteinbier, das der Stadt zu Wohlstand verhalf. Am Marktplatz beginnend führt der Rundgang durch kleine Gassen, an alten Brauhäusern vorbei bis zum beeindruckenden Kaiserdom. Die Kosten betragen 2,50 Euro pro Person. Treffpunkt ist die Rathaustreppe. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Veröffentlicht in:
Stadtspiegel 21.Jg.  23.03.13  6/13  S.1

 




Königslutterer Fachwerk

Königslutterer Fachwerk
Wie in allen deutschen Städten gab es auch in Königslutter ursprünglich nur Fachwerkbauten. Sie waren anfangs mit Stroh gedeckt. Erst als die Stadt nach dem großen Brande von 1571 am Braunschweiger Tor eine Ziegelhütte errichtete, begannen die Bürger der Stadt die Dächer ihrer Fachwerkhäuser allmählich mit Ziegeln zu decken, während in den benachbarten Landgemeinden Stift Königslutter und Oberlutter noch im 18. Jahrhundert ein Teil der Häuser Strohdächer aufwies. Aus Stein bestanden nur die Kirchen und ein kleines Haus auf dem Pfarrhofe der Stadtkirchengemeinde, das in Stiftsurkunden um 1500 mehrfach erwähnt wird. Derartige kleine Steinhäuser dienten vor allem als Feuerschutz bei den zahlreichen Stadtbränden.

Die Blütezeit der Fachwerkbaukunst lag in Königslutter im 16. und 17. Jahrhundert. Damals hatte die Stadt durch das Brauen des berühmten Ducksteinbieres einen gewissen Wohlstand erreicht, dem sie sichtbaren Ausdruck gab. Von den 185 Häusern, die es um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Königslutter gab, besaßen nicht weniger als 73 die Braugerechtigkeit. Kennzeichnend für die Brauhäuser sind mächtige, bisweilen zwei- und dreiteilige Böden zur Aufbewahrung des Getreides und Malzes, die jetzt meistens ausgebaut sind, aber in einigen Fällen, zum Beispiel in den Häusern Marktstraße 12 (Drogerie Schulz) und Am Markt 14 (Frisiersalon Beese), noch erkennbar sind. Weiterhin gehören zu echten Brauhäusern umfangreiche Gewölbekeller zum Lagern des Bieres, wie sie u.a. noch in dem Haus der Volkshochschule und Stadtbücherei (Sack 1) und im Stadt- und Jugendhaus (Marktstraße 1) vorhanden sind. Schließlich sind für alte Brauhäuser große Toreinfahrten und geräumige Dielen charakteristisch. Sie waren notwendig, weil sich der Brauvorgang ursprünglich auf der Hausdiele abspielte. Die Toreinfahrten waren zum Teil so groß, daß sie zugleich das Erdgeschoß und das niedrige Zwischengeschoß, wo sich die Schlafgelegenheiten befanden, umfaßten. Am besten zu erkennen ist das noch an dem Haus Am Markt 12 (Lebensmittelgeschäft Lawitschka). Von den wertvollen Eichentreppen, die von den Dielen bzw. Fluren nach oben führten, haben sich einige erhalten, zum Beispiel die kunstvolle Wendeltreppe in dem 300 Jahre alten Haus Marktstraße 2 (Café am Markt), die an einem 8,50 m langen massiven Spindelpfosten durch zwei Stockwerke hindurchführt.

An vielen Fachwerkhäusern hat sich prächtiger Schmuck erhalten. Zum Teil sind noch Anklänge an die Gotik vorhanden. Das gilt für Schiffskehlmuster zwischen den Knaggen, wie sie sich in einfacher Form unter einem Fächerfries an d n Häusern Am Markt 11 (Schuhhaus Eilers) und Neue Straße 49 erhalten haben. Da diese Sohmuckformen in ganz ähnlicher Form an dem Haus in Helmstedt Holzberg 17 aus dem Jahre 1561 vorkommen, ist anzunehmen, daß sie in Königslutter ungefähr um die gleiche Zeit entstanden sind. Fast ebenso alt dürfte das Haus Marktstraße 21 (Blumenhaus Sammann) sein, dessen Erbauungsjahr 15 . . leider schon vor 100 Jahren nicht mehr entzifferbar war. Hier schmücken neben Schiffskehle und Tauband Flechtbänder, Zahnschnitt, Beschlagwerk mit Hopfendarstellungen und interessante Steinsetzungen das stark vorkragende Haus. Wahrscheinlich besaß dieses auch einen Erker. Schöne Rosetten, Perlschnüren, Flecht- und Taubänder zeigen die Häuser Gänsemarkt 1 (1573/1669), Sack 5 (1604), das der Amtmann Christoph Vögding erbauen ließ, und - leider unbemalt - das alte Handelshaus an der Ecke Westernstraße/Neue Straße aus dem Jahre 1603. Das schönste Haus aus der Barockzeit in Königslutter ist zweifellos das Haus Am Markt 14 (Frisiersalon Beese), das der Amtmann Leidenfrost 1674 errichten ließ. Das hohe, schmale Haus zeigt einen von einem Wappen geschmückten und mit kleinen Muscheln versehenen prächtigen Erker, der auf zwei angeblich aus der Schoderstedter Kirche stammenden Holzsäulen ruht und von vier Schleier tragenden Knaben gestützt wird. Bemerkenswert ist auch das Portal des Hauses Marktstraße 2 (Café am Markt) mit zwei fliegenden Engeln aus dem Jahre 1674. Viele Häuser weisen auch interessante lnschriften auf, die meistens Texte aus der Bibel, am häufigsten „Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut . . ."  sowie die Namen der Erbauer und den Zeitpunkt der Errichtung des Bauwerks enthalten.

Wegen der drohenden Feuersgefahr unterstützte die Regierung des Herzogs Karl I. um die Mitte des 18. Jahrhunderts die Errichtung von Steinbauten in Königslutter. Bauland und eine mehrjährige Steuerfreiheit wurden den Bürgern dafür zugesichert. ln der Planung war vorgesehen, vor dem Braunschweiger Tor eine Art Vorstadt zu gründen, die aus mehr als 30 in massiver Bauweise zu errichtenden Häusern bestehen sollte. Es entstanden aber insgesamt nur 6 Häuser, bei denen zum Teil auch nur die Vorderseiten massiv hergerichtet wurden. In den Jahrzehnten danach bevorzugte man in Königslutter wieder die Fachwerkbauweise. Erst als sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts die besondere Eignung des nahe der Stadt anstehenden Ducksteins für den Hausbau herausstellte, setzte sich der Steinbau allmählich durch. Das Pfarrhaus der Stadtkirchengemeinde und das Wohnhaus des Mülterschen Hofes (Gänsemarkt 4) wurden 1835 bzw. 1850 noch in Fachwerkbauweise erstellt, der Stadtkeller um 1840 und die beiden Wohnhäuser Renne 29 (Dr. Binnewies) und Kattreppeln 17 (Krenge) 1865 bereits als Steinbauten aufgeführt. Später wurden ganze Straßenzüge, zum Beispiel die Elmstraße, in Ducksteinbauweise erstellt. Daneben wurden aber immer wieder Fachwerkhäuser errichtet, zum Beispiel 1865 das Haus Bahnhofstraße 16.

Heute sind in der alten Stadt, die früher von der Stadtmauer mit ihren vier Toren umgeben war, rund zwei Drittel der Häuser Fachwerkhäuser. In einigen Straßen, wie etwa der Neuen Straße, ist ihr Anteil noch höher. Auch in den seit 1924 zur Stadt gehörenden ehemaligen Landgemeinden Stift Königslutter und Oberlutter überwiegen Fachwerkbauten. Besonders schön ist die Reihe gut erhaltener Fachwerkhäuser am Plan. Von der Stadtverwaltung wird viel Wert darauf gelegt, Fachwerkbauten im Stadtbereich zu erhalten. Privater Initiative gelang es, das völlig verfallene Wohnhaus Marktstraße 10 (Seilerei Weber) aus dem Jahre 1658 unter Verwendung alter Eichenbalken in vorbildlicher Weise durch einen Fachwerkbau zu ersetzen. An anderer Stelle entstanden Bauten, die Fachwerk andeuten und sich damit dem Bild der Stadt angleichen. Fördernd hat sich in dieser Richtung auch der Fassadenwettbewerb des Vereins Stift und Stadt Königslutter erwiesen, bei dem mit Unterstützung der Stadtverwaltung drei gut instandgesetzte Fachwerkhäuser prämiert werden konnten. Es bleibt zu wünschen und zu hoffen, daß der wertvolle Bestand an Fachwerkhäusern auch weiterhin wirksam geschützt wird, damit unsere Stadt in ihrer ganzen Schönheit erhalten bleibt.

Heinz Röhr


Veröffentlicht in:
Das Moosholzmännchen Nr. 179/85  November 1985 S. 31-32
heimatkundliches Beiblatt des lutterschen Stadtbüttels






Von Bäumen und Fachwerk

lm vergangenen Jahr stieß ich auf ein Hofgrundstück eines Ortsteiles in un-
serem Stadtgebiet. daß einen nachhaltigen Eindruck in mir hinterließ. Eine
mächtige Eiche bewachte die Einfahrt zum Innenhof und breitete ihre Krone
schützend über die Vorderfront des Wohngebäudes aus. Der Flieder an der
Natursteinmauer, die den Vorgarten begrenzte, blühte in voller Pracht. Sonnen-
strahlen huschten durch das junge Laub über das Fachwerk des Hauses und
bildeten Kringel und Muster auf dem efeuumrankten grauen Granitfindling.
Wenig später sprach ich mit dem Besitzer des Grundstückes. Er war Landwirt
und bewirtschaftete einen mittelgroßen Hof, der recht modern eingerichtet
war.

Bald erkannte ich, daß hier ein Mann vor mir stand, der sich sein Gefühl für
Tradition und Stil bewahrt hatte. Das Fachwerk hatte er dunkel aufgetönt, die
roten Ziegel der Fächer in dunklem Grau neu verfugt, nicht mehr, nicht weniger.
Kein Modernismus. kein Billigbaustoff, im Hof das alte Kopfsteinpflaster, das
er an einer Stelle unlängst etwas gehoben und neu gesetzt hatte, die Wärme-
isolierung des Hauses hatte er mit Fichtenholz innenseitig vorgenommen, um
die Architektur der Außenfront nicht zu zerstören.

Auf meine Frage, warum er die Eiche noch stehen lasse, obwohl sie doch
Schatten und Laubabfall verursache, entgegnete er mir, daß dieser Baum für
mehrere Generationen seiner Familie Lebensbestandteil gewesen sei, auch er
könne sich das Grundstück ohne ihn einfach nicht vorstellen. Der Schatten sei
während des Sommers sogar von Vorteil. Das Laubfegen im Herbst gehöre
nun einmal zum Kreislauf des Jahres und sei deshalb für ihn eine sinnvolle
Arbeit, und wenn er keinen englischen Rasen im Vorgarten haben könne, dann
brauche er dafür auch kein Gras mähen.

Wir erzählten noch geraume Zeit, dann verabschiedeten wir uns. Hier sah also
eine Bauernfamilie etwas „Lästíges“, „Unzeitgemäßes" und nicht „Betriebs-
konformes“ als erhaltenswert an und nahm dafür Kosten und Arbeit in kauf.

Überall in den Dörfern und Städten werden die Bürger von Kastanien, Linden
oder Eichen „befreit“, tritt an ihre Stelle die Schöner-Wohnen-Welt aus Bau-
sparzeitschriften und Gartenkatalogen - pflegeleicht, platzsparend - mit einem
Wort: fortschrittlich. Die Blaufichtenkultur hat ihren Siegeszug angetreten und
den Wechsel der Jahreszeiten aufgehoben. Der winterliche Strauch, auf dem
über Nacht lockerer Schnee weiße Zeichnungen schuf, die Blütenpracht und
summende lnsektenwelt des Frühjahres und Sommers, die feurigen Farben
des Herbstes, die roten Beerendolden einer Eberesche, der weiße Schaft einer
Birke. die erhabene Krone eines alten Baumes - ist es nicht gerade diese
Vielfalt der Formen, die uns im Ablauf eines Jahres immer wieder von neuem
überrascht und erfreut?

Der Landwirt, mit dem ich gesprochen hatte, zeigt, daß wir uns durchaus noch
wehren können gegen eine Entwicklung, die uns Kitsch und Nippes als Lebens-
qualität verkaufen will und daran ihre Umsätze steigert.

Der bekannte Journalist und Tierbuchautor Horst Stem hat alle, die ihr Suchen
nach wertbeständiger Schönheit im Alltag fortsetzen, aufgefordert, sich nicht
durch intellektuellen Spott beirren zu lassen: „Wer die heile Welt noch heute
ironisiert, wird sie als kranker Mensch an Leib und Seele schon morgen selber
am nötigsten haben“.

Über diesen Satz sollte man vielleicht doch einmal etwas nachdenken.


Karl-Friedrich Weber
3301 Rotenkamp Nr. 17




Die Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz, die in unserem Stadtgebiet durch ln-
formation und praktischen Einsatz sich des Schutzes unserer natürlichen Le-
bensgrundlagen angenommen hat, steht allen Bürgern beratend zur Verfügung,
insbesondere auf den Gebieten des Vogel-, Pflanzen- und Gewässerschutzes,
der Landespflege und gärtnerischen Gestaltung der Ortslagen, sowie des Er-
haltens alter baulicher Strukturen.

Sie ist zu erreichen über E. Noak, Könlgslutter, Tel. 1935.



Quelle: Das Moosholzmännchen Nr. 125/1977

 

 

 

Fachwerk macht Schule

http://www.fachwerktriennale.de/index.php?option=com_content&view=article&id=97&Itemid=113

 

Weitere Infos zur Fachwerktriennale:

Arbeitsgemeinschaft

Deutsche Fachwerkstädte e.V.

Propstei Johannesberg

D-36041 Fulda

info@fachwerk-arge.de

http://www.fachwerk-arge.de