Galerie Arthof öffnet wieder - Neue Ausstellung nach einem Jahr

Galerie Arthof öffnet wieder - Neue Ausstellung nach einem Jahr

 

von Katja Weber-Diedrich

 

 

Helmstedt. Kennen gelernt haben sie sich vor drei Jahren in Königslutter und die „Chemie“ zwischen ihnen passte auf Anhieb. Daher ist es kein Wunder, dass die beiden Künstlerinnen Heike Miethke und Christiana Frank nun eine gemeinsame Ausstellung vorbereiten.

 

In der Galerie Arthof der Familie Miethke in der Bötticherstraße 1 in Helmstedt wird am Freitag, 17. März, um 19 Uhr die gemeinsame Ausstellung eröffnet. Vom 18. März bis zum 1. April sind die Malereien von Christiana Frank und die Skulpturen von Heike Miethke dann donnerstags und freitags von 16 bis 19 Uhr sowie sonnabends von 15 bis 17 Uhr zu sehen. Die Ausstellung bleibt sogar bis zum 31. Juli aufgebaut. Für Ausstellungsbesuche ab dem 2. April können dafür Termine mit Heike Miethke unter der Telefonnummer 0163/6858666 vereinbart werden.

 

Die Galerie Arthof öffnet damit nach einer einjährigen Pause ihre Türen wieder. Und nach einer langen Pause darf einiges erwartet werden.

 

Naturbilder von Christiana Frank werden in der neuen Ausstellung mit Holzskulpturen von Heike Miethke zusammengebracht. Das passt so gut zueinander wie die beiden Künstlerinnen selbst. „Wir denken und fühlen in vielen Dingen gleich. Wir sind auf einer Wellenlänge, die sich selten so ergibt“, versucht Christiana Frank eine Erklärung.

 

Die Wellenlänge überträgt sich sicher auch auf den Betrachter, wenn Acrylbilder von Bäumen inklusive ihrer unterirdischen Wurzeln an der Wand hängen und davor ein „Hochzeitspaar“ aus zwei Birkenholzstämmen aufgebaut ist. Das ist aber noch lange nicht alles. Denn Heike Miethke hat auch mit Keramik gearbeitet und neuerdings Holz mit Glas in Verbindung gebracht, während Christiana Frank nicht nur abstrakt, sondern auch ganz realistisch zeichnet.

 

So kann die neue Ausstellung in der Galerie Arthof, die in zwei Wochen eröffnet wird, durchaus

als bunt bezeichnet werden.

 

 

Heike Miethke und Christiana Frank (von rechts zeigen die neue Ausstellung, die am Freitag, 17. März, eröffnet wird.

Foto: Katja Weber-Diedrich

 

Quelle:

Helmstedter Sonntag. 5.3.2017 S. 4

 

Hinweis: Fotos von dieser Ausstellung wurden am 30.03.2017 aufgenommen.

 

 

Neue Ausstellung im Arthof

Neue Ausstellung im ArtHof
Wenn Stein eine Geschichte erzählt
von Katja Weber-Diedrich

Helmstedt. Dass sich in Königslutter ein Steinmetzzentrum befindet, wissen viele, dass dies eine Hochburg der Steinmetzkunst in Deutschland ist, eher wenige. Dabei sind die Steinmetzarbeiten aus Königslutter nicht nur im Kaiserdom, sondern in Kirchen in der ganzen Republik zu bestaunen.

Seit 1984 ist Günter Dittmann Gestaltungslehrer und seit 2008 Leiter der Steinmetzschule in Königslutter.

Bei den jährlichen Sommerakademien des Steinmetzzentrums lernen sich viele Kunstinteressierte kennen - so auch Günter Dittmann und Marianne Jenter, eine Malerin aus Mariental.

Heike Miethke, die die Galerie ArtHof in der Bötticherstraße in Helmstedt betreibt, hat die beiden Künstler in ihrer neuen Ausstellung „vereint“.

Gestern wurde die Ausstellung mit Bildern von Marianne Jenter und Skulpturen von Günter Dittmann eröffnet. Sie kann bis zum 7. November donnerstags, freitags und sonnabend, jeweils von 15 bis 17 Uhr sowie nach Absprache mit Heike Miethke unter der Telefonnummer 0163/6858666 in der Galerie ArtHof besichtigt werden.

Die Werke Dittmanns sind vielseitig, stellen sowohl abstrakt als auch realistisch Szenen aus dem Leben sowie die Natur dar.

Der Steinmetzschulleiter „spielt“ mit den Formen und bringt Stein am Ende dazu, eine Geschichte zu erzählen.

Gepaart sind die Skulpturen mit Bildern von Marianne Jenter. Meist klassische Stillleben, aber auch Abstraktes ist zu sehen.

Die realistischen Bilder entstehen dabei nach „Altmeisterlicher Art“: mit einem Untergrund aus Eitempera oder Acryl sowie einem Finish aus Ölfarbe.

In der Sommerakademie in Königslutter sind im Übrigen einige Skulpturen entstanden, die die Handschrift Marianne Jenters tragen - realistische Akzente kombiniert mit unbehauenem Stein.

Skulpturen von Günter Dittmann werden bei der neuen Ausstellung in der Galerie Arthof in Helmstedt mit Bildern von Marianne Jenter gepaart.

Foto: Katja Weber-Diedrich

Quelle: Helmstedter Sonntag 18. Oktober 2015 S. 4

Deutscher Mühlentag 2013 im Landkreis Helmstedt

Deutscher Mühlentag 2013: Räbke ist wieder mit dabei
Mühle Liesebach wird mehr und mehr zum Schmuck- stück


RÄBKE (nj). Am 20. Mai wird einmal mehr der Deutsche Mühlentag gefeiert. Aus dem Landkreis Helmstedt ist in diesem Jahr nur noch eine Mühle dabei - die Mühle Liesebach aus Räbke.
Von 9 bis 18 Uhr am Pfingstmontag öffnet die Mühle Liesebach in Räbke einmal mehr ihre Pforten für die Öffentlichkeit. Im Rahmen des Deutschen Mühlentages wird ein großes Programm geboten, das die Mühle in ihrer Entwickung vom vergessen Schätzchen hin zum echten Schmuckstück des Dorfes zeigt.
Auf dem doch recht umfangreichen Tagesprogramm stehen neben fachkundigen Führungen in der Wassermühle auch wieder Präsentationen von Berufsbildern rund um die Mühle und ihre Restaurierung herum.
Ein Höhepunkt aus dem vergangenen Jahr, frisch gebackenem Mühlenbrot, wird auch dieses Jahr wiederholt und ganz selbstverständlich wird auch das hochwertige Rapsöl aus der Elm-Börde Region wieder angeboten.
Generell wird für das leibliche Wohl wieder bestens gesorgt sein - mit vielen verschiedenen Kuchen, kühlen wie warmen Getränken und Bratwurst sowie Steak vom Grill.
Inhaltliche Höhepunkte sind dabei sicherlich die Neuerungen des vergangenen Jahres, auf die der Förderverein der Mühle besonders stolz ist: Zum einen die neu gestalteten Toiletten zum anderen der langsam aber sicher Form annehmende Versammlungsraum.
An vorderster Stelle steht allerdings der Steinmahlgang der in stundenlanger Arbeit wieder in Gang gesetzt werden konnte, nicht zuletzt auch durch die Arbeit des Mühlenbauers Rüdiger Hagen, der  zusammen mit dem Förderverein etliche Stunden am Mahlgang verbracht hat.
Mit viel Herzblut engagieren sich Klaus Röhr und Ursula Deters als Vorsitzende des Fördervereins sowie Kassenwartin Simone Köpnick schon seit Jahren - wie die meisten der gegenwärtig 110 Vereinsmitglieder - für die Mühle Liesebach, die in diesem Jahr aller Voraussicht nach die einzige Mühle aus dem Landkreis ist, die am Mühlentag teilnimmt.


Der Förderverein Mühle Liesebach freut sich auf möglichst viele Besucher zum Deutschen Mühlentag 2013 am Pfingstmontag.

Veröffentlicht in:
Helmstedter Blitz vom 15. Mai 2013 S. 2





Sagen, Fakten und Geschichten aus dem Landkreis
Das Helmstedter Kreisbuch feiert seinen 20. Geburtstag
HELMSTEDT (nj). In der vergangenen Woche wurde es feierlich in der Aula das Helmstedter Juleums vorgestellt, das nunmehr 20. Kreisbuch, das sich „Sagen, Fakten und Geschichten“ aus dem Landkreis widmet.
Bauwerke und Ortschaften sowie Plätze im Landkreis Helmstedt war das Thema des diesjährigen Kreisbuches, das Landrat Matthias Wunderling-Weilbier vor rund 100 Gästen in der Aula des Helmstedter Juleums vorstellte.
Kurz vor dem ersten Advent wurden dann von einer Hand voll der im Buch vertretenen 26 Autorinnen und Autoren Ausschnitte aus den 32 Texten gelesen.
Die Resonanz, so Wunderling-Weilbier, auf das Thema war wirklich überwältigend. Schon kurz nach Bekanntwerden des Themas häuften sich die angebotenen Beiträge. so-dass die Redaktion direkt mit der Arbeit loslegen konnte.
Dabei landeten spannende Themen auf dem Tisch, die in dieser Form noch nicht aufgearbeitet waren. Zum Beispiel, wo genau der ,.Nobiskrug“, „Klein London“, ..Kuschdorf“ oder der Ort „Oberlutter“ waren oder sind. Oder aber Geschichten eines Bauwerkes. So wird über Bauwerke, ebenso berichtet wie über weitgehend unbekannte oder auch ehemalige Orte und sogar Wüstungen.
Dazu und über weitere Fragestellungen liefert dieses Buch interessante, lebhafte und oftmals überraschende Antworten. Ergänzt wird das Buch wie gewohnt durch den von Kreisheimatpfleger Rolf Owczarski zusammengestellten „Blick in die Vergangenheit“ sowie durch allgemeine Informationen zum Landkreis Helmstedt.
Im Laufe der 20 Jahre haben dabei rund 220 Autoren eine Anzahl von über 440 Beiträgen für das Kreisbuch beigesteuert. Eine Gesamtliste aller in den 20 Kreisbüchern erschienenen Beiträge ist im Internet unter www.helmstedt.de in der Rubrik Kultur und Freizeit/ Publikationen/Kreisbücher zu finden. Restexemplare fast aller Kreisbuch-Jahrgänge sind noch erhältlich.
Das Kreisbuch 2013 ist im Dr. ziethen verlag erschienen und kann ab sofort im örtlichen Buchhandel sowie in den Kreismuseen zum Preis von 18,90 Euro erworben werden.
Landrat Matthias Wunderling-Weilbier bedankte sich bei den Autoren des diesjährigen Kreisbuches.


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Helmstedter Blitz  Nr.49/38. Jahrgang  5. Dezember 2012  S.2


Buchvorstellung zum 75. Geburtstag der Bundeslehranstalt auf der Burg Warberg im Landkreis Helmstedt

„Stets am Puls der Zeit“
75 Jahre Bundeslehranstalt auf der Burg
von Mara Punthöler
Warberg. Mit der Jubiläumsgeschichte „Stets am Puls der Zeit“ zum 75. Jubiläum, welches am 25. Juni gefeiert wird, bringt die Bundeslehranstalt (BLA) eine Chronik heraus, die mit spannenden Geschichten der Aus- und Fortbildungsstätte für privaten Agrarhandel aufwartet.
„Aber es ist keine reine Chronik. Ich wollte, dass das Buch über die BLA zum Lesen ermuntert und der Leser selber nicht mit reiner Fachliteratur konfrontiert wird“, so der Historiker und Autor des Buches Manfred Rockel.
Auf 208 Seiten, aufgeteilt in sechs historische Phasen, werden die verschiedenen Entwicklungen der Bundeslehranstalt dargestellt. Beginnend mit der Gründung des Vereins „Reichs-Landhandels-schule“ 1937 und dem Kauf der Burg Warberg als Schulungsstätte im Jahre 1938 beschreibt Rockel in den darauffolgenden Seiten, warum erst 1955 der eigentliche Schulbetrieb aufgenommen werden konnte und wie es dann weiter ging.
Begleitet von Grußworten auf den ersten Seiten - unter anderem von Philipp Rößler und Ilse Aigner - kommen aber auch die derzeit Verantwortlichen zu Wort und geben einen Blick auf die Geschichte und ihre Arbeit. „Die Bundeslehranstalt war und ist einzigartig in Deutschland und Europa“, unterstreicht Peter Link, Geschäftsführer der Bundeslehranstalt.
Aber auch ein kleiner Ausblick in die Zukunft wird in dem Buch gegeben. Denn längst ist die Burg Warberg nicht nur Sitz der Bundeslehranstalt und internationaler Treffpunkt der Agrarwirtschaft, sondern sie setzt auch Impulse im kulturellen, gesellschaftlichen und touristischen Bereich.
Ebenso ist die Burg Warberg für viele Menschen in der Region ein wichtiger Arbeitgeber geworden.
Das Buch ist ab dem 25. Juni in allen Buchhandlungen sowie in der Burg Warberg zu finden.
„Wer ganz schnell ist, der kann noch bis Ende des Monats auf der Burg das Buch zum günstigeren Preis erwerben“, so Link abschließend.

Peter Link, Autor Manfred Rockel und Peter Rautenschlein (von links) präsentierten anlässlich des 75. Geburtstags der Bundeslehranstalt das Jubiläumsbuch „Stets am Puls der Zeit“. Foto: Mara Punthöler

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Helmstedter Sonntag vom 23. Juni 2013 S. 7

"Helmstedter Fotografen" im Grenzmuseum

Ausstellung im Grenzmuseum     70 „grenzenlose" Fotos zu sehen

von Nico Jäkel


Helmstedt. Seit zwölf Jahren gibt es die Gruppe „Helmstedter Fotografen“, deren neueste Ausstellung gestern im Zonengrenzmuseum Helmstedt eröffnet wurde. Anlass der Ausstellung war, dass sich die Öffnung der innerdeutschen Grenze in diesem Jahr zum 25. Mal jährt. Museumsleiterin Marita Sterly war im vergangenen Jahr an die Gruppe, die schon einmal im Museum zu einem ähnlichen Thema ausgestellt hatte, herangetreten mit der Bitte, sich auf abstraktere Weise mit dem Thema „Ohne Grenzen - Grenzenlos – Entgrenzung“ auseinanderzusetzen.

Die Ergebnisse, die Günter Brehme, Hartmut Hopfgarten, Bärbel Knackmuß, Mario Patzschke, Heike Richard, Andreas Schubert und Bohumil Stroz präsentieren, sprechen dabei für sich.

Während der grenzenlose Himmel oder ein Gefühl von Freiheit noch die konkreteren Themen sind, wird es mit dem symbolhaft eingesetzten Euro für weggefallene Finanzmarktgrenzen schon abstrakter.

Die Werke hängen dabei im Foyer sowie im Untergeschoss und sind in drei verschiedenen Formaten, überwiegend in Farbe ausgestellt. Zu sehen sind die Bilder zu den Öffnungszeiten des Zonengrenzmuseums noch bis zum 21. September. Die Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Freitag von 15 bis 17 Uhr, Mittwoch auch von 10 bis 12 Uhr, Donnerstag von 15 bis 18:30 Uhr und Sonnabend sowie Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

 

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Im Foyer des Zonengrenzmuseums leuchten, neben den Relikten der Grenzzeit, die Farben der Fotografien der „Helmstedter Fotografen“ zum Thema „Ohne Grenzen - Grenzenlos – Entgrenzung“. Bohumil Stroz, Heike Richard und Andreas Schubert präsentieren die Fotos vorab mit Museumsleiterin Marita Sterly (von links). Foto: Nico Jäkel

 

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Helmstedter Sonntag Nr. 30/2014 vom 27.07.2014 S. 2

 

Kirchen, alte Klöster und Stifte in der Region Ostfalen

Fotoausstellung „Auf den Spuren der Romanik“
Kirchen, alte Klöster und Stifte in der Region Ostfalen
HELMSTEDT (mb). Am Sonntag eröffnete im Zonengrenzmuseum eine neue Ausstellung. Diesmal allerdings dreht es sich nicht um die Grenze an sich - stattdessen wurde genau diese „auf den Spuren der Romanik“ überwunden.
Denn die Straße der Romanik führt zwar auch durch Niedersachsen, aber vor allem durch große Teile des Landes Sachsen-Anhalt. Und entlang dieser Route finden sich viele Kirchen, alte Klöster und Stifte, die für Fotografen wie eine Einladung wirken. Hartmut Hopfgarten von den ausstellenden „Helmstedter Fotografen“ stellt daher zurecht die Frage: „Was machen wir mit unseren Fotos? Egal ob analog oder digital, sollen sie in Fotoalben oder auf Festplatten verstauben?“ Natürlich nicht, und so kam schnell die Idee auf, eine neue Ausstellung auf die Beine zu stellen.
Das Ergebnis der Aufgabenstellung „Auf den Spuren der Romanik“ ist nun im Zonengrenzmuseum noch bis zum 8. Juli zu bestaunen.
Joachim Hoeft, Landesvorsitzender der Gesellschaft für Fotografie im Landesverband Sachsen-Anhalt, ist zufrieden: „Die Helmstedter Fotografen haben nicht an der Landes- beziehungsweise ehemaligen Staatsgrenze Halt gemacht, sondern sind zum Beispiel bis Groß Ammensleben gekommen.
Es sollen eben nicht nur die bekannten Highlights wie der Kaiserdom in Königslutter oder das Kloster Mariental besucht werden, sondern auch die Sakralbauten unserer Nachbarn im Bördekreis östlich des ehemaligen Grenzverlaufs, von der Stiftskirche in Walbeck bis zur ältesten Dorfkirche der Magdeburger Börde in Seehausen. Lassen Sie sich überraschen, was dabei herausgekommen ist.“
Der stellvertretende Landrat Rolf-Dieter Backhauß ergänzte: „Mögen viele die Gelegenheit wahrnehmen, die Originale auch einmal anzusehen."


Quelle: HELMSTEDTER BLITZ Mittwoch, den 23. Mai 2012 Seite 2


LINK: 

 

http://helmstedter-fotografen.filmproject17.de/index.php/aktuelle-ausstellung

 

http://www.gff-foto.de/lv/sachsen-anhalt/index.html

 

 

 





Sonderausstellung Klöster * Kirchen * Landschaften im Kloster St. Marienberg vom 30.08.98 bis 18.10.98

* S O N D E R A U S S T E L L U N G *
>> KLÖSTER * KIRCHEN * LANDSCHAFTEN <<
gemalt und gezeichnet von Herbert Waltmann

Zwischen Helmstedt, Königslutter und Wolfenbüttel liegen die wichtigsten Gründungen alter Klosterkirchen in der Region Braunschweig.
Im Kaiserdom Königslutter ist das Grabmal von Kaiser Lothar III. und seiner Gemahlin Rizenza zu finden. Die Abtei Königslutter, von Lothar selbst und auch von Heinrich dem Löwen mit reichen Gütern und Besitzungen ausgestattet, erlebte im 12./13. Jh. eine Blütezeit.
1568 führt Herzog Julius die Reformation im Herzogtum Braunschweig ein. Mit dem Erlaß der Kirchenordnung erhält Herzog Julius die wirtschaftliche Oberaufsicht über die Klöster.
"Gott zu Ehren und mithin denen Dürftigen zum Besten" gründeten Herzog Anton Ulrich und seine Gemahlin Elisabeth Juliane 1699 in ihrem Schloß Salzdahlum ein Kloster. 1791 zog der Konvent von Salzdahlum ins Zentrum von Wolfenbüttel um.
Weithin bekannt ist der Marienberger Paramentenschatz, dessen ältestes vorhandenes Stück aus dem Jahr 1260 stammt. Gefertigt wurde es vermutlich von den Augustiner-Chorfrauen im 1176 vor den Toren Helmstedts gegründeten Kloster St. Marienberg.
Das Kloster erhielt eine neue Blütezeit, als die Domina Charlotte von Veltheim 1862 einen Verein für Paramentik gründete und das Kloster neu belebte. Die Domina unterhielt u. a. eine Schule, ein Krankenhaus und betrieb das traditionelle Textilhandwerk. Die Paramentenwerkstatt fertigt noch heute Altar- und Wandbehänge an und restauriert Textilien von hochrangigem Wert.


Herbert Waltmann

zur Ausstellungseröffnung im Kloster St. Marienberg am 30.08.1998


Auf Wanderers Spuren mit dem OSM-Route-Manager im Lappwald unterwegs

 

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Neue Lebensräume am Lappwaldsee

Neue Lebensräume am Lappwaldsee
Geführte Wanderung im Tagebau Helmstedt
HELMSTEDT. Die Stadt Helmstedt und E.ON Kraftwerke veranstalten am 9. Juni eine geführte Wanderung zum Thema „Neue Lebensräume: SEENswerte geführte Wanderung im ehemaligen Tagebau Helmstedt/Harbke“.
Die Wanderung führt circa zehn Kilometer am Lappwaldsee entlang durch die rekultivierten Flächen des ehemaligen Tagebaus bis hin zum Eizsee und zurück. An ausgewählten Stationen bekommt der Wanderer einen Eindruck über die Artenvielfalt der Region vermittelt.
Die Warıderung ist ein Beitrag im Rahmen der weltweiten UN-Dekade für die biologische Vielfalt (2011-2020). Unter dem Motto „Gemeinsam wandern - Deutschlands Vielfalt erleben!“ finden vom 17. Mai bis zum 22. Juli auf Initiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
und des Bundesamtes für Naturschutz in ganz Deutschland Wanderveranstaltungen statt.
Die Wanderung der Stadt Helmstedt und E.ON Kraftwerke möchte dazu einen Beitrag leisten.
Die Führung soll dazu beitragen, auf die Schönheit und Artenvielfalt der Landschaft direkt vor der eigenen Haustür aufmerksam zu machen.
Treffpunkt ist um 14 Uhr am See-Parkplatz am Ende des Büddenstedter Weges in Helmstedt. Die rund zehn Kilometer lange Wanderung entlang des Lappwaldsees in Richtung Eitzsee und zurück wird gegen 18 Uhr enden. Für Verpflegung und festes Schuhwerk ist selbst zu sorgen.
Am Eitzsee in der Nähe des Kraftwerkes Buschhaus wird eine Rast eingelegt. Die Teilnahme kostet pro Person zwei Euro. Anmeldung / lnformationen: Info am Markt, Telefon 05351/399095, Tourismus@Stadt-Helmstedt.de oder www.wandertag.biologischeVielfalt.de.


Quelle: HELMSTEDTER BLITZ Mittwoch, den 23.05.2012  Seite 2



 

Wolfsburg und der Kreis Helmstedt rücken zusammen

 

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Oberbürgermeister Mohrs nennt Stärken und Schwächen der Stadt

+ starke Wirtschaftskraft
+ familienfreundlich
+ grüne Stadt

- Verkehrsbelastung
- fehlender Wohnraum
- mittelfristig fehlende Industrieflächen


Landrat Wunderling-Weilbier nennt Stärken und Schwächen des Kreises

+ interessantes Gewerbeflächenpotential
+ touristisch und als Wohnstandort attraktiv
+ Standort für Energiegewinnung der Zukunft

- erdrückende Finanzlage
- Überalterung der Bevölkerung
- Mobilitätsdefizite im Öffentlichen Nahverkehr


Quelle: Helmstedter Nachrichten 02. Juni 2012 Seite 2-3 (Auszug)

 

 

 

Gutachten jetzt beauftragt - Professoren prüfen eine Fusion

Helmstedt/Wolfsburg. Das angekündigte Rechtsgutachten, das sich mit einer möglichen Fusion der Stadt Wolfsburg und des Landkreises Helmstedt befasst, ist beauftragt worden.
Das teilten Landrat Matthias Wunderling-Weilbier und Oberbürgermeister Klaus Mohrs am Donnerstag mit. Gegenstand des Gutachtens ist die wissenschaftliche Bewertung verschiedener Modelle einer Fusion des Landkreises Helmstedt mit der kreisfreien Stadt Wolfsburg.
Die Gutachter sind die renommierten Juristen Professor Dr. Lothar Hagebölling und Professor Dr. Veith Mehde. Der ehemalige Chef des Bundespräsidialamtes Hagebölling hat unter anderem verschiedene herausragende Ämter in der Niedersächsischen Landesverwaltung bekleidet und ist aktuell Honorarprofessor an der Technischen Universität (TU) Braunschweig, Lehrstuhl Staats- und Verfassungsrecht sowie Verwalturıgswissenschaften. Er ist unter anderem Verfasser eines Kommentars zur Niedersächsischen Verfassung. Mehde ist Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaft an der Juristischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover.
In dem Gutachten sollen unter anderem eine juristische Prüfung und Bewertung der verschiedenen Modelle erfolgen sowie auch die finanziellen Auswirkungen einer Fusion aufgezeigt werden.
„Ich freue mich, dass wir mit Professor Dr. Hagebölling und Professor Dr. Mehde zwei ausgewiesene Staats- und Verfassungsrechtler als Gutachter gewonnen haben“, hob Oberbürgermeister Klaus Mohrs hervor.
„Wir verbinden mit dem Gutachten die Erwartung, Handlungsoptionen für eine mögliche Fusion zu einer kreisfreien Stadt Wolfsburg oder einer dieser Lösung nahekommenden Alternative zu erhalten“, erklärt Landrat Matthias Wunderling-Weilbier.


Veröffentlicht in:
Helmstedter Sonntag, Nr. 49/2012 vom 09.12.2012 S. 2

 

Zur Fusion

Fusion: Gemeinde wird nicht zerteilt
Lehre. Eine Aufsplittung des Landkreises Helmstedt oder gar der Gemeinde Lehre wird es nicht geben. Das machten Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs und Helmstedts Landrat Matthias Wunderling-Weilbier bei der Info-Veranstaltung zum Thema Fusion in der Börnekenhalle in Lehre deutlich. 400 Besucher verfolgten die Veranstaltung und stellten kritische Fragen.

Börnekenhalle in Lehre: Zur Fusion von Wolfsburg und Helmstedt informierten Klaus Mohrs. Klaus Westphal und Matthias Wunderling-Weilbier (v.l.).

Zunächst erläuterten beide Politiker die Voraussetzungen: Nachdem ein Gutachten eine Eingemeindung des Landkreises in die Stadt Wolfsburg als schwer durchsetzbar eingeschätzt hatte, ist nun ein Gemeindeverband Wolfsburg/Helmstedt geplant. „Eine Filetierung des Landkreises wird es nicht geben". betonte Wunderling-Weilbier. Heißt: Entweder der gesamte Landkreis tritt dem Gemeindeverband bei – oder kein einziger Ort. Eine Entscheidung darüber liegt allein beim Landkreis und seinen Gremien, nicht bei den Gemeinden.

Die viel diskutierte Eingemeindung der nächstgelegenen Gemeinden in die Stadt Wolfsburg wäre erst in einem zweiten Schritt möglich. Zunächst müsse der Landkreis seine kleinen zu drei großen Gemeinden zusammenschließen. Auf diese Weise könnten die Städte Helmstedt und Schöningen ihre Nachbargemeinden aufnehmen - und sich Lehre, Velpke, Königslutter oder Grasleben Wolfsburg anschließen. „lch setze da vollkommen auf Freiwilligkeit", so Mohrs. Das müssten die Gemeinden selbst entscheiden. Eine Großregion mit Braunschweig, Salzgitter, Gifhorn, Wolfenbüttel, Goslar und Peine ist für beide Politiker aktuell noch nicht denkbar.

kau

Veröffentlicht in:
Wolfsburger Allgemeine Zeitung 21. Februar






Großer Jubel nach dem Fusionsbeschluss

Großer Jubel nach dem Fusionsbeschluss

Von Jürgen Paxmann


Helmstedt. Lange haben die Helmstedter darauf gewartet. Nun gibt es eine Fusion mit den Nachbarn - nicht mit Grasleben, nicht mit Nord-Elm, sondern mit Büddenstedt. Die knapp 2500 Einwohner starke Einheitsgemeinde, zu der die Orte Offleben, Hohnsleben und Reinsdorf gehören, wird sich im Juli 2017 mit der Stadt Helmstedt zusammenschließen.

Darüber haben die Räte in ihren Sitzungen am Dienstag fast zeitgleich abgestimmt, und zwar in kaum zu überbietender Deutlichkeit. Lediglich im Büddenstedter Rat gab es eine Enthaltung. Noch am gleichen Abend gab es in einem Helmstedter Lokal ein Zusammentreffen der Mitglieder beider Gremien, um diese historische Entscheidung zu feiern und sich gegenseitig zu beglückwünschen.

Historische Abstimmung im großen Sitzungssaal. Der Heimstedter Rat beschließt die Fusion mit Büddenstedt. Foto: Jürgen Paxmann


Weniger Schulden, mehr Gestaltungsräume

„Ein herzliches Willkommen“, riefen mehrere Redner im Helmstedter Ratssaal dem neuen Bündnispartner zu. SPD-Fraktionsvorsitzender Uwe Strümpel sprach angesichts der zu erwartenden Finanzspritze des Landes in Höhe von 15 Millionen Euro von guten Aussichten „für mehr Gestaltungsräume zum Wohl der Bürger“. Jährlich höhere Zuweisungen in Höhe von 300 000 Euro für die größer werdende Stadt (Stichwort Einwohnerveredelung) sowie die Synergieeffekte durch die Fusion ergeben weitere Entlastungen. Überdies müsse die Stadt nach erfolgter Gebietsänderung ohnehin zusehen, das jährliche Defizit mittelfristig um die Hälfte auf 2,7 Millionen Euro zu beschränken.

Wolfgang Kalisch, Chef der CDU-Fraktion, hat immer Ja zu Fusionen gesagt. „Es gibt keine Alternative, wenn wir unser Mittelzentrum stärken wollen.“ Davon würden im hohen Maße auch die Bürger aller Nachbarkommunen profitieren, weil Behörden wie Amtsgericht, Finanzamt oder Arbeitsagentur im Ort bleiben. Kalisch nannte mit der Entwicklung des Lappwaldsees zum Freizeitgewässer sowie der Lösung der Frage, wie Buschhaus nach Abschaltung des Kraftwerks zu nutzen sei, zwei Beispiele, wo er sich nun sicher sei: „Gemeinsam schaffen wir das!“

Dass aus einer Vernunftsehe eine Liebesheirat werden könne, zeigen die Beispiele Barmke und Emmerstedt – Ortsteile, die seit 42 Jahren zu Helmstedt gehören, ihre Identität bewahrt und somit die Stadtentwicklung bereichert hätten. Auch darauf wiesen mehrere Redner hin.

Bürgermeister Wittich Schobert versprach: „Die dörflichen Strukturen und Gemeinschaften bleiben erhalten.“ Und Uwe Strümpel ergänzte: „Wir hoffen auf weitere Fusionen.“

 

Quelle: Helmstedter Stadtgespräch vom 17. September 2016

 

 

H. Lichtenstein 1845: Hofrath Beireis in Helmstädt

Universitaet Helmstedt - Hofrath Beireis

Der Hofrath Beireis in Helmstädt und das Universitätswesen seiner Zeit.

Ein Vortrag, gehalten in der Versammlung des wissenschaftlichen Vereins zu Berlin am 29. März 1845 von H. Lichtenstein.

 

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257 Hofrath Beireis in Helmstädt.

 

In einer vielbewegten Zeit, wie die unsrige, weilt die Erinnerung gern bei den friedlich beschränkten bürgerlichen Zuständen unsers Vaterlandes in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Ohne sie zurückzuwünschen, betrachten wir sie doch mit einer gewissen Ehrfurcht, erkennen in ihnen die Quellen mancher, auf uns vererbten geistigen und sittlichen Besitzthümer und messen bequemer an diesem engen Maßstab des Familien- und Bürgerlebens, als an dem schwer zu handhabenden welthistorischen, den gewaltigen Umschwung, in welchem uns die kurze, aber verhängnißvolle Zeit eines halben Jahrhunderts auf die schwindelnde Höhe der Gegenwart gehoben hat.

 

Unter dem Beistande dieser in deutschen Herzen so leicht wach werdenden Regung, darf ich es daher vielleicht wagen, die hochansehnliche Versammlung auf einige Augenblicke in die Vorzeit des deutschen Universitäts- und Gelehrtenlebens zurückzuversetzen, indem ich Ihnen das Bild eines Mannes vorführe, der mehr als viele Andere seiner Zeitgenossen in der Eigenthümlichkeit seines Charakters jene Zeit abspiegelt, deren Geschöpf er war.

 

 

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258 Hofrath Beireis in Helmstädt.

 

Christoph Ludwig Beireis, Herzoglich Braunschweigischer Hofrath und Professor zu Helmstädt, kann nämlich, wenn er in seiner wahren Gestalt aufgefaßt wird, für ein vollendetes Musterbild des deutschen Universitätslehrers aus der Zeit vor dem siebenjahrigen Kriege gelten, da er sich in dieser Rolle so vollkommen genügte, daß er sie bis in sein hohes Alter nicht nur festhielt, sondern in immer grellerem Contrast gegen die ihm unbemerkt vorrückende und umgestaltende Zeit, in allen Richtungen steigerte. So mußte es zuletzt geschehn, daß er der neuen Generation bald lächerlich, bald wunderbar, ja grauenhaft erschien, wie eine Ruine von altem kernfesten Bau, trotz alles Bizarren und Phantastischen, was ihr ankleben mag, doch nicht leicht den Eindruck einer ehrwürdigen, jedenfalls höchst merkwürdigen Erscheinung verfehlt.

 

Ich habe mit dem Hofrath Beireis während seiner letzten zehn Lebensjahre, theils als sein Zuhörer, theils Briefe mit ihm wechselnd, zuletzt und am meisten als junger Arzt und angehender Schriftsteller in fortdauerndem Verkehr gestanden und von seiner persönlichen Neigung in freundlicher Lehre und Leitung mancherlei Gutes genossen, und möchte es wenigstens versuchen, ihm bei der Nachwelt ein besseres Andenken zu bewahren, als ihm durch die zahlreich vorhandenen biographischen Nachrichten bereitet worden ist.

 

Die Zahl derer, die Zeugniß für ihn ablegen könnten, wird überdies immer kleiner. Wenige außer mir möchten dazu einen Beruf fühlen, und wenn ich ihn fest übernehme, so genieße ich noch des Vortheils, mich für mein Urtheil auf das Mitwissen mancher Jugendgenossen,

 

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259 Hofrath Beireis in Helmstädt.

 

die mir sogar unter den hier Versammelten leben, berufen zu können.

 

Wer unter den Gebildeten der letzten Jahrzehnte hatte nicht den Namen „Beireis“ gehört, wem schwebte nicht eine oder die andere seiner Wundergeschichten, vielleicht unter einer kaum abzuweisenden Parallelle mit Münchhausen, vor, und wer unter den Belesenen erinnerte sich nicht der anziehenden Schilderung eines zweitägigen Aufenthalts bei Beireis, die Göthe in seinen Tag- und Jahresheften vom Jahre 1805 verzeichnet hat? Wer von ihnen dächte nicht zugleich des Wunderdoctors, in welchem Achim von Arnim in seiner Gräfin Dolores die ganze fantastische Seite unsers Beireis mit so schlagender Wirkung auf das Gebiet der Poesie hinübergezogen. Fast möchte man sagen, es sei überhaupt nur diese Seite seinen Biographen erschienen und von ihnen wiedergegeben, es habe eben darum ihre Schilderung nicht anders als im eigentlichen Sinn einseitig werden können, und es sei noch eine ganze Hälfte zu entdecken übrig, die freilich weniger anziehende, prosaische; der Mann, wie er sich dem Besuchenden nicht zu erkennen gab, in seiner Häuslichkeit, seinem Auditorium, seiner ärztlichen Praxis, in geselligen Kreisen, im akademischen Senat u. s. w. Von den meisten dieser Verhältnisse reden die über ihn vorhandenen Nachrichten wenig und doch sind aus ihnen die mildernden Züge zu entlehnen, durch welche die Schilderung dieses Charakters erst Ebenmaß und Haltung gewinnen kann. Seine Jugendzeit aber ist es, aus deren Schwächen, Vorurtheilen, abergläubigen Meinungen und wissenschaftlichen Ansichten

 

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260 Hofrath Beireis in Helmstädt.

 

die eigenthümliche Richtung seines sittlichen Wesens ihre Ableitung und Erklärung fordert.

 

Es ist bekannt, daß Göthe in Begleitung von F. A. Wolf die Reise von Halle nach Helmstädt nur unternahm, um den problematischen Mann, seinen merkwürdigen Besitz und das Geheimniß, das über ihn waltete, kennen zu lernen. — So gestehn auch Rudolphi (unser nachmaliger berühmter Mitbürger), der dänische Arzt Schönberg , Bücking und Sybel, nebst vielen Andern, die ihre Bemerkungen über Beireis bekannt gemacht haben, daß sie nur von dem Ruhm seiner Wunderbarkeit angezogen worden. Keiner klagt, daß er ihn unbefriedigt verlassen habe. Denn Beireis gab sich Jedem ohne Rückhalt, mit der unschuldigsten Dreistigkeit alle seine Schwächen zu Tage legend, so daß Jeder gestehen mußte, auch das übertreibende Gerücht habe nicht zu viel gesagt, aber es bleibe doch so viel Achtungswerthes, ja Bewundernswürdiges, daß man mehr im Staunen, in der Beschämung und in dem Bemitleiden so tiefer Verirrung bei so reichen Gaben und wirklichen Vorzügen von ihm scheide, als in dem Nachgenuß eines ergötzlichen Schauspiels, das man erwartet hatte.

 

Sehen wir, wie sich in den übereinstimmenden Schilderungen aller dieser Berichterstatter aus der Bekanntschaft von wenigen Stunden oder Tagen das Bild seiner Persönlichkeit und ihrer Umgebung gestaltet.

 

Beireis ist ein alter Mann von wohlgebildetem, schmächtigem, aber noch kräftigem Körper, von wohlgefälligem, feinem Betragen, einhergehend in altfränkischer Kleidung und Frisur, durch unbekannte Künste zu großem Reichthum

 

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261 Hofrath Bereis in Helmstädt.

 

und in den Besitz der wunderbarsten Schätze und Seltenheiten gelangt, die er mit grenzenloser Ruhmredigkeit alle ohne Ausnahme als einzig in ihrer Art darstellt, sich selbst der tiefsten Einsicht in die Geheimnisse der Natur, der umfassendsten Kenntnisse in allen Fächern des Wissens, der höchsten Entwickelung aller Kräfte des Leibes und Geistes, des vollkommensten Gelingens aller seiner jugendlichen Bestrebungen rühmend, und auf diese Weise auch seine Person als ebenso einzig in ihrer Art, wie jedes seiner Besitzthümer, als das erreichte Ideal menschlicher Vollkommenheit darstellend, dabei aber ein unverkennbar hochbegabter Geist, ein Mann von wirklich umfangreichen gelehrten Kenntnissen, ein tüchtiger Arzt, und, wenn auch jegliches andere Verdienst neben dem seinigen verachtend, ja oft schonungslos schmähend, doch im geselligen Umgang fein gesittet und leutselig. 

 

In diesem Bilde ist, wie ich gestehen muß, kein Zug übertrieben. So in der That stellten sich in seiner Erscheinung die grellsten Widersprüche, die schärfsten Contraste neben einander heraus, so viel lächerliche Prahlsucht neben unleugbarem Verdienst, so viel freche Lügenhaftigkeit neben gesundem Urtheil, klarer Erlenntniß und redlichem Handeln, so viel Schmähsucht neben so feinen geselligen Formen, so viel vermessener Stolz neben dem leutseligsten Entgegenkommen gegen Geringe und Schwache. In der That, das Außerordentliche lag hier vor Allem in der Unerklärlichkeit dieser Widersprüche.

 

Lassen Sie mich versuchen, diesem Bilde gegenüber die ursprünglichen Grundzüge dieses Charakters, wie ich sie an ihm erkannt zu haben glaube, hervorzuheben

 

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und in ihnen die gemeinsame Wurzel so widersprechender Eigenschaften nachzuweisen.

 

Unleugbar war Beireis von der Natur mit den reichsten Gaben des Leibes und der Seele ausgestattet; eine glückliche Jugend und verständige Erziehung scheinen sie zu einer völlig gleichmäßigen Entfaltung gebracht zu haben, denn nur aus einer solchen harmonischen Entwickelung der physischen Organisation, sowie der sittlichen und geistigen Kräfte, vermag ich mir die Energie des Willens zu erklären, die den herrschenden Grundton seines Charakters abgibt und in welcher ich den Kern seines ganzen sittlichen Wesens zu erkennen glaube. Sein Wahlspruch war: der Mensch kann Alles, was er will. Näher erklärte er ihn dahin, dem Menschen sei nichts zu vollbringen unmöglich, was er vernunftgemäß wolle. Darum sei die Logik die vortrefflichste aller Wissenschaften, denn sie lehre den Menschen das erreichbare Ziel erkennen und die Mittel zu ihm folgerichtig wählen. Aus dieser Willenskraft entsprangen alle seine zunächst hervorragenden Eigenschaften, der eiserne Fleiß, welchen er auf seine Studien gewandt, die Beharrlichkeit im Verfolgen eines fest ins Auge gefaßten Ziels und im Ueberwinden aller Schwierigkeiten, das Festhalten an einmal angenommenen Meinungen und Gewohnheiten, ja selbst an siegreich widerlegten Irrthümern, die Selbstbeherrschung in leidenschaftlichen Augenblicken, die Gewalt über jede gemeine sinnliche Begierde, deren er sich wohl rühmen durfte, denn Niemand konnte ihn in dieser Beziehung auch nur des kleinsten Fehltritts zeihen. Aus ihr entsprang aber auch die consequente Hartnäckigkeit, mit welcher er die,

 

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ihm in seiner Jugend geglanbten Erdichtungen bis an seinen Tod zu erzählen fortfuhr, wobei ihm ein bewundernswürdiges Gedächtniß zu Hülfe kam, seinen Erzählungen bis in die kleinsten Einzelheiten stets treu zu bleiben. Eine noch im Alter sehr rege Phantasie rnochte ihn in seiner Jugendzeit, bei dem Bestreben, zu glänzen, zuerst zu dem Fehler des Unwahrseins verleitet haben, nach und nach war er ihm zur Gewohnheit geworden, und selbst was der Volksglaube ihm andichtete, war er, kann man ebensowohl sagen, schwach genug, anzunehmen, als stark genug, auf sich zu nehmen und wahr zu machen. Auf eine absichtliche Täuschung war es dabei nicht abgesehen; denn wenn er vor Männern vom Fach über dies Fach selbst Unglaubliches, ja Unmögliches vorbrachte, so konnte er nicht hoffen, damit zu glänzen, sondern nur fürchten, in ihrer Meinung zu verlieren. Er machte daher immer den Eindruck eines völlig mit sich selbst Uebereinstimmenden; man durfte schwören, daß er von der Wahrheit seiner Märchen auf das Vollkommenste überzeugt sei.

 

An seinem sittlichen Charakter haftet im Uebrigen kein Makel. Seine Gesinnung war durchaus dem Edeln zugewendet und ehrenhaft, menschenfreundlich, uneigennützig, wohlthätig, dem Vaterlande und seinem Fürsten ergeben. An den religiösen Ueberzeugungen seiner Jugend hielt er unwandelbar fest und entzog sich nicht dem Kirchenbesuch und den Sacramenten. Seinen Obliegenheiten als Lehrer kam er mit gewissenhafter Treue nach, seinen Pflichten als Arzt mit wahrer Hingebung. Das Volk hing mit Begeisterung an ihm, und er warb um diese Gunst, da sie sein Ansehn stützte.

 

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Er hat nie vor Gericht gestanden, nie einen offenen Streit in literarischen Dingen geführt, selbst zum Wortwechsel war er zu vornehm. Er hat aber ebensowenig je einen Freund besessen; denn wer hätte sein Vertrauen gewinnen mögen? Daß er Hagestolz geblieben, fanden alle Frauen sehr natürlich; doch wurde mit Recht dabei erwogen, wie die frühzeitig und glücklich getroffene Wahl einer Ehefrau ihn wahrscheinlich vor allen den Verirrungen bewahrt haben würde, die seine Kraft verzehrten und ihn hinderten, den Nachruhm irgend eines wahren Verdienstes zu hinterlassen.

 

Einen Mann von diesen Eigenschaften versetze man nun in die Zeit zurück, von welcher er seine ersten Eindrücke empfangen und auf welche er dann auch seine ersten Kräfte wiederum thätig verwenden sollte, und die Richtung, die er genommen, wird nicht so befremdlich sein. Er war 1729 in Mühlhausen geboren, Sohn eines angesehenen Magistratsmitgliedes dieser, damals noch selbständigen Reichsstadt, und von beiden Eltern sorgfältig erzogen. Obgleich für das juristische Fach bestimmt, hatte er sich früh mit Botanik, Chemie und andern Naturwissenschaften unter der Leitung eines dortigen Arztes beschäftigt. Aber alle diese Wissenschaften waren damals noch auf einer niedern Stufe ihrer allmäligen Entwickelung und befangen in hergebrachten, halb abergläubigen Vorstellungen. Die Naturkörper wurden weniger nach der Manichfaltigkeit ihrer Bildung, als nach den vermeintlich ihnen inne wohnenden Kräften betrachtet, um als Heilmittel zu dienen. An den unorganischen insbesondere ahnte man noch verborgene Eigenschaften, die bei ihrer Zerlegung und Verbindung

 

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untereinander zu Verwandlungen und Veredlungen führen könnten. Aus wissenschaftlichen Gründen konnte die Möglichkeit des Goldmachens damals noch nicht widerlegt werden, und es ist sehr wahrscheinlich, daß das hochzielende Streben des jungen Beireis ihn schon in früher Zeit zur Lösung des großen Problems gereizt und zu eifrigem Experintentiren angeregt habe. Aehnliche Probleme beschäftigten auch noch die Mechanik, die sich an den kleinlichen Kunstwerken des Automats und Perpetuum mobile abmühete und in diesen Bestrebungen zu Reichthum, Ehre und Glück zu führen verhieß. So war es der Anblick der Vaucanson‘schen Automate, der schon den zwölfjährigen Beireis, wie er bis an sein Ende zu erzählen nicht müde ward, zur Anstrengung aller seiner Kräfte für eine lange Zeit entflamme. „Diese Kunstwerke muß ich besitzen!“ hatte er bei ihrem Anblicke ansgerufen, war von dem Vater wegen des vermessenen Begehrens gestraft und hatte nach erlittener Strafe wiederholt: „ich werde sie besitzen!“ Zwanzig Jahre später waren sie wirklich sein Eigenthum.

 

Von seinem Jünglingsalter und akademischen Leben ist leidet äußerst wenig bekannt, was sehr zu beklagen, indem die ersten Veranlassungen zu den großen Charakterschwächen in den Begegnissen liegen müssen, die er in dieser Zeit seines Lebens erfuhr. Wie oft bedingt unverdientes Glück oder heilsame Widerwärtigkeit die ganze spätere Gesinnung und Geistesrichtung des jungen Gelehrten! Es ist zu vermuthen, daß frühes und reichlich gespendetes Lob seiner Fähigkeiten und Leistungen in ihm zeitig die Eitelkeit erweckt haben müsse, die ihm für sein ganzes Leben eigen blieb.

Hist. Taschenbuch. Neue F. VIII. 12

 

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In Jena vertauschte er die Jurisprudenz mit der Medicin und that sich neben seinen Studien in Leibesübungen hervor. Er war dort ein vollendeter Fechtmeister geworden und legte noch in späten Jahren auffallende Proben seiner Fertigkeit in dieser Kunst ab, wie er denn überhaupt gern von den ritterlichen Thaten seines akademischen Lebens zu reden pflegte. Die folgenden Jahre sollte er nach einer allgemein verbreiteten Sage, die sich auf seine eigenen Erzählungen zu gründen vorgab, auf weiten Reisen, namentlich auch in Italien zugebracht und wunderbare Abenteuer erlebt haben. In seinem Alter vermied er es, sich darüber auszulassen. Er scheint sich indessen gerade in den auf die Promotion folgenden Jahren neben dem medicinischen Studium ganz besonders den alchimistischen Arbeiten hingegeben zu haben und pflegte in seiner glänzenden Zeit als junger Professor von schweren Operationen zu reden, die ihn genöthigt hätten, sieben Tage und Nächte hinter einander vor dem Schmelzofen zuzubringen und seine Kräfte auf die änßerste Probe zu stellen. Um bei dieser fortgesetzten Anstrengung nicht einzuschlafen, habe er seinem Körper eine solche Stellung gegeben, daß er beim Einschlafen hätte in das Feuer fallen müssen, und nur so mit Lebensgefahr die Ermüdung bekämpft. Bei diesem Suchen nach dem Stein der Weisen mag er auf manche praktisch brauchbare Verbindungen von Metalloxyden gekommen sein, die, wenn anth kein Gold, doch in damaliger Zeit Goldeswerth bringen konnten. Sein Reichthum, zu welchem er schon den Grund gelegt hatte, ehe er nach Helmstädt kam, wird wenigstens auf diese Weise am natürlichsten erklärt. Er hat sich

 

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nie der Kunst des Goldmachens in direkter Rede gerühmt, doch nicht widersprochen, wenn sie ihm zugeschrieben wurde; auch ist es wahr, daß er in seinen Vorlesungen die Möglichkeit des Goldmachens noch in späten Jahren zu verstehen gab, indem er Proben davon vorwies, die er, wie aufs Gerathewohl, aus seinen Louisd‘orrollen nach dem Gepräge und der Jahreszahl 1760 hervorsuchte, und dann an der Farbe und dem Striche auf dem Probirstein mit Kennerblick für chemisches Gold erkannte. Der damals regierende Herzog von Braunschweig, Carl, war diesen Adeptenkünsten nicht abhold, und dies hatte wahrscheinlich Veranlassung gegeben, daß Beireis in seine Dienste berufen ward. Doch war freilich auch ein älterer Bruder schon vorher bei dem Herzog angestellt gewesen, dem er wichtige Dienste geleistet hatte.

 

Er erschien im Jahre 1757 in Braunschweig und um sich gleich bei der ersten Aufwartung dem Herzoge zu empfehlen, soll er, so erzählte man sich, in einem schwarzen Rocke erschienen sein, der seine Farbe während der Tafel allmälig in die rothe, damals allgemein beliebte, veränderte, und als man das feine Kunstwerk bewunderte, gezeigt haben, daß es nicht ohne Opfer zu vollbringen gewesen; denn das Gewebe des Tuchs war davon zerstört und ließ sich wie mürber Zunder abrupfen. Auch von dieser Geschichte hat er nie selbst erzählt, gewiß aber, zumal in früherer Zeit, nicht ungern gesehen, daß sie geglaubt wurde.

 

Sein Aufenthalt am Hofe des Herzogs kann nur kurze Zeit gedauert haben; denn noch in demselben Jahre begab er sich nach Helmstädt, um unter der Leitung des

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berühmten Heister sich zum vollkommnen Chirurgen auszubilden und die etwa sonst dort vorhandenen Hülfsmittel für seine Studien zu benutzen. Heister‘s Neigung scheint er im besondern Grade gewonnen zu haben; denn er wurde von ihm bei allen seinen Operationen zugezogen, und als er ihn einst wegen einer solchen über Land begleitete, erkrankte Heister dort, wurde von Beireis liebevoll gepflegt und verschied wenige Tage darauf in seinen Armen. Heister‘s Enkel, der bekannte Chemiker Crelle, schrieb den von Heister hinterlassenen Empfehlungen hauptsächlich die bald darauf erfolgte Beförderung, die Beireis erhielt, zu. Nachdem er das Jahr vorher nur mit Privatvorlesungen über Chemie zugebracht, ward er nun Professor der Physik, lehrte aber daneben Botanik und einzelne Theile der Medicin, so daß ihm auch diese bald darauf amtlich übertragen wurden.

 

Einem Professor an einer deutschen Universität waren damals andere Aufgaben gestellt als heutigen Tages. Sowie jedes Fach für sich in engere Grenzen eingeschlossen, ja manche für sich ganz abgeschlossen genannt werden konnten, so hatte auch jeder Lehrer in dem ihm angewiesenen Gebiet eine Welt, für die er allein zu leben sich berufen halten konnte. Nichts zog ihn davon ab, kein Nebenamt, keine Art bürgerlicher Thätigkeit, selbst nicht das Hauswesen. Er durfte in allen Dingen des gemeinen Lebens völlig unwissend, ja unbehülflich in den einfachsten Verrichtungen sein, und jemehr er sich in seine Studien vertiefte, jede Berührung mit dem bürgerlichen Treiben vermied, sich seinen Studenten nur auf dem Katheder, dem Volke nur bei feierlicheu Gelegenheiten

 

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und der Gelehrtenwelt in bändereichen Werken zeigte, desto mehr durfte er hoffen, allgemeine Ehrfurcht zu erwecken. Diese wurde um so leichter gewonnen, wenn sich die ganze Persönlichkeit in scharf ausgeprägten Eigenthümlichkeiten der Haltung und Kleidung, des Vortrages und der Rede, der Ansichten und Meinungen als eine ursprüngliche, nicht angebildete, sondern selbständige zu erkennen gab.

 

Dabei aber ruhte jedes einzelne Fisch auf einer sehr breiten Grundlage classischer Gelehrsamkeit, und dieses ganze Wissensreich des Alterthums zu beherrschen, keinem seiner Theile fremd zu sein und nicht nur das eigene Fach, sondern wo möglich alle aus dem Standpunkte der römischen und griechischen Literatur zu kennen, schien eine Forderung, die jedem Universitätslehrer gestellt werden dürfe. Konnten sich dazu noch historische und Realkenntnisse, Bekanntschaft mit orientalischen und neuern Sprachen gesellen, so war das Ziel erreicht, ein Polyhistor, ein Vielwisser genannt zu werden, eine Figur, die unserm Zeitalter ebenso gänzlich abhanden gekommen ist, wie die eines Adepten oder Pedanten. Von den andern Classen der Staatsbürger war die kleine Gelehrtenwelt einer Universität um so weiter geschieden, als der Geschmack für gelehrte Bildung selbst unter den höhern Ständen nur sparsam verbreitet sein konnte und somit die vermittelnden Uebergänge von der strengen Wissenschaft auf das Volksleben fehlten. Selbst die Mittelstufen der Privatdocenten und außerordentlichen Professoren waren auf den deutschen Universitäten damals nur in geringer Zahl vorhanden und schlossen sich alsbald eng um den Kern der Nominalprofessoren an,

 

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um an dem Glanze Theil zu nehmen, von welchem umstrahlt, aus weitem Abstand, die Träger der Wissenschaft zu erblicken das Volk gewohnt war, und so ließ sich denn seinem starken Glauben Vieles noch bieten, was schon die folgende Generation als Trug verworfen haben würde.

 

In einen solchen Kreis ganz achtungswerther, aber auch in allen Schwächen der Pedanterie befangener Männer trat der 27jährige Beireis, um seine Lehrgaben in Helmstädt zu versuchen. Sein Vermögen, die Gunst des Fürsten, glänzende Kenntnisse in vielen bis dahin noch wenig bearbeiteten Fächern und eine anziehende, Zuversicht gebietende Persönlichkeit erleichterten ihm das Bestreben, sich unter den, der Mehrzahl nach schon veralteten Professoren das eifrigst erstrebte Ansehn zu verschaffen.

 

Helmstädt war nämlich damals der Sitz berühmter Lehrer in der Theologie und Jurisprudenz, konnte sich aber in der Medicin (den Chirurgen Heister abgerechnet) und den Naturwissenschaften kaum eines irgend bedeutenden Docenten rühmen. Dies gab einem so talentvollen und kenntnißreichen jungen Manne, wie Beireis war, sofort ein bedeutendes Uebergewicht, dessen er sieh auch ohne alle Rücksicht im vollen Maße bediente. Kühn und hochstrebend, wie er war, alle seine Fächer in ihrem ganzen damaligen Umfange beherrschend, schien er sich für bestimmt zu halten, das ganze Universitätswesen umzugestalten. In modiger Kleidung, eleganter Frisur, das Anlegen der damals einem Professor noch unerläßlichen Perücke standhaft verweigernd, ritterliche Künste, daneben Musik und Dichtkunst übend, sich den

 

 

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unbeholfenen Manieren seiner Collegen in der feinern Sitte des Auslandes zur Seite stellend, und vor Allem bemüht, seinen Vorträgen die Richtung auf das bürgerliche Leben zu geben, brachte er allerdings auch diese Umgestaltung zuwege und ward, wie viele seiner Jugendgenossen bezeugten, der Urheber einer neuen freisinnigern nnd lebendigern wissenschaftlichen Thätigkeit auf dieser Universität. Alles beugte sich vor seiner Ueberlegenheit, erkannte in ihm den Polyhistor und machte ihn damit immer verwegener im Erheben seiner persönlichen Vorzüge. Da Niemand seine Behauptungen zu widerlegten vermochte, gewöhnte er sich, das Unglaublichste auszusagen, sein Wissen für vollendet auszugeben und sich allen Belehrungen, die die fortschreitende Zeit bringen mochte, wenn sie nicht mit seinen Ansichten in Einklang zu bringen waren, standhaft zu verschließen. Mit welchem schonungslosen Uebermuth er aber seine alten schwachen Collegen zu behandeln im Stande gewesen, davon nur eine Probe: Er pflegte, wenn er als Greis in seinen Vorlesungen auf gewisse Abschnitte der Physik und Naturgeschichte zu reden kam und die Irrthümer berührte, die vormals über dieselben verbreitet gewesen, zu erzählen, wie er auch seine alten Collegen bei dem Antritt seines Amtes darin befangen gefunden, und wie er diese Irrlehren nicht anders habe zu bekämpfen gewußt, als daß er den Candidaten im Doctorexamen, nachdem sie von Fabricius und Krüger befragt worden waren und in ihrem Sinne geantwortet hatten, gleich, sowie die Reihe der Prüfung an ihn als den Jüngsten gekommen, dieselben Fragen noch einmal vorgelegt, und wenn sie nun geantwortet wie vorhin, sie hart zur Rede gestellt habe,

 

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wie sie so unsinniges Zeug sich hätten einreden lassen.

 

Auf gleiche Weise trat er den Mängeln in der Disciplinarverwaltung der Universität und manchen veralteten Einrichtungen thätig entgegen und erwarb sich dadurch hauptsächlich die Zuneigung der Studenten und Bürger. Das so erreichte Ansehn mußte ihm nun auf vielfache Weise dienen und erklärt Manches, was sonst an ihm räthselhaft erschienen ist.

 

Denn wenn er nun im Uebermuth fast so viel Vorlesungen im Lectionskatalog ankündigte, als der Tag Stunden zählt (in der That stehen noch in dem von 1798 13 verzeichnet) und mit diesen, besonders den privatissimus ein reiches Honorar erntete, wenn eine ergiebige ärztliche Praxis, zumal unter den reichen Gutsbesitzeru des braunschweigischen und magdeburgischen Landes, ihm die Mittel sicherte, Alles, was nach den damaligen Vorstellungen den Vorträgen eines Arztes und Naturforschers einigen Glanz geben konnte, herbeizuschaffen, wenn er ferner das aus dem Verkauf chemischer Präparate, gewisser Färbestoffe besonders, die ihm von niederländischen Tuchfabrikanten auf den brannschweiger Messen mit Begierde abgenommen wurden, gelöste Geld zur Herbeischaffung kostbarer Instrumente, Gemälde und anderer Kunstwerke, sowie zur Ausstattung seines Hausraths mit dem reichsten und schwersten Silbergeschirr verwendete, so erkennt man darin ebenso leicht die Quellen seines Reichthums, als sein Bestreben, ihn vor der Welt auszubreiten und den Volksglauben an seine geheimen Künste zu unterhalten.

 

Dieser sittlichen Schwäche einer grenzenlosen Ruhmsucht und Eitelkeit

 

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wurde nun vieles Edle, ja nach und nach die Wahrheit selbst geopfert; was ihm anfangs als Schmeichelei selbst aus dem Munde der Unverständigen zu hören willkommen gewesen war, schämte er sich nicht, bald selbst zu erzählen und im langen Wiederholen solcher Erzählungen büßte er zuletzt sogar das Bewußtsein der Lüge ein. — Fanden sich neugierige Fremde ein, die er für wenig unterrichtet halten durfte, so richtete sich die Weise seines Vortrags sogleich nach dem Maße von Unglaublichkeit, das er ihnen bieten zu können meinte, das sich aber sofort steigerte, sobald ihm Zweifel, die selbst nicht auf festem Boden ruhten, im bloßen Unglauben entgegengehalten wurden; dann erfolgte in der Widerlegung dieser Zweifel, jemehr sie selbst ihr Ziel verfehlt hatten, eine um so größere Steigerung der Behauptung. Nun bedurfte es keiner Anregung weiter, die beredte Zunge überbot sich selbst, man sah in Geberden und Auge, wie sich die Seele immer mehr erhitzte, er schien sich in seinen Vorstellungen völlig zu berauschen und in dem Genusse eines freien Ergehens in das Unglaublichst-Phantastische wahrhaft zu schwelgen. Nicht ohne Mitleiden stand dann jeder mit den edlern Seiten seines Charakters näher bekannte Zeuge neben dieser allerdings peinlichen Scene. Auf die fremden Zuhörer hatte aber die Sicherheit seines Wissens meistens die beabsichtigte Wirkung, Keiner hätte in seiner Gegenwart den Kopf zu schütteln oder wol gar zu lachen gewagt. Gaben sich ihm aber Zeichen der Befriedigung zu erkennen, so war er unermüdet, immer neue Wunderwerke hervorzuholen, und sah es nicht ungern,

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wenn die Fremden wochenlang in Helmstädt verweilten und täglich viele Stunden bei ihm zubrachten, wie wenn das Ausstellen seiner Schätze die Aufgabe seines Lebens gewesen wäre.

 

Wie sehr indessen auf der andern Seite sittliche Größe und geistige Ueberlegenheit die veredelnde Gewalt an ihm zu üben vermochten, davon gibt Göthe’s Bericht Zeugniß, der ihn verständiger, einsichtsvoller und weniger ruhmredig findet, als er es erwartet hatte. Ich erinnere mich, ihm ausgezeichnete Personen (von welchen ich viele noch namhaft machen könnte) zugeführt zu haben, die durch den allgemeinen Ruf voreingenommen und auf das Schlimmste gefaßt bei ihm eintraten und, nach mehrstündigem Verweilen wie völlig enttäuscht und von dem Umfang seines Wissens wie von seiner Liebenswürdigkeit überrascht, ihn wieder verließen. So kannten und beurtheilten ihn auch alle seine Collegen, die durch eigenes Verdienst in seiner Achtung standen, und mit den meisten derselben (nur mußte er nicht Nebenbuhler in ihnen erblicken) lebte er in freundschaftlichem, oft herzlichem Umgang.

 

Wie er sich nun in seinem Wissen und seiner Ueberzeugung beharrlich abgeschlossen, so daß er weder etwas zulernen, noch sich hinwegleugnen lassen mochte, so blieb er auch seinen alten Gewohnheiten und den Aeußerlichkeiten, mit denen er sich von Jugend auf umgeben, bis an seinen Tod getreu. In seiner Jugend ein Hasser herkömmlicher Thorheiten, hatte er, wie schon erwähnt, die Perücke verworfen. Das Haar zu hohem Toupé aufgesteift, stark gepudert, an jeder Seite eine einfache horizontale Locke, ein stattlicher Haarbeutel im Nacken;

 

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der breitschößige Rock von grauem oder bläulichen Tuch mit großen Stahlknöpfen; die Unterkleider von gleichem Stoff und gleicher Farbe, die Füße in schwarzen Strümfen und hohen Schuhen mit großen silbernen Schnallen; der Kopf im Freien mit einem kleinen dreieckigen Hut bedeckt: so war er 1757 in Helmstädt eingewandert, so trat er noch 1806 den bei ihm einquartirten französischen Officieren zu befremdlicher Erscheinung entgegen.

 

So auch hatte sich nichts in dem Hause geändert, das er sich um das Jahr 1760 eingerichtet. Ein weiter Flur mit nackten, seit einem Menschenalter nicht geweißten Mauerwänden empfing den Eintretenden. Ein alter, mit seinem Herrn ergrauter Diener erschien rechts aus einem Hinterzimmer und führte den Fremden in das einzige, mit altfränkischen Stühlen nnd Canapees stattlich genug meublirte Vorzimmer. Diesem gegenüber lag das Auditorium, und die geräumigern hintern Stuben bewohnte unter einem Wust von Büchern, Papieren,Gemälden, chemischen Werkzeugen und Flaschen, getrockneten Pflanzen und anatomischen Präparaten der im eigensinnigen Beharren zum Hagestolz gewordene Professor, der in dieser scheinbaren Unordnung mit der größten Sicherheit jedes Verlangte sogleich herauszufinden und darzubieten wußte und außer dem täglichen Abstäuben nie eine Reinigung seiner Gemächer zuließ. — Der obere Stock des Hauses enthielt die, nachher näher zu erwähnenden Sammlungen, an welchen freilich das Verharren an gleicher Stelle ein Beharren in gleichem Zustande nicht hatte bewirken können. Die Weingeistpräparate waren vertrocknet, die Skelette auseinandergefallen, den ausgestopften Thieren und Vögeln fehlte entweder der Schmuck

 

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ihrer Bedeckungen ganz oder er war zu unkenntlichem Grau verbleicht. Bei diesem allmälig eintretenden Verderben hatte der Besitzer zwar erkannt, daß die Erhaltung unmöglich sei, aber darum seinen beharrlichen Sammeleifer nicht aufgegeben; nur wurden vom Jahre 1790 an die neuerworbenen, oft sehr bedeutenden Seltenheiten nicht mehr zu den übrigen gestellt, sondern vielleicht nur nach einmaligem Beschauen wieder in ihre Kisten gepackt nnd ebenso beharrlich von nun an in regelmäßigen Terminen mit frischen, den Mottenfraß wehrenden Kräutern bedeckt. Man wußte sie in seinem Besitz und fragte doch vergeblich darnach. Viele hielten sie für längst verloren, als sie sich nach seinem Tode wohlerhalten in seinem Nachlaß vorfanden. Selbst unsere zoologische Sammlung verdankt mehre höchst werthvolle und bis jetzt selten gebliebene Stücke, die in der öffentlichen-Versteigerung erstanden wurden, dieser sorgfältigen Behandlung ihres alten Besitzers. Es durfte aber in einem Catalog nur etwas als einzig in seiner Art gepriesen werden, um seine Kauflust zu reizen; er gebe dann, sagte er, immer ungemessene Commission, und was er auf diese Weise erstand, selbst das Mittelmäßige, mußte nun für vortrefflich gelten; die Auctionsnummer wurde daran geheftet und der unvergleichliche Werth mit dem Catalog in der Hand unwidersprechlich erwiesen. Ueberall hatte er geschickte und verschwiegene Unterhändler und correspondirte mehr mit Antiquaren und Mäklern als mit Gelehrten. Sie bedienten ihn gut, da er an den Gebühren nicht sparte, und so kaufte er wohlfeil, nannte aber nachher unerschwingliche Summen, mit welchen er Kaiser und Könige überboten haben wollte.

 

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Zu den vielen abenteuerlichen Vorstellungen, die sich über ihn verbreitet haben, trug seine Körpergestalt, Gesichtsbildung, Miene und Sprache ohne Zweifel nicht wenig bei. Mußte schon die oben erwähnte altväterische Tracht in der modernen Zeit befremden, so hatte auch, abgesehen davon, seine ganze Erscheinung so viel Ungewöhnliches, daß sie dem, welcher ihm mit jenen Vorurtheilen nahete, wol leicht mit einem gewissen Grauen erfüllen und an die Vorstellung von einem Goldmacher und Wunderthäter erinnern konnte. Bei nur mäßiger Größe zeigte sich sein Körper von einem kräftigen, straffen Muskelbau und der, durch die dichtanliegende Frisur eng eingeschlossene, etwas vorgebückte Kopf erschien im Verhältniß klein. Unter einer sehr hohen und weiten Stirn blinkten die kleinen grauen Augen, von starkbehaarten Brauen überwölbt, mit einem unbeschreiblichen Ausdruck von Schlauheit, Wachsamkeit und Gutmüthigkeit hervor. Eine edel gebogene feine Nase und ein etwas eingefallener, beim Sprechen in den mannichfaltigsten Bewegungen jedem Gedankenwechsel folgender Mund mit schmalem, gefällig zugerundetem Unterkiefer ließen vollends den untern Theil des Gesichte gegen die hohe Stirn in unverhältnißmäßiger Kleinheit erscheinen. Seine Gesichtsfarbe war blaß, die Haut ohne Runzeln. Wenn er so dem Fremden, der sich ihm melden ließ, in ruhig höflicher Geberde aus seinem Zimmer entgegentrat (was er bei keinem Besuch unterließ), so hatte dies Erscheinen etwas Ehrfurchtgebietendes, das sogleich jede etwa bereit gehaltene Neckerei zum Schweigen brachte.

 

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Seine Sprache war leise und sanft, am Dialekt nicht für die eines Thüringers zu erkennen. Nur wenn sich im Vorzeigen seiner Schätze der Affect steigerte und in Höhe und Tiefe wohltönend wechselte, trat das Vaterländische in der Sprache bemerkbar hervor. So auch aus dem Katheder, wo er nicht selten in dem Unwillen über eine vermeintliche Irrlehre oder in der Freude über die nur ihm zu Gebot stehenden Mittel der Belehrung in eine Aufregung gerieth, die man im Gespräch nicht leicht anders als bei den kräftigsten Betheurungen gegen Zweifelnde an ihm wahrnahm. Seine Sinne waren bis ins höchste Alter von ungemeiner Schärfe. Er bedurfte nie einer Brille, um die kleinste Schrift zu lesen und die zartesten Gegenstände zu handhaben (wie z. B. seine sogenannten unsichtbaren Präparate, über welche ich auf Rudolphi verweise), sein wachsames Ohr lauschte dem Flüstern der Zweifler in der entferntesten Ecke hinter seinem Rücken, und was er dann vorbrachte, lehrte eben nicht in den mildesten Ausdrücken, wie wenig er sich aus den superklugen Dummköpfen mache, die seinen Reden keine Aufmerksamkeit und keinen Glauben schenken wollten. Von seiner Muskelkraft mußten seine Zuhörer in jedem Semester gewisse Proben bezeugen, wenn er sie eine Luftpumpe oder Windbüchse evacuiren hieß, und nachdem keiner mehr etwas über das Instrument vermochte, mit sicherm Griff die Manipulation noch eine ziemliche Weile fortsetzte. Ebenso ersuchte er wol höflich, einer der Herrn möge ihm die Guerikeschen Halbkugeln auf den Tisch legen, und wenn keiner sie zu heben vermochte, faßte er sie lächelnd im guten Gleichgewicht und setzte sie eine nach der andern auf die Tafel.

 

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Seine tägliche Kost war einfach und schmal, seine Bedürfnisse so gering, daß er deshalb für geizig gehalten wurde. Erschien er aber bei einem Festmahl, so mußte man ihn unmäßig nennen. Er genoß besonders des Getränks in unglaublicher Menge; doch schien der Wein nichts über ihn zu vermögen. Obgleich er die feurigsten Sorten vorzog, so veränderte sich, nachdem er mehre Flaschen geleert, weder die blasse Gesichtsfarbe, noch das Auge, weder die ruhige Haltung des Körpers, noch die Beredtsamkeit der Zunge. Im Aufstehn pflegte er seine Unempfindlichkeit gegen die Wirkung geistiger Getränke gelassen aus der frühern Gewöhnung zu erklären und mit ähnlichen Erscheinungen von Abstumpfung gegen gewohnte Reize, deren der Mensch fähig sei, belehrend zusammenzustellen. In Jena habe er davon in seiner Jugend ganz andere Proben ablegen müssen und sei nie in seinem Leben betrunken gewesen.

 

Nichts war ihm verhaßter als Kartenspiel und Tabakrauch, die beliebten Freuden der Geselligkeit damaliger Zeit. Wo er geladen war, mußte für ein gesondertes Zimmer und für die ihm allein willkommene Unterhaltung gesorgt werden, die darin bestand, daß stets einige von der Gesellschaft um ihn versammelt blieben, um sich von ihm unterhalten zu lassen. Obgleich die festlichen Abendversammlungen schon Nachmittags begannen und bis Mitternacht zu dauern pflegten, so war er doch nicht einen Augenblick verlegen, die Unterhaltung 6—7 Stunden lang allein zu beleben, und man mußte gestehen, daß in solchen Augenblicken die reichsten Schätze seines Gedächtnisses, nur selten von fabelhaften Beimischungen getrübt, sich entfalteten. Denn da er

 

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bei den Einheimischen eine genugsame Kenntniß von seinen currenten Wundergeschichten voraussehen konnte, so glänzte er nun hauptsächlich mit seiner Belesenheit im historischen und geographischen oder naturhistorischen Gebiet, wußte sich jeder Vorstellungsweise der Hörenden anzubequemen und Artigkeiten gegen die Damen einzuflechten, so daß junge Mädchen so gern wie ältere Matronen seinen Reden zu lauschen pflegten. Man konnte oft den Wunsch nicht unterdrücken, daß er in seinen akademischen Vorträgen ebenso ruhig belehrend und durchführend hätte sein mögen; denn diese hielten sich wenig an einen streng vorgezeichneten Plan. Seine große Lebhaftigkeit und ein ungemein treues Gedächtniß, dem alles Erlernte und Erlebte, ja das Gelesene bis auf die Seitenzahlen gegenwärtig war, rissen ihn hin, sich beständig in Nebenbemerkungen und Anführungen, sowie in dem Erzählen gar nicht zur Sache gehöriger Begebenheiten zu ergehen und zuweilen so ganz darin zu verlieren, daß er den Rückweg zu seinem Thema wiederzufinden aufgeben mußte. Er war sich dessen auch wohl bewußt und entschuldigte sich deshalb zuweilen: „Man wirft mir vor,“ pflegte er zu sagen, „daß ich so viel von Dingen rede, die nicht zur Sache gehören; aber ich habe auch die Zeit dazu; denn ich fange meine Stunden pünktlich an, ich schnupfe keinen Tabak, räuspere mich nicht und stottere nicht, womit meine Herren Collegen so manchen Augenblick in ihren Collegiis einbüßen.“

 

Er versagte es sich auch nicht, bei solchem oder ähnlichem Tadel die Namen der Collegen, die er meinte, geradehin zu nennen. Es war genug, daß einer von ihnen,

 

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den er etwa für besonders schwach und verkehrt hielt, an dem Fenster des Auditoriums vorüberging, um ihn sogleich zu allerhand misliebigen Aeußerungen zu veranlassen, die indeß ebensowenig geradezu injuriöser Art waren, als überhaupt hoch angeschlagen zu werden pflegten, da es dabei weniger auf Herabsetzung des Gegners als auf Erhebung des eigenen Werthes abgesehen war. Viel schlimmer freilich erging es den Schriftstellern, die eine neue Ansicht begründet hatten, die seiner Ueberzeugung entgegen war. Diese wurden geradezu mit Schimpfwörtern bezeichnet, die beim ersten Hören durch ihren pöbelhaften Klang entrüsten mußten. Man sollte aber nicht glauben, daß er sie nur in der Hitze ausstoße, sie waren wohlüberlegt, und da sie zumeist aus dem Thierreich entlehnt waren, so entwickelte er in einer der ersten Stunden ein ganzes System von Schimpfreden aus zoologischen Gründen. So z. B. hatte Linné die Beobachtung gemacht, daß bei Haushunden der Schwanz rückwärts gekrümmt und links gewendet sei. Darum belegte er jeden unvernünftig Raisonnirenden mit dem Namen eines Hundeschwanzes, denn die gesunde Vernunft gehe gerade aus und rechts. Das war noch eine der glimpflichsten Bezeichnungen in diesem System.

 

Derselbe Mann, den er heute vom Katheder unwürdig zu schmähen im Stande gewesen war, fand an ihm in der Gesellschaft ein höfliches Entgegenkommen und ein freundliches Gespräch, ja, wenn er seiner Hülfe als Arzt bedurfte, die bereitwilligste Aufmerksamkeit und einen Eifer, der sich die größten Zeitopfer,

 

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selbst das Durchwachen ganzer Nächte am Krankenbette nicht verdrießen ließ.

 

Ueberhaupt verdiente seine Thätigkeit als Arzt die vollste Anerkennung. Auch dem Aermsten versagte er nie den augenblicklichen Besuch, und oft begegneten die vom späten Gelage lange nach Mitternacht heimkehrenden Studenten dem Alten, wie er, in seinen Roquelor gehüllt, vom Besuch eines Kranken zurückkam. Seine Behandlungsweise war einfach, allen stürmischen Mitteln abhold. Er wirkte mehr durch seine Persönlichkeit und die durch nichts irre zu machende Zuversicht, die sich leicht auch dem Kranken und seiner Umgebung mittheilte, als durch ein directes Eingreifen. Doch durfte man in bedenklichen Fällen, wo es auf rasche Entscheidung ankam, seiner langjährigen Erfahrung wohl vertrauen. Denn sie hatte ihn Vieles gelehrt, was er aus dem Wege des kühnen Versuchs erprobt haben mochte, und sein chemisches Experimentiren in frühen Jahren konnte ihn auf Combinationen geführt haben, die er als Arcana bewahrte. 1)

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1) Ein Jugendfreund, dessen Aeltern in der Nähe von Helmstädt gelebt hatten und der in dieser Vorlesung gegenwärtig war, theilte mir zur Bestätigung dieser Aeußerung folgendes mit:

Meine Mutter, welche die Idiosynkrafie hatte, von der kleinsten Quantität genossener Erdbeeren sofort das Nesselfieber zu bekommen, war einst bei Beireis zu Tisch und ließ den Teller mit Erdbeeren natiirlich vorübergehn. B. fragte nach der Ursache und sagte, als er sie erfuhr: „Bei mir können Sie immer Erdbeeren essen.“

 

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Handelte er aber in den Vorlesungen von practisch- medicinischen Dingen, so gab es auch hier wieder die kühnsten Uebertreibungen. Manche Krankheiten behauptete er so gründlich zu kennen, daß ihm noch nie in seinem Leben ein Patient daran gestorben sei. In anderen hatten sich ihm die seltsamsten Fälle dargeboten, in welchen die äußerste Gefahr von ihm nur durch Geistesgegenwart oder eine glückliche Combination abgewendet worden war. Solche Krankengeschichten füllten

 

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Er präpariert nun einen Teller Erdbeeren mit Wein, verließ damit auf einige Augenblicke das Zimmer und setzte ihn dann meiner Mutter mit den Worten vor: „Jetzt essen Sie getrost, Sie werden kein Nesselfieber bekommen.“ Sie aß und bekam kein Nesselsieber. Voll Freude darüber bat sie B. um das Mittel. Er verweigerte dies aber höflich, indem er hinzusetzte, Erdbeeren seien ein sehr entbehrlicher Genuß; so oft sie sie aber bei ihm genießen wolle, sollen sie ihr gewiß nicht schaden.

 

Daß B. sich hier auf psychische Wirkung verlassen haben sollte, dazu war er zu vorsichtig. Er hätte leicht auf sehr unangenehme Art compromittirt sein können, mußte also des Erfolges sehr gewiß sein.

 

Von dieser Zuversicht gibt noch ein andrer Fall Zeugnis. Meine Schwester bekam nach den Masern eine heftige Brustaffection mit Fieber, die bei längerm Andauern den Arzt sehr um ihr Leben besorgt machte. Jetzt wurde Beireis consultirt. Der zurückkehrende Bote brachte eine schriftliche Antwort mit, worin B. die bisherige Behandlung durchaus verwarf und den abwechselnden Gebrauch zweier einfacher Mittel (Milchzucker und China) verordnete, wonach auch binnen kurzer Zeit die Genesung erfolgte, ohne daß B. die Kranke jemals gesehn oder in der Vorschrift etwas geändert hätte.

 

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denn auch einen großen Theil seiner Vorlesungen aus, wobei es denn leider nur zu oft geschah, daß der Zuhörer von dem, was eigentlich die Rettung entschieden und was ihm in der künftigen Praxis hätte zu Statten kommen können, nichts erfuhr, denn dies hätte die Wirkungen weniger wunderbar erscheinen lassen. Indem sich nun in den Vorlesungen die, von zufälligen Gedankenverbindungen geleiteten Digressionen stets wiederholten und das Verschiedenartigste sich zur Beziehung auf jede beliebige Lehre bequemen mußte, erhielten seine Vorträge in allen den verschiedenen Lehrfächern eine so gleichmäßige Färbung, daß es völlig gleichgültig war, ob man Physiologie oder Chemie, Heilmittellehre oder Chirurgie bei ihm hörte; denn selten bediente er sich eines gedruckten Leitfadens, und wenn es geschah, hatte derselbe wenig andern Werth als den, im Anfang einer Stunde an dem eben vorliegenden Paragraphen den Faden für eine lange Reihe sich behaglich durchschlingender Gedanken anzuknüpfen. Nur das ist mir mit vielen andern seiner Zuhörer immer bewundernswerth vorgekommen, daß sich während eines ganzen Semesters in einem und demselben Collegium die Digression nie wieder auf dieselbe Einzelheit verlor, was wol ebensoviel für den außerordentlichen Reichthum an thatsächlichen Vorstellungen, als für die ungewöhnliche Kraft des Gedächtnisses zeugt, dem jede zufällig gemachte Anführung auf Monate lang erinnerlich blieb. Wer aber daraus schließen wollte, daß in diesen Vorlesungen nichts zu lernen gewesen, würde sehr irren. Man lernte nur nicht viel von dem, wofür das Honorar bezahlt war.

 

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Es konnte geschehen, daß man in physiologischer Vorlesuug am meisten über den Bau der Vergrößerungsgläser oder die Kunst, die feinsten Gefäße mit Wachs zu füllen, unterhalten wurde, indessen sich in der Physik bei Gelegenheit der Luftpumpe an die Guerikeschen Halbkugeln die ganze Geschichte und Genealogie des Guerikeschen Geschlechts und der bedeutendsten Familien des magdeburgischen Adels knüpften, und man gestehen mußte, in einzelnen Theilen der speciellen deutschen Reichsgeschichte auf das Angenehmste gefördert zu sein.

 

Wie sehr auch diese Methode einem folgerechten Gange des Studiums hinderlich sein mochte, so erhielten doch die Vorträge dadurch auch eine große Lebendigkeit und das ganze Verfahren war nicht sowohl dem hier geschilderten Manne eigenthümlich als vielmehr in damaliger Zeit von vielen berühmten Universitätslehrern geübt, so daß sich Beispiele dieser digressorischen Behandlungsweise auch noch wol an einigen berühmten alten Docenten an andern Universitäten bis in die neuere Zeit erhalten haben und Manchen unter uns gegenwärtig sein werden.

 

Ihre eigentliche Färbung erhielten indeß die Beireisschen Collegia durch den aus allen Gebieten der Natur, der Kunst und des Menschenlebens herbeigeschafften Apparat, von welchem er zu behaupten wagte, daß er Alles enthalte, was zur Belehrung und Ausbildung eines Arztes nicht nur, sondern auch eines Naturforschers, ja selbst eines Sprachforschers, Historikers oder Theologen erforderlich sei. Er zählte 17 verschiedene Sammlungen auf,

 

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die sich in seinem Besitz befanden und von welchen jede eine ihm völlig genügende Vollständigkeit habe, so daß er nichts nennen könne, was er sich noch hinzu wünsche. Von jedem berühmten Maler besitze er eins der vortrefflichsten Bilder, von den größten Meistern deren zwei, eins aus der Jugendzeit und eins aus der Zeit der höchsten Blüte; seine Bibliothek enthalte aus allen Fächern des Wissens die am meisten hervorragenden Werke, seine physikalischen Instrumente stellten nicht nur den ganzen für den Vortrag der Wissenschaft erforderlichen Apparat, sondern zugleich die ganze Geschichte der Physik dar, und was die Mechanik irgend Bedeutendes hervorgebracht, sei theils im Modell, theils in den ganz unerreichten Originalen in seinem Besitz. In der That mußte man den ganzen Inhalt seines Hauses nach der Mannichfaltigkeit und Kostbarkeit der Gegenstände außerordentlich nennen. Er schien die bizarre Vielgestaltigkeit seines Wesens in diesen Sammlungen verkörpert darlegen zu wollen; denn wie jede seiner Vorstellungen mit allen ihren Nebenbeziehungen sofort der Mittheilung zu Gebote stand, ohne daß es dazu vermittelnder Uebergänge bedurft hätte, so war auch in diesen Sammlungen, obgleich sie völlig ungeordnet mehr über- und durcheinander als nebeneinander aufgestellt waren, doch kein Stück, das nicht auf jeden Wunsch alsbald herbeizubringen gewesen wäre. Ob die Gegenstände den Vorträgen als Beispiele dienten, oder ob sie neugierigen Fremden ihrer selbst willen vorgezeigt und mit begleitenden Bemerkungen erklärt wurden, machte keinen großen Unterschied. Er docirte demonstrirend und übte beim Vorzeigen eines einfach anschaulichen Gegenstandes jederzeit

 

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eine dem Beschauer in den meisten Fällen höchst unbequeme Gründlichkeit. Wie er nun in seinen Sammlungen lebte und der größte Theil seines Besitzes nur durch ihn Bedeutung bekam, so haben sich sehr begreiflicherweise die Schilderungen seiner Persönlichkeit, sowie die biographischen Nachrichten zumeist mit der Aufzählung dieser Schätze befaßt, und ich muß umsomehr hierauf verweisen, als ich hier leicht darüber hinwegzugehn durch die Kürze der Zeit genöthigt werde. Die bedeutendsten Theile seines Besitzes waren die Sammlungen, von welchen er am wenigsten zu reden pflegte: seine Bibliothek und seine Münzsammlung; sie bedurften seines Lobes nicht, und außer einigen Seltenheiten ersten Ranges kam nicht viel davon zur Kenntniß der Zuhörer oder der Fremden. Jenen wurde dagegen mit besonderer Vorliebe gezeigt, was er von physikalischen Instrumenten und anatomischen Präparaten allein in der Welt zu besitzen vermeinte. Die erstgenannten bestanden in historisch merkwürdigen Instrumenten, den Originalen der Erfinder. Er hatte deren viele, deren Aechtheit nicht zu bezweifeln war. Aber einige Vollständigkeit oder zweckmäßige Auswahl des Apparats durfte man nicht erwarten. Unter den Präparaten hatten allein die von Lieberkühn nach einem, damals ihm allein eigenen Verfahren mit Wachs injicirten feinsten Gefäße aus allen Organen des Menschen und einiger Thiere besondern Werth. Man konnte den verschiedenen Bau dieser Gefäße in den verschiedenen Organen mittelst eines mäßigen Vergrößerungsglases deutlich in großer Bestimmtheit erkennen und daraus die Eigenthümlichkeit der verschiedenen Gewebe abnehmen,

 

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woraus Beireis ableitete, daß Niemand sich einer vollendeten Kenntniß des menschlichen Körpers rühmen und ein geschickter Arzt werden könne, der diese Präparate nicht gesehen habe; es sei also auch, da er allein sie besitze, die Medicin nur bei ihm zu studiren. Wir wußten indessen sehr wohl, daß eine viel größere Sammlung davon in Petersburg vorhanden sei. Da er in früherer Zeit Astronomie und physikalische Geographie so gut wie orientalische Sprachen und Mathematik vorgetragen hatte, so stammten aus jener noch manche Apparate, Karten, Rechnenmaschinen, künstliche Uhrwerke und Aehnliches, von welchem die Berichterstatter genugsam erzählt haben. Von allen mechanischen Kunstwerken, die er besaß, waren unleugbar jene, schon oben erwähnten Automate des Vaucanson, die einen so wesentlichen Einfluß auf seine Lebensrichtung gehabt hatten, die bedeutendsten. Halb Europa hatte sie 30 Jahre lang angestaunt, als Beireis endlich dieses Ziel seines ganzen jugendlichen Strebens erreichte und sie um das Jahr 1766 in seinen Besitz brachte. Anfangs scheinen sie die Kraft des ungemein künstlichen Mechanismus noch bewahrt zu haben; doch traten bald Stockungen ein, weil das für sie eingerichtete Gartenhaus eine zu feuchte Lage hatte. Obgleich Beireis für die Herstellung dieser allerdings sehr merkwürdigen Kunstwerke den Mechanikus Bischoff von Nürnberg entbot und dem Flötenspieler statt der altfranzösischen Arien, die er bis dahin geblasen, eine neue Walze mit der, durch die Mara berühmt gewordenen Arie „mi paventi“ einschob, so hielt doch auch diese Restauration

 

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nicht lange vor und die berühmten Gestalten behielten keine andere Merkwürdigkeit, als die, in ihrem Innern das künstliche Gewebe von so viel Tausend der feinsten Uhrketten mit allen ihren Rollen und Hebeln zu enthalten, die Vaucanson einst selbst in einer so ausführlichen Beschreibung dargelegt und die der pariser Akademie der Wissenschaften im Jahre 1738 ein so lautes Zeugniß des entschiedensten Beifalls abgelockt hatte.

 

Nach seinem Tode wurden die Ueberreste einer einst so viel gepriesenen Kunstleistung um ein geringes Geld in der Auction versteigert und, auf die Nachricht davon, von einem hiesigen Kunstfreunde erworben, der wenigstens die Freude gehabt hat, die unendliche Mühsamkeit und äußerste Vollendung der Handarbeit bei der Zerlegung ihrer Theile zu bewundern; indessen es in unserer Zeit kein Mechaniker unternehmen mochte, an die Wiederherstellung eines Kunstgebäudes die Hand zu legen, dessen Zweck nicht auf die Hervorbringung oder Verstärkung einer Kraft, sondern auf die müßige Nachahmung natürlicher Lebensäußerungen oder musikalischer Kunstfertigkeit gerichtet war.

 

Einen bedeutenden Theil seiner ostensiblen Besitzthümer machte die Gemäldesammlung aus, für die er in den spätern Jahren eine entschiedene Vorliebe gewann, daher er auch die Aufmerksamkeit der besuchenden Fremden auf sie um so mehr zu lenken trachtete, als er den Verfall so mancher andern Zeugen seines frühem Glanzes im Stillen einzugestehn sich gezwungen fühlen

Hist. Taschenbuch. Neue F. VIII. 13

 

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mochte: Ueber diese Gemälde hat sich Göthe am ausführlichsten erklärt und sie, wie mir scheint, ebenso gerecht als nachsichtig beurtheilt. Es müßte anmaßend scheinen, wenn ich hier noch Genaueres darüber anzugeben unternehmen wollte. Die Sammlung ist, so viel mir bekannt, noch beisammen, im Besitz eines der Erben, welcher auch die oben als sehr bedeutend gerühmte Münzsammlung bewahrt hat.

 

Keins der Beireis‘schen Besitzthümer hat mehr von sich reden gemacht, als der angeblich große Diamant, den freilich kaum Jemand gesehen hat, dem ein vollgültiges Urtheil über seinen Werth zustände. Klaproth, welcher zu diesen Wenigen gehört, beklagte, daß ihm kaum eine nähere Betrachtung, viel weniger eine Untersuchung des rohen, nur sehr undeutliche Spuren von Krystallisation an sich tragenden Steines gestattet worden sei. Da er also nur solchen Personen vorgezeigt zu werden pflegte, bei welchen irgend eine Kenntniß der Sache nicht vorausgesetzt werden konnte, und da er überdies schon in den letzten Jahren gänzlich verschwand, nach dem Tode seines Besitzers nicht gefunden worden ist, so zeigt dies wol Alles deutlich genug, daß Beireis selbst des so oft gepriesenen Werthes nicht gewiß war, wenn er es auch in frühern Jahren gewesen sein und in diesem Besitz eine große Stütze seines Ansehens gefunden haben mochte. Ich erinnere mich, daß Beireis, als ihn im Jahre 1808 einmal Jemand nach dem Diamanten fragte, geradeheraus erklärte, er habe sich dieses Besitzes entäußert, weil er bei der im Königreich Westfalen einzuführenden Vermögenssteuer

 

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deshalb unerschwinglich belastet zu werden habe befürchten müssen. 1)

 

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Die Kenntnisse dieses Mannes waren allerdings von großem Umfange. Er hatte eine gründlich gelehrte Bildung genossen und schrieb das Latein nicht allein fließend und correct, sondern versuchte sich auch in lateinischer Poesie. Seine Gemälde waren sämmtlich mit lateinischen Distichen versehen, in welchen er den Werth jeden Stücks oder den Eindruck, den es etwa auf die Beschauer hervorbringen mochte oder wirklich hervorgebracht hatte, in seiner Weise geschickt zu bezeichnen verstand. Auch in der deutschen Poesie hatte er sich versucht und Beiträge für Musenalmanache und ähnliche Sammlungen in einer gewissen Zeit zahlreich genug geliefert, doch meist, ohne sich dabei nennen. Die Fortschritte der deutschen Dichtkunst verfolgte er mit Aufmerksamkeit und war immer einer der Ersten, die Verdienste der zu seiner Zeit auftretenden, nachmals berühmt gewordenen Dichter, Klopstock‘s, Bürger‘s, Stolberg‘s, Göthe‘s und anderer anzuerkennen und zu verbreiten. Seine Kenntnisse der griechischen Literatur wurden auch von den Kennern dieses Fachs geachtet. Er las über die griechischen Aerzte und wußte in seinen naturhistorischen Vorträgen die griechischen Schriftsteller in diesem Fach wohl zu benutzen und zu erläutern, wobei es an Nachweisen seltener Ausgaben und am Vorzeigen der in seinem eigenen Besitz befindlichen Schätze dieser Art nicht fehlte. Selbst von den morgenländischen Sprachen, namentlich vom Hebräischen und Arabischen, hatte er einige Kenntniß,

 

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1) Bald nach seinem Tode wurde indessen ein Brief bekannt, den er nicht lange vorher an den Superintendenten Helmuth in Calvörde geschrieben hatte und in welchem er sich noch einmal in der gewohnten Weise seiner Besitzthümer freut und rühmt. Ich habe eine damals mir zugekommene Abschrift dieser sehr nachlässig hingeschriebenen, aber eben deshalb für die Eigenthümlichkeit seines Vortrages charakteristischen Zeilen bewahrt und theilt sie hier, dessen zur Probe, um so unbedenklicher mit, als der Abdruck, den Sybel (S. 55) davon gegeben, in mehren Ausdrücken von meiner Abschrift abweicht.

 

Ew. Hochehrwürden melde ich gehorsamst, das der Kiesel oder Kieselstein allerdings als eine Art (species) von der zur Kieselerde gehörigen Steinart gerechnet werden kann, weil er am meisten von der Kieselerde enthält. Ich lege hierinnen einen kleinen von den Emmerstädt‘schen etwas durchsichtigen Steinen das letzte Stück, welches ich noch besitze, hierbei. Die andern ganz durchsichtigen habe ich schleifen lassen. Herr Pastor Rudolphi hat nicht daran gedacht, daß Ihre Volksnaturgeschichte nicht für Gelehrte, sondern für Ungelehrte geschrieben ist, wenn er darin den Wernerit vermißt hat, sonst hätten Sie ja unter den angeführten Erden auch die Schwererde, Zirkonerde, Diamantenerde, Ittererde, Agostinerde im sächsischen Beryll, Strontianerde und Saucquelin‘s Glycinerde mit anführen müssen.

 

Bisher hatte man noch immer den Diamant als eine Unterart des Kieselsteins angesehen, wie Ew. Hochehrw. — Es ist aber

 

 

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nun gänzlich erwiesen, daß er gar nicht unter die Steine, sondern unter die verbrennlichen Stoffe gehört, denn er läßt sich im Feuer gänzlich verdampfen, so daß keine Spur davon übrig bleibt und er brennt mit dem schönsten hellsten Lichte unter einer sehr stark erhitzten Muffel im Probierofen, und ich habe mit Vergnügen Brillanten darunter so weg schwinden gesehen, daß, wenn schon 6/8 davon verdampft waren, alle geschliffenen Facetten noch ebenso deutlich zu sehen waren als im größern Steine. Die brasilianischen Diamanten sehen alle rund wie Kieselsteine aus, die asiatischen besonders, aber mein größter in der Welt, aus Sumsulpor oder Sumelpur bei Bengalen (der über fünfmal schwerer als der des Königs von Portugal, den er wieder mit dahin genommen hat und dessen Schwere in Nr. 13 des Hamburgischen Correspondenten 1808 angegeben ist), dieser mein Stein hat die wunderbarste Krystallisation, die sonst kein anderer Stein hat und wovon nur der König von Frankreich, Ludwig XIV., zwei, aber nicht den 30sten Theil so groß, einem bengalischen Diamant ähnlich, besessen hat, die auch in Kupfer gestochen sind; dieser mein Stein ist viel härter als die brasilianischen Steine. Kleinere bengalische Diamanten, welche nie unter 10 Karat, das Karat zu 4 Gran gerechnet, wiegen, stellen zwei viereckige Pyramiden vor, welche mit ihren Basen zusammengesetzt sind, wovon in dem bekannten Diamantringe in Harbke ein natürlicher solcher Krystall zu sehen ist. Von meinem größten Diamanten sagt der jetzt in Holland noch lebende Herr von Meermann, Baron v. Datem und Buyern, in seinem holländisch geschriebenen, vom Herrn Hofrath und Professor Lüders in Braunschweig in die deutsche Sprache übersetzten Buche Seite 89, daß er nicht viel größer als ein Ei, nein wahrlich! er ist viel größer und noch einmal so groß. Er hat fast alles Unglaubliche, welches er in meinem Hause gesehen, nur halb so groß beschrieben, damit es nicht so sehr unglaublich

 

 

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scheinen möchte, so hat er auch seine Schwere nur halb so groß angeseht, als sie von ihm gesehen worden. — Selbst von dem besten Lieberkühn‘schen Vergrößerungsglase sagt er, es vergrößere 36,000 Millionenmal. Nein, es ist von mir in meiner dissertation de debilitate corporis humani mathematisch erwiesen, das es 64,000 Millionenmale vergrößert. Von diesem meinem Diamanten ist es völlig wahr, daß er nach der bekannten Bestimmungsart von allen Monarchen Europas zusammengenommen nicht bezahlt werden könne. Diesen Diamanten hat keiner in Helmstädt von meinen Collegen oder den Professoren gesehen, als Herr Abt Henke zu der Zeit, als ihn der verstorbene Herzog und mit ihm Prinz Heinrich aus Berlin sahen, nebst dem Herrn Hofrath Fein, als welche mit in dem Zimmer waren.

 

Ich erinnere mich noch eines andern Irrthums in Ew. Hochehrwürden Mineralreiche gelesen zu haben von meinem Weltauge, welche Beschreibung ganz falsch ist. Ew. Hochehrwürden geschätzter Herr Sohn, der Ueberbringer dieses, erinnerte sich noch sehr genau, daß und wie er diesen ehemals bei mir gesehen hatte, als ich ihm von diesem Irrthum Nachricht gab. Dieses mein Weltauge, das einzige Stück in der Welt, hat Gelegenheit zu dem Namen Weltauge aus folgender Ursache gegeben. Es war ein kleiner gelb wie halb durchsichtiger Bernstein. Legte man ihn aber nur eine Minute ins Wasser, so wurde er durchsichtig und es zeigte sich in der Mitte ein sehr weißer runder Fleck, welcher die Sonne als die Pupille vom Weltauge vorstellte mit genau 7 circulis concentricis und eben in der Proportion der Entfernung von einander abstehend als die Laufbahnen des Merkurs, der Venus, der Erde, des Mars, Jupiters, Saturnus und Uranus nach astronomischen Berechnungen stehen. Wurde der Stein ganz trocken, so verschwanden diese. Weil man nun andere Steine, die wie Elfenbein undurchsichtig sind, und nachdem solche lange im Wasser gelegen,

 

 

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durchsichtig werden jenes meines in der Welt vorher schon lange bekannt gewesenen Steins, ehe ich ihn erhalten hatte, auch Weltauge genannt hatte, so nennt man diese jetzt auch noch Weltaugen, ohnerachtet man gar nichts Augenähnliches dabei bemerken kann. Von dieser letzten Steinart habe ich Dero Herrn Sohn die zwei seltensten Arten sehen lassen, die schon in einer halben Minute im Wasser ganz durchsichtig werden und die schönsten Farbenspiele des Regenbogens so lange sie durchsichtig sind, bemerken lassen. Ich zeigte ihm auch einen festen Jaspis von heller Farbe, welcher sehr glatt geschliffen ist, woraus seine Festigkeit und natürliche Schwere erkannt werden kann, welcher auch, wie der schwerste Stein, mit einem starken Geräusch auf den Boden der mit Wasser gefüllten Caffeeschale fällt, aber oben darauf gelegt, jahrelang schimmernd bleibt und ganz dunkelbraun wird. Daß er nicht etwa wie ein Bimkmstein porös ist und schwimmt, daher beweiset, daß, sobald er unter dem Wasser sehr lange gelegen und nur eben die Feuchtigkeit abgewischt ist, er gleich wieder schwimmt. Was die Warzen betrifft mit der Speckschwarte, so ist es nur eine fallacia non causae ut causae, denn die meisten Warzen vergehen bei manchem Menschen von selbst, ohne alle Veranlassung einer Cur, wovon ich an mir selbst unzählige Beispiele auch von andern Menschen gesehen habe. Man glaubte sonst auch, wenn Warzen unter eine Dachtraufe gegraben würden, so vergingen die andern, welches ebenso falsch ist. Es verdient daher keiner jener Aberglaube, daß seiner Erwähnung geschehe. — Die sogenannten Meteor- oder Mondsteine kommen weder aus dem Monde, noch werden sie in der Atmosphäre erzeugt, sondern wenn man alle dabei vorgehenden und in den Hauptsachen zusammenstimmenden bei ihrem Falle sich ereignenden Erscheinungen zusammennimmt (welche aber deutlich zu erklären sehr viel Zeit und Raum erfordert), so laßt sich alles sehr deutlich

 

 

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widerlegen, was jetzt fast alle Physiker angenommen haben, sowie auch die närrisch ausgedachte Entstehung des Wassers aus Oxygen und Hydrogen, wovon noch neulich Herr Prosessor der Naturlehre aus Paris es hier versicherte, daß es nun à priori durch Lavoisier und à posteriori von demselben und in Holland durch die . . . . . Electricitätsmaschine deutlich erklärt wäre.

 

Ich bin mit vollkommenster Hochachtung

Ew. Hochehrwürden

In größter Eile. gehorsamster Diener

Helmstädt, den 24. März 1809. G. C. Beireis.

(An den Herrn Superintendenten Helmuth zu Caloörde).

 

 

 

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die er vor Uneingeweihten so herauszukehren verstand, daß sie, vorzüglich bei Erklärung seiner Münzen, für glänzend gehalten werden konnte. Besuchten Theologen seine Vorlesungen, so kam davon wenig zum Vorschein; versäumten sie aber einmal eine Stunde, so wurden die übrigen mit orientalischer Gelehrsamkeit übersättigt.

 

Selbst des Chinesischen wollte er mächtig sein, und sein literarischer Nachlaß enthielt die Hülfsmittel für das Studium dieser Sprache in achtbarer Vollständigkeit. Es werden indessen Anekdoten erzählt, in welchen seine Unwissenheit bei der versuchten Uebersetzung chinesischer Aufschriften von Thee und andern Handelswaaren übel zu Tage gekommen sein soll.

 

Neuere Sprachen verstand er höchstens so viel als hinreichte, sie nothdürftig lesen und übersetzen zu können; Französisch sich auszudrücken, misrieth ihm gänzlich, als er wenige Jahre vor seinem Tode von französischen Beamten der großen Armee besucht zu werden pflegte, wo denn selbst der sehr humane jüngere Daru, der eine Zeitlang die braunschweigischen Lande verwaltete, durch die Ungeschicklichkeit seiner Ausdrücke sich in Gegenwart seiner Gemahlin und ihrer Begleiter in nicht geringe Verlegenheit versetzt sah. In seiner frühem Zeit hatte er von sich glauben machen, daß er einige Jahre auf Reisen, und zwar am längsten in Italien, zugebracht. Der beste Beweis indessen, daß ihm dieser Aufenthalt mit seiner stillschweigenden Zustimmung nur angedichtet worden, ergab sich daraus, daß er auch nicht ein Wort verstand, wenn Italienisch in seiner Gegenwart gesprochen wurde, und rühmte er sich des Verständnisses der holländischen, schwedischen und englischen Sprache,

 

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so sah es damit freilich noch viel schlimmer aus. 1)

 

Was er von den Naturwissenschaften besaß, hatte eine durchaus praktische Richtung, die auf seine in den engen Grenzen der damaligen Zeit befangenen theoretischen Vorstellungen einen überwiegenden Einfluß übte. In der Mineralogie war es hauptsächlich die technische Benutzung, um welche es ihm zu thun war; bei Thieren und Pflanzen die Anwendung ihrer Stoffe zu Heilmitteln; in der Chemie und Physik die Darstellung nützlicher Erfindungen, die für Handel und Gewerbe und das bürgerliche Leben eine Bedeutung haben mochten. Er arbeitete noch bis an den Tod in seinem Laboratorium, aber nur, um sich die schwärzeste Dinte, das feinste Siegellack, die reinsten Wachskerzen und Kräuteröle zu bereiten, wie sie nirgends im Handel zu haben waren. — Selbst auf seine Diät hatten solche aus vermeintlich wissenschaftlichen Gründen abgeleitete Vorstellungen eine wesentliche Einwirkung. Den Tabak verwarf er mit einer in der damaligen Zeit seltenen Heftigkeit wegen der narcotischen Eigenschaft der Pflanzenfamilie, wozu er gehört, pries dagegen Kaffee und Thee

 

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1) Es geschah ihm einst, daß er uns einen englischen Autor unter dem Namen Thesamius citirte, wobei er uns zufällig auch das Buch nannte, in welchem wir über die Materie weitere Aufklärung finden würden. Als wir dieses Buch nachschlugen, fanden wir, daß dieser Autor kein anderer sei, als The same, Derselbe, dessen Name in der vorhergehenden Zeile als Verfasser einer Schrift über einen verwandten Gegenstand voll auegeschrieben war.

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als wahrhaft belebende Arzneimittel, führte davon die allerfeinsten Sorten zur Bewirthung seiner Gäste und konnte von ihren Aufgüssen ein ungewöhnliches Maß ohne Belästigung genießen. Den Gebrauch der Kartoffeln, der in jener Zeit allgemeiner zu werden anfing, hielt er für überaus schädlich und eiferte mit allem Nachdruck gegen die Kultur dieser Knolle, weil sie einer Familie angehört, deren Arten der Mehrzahl nach in ihren Samen und Blättern als der Gesundheit nachtheilig bekannt sind. Er war fest überzeugt, daß sie betäubt und die Fähigkeit zum Nachdenken abstumpfe, und wollte, als sie gegen das Ende seines Lebens die allgemein verbreitete Volksnahrung wurde, in ihr hauptsächlich die Ursache finden, warum die niedern Stände in der Geistesbildung zurückblieben. Nie kam diese Frucht auf seine, bei festlichen Gelegenheiten reich besetzte Tafel, nie berührte er sie am fremden Tische, und als ihm einst eine von ihm sehr geachtete Dame, die sich schon einen Scherz mit ihm erlauben durfte, eine aus Kartoffelmehl bereitete Speise vorsetzte, die er vortrefflich fand, brach er, als man ihm den Betrug entdeckte, sogleich in die Worte aus: „Sie sehen, wie sehr ich Recht habe, wenn ich behaupte, daß die Kartoffeln dumm machen; denn selbst mich hat ihr Genuß so betäubt, daß ich ihren Geschmack nicht erkannte.“

 

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Eine wirklich so zu nennende Lebensgeschichte läßt sich von Beireis kaum anfstellen; denn so lange man von ihm weiß, ist nichts mit ihm geschehen. Es ist

 

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nicht möglich, ein ganzes halbes Jahrhundert einförmiger, gleichmäßiger zu durchleben, ohne Fortschritt, ohne Verfall, ohne irgend eine Veränderung in der Stellung gegen die Welt, ohne allen Einfluß auf die Wissenschaft, ohne irgend ein bedeutendes Werk oder eine nennenswerthe That, ohne Aenderung des Orts, ja sogar ohne Krankheit. Man begreift, wie er sich mit Spielwerken umgeben mußte, um in dem dauernden Einerlei nicht unterzugehen, wie er die Zeitabschnitte also auch allein nach dem Ankauf irgend eines Kleinods datirte und von Zeit zu Zeit neue erwerben mußte, um eine Zeitrechnung überhaupt festzuhalten. So gingen in eiteln Nichtigkeiten die Kräfte verloren, die zu höherer Wirkung bestimmt schienen. Dreißig Jahre später geboren, würde er mit diesen Anlagen schwerlich auf die Abwege gerathen sein, die nichts als das Andenken an eine merkwürdige psychologische Erscheinung zurückgelassen haben, aber ebenso gewiß hätte ihn noch ein glänzender Nachruhm begleitet, wenn er dreißig Jahre früher aus dem Leben geschieden wäre.

 

Er hatte sein achtzigstes Jahr fast vollendet, als ihn im September 1809 eine choleraartige Krankheit befiel. Niemand ward vorgelassen, er verschrieb sich selbst die Arznei. In der Apotheke ward man gewahr, daß er schwer krank sein müsse; denn seine Recepte waren unausführbar widersinnig. Am dritten Tage war er gestorben und hatte verfügt, seine Leiche in früher Morgenstunde ohne Prunk zu bestatten. Er ward nicht vermißt noch betrauert, denn sein treuer Lenhardt war ihm ein Jahr früher vorangegangen. Auch war kein Nachfolger nöthig,

 

 

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denn die Universität überlebte seinen Tod nur um drei Wochen. Eine Ordonnanz des Königs Jerome hob sie auf und vertheilte den Nachlaß unter Göttingen, Halle und Marburg. Was Beireis selbst hinterlassen, kam an den Sohn seiner Schwester in Erfurt, der die Gemälde- und Münzsammlung, so weit uns bekannt, noch bis heute vollständig bewahrt.

 

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Quelle:

Historisches Taschenbuch. Neue Folge. Achter Jahrgang. Hrsg.: Friedrich von Raumer. Leipzig: F. A. Brockhaus 1847. S. 257-301. Das Bild von Hofrath Beireis wurde 2014 aufgenommen und ist nicht im Artikel enthalten.