Tanzstudio Lorenz Bonnet

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Königslutter.
Einen kleinen Querschnitt der Arbeit des Tanzstudios Lorenz Bonnet können die Königslutteraner alljährlich beim Weihnachtsmarkt des Avalon Hotelpark Königshof genießen und bewundern, so auch dieses Jahr wieder. Die Tanzschule gibt es seit 1951, sie wurde von Margrit Lorenz-Bonnet ins Leben gerufen und bietet verschiedene Tanzrichtungen für unterschiedliche Altersgruppen an. Unter anderem klassisches Ballett, Showballet, Stepptanz und Garde. Das waren auch Bestandteile des Rahmenprogramms des Weihnachtsmarktes.

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1985 übernahm die ehemalige Schülerin Ursula Kayser die Leitung. Im August 1996 schloss sich die Tanzschule mit der Kreismusikschule Helmstedt zusammen und änderte ihren Namen in „Tanzstudio Lorenz-Bonnet der Kreismusikschule Helmstedt“. 2003 wurde Heike Fennen, die bereits aktive Tänzerin bei Lorenz-Bonnet ist, Trainerin. 2013 kam Svenja Großhennig, ebenfalls aktive Tänzerin, als Co-Trainerin dazu. Beim Rahmenprogramm des Avalon Hotelpark Königshof sind sie und ihre Gruppen nicht mehr weg zu denken, sie haben sich zu einem Evergreen der Veranstaltung etabliert. bs

 

Quelle:

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Ausstellung Wolfgang Deuse -Künstlerportraits-

Die Initiative KiD (Kunst ins Dorf) lädt ein zur Ausstellungseröffnung Wolfgang Deuse Künstlerportraits -Malerei in verschiedenen Techniken- am 06.September 2014 15:00 Uhr in Königslutter / Lauingen Sandstraße 2.

Öffnungszeiten: jeweils samstags 15:00 - 18:00 Uhr bis 27. September 2014 und nach Vereinbarung.

Die KiD ist eine Initiative, die Kunst abseits von großen Orten etablieren möchte.

Zum Programm gehören Ausstellungen, Malkurse, Malerei in kleinen Gruppen und Veranstaltungen mit Musik und Literatur

Kontakt: Klaus Weihe Sandstraße 2 38154 Königslutter OT Lauingen E-Mail: klaus.weihe@t-online.de

 

Wolfgang Deuse ist 1949 geboren, lebt in Schöningen / Hoiersdorf, verw., 3 Söhne, widmet sich der Malerei seit mehr als vier Jahrzehnten

Ausstellungen bisher:

1988 Gruppenausstellung in der Kreisverwaltung Helmstedt

1990 Einzelausstellung in der Kreisverwaltung Helmstedt

1990 Gruppenausstellung im Rathaussaal Schöningen

1995 Einzelausstellung im Jerxheimer Kunstverein

1996 Einzelausstellung in der kleinen Galerie Druxberge (Sachsen-Anhalt)

2002 Einzelausstellung in den Räumen der WBG Helmstedt

2010 Gruppenausstellung der City Werbegemeinschaft Schöningen - Künstler stellen ihre Werke aus

2011 Einzelausstellung in der Knappschaft - Geschäftsstelle Helmstedt

 

 

Geschichte und Zukunft verbinden

Lauingen  Der Kulturverein bringt seit zehn Jahren Leben ins Dorf.
Von Erik Beyen
Lauingen hatte fast alles, zum Beispiel einen Bäcker, verschiedene Handwerker, eine Schmiede, einen Fleischer und drei Gasthäuser. Susanne Kluge hätte noch mehr aufzählen können, begnügte sich dann aber mit der Feststellung, dass von all dem nichts übrig geblieben ist. Sie ist die 1. Vorsitzende des Kulturvereins Lauingen. Mit gut 60 Gästen feierte der Verein am Samstag bei selbstgebackenem Kuchen und Kaffee im Saal Arfmann an der Kornstraße sein 10- jähriges Bestehen.
„Etwas verspätet“, wie Kluge bemerkte. Man habe auf das Ende der Sanierungsarbeiten warten müssen. Ein neuer Fußboden war dringend nötig geworden.
2003 kamen die Mitglieder des Vereins erstmals zusammen, um die Geschichte ihres Ortes aufzuarbeiten. Die 1150-Jahr-Feierlichkeiten standen an. „Unsere wichtigste Aufgabe“, so die Vorsitzende, „besteht in der Bewahrung des Alten und der Zukunft unseres Dorfes.“ Große Ausstellungstafeln dokumentierten das bisherige Ergebnis anschaulich und zeigten Lauingens Entwicklung von 1855 bis in die Gegenwart.
An ihnen waren nicht nur die Mitglieder des Kulturvereins beteiligt, sondern auch die Architekten Waltraud und Hans-Joachim Witt aus Lauingen sowie Volker Möll aus Königslutter. Die Tafeln verdeutlichen auch, was Susanne Kluge meint, wenn sie von der Zukunft ihres Dorfes spricht. „Wir sollten versuchen, die jungen Menschen hier zu halten.“ Immerhin gebe es ein funktionierendes Dorfleben, einen Kindergarten und eine Grundschule. Bürgermeisterin Michaela Römmeler pflichtete ihr bei. Sie verwies auf den Lageplan und ein mögliches kleines Baugebiet: „Wir haben junge Menschen im Dorf, die gerne bleiben würden, wenn sie bauen dürften. Diese Menschen gründen Familien, und so wächst auch der Ort“, erklärte die Realschullehrerin. Die Tafeln bleiben als Ausstellung im Saal.
Unter den Gästen des Tages war auch Königslutters Bürgermeister Alexander Hoppe, dessen Vater aus Lauingen stammte. Zum 10. Geburtstag brachte er dem Verein eine Spende mit. Geld, das für die laufende Arbeit gut gebraucht werden kann. Die finanziert sich ansonsten ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen.
Die nächsten Veranstaltungen im Dorf sind die Faschingsfeier und das Maibaumsetzen. Susanne Kluge träumt indes von einem Lauingen mit noch mehr Leben. „Es ist möglich. Wir müssen es nur tun“, sagte sie.

Veröffentlicht in:
Braunschweiger Zeitung vom 27.01.2014



Sitten, Gebräuche und Traditionen

Am Ostersamstag flammt das Osterfeuer auf der alten Schuttkuhle auf, Jung und Alt versammelt sich.

 

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Diese Tradition wird seit vielen Jahren von der Feuerwehr gemeinsam mit der Jugendfeuerwehr aufrecht erhalten. Mit Hilfe des Feuers soll der Winter vertrieben werden.

 

Regelmäßig begehen alle Vereine gemeinsam den 1. Mai mit einem Dorffest. Neben der Programmfolge Wanderung – Mittagessen – Gottesdienst – Aufstellen des Maibaumes – Spiel und Spaß für jeden wurden im Jahr 2004 der Gedenkstein zur 1150-Jahr-Feier geweiht und das neue Wappen für den Heimat- und Kulturverein übergeben.

 

Der Brauch aus dem 17./18. Jh., in der Nacht zu Pfingsten seiner Liebsten heimlich einen Maibaum ans Fenster oder vor die Tür zu stellen, vielleicht sogar für die Öffentlichkeit sichtbar eine Spur aus Sand zu streuen, wird schon länger nicht mehr gepflegt. 1719 wurde dazu ein herzogliches Verbot erlassen, 1752 sogar Gefängnis- und Karrenstrafe dafür angedroht.

 

Im April oder Mai jeden Jahres sind plötzlich mit weißem Sand gestreute Spuren zu entdecken. Alle enden vor der Kirche, denn sie leiten die Konfirmanden und Konfirmandinnen von der Haustür zum Ort der Konfirmation.

 

In früheren Jahren war das Neujahrssingen noch gebräuchlich. 1655 wurde der „nietjaher umbgang“ durch besonderen Erlass geregelt.


Alljährlich nach beendigtem Holzeinschlag wurden Wurst, Speck und Geld bei allen Holzteilbesitzern eingesammelt und am „Faslabend“ gemeinsam verzehrt. Jeder Einwohner, der in die Forstgenossenschaft eintrat, musste bei der ersten Holzauslosung „unter dem Ofen durch“, d.h. er musste sich durch eine Getränkespende einkaufen. Auch zur Fastnacht gab es den Brauch sich gemütlich zusammenzusetzen.

 

Bei Hochzeiten werden aus Strohballen gestapelte Puppen aufgestellt.


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Die traditionelle Erntefeier nach Abschluss der Getreideernte ist ein Relikt der Vergangenheit.

 

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Das letzte Fuder 1934

 

Kein letzter mit Erntekrone und bunten Bändern geschmückter Erntewagen fährt heute auf den Bauernhof. Doch ist ein Rest der alten Sitte geblieben: Die Erntefeier findet mit einem Essen in kleinem Kreis statt und die Erntekrone hängt zur Zierde jahrelang im Eingangsbereich des Wohnhauses.


 

Veröffentlicht in: Chronik des Dorfes Lauingen  854 - 2004   Seite 282-287 (Auszug)

 

Heimat- und Kulturverein Wi von de Zipperie e.V.

 

Herstellung und Verlag: Meiling Druck, Haldensleben









Heinz Mollenhauer: Stadtbüttel, Moosholzmännchen und Stadthaus in Königslutter


Nr. 31 /  1965
"Stadtbüttel, Moosholzmännchen und Stadthaus in Königslutter
  von Heinz Mollenhauer


Eine geschichtliche Epoche kann in Ihrer Bedeutung auch daran erkannt werden, ob sie Einrichtungen geschaffen hat, die einen Anspruch auf Dauer erheben können. Dabei ist nicht maßgebend, daß es sich etwa um Riesenprojekte handeln muß. Auch in einem kleinen Raume können sich wertvolle Gedanken fruchtbar auswirken. Zusätzlich ist es dann beispielhaft, wenn eine gewisse Zauberkraft sichtbar wird, nämlich die Kunst, mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln höchste Wirkung zu erzielen.


Betrachten wir unter diesen Gesichtspunkten einmal die Verhältnisse in der lieblichen Stadt Königslutter am Elme, so können wir ohne jede Übertreibung feststellen, daß dort Einrichtungen verwirklicht werden, die eine sehr beachtliche Leistung des unsere Zeit kennzeichnenden Natur- und Heimatschutz-Gedankens darstellen. Dank der bemerkenswerten Initiative des Stadtdirektors Dr. Gremmels erscheinen seit Mai 1960 überaus originelle, für die Bürger der Stadt bestimmte Mitteilungen mit einer wertvollen Heimatbeilage. Ferner ist ein Gemeinschaftshaus errichtet, das als vorbildlich bezeichnet werden muß.


In öffentlichen Debatten wird heutzutage oft - fast schon schlagwortmäßig - die Forderung erhoben, die und die Regierungsstelle solle "sich etwas einfallen lassen". Solche Ansprüche kann natürlich auch jeder unbegabte Staatsbürger stellen, dem selbst nichts einfällt.  Fordern und Vollbringen sind seit Anbeginn der Welt zweierlei. Das muß der Gerechtigkeit  und Selbstbesinnung halber immer wieder mit Nachdruck hervorgehoben werden. Aus diesem Grunde verdient derjenige Träger eines öffentlichen Amtes, dem tatsächlich "etwas Gutes einfällt", die Unterstützung und Anerkennung aller Mitbürger und Fachkreise.


Es war eine treffliche Idee von Dr. Gremmels, mit den einfachsten Mitteln eine monatliche Zeitschrift für die Bürger der Stadt zu gründen, die er  "Der Stadtbüttel" nannte. Tatsächlich sieht man auf der äußeren Umschlagseite der Hefte einen uniformierten Ausrufer, der mit einer Schelle in seiner rechten Hand die in seiner anderen Hand befindlichen Schriftstücke anpreist.
Der Inhalt der einzelnen Nummern zerfällt in zwei Teile. Einmal handelt es sich um Bekanntmachungen, die mit der Schreibmaschine geschrieben und dann vervielfältigt sind. Sodann sind eine ganze Anzahl Seiten mit gedruckten Annoncen von Geschäftsleuten versehen, die offenbar dazu beitragen, das ganze Unternehmen zu finanzieren.
Die erwähnten Bekanntmachungen sind teilweise amtliche Mitteilungen des Rates und der Stadtverwaltung, die für jedermann wichtig sind, so Haushaltspläne, standesamtliche und Schul-Nachrichten, Termine aller Art, Unterhaltsarbeiten von Straßen, Schädlingsbekämpfung und dergleichen mehr.  Weiter werden auch kirchliche Nachrichten gebracht. Darüber hinaus wird ausführlich über kulturelle Veranstaltungen berichtet und erfreulicherweise auch über das vielgestaltige Vereinsleben in deı Stadt.
Aus diesem Grunde tritt der "Stadtbüttel" nicht so sehr in der Gestalt eines Vertreters einer hohen Obrigkeit auf, sondern in der gemütvolleren Ausprägung eines vertrauenswürdigen Ratgebers für jeden Hilfesuchenden.


Der Wert der Zeitschrift wird wesentlich durch eine heimatkundliche Beigabe erhöht, welche die merkwürdige Bezeichnung "Das Moosholzmännchen" führt. Es handelt sich dabei um eine sagenhafte Gestalt, die in Form einer Steinfigur neben dem nördlichen Einzelturm des Domes in Königslutter hockt. Der Sage nach soll sie einen Wächter darstellen, der von weitem das nördlich bei Kl. Steimke gelegene Moosholz (Eigentum des Stiftes) bewacht. Sei dem, wie es wolle!  Der Name ist für die heimatkundliche Beilage humorvoll gewählt. Wichtig ist, daß sie einen Stamm qualifizierter Mitarbeiter besitzt; so Kirchenrat Diestelmann, Obermedizinalrat Barnstorf, Forstmeister Schmidt-Colinet, Dr. Gremmels, Rektor Röhr und andere mehr. Die Zeitschrift wird u. a. von der Stadtbibliothek in Braunschweig gehalten. Die einzelnen Aufsätze werden in der Bibliographie zur braunschweigischen Landesgeschichte innerhalb der Jahrbücher des Braunschweigischen Geschichtsvereins sorgfältig registriert.


Man hat an der modernen Massengesellschaft oft getadelt, daß besonders bei Behörden so etwas wie  “tierischer Ernst“  vorherrsche. Sollte dies wirklich der Fall sein, so würde jedenfalls der "Stadtbüttel" der Verwaltung von Königslutter ein gegenteiliges Zeugnis ausstellen. Wir spüren den verwandten Zeitgeist der mittelalterlichen Vergangenheit, der die vielen humorvollen Inschriften und Abbildungen an den damaligen Fachwerkhäusern entstehen ließ, deren Anblick uns noch heute entzückt.


Erfreulicherweise können wir noch auf eine andere neuzeitliche Einrichtung von kulturellem Werte hinweisen, nämlich das schon erwähnte Gemeinschaftshaus, das sich unter der Bezeichnung "Stadthaus" am Sack 1 befindet. Das altertümliche Gebäude wurde 1670 von Thile Brandes und seiner Ehefrau Catharina geb. Schmits errichtet.


Über dem Eingange stehen die Worte: "Den Eingang und den Ausgang mein, laß dir Gott befohlen sein"  und am Fries: "Wo der Herr nicht das Haus bauet, so arbeiten umsonst, die daran bauen.  Wo der Herr nicht die Stadt behütet, so wachet der Wächter umsonst. Es ist umsonst,
                                      daß ihr früh aufstehet und esset euer Brot mit Sorgen, denn seinen Freunden gibt er's schlafend, Psalm 127."

 

Das stattliche Gebäude diente früher als Brauhaus, hat daher einen großen, tiefen Keller, eine geräumige Diele und einen weitläufigen Boden.

Zwischen den beiden Weltkriegen befand sich in den Räumen das Heimatmuseum der Stadt Königslutter, das jedoch kurz nach Einstellung der Feindseligkeiten aufgelöst wurde.

 

Unter Mithilfe des Architekten Dipl. Ing. Kerlé in Braunschweig entstand und entsteht noch ein Kulturzentrum, das sich sehen lassen kann. Die bereits fertiggestellten Räume zeigen in feiner künstlerischer Gestaltung einen Aus- und Umbau der vorhandenen Räumlichkeiten, der auf die neuzeitlichen Bedürfnisse Rücksicht nimmt.  Im Erdgeschoss sind die Volksbücherei und der Ratssaal untergebracht, der auch anderen kulturellen Veranstaltungen wie Konzerten und Vorträgen dient. Im 1. Stockwerk befindet sich ein Unterrichtsraum für die Volkshochschule sowie ein Teeraum.

 

Geplant sind weitere Räume für die Volkshochschule und das Stadtarchiv, das derzeit kümmerlich auf einem alten, verstaubten Rathausboden untergebracht ist.


Der Hof hinter dem Hause soll zu einer hübschen Gartenanlage ausgestaltet werden, man hofft, dort die überaus sehenswerte geologische Sammlung des Kaufmanns Otto Klages unterbringen zu können. Sollte dies gelingen, so würde das Stadthaus über seine eigentlichen Zwecke hinaus auch zu einem Treffpunkt der wissenschaftlichen Welt ausgestaltet werden.


Abschließend darf noch erwähnt werden, daß die Stadt Königslutter in den letzten Jahren auch mit zahlreichen, neuen trefflichen Grünanlagen ausgestattet worden ist. Durch eine Zunahme des Fremdenverkehrs, besonders durch die Ankunft vieler Berliner Feriengäste, gewinnt der Ort ein etwas weltläufigeres Aussehen als bisher, ohne jedoch seine Eigenarten zu verlieren.


mit Erlaubnis des Verfassers Nachdruck aus "Braunschweigische Heimat" Heft 1/2 aus 1965. "

Veröffentlicht in: Das Moosholzmännchen Nr. 31 / 1965



Die TSGK bewegt Königslutter

TSGK lädt für Sonntag, 26. Mai, zum Zollplatz ein:
»Bunter Rasen« mit mehr Kinder- und Jugendtanzgruppen
Königslutter.
Er hat sich zu einem beliebten erfolgreichen Familienfest entwickelt: der „Bunte Rasen” der Turn- und Sportgemeinschaft Königslutter (TSGK). Der größe Sportverein des Landkreises lädt die Königslutteraner und Freunde aus der Region auch in diesem Jahr wieder dazu ein: am Sonntag, 26. Mai, auf der „grünen Tanzfläche” am Zollplatz.
Ab 15 Uhr wird in diesem Jahr der „Bunte Rasen” noch bunter. Er ist erstmalig kein Volkstanztreffen und auch kein Linedancetreffen, obwohl auch Volkstänzer und Linedancer mitwirken, sondern es ist eine Veranstaltung der Tanzgruppen der TSGK, mit Kinder- und Jugendtanzgruppen. Die einfallsreichen Organisatoren der TSGK lassen ein buntes Programm erwarten.
Der Rahmen allerdings gestaltet sich wie bisher, mit einem reichhaltigen leckeren Kuchenbüfett, aber auch mit deftiger Bratwurst, Bier und alkoholfreien Getränken. Für die Kinder steht wieder eine Hüpfburg bereit, es gibt einen zusätzlichen „Kinderparcours”, die Kids werden auf Wunsch geschminkt, und auch ein Kinderflohmarkt bietet für sie die Möglichkeit für Schnäppchen.
Natürlich ist die Teilnahme an der Veranstaltung kostenlos, und die Verpflegung gibt es zu zivilen Preisen.     bs

 

Veröffentlicht in:
Der Stadtbüttel vom Mai 2013 S. 13

 

 

Walter Schumann Sonder-Ausstellung im Stadt- und Jugendhaus Königslutter 1981

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In das Gästebuch bei Eröffnung der Walter-Schumann-Ausstellung trug sich auch der
international bekannte Künstler Thilo Maatsch (Mitte) ein. Walter Schumann (links)
und sein Freund Otto Kruggel freuten sich besonders über diesen Besuch.
BZ-Foto: Bullmann

Bürgermeister Alfred Küchenthal (links) schenkte dem achtzigjährigen Maler Walter
Schumann ein Bild vom Kaiserdom vom Maler J. Meier aus dem Jahre 1938.



Vom Schaffensprozeß des Malers Schumann
Heimischer Künstler stellt Arbeiten in Königslutter aus


Die Würdigung heimischer Künstler ist durch Zusammenarbeit des Kreisheimatmuseums Helmstedt mit dem Kulturverein der Stadt Königslutter möglich geworden. Die zweite Sonderausstellung ist dem Schaffen des Malers Walter Schumann gewidmet, aus Anlaß seines 80. Geburtstages.

Angesichts der vielen Werke in dieser Ausstellung im Stadt- und Jugendhaus am Markt in Königslutter fragt sich der Bürger: Muß ein Künstler erst 80 Jahre alt werden, um seine Ausstellung zu bekommen? Vor einem Jahr wurde an gleicher Stelle der erst nach seiner Pensionierung aus dem Schuldienst international bekannt gewordene Thilo Maatsch geehrt. Er war Ehrengast bei der Eröffnung der
Schumann-Ausstellung, doch gesundheitlich nicht in der Lage, die Feier durchzustehen. Wie wird es ein Jahr später um den jetzt achtzigjährigen Schumann bestellt sein, der sich seinen Freunden vital und voller Schwung als ein Progressiver darstellte?

Als Sohn eines Porzellanmalers, der in Thüringen aufgewachsen ist und dort 30 Jahre gewirkt hat, fiel es dem Jüngling schwer, sein Talent in die musterhafte Miniaturmalerei des Vaters einzureihen. Als er 1922 mit der Note „Eins“ im Zeichnen vom Seminar in den thüringischen Schuldienst ging, war die gute Beurteilung in diesem Fach wohl mehr dem vom Vater vermittelten Können zu verdanken.
Immerhin brachte es ihm eine Kreisfachschafts- und eine Kursusleiterstelle für Kunsterziehung ein.


Die Kunsterziehungsbewegung hatte die Reformierung des Zeichenunterrichts ausgelöst, das Bauhaus in Dessau bemühte sich sehr, die vom praktischen Leben isolierte Werk- und Kunsterziehung mit den produktgestaltenden und technologischen Forderungen der Zeit in Einklang zu bringen. Lehrer wie Walter Schumann führten dies an der Basis aus, auch außerhalb des Dienstes.


Viele gezeichnete und in Linol geschnittene Ansichten der Orte seines Wirkens zeugen von Erfolg, Freude und damit sicher auch Motivierungswirkung durch das bildnerische Freizeitschaffen der ersten Periode im künstlerischen Wirken Walter Schumanns. Die
entscheidende Strecke des Weges seiner Selbstverwirklichung, der möglichst vollkommenen Darstellung seines Wesens, war dies noch nicht. Als Mitfünfziger begann er mit dem Bauen seiner Bilder. Vom Schauenden zum Bauenden nennt er es selbst gern. Nicht mehr das äußere Erscheinungsbild gilt als das Wesentliche, sondern die innere Strukturierung, die Bedingtheiten des spezifischen Gestaltwerdens.


Die Laudatio auf das Schaffen Walter Schumanns hielt bei Eröffnung der Ausstellung im Stadt- und Jugendhaus sein Freund Otto Kruggel, nachdem Bürgermeister Alfred Küchenthal alle guten Wünsche der Stadt gesagt und ein besonderes Bild von der Stiftskirche zum Geschenk gemacht hatte.

Der Betrachter sieht beim Rundgang: Der Prozeß ist Walter Schumann wichtiger als das Produkt. Er setzt in Variationsreihen fort, was in einem Wurf nicht zu vereinigen war, spielt Varianten aus, sticht weiter, und darin läßt sich wohl am ehesten etwas von dem Schaffensprozeß des Künstlers Walter Schumann ahnen, ablesen und nachvollziehen.

Die Ausstellung ist bis einschließlich Sonntag von 14.30 bis 18.30 Uhr im Saal des Stadthauses geöffnet. tb-

Veröffentlicht in:
Braunschweiger Zeitung vom 15.10.1981 Seite 12





Walter Schumann, Jahrgang 01,
Sohn eines Porzellan-Mustermalers,
geboren, aufgewachsen und 30 Jahre gewirkt in Thüringen,
Volksschullehrer seit 1922,
Kunst- und Werkerzieher an Realschule und Gymnasium
nach spätem Fachstudium,
seit 60 Jahren still für sich bildnerisch schaffend,
seit 30 Jahren Bürger des Kreises Helmstedt,

das ist die Summenformel

für Anlaß, Verständnis und Wertung dieser Ausstellung, der
zweiten, die durch Zusammenarbeit des Kreisheimatmuseums Helmstedt
mit dem Kulturverein der Stadt Königslutter zur Würdigung
heimischer Künstler zustande kam.

Was steckt in dieser Formel? Wie wenden wir sie an?

Die Tatbestände der Bildenden Kunst sind Formen und Farbe.
"Die Sprache der Formen verstehen, heißt, dem Geheimnis näher sein,
leben!" sagte der sensible Maler August Macke.
'Stundenlange Kenntnisnahme von Kunst ist eine Schinderei", schrieb
ein moderner Schriftsteller (Peter Hacks).
"Ohne Fleiß kein Preis", sagt ein altes Sprichwort.

Soviel zur Anwendung der Formel. Nun einiges zur Auflösung.

Als erstes der Vektor Werk- und Kunsterzieher des Jahrgangs 01.
Die abendländische Kunst stand damals an der Wende von der
Tradition zur Moderne.
In Deutschland verbreitete sich die konservative Kunst auf der
nationalistischen Seite in wilhelminisch-repräsentativ-illustrativer
Historienmalerei,
auf der bürgerlích-liberalen Seite huldigte sie einem romantischen
Spätimpressionismus oder sentimentalen Realismus.
Die narzistischen Reinkünstler des Jugendstils züchteten eine
elegante Sinnlichkeit und dekorative Überfeinerung.
Die programmatischen Progressiven klagten in einer frappierenden
Mischung aus dekorativ-suggestiven Primitiv- oder Naivformen,
urbanen Inhalten und viel Emotionalität die Konsumgesellschaft,
das Establishment an oder zeigten als Alternative die heilen Welten
auf dem Lande oder in der Südsee. Auch damals schon!
Die problematischsten Progressiven bauten in einer Art darstellender
Physik vorbildlose Form- und Farbkompositionen.

Das mußte der Jüngling alles verarbeiten, der Lehrer werden
sollte und daheim durch einen, musterhafte Miniaturmalerei
beherrschenden Vater und Porzellan-Mustermaler an die tradi-
tionelle Sprache der Formen herangeführt wurde, wenn dieser
mit seinem superkurzen, scharfgespitzten "Spion", so nannte
die Familie Vaters Bleistiftstummel, den er stets bei sich
trug, auf Zeitungsrändern oder Zetteln kalligrafisch und
druckreif zeichnete, was der Sohn wünschte oder lernen sollte
und was die wilhelminische Schule nicht bot oder förderte.

Als er 1922 mit der Note "Sehr gut" im Zeichnen vom Seminar in
den thüringischen Schuldienst ging, war die gute Beurteilung in
diesem Fach wohl mehr dem vom Vater vermittelten kalligrafischen
Können zu verdanken, als einem motivierenden Musenkuß. Dieser,
oder die "große Begegnung zwischen der äußeren Kausalität und
der inneren Finalität", wie es André Breton wenig später nannte,
fand für Walter Schumann viel später statt.

Vorerst verpflichtete die Eins des Examens und zog zeichnerische
Leitungen des jungen Lehrers nach, Erfolge im Bemühen um
Visualisierung des zu Vermittelnden, angangs im Gesamtunterricht
und in den sogenannten Realien, später auch im Fach Zeichnen,
und brachten ihm eine Kreisfachschafts- und eine Kursusleiter-
stelle für Kunsterziehung ein.

Damals war ein Lehrer, der nicht zeichnen konnte, so selten,
wie heute einer, der es kann. Im Wandtafelbild wurde vor den
Schülern entwickelt, was sichtbar gemacht werden sollte und auch
weitgehend wahrgenommen wurde.

Vorform der Videomedien ohne Reizüberflutungsgefahr.

Die Kunsterziehungsbewegung hatte die Reformierung des Zeichen-
unterrichts ausgelöst, das Bauhaus bemühte sich sehr, die vom
praktischen Leben isolierte Werk- und Kunsterziehung mit den
produktgestaltenden und technologischen Forderungen der Zeit in
Einklang zu bringen.

Lehrer wie Walter Schumann führten dies an der Basis aus.
Auch außerhalb des Dienstes.

Viele gezeichnete und in Linol geschnittene Ansichten der Orte
seines Wirkens zeugen von Erfolg, Freude und damit sicher auch
Vorbild- oder, wer es so möchte, Motivierungswirkung durch das
bildnerische Freizeitschaffen der ersten Periode im künstlerischen
Wirken Walter Schumanns.

Die entscheidende Strecke des weges seiner Selbstverwirklichung,
der möglichst vollkommenen Darstellung seines Wesens, war dies
noch nicht.

Sie fand er in dem Strom, von dem die deutsche Kunsterziehung
nach 1945 fast völlig erfaßt oder getragen wurde, der zu Beginn
des Jahrhunderts durch "eine neue sinnliche Wahrnehmung alles
Stofflichen" (Worringer) einsetzte, dem sich Kräfte aller Art
bis zu totalitären Großmächten vergeblich, aber mancherlei Strudel
und Katarakte verursachend, entgegenstellten und der so "kraft-
voller Wille zur Form wurde".

Vielleicht erweist er sich einst als ein wesentlicher Teil der
formalen Basis einer neuen säkularen Epoche, der ersten der
globalen Kunst und Kultur. Frühzeiten waren immer kubisch-struktiv.

Die neue Wahrnehmung des Stofflichen damals war seine scheinbar
unbegrenzte Umwandelbarkeit durch Analyse und Synthese, die völlig
vorbíldlose, also abstrakte Formungen und kühnste Konstruktionen
verhieß. In wissenschaftlichen Modellvorstellungen und Werken des
Kubismus wurde versucht, dies sinnlich zu machen. Beide bilderten
in linearen Strukturen und kubischen Kombinationen.

Hier lag der grafisch gerichtete und technisch versierte, zur
weiteren Selbstverwirklichung drängende und deshalb ein spätes
Fachstudium gewissenhaft betreibende Mitfünfziger richtig.
Er begann mit dem Bauen der Bilder.
Vom Schauenden zum Bauenden, so nennt er es selbst gern,
synthetischer Kubismus, so nennt es die Kunstgeschichte.
Picasso prägte einmal die Bezeichnung "kurvischer Kubismus".
Das trifft wohl am besten.

Nicht mehr das äußere Erscheinungsbild gilt, wie im Impressionismus
als das wesentliche, sondern die innere Strukturierung, die
Bedingtheiten des spezifischen Gestaltwerdens.
Eine völlig neue Formensprache entwickelte sich.
Auch bei ihm.

Immer am Gegenstand bleibend, abstrahiert er auf die Grundform
und deren Elemente, auf das Grafische, die Kraftlinien (Joh. Itten),
die durch Bindung der Elemente die Dinge bilden, die ins Umfeld
ausstrahlen, sie umkurven, umspannen, mit anderen Kraftlinien
und -feldern korrespondieren, potentiell bis ins Kosmische, die
durch gemäße Farbforderung feldbilden, bildfüllend.

Das ist der Höhepunkt des jeweiligen Schaffensprozesses für ihn,
wenn er sorgsam abwägend die Flächen zwischen den zügiger ge-
fundenen Strukturen füllt.
Überhaupt ist ihm der Prozess wichtiger als das Produkt, und
trotzdem trennt er sich ungern von seinen Unikaten.
Mehr und mehr setzt er in Variationsreihen fort, was in einem
Wurf nicht zu vereinigen war, spielt Varianten aus, sucht weiter,
und darin läßt sich wohl am ehesten etwas von dem Schaffensprozeß
des Künstlers Walter Schumann ahnen, ablesen, nachvollziehen.

Zu den lange geübten und vermittelten Techniken des Papier-,
Linol- und Holzschnittes, der Bleistift-, Rötel-, Feder-,
Kreide- und Kohlezeichnung, des Aquarell und Gouache, treten
nun neue wie Collage, Frottage, Dekalkomanie, Lithografie,
Wachs- und Schabetechnik und die der mittelalterlichen Tafel-
malerei, die auch die des Malers Schumann wurde, die Tempera.
Sie ist ihm die abstrakte Farbe, die die Felder füllt, ohne
zu füllig, zu räumlich, zu selbständig zu werden, ohne den
Fett-Fremdeffekt der Ölfarbe.
Die Aquarelltechnik gilt ihm von daher als noch besser geeignet,
sie ist ihm die reinste und schwierigste Maltechnik überhaupt, aber
ihre Farbigkeit ist leider im Licht zu vergänglich.

Bemerkenswert ist die dem Drang nach Geschlossenheit seiner
farbrhythmisierten Struktionen innerhalb der grenzenlosen nicht
gemeinten, aber doch auch strukturiert sein müssenden Umwelt,
ensprungene Manier, Tapetenreste als neutrale Zonen zwischen
Gemeintem und Hängefläche zu verwenden.
Das knüpft an die papiers collés von Braque und Picasso an. Sonst
folgt er offensichtlich mehr und sehr verehrend dem Vorbild
Juan Gris!

Wie dieser konstruiert er nach sorgfältiger Planung, in
architektonischer Präzision, ganz aus der Vorstellung, mit Ordnung,
Maß und Proportion in den klar definierten Flächenverschränkungen,
ohne malerisches Ungefähr und scheinbar leidenschaftslos.

Doch nicht immer, scheint es, nicht mehr, wenn in Mußestunden, zum
Beispiel am Urlaubsort, die Landschaft ihn zum Zeichnen veranlaßt,
gleich fix mit dem Kugelschreiber, wie andere knipsen. Dann kehrt
er anscheinend zurück zur Manier der ersten Epoche, zum Festhalten
des Ortes schöner Stunden und reizvoller Eindrücke. Aber das geht
nicht mehr.
Es ist auch dann das Suchen nach der großen klaren Form, der
Vereinfachung, der klassischen Sichtung, die ihm durch einen zu
detaillierenden, epischen Mitteilungsdrang - was Wunder bei
einem Lehrer - belastet erscheint.

Und dieses Suchen, ich spürte es wiederholt, ist leidenschaftlich.

So neigen zwei Wege, die einst offensichtlich divergierten,
einander zu. Werden sie ineinander münden?

Wieweit ist dieses Bemühen um große, klare Form klassische Sichtung
nach fruchtbarer Fülle,

und wie weit ist es entfernt vom weitverbreiteten Ideal aller Spät-
zeiten, dem Ideal der am Überfluß leidenden, der Uberdrüssígen,
von der Nostalgie mit ihrer malerischen Dekorfülle,

das ist die Frage, die sich jeder beantworten mag, der den Stellen-
wert des schumannschen Schaffens bestimmen will,

und was wird die Frucht dieses Bemühens sein?

Wer weiß es?

Noch ist Walter Schumann schöpferisch,
und das Schöpferische ist unberechenbar!

                                                                                            Otto Kruggel







Georg-Beiße-Jahresausstellung 1982 im Stadt- und Jugendhaus Königslutter

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Lebenslauf:

24.6.1910     geboren in Hildesheim

1926 - 1929  Kunstgewerbeschule Hildesheim

1929 - 1935  Werbegrafiker in Hannover

1935 - 1937  Grafiker, Kunstanstalt Crimmitschau

1937 - 1940  Atelierleiter, Roto-Werke Königslutter

1940 - 1945  Kriegsdienst (Frankreich, Rußland)

1945             Kriegsgefangenschaft im Ural

1946 - 1974  wieder Atelierleiter, Roto-Werke

1953 - 1978  Dozent für Zeichnen und Malen,
                   Volkshochschule Braunschweig

2.12.1981     gestorben in Helmstedt



Georg Beiße würde sich sicher wünschen, diese Ausstellung ohne viele Worte zu eroffnen, sein künstlerisches Werk in der Art zu würdigen, die ihm ganz gemäß und wohl auch die höchste Form der Kunstbetrachtung, des Kunstgenusses ist:
intensiv und schweigend.

Die Gelegenheit dazu wird 15 Tage lang geboten. Möge sie gut genützt, möge sein Wunsch reichlich erfüllt werden!

Es ist auch der Wunsch der ausstellenden öffentlichen Institutionen der Heimatstadt und des Heimatkreises.

Ein weiterer Zweck solcher Ausstellungen muß aber auch sein, der Kunst zum Durchbruch, zum Leben zu verhelfen, damit dem Leben durch die Kunst geholfen werden kann, denn Kunst ist gesellschaftlich das, was der Traum des einzelnen Menschen für den Psychiater bedeutet. Leben erhält die Kunst durch Interpretation, durch Vermittlung der Aussage des Künstlers in seinem Werk, durch Verbindung des Anschaulichen mit dem Begreiflichen. Anschauung ohne Begriffe ist blind. Und Georg Beißes Bilder, die man so gut still genießen kann, sie haben auch für die Öffentlichkeit eine bedeutsame Aussage, ja, sogar eine höchst aktuelle, derer man sich verstärkt bewußt werden, die man manchem eindringlich bewußt machen sollte.

Machen wir denen und uns zuvor bewußt, daß in jüngster Zeit eine enorm verstärkte Hinwendung zur Kunst, ja, fast eine Massenflucht in die Kunst feststellbar ist. Ein Symptom großer Krisenzeiten. Wohin fliehen die Massen da?
In die Alternative. Was laut Lexikon heißt: in die andere von zwei sich ausschließenden Möglichkeiten.
In das, was das Leben nicht bietet, das es angeblich ausschließt. Wo sollten sie es besser,anschaulicher finden?

Die unmittelbare Leistung der Kunstwerke besteht eben darin, die Alternative, das Ersehnte oder Erstrebte zu symbolisieren, direkt oder indirekt, und damit reale Wirklichkeit,an der wir leiden, in Frage zu stellen, zu verdrängen oder wenigstens zeitweilig aufzuheben.

Wir anerkennen ein Kunstwerk in dem Maße, wie es uns etwas verheißt, unser Ideal ausdrückt und wie wir uns keine bessere Darstellung vorstellen können.

Sagen Sie mir, welche Kunstwerke Sie am meisten lieben und ich sage Ihnen, an welchen Verhältnissen Sie leiden.

Für den Künstler ist sein Werk, dieses Schaffen von Symbolisierungen des besseren Lebens zugleich ein wesentliches Mittel seiner Selbstverwirklichung, der möglichst vollkommenen Darstellung seines Wesens.


Welche Alternative symbolisieren Beißes Bilder, woran mußte er demnach gelitten haben, welches Wesen stellte sich dadurch dar?

Die Antworten darauf ergeben sich aus dem, dessen man sich stärker bewußt werden, das eindringlicher bewußt gemacht werden sollte.

Ist ausreichend bewußt, was uns unser Leben nicht bietet, dieses Wohlleben, das noch nie zuvor die große Allgemeinheit der Menschen in Deutschland so führen konnte? Was fehlt uns denn, die wir rundum zuviel haben? Woran leiden wir?

Da gibt es vieles aufzuzählen, woran die losen Glieder dieser Wohlstandsgesellschaft leiden. Zum Beispiel an mangelnder zwischenmenschlicher Bindung oder an mangelnder Selbstverwirklichungsmöglichkeit, der möglichst vollkommenen Erfahrung und Darstellung des eigenen Wesens, was viele zu kreativem Tun führt. Aber einen großen allgemeinen Mangel außer dem, daß uns dieser mangelt, gibt es nicht.
Wir leiden also am Überfluß und Überdruß;
Das schlimmste Leiden!

Leiden durch Mangel ist behebbar, indem man den Mangel behebt. Das motiviert, inspiriert, aktiviert, läßt Erfolg erleben, Anerkennung genießen, Selbstverwirklichung erfahren.

Leiden durch Überfluß ist nur behebbar, indem Mangel und damit Leid erzeugt wird. Das ist die satanische Stelle in dem Kreislauf: Krieg macht Armut, Armut Demut, Demut Fleiß, Fleiß macht Wohlstand, Wohlstand Übermut, Übermut Krieg.

Die Erfahrenen wissen dies, die Sensiblen unter denen, die es noch nicht erlebten, sie spüren es, und die Angst davor breitet sich aus, wird verbreitet. auch durch Künstler. Georg Beiße gehörte nicht zu ihnen. In Schreckensvisionen zeigen sie die Bedrohung, mit Schwarzmalerei wollen sie die Situation erhellen. Vor jedem Krieg warnten sie so mit dem Vorwissen aus ihrer besonderen Empfänglichkeit.
Haben sie einen verhindert?

Als Albert Einstein, der Großmeister im Wissen um die unendliche Außenwelt im Juli l932 den Großmeister des Wissens über die ebenso endlose lnnenwelt des Menschen, Sigmund Freud, besorgt fragte, wie die große Bedrohung abzuwenden, die Menschheiı vom Verhängnis des Krieges zu befreien sei, antwortete Freud mit dem Hinweis auf den einzigen Weg, der bisher von der Gewalt zum Recht führte, nämlich den, daß die bedrohliche großere Stärke der Einzelnen wettgemacht werde durch die Vereinigung der vielen Schwachen zu einer Einheit, die durch Gefühlsbindungen zusammengehalten wird. Das demokratische Prinzip.

Wodurch können dıe Gefühlsbindungen geschaffen werden? Durch Glauben. Wodurch wird Wissen oder Vorwıssen zum Glauben? Instrumental gesehen durch die Kunst, denn Begriffe ohne Anschauung sind leer.
Und der Inhalt des Glaubens?

Da gab es bisher auch im Grunde nur einen: den Menschen, das zwar unzerstörbare aber immer wieder zu fordernde, zu fördernde und zu beweisende Gute im Menschen. Alle Glaubenslehren, alle Ideologien sind danach bewertbar, wie sie die Liebesfähigkeit in der Welt verbessern, und schlimm steht es um alle Menschen, die nicht glauben können, die ihr eigenes und das Leben ihrer Mitmenschen als sinnlos empfinden. Sie sind nicht nur unglücklich, sondern kaum lebensfähig, sagt Einstein. Sie werden todessüchtig und damit friedensgefährdend, kriegstreibend.

Deshalb sieht Hans Sedlmayr in seinem berühmten Buch "Verlust der Mitte" (1948) "das einzige Rezept (darin), innerhalb der neuen Zustände das ewige Bild des Menschen festzuhalten, wiederherzustellen."

Nicht das des aggressiven Typs, der sich meist progessiv nennt und doch immer an seiner enormen destruktiven Triebenergie zu erkennen ist.

Der Mensch soll und muß es sein, dringend sein, dessen Energie dem Fortschreiten auf dem von Freud gewiesenen Weg gilt, den Weg von der Gewalt zum Recht durch "die weibliche Komponente der rationalen Konsolidierung" (Marcuse) im Gegensatz zur männlich-heroischen, die die Menschheit so oft zur Selbstzerfleischung und Zerstörung zusammentrommelte und nie wieder trommeln dürfte.

"Innerhalb der neuen Zustände das ewige Bild des Menschen festhalten, wiederherstellen", was paßt besser zur Charakterisierung des freikünstlerischen Schaffens von Georg Beiße, das 1927 mit der Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Hildesheim begann und bis zu seinem Tode im vorigen Jahr sein Leben zusammen mit seinem Tun für Familie und Beruf ausfüllte. Ja, da lief keines nebenher, wurde keines bevorzugt. Zur möglichst vollkommenen Darstellung seines Wesens waren sie gleichbedeutend. Nur ein so ausgeglichenes, ganzheitliches Wesen konnte in dieser Zeit vorherrschender Zerrissenheit und extremster Ausuferungen zugleich gute Werbegrafik mit Darstellungen von Industrieprodukten, Industrieräumen und -ablaufen, Impressionen aus dem Raum zwischen Atlantik und Ural, farbige bretonische Dörfchen, sibirisch weiße Weiten, sonnigen Süden am Gardasee, alpine Felsmassive und Vegetation, verschachtelte Altstadte, den Elm und die Fuhren in vielen Variationen, Blumen, Tiere und immer wieder und allerorts Menschen, Physiognomien, die den einzelnen wohlwollend charakterisieren, Familienidylle und andere zwischenmenschliche Szenen bis zur gekonnten Karikatur - "Er heißt Beiße, war aber nie bissig" sagte mir diesbezüglich einer seiner nächsten Mıtarbeiter - nur ein solch integres und integriertes Wesen konnte dies in dieser Zeit schaffen, in der der Mensch als geıstıg-sittliches Wesen tatsächlich oft so aussieht, wie eine Figur Picassos oder Archipenkos. Nein, diese zerrissenen, kaputten Typen, diese Materialhaufen mit vagen Formen von Menschenteilen, diese Masken, Marionetten und Clowns der Moderne konnten für ihn nicht das Rezept, nicht das festzuhaltende Menschenbild und auch nicht das Mittel sein, das ewige Bild des Menschen wiederherzustellen. Das hieße, durch Zerstören aufbauen, durch Krieg Frieden machen wollen. Eine gräßliche Verirrung und Vision.

Nein, Georg Beiße litt an Krieg und Gefangenschaft, den krassesten Formen von Unmenschlichkeit und Unfreiheit, litt an dem Geist, der diese erzeugte und selbst als Soldat, nein als Mensch, der in die Soldatenuniform gezwungen worden war, war er in Frankreich und Rußland bemüht, "innerhalb der neuen Zustände" das Bild des dortigen Menschen festzuhalten und damit gegen die Feindbildideologie "das ewige Bild des Menschen wiederherzustellen". Was Sedlmayr 1948 als einziges Rezept deklarierte und sicher aus ähnlichem Wesen und ähnlicher Erfahrung erkannte, Georg Beiße praktizierte es schon vorher, er praktizierte es in seiner Kunst, in seinem Leben stets, unbeirrt von den vielen Wechseln in den Strömungen der Gegenwartskunst.

Die Fragwürdigketi dieser lauten Kunst war es, an der er litt, sie bedingte seine stille Art der Symbolisierungen des besseren Lebens. Eine Erkenntnis der Fragwürdigkeit ohne Resignation. Dazu ist nur der Mensch mit Humor fähig. Und den hatte er. Seine humorvollen Illustrationen zum "Betriebsklima" der Roto-Werke zeigen deutlich das, auf dem aller Humor basiert, die Erkenntnis von Absurdität, Lächerlichkeit, Unvernunft, Läppischkeit, also Überbewertung der Dinge durch andere. Außerdem zeigen sie mit ihren Reduzierungen auf das Minimum seine klare, sichere, saubere Strichführung. Er war ein solider Handwerker und litt von daher natürlich auch an manchem, was die Moderne bietet und bot.

Dieser Mensch mußte doch beispielgebend wirken. Er tat es auch. Viele fand ich, die sich seine Schüler nennen. Mehr als 20 Jahre wirkte er als Dozent in seinem Fach an der VHS Braunschweig und 37 Jahre lang als Atelierleiter der Roto-Werke.

Man muß wohl nicht lange erläutern, wie die Lehrtätigkeit, die Methode eines solchen versierten und ausgeglichenen Menschen aussah und auf die Lernenden wirkte.

Man muß auch keine Einzelheiten seiner Werke erläutern. Sie sprechen eine offene, direkte Sprache, die Sprache des gesunden Menschenverstandes, gesund, menschlich, verständlich.



                                                                                                                           Otto Kruggel


Thilo Maatsch Ausstellung 1980 in Königslutter

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Abschied von Thilo Maatsch

Abschied von Thilo Maatsch

Wieder mußte Königslutter Abschied nehmen von einem Mann, der das kulturelle Leben dieser Stadt weithin mitbestimmt hat, von dem Pädagogen und Maler Thilo Maatsch, der am 20. März dahingegangen ist. Schon als der 24-jährige Junglehrer aus Braunschweig im Jahre 1925 nach Königslutter kam, steckte er voll neuer pädagogischer Pläne und Ideen. Vor allem hatten es ihm die Kinder angetan, die aus irgendwelchen Gründen Schwierigkeiten in der Schule hatten und daher besonders gefördert werden mußten. Kein Wunder, daß man ihm die erste Förderklasse anvertraute, die in Königslutter eingerichtet wurde. ln der Folgezeit betreute er nicht nur diese Klasse, sondern setzte sich auch dafür ein. daß die Maßnahmen für die Erziehung dieser Kinder verstärkt wurden und bereitete damit die Entstehung einer selbständigen Sonderschule in Königslutter vor.

Nach dem Kriege, den er als Sanitäter mitmachte, ergaben sich für ihn neue Aufgaben. Die Regierung in Braunschweig benötigte eine Lehrkraft, die ihr besonderes Vertrauen besaß, um die schwierigen und vielfältigen pädagogischen Maßnahmen, die in der Nachkriegszeit notwendig waren, auch in Königslutter durchzuführen. So ernannte sie ihn am 1. 4. 1949 zum Volksschulrektor und übertrug ihm gleichzeitig - da er inzwischen auch die Realschullehrerprüfung abgelegt hatte - die Leitung der Realschule. Nachdem die Volksschule 1955 wieder einen eigenen Rektor erhalten hatte, blieb er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1964 Mittelschulrektor in Königslutter.

Seine Hauptaufgabe war es, die Schulraumnot zu beseitigen. Das war in Königslutter außerordentlich schwierig, weil dort besonders viel Flüchtlinge eingewiesen waren und die bis dahin als Volksschule dienende Stiftsschule 1941 Steinmetzschule geworden war. Es gelang 1951 die erste Schulturnhalle, die in Königslutter jemals gebaut wurde, zu errichten und dann die beiden Pavillonbauten an der Driebe hochzuziehen. Herr Maatsch erlebte während seiner Dienstzeit auch noch, daß für die 1958 selbständig gewordene Sonderschule in den Jahren 1962 ein Neubau erstellt wurde. Der Bau der neuen Hauptschule, der Orientierungsstufe und der Realschule mit der Doppelturnhalle konnte allerdings erst nach seiner Pensionierung durchgeführt werden.

Am kulturellen Leben in Königslutter nahm Herr Maatsch regen Anteil. Zusammen mit dem späteren Ehrenbürger Otto Klages, dem Facharzt Dr. Barnstorf und dem Bildhauer Theo Schmidt-Reindahl gehörte er zu jenem kleinen Freundeskreis. den Stadtdirektor Dr. Gremmels gebildet hatte und der die kulturelle Arbeit in der kleinen Stadt richtungweisend beeinflußte. Schon vor Kriegsbeginn arbeitete er an der Einrichtung eines Heimatmuseums in Königslutter, das aber der Ausbruch des Krieges verhinderte. Später war er u. a. vorübergehend Leiter des Heimat- und Verkehrsvereins, Vorstandsmitglied des Kulturvereins, Dozent der Volkshochschule und Mitglied des städtischen Kulturausschusses. Auch für Domführungen stellte er sich gem zur Verfügung.

Seine besondere Liebe aber galt der Malerei. Schon als junger Lehrer trat er mit Werken der abstrakten Kunst hervor. Wichtige Anregungen gaben ihm dafür die berühmten Meister der abstrakten Kunst Wassily Kandinsky und Paul Klee. Aber in der Zeit des Nationalsozialismus war seine abstrakte Malerei nicht gefragt. So wurde er 1934 aus dem Reichsbund bildender Künstler ausgeschlossen, und seine Bilder wurden verboten. Nach dem Kriege begann er sofort wieder mit der künstlerischen Arbeit. Seine Werke fanden jedoch nur langsam Anerkennung. Erst nach Ausstellungserfolgen in Basel, Düsseldorf und in anderen bekannten Galerien erfolgte auch der Durchbruch im Braunschweiger Raum. Mit besonderer Freude begrüßte er es, daß zu seinem 80. Geburtstag im Jahre 1980 auch eine große Ausstellung seiner Werke in Königslutter stattfand. Thilo Maatsch hat mehr als 2000 Aquarelle, über 1700 Ölgemälde, zahlreiche Plastiken, Linolschnitte und andere Werke geschaffen. Sie hängen in verschiedenen Bürgerhäusern der Stadt Königslutter, aber auch in vielen andern Orten Deutschlands, Frankreichs, der Schweiz und der USA. In seinen Werken wird er weiterleben.


Veröffentlicht in:
Das Moosholzmännchen Nr. 156/1983  Mai 1983  S. 25-27
heimatkundliches Beiblatt des lutterschen Stadtbüttels





Der Bildhauer Georg Arfmann

Seit 1993 lebt und arbeitet in Lauingen Georg Arfmann. Königslutter war dem Bremer Künstler nicht unbekannt, denn bereits 1943 besuchte er als Lehrling die Steinmetzschule, an die er 1972 als Lehrer zurückkehrte.


Seine zahlreichen Werke verschönern die Städte vom hohen Norden bis Hannoversch Münden.

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Herausragend sind die 7,5 m große Nachbildung des „Bremer Roland“ für Brasilien und die Rekonstruktion der Renaissance-Fassade des Leibnitzhauses Hannover.


Bereits 1984 erhielt Arfmann für seine künstlerischen Arbeiten die Verdienstmedaille der BRD.

 

In seiner Lauinger Werkstatt entstanden und entstehen etliche Stein- und Bronzeplastiken, darunter auch das „Kräuterweib“ vor der Dom-Apotheke in Königslutter.

 

Anlässlich des Jubiläums entstand in seiner Werkstatt ein Gedenkstein, der vor der Lauinger Kirche seinen Platz fand.

 

 

Veröffentlicht in: Chronik des Dorfes Lauingen  854 - 2004   Seite 271-274

Heimat- und Kulturverein Wi von de Zipperie e.V.

Herstellung und Verlag: Meiling Druck, Haldensleben



Ausstellung "Zeichnungen u. Plastiken" von Günter Dittmann

Einladung zur Ausstellung

Kurzbiografie Günter Dittmann

Geboren am : 11.07.1952 in Oelde/Westf.

1971-75 Studium an der Folkwangschule in Essen-Werden. Hier entsteht zwar ein erster Kontakt mit der Bildhauerei im Grundstudium, aber die Entscheidung führt in den Bereich Grafik-Design. (Prof. R. Knubel, Prof. P. Schüllner, Prof. O. Näscher). Abschluß als Dipl.-Designer. Während des Studiums künstlerisch/therapeutische Arbeit mit geistig Behinderten (Franz Sales Haus Essen, Schule für Geistig Behinderte Essen-Burgaltendorf).
1975-76 Zivildienst an der Schule für Geistig Behinderte in Essen-Burgaltendorf. Erfahrungen über die pädagogischen/befreienden Möglichkeiten der Kunst.
1977-81 Lehramtsstudium an der RWTH Aachen mit den Fächern Kunst und Sport. Hier neues Entdecken der Bildhauerei und vertieftes Arbeiten an dieser Ausdrucksform. 3 Jahre Mitarbeit am Lehrstuhl für Plastisches Gestalten. (Prof. E. Hillebrand, Prof. W. Binding)
1982-Dez.83 Studienreferendar in Köln und Aachen
seit 84 Gestaltungslehrer an der Steinmetz-/Steinbildhauerschule Königslutter


seit 75 verheiratet

20.09.1982 Geburt meiner Tochter Ruth
20.08.1984 Geburt meiner Tochter Hanna

Ausstellungen: 1979 "Galerie im Schloß", Biedenstein
  1980 "Galerie im Schloß", Biedenstein
  1981 Stadtbibliothek Aachen
  1984 BFG Alsdorf
  1984 Praxis Dr. Peters, Aachen


Standpunkt zwischen Formalismus und Realismus

Es ist eine weitverbreitete Annahme, daß der Künstler vom "Genius berührt", von der "Muse geküßt" eine Idee gebirt und diese als guter Handwerker oder Maestro in die Tat umsetzt.

Zu Beginn meiner Arbeit steht nicht die fertige Idee, sondern höchstens eine vage Vorstellung, manchmal auch nur ein Gefühl des "Unbefriedigtseins", welches zur Arbeit drängt. In der Beschäftigung mit dem Material, beim "Spielen" mit dem Material entstehen meine Objekte und Zeichnungen. Dabei interessieren mich Formen, Linienverläufe, Bewegungen, die sich daraus ergeben, Kompositionen etc.. Das Entstandene wird in der Anschauung überprüft, verworfen, weiterentwickelt bis das Wechselspiel zwischen "modellieren und korrigieren" zu einem befriedigenden Ergebnis gelangt.

Unter diesem Aspekt könnte man meine Arbeit als "Formalismus" bezeichnen. Dieser "Formalismus" bewegt sich aber nicht in eine abstrakte Richtung, sondern die Arbeiten sind durch die reale Umwelt geprägt. Der Betrachter kann "Reales" aus dem Leben wiederfinden, zwar interpretiert, manchmal durch Verfremdungen und Überzeichnungen, aber immer im Bereich der alltäglichen Wahrnehmung. Die Natur, das Naturstudium ist wesentliche Voraussetzung meiner Arbeit.

Meine Bemühungen beim "Spielen" mit den Formen gehen dahin, für bestimmte Inhalte die adäquate Form zu finden, d.h., eine Entsprechung von Form und Inhalt zu erreichen.
Eine solche Auffassung (Arbeitsauffassung) erlaubt keinen Unterschied zwischen z.B. einem "engagierten" und einem "schönen" Künstler; je nach Inhalt kann es sich um "gesellschaftliche" oder "formale" Inhalte, um "laute" oder "leise" Töne handeln .

Königslutter, im September 1985
Günter Dittmann

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Sagenmotive schmücken ein steinernes Fünfeck. 1990.   http://www.elmsagen.de/brunnen.asp

 

 






Kunstwerkstatt mit Leben füllen

 

Vereinsmitglieder des Förderkreises Malerkapelle am Elm stellten sich vor - Im Oktober Besuch aus China
Von Werner Gantz

Königslutter. Der Förderkreis Malerkapelle hatte zum Tag der offenen Tür, verbunden mit einer Ausstellung, in die Kunstwerkstatt eingeladen. Dies war der Start des von den Mitgliedern neu geschaffenen Nutzungskonzepts.

Bevor die fünf ausstellenden Künstler sich und ihre Bilder vorstellten, gab Vorsitzender Willy Dittmar den Gästen zur Einführung einen Einblick in die Arbeit des Vereins.
Er bewerte den Begriff und Inhalt der Kultur und Kunst nicht so, wie er sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts durchgesetzt habe. Damals sei Kultur nur etwas für die feinen Leute gewesen. Kultur sei für ihn der alles umfassende Begriff und Inhalt der Zivilleistung einer ganzen Generation, sagte Dittmar.
Schon oft habe er erfahren, dass die Kunst häufig auf viele Menschen unbegreiflich, abgedreht und manchmal sogar wenig kunstvoll wirke. Jeder Betrachter müsse sich eben auf die Werke einlassen, nach Gedanken suchen, die dahinter stehen und die Phantasie spielen lassen. „Ja, die Kunst hat sogar einen Bildungsauftrag“ betonte Dittmar.
Der Vorsitzende hob hervor, dass es gerade in diesem Zeitalter, modernster Digitaltechnik der Hilfe durch die Kunst bedarf, wo Menschen durch ihr eigenes Tun für sich selbst und andere etwas bewirken.
Die Malerkapelle soll künftig mit Leben gefüllt werden. Künstler brauchen Publikum. So hatten die Kunstschaffenden Heidi Burggraf, Marion Daum, Melanie Dittmar, Jürgen Bernhard Kuck und Sylvie Monnin Gelegenheit, ihre neuesten Werke zu zeigen. „Das soll keine Konkurrenz für die bestehenden Galerien in Königslutter sein“, wurde vom Vorstand betont. Geplant ist, Schulen und die Stadtjugendpflege zur Mitarbeit zu gewinnen. Bildhauer Günter Dittmann will sich einbringen. Im Oktober wird die Künstlerin Yingmei Duan aus China ihr Debüt geben. Studenten aus Braunschweig wollen ebenfalls in der Kunstwerkstatt arbeiten.


Veröffentlicht in:
Braunschweiger Zeitung  Rubrik: Königslutter und Umgebung  12.07.2007




Heinz-Bruno Krieger: In den Zwölfen

In den Zwölfen
In den „Zwölfen”, das sind die Tage und Nächte zwischen Weihnachten und dem heiligen Dreikönigstag, ist es nicht geheuer. Da gehen die Geister des Nachts um. Die wilde Jagd zieht durch die Lüfte, mit wildem Getöse braust sie über Asse, Elm und Dorm.
Ich weiß nicht, wie oft die Mutter uns Kindern von den vielen Erlebnissen aus ihrer Kindheit erzählte, die sich alle in den „Zwölfen”, jener geheimnisvollen Zeit, zugetragen haben sollen. Einmal war ich Zeuge, wie die alte Frau Warnecke, die hinter der „Mure”, der heutigen Wallstraße, wohnte, weinend meiner Mutter geklagt hatte: „herre ick man doch nur nich inne Twölfe dä Wäschelinnige hängen e'laten, use Karlchen könne hüte noch an' Lewen sien". -
Mutter hatte dazu geheimnisvoll genickt und ihrer alten Schulfreundin mitfühlend zugesprochen.
Als wir dann wieder einmal bei Anna Schrader, Mutters bester Freundin seit ihrer Kindertage, des Abends in der Küche zusammen saßen und wie so oft alle Geschichten erzählt wurden, da berichtete diese, mir ist es noch genau in Erinnerung, als wäre es gestern erst gewesen, wie sie einstens, vor vielen, vielen Jahren, Zeuge eines Gesprächs gewesen sei, das ihr Großvater, der alte Krischan Schrader, mit seinem Nachbarn, dem alten Christian Gier geführt habe. -
Die beiden Alten saßen vor dem Schraderschen Hofe in Stift Königslutter und schmökten in aller Ruhe ihr Pfeifchen Toback. „Ich war damals", so sagte die alte Frau, „ein ganz kleines Mädchen und ging noch nicht in die Schule. Mein Großvater fragte den alten Gier, von dem allgemein bekannt war, daß er die Gabe des zweiten Gesichtes besitzen würde, ob er ihm wohl sagen könne, wer von ihnen beiden der nächste sein würde, der von dieser Erde gehen werde? -
Der alte Christian Gier war ganz still geworden. Es war mir, als sah er durch mich hindurch, in weite Fernen, so als wäre er gar nicht mit seinen Sinnen bei uns, vor unserem alten Hause, auf dem an diesem Morgen der heile Schein der Frühlingssonne lag. Als aber mein Großvater immer wieder seine Fragen wiederholte - wie es eben solche alten Leute in ihrer Einfalt oft hartnäckig und eigensinnig zu tun pflegen, da war es, als erwache der alte Gier aus einem tiefen Schlaf - als käme er von weit her in die Wirklichkeit zurück.
Er antwortete dem Großvater, daß in diesem Jahr beide noch nicht dabei sein würden und daß sie beide noch eine kurze Frist auf dieser Erde hätten, bis es für sie so weit sein würde. Der lange Zug aber würde bis dahin ohne sie beide weiterhin über den Kreuzweg schreiten .... "
„Mir wurde ganz grulig zumute", sagte Anna Schrader, die nun inzwischen längst verheiratet war, und Frau Mispelhorn hieß und deren Sohn Ernst-August, ein lieber Freund und Spielgefährte von mir, später aus Rußland nicht zurückgekehrt ist. „Ich stand ganz still, wie festgebannt", so erzählte  sie weiter, „hörte zu, wie sich die beiden Alten erzählten von der Gabe des zweiten Gesichtes“.
Jährlich kehrte der Zwang wieder, der Christian Gier seit seiner frühesten Jugend belastete. Jahrein und jahraus mußte er in der Silvesternacht, wenn die Glocken von Ferne das neue Jahr einläuteten, zum Kreuzweg eilen, um Zeuge zu sein, wie ein langer Zug stummer und bleicher Gestalten vom Stifte her heraufgezogen kam, um schweigend an ihm vorbei in das Dunkel der Nacht zu verschwinden. Mann und Frau, Jüngling und Greis gingen im bunten Reigen an ihm vorbei. Nicht selten, so sähe er, daß eine Mutter, ihren Säugling an die Brust gepreßt, mitten in der Reihe derer schreite, um mit dem Zuge im Dunkel der Silvesternacht zu entschwinden. Alle diese schemenhaften Gestalten nun, die der alte Gier an sich vorüber ziehen sah, waren die Menschen aus Königslutter, die im neuen, vor ihnen liegenden Jahr das Zeitliche segnen würden.
Großvater Schrader hatte den alten Gier mit keinem Wort unterbrochen. Er hatte zu der Erzählung nur hin und wieder mit dem Kopfe genickt und der alte Christian Gier habe sich wie abwesend über seine alten, hellen Augen gestrichen.
lch bin dann ganz verwirrt ins Haus gelaufen, meine Mutter hat mich an sich gedrückt und beruhigend gesagt: ich solle mich doch ja nicht über das Gehörte aufregen, „et wörre ja doch allet nur dummet Tüg, wat sick dä beien Olen da vertellt härren” - aber ich glaube ganz sicher war meine Mutter bei diesen Worten selbst nicht gewesen. Es war doch noch etwas, wir haben es alle nicht glauben können. Damals war ganz Königslutter in großer Aufregung. Der alte Gier hatte in einer Silvesternacht den jungen Oberförster Culemann im Zuge mitgehen sehen. - Er hatte dieses wohl auch meinem Großvater gesagt, aber dieser hatte nur ungläubig mit dem Kopfe geschüttelt. Im selben Jahr noch hat sich der Oberförster Culemann auf dem Elme erschossen. Da er ein liebenswürdiger und allgemein beliebter Mann gewesen war, hat dieser Freitod die Menschen in Stadt und Land sehr erschüttert, zumal sich sein Vater, der alte Stadtrat Wilhelm Culemann auf der Neuen Straße ebenfalls das Leben genommen hatte. Die alte Frau Mispelhorn verstand es sehr gut, uns alle diese, ihre Erinnerungen aus ihrer Kindheit, sehr eingehend und bestimmt zu erzählen. Wir alle waren hiervon sehr tief beeindruckt gewesen. Da ich im Laufe der Zeit von vielen alten Leuten ähnliche Erzählungen über den alten Spokenkieker Gier gesagt bekam, habe ich einmal - Jahrzehnte später - im Kirchenbuche der alten Stiftskirche zu Königslutter nachgeschlagen, um hier eventuell nähere Einzelheiten über diesen seltsamen Mann zu erfahren.
Dort fand ich dann auch, daß der alte Geisterseher Christian Gier in einer Silvesternacht vor nun wohl über 150 Jahren und mehr, im Stifte geboren worden ist.
Was gäbe es wohl nicht noch alles zu erzählen, um die Geheimnisse und die seltsamen Gebaren, die gerade in den zwölf heiligen Nächten, bei uns - in meiner Kindheit am Elm, noch lebendiges Brauchtum waren.
Wir haben unsere Schuhe jedesmal so vor das Bett gestellt, daß kein Fremder, kein Geist, in sie hineintreten konnte. Die Bettzipfel habe ich mir über die Ohren gezogen; draußen heulte und stürmte der Wind, rüttelte und zerrte an den Dachziegeln, orgelte und pfiff eine laute, schauerliche Melodie, deren Echo im Schornstein seltsam wiederklang. lm Balken klopfte die „Totenuhr”, leise und kaum vernehmbar, doch wiederum immer gegenwärtig. Wir haben auf unsere Träume geachtet und dann gedacht, daß alles, was man in den „Zwölfen“ träumt, in Erfüllung gehen soll.
Der wilde Jäger Hackelberg jagte in den Zwölfen in den Lüften und es sollte in Langeleben, auf dem Elme Leute geben, die gesehen haben wollen, wie er in der „Jütte“, einem kleinen verwunschenen Teiche nahe des Weilers Langeleben seine Pferde tränken ließ. -
Die Tiere konnten sich in den Geisterstunden dieser Nächte mit den Menschen unterhalten.
Mutter wußte auch noch von ihrer Mutter, daß die Frauen zu ihrer Zeit sorgsam den Spinnewocken gehütet haben, da sonst nicht selten die alte Hark’sche in die Stuben und Kammern gekommen sei, um in den Zwölfen das Garn zu verheddern.
Glaube der Ahnen – Nächte in der Scheide – voller Geheimnisse, voller Ahnungen? –
Unser Leben dauert nur eine kurze Zeit, und was wissen wir schon von den Geheimnissen der Gewalten?

Heinz Bruno Krieger


Veröffentlicht in:
Das Moosholzmännchen Nr. 229  Februar 1992
heimatkundliches Beiblatt des lutterischen Stadtbüttels


Einfügung: Weitere Erinnerungen und Sagen unseres Heimatforschers Heinz-Bruno Krieger sind liebevoll zusammengestellt unter www.elmsagen.de zu finden sowie auch über die Buchhandlung Kolbe in Königslutter als Buch - Elmsagen: Ein Beitrag zur Volkskunde des Elmgebiets - beziehbar.



Geschichten rund um die Rauhnächte

Ein Märchenabend in der Stadtkirche
Geschichten rund um die Rauhnächte
KÖNIGSLUTTER. So lange ist es noch gar nicht her, da spielte im Volksglauben die Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag eine besondere Rolle.
Dann brachen die Rauhnächte an und es war nicht ganz geheuer, so dass man sich nach Einbruch der Dunkelheit am Besten gar nicht mehr aus dem Haus wagte.
Mutige Menschen werden am 3. Januar um 19 Uhr trotzdem den Weg in die Stadtkirche Königslutter finden, denn dort erzählt Murmur Silberzunge allerlei Sagen und Geschichten von den „Zwölfen“, wie die Rauhnächte auch genannt werden. Einen großen Part werden dabei natürlich auch örtliche Überlieferungen einnehmen, wie man sie sich früher rund um den Elm erzählte. Der stimmungsvolle Abend wird abgerundet durch Bruno vom Dorm, der mit mittelalterlichen Klängen die Zuhörer an Zeiten erinnert, in denen man an der Feuerstelle saß und den alten Geschichten lauschte.
Wer sich verzaubern lassen will von den mythischen Zwölfen, kann Karten im Vorverkauf in der Buchhandlung Kolbe sowie der BiK Kita Königslutter erwerben oder an der Abendkasse in der Stadtkirche.
Murmur Silberzunge ist in Zivil als Simone Wendland bekannt. Sonst lauschen die Kinder der BiK Kita Königslutter ihren Geschichten, in der Stadtkirche sind auch endlich mal große Leute dran.

Veröffentlicht in:
Helmstedter Blitz, 01.01.2014, S. 8

Zeichnungsnachweis:
Chronik des Dorfes Lauingen 854 - 2004, Seite 286
Heimat- und Kulturverein Wi von de Zipperie e.V.
Herstellung und Verlag: Meiling Druck, Haldensleben

 

Füerbespräker

Auf der Suche nach Elfen und Wasserwesen

Ferien mit Elfenfest von FEMO begonnen:
Auf der Suche nach Elfen und Wasserwesen
Lelm-Langeleben.
Es ist bereits gute und mehrjährige Tradition, dass das Freilicht- und Erlebnismuseum Ostfalen FEMO Kinder, Eltern und Großeltern zu Ferienbeginn zum „Elfenfest” einlädt.
Auch in diesem Jahr gingen die Teilnehmer auf dem “Elfenpfad” im Elm von Erlebnispunkt zu Erlebnispunkt, aber erst nachdem sich alle mit „Elfenzauber” hatten schminken lassen. Immer wieder gab es viele Gelegenheiten, Elfen zu fühlen, zu erahnen, zu hören und zu sehen, wovon nicht wenige Kinder und Erwachsene überzeugt waren.
Heinrich Buchheister von der Öffentlichen Versicherung an der Westernstraße hatte sein Sparschwein geplündert und den Geschichtenerzähler Andreas Bollmann engagiert, auch schon eine Tradition. Dieser erzählte den Elfenfans mit eindrucksvoller Mimik und Gestik spannende Waldgeschichten.
An dem unterhaltsamen Nachmittag bastelten die Kinder außerdem schmückende Elfenkränze und stellten Elfen-Zauberstäbe her, errieten „Elfen-Düfte” und machten ausführlich Picknick unter dem lauschigen Blätterdach.  bs


Veröffentlicht in:
Der Stadtbüttel. Mitteilungsblatt der Stadt Königslutter. August 2009. S. 28


Auf der Jagd nach den Wasserelfen

tl_files/Fotos/Allgemein/animals/Fairy_dust.gifFerienbeginn an einem verwunschenen Ort


LANGELEBEN (mb). Alle Jahre wieder zu Ferienbeginn herrscht helle Aufregung auf dem Elfenpfad in Langeleben: Seit 2005 können Kinder dort auf die Suche nach Waldgeistern gehen, Wasserelfen suchen und Zauberstäbe basteln.


So war es auch am vergangenen Freitag zum Startschuss in die diesjährigen Sommerferien. Gisela Krause-Bärthel vom veranstaltenden Freilicht- und Erlebnismuseum Ostfalen erklärte den Kindern: „Das hier ist ein ganz besonderer und verwunschener Ort mit alten Bäumen und sogar einem Schlossrest. Darum müssen, wir uns ein bisschen dem Leben auf dem Elfenpfad hier anpassen und uns schminken.“ Das wussten viele der Kinder bereits und hatten sich für den Besuch auf dem Elfenpfadbereits ordentlich in Schale geworfen in passenden Kostümen und Gesichtsbemalung.
Um die Elfen aus ihren Verstecken hervor zu locken, probierten es die Kinder außerdem mit Elfenduft und Elfenkränzen. Wichtig war nun nur noch das Singen des richtigen Liedes, bevor sich die Kinder auf den Weg in den Wald machten. Dort wird nämlich von einem Waldgeist gesprochen, der in dem alten Schlossrest zuhause ist und dort gezaubert hat. Hier konnten die Kids dann auch selbst Zauberstäbe basteln und dem Waldgeist nacheifem.
An anderer Stelle begaben sich die Kids auf die Suche nach den Wasserelfen. Eines der Kinder hatte bereits im letzten Jahr eine tolle Entdeckung gemacht, wusste Heike Meusel, ebenfalls von FEMO, zu berichten. „Das Mädchen hat im letzten Jahr eine Babyelfe gesehen und möchte nun nachsehen, ob sie gewachsen ist.“ An einem Bachlauf kescherten die Kinder unterdessen nach den Wasserelfen. „Wenn Sie sich seitwärts bewegen, dann sind es Wasserelfen“, erklärte Meusel, „aber nur aufmerksame Besucher des Elfenpfades können sie sehen.“

 

Quelle: Helmstedter Blitz  25.07.2012 Seite 7

 

Unsere verdrängte Sprache - das ostfälische Platt

Die plattdeutsche Sprache kann auf eine eindrucksvolle geschichtliche Entwicklung zurückblicken. Durch ihre Struktur hat sie sich zu einer eigenständigen Sprache mit örtlich unterschiedlichen Prägungen entwickelt, sie unterscheidet sich manchmal bereits von einem Dorf zum nächsten.

Diese Sprache ist ohne jegliche Lehre von der richtigen Schreibweise der Wörter von der Bevölkerung entwickelt worden.

Im Lande Braunschweig und Wolfenbüttel wird das ostfälische Platt gesprochen. Hier wird aber noch zwischen dem ost-ostfälischen und dem west-ostfälischen unterschieden. Die Grenze verläuft entlang der Oker, bedingt durch den Einfluss der Diözesen Hildesheim (westlich) und Halberstadt (östlich) sowie der alten Stammesgrenzen. Hier findet man beispielsweise die Worte dik und mik im Gegensatz zu den nördlichen Gebieten, wo man mi und di sagt. Im östlichen Sprachgebiet spricht man hus und hüser, im westlichen sagt man hius und hiuser.

Seit der Reformation wurde die niederdeutsche Sprache lange verdrängt. Zwar führte Johannes Bugenhagen die Reformation noch in Niederdeutsch ein, doch bald wandelte sich auch die Kirchensprache. Verschiedene Ausdrucksformen aus dem Hochdeutschen und den damals in Hof- und Adelskreisen üblichen Fremdsprachen vermischen sich zu einem heute nicht mehr reinen Platt. Leider verschwindet das Plattdeutsche zunehmend aus dem dörflichen Umfeld.


Veröffentlicht in: Chronik des Dorfes Lauingen  854 - 2004   Seite 291

Heimat- und Kulturverein Wi von de Zipperie e.V.

Herstellung und Verlag: Meiling Druck, Haldensleben



Probelesung im ostfälischen Platt
(Autor: Kurt Rosenthal; Quelle: Chronik des Dorfes Lauingen  854 - 2004   Seite 302
; Heimat- und Kulturverein Wi von de Zipperie e.V.; Herstellung und Verlag: Meiling Druck, Haldensleben)


Utblicke

1984 erstelle dä Planungsgruppe Wit under Middemaken veler Lauscher Bürger eine Dorpernierungsplanung for Lauich. Ein Arbeitskreis fate damals vor twintig Jahren in einer Umfrage na dä Wünsche un Bedürfnisse von dän hier lebenden Minschen. Wat könnt wie hüt for morjen darut entnehmen? Dä Lauschen sind stolz op öhre ölste Siedlung vorm Elm un dän Riesebarg, mit den velen Fachwerkhüsern. Dä ortstypische Struktur mot bibeholen blieben un verbessert wern. Doroch mehr gemeinschaftliche Anlagen sall dä Eigenentwicklung det Dörpes stütze un fördert wern, söllt nie Bürger in dat Dörpleben integriert wern, söllt ohle Lüe aktiviert wern, Junke dä Möglichkeit hebbn, sick tau dräpen. Burnhöwe bliebet lebenswichtiger Andeil det Dörpes. In Lauich sünd industrielle Betriebe un sonstige op Gewinne ute Händler nich erwünscht. Lauichs Zukunft is stark mit däm Tauetrecken von junken Familien un Kindern verbunnen. Dabie geit et um de Bereitstellung von Buplätzen in Lauich un de Anschaffung von Kindergartenplätzen. Kinder sünd use Zukunft! Makt wie besonders for dä un öhre Mudders dat Leben lebenswert!

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Durch dä grote Veränderung in dä Landwirtschaft volltrecket sick innerhalb der dörpschen Struktur ein mächtijer Wandel. Vor vele Lauische is dat Erholen von däm Howwe un dä Generationswechsel lebenswichtig. Tosammenhalt vor dä velen Interessen der Lauischen is dat intensive Vereinsleben im Dörpe. Ok dadurch wert dä „Nie-Lauische“ mit dä Dörpgemeinschaft bekannt. Wat nie Hintautreckende besonders stark anspricht, is dä attraktive Lage von Lauich an dat Naturschutz-Gebiet Riesebarg und Riesebarschet Moor un dä Nähe taun Elm. Dä FEMO e.V. maket u.a. dän Erlebnis-Pfad Lausche Fuhren un dän Findlingsgaren forn breitet Publikum bekannt. Dat Moor beherberget hüte rund 800 verschiedene Plantensorten, 150 Moose un veele botanische Seltenheiten. Et ward durch dat Lauische Beek – de Sipserrihe – durchfloten. Düt Beek kann ok tau Oberswemmungen führen, wat de Lauischen im Dorpe in den letzten Jahren tau spören kregen. Eine verstärkte Opsicht over dat Water-Becken vorm Brüggendore sall dat Opnehmen von eine bestimmte Watermenge un dat regelmässige Reinemaken vom Beeke sall den Hochwatterschutz verbessern.

In düssem Jahre will sick dä europäische Wirtschaftsraum dorch den EG-Bietritt von mehrere Süd- un Osteuropäische Staaten un ok Polen vorgöttern. Dat Herkunftsgebiet von veele Flüchtlinge, for dä Lauich eine tweite Heimat eworn is, dä Jemeinde Walim – vorher Wüstewaltersdorf is dadorch einfacher tau erreichen.

Von Wüstewaltersdorp hätt se 1943 mit dem Objekt Riese annefongen un grote Stollen in dat Eulengebirge rinne dreben. Tiedwielig söllt da 2800 Minschen, Kriegsjefangene und KZ-Häftlinge arbeit hem, von weken mehrere Dusend Minschen storben sin söllt. Et war nich möglich, düssen Bu fertig tau maken.

Et handele sick damels un de Niebu von nen nieen Führer-Hauptquartir. In dä dritten Generation – dä Generation von de Enkel – hatt düsse keine Verbindung mehr mit öhre Christusergangenheit. Use Zukunft liecht im olen und nieen Europa. Et liecht an uns, dä darin liggenden Chancen tau nutzen.

 

 

 

Hinweis für Interessenten: Im Heimat- und Verkehrsverein Königslutter gibt es einen Plattdeutschen Arbeitskreis.



Wehe, wenn Jie mick nich bien Kartuffelrohen hilpet!

„Wehe, wenn Jie mick nich bien Kartuffelrohen hilpet!“
Vorstellungen des Plattdeutschen Theaters Bornum ausverkauft
Das Thema Kartoffelroden wurde bei der plattdeutschen Laientheatergruppe aus Bornum schon 1999 behandelt. Jetzt bestimmt es in modifizierter Form mit zwölf Aufführungen erneut die Bühne. Bereits im Vorverkauf gingen sämtliche Karten für alle Vorstellungen bis einschließlich am 8. März weg. Autor und Regisseur ist Lothar Claus, der jedes Mal, bevor der Vorhang aufgeht, die Begrüßung der Gäste und eine Einweisung in die Kartoffelwirtschaft vornimmt.
Bornum (cg). Bei den bislang drei Aufführungen des Stücks „Wehe, wenn Jie mick nich bien Kartuffelrohen hilpet!“ zeigte sich, dass plattdeutscher Spaß beim Publikum auch nach fast 30 Jahren Theatergeschichte im voll besetzten Saal des „Lindenhofs“ noch immer gut ankommt.
Gerhard Röhrig hatte 1985 als Autor und Regisseur damit begonnen, Dorfbegegenheiten auf die Bühne zu bringen. Keiner hatte ahnen können, dass der Erfolg so lange anhalten würde. Mittlerweile zeichnet Lothar Claus für die Stücke verantwortlich. „Auf Plattdeutsch kann man auch mal etwas Derbes sagen“, verrät er.
Das Kartoffelroden hatte in den Kleingärten früher stets auch etwas mit Wettbewerb zu tun und gehörte bei vielen Familien dazu. So wussten die Älteren im Saal genau, um was es in dem Stück um Rentner Otto (Detlef Hädelt), seinen Freund Fritze (Matthias Futterschneider), seine Frau Hete (Mireile Claus), seine Tochter Anita (Britta Mönnich-Meier) und deren Freundin Erika (Alexandra Schmich), seinen Sohn Paul (Holger Kretschmer), seinen Schwiegersohn Gerd (Klaus Meier), die Nachbarin Tante Meier (Annette Körtje) und schließlich den sachkundigen Willy (Hinrich Gieseke) geht.


Veröffentlicht in:

Stadtspiegel vom 09.02.2013  S. 7



Über die Verwandtschaft des Arabischen mit dem Deutschen; und zwar besonders mit der altsächsischen, oder sogenannten plattdeutschen Mundart

Braunschweigisches Magazin.
Dreizehntes Stück.
Sonnabends, den 31ten März 1804.

Ueber die Verwandtschaft des Arabischen mit dem Deutschen; und zwar besonders mit der altsächsischen, oder sogenannten plattdeutschen Mundart.
vom Herrn Abt Lichtenstein.

Es ist ziemlich allgemein bekannt, daß unsre Deutsche Muttersprache, nebst unzähligen andern fremden Wörtern, auch namentlich manche Arabische aufgenommen, und ihnen, theils als Kunstausdrücke, im Gebiete einiger Wissenschaften, theils sogar im gemeinen Leben, so entschieden das Bürgerrecht ertheilet hat, daß man ihrer kaum füglich entbehren, oder sie ganz hinwegschaffen, und die damit bezeichneten Begriffe durch völlig gleichbedeutende, ursprünglich Deutsche Wörter, ebenso bestimmt andeuten kann. Für Zenith schreibt und spricht man jetzt Scheitelpunkt, das wenigstens halbdeutsch ist; dagegen dürfte es kaum allgemein Beyfall finden, wenn man für Nadir, Fußsohlenpunkt setzte, oder überall die in der Größenlehre, vornehmlich in der Sternkunde, wie auch in der Scheidekunst, und in andern Wissenschaften gebräuchlichen, Arabischen Kunstwörter, mit reindeutschen ungewöhnlichen und nicht gemeinverständlichen Redensarten, verwechseln oder umschreiben wollte. Verschiedene eingebildete Bedürfnisse, welche die überfeinerte Ueppigkeit der neueren Zeiten unter uns eingeführet hat, führen natürlicher Weise Arabische Namen, weil wir dergleichen Waaren anfänglich von den Arabern erhalten haben, zum Beyspiel: Kaffee, Atlas, Borax, Cubeben, Candis, Benid, Lack, Limonen, Tamarinden, Zibeben, Zibeth und dergleichen. Ja einige solche Waaren sind schon seit mehreren Jahrhunderten in Deutschland so wohl, als in andern Gegenden von Europa, unter Arabischen Benennungen bekannt gewesen,

zum Beyspiel: Ambra, Balsam, Cappern,Hanf , Reis, Tapeten, Zukker, und so weiter. Bei der Schiffahrt bedienen sich die Deutschen, nebst den andern verfeinerten Europäischen Völkern, mancher ursprünglich Arabischer Wörter, wie z. E. Admiral, Ballast, bogsiren, Kabeltau, laviren, kalfarern, und dergleichen. So sind auch durch die sogenannten Kreuzzüge, und durch spätere Kriege, manche Arabische Wörter, in das Deutsche (unmittelbar, oder auch wohl mittelbar durch andre Europäische Sprachen ) gekommen, die das Kriegswesen betreffen, wie Schamade, Schabrakke, Standarte, Panier, Zelter, Kamaschen, Tambour, u. s. w.  Alle diese Wörter können nicht mit in Anschlag kommen , wenn man untersuchen will, ob und in wie fern eine wesentliche Verwandtschaft zwischen dem Arabischen und dem Deutschen Statt finde. Denn es springt ganz deutlich in die Augen, daß dergleichen Ausdrücke eben so natürlich aus der Arabischen in die Deutsche Sprache gekommen sind;  wie die Namen der Chinesischen, Indischen oder Amerikanischen Naturerzeugnisse und Kunstwerke, ohne daß man daraus allein schon, mit Recht, einen Schluß auf eine nähere Verbindung jener Völker mit den Deutschen, machen, oder eine wahrscheinliche Vermuthung gründen dürfte, sie möchten von einem gemeinschaftlichen Urstamme zugleich mit den Deutschen abzuleiten seyn. Aber die Ansicht verändert sich dadurch sehr wesentlich, daß unsre deutsche Muttersprache, und zwar namentlich die in Norddeutschland noch zum Theil fortlebende altsächsische Mundart, welche man die Plattdeutsche zu nennen pflegt, wenigstens ein Paar Tausend Urwörter enthält (die davon abgeleiteten, und daraus zusammengesetzten, ungerechnet) die im Arabischen mit denselben Tönen oder Sylbenlauten, wenigstens bei ganz unbedeutenden und geringfügigen Verschiedenheiten, völlig denselbigen, oder doch einen, zunächst und wesentlich damit verwandten Begriff bezeichnen. Die Wahrheit dieses, auf den ersten rohen Anblick fast unglaublich scheinenden Sazzes, fällt einem gründlichen Kenner des Arabischen u. des Altsächsischen Plattdeutschen sehr deutlich in die Augen wenn er ein brauchbares Niedersächsisches Wörterbuch, zum Beyspiel das Richeysche Idioticon Hamburgense, genau durchgehet, und die einzelnen Wörter und Redensarten Stück vor Stück sorgfältig mit dem Arabischen vergleichet. Ein solcher wird sehr bald, durch eigene Einsicht, davon überzeugt werden, daß grade die Ausdrücke, die ihm in der Hamburgischen Mundart am stärksten auffallen, weil sie weder irn Hochdeutschen, noch in dem, gegenwärtig in unsern südlicheren Gegenden von Niedersachsen als gemeine Volkssprache herrschenden Plattdeutschen, gebräuchlich sind; beynahe

insgesammt, ohne eine einzige bedeutende Ausnahme rein arabisch sind, und in den arabischen Wörterbüchern, unter denselben Bedeutungen, gefunden werden. Ja es gehen noch jetzt in Hamburg und der dortigen Nachbarschaft, oder vielmehr überall an der Nordküste von Deutschland, mehrere Hunderte von solchen Arabischen Wörtern und Redensarten im Schwange, die der Aufmerksamkeit des fleissigen und gelehrten Richey entgangen, und daher von ihm nicht in sein Hamburgisches Idiotion aufgenommen sind. Dieser gründliche und sorgfältige Sprachforscher war, bey seiner übrigens sehr schätzbaren Gelehrsamkeit, doch nicht in dem Maaße der Semitischen oder sogenannten orientalisischen Sprachen, kundig, daß er hätte die Behauptung Hinkelmanns gehörig prüfen oder bestätigen können, der, schon lange vor Richeys Zeiten, in der lesenswürdigen Vorrede zu seiner Ausgabe des Korans, eine, allerdings nicht immer sonderlich passende, Vergleichung des Arabischen mit dem Deutschen angestellet hat. Die Frage ist nun: sind die Deutschen, in Hinsicht auf Sprache und Abstammung, mit den Arabern verwandt? und, wie stimmt es; mit den vorhandenen historischen Ueberlieferungen, überein, daß die Deutschen sich, durch ihre, mit den Arabischen in sehr vielen Grundwörtern übereinstimmende Sprache als Abkömmlinge eines, mit den Semitischen Völkern verwandten, oder benachbarten Urstammes, bewähren. Es scheint mir um so viel zweckmässiger zu seyn, daß ich diesen letzten historischen Punkt zuerst erörtere, da ich hier hauptsächlich mit solchen Lesern zu thun habe, bey welchen ich eher Kenntniß der Weltgeschichte, als der orientalischen Mundarten voraussetzen und erwarten darf. In den zuletzt verflossenen Jahrhunderten ist der Verkehr der Deutschen mit den Arabern, oder andern, wegen Abstammung und Religion Arabisch redenden und schreibenden Völkern, so gering, und bloß mittelbar gewesen; daß sich die Gemeinschaft einer so ansehnlichen Menge von Wörtern, die im Deutschen und Arabischen eine völlig gleiche oder wenigstens sehr ähnliche Bedeutung haben, nicht wohl daraus allein begreiflich machen lässt. Ein sehr natürlicher Gedanke ist der, daß eine beträchtliche Anzahl von Arabischen Wörtern möchte zu der Zeit der sogenannten Kreuzzüge in das Deutsche, und namentlich in das Plattdeutsche aufgenommen seyn. Die Lübecker, Hamburger und Bremer nahmen bekanntlich einen sehr wesentlichen Antheil an den Kriegsrüstungen, da die westlichen Europäer, oder Franken, den Muhamedanern die Länder entrissen, denen man, aus religiöser Vorliebe, eine besondere Heiligkeit zuschrieb. Es ist nicht zu leugnen, daß ziemlich viele

Arabische Wörter, bey dieser Gelegenheit, eben sowohl nach Deutschland, Dännemark, Norwegen und Schweden, als nach England, Frankreich und Italien gelangt sind. Die zu Italien gehörigen Inseln des mittellländischen Meeres waren schon vorher von Saracenen erobert gewesen, aber nicht lange behauptet worden. Auch Spanien und Portugal geriethen früher in die Hände der, durch innere Streitigkeiten, die unter den Gothen ausgebrochen waren , herbeygerufenen Mauren, deren Herrschaft, erst im Anfang des sechszehnten Jahrhunderts, dort ganz zu Ende gieng. Daher kam viel Arabisch in die Spanische und die Portugiesische Sprache, und verbreitete sich, aus den, in jenen Gegenden damals vortreflich blühenden, hohen Schulen, in das übrige verfeinerte Europa, namentlich auch in Deutschland weit umher. Indessen beziehen sich die Wörter, welche das Deutsche, auf diesem Wege, aus dem Arabischen entlehnt hat,
wohl größtentheils bloß auf die mathematischen, astronomischen, chemischen und medicinischen Kunstwörter, oder auf Gegenstände, die mit den Einrichtungen jener hohen Schulen, mit den dort üblichen Spielen und Vergnügen, oder was sonst die in Salamanka, Saragossa ec. studirenden jungen Deutschen interessiren mochte, zusammen hiengen. Zu den, aus jenen Universitäten nach Deutschland überbrachten Ausdrücken, möchte ich, außer jenen eben gedachten wissenschaftlichen Kunstwörtern, etwa: Baldachin, Ketif, BedelI, Bursche, Caprice, Gauch, Begine, Bastard, Blankart, Ader, Alp, Alkoven, (Koben) Pokal, Mumie, Torf, Ketzer, Maskerade, massacriren, Kirche, Tasse, Scheune, Harfe, Zither, Zifer, Sofa, kippen und wippen rc. rechnen. Beides die Zahl und die Beschaffenheit, der, namentlich in das Plattdeutsche, tief eingedrungenen Arabischen Wörter, scheint es nicht zu erlauben, daß wir bei diesen angeführten, allgemein bekannten historischen Thatsachen allein stehen bleiben; um daraus die, unten näher zu erörternde, Erscheinung zu erklären, daß die willkührlichen Bedeutungen unzähliger einfacher Sylben und Grundwörter im Arabischen und Altsächsischen, so genau übereinstimmen, als, durch bloßen Zufall, unmöglich hat bewirkt werden können. Wir sind daher gezwungen,auf frühere Zeiten zurück zu gehen, um der Verbindung nachzuspüren , welche zwischen den nordischen Deutschen
(auch Normännern , Dänen und Schweden) einerseits, und Arabisch oder ähnliche Semitische Mundarten redenden, Asiatischen Völkern Statt gefunden hat. Hier bietet sich allerdings unsrer Aufmerksamkeit zuerst die beträchtliche Menge von Cufischen Münzen dar, welche die Chaliphen und andre Muhamedanische Fürsten

lange vor den Kreuzzügen, haben prägen lassen, und an den Küsten der Ostsee umher noch bis jetzt nicht selten ausgegraben werden. Dies beweiset hinlänglich, daß schon zu der Zeit, da die Carolinger über Frankreich und Deutschland herrschten, ein starker Handelsverkehr, zwischen den Asiaten, die mit Arabischen Inschriften ausgeprägte Münzsorten führten, und den ostseeischen Nationen obgewaltet hat. Einige Schriftsteller vermuthen, jenes Geld sey zu Lande über Astrachan, Casan, Moskau, Kiew und Novogorod, bis nach Preussen und Pommern gekommen, um dafür den in Asien sehr gesuchten Bernstein zu erhandeln. Allein es bleibt immer wahrscheinlicher, daß um die Zeit der abbassidischen Chaliphen, und der Carolinger, durch die Schiffahrten der Araber und Normannen, als der damals die See beherrschenden Völker, ein wechselseitiger unmittelbarer Handel getrieben ist. Indessen bekenne ich es gern , daß es gar nicht wahrscheinlich ist, daß durch jenen Betrieb der Handlung und Schiffahrt, er möge auch noch so lebhaft angenommen werden,  so viele Wörter sollten aus dem Arabischen, in das Deutsche, Dänische und Schwedische gekommen seyn, als ich glaube nachweisen zu können. Ich möchte mir die Sache lieber umgekehrt vorstellen, nämlich daß die Handelsunternehmungen der Normannen (wozu bekanntlich außer den Norwegern, auch die Dänen, Schweden, Holsteiner, Pommern Preussen, Liefländer rc. gehörten) nach dem mittelländischen Meere, dadurch veranlasset und befördert wurden, daß ihre Sprache, schon aus viel früheren Zeiten her, mit den Semitischen Mundarten, und namentlich mit der, vom 8ten bis zum 12ten Jahrhunderte schon fast ringsum das mittelländische Meer an allen Küsten herrschenden, Arabischen Sprache, nahe verwandt gewesen war; und daß damals jene Uebereinkunft noch so viel deutlicher einleuchtete·, daß es einem Normann nicht mehr Mühe kostete, Arabisch zu lernen, als gegenwärtig einem Dänen oder· Schweden, Hochdeutsch oder Holländisch zu erlernen. Wir haben zwar über die Urgeschichte der Nordeuropäischen Völker keine gleichzeitige, schriftliche DenkmäIer. Aber eine ziemlich allgemeine Ueberlieferung begünstiget die Meinung, daß die Gothen und Sachsen aus der Nachbarschaft der Semitischen Völkerstämme, tief aus Asien her, sollen nach Nordwesten in das nördliche Europa eingewandert seyn. Jener in den fabelhaften Sagen berühmte Odin oder Wodan, war, wie schon Paulinus a sancto Bartholommäo aus dem Shanskritta sehr scharfsinnig vermuthet, ein Buda, das heißt auf Arabisch, ein Religionsstifter. Höchstwahrscheinlich war es nicht ein und ebenderselbe Herrführer, der die Asen,

von jenseit des Caukasus her aufzubrechen vermochte, und der den Tempel zu Upsala stiftete. Nicht bloß Lactantius behauptet, daß viele Männer, die mehrere Jahrhunderte, der eine später, als der andere, gelebt haben, die Sagen veranlasset haben, daß ein Jupiter oder Hercules alle die Thaten verrichtet, und alle die eigentlich das Werk mehrerer Zeiten und Personen, an verschiedenen Oertern waren. Cicero, Plinius und Andere bekannten schon zu ihren Zeiten, wiewohl damals noch die heidnische Volksreligion herrschte, eben diese Wahrheit. Sollte die Edda mehr historischen Glauben verdienen, als Hesiods Theogonie?  Die Hauptthatsachen, welche die Ueberlieferung aufbewahrt, darf man dennoch für gegründet halten, wenn man gleich die Nebenumstände als Erdichtungen, nicht für wirklich geschehen, oder Misverständnisse, oder Dichterische Ausschmückungen, anerkennet. So mag es immerhin wahr seyn, daß der
ursprüngliche Völkerstamm, von welchem die Gothen und Sachsen Abkömmlinge sind, in sehr frühen Zeiten der Urwelt, aus Asien gewandert und in der Folge, allmählig bis zu den Wohnsitzen fortgerückt waren, die sie zu der Zeit einnahmen, da sie den Römern bekannt wurden, durch welche wir allein völlig glaubhafte Nachrichten, von der Geschichte unsrer Vorfahren erhalten haben; da jene, als rohe Halbwilde, keine schriftliche Denkmäler, für die Nachwelt hinterlassen konnten. Die alte nordische Fabellehre bestätiget selbst, durch die Götternamen, und andre sich auf die Religion beziehende Wörter, welche sich ungezwungen auf Semitische Stammwurzeln zurückführen lassen, die Ueberlieferung, von dem Ursprunge jener nordischen Völker aus Asien. So entspricht, (um nur einige Beyspiele anzuführen, da die absichtliche Erörterung eine zweckwidrige Weitläufigkeit veranlassen würde) der Name Thor, den die alten Skandinavier der höchsten Gottheit beylegten, dem Urstiere der Perser und Braminen , der auch in Egypten, unter der Benennung Apis angebetet, und dort von einem lebenden Stiere repräsentirt wurde. Denn Thor oder Thaur heißt auf Arabisch ein Stier und nach einer andern Rechtschreibung auch das Weltall. (Daß Thor auch nach einer andern Bedeutung einen leidenschaftlichen Menschen, der seinen Begierden, wider die Vernunft, fröhnt, eben so wohl im Arabischen als im Deutschen bezeichnet, ist zwar auch merkwürdig, aber es gehört nicht zunächst hierher.)  Frigga oder Fricha bedeutet im Arabischen ein junges schönes Mädchen. Dieser Name passet um so viel besser auf die Göttin der Liebe, da sie, nach der heidnischen Fabellehre fast aller Völker, zugleich die Göttin des Todes (Assafa, venus libitina) ist, und da die Araber, mit dem Worte

Freiha den Nebenbegriff der Gefräßigkeit, verbinden. Vallhalla oder Waldhalla würde nach Semitischer Ableitung die Wohnung des Mondes heissen, u. s. w. Hatten nun aber jene, in der frühen Urwelt, aus Mittelasien ausgewanderten und allmählig, nach einem langen, vielleicht Jahrhunderte erfordernden, beschwerlichen Heerzuge, durch die Taurischen Steppen und Sauromatischen Wälder, in das Nördliche Europa gelangten, Pflanzbürger, die Ueberliefernng ihres Volksglaubens von Semitischen Stämmen angenommen: so ist es gar nicht zu verwundern, wenn in den alten und neuen Mundarten, die aus der ursprünglich aus Asien sammt der Götterlehre mitgebrachten Grundsprache, nach und nach, mit sparsamer oder reichlicher Beymischung fremdartiger aus den Sprachen benachbarter Völker, entlehnte Bestandtheile entstanden sind - z. E. im Schwedischen, Dänischen, Isländischen, (Altplattdeutschen) Holländischen und Englischen, noch manche andre Spuren von Semitischen Wurzelwörtern übrig sind, die weder zunächst auf Religion Beziehung haben, noch irgend wahrscheinlicher Weise, durch den, im achten und neunten Jahrhunderte blühenden Bernsteinhandel der Normannen, dem man die obenerwähnten an der Ostsee ausgegrabenen Cufischen Münzen glaubt verdanken zu müssen, oder durch die Eroberungen der Mauren in Spanien, und der Saracenen in Italien, oder durch die Kreuzüge der Franken, oder endlich durch die noch bis in die neueren Zeiten fortgesetzte Handelsverbindungen, in jene nordeuropäische Sprachen gekommen sind. Gegenwärtig sind allerdings die Denkmäler der Odinischen Völkerwanderung, bis auf die letzte Spur, gänzlich vertilgt. Aber noch um die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts traf Busbeck (S. dessen 4ten Brief Seite 321 - 326. der Elzevirischen Ausgabe) noch in Constantinopel einige Männer von einer damals in Taurien lebenden Nation an, deren Sprache mit dem Plattdeutschen in vielen Wörtern sehr übereinstimmte. Er wagt es nicht zu entscheiden, ob er sie für Gothen oder für Sachsen halten soll, und ist geneigt, sie für Abkömmlinge der, vom Kaiser Carl dem Großen, nach Siebenbürgen versetzten Sächsischen Pflanzbürger, anzusprechen. Es ist hier nicht der Ort, um die Gründe auseinander zu setzen, warum diese Vermuthung für sehr unwahrscheinlich zu halten ist. Taurien ist von Siebenbürgen ziemlich weit entfernt, und durch Länder davon getrennt, welche nie unter Carls des Großen, und seiner Nachfolger im Deutschen Reiche, Botmäßigkeit gewesen sind. Ueberdem enthält das kurze Wörterverzeichniß a. a. O. viele undeutsche Wörter, die einen älteren Ursprung jenes merkwürdigen, jetzt vermuthlich ganz ausgestorbenen Völkerstammes

ahduen lassen. In der berühmten Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel ist eine Handschrift von einem Reisegefährten des Busbeck vorhanden, *) aus welcher dieser interessante Gegenstand noch deutlicher kann ins Licht gestellet werden, als es bereits durch den großen Sprachforscher J. R. Forster geschehen ist. Ich komme nun nach dieser kurzen historischen Erörterung der verschiedenen Zeitläufe, in welchen das Arabische hat Einfluß auf die Deutsche Sprache gewinnen können, auf die eigentliche philologische Untersuchung: ob es wirklich Deutsche Wörter in beträchtlicher Anzahl giebt, die eine solche Ableitung aus dem Arabischen zulassen oder erfodern, daß daraus mit Recht darf eine Verwandtschaft beider Sprachen und Völker, gefolgert werden. Hiebey muß ich gleich anfangs bekennen, daß die Zahl der Wörter, die im Hochdeutschen, so wie es jetzt geredet und geschrieben wird, und in dem Arabischen, so wie es die Muhamedanischen Geistlichen beym Lesen des Koran aussprechen, ganz vollkommen in dem Laute jeder Sylbe, jedes einzelnen Vokals und Consonanten übereinstimmen, äußerst unbeträchtlich ist; und daß diese wenigen Wörter, fast alle ohne Ausnahme, erst ganz neuerlich, in die Deutsche Sprache aufgenommen sind. Aber dagegen ist die Zahl der Wörter sehr ansehnlich, die im Altsächsischen, und im Arabischen, so wie es im gemeinen Leben, mit Weglassung und Aenderung vieler Vocale, ausgesprochen wird, wesentlich, das ist in den Consonanten und in den entscheidenden Hauptvokalen , zugleich im Laute, und in der, damit verbundenen Bedeutung übereinstimmen. Verwandte Mundarten weichen oft in der Aussprache vieler Wörter weit von einander ab, ohne daß man darum die nahe Verbindung unter ihnen, oder die Abkunft von einer gemeinsamen Ursprache ableugnen darf,

(Die Fortsetzung folgt.)

*) Oder vielmehr zwei Handschriften einer deutschen Reisebeschreibung von Hans Dornschwam, woraus der sel. Rektor Jak. Fried. Heusinger verschiedene Inschriften in zwei Programmen v. J. 1762 und 66 bekannt gemacht und erläutert hat. A. d. H.


Braunschweigisches Magazin.
Vierzehntes Stück.
Sonnabends, den 7ten April 1804.
Ueber die Verwandtschaft des Arabischen mit dem Deutschen; und zwar besonders mit der altsächsischen, oder sogenannten plattdeutschen Mundart.
(Fortsetzung.)

Ein Wiener, der schnell nach Hamburg gereiset ist, und sich unterwegs nicht um die unzähligen Nuancen der Volkssprache bekümmert hat, versteht kaum ein einziges Wort von dem Plattdeutsch, was dort die geringeren Leute reden; es sey denn, daß er Richeys ldioticon so fleißig studirt hat, daß ihm daraus die Regeln geläufig sind, wonach die Wienerische und Hamburgische Sprache übereinstimmt, oder gegenseitig von einander abweichet. Ich getraue es mir nicht zu behaupten, daß das Altsächsische lediglich ein semitischer Dialect sey.
Die sogenannte plattdeutsche Sprache stimmt eben so wohl, oder doch auf gleiche Weise wie die Hochdeutsche, in manchen Stücken, näher mit der persischen, als mit der arabischen Sprache überein. Jedoch, wenn man nach den Regeln verfährt, welche Schultens in seinem Schlüssel der Mundarten festgesetzt hat, um die semitischen Dialecte unter einander zu vergleichen: so ergiebt sich eine sehr
auffallende Aehnlichkeit des Sächsischen und des Arabischen. Ich habe über zweitausend Wörter gesammelt, deren Laut und Bedeutung im Arabischen und im Deutschen, wo nicht vollkommen gleich, doch wenigstens so ähnlich ist, wie man es, bey verwandten Sprachen, nach der Billigkeit verlangen kann; so daß ein Hamburger, der die, bey der Vergleichung zu beobachtenden, Regeln gefaßt hat, und mit gehöriger Beurtheilungskraft anwendet, mehrere hundert arabische Wörter eben so leicht verstehen und ihre Bedeutung, mit hoher Wahrscheinlichkeit, errathen kann,

als wenn, er Englisch höret oder lieset. Darum ist meine Untersuchung über die Verwandtschaft des Arabischen und Deutschen, vornehmlich des Altsächsischen, keine müssige Befriedigung der Neugier oder ein bloßes Spiel des Witzes; sondern sie führt auf nützliche Resultate, zur Erlernung der nicht bloß für Gelehrsamkeit, sondern auch für den Handel äußerst wichtigen arabischen Sprache. Ein Engländer, Holländer, Niedersachse, Däne oder Schwede, wird viel eher Muth fassen, um Arabisch zu lernen, wenn er hoffen darf, mit Hülfe seiner Muttersprache ein paar tausend arabische Wörter mit derselben Leichtigkeit zu erlernen, wie er Italiänisch, Spanisch und Französisch begreifen kann, wenn er Lateinisch versteht, und die Regeln kennet, nach welchen jedes Volk die Aussprache und Rechtschreibung der Sprache seiner römischen Eroberer umzumodeln pflegt. Jch kann mich allerdings hier nicht darauf einlassen, das System der Verwandtschaft des Plattdeutschen und Arabischen gründlich zu entwickeln. Aber folgendes wird jeder gesunde Menschenverstand einsehen und beurtheilen können, ohne in die Geheimnisse der semitischen Sprachkunde eingeweihet zu seyn. In den orientalischen Sprachen leitet man alle Wörter aus Wurzelwörtern her, die man, nach einer willkührlichen Verabredung, mit drei Buchstaben zu schreiben pflegt. Diese drei Buchstaben werden immer sämmtlich als Consonanten angesehen; wenn sie es auch manchmal nicht gerade wirklich sind. Drei Consonanten können an sich selbst, eine, zwei oder drei Silben ausmachen, je nachdem man Vokale hinzufügt. Die Sprachlehrer nehmen an, daß jedes syrische (aramäische) ) Wurzelwort einsylbig , jedes hebräische zweisylbig, und jedes arabische dreisylbig sey; wiewohl dieses nicht ohne Ausnahme der Fall ist. Es gilt diese Regel auch nur in der Büchersprache, und nicht im gemeinen Leben, wo im Arabischen, wie in allen lebenden Sprachen, mancher Vokal wegfällt und verschluckt wird. Ueberall sind die Vokale in allen Sprachen viel veränderlicher und unbestimmter, als die Consonanten; und vorzüglich in den semitischen Mundarten, wo sie auch nur in Religionsbüchern oder Gedichten, durch beigefügte Punkte oder Striche, angedeutet werden, welche die Aussprache der Sylben im Arabischen nur sehr schwankend, im Hebräischen aber ziemlich genau bestimmen. Der mittlere Vokal, welcher auf den zweiten Wurzelbuchstaben folgt, ist mehrentheils der wichtigste; und dieser pflegt auch vornemlich in den Wörtern, die das Altsächsische mit dem Arabischen gemein hat, gleichlautend zu seyn. Die Vokale, welche bey der Flexion der Redetheile , wie auch

bey abgeleiteten und zusammengesetzten Wörtern hinzukommen, wegfallen oder verändert werden, sind in den orientalischen Sprachen auch häufig außer der Consonantenreihe angehängt. In dieser Hinsicht sind die Endungen: keit, heit oder cheit und ung, oder ing, merkwürdig, die dem Arabischen und Deutschen gemein sind, wiewohl mit dem Unterschiede, daß erstere zwar in beiden Sprachen das weibliche Geschlecht anzeigt, aber im Deutschen bloß bey abstrakten Substantiven Statt findet. Diese Regel gilt im Deutschen auch von der anderen Endung: ing oder ung, die nach den Satzungen der arabischen Grammatiker, jetzt fast allen Nennwörtern angehängt wird; aber ehemals vielleicht auch von einem eingeschränktern Gebrauche war. Zu den von den Sprachlehrern erst in spätern Zeiten erfundenen Zusätzen, gehört auch das n, welches den Infinitiven der Zeitwörter im Arabischen und im Deutschen angehängt wird. Ich habe es unten bey den zur Probe angeführten Beispielen, um den Anschein der Sonderbarkeit zu vermeiden, allenthalben beibehalten. Uebrigens erkenne ich es gar wohl, daß es eben so wenig wesentlich zu den deutschen als zu den arabischen Zeitwörtern gehört; sondern nur hier innerhalb und dort außerhalb der Buchstabenreihe, auf Befehl der Sprachlehrer, um des Wohllautes und der Deutlichkeit Willen, gesetzt werden muß, um anzuzeigen, daß ein Zeitwort unbestimmt gebraucht werde. Friedrich der Einzige rügte in seiner vortreflichen, aus einem thörichten Nationalstolze zu schnell von den Deutschen vergessenen Schrift, über die deutsche Litteratur, aus einem sehr scharfsinnigen Takte, jenes n als übellautend. Wir werden allerdings nie anfangen: gebena und nehmena zu sprechen oder zu schreiben. Aber die Oberdeutschen sprechen dieses n am Ende der Infinitive etwa nur in dem Falle aus, wenn ein Vokal unmittelbar darauf folgt. Sonst verschlucken sie es mit Recht; denn die Engländer schreiben es nicht einmal. So wenig ist es der deutschen Ursprache natürlich. Ueberhaupt herrscht in den Sprachlehren gebildeter Völker eben so viel Schneiderscherz, als in ihren Kunstgärten.
Die Consonanten stimmen in manchen arabischen und deutschen Grundwörtern völlig überein, oder ihre scheinbare Verschiedenheit beruhet bloß auf dem Unterschiede der Alphabete beider Sprachen; da das Arabische jetzt viel mehrere Zeichen für die Consonanten hat, als das Deutsche. *) Oft kömmt auch zu den

* ) Beispiele von beider Art werde ich samt den Belegen zu den mehresten übrigen hier weiter folgenden Sätzen, unten in einem alphabetisch geordneten Anhange beibringen.

drei Wurzelbuchstaben noch ein vierter, ja wohl gar ein fünfter hinzu; und zwar bald vorn, bald in der Mitte, bald am Ende eines Grundwortes. Oft fällt der eine oder andere Wurzelbuchstabe weg, wird mit einem andern ähnlichen Vertauschet, oder aus seiner Ordnung gerücket, so daß der erste zum zweiten oder dritten, und einer von jenen beiden letzteren dagegen zum ersten wird. Beispiele erläutern vielleicht diesen Gegenstand auf eine gemeinverständliche Art.
Erstlich kommen manchmal zu den Wurzelwörtern oder Grundwörtern Consonanten im Deutschen hinzu, die im Arabischen und Altsächsischen fehIen, bald vorn, bald in der Mitte, bald am Ende. Dies geschiehet aber nicht willkührlich mit jedem beliebigen Consonanten, vor oder nach einem jeden Wurzelbuchstaben, sondern zufolge gewisser fester Regeln. So fügt man im Hochdeutschen häufig vor dem Buchstaben w wenn sich ein Grundwort damit anfängt, noch ein sch hinzu.  Anstatt wanken sagt man auch schwanken, für weerig (Englisch weari) schwierig, für welgen, schweIgen, (Engl. to swallow, Holländisch swelgen) von weich macht man schwach (Engl. weak ohne sh) Eben dieses geschiehet auch vor dem m. Aus den semitischen Wörtern matzen, mertz, mollen werden die deutschen Wörter schmatzen, schmerz, schmollen, und so weiter. Auch das k kommt vorn insonderheit vor dem l, hinzu, und bildet im Deutschen, wie das ähnlich lautende arabische harte ch, Grundwörter, die statt drei, vier Wurzelbuchstaben bekommen. So wird aus dem latschen, welches die Sachsen mit den Arabern gemein haben, das Hochdeutsche klatschen. In der Mitte der Grundwörter kommen auch hin und wieder Consonanten zu den Wurzelbuchstaben hinzu. So macht man aus dem Arabischen acher, das Plattdeutsche achter, hinter; aus ameln, ampeln, streben; aus pragen, seine Vorzüge an den Tag legen , (daher Braga, Prag, Pracht  u. s. w.) prangen rc. Auch am Ende kömmt hinter dem Wurzelbuchstaben manchmal noch ein Consonant hinzu, der in dem verwandten Dialekte fehlt. Für Schlamm spricht der Araber und Hamburger Slammat, welches Wort in beiden letzteren Mundarten auch zugleich noch ein schlecht bekleidetes, oder auch wohl ein ausschweifendes Weibsbild bezeichnet. Im Deutschen kömmt am Ende manchmal ein r zu den Wurzelbuchstaben hinzu, wie in lodern, für loden; Gludder für Gludd, Gallert rc.
Auf gleiche Weise fallen auch manchmal einzelne Wurzelbuchstaben aus den Grundwörtern hinweg, ohne daß dadurch die Bedeutung wesentlich geändert wird. Das Deutsche backen scheint offenbar mit dem arabischen bakketen oder baksen

verwandt zu seyn, welches den Teig anrühren oder kneten bedeutet, und anders geschrieben wird, als wenn es vom Schlagen, wie das Englische to box, gebraucht wird, und dem Plattdeutschen wiksen entspricht, welches auch unmittelbar mit dem Arabischen zusammenhängt.
Die Veränderung der Wurzelbuchstaben besteht entweder bloß in einer Versetzung der Ordnung, oder in einer wirklichen Verwechselung, da anstatt des im Arabischen gebräuchlichen ein anderer ähnlicher, oder fast gleichlautender, im Deutschen gesetzt wird. Beispiele von der erstern Art sind etwa folgende: Eine SchIange heißt auf Arabisch Chanasch, auf Hebräisch Nachasch,  auf sächsisch Snake. Im Arabischen heißt küzeren, kürzen, (wofür auch körten in gleicher Ordnung der Consonanten wie im Sächsischen gebraucht wird) Zippel, (Zipolle Zwiebel) heißt auf Arabisch Bilzel, Spukken auf Arabisch psukken rc. Die Aehnlichkeit solcher Wörter fällt allerdings deutlicher in die Augen, wenn sie mit den semitischen Buchstaben, ohne Vokale geschrieben werden. Anstatt wipsen (springen) spricht der Araber wispen. Der Hamburger spricht umgekehrt een Wemps *) für eine Wespe. Eine eilige Reise aber benennt der Araber, wie der Nordalbingier, durch das Wort Wips, welches offenbar mit jenem Zeitwort wipsen zusammenhängt. Die Vertauschung der Consonanten mit ähnlich lautenden läßt sich gar nicht füglich ohne arabische Buchstaben begreiflich machen. Für die gegenwärtige Absicht ist es hinreichend, wenn ich anführe, daß nicht bloß das p, welches der arabischen Sprache ganz fremd ist, bald durch b bald durch f, ersetzt wird; sondern daß auch ein deutsches Wort, immer noch , mit dem ähnlich klingenden Arabischen nahe verwandt bleibt, wenn gleich hier oder dort statt m ein b oder statt w ein m steht. So spricht man olmen für olben, vor Alter zerfallen; Rahm oder Rohm, für Sane, Flott, welche auf Arabisch Rab lautet. Rabe oder Rave (Richey. S. 207. ) heißt im Sächsischen, das Harsche auf einer Wunde oder auf einem Geschwühre, von dem noch im Arabischen (S. Gol. lex. p. 921.) gebräuchlichen Grundworte raabe, verharschen. **) Das b wird von den Niedersachen oft, wie bey den Neugriechen, sehr weiche, fast wie ein w ausgesprochen. Daher schreibt man Haber oder Hafer willkührlich, und spricht beides Haver aus. Rabe, der Name des

*) Richey schreibt es, S. 338 Wepse, nach seiner, vom Hochdeutschen entlehnten, Orthographie.
**) Aus diesem Rav oder Roof wird durch die, auch sonst häufig vorkommende, Hinzufügung des sch, das auch im Hochdeutschen nicht unbekannte Schorf, eschara. Schorb heißt auf Arabische die Krätze.

bekannten Raubvogels lautet im Arabischen fast wie Grabe, und wird mit einem G geschrieben, das man in manchen orientalischen Mundarten z. E. in vielen hebräischen Wörtern beynahe gar nicht in der Aussprache hört. Eine Woge heißt auf Arabisch Moge; das
kalte Wasser Basser, u. s. w.  Manche Buchstaben werden, in solchen Wörtern, die das Deutsche mit dem Arabischen, der Bedeutung nach, gemein hat, auf eine sonderbare Art regelmäßig verwechselt, ohngeachtet ihrer sehr verschiedenen Aussprache. So wird aus dem k in Wörtern die auch im Lateinischen ein c behalten wie cornu cannabis &c. manchmal im Deutschen ein h, zum Exem. Hören (ein Horn,) schreibt der Araber, wie der Hebräer; Kören (davon vermutlich auch das Deutsche Kern eine hornartige Samenkapsel) Hörne (die Seite oder Ecke; Richey S. 98.) schreibt der Araber Körne (Gol. lex. P. 1897. ) aus Kanneb, cannabis, macht der Deutsche Hanf  u. s. w. Aus dem f einiger arabischer Wörter, wird dagegen im Deutschen manchmal ein k. Statt hinken schreibt der Araber hinfen, welches nach anderen semitischen Mundarten z. E. nach dem Hebräischen hinpen, lautet. Auch im Niedersächsischen heißt hinken humpen, humpeIn, oder wie es Richey (S. 100) schreibt humpumpen. Der Deutsche setzt auch wol ein p, wo im Arabischen ein g stehet; wie in lispeln für lisgeln, zischeln.
Die weitere und gelehrtere Erörterung von diesem Allen verspare ich für eine weitläufigere Abhandlung, die ich bereits in lateinischer Sprache ausgearbeitet habe, und nächstens gedruckt herauszugeben gesonnen bin. Jetzt will ich hier nur eine Auswahl von Beispielen, wo arabische Wörter, im Ton und Bedeutung, mit hochdeutschen oder mit Sächsischen, nahe übereinstimmen zur Probe, nach dem ersten Buchstaben des deutschen Alphabets beifügen.
Aas, heißt im Arabischen ein Ueberbleibsel, und nach einer härteren Aussprache: Haas oder fast wie Chaas, ein stinkender Leichnam. Acher Sächsisch achter, hinter; Ader, eine Blutader Akke (S. Richey S.4.) abscheulich, davon Ekel, der Abscheu, herzuleiten ist.
Oekel, verdrehet, ist dagegen das Grundwort von Oekelname (Siehe Richey Seite 176.) welches einige Ekelname schreiben. Teneds - Name ist ebenfalls in gleicher Bedeutung Arabisch und Plattdeutsch; denn tenedsen heißt auf Arabisch sich durch Oekelnamen gegenseitig einander necken. Acker heißt ein Acker. Alp heißt auf Arabisch die Fiberhitze. Dies giebt eine sehr vernünftige Herleitung für Alpdrücken. Alt heißt auf Arabisch

zahnlos, und zwar namentlich wegen hoher Jahre; imgleichen kindisch, letzteres nach einer anderen Ortographie. Alwatsch heißt auf Arabisch, wie in Hamburg (S. Richey S. 4) albern; Anber, Ambra; Amme, Dienstmagd; ammeln, Sächsisch ampeln Richey S. 5.) arbeiten, sich bestreben; Arbeed, Versorgung des Hauswesens; knojen, ein im Richey fehlendes sächsisches Wort, heißt auch im Arabischen, sich um den Unterhalt zu erwerben, zerarbeiten; arg lästerhaft; ägern, (Franz. aigrer) ärgern, erzürnen; arm verschuldet; ärmly, ärmlich, dürftig; (Holländisch Asse) Asche; Atlaß, glattes (seidenes ?) Zeug; Baas oder Bars ein Meister (fehlt bey Richey ) davon Bursge auf Arabisch und Sächsisch ein Jüngling, Bursche; backten, kneten, backen; baden, weiß machen, waschen; Baha (fehlt bei Richey) Aufheben, Aufsehen; Bagaderen, Buhldirnen; Baldachin, Thronhimmel; Balke, ein abgehauener Baumstamm; Ballast, unnütz, unbrauchbar; bannen herbeyrufen, bestillen; Barchend rauhes (baumwollenes?) Zeug; Barde, ein Gesandter, Träumer)  beide Bedeutungen können den Namen veranlaßt haben, den die dichterischen Priester der alten Deutschen führten) Baretel, Baret, Doctorhut; basch herbe; battern laufen, bauz! eilig, plötzlich; bagsen, baksen (Englisch to box) schlagen. (s. wiksen). Es ist merkwürdig, daß beynahe alle die unzähligen Wörter, die im Plattdeutschen vom Schlagen gebraucht werden, rein Arabisch sind z. E. daaksen, (Richley S. 32.) heißt auf Arabisch abledern; deffen, welches Richey übergangen hat, heißt stoßen, und nach einer andern Orthographie schlagen; Dreb, Drebs, Schläge, von Drebe treffen; gerfen, gerben, abledern; karbatschen, geisseln, karanzen, bestreiten, abledern; karniffen, prügeln, auf die Finger klopfen; latschen laschen, klatschen, mit der flachen Hand schlagen; knifidjen, prügeln ; knypen klemmen ; knojen, zerarbeiten, zerblauen; Laks Faustschläge; Look ein Schlag ins Auge; daher die auffallende Redensart: Jemand auf Lachs mit Lauche bewirthen, die auf Wortspielen beruhet , welche einem des Arabischen Unkundigen gänzlich
verborgen bleiben, und deshalb um so viel abgeschmackter erscheinen, Lawey fehlt bey Richey, heißt aber in Hamburg, grade wie bey den Arabern, ein Schlag mit der verkehrten Hand, eine Ohrfeige, oder Maulschelle; löcken, schlagen; maddelen verhunzen marachen mürbe machen; massacriren im Rausche oder Zorne hinrichten; matschen zerdrücken; metzeln , zerstümmeln; nuffen, von sich hinwegstossen; peitschen, zerbläuen; pisacken, eigentlich pischacken, durchprügeln; quälen unmenschlich behandeln; quatschen, zerdrücken, abledern; quetschen versehren, verletzen; quitteren zerschellen; rekken, beunruhigen, zerren; schlagen, slagen und

plagen wird im Arabischen verschieden geschrieben, vom zerbläuen des Kopfes insonderheit gebraucht; schleiffen oder schleppen bei den Haaren auf der Erde fortziehen; schrammen oder zrammen leicht verletzen, die Haut abschaben; erstechen mit Wunden hinrichten *) stripsen, mit beiden Händen schlagen ; swappen, auf die hängenden Lippen schlagen; tasen zur Erde werfen ; tiren zerren ; törren, aufhalten, bändigen; euben, nekken; walken, hauen; wamsen, walken; zakelen, zudecken, mit Schlägen belasten; zwicken, den Bart ausraufen.
Dieser ansehnliche Reichthum von Wörtern, die fast einerley Bedeutung haben, und dem Arabischen mit dem Plattdeutschen gemein sind, dürfte wohl einen sonst schwergläubigen Wortforscher, von der Verwandtschaft beider Sprachen ziemlich fest überzeugen. Alle diese Wörter stehen aber im Golius und andern guten arabischen Wörterbüchern, mit eben der Erklärung, die ihnen Richey oder andere Schriftsteller über das Plattdeutsche, in ihren alphabetischen Registern, zuschreiben. Auf gleiche Weise, wie bey dem Schlagen, sind auch andere Rubriken der Pöbelsprache, und vorzüglich alle Wörter, welche das Physische in der Liebe beider Geschlechter, oder damit verwandte Gegenstände, betreffen, den Arabern und Sachsen, in einer auffallenden Vollständigkeit, gemein.
Und nun könnte ich mit einer Menge von Wörtern nach den übrigen Buchstaben des Alphabets fortfahren, wenn ich nicht den Leser zu ermüden, und des Zwecks dieser Blätter zu sehr zu verfehlen fürchten müsste. Kenner werden nun ohnehin schon aus diesen Proben den Grund und die Tendenz meiner Untersuchungen hinreichend beurtheilen können.
Die wichtigen Folgerungen aber für die Geschichte der Völker, ihrer Sprachen, Religionen, Sitten und Denkmäler, welche aus diesen philologischen Thatsachen herfließen, und deren fruchtbare Anwendung auf Etymologie, Pasigraphie und allgemeine Sprachlehre überhaupt, auf rechte Erklärung, Reinigung, Berichtigung und Bereicherung der deutschen Sprache insonderheit, werde ich, wenn sich dazu unter billigen Bedingungen ein Verleger findet, dem sprach- und sachkundigen Publikum in einem größern literarischen Werke lateinisch oder deutsch, samt den nöthigen Beweisen aus arabischen Wörterbüchern und Schriftstellern, ausführlich vor Augen legen. Da ich die MateriaIien fertig liegen habe; so kann diese Schrift allenfalls schon auf die Michaelismesse dieses Jahrs in den Buchhandel gebracht werden.

*) Dieses Wort scheint in spätern Zeiten, etwa während der Kreuzzüge, nebst manchen andern z. E. - Schinder u. dergl. aus dem Deutschen in das Arabische gekommen zu seyn.

 

Quelle: Braunschweigisches Magazin Jg. 1804  S. 189-220


Einfügung:

Informationen zum Autor Anton August Heinrich Lichtenstein:

A. A. H. Lichtenstein wurde am 25.08.1753 in Helmstedt geboren und starb am 17.02.1816 ebenfalls in Helmstedt.

Er studierte in Helmstedt, Göttingen und Leipzig. Der Rat der Stadt Helmstedt erteilte ihm 1773 eine Lehrerlaubnis für orientalische Sprachen. Dabei unterstützte ihn der Theologe Heinrich Philipp Konrad Henke. 1775 ernannte man ihn zum Rektor der Helmstedter Stadtschule. Ab 1777 befand er sich auf der 1579 von Johannes Bugenhagen gegründeten Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg, dem ältesten Gymnasium Hamburgs, dessen Rektor er von 1782 bis 1799 war. Von 1794 bis 1796 war er Bibliothekar und von 1796 bis 1798 Direktor der Öffentlichen Bibliothek in Hamburg.
Am 17.12.1799 erfolgte die feierliche Einführung in St. Stephani in Helmstedt als Generalsuperintendent bis 1816 und Pastor primus bis 1803. Er war von 1799 bis zur Auflösung der Universität Helmstedt durch die französische Verwaltung 1810 Prof.Dr. phil. und Dr. theol. an beiden Fakultäten der Universität Helmstedt sowie 1804-1816 Abt zu Michaelstein.

Quellen der Information zum Autor:
http://www.weber-gesamtausgabe.de/en/A001167  sowie Wikipedia


Der Erforscher des Niederdeutschen Karl F. A. Scheller würdigt in seiner 1826 in Braunschweig erschienenen "Bücherkunde der Sassisch-Niederdeutschen Sprache, hauptsächlich nach den Schriftdenkmälern der Herzogl. Bibliothek zu Wolfenbüttel entworfen" das Werk von A. A. Heinrich Lichtenstein.

Im Stadtarchiv Braunschweig findet man unter Sammlungen -> Neuere Handschriften (16. - 20. Jh.) -> Niederdeutsche Sprache und Literatur (Bestand H VI 10) mehrere Arbeiten von Karl F. A. Scheller sowie ein von Theodor Reiche bearbeitetes Wörterbuch der ostfälischen Mundart.