Die Süpplingenburg

Die Süpplingenburg – ehemalige Wasserburg

 

Stammsitz Kaiser Lothars III.

 

Vermutlich im 10. Jahrhundert errichteten die Grafen von Haldensleben in der Schunterniederung eine erste Burg. Sie fiel durch Heirat an den Grafen Gebhard, den Vater Kaiser Lothars III. von Süpplingenburg (1075-1137). Das Grafengeschlecht nannte sich nach seinem Stammsitz und Herrschaftszentrum „Grafen von Süpplingenburg“.

 

Die romanische Stiftskirche St. Johannis ist das einzige erhaltene Bauwerk der ehemaligen bedeutsamen Süpplingenburg. Ihr Baubeginn liegt um 1130.

 

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Am Kreuzungspunkt aller Verkehrswege

 

Die Süpplingenburg war auf einer leichten Anhöhe, die weit in die sumpfige Schunterniederung hineinragt, errichtet wurden. Es war ein Platz, der einer Burg auf natürliche Weise einen idealen Schutz bot. Wenig östlich führte einer der ältesten Süd-Nord-Verkehrswege, der alte „Salzweg“ an der Burg vorbei. Im 11. Jahrhundert wurde auch die wichtige West-Ost-Fernhandelsstraße von Braunschweig nach Magdeburg mitten über das Burggelände gelegt.

 

Die Süpplingenburg lag somit an einem wichtigen Kontrollpunkt für die Infrastruktur.

 

 

Stift, Kommende, Domäne

 

Vermutlich in der Zeit nach seiner Königserhebung gründete Lothar III. um 1130 auf der Burg ein Kollegiatstift, d. h. eine Gemeinschaft mehrerer Kleriker unter der Leitung eines Propstes, und ließ die St. Johanniskirche als Stiftskirche errichten. Ende des 12. Jahrhunderts, vermutlich unter Heinrich dem Löwen wurde das Stift an den Templerorden übergeben, der hier seine erste Komturei in Norddeutschland einrichtete. Nach Aufhebung der Templer übertrug der Braunschweiger Herzog die Süpplingenburg an die Johanniter, die sie 1357 bis 1820 als Kommende innehatten.

1820 wurde sie herzogliche Domäne, ab 1965 privatisiert und aufgesiedelt.

 

 

Kernburg, Wassergraben und Vorwerk

 

Die Süpplingenburg war vermuilich seit der Stiftsgründung im 12. Jahrhundert eine Wasserburg. Die ca. 70 x 70 m große, quadratische Kernburg war von Außenmauer, Wassergraben und Wall umgehen. Nach Norden schloss sich das Vorwerk mit dem Wirtschaftshof an. Zwischen Kern- und Vorburg verlief der Fernweg von Hildesheim nach Magdeburg.

 

Auf der Kernburg waren im 14. Jahrhundert neben der Kirche ein Kreuzgang, eine Kemenate (heizbares Wohngebäude) und ein Mosshaus (Wohnhaus mit Speisesaal und Küche) zu finden.

 

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Vom 16. bis 19. Jahrhundert lehnten sich an die Umfassungsmauer Herrschafts-‚ Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude, überwiegend in Fachwerkbauweise. Ende des 19. Jahrhunderts wurden bis auf die Kirche alle Gebäude der Kernburg abgerissen und der Burggraben zugeschüttet.

 

 

Westwerk der St. Johanniskirche

 

Die ehemalige Stiftskirche St. Johannis besaß im 12. Jahrhundert ein repräsentatives Westwerk, das sie als herrschaftliches Bauwerk auswies. Es wurde bereits im Mittelalter wieder abgebrochen. Archäologische Untersuchungen durch K. Hecht in den Jahren 1966-1968 legten die Fundamente des einstigen Westbaus der Kirche frei. Diese waren in dem sumpfigen Baugelände mit Bedacht in Form zweier Fundamentplatten angelegt worden, die nochmals auf einer Pfahlgründung ruhten.

 

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Ein Rekonstruktionsversuch des Westwerks durch K. Hecht zeigt eine zweitürmige Anlage, die als Querriegel im Westen vorgelagert war. Im Inneren befand sich eine zum Kirchenschiff geöffnete Herrscherempore, in der der König und spätere Kaiser auf die ihm zustehende Weise am Gottesdienst teilnehmen konnte.

 

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Quelle: Informationstafel vor St. Johannes Süpplingenburg

 

 

 

 

Gottesdienst der Templer

Gottesdienst der Templer "Cantores Minores" musizieren

Süpplingenburg. Ein feierlicher Gottesdienst in der Templerkirche St. Johannis zu Süpplingenburg bildet den Höhepunkt eines nationalen Konvents, das der deutsche Tempelritterorden in der Region Helmstedt ausrichtet. Rund 70 Mitglieder des Ordens aus Deutschland sowie Gäste aus Dänemark werden zu diesem Treffen erwartet. Gastgeber ist die Komturei Süpplingenburg.

Der öffentliche Gottesdienst beginnt am Sonnabend, 13. Oktober, um 16 Uhr.

Musikalisch gestaltet wird der Festgottesdienst vom Chor- und Instrurnentalensemble „Cantores minores“ aus Emmerstedt unter der Leitung von Ordenskantor Joachim Wahl.

Der Gottesdienst wird von Ordenskaplan Jürgen Beuchel geleitet. lm Rahmen der Zeremonie werden neue Mitglieder aus Konstanz, Stuttgart, Hannover, Landshut und Lüdenscheid mit dem Schwert zu Rittern geschlagen und in den Orden aufgenommen.

Der nationale Konvent beginnt am Freitag um 18 Uhr mit einem Eröffnungsgottesdienst in Süpplingenburg.

Die Predigt wird Ordenskaplan Diedrich Franke, Oberkirchenrat a. D. von Sachsen-Anhalt, halten. Auch dabei sind Gäste eingeladen. Im Anschluss versammeln sich die Ritter und Damen im Kloster St. Ludgeri in Helmstedt.

Ausgangspunkt des Konvents ist Königslutter, wo die Ordensmitglieder neben verschiedenen Besprechungen auch das Museum Mechanischer Musikinstrumente besuchen werden. In der Kirche St. Marien richten lädt der Orden am Sonnabend um 8.30 Uhr zur Laudes ein und feiert am Sonntag um 11 Uhr die Abschlussmesse.

Der Orden geht auf die Traditionen der historischen Tempelritter zurück.

Die moderne Tempelritter-Organisation OSMTH zählt weltweit rund 6.000 Mitglieder und hat als Hilfsorganisation einen beraten den Status bei den Vereinten Nationen. Abgesandte des Ordens sind an den UNO-Standorten New York, Wien und Genf vertreten. Hauptsitz des Templerordens ist Jerusalem.

 

Veröffentlicht in: Helmstedter Sonntag, Nr. 40 vom 07.10.2012, Seite 17

 

 

 

 

Meiboms Bericht von 1616 über die Comthurey zur Süpplingenburg

Warhafftiger und gründlicher bericht vom anfang und stifftung der Comthurey zur Süpplingenburg / S. Iohannis Ordens / aus warhafftigen Historien und brieflichen urkunden zusammen gebracht /
durch
HENRICVM MEIBOMIVM, Prof. Helmstad. A. 1616.


Süpplingburg ist anfänglich gewesen ein gräflich Schloß und Sitz der alten Säschsischen Grafen zu Süpplingburg. Als aber daßelbige geschlecht zeitlich abgegangen / ist gemeldete Grafschafft gekommen an die Edlen Grafen von Haldersleben. Von alters her hat zu der Grafschafft Süpplingburg auch gehöret das Amt Lutter / neben seinen Dörfern und sonsten andern gütern / umher belegen. Das Süpplingburgische gräfliche Wapen ist gewesen ein schwarz Hirschgeweihe in weißem Felde.

 

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Das Süpplingburgische gräfliche Wappen



Der Halderslebische stamm hat sich getheilet in zwo linien / deren eine zu Haldersleben / die andere zu Lutter ihre Residenz gehabt. Die linie / so zu Haldersleben gewohnet / hat noch floriret bey Zeiten Hencici des Löwen / Hertzogen zu Sachsen und Bayern: und werden in der Stederburgischen



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Chronick angezogen Dietrich und Heinrich, gebrüdere / Grafen zu Haldersleben / welche
dem Kloster Stederburg etliche güter vorenthalten: welche güter durch hochermeldeten Herzogen Heinrichs / als des Klosters Stederburg weltlichen Vogts / unterhandlung / auf den todesfall grafen Dietrichs / so keine männliche erben gehabt / mit bewilligung seines brudern Graf Heinrichs / dem Kloster gerichtlich verschrieben worden. Von der andern linie / so zu Lutterhof gehalten / find ich nur Graf Bernharden /welcher einenSohn verlassen / so auch Bernhard geheißen / und der lezte seiner linie gewesen. Dieser / als ein gottseliger Herr / hat aus christlicher andacht zu beforderung seiner Voreltern und Freundschafft / wie auch seiner eigenen seelen seligkeit / vor dem gehölz / der Elm genannt / am wäßerlein / mit namen die Lutter / ein Kloster geistlicher Jungfrauen S. Benedicti Ordens erbauet / und daßelbige mit nothdürfftigen gütern / und jährlichen einkommen nach Vermögen begabet. Wann aber / und in welchem jahre dis geschehen / ist nicht aufgezeichnet: sonst ist die alte Kirche nebst einem Thurm daselbst noch vorhanden. Demnach aber gemeldete Klosterpersonen sich in leichtfertigkeit und ärgerliches wesen begeben / ihre ordensreguln wenig geachtet / und deswegen verhaßet waren / sind sie etliche jahre hernach aus ihrem Kloster von Kayser Luter oder Lothario als Landesfürsten vertrieben / und genTrübke am Harz ins Kloster verwiesen worden.




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53 Bericht.

Nach tödlichem abgang wolgemeldten Grafen Bernharden des jüngern / ist die grafschafft Süpplingburg gekommen an Herrn Conrad / Marckgrafen zu Brandenburg und Soltwedel / Grafen zu Plozke. Derselbige hat seiner tochter Fräulein Gertrud / nachdem sie Herrn Friedrich von Barnbach / Burggrafen zu Nürnberg / vermählet worden / sie zu einem heyrahtgut und brautschatz mitgegeben. Dieses Edlen Herrn Friedrich von Barnbach (welcher aus einem adelichen geschlechte im land zu Bayern entsproßen gewesen) einige tochter / Fräulein Hedwig / hat gefreyet Herrn Gebharden / dieses namens dem andern / Edlen Herrn zu Quernfurt: und ist derselbe durch diese Heyrath ein erbherr der Grafschafft zu Süpplingburg worden / wiewohl nicht ohne einrede und anfechtung anderer Sächsischen Herren / so auch an dieser Grafschafft zuspruch und gerechtigkeit haben wolten. Es ist aber endlich wolgedachten Herrn Gebharden ältestem Sohne / Herrn Luter / oder Lothario, so hernach Herzog zu Sachsen / und endlich Römischer Kaiser worden / von der damahls regierenden Kaiserlichen Majestät / Heinrich dem fünfften / durch ein rechtmäßiges Urtheil / die herrschafft zu erkannt worden: wobey es dann / wie billig / verblieben. Höchstgedachter Kayser Lotharius , gebohrner Edler Herr zu Quernfurt / Herzog zu Sachsen und Graf zu Süpplingburg / nachdem Er im heiligen Römischen Reich einen beständigen frieden gemacht / die benachbahrte Könige / als den

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in Pohlen und Dennemarck / wie auch den Herzog in Böhmen / neben andern Wendischen Fürsten / zum schuldigen gehorsam gebracht / hat endlich / sich resolvirt / die ungezähmten und leichtfertigen Nonnen aus dem Kloster Lutter zu verweisen / und dem Orden S. Benedicti die Klostergüter zu untergeben. Der erste Abt des ortes ist gewesen Herr Eberhard / der zuvor im Kloster Bergen vor Magdeburg aufrichtig und gottselig gelebet / auch die Regul seines Ordens fleißig und steiff gehalten. Diesen hat Kayser Lotharius neben 10 München von dannen gefordert / ins Kloster Lutter sie eingeführt / ihnen das Kloster mit allem fleiß anbefohlen / zugleich mit neuen ansehnlichen gütern und einkommen aufs stattlichste begifftiget und begabet. Dis ist geschehen im jahr unsers lieben Herrn Christi 1135. zwey jahr vor Ihro K. M. tode. Das Kloster Lutter ist / von wegen dieser veränderungen und neuen fundation, Königs-Lutter genennet worden: hat auch an gütern und Klosterpersonen dergestalt zugenommen / daß Abt Eberhard / noch bey seinem leben / 80. Chorherren beyeinander gehabt.


Fünff jahr zuvor / anno 1130, da ein grosser Reichstag zu Braunschweig gehalten worden / hat höchstgemeldter Kayser Lotharius, zu beforderung christlicher religion, aus gottseligem eifer sein liebes Erbschloß Süpplingburg in ein Gotteshauß verwandelt / und den Herrn der Orden vom



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55 Bericht.

heiligen Tempel zu Jerusalem / so dahero Tempel-Herren genennet worden / mit etlichen zugehörigen gütern an Dorfschafften / Holzungen / Mühlen / Wiesen / Weyden / Aecker / Zinsen / als der Landesfürst / gnädig eingeraumet und zugeeignet. Durch diese gelegenheit hat der neue Tempel-Orden in diesem Fürstenthum / an einem sehr luftigen / wohnsamen und wohlgelegenen orte / einen bequemen siz einbekommen: dazumahl waren I. K. M. im 55. jahre ihres alters. Den anfang des Tempel-Orden setzen die Historici ins jahr Christi 1110; wiewohl etliche 10 / etliche 20 jahr hernach den anfang machen wollen. Die Stifter werden genennet Hugo de Paganis und Godofredus de S. Aldemaro, beyde ritterlichen standes. Ihren namen haben die Ordens-Herrn bekommen von dem Tempel zu Jerusalem / welcher auf die stette / da der HErr Christus gekreuziget ist / über viel jahr hernach erbauet worden. Bey selbigem Tempel haben sie ihre wohnung gehabt / und liessen sich dazu gebrauchen / daß sie die pilgrame / so von fremden theils weit abgelegenen orten gen Jerusalem wallfahrteten / oder auf andere weise zu schiffe ankamen / aufnahmen / hin und wieder führeten / begleiteten / auch die stadt Jerusalem gegen die Saracenen / als feinde christlicher religion , ritter- und männlich schützeten und bewahreten. Sie bekannten sich zu der Regul der regulirten Chorherren S. Augustini, und hatten, neben dem Commendatore oder Comter ihre
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Praepositos, Cellarios, und Priester / so den Gottesdienst verrichteten. Ums jahr 1122 soll Pabst
Honorius II. diesen Orden confirmiret / und den Rittern eine formulam, wie sie leben / und sich verhalten sollen / vorgeschrieben haben. Ihr habit war ein weisser Mantel / zur anzeigung / daß sie in ihrem ehelosen leben keusch und unbefleckt sich verhalten sollen. Pabst Eugenius III. hat ihnen das rohte Creuz zu führen anbefohlen / sie zu erinnern / daß sie täg- und stündlich in bereitschafft sizen sollen / da es noth seyn würde / für die ehre und Kirche Gottes / auch ihre mitchristen / ihr blut ritterlich zu vergiessen. In kurzer Zeit haben sie wunderlicher weise / sonderlich aber in die vornehmste Königreiche der ganzen christenheit / sich vertheilet / und sind von andächtigen frommen leuten mit übermäßigen landgütern angesehen und begabet worden. Dannenhero sie groß gehalten gewesen / und in alle Fürstl. und Gräffl. höfe / allen politischen sachen beyzuwohnen / sich eingeflochten haben. Es ist aufgezeichnet / daß sie einmahl gehabt haben 9000. residenz-häuser oder size / deren iedes einen Ritter im H. Lande / zu desselbigen beschüzung / ohne einige die geringste beschwehrung halten / und denselben mit allerley nohtdurfft gebührlich versorgen kunte. Alhie im lande zu Braunschweig haben sie folgende örter und häuser eingehabt / als Süpplingburg / Iünde / Göttingen / Braunschweig / Moringen / Bezenissen / Immundshausen / Witwater / Lutter / Rethem / Heinde / Bahren /



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57 Bericht

Weddi / Lohra und vielleicht viel andere / so mir unbewust. Dieser Orden hat ohngefehr 200. jahr floriret; aber als die Ritter oder Tempel-Herren von ihrer Vorfahren tugend / mannheit / ernst / ehrbarkeit / treu und glauben / und in summa von ihres Ordens gebrauch und verordneten statuten allzusehr abgeschlagen / haben die Potentaten der christenheit darauf bedacht seyn müssen / wie man dieser ungerahtenen müßiggänger ohne grossen aufstand und blutvergiessen los werden möchte. Pabst Clemens V. und Philippus, mit dem zunamen der Schöne / König in Franckreich / haben dieses handels einen anfang gemacht / sich dessen vereiniget / und mit wunderbahrer list ihre anschläge wider die Tempel-Herren getrieben / daß die sache (welches billig zu verwundern) in geheim gehalten worden biß auf den 22.ten tag des Merzens / an welchem die Tempel-Herren insgemein und zu- gleich auf einen bestimmten glockenschlag jämmerlicher weise hingerichtet worden. Also hat man in Franckreich mit diesem Orden haußgehalten / und ist solches geschehen im iahr Christi 1311 / da gleich der Pabst zu Clermont ein allgemein Concilium gehalten. In Teutschland / unangesehen daß sie wenig gunst mehr hatten / ist man so streng mit ihnen nicht umgesprungen; denn / nachdem sie sich über den Pabst zum höchsten beschwehret / und ihre unschuld zu beweisen sich anerbothen / sind sie /nach beschehener verhör / und gnugsamer aller sachen erkundigung / mit dem leben begnadet worden.



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58 H. MEIBOMII

Allein den alten hergebrachten namen / wie auch die Regul und gebräuche ihres Ordens haben sie gänzlich ablegen und verschweren müssen / damit also die ungerahtene zucht hinfort zu ewigen zeiten aus der menschen gedächtniß ausgetilget wäre / und bliebe. Des Ordens Güter sind in Welschland vom Pabst / in Franckreich vom König Philippo eingezogen /confisciret und zu Cammer-gütern gemacht worden; die teutsche Fürsten aber haben in ihren gebieten die erledigten güter theils den Klöstern zugewandt / und den meisten theil haben andere Ritter / zuvorderst der Orden S. Iohannis, oder Brüder des Hospitals zu Jerusalen / an sich gebracht. Dazumahl war Kayser Heinrich der VII, gebohrner Graf zu Lüzelburg. Es lässet sich ansehen / als wenn in Teutschland die abschaffung des Tempel-Ordens nicht auf eine zeit und zugleich in einem iahre geschehen sey: denn die historien melden / daß im Erz-Stifft Magdeburg dieser handel im 1318ten jahre getrieben sey: im land zu Braunschweig ist das spiel etwas später angangen. Man hat den Tempel-Herren schuld gegeben / daß sie greuliche und abscheuliche abgötterey / sünde und laster begangen und getrieben / in dem / daß sie steinerne und hölzeme bilder mit einer menschenhaut überzogen / denselben lebendige menschen zu ehren / gleich als ein opffer / verbrennet; daneben mit den feinden christlicher religion verbündniß und verstand gemacht / alles zu unterdrückung göttlicher ehre / und ganzen christenthums.


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59 Bericht.

Ferner wird auch angezogen ihre unleidliche hoffart / troziger übermuth / unflätige heydnische unzucht / und ungezähmter muhtwille.


Man hält aber davor / daß es ein gedichte sey: wie denn auch viele Scribenten disfals den Orden zum höchsten entschuldigen / was man von der abgötterey und veränderung der religion zumahl scheinlich vorgibt: denn damit hat man zweiffelsfrey bey dem gemeinen mann diese unthat beschönen wollen / daß man auf eine zeit so viel rittermäßige personen / ohne unterscheid / samt und sonders / jämmer- und erbärmlicher weise hinrichten und aufräumen lassen. Unglaublich ist es nicht / daß die vornehmste ursach dieser vertilgung gewesen sey / daß die Tempel-Herren allzugrosse macht und reichthum überkommen. Derowegen auch die hohen häupter der christenheit sich für ihnen / wegen allerley practiquen und gefährlicher anschläge / besorgen müssen / und dahero sie ferner nicht leiden können / oder wollen. Was dabei gemeldet wird von ihrer unzucht und unfläterey / kan etwas untergelauffen seyn; sintemahl bey solchem mächtigen überfluß zeitlicher güter und stetigem fraß und lediggang / da man Gottes und dessen ehre vergisset / und den bauch zum abgott machet / pflegen solche früchte nicht auszubleiben; wie dann bey andern Orden ein ebenmäßiges gespüret und gefunden worden. Wie es nun allenthalben in Teutschland mit den Tempel-Herren



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60 H. MEIBOMII

also und dergestalt zugegangen / ist auch bey der Comthurey Süpplingburg gleichfals änderung vorgefalIen. Daselbst war um diese zeit Commendator (welches wort so viel bedeutet / als einen Befehliger / dem ein Residenz-hauß des Ordens anbefohlen und eingethan ist:) Herr Otto / gebohrner Herzog zu Braunschweig und Lüneb. Herzog Abrechten des Grossen sohn / und Albrechten des Feisten leiblicher bruder. Dieser Fürst hatte zu einem Coadiutor und Successor erwehlet Herrn Herman von Wiere / adeliches geschlechts / und Meistern zu Süpplingburg / wie er sich selbst nennet in einem brieffe unterm dato 1297, in welchem er sich mit Herrn Arnoldo Priorn, und Herrn Siegfrieden Probsten S. Lüdgeri vor Helmstedt / wegen 6. hufen landes zu Rolstedt belegen / freundlich vergleichen thut. Demnach aber obgemeldter Hermann von Wiere diese welt gesegnet / ist höchstgedachter Herzog Otto albereit zu Süpplingburg beym Regiment gewesen / und haben folgendes iahres die Tempel-Herren zu Süpplingburg dem Edlen Herrn zu Warberg eine hufe landes zu Radepe oder Rebke belegen geschencket und übergeben. Hochgemeldtes Herzogen Otten gewöhnlicher titul ist gewesen: Otto Dei gratia Frater Domus militiae templi Hierosolymitani & Commendator in Supplinburg, das ist: Otto von G. gn. Bruder des Ordens vom Tempel zu Jerusalem / Comter zu Süpplingburg.



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61 Bericht

Wie diese unverhoffte und schleunige veränderung mit dem bis dahero hochgehaltenen Orden dermassen / wie erwehnet worden / sich begeben / sind die anwesende Herren zu Süpplingburg / nemlich der Herr Comter Herzog Otto zu Braunschw. Herr Luthard von Wenden / Herr Burchard von Ovesfelde / Herr Bartram von Sampleben / und Herr Borhart von Saustett / alle wohl verdiente und versuchte Ritter / auf ernstlichen befehl Herrn Albrechten / Bischoffen zu Halberstadt / als Dioecesani / unter welches Sprengel und geistlicher Iurisdiction das Gotteshauß Süpplingburg belegen / wie dann auch zugleich durch zwang des Landes-Fürsten / als executom der päpstl. Bullen / exauctoriret und entsetzet worden / haben ihren weissen Ordens-habit, den weissen Mantel mit dem rothen Creuz abgeleget / ihren namen / Regul / und was dem anhängig verschworen / des Stiffts güter und einkommen dem Landes-Fürsten / bis auf weitere anordnung / durch darreichung siegel und brieffe / und übergebung der schlüssel / unverzüglich eingeantwortet / und sind in aller traurigkeit / wie leicht zu gedencken / von dem hause abgezogen. Herzog Otto / der gewesene Comter hat sich gen Braunschweig begeben / und so viel erhalten / daß die alte Capelle im Tempelhof / auf dem Pollwege belegen / unbeschädigt geblieben: an welchem ort dieser Fürst seinen sitz gehabt / und von den dazu gehörigen und sonst S. F. G. zugeordneten renten und einkommen /



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so gut er gekont / sich beholffen. S. F. G. Ist noch im leben gewesen anno 1345. da wird derselbigen gedacht in einem brieffe Herrn Ernst und Herrn Magni, beyder Herzogen zu Braunschw. und Lüneburg / Gebrüdern / welche ihr väterlich erbe / das land zu Braunschw. damahls unter sich getheilet haben. In selbigem vertrags-brieffe wird erwehnet / daß hochgedachter Herzog Otto den Tempelhof / so lange S. F. Gnad. leben würden / behalten / aber nach Derselbigen tödlichen hintritt / an die beyde hochgemeldte I. F. G. Herren Vettern / Herzog Ernst und Herzog Magnum, und derselbigen Erben / wiederum verfallen solte. Nicht lange nach abzug der Tempel-Herren ist das hauß Süpplingburg den Ordens-Herren S. Iohannis des täuffers / welche man hernach Rhodiser / und zu unserer zeit Maltheser genennet / eingeräumet worden. Dieser Orden hatte albereit ein hauß oder hof in Braunschweig / vor der langen brücken an der Ocker belegen / welches anfänglich von andächtigen frommen leuten gestifftet / aber von Herrn Heinrich / Herzogen zu Sachsen und Pfalzgraffen bey Rhein / Heinrich des Löwen sohn / und Kayser Otten des IVten leiblichen bruder / als einem Erbherrn der Stadt Braunschweig / bestätiget worden im iahr Christi 1224. Es ist aber gemeldeter Orden S. Iohannis des täuffers oder Rhodiser Herren / unter alten Gottes-Rittern der erste und älteste; hat angefangen vorm iahr Christi 1100, bey Zeiten der Fränckischen Kayser Henrici IV.



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63 Bericht

oder V. Das iahr der Stifftung kan man nicht eigentlich wissen / dieweil die Historici der sachen nicht einig. Die Mutter Gottes Maria / neben S. Iohannes, ist ihr Patron; haben aber von S. Iohannes den namen behalten. Sie bekennen sich auch zur Regul des h. Augustini; haben in wenig iahren grosse güter an sich gebracht / absonderlich / nach dem schrecklichen untergang der Tempel-Herren. Wie sie aus Syrien / darin dieser Orden erstlich den anfang genommen / von den ungläubigen Saracenen vertrieben worden / haben sie die gewaltige und reiche Insul Rhodus eingenommen / daher man sie die Rhodiser Herren genennet. Dis ist geschehen im iahr Christi 1309 / drey iahr vor der Tempel-Herren untergang. Aus Rhodus sind sie vom erbfeinde christliches namens / dem Türcken / nach dem sie vergebens bey dem H. R. Reiche und andern Potentaten der christen um hülffe und beystand flehentlich angehalten / sich aber männlich gewehret / vertrieben worden / im iahr 1522 gerade am h. Christtage / nach dem sie ganzer 212 iahr diese berühmte herrliche Insul eingehabt hatten / auch zu vielen mahlen dieselbe wider ihre feinde ritterlich und männlich vertheidiget. Es hat ihnen aber endlich Kayser Carl der Vte anno 1529 die Insul Maltha auf gewisse masse und condition eingethan / welche sie bis anhero besessen / und im iahe 1565 gegen des großmüthigen feindes und tyrannen Solymanni, des türckischen Kaysers / grausames wüten



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und toben / erhalten und geschüzet haben. Der erst Comter zu Süpplingburg ist gewesen Herr Gebhard von Bordfeld. Seiner wird gedacht in einem brieffe anno 1328, und er hat noch gelebet im iahr 1339. Demselben ist in der Regierung nachgefolget Herr Herman von Warberg / hohes adels und herrliches ansehens / von person gerade und wohlgestalt / auch mit allen tugenden reichlich begabet. Sein vater war Herr Herman / Edler Herr von Warberg / die mutter aber eine gebohrne Gräfin von Werningeroda. Dieser tapffere held / nach dem er zum amte kommen / hat wohl hauß gehalten / des Stiffts güter und einkommen mächtig sehr erhöhet und verbessert / die Kirchengebäude erneuert / und den sitz nach seines Ordens manier und gewohnheit eingerichtet. Ist zu einem ansehnlichen alter gekommen / und als er im iahr Christi 1371 mit tode verblichen / in seines Gotteshauses Kirchen / mitten auf dem Chor / unter einem ausgehauenen gradstein / auf welchem folgendes Epitaphium zu finden / ehrlich und statlich begraben worden:

MCCC trimatus, numerusque per L situatus
Post XX duplatus subit I pariter situatus
Progenie natus Warberg moriens tumulatus
Hermannus satus, pollens sine felle reatus
Nobilis & gratus redolens



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65 Bericht.

In diesem lezten vers mangeln wenig wörter / welche der Steinmez / wegen enge des Steins unbesonnen ausgelassen. Sonst wird darinnen Herrn Hermann dem Comter ein gutes gezeugnis seines herkommens und verhaltens mitgetheilet. Dieser löbliche Herr wird angezogen / als ein Zeuge in einem brieffe Herrn Magni, Herzogen zu Braunschweig und Lüneburg / in welchem S. F . G. dem Raht zu Braunschweig die Münze daselbst auf 3. iahr versezt / unterm dato 1360. Sein titul ist: Herr Hermann von Warberg / der hohe Meister des Ordens S. Iohannis. In einem andern brieffe sub dato 1367. wird er genennet Meister des Ordens S. Iohannis in Sachsen / Wendland / Pommern und Marck. Damahls war er neben seinem Vettern / Herrn Hermann / Thumprobsten des hohen Stiffts zu Magdeburg / vier junger Herren zu Warberg Vormund / welchen ihren Mündlingen diese beyde geistl. Herren von Heinrichen / Ludolphen und Baldewin / Herren Ludolphs von Wenden söhnen / vier Hufen Landen zu Redepe / und vier zu Detmerode belegen / mit 60. m. löhtigen silbers zum besten erkauffe haben. Sonst habe ich noch 2. alte brieffe gesehen / einen / so im iahr 1368 / den andern im iahr 1370. datiret / in welcher ersten er Hermann / Meister im S. Iohannis Orden genennet wird. Diesem Herrn von Warberg ist im regiment zu Süpplingburg nachgefolget Herr Albrecht / Edler Herr zu Warberg / dessen namen ich in einem brief unterm dato 1373. gefunden; kan



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aber nicht wissen / wie lange dieser Herr Comter gewesen sey / noch wer auf ihn gefolget; aber im iahr 1440. hat der Herr Curd von Rheden die Comterey zur Süpplingburg eingehabt. Bey zeiten Herrn Albrechts / Edlen Herrn zu Warberg und Comtur zu Süpplingburg / ist die Kirche zu Süpplingburg nebst 2. Capellen ganz und gar eingefallen. Damit nun die dieselbige wiederum erbauet werden möchte / hat der Bischoff zu Halberstadt Albrecht / eines ackermans Sohn von Rickmesdorff / allen frommen christen / so sich zu diesem gebäu mild und freygebig erzeigen würden / etliche iahr Ablaß verheissen. Es ist auch dis Gotteshauß in Kriegesläufften etliche mahl sehr beschädiget worden: erstlich anno 1300, als das ganze dorff Süpplingenburg von feinden jämmerlich verbrannt / und in asche geleget worden; im iahr 1432. in währenden kriege zwischen Herzog Wilhelm zu Braunschweig / ist das Städtlein Lutter neben dem Schloß angesteckt und zu grunde verbrandt / und hat man zu Süpplingburg ebener massen haußgehalten; zwanzig iahr hernach ist in der Kirche zu Süpplingburg / am tage Iacobi unter der Messe / Herr Hartwig von Utzem von einem vom Adel / des geschlechts der von Sarnpleden / erstochen worden: darüber man den Gotlesdienst daselbst geleget / und interdict gehalten / biß die sache verglichen / und die Kirche aufs neue geweihet worden. Dis und mehr nicht habe ich von diesem alten und löblichen Stifft und Gotteshause finden



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67 Bericht

können / ausserhalb der namen etlicher folgender Herren Commendatoren. Und ist hieraus zu mercken / daß die Comturey zu Süpplingburg / welche von einem Röm. Kayser / als damahligen dieser orten Erbherrn und Landesfürsten / ihren rühmlichen anfang gehabt / auch von Fürstl. Und Herren-Standes personen verwaltet worden / dabey zwar grosse und gefährliche veränderung gelitten und ausgestanden / sich aber mit Gottes des allmächtigen gnädiger hülffe wiederum erholet / und bis auf dis ietzige 1615. jahr in gutem wolstande geblieben / und also 485. iahr überbracht habe: wofür dem frommen GOtt zu dancken / sonderlich weil nunmehr in diesen leztern zeiten und ende der welt / durch des allmächtigen Vaters unaussprechliche güte und barmherzigkeit / auch beforderung des getreuen löblichen Landesfürsten / dieser alte Sitz und Comturey zu einem rechten Gotteshause / darinn Gotteswort lauter und rein geprediget / und die h. Sacramenta nach Christi ordnung administriret werden / gewidmet worden. Der liebe fromme GOtt wolle diesem orte / und seiner christlichen Kirche / so er ihm daselbst sammlet / neben der adelichen Obrigkeit / in ihrer wohlverantwortlichen haußhaltung gnädig seyn / und uns samt und sonders / nach verübeter in diesem leben christlichen Ritterschafft / in seinem ewigen Reich die unverwelckliche Crone der ehren aufsezen / um seines lieben Sohnes JEsu Christi willen / Amen.



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Verzeichnis etlicher Herren Comtern / so nach abschaffung des Tempel-Ordens / zu Süpplingburg haußgehalten.

1. Gebhard von Bordfeld / hat gelebet Anno 1328.
2. Hermann / Edler Herr zu Warberg / ist gestorben 1371.
3. Albrecht, Edler Herr zu Warberg / Anno 1373.

(Alhier wird ein / oder mehr Herren Comtern mangeln.)

4. Curd von Rheden / A. 1414. bis 1446.
5. Otrave von Bordfeld A. 1464 - 1475.
6. Mancke oder Meincke von der Schulenburg / vixit A. 1480 und 1505.
7. Friedrich von der Schulenburg / Werner des älteren Sohn / A. 1515-1520.
8. Matthies Dirick A. 1535 – 1543.



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9. Christoph von Bredau / gestorben A. 1577.

(Nach dessen Tode hat Herr Iulius H. zu B. u. L. die Comturey zu Süpplingburg einnehmen lassen)

10. Christoph Edler Herr zu Warberg / Herrn Antonii des ältern Sohn.
11. Antonius der Jüngere / Edler Herr zu Warberg / hat die Comturey eine zeitlang inne gehabt / aber wiederum abtretten müssen.
12. Nicolaus von Colwerdt / Freyherr auf Petersburg und Rabenstein / starb A. 1596. Dieser ist der erste alhier gewesen / so sich verehelichet.
13. Philipp Friedrich von Wiedensee.

Für jezo besitzet diese Commenturey
Der Durchleucht. Fürst und Herr /
Herr LUDWIG RUDOLPH /
Herzog zu Braunschweig und Lüneburg



Veröffentlicht in:

Johannis Letzneri (Seiten 51 - 69)
"Kurze und bißhero nicht in Druck gegeben Beschreibung Des im Wolffenbüttelschen Herzogthum gelegenen Kayserl. Stifftes Königs-Lutter.
Mit nöthigen Anmerckungen: Worinnen Letzneri und anderer Scribenten Fehler entdecket / und der alte und neue Zustand des besagten Stifftes gründlich vorgetragen und vorgestellet wird.
Samt HENR. MEIBOMII Bericht von der Comthurey zu Süpplingburg"
Wolfenbüttel / Bey Gottfried Freytag / Buchführern. A.C. MDCCXV



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Hinweis: Die eingefügten Fotos wurden 2012 und 2015 aufgenommen und sind im Druck nicht enthalten


Weitere Informationen über Süpplingenburg sind der Süpplingburger Dorfchronik zu entnehmen.

Sie wurde von Manfred Weber erstellt und 2002 von der Gemeinde Süpplingenburg herausgegeben (ISBN 3-83-11-4513-X).