Gräfin Adelheid und die Stiftung des Klosters Walkenried

Von dem Jahre 1132.

 

87) Der König Lothar bestätiget das von Adelheid *) zu

 

*) Ueber die Stiftung des Klosters zu Walkenried macht uns ein ohne Jahreszahl vorhandener historischer Aufsatz der in Eckstorm l. l. pag. 11., Leukfeld l. l. Th. II. p. 6. und am richtigsten in Jovii Schwarzb. Hist. bei Schöttgen und Kreysig S. R. G. Tom. I. p. 143. befindlich, und von den Mönchen des Klosters Huisburg niedergeschrieben worden ist, folgende Umstände bekannt: „Als nämlich der Graf Volcmar von Klettenberg mit Zustimmung seiner Gemahlin Adelheid, einer Tochter Ludwigs von Lohra, und seines Sohnes Ludwig, in Gegenwart des Bischofs Reinhard zu Halberstadt, des Abts Alfried zu Huisburg und dessen Klosterconvents, auch mehrerer weltlicher Personen, des späterhin Mönch gewordenen Wichmanns, Heinrichs von Berg, Eckhardts von Wigleben, Hanzelin und Alberts von Burclingen in Thüringen, Ditterichs von Gaswarpe, sich in das Kloster zu Huisburg begeben und diesem seine Besitzungen, mit Vorbehalt deren Benutzung für seine Gemahlin auf Lebenszeit derselben, zugewendet hätte, so habe sich die Letztere einige Zeit darauf entschlossen, in dem unter die von ihrem Gemahl verschenkten Güter mitbefindlichen Dorfe Walkenried ein Kloster zu erbauen und dem Abt Alfried diesen Wunsch zu genehmigen gebeten.

 

 

Einfügung: Kaiser Lothar III. mit Gemahlin Richenza

 

 

Dieser aber hierzu gänzlich abgeneigt, hätte sich der Gewährung des Gesuchs geweigert und die Gräfin dadurch veranlasst dass sie dem König Lothar und dessen Gemahlin ihren Vorsatz vorgetragen, durch deren Vermittlung aber den Abt zu einem Tausch bewogen, nach welchem dieser unter Genehmigung des Halberstädt. Stiftsvoigts, des Pfalzgrafens Friedrich, der Gräfin die Dörfer Walkenried, Immenrot, Suaversdorp abgetreten, und dafür andere Besitzungen erhalten hätte, worauf das Tauschgeschäft selbst zu Goslar in Anwesenheit des Königs Lothar und dessen Gemahlin vollzogen worden sey. Adelheid habe sich dann aus dem Cisterzienser Kloster zu Campen Altfeld einige Mönche erbeten, und mit selbigen das Kloster Walkenried besetzt.“ Der Umstand, dass Adelheid nach der Anordnung ihres Gemahl die Benutzung der dem Kloster Huisburg verehrten beträchtlichen Güter hatte, bewog vermuthlich den Abt, in die Gräfin zu dringen, sich dieses Vorbehalts zu begeben und die Besitzungen noch bei ihrem Leben dem Kloster abzutreten, bestärkte aber, weil sie diesen Antrag zurückwies, nur noch mehr den vielleicht längst gefassten Beschluss der Gräfin, in Walkenried ein Kloster stiften zu wollen. Die Einkleidung Volkmars in das Kloster Huisburg muss zwischen 1118 bis 1124 geschehen seyn, weil diese in Gegenwart des Grafens sodann aber Mönch gewordenen Wichmanns, und des nach dem Annalista. Saxo p. 286. i. J. 1124 gestorbenen Bischofs Reinhard zu Halberstadt geschehen ist, der historische Aufsatz selbst aber kann jedoch vor dem Jahre 1127 nicht niedergeschrieben worden seyn, weil am Schluss desselben des Abts Heinrichs zu Fulde erwähnt wird, der von 1127 bis 1132 der dasigen Abtey vorgestanden hat. Vermuthlich ist diese Notiz i. J. 1127 aufgesetzt worden und auch Adelung in dem Directorio der Sächs. Gesch. hat solcher bey diesem Jahre erwähnt.

 

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Walkenrit 297) gestiftete Kloster Benedictiner *) Ordens, eignet demselben auf Bitten seiner Gemahlin Richinza und mit Genehmigung der Thüring. und Sächs. Fürsten, das Wildbannsrecht in dasiger Gegend zu, bezeichnet dessen Grenzen durch die Ortschaften Immenrode 298), Sassenburgk 299), durch die Gebirge Moseberg 300), Eichenberg 301) und das Dorf Rathersrode 302) und setzt auf die Vernichtung dieser Schenkung 100 Mark Goldes als Strafe, halb der königlichen Kammer und halb dem Kloster Aerario zahlbar, fest. Zeugen sind gewesen der Bischof Meingot zu Merseburg, der Landgraf Ludwig, der Markgraf Conrad, die Grafen Herrmann, Christian von Rotenburgk **), Lambert, Witichind, Ludolph, Bernhard, Friedrich, Immo, Ido, Heinrich. Act. anno iuc. dom. 1132. anno regni Lotharii 7. Ind. X. Dat. Mulehusen.

 

Eckstormii Chron. Walkenr. p. 39.

Leukfeld antiq. Walkenried. Lib. I. pag. 355.

Lünig Spicil. Eccl. Tom. III. p. 842.

Reehtmeier Braunschw. Hist. p. 291.

 

 

297) Das Dorf Walkenried liegt in Obersachsen, gehört zum Herzogthum Braunschweig und enthält jetzt einen besonderen Amtsbezirk.

*) Dass in der Urkunde des Benedictiner Ordens gedacht werden, da doch gleichwohl in Walkenried der Cisterzienser Orden eingeführt war, macht die Aechtheit des Documents nicht verdächtig, weil beide Orden mit einander genau verbunden waren und letzterer die Reform des ersteren enthielt.

298) Das Dorf Immenrode hat in der Nähe von Walkenried gelegen, ist aber jetzt Wüstung. Leukfeld l. l. Lib. I. p. 384

299) Das jetzige Dorf Sachsenstein i. A. Walkenried, sonst Sachsenberg genannt.

300) Ein Berg, daher das Moseberger Thal zwischen Sachsenstein und Wieda i. A. Walkenried.

301) Ein Berg.

302) Das Dorf Ratherode unweit Herreden in der Grafschaft Klettenberg, ist jetzt wüste. Leukfeld l. l. p. 416.

**) Dieser Christian war der erste Graf von Rotenburg. Müldner Nachr. von den Bergschlössern p. 110

 

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Quelle:

Ludwig August Schultes: Directorium Diplomaticum oder chronologisch geordnete Auszüge von sämmtlichen über die Geschichte Obersachsens vorhandenen Urkunden, Ersten Bandes I. Heft, bis zur Regierung des Kaisers Otto I. Altenburg, bei Christian Hahn 1820. S. 300 bis 301

 

 

 

 

Karl Steinacker 1913: Kloster und Klosterkirche zu Walkenried

VI. Jahrgang. Heft 2. Februar 1913.

 

Betrachtungen über die angebliche Verlegung Kloster Walkenrieds, sowie über die Entstehung und den Verfall seiner Kirche.

Von K. Steinacker.

 

Die Gründung der „abbatia de Walkenried in Turingia diöc. Maguntinensis Mor. neptis et filia Campensis“ geschah im Jahre 1127, der Einzug der aus Altenkampen ein herbeigerufenen Mönche im Jahre 1129. So berichten die amtlichen und völlig zuverlässigen Ordensregister der Zisterzienser (Winter: Die Zisterzienser des nordöstl. Deutschlands I. S. 321), deren Orden das Kloster als eine ihrer erfolgreichsten Unternehmungen angehörte. Das Walkenrieder Urkundenbuch (herausgegeben von Hettling 1852) erzählt des weiteren (unter Nr. 1) in einem zu Huyseburg um 1131 verfaßten Bericht über wichtige Einzelheiten der Gründung. Danach hatte Adelheid, die Gattin eines ins Huysburger Benedikinerkloster eingetretenen vornehmen Mannes namens Volkmar, den Plan, die ihr von den der Huyseburg verschriebenen Gütern ihres Gemahls zustehende Leibrente abzulösen und mit dem ihr auf solche Weise frei zur Verfügung kommenden Vermögen ein Kloster zu gründen.

 

 

 

 

 

Abb. 1. Kirchenruine des Klosters Walkenried von N.W.

 

 

Als Ort diesen Klosters hatte sie Walkenried ausersehen, das zu den der Huyseburger Kirche übergebenen Gütern ihres Gatten gehörte. Es ist daher schon uns diesem Grunde, eher auch aus den Beziehungen ihres Gatten begreiflich, daß Adelheid hinsichtlich der Besetzung zunächst nur an Benediktiner dachte. Der Bericht (im Original lateinisch) erzählt nun aber weiter: „Jedoch der Herr Abt lehnte ab und erklärte

Zeitschrift für Geschichte der Architektur. Vl. 4

 

 

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auf reiflich überlegte Gründe hin, wonach die Sache mehr schaden als nützenn könnte, daß er sich unter keinen Umständen auf das Unternehmen einlassen würde. Jene blieb nichtsdestoweniger bei dem leidenschaftlichen Wunsche, ihre schwärmerische Absicht auszuführen, und zog, woher sie nur konnte, gewisse Leute herbei von mönchischer Lebensweise, die sie für geeignet hielt. Damit diese im erwähnten Orte, nämlich Walkenried, Gott in freier Knechtschaft dienen konnten, suchte sie ihn mit den beiden Gütern Immenroth und Suaversthorp gegen entsprechende Entschädigung aus dem Rechtsverhältnisse mit unserem Kloster (der Huyseburg) zu lösen.“ Dies geschah mehr oder weniger mittelst ihrer Leibrente. Bei dem dafür nötigen notariellen Akte waren zugegen der Kaiser Lothar noch als Herzog von Sachsen — es muß also vor 1125 gewesen sein — und der Bischof (Otto von Halberstadt, der seit 1123 amtierte. Es fand demnach diese Lostrennung Walkenrieds aus den um 1118 von Volkmar der Huyseburg übergebenen Gütern zwischen 1123 und 1125 statt, und die damals von Adelheid zur Klostergründung in Aussicht genommenen Mönche müssen bereits Zisterzienser gewesen sein. Dies ist auch aus der verächtlichen Art zu schließen, womit der oben angeführte Huyseburger Bericht sie erwähnt als „quosdam monastice institucionis viros“, Leute von mönchischer Lebensweise. So verächtlich konnte ein Benediktiner der hergebrachten laxen Observanz damals nur von den neuen Zisterziensern sprechen, die als reformierte Benediktiner und als Brotkonkurrenten zu den alten Klöstern in scharfem Gegensatze standen und als Neulinge von diesen über die Achsel angesehen wurden. Dem widerspricht nur scheinbar eine Bestätigungsurkunde Kaiser Lothars vom Jahre 1132, wo er erklärt, Adelheid habe dort „regulam sancti Benedicti“ eingeführt. Dies war eine damals durchaus berechtigte Bezeichnung, da die Zisterzienser ja in ihrer Regel den Orden Benedikts in alter Einfachheit hatten wiederherstellen wollen, und die daher zweifellos im Jahre 1132, erst 13 Jahre nach der Schöpfung der carta caritatis, der offiziellen Organisationsakte des neuen Ordens, mit ihrem späteren Namen noch nicht durchweg vom älteren Benediktinerorden unterschieden wurden. Noch Papst Innozenz III spricht 1205 (Walk. Ukb. S. 47) vom „ordo monasticus, qui secundum Deum et beati Benedicti regulam atque institutionem Cisterciensium fratrum“ in Wa. eingeführt habe.

 

Auf diese Verhältnisse war hier aus dem Grunde im einzelnen einzugehen, weil sie auf die erste Baugeschichte wertvolles Licht werfen. Sie verbieten es nämlich, in Walkenried, wie aus anderen, rein baulichen Gründen sich folgern ließ (Hans Pfeifer in den Vereinsnachrichten vom Architekten- und Ingenieurverein für das Herzogtum Braunschweig, 1900/01) an eine Benediktinerniederlassung oder auch nur an irgend welche Bauten klösterlich-kirchlichen Charakters durch die Huyseburger vor der Zisterziensergründung zu denken. Auch die chronikalische Überlieferung malt diese zugrunde liegenden Tatsachen nur aus, ohne wesentlich Neues hinzuzufügen. Aber noch eine andere Überlieferung ist zu beachten, bevor man die Monumente selbst reden Iäßt. Eckstorms, des Walkenrieder Priors Chronik (Helmstedt 1617, S. 65) und nach ihm alle anderen behauptet; es habe die erste Ansiedelung der Mönche nicht an der jetzigen Stelle gelegen, sondern an einer anderen namens Alt-Walkenried, zwei bis drei Büchsenschüsse nördlich vom jetzigen Kloster am anderen Ufer der Wieda, wo die Ruinen im Walde noch zu sehen seien. Er erwähnt dann noch (S. 300) eine Inschrift im Kreuzgange, wonach die Verlegung um das Jahr 1200 geschehen sei. Nach Eckstorms sonstigen Angaben (S. 65, 83) wäre der Neubau (Abb. 1) etwa 80 Jahre vor seiner Schlußweihe, das heißt. nach E.'s Weihedatum 1294,

 

 

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um das Jahr 1215 begonnen, und damit stimmt, daß E. erst unter dem 1216-11223 mtierenden Abt Friedrich vom Neubau näher spricht. Leuckfeld setzt in seiner 1705 erschienenen Chronik den Baubeginn ins Jahr 1207, jedoch ohne weiteren Nachweis. - Die Urkunden aber schweigen völlig über einen solchen Ortswechsel. Allerdings wird einmal, und zwar schon im Jahr 1205, vom Papst ein Wirtschaftshof Alt-Walkenried erwähnt, die „grangia vetus Walkenrede“, und zwar als Zubehör des Klosters gleich nach der eine längere Güteraufzählung einleitenden Nennung der Klosterstelle selbst als: „locum ipsum, in quo praefatum monasterium est“. Aber dies reicht aus, um die alte Fabel einer Klosterverlegung gelegentlich des Neubaues der Kirche zu zerstören. Denn diese Urkunde von 1205 setzt die Existenz des Klosters neben Alt-Walkenried als hergebracht voraus und ebenso die des Wirtschaftshofes Alt-Walkenried. Auch hätte man 1205 höchstens in den Vorbereitungen für den Neubau gewesen sein können, und bei diesem wieder mußte die Kirche dem Kloster vorgehen , dieses also wäre erst Jahrzehnte später bezogen worden. Man sieht, Chronik und Urkunde widersprechen sich, und die Magere Chronikalische Verlegungsangabe ist nichts als eine verworrene Erinnerung an jenen Hof Alt-Walkenried. Nun wird freilich in der neueren Literatur in der von Eckstorm erwähnten Richtung eine bestimmte Stelle als die des ersten Klosters gedeutet. Aber daß diese heutzutage angeblich „Altes Kloster“ genannt wird, muß ich bezweifeln; mir wurde die Stelle nur als „altes Gericht“ gewiesen.

 

 

 

 

Abb. 2. Wölbungsschema des mutmaßlichen ersten Zustandes der gotisch- burgundischen Klosterkirche in Walkenried, mit Angabe der Lage und des vermutlichen Umrisses (schraffiert) der älteren romanischen Kirche.

 

„Altes Kloster“ scheint sie erst seit Leuckfeld von den geschichtlich Gebildeten und den von diesen Beeinflußten getauft worden zu sein. Tatsächlich haben wir es dort mit dem Walkenrieder Hochgericht, der späteren Richtstätte des Stiftsamts zu tun, charakteristischerweise an exponierter Stelle im Winkel zwischen den Landstraßen nach Wieda und Zorge, wo die Gerichteten den Durchziehenden als warnendes Exempel sichtbar blieben. Es ist eine kleine rechteckige Anlage mit Wall und Graben, innen mit einem gemauerten Kerne von 9 X 5 Schritt Kronenlänge. Auch Brandspuren von Holzkohle‚ wie bei einer Richtstätte begreiflich, die aber freilich auch von gelegentlichen Feldfeuern herrühren könnten, sollen hier gefunden worden sein. Demnach bleibt literarisch nichts Sicheres als die tatsächliche Existenz eines Wirtschaftshofes Alt-Walkenried im Jahre 1205 übrig. Denn jene an Ort und Stelle nicht mehr vorhandene Mauerinschrift aus der Mönchszeit im Kreuzgang ist sowohl wegen ihrer ungewissen Ausdrucksweise verdächtig, wie auch wegen ihre Ortes voraussichtlich aus erheblich jüngerer Zeit. Ist es aber unbedingt nötig, überhaupt an eine ehemalige Verlegung des Klosters

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zu irgendeiner Zeit zu glauben ? Wo steht, daß das Kloster genau an der Stelle der schon 1085 genannten Siedelung Walkenried errichtet worden sei ? Das mit Walkenried von Anfang an verbundene Landgebiet überstieg aurh abgesehen von den mit ihm geschenkten Nachbarorten erheblich das Gebiet einer Dorfflur. Denn nach dem im Kloster gängigen Gründungsbericht war es gestiftet „in praediis . . . pertientibus ad imperiale castrum Sachsenburg tunc destructum“. Eine höchst wertvolle Überlieferung. Offenbar waren diese „Pertinenzien“ der seit 1074 wüsten Sachsenburg ihr wirtschaftliches Zubehör zwecks Unterhaltung ihrer Besatzung. Adelheids Gatte „Volomarus de Thuringia“ (so um 1131 im Huyseburger Bericht: man erinnere sich, daß Walkenried selbst in Thüringen lag) aber ist höchst wahrscheinlich der im Chron. Gozecensi (MM. G. Ed. Pertz, X, S. 147) 1085 genannte liber homo Folmarus de Walkenreit (vergl. Harzzeitschrift IX, 1876, S. 171), er oder sein Vater wird also die militärische Leitung der Sachsenburg als ein kaiserliches Lehn gehabt haben. Nur so ist es denkbar, daß er und seine Gattin wenige Jahrzehnte

 

 

 

Abb. 3. Das noch jetzt aufgehende Mauerwerk der Walkenrieder Kirchenruine, mit den von H. Pfeifer aufgedeckten Resten der ersten Kirche. Aufmessung der herzogl. Baudirektion.

 

später über die Sachsenburg und deren Zubehör, darunter Walkenried, zugunsten geistlicher Anstalten verfügen konnten. Es wäre aber ein Zufall gewesen, wenn den sehr überlegt ihren Klosterplatz wählenden Zisterziensern auf dem umfangreichen „burgwurdium“ der Sachsenburg dessen Hauptsiedelung Walkenried dafür gelegen gewesen wäre. Dagegen war es zweckmäßig, daß sie den schon durch den Edlen Volkmar in der weiteren Nachbarschaft bekannten Namen dieses Vorortes ihres ersten Stiftungsgebietes auch für das nicht an seiner Stelle errichtete Kloster wählten. Der Ort Walkenried blieb noch einige Zeit als Wirtschaftshof weiter neben dem Kloster bestehen und führte daher den Namen Alt-Walkenried.

 

Der Baubefund unterstützt diese Annahmen. Die Grabungen und Untersuchungen von Hans Pfeifer (vergl. dessen vorhin erwähnte. Veröffentlichung) ergaben innerhalb der völlig dem XIII. Jahrhundert angehörenden Kirchenruine die Reste einer älteren und kleineren romanischen Kirche (Abb. 2). Ihre Grundrißgestaltung läßt nur geringe Zisterziensereigentümlichkeiten erkennen. Sie muß also entstanden sein ganz in der Frühzeit des Ordens, als die Zisterzienser noch nicht ihr z. B. in Riddagshausen völlig ausgereiftes Grundrißschema entwickelt hatten. Wir haben demnach auch aus solchen Gründen in

 

 

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diesen Resten das erste steinerne Oratorium der Zisterzienser vor uns, das sie sich hier selbst errichteten. Denn abgesehen von der Unmöglichkeit einer auch nur begonnenen oder gar vollendeten Klosterunternehmung der Benediktiner an dieser Stelle zwischen den Jahren 1118 und 1123 ist nicht einmal die Wiederverwertung einer etwa vorhandenen Dorfkirche anzunehmen. Der Übergang schon einer solchen gelegentlich der ertsten Ausstattung des Klosters, dazu nun gar ihre sofortige Verwandlung in eine Klosterkirche mit Aufhebung ihrer Qualität als Gemeindekapelle, ja wohl gar als Pfarrkirche wäre etwas so Ungewöhnliches und rechtlich Umständliches gewesen, daß es von der Überlieferung, zumal dem Huysburger Bericht, nicht hätte vergessen werden können. An sich wäre die Herkunft des ältesten Kernes der wiederaufgefundenen Grundmauern (Abb. 3) mit einer Mittelschiffweite von mindestens 8½m aus einer Dorfkirche nicht unmöglich. Sie setzte aber eine immerhin für jene Zeit recht stattliche Dorfkirche, d. h. eine Pfarrkirche und nicht nur eine Kapelle voraus, also den diplomatisch unwahrscheinlichsten Fall. Es begegnet sich die Zurückweisung auch einer solchen Annahme mit unserem Nachweis, daß das Kloster nicht auf der Dorfstelle Walkenried selbst gegründet worden zu sein braucht. Denn hätten wir in diesen Resten in der Tat auch Teile einer Dorfkirche zu erkennen, so müßte ihre Stelle eben die des Dorfes Walkenried sein und wir dürften ein Alt-Walkenried nicht irgendwo anders suchen. Denn eine so umfangreiche Kirche hätte natürlich nur der Hauptort des Dotationsgebietes gehabt haben können und nicht einer der beiden Nachbarorte Immenroth und Suaveresthorp.

 

 

Abb. 4. Grundriß der Klosterkirche Huyseburg, nach den Bau- und Kunstdenkmälern der Provinz Sachsen, Bd. 14.

 

Von jenem ältesten Bethause nun der Zisterzienser sind von Pfeifer wiedergefunden: die Apsis von 7 m lichter Breite (Abb. 3,A), ein merkwürdig kurzes Altarhnus von 8½ x 3 m lichter Ausdehnung (B - B) und benachbarte Teile des gegen Westen anschließenden Raumes (C) von etwa 14 m Breite. Hans Pfeiler hat den interessanten Versuch gemacht, diesen Grundriß zu vervollständigen im Anschluß an die Huyseburger Kirche. Die Ähnlichkeit des Vorgefundenen mit den Huyseburger Chorpartien (Abb. 4, A - C) ist in der Tat auffallend. Nur ist, an eine bewußte Entlehnung von der Huyseburg schwerlich zu denken. Denn abgesehen davon, daß, wie wir erörterten, die Benediktiner selbst nicht am Bau beteiligt gewesen sein können, so ist es auch nicht anzunehmen, daß Zisterzienser, die soweit möglich das hirsau-clunysche Grundrißschema übernahmen, auf einen so altertümlichen und damals neuerdings vollends verbauten Grundriß wie den der Huyseburger

 

 

 

 

 

 

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Kirche zurückgegriffen hätten, ganz abgesehen vom Mangel jeglicher freundschaftlichen Beziehung zwischen den Benediktinern auf Huyseburg und den Walkenrieder Zisterziensern. Aber auch noch ein sachlicher Grund läßt sich dagegen anführen. Das Wesentliche der Ähnlichkeit zwischen dem ersten Walkenrieder Bethause und der Huyseburg ist das verkürzte Chorrechteck (Abb. 4, A - B). Freilich nur in der allgemeinen Anordnung. In den Maßen ist der Walkenrieder etwa ½ m breiter als der Huyseburger Raum, und etwa ebensoviel weniger tief. Andererseits, und dies ist besonders beachtenswert, ging das altertümliche kurze Altarhaus der Huyseburg (falls die Schlüsse auf ein solches überhaupt zwingend wären; sein Problem scheint noch gar nicht ganz einwandfrei gelöst) in einem Umbau mit sehr langem Chorraum unter, wie er im wesentlichen noch heute besteht (Abb. 4). Dieser Umbau aber wurde bereits 1121 neu geweiht (vergl. Brinkmann, Zentralblatt der Bauverwaltung, 1897). Auf Abb. 4 ist der problematische ältere Chorzustand durch die Andeutung einer Apsis C am älteren Altarhause A - B angedeutet. Diese feierliche Weihe der Kirche von Huyseburg durch den Bischof selbst bedeutet ohne Zweifel den Abschluß des Umbaus, da ja, weil wesentliche Teile des älteren Baues benutzt wurden, zu einer besonderen Weihe des Umbaubeginns keine Veranlassung vorlag. Bedenken wir nun, daß man in Walkenried frühestens 1123 an einen Baubeginn hätte denken können, wahrscheinlich aber nicht vor 1127 darangegangen ist, so besaß Huyseburg in jenen Jahren die Choranlage schon gar nicht mehr, die für Walkenried hätte vorbildlich gewesen sein können. Oder soll man glauben, trotz soviel hindernder Umstände hätten selbst Benediktiner den eben in Huyseburg wegen seiner Unbequemlichkeit überwundenen baulichen Zustand in Walkenried rekonstruiert ? Nein, die formale Ähnlichkeit zwischen den ältesten Walkenrieder Resten und der Huyseburg kann nur eine zufällige sein.

 

Auch gegen die von Pfeiler vorgeschlagene Herkunft der Säulenschäfte des zweischiffigen Kreuzganges (Abb. 3) aus der ersten Kirche muß man Bedenken tragen. Allerdings hat Pfeifer wahrscheinlich gemacht, daß sie samt einer der Größe nach zugehörigen attischen Basis romanischer Herkunft sind. Aber für Arkadenträger in der Kirche sind sie reichlich dünn. Die Fußplatte z. B. der Arkadensäulen in der doch recht kleinen Huyseburger Kirche hat etwa 1 m Seitenlänge, die Walkenrieder nur die Hälfte davon. So schwache Säulen würde man eher in Versammlungsräumen, Kapitel- und Speisesälen der Klöster suchen. Bleibt demnach auch die Form der Arkadenträger in der ersten Walkenrieder Kirche problematisch, da von diesen nichts gefunden worden ist, so wird man um so mehr nach Ausscheidung jeder Huyseburger Beziehung auch über die Herkunft des verkürzten Chorrechtecks nur vorsichtige Vermutungen haben können. Vielleicht reicht es hin, seine auffällige Form aus dem eigensten Bestreben des Ordens zu erklären, die herkömmlichen Chorpartien möglichst zu vereinfachen. Aber es hatte sich natürlich in jenen ersten Jahren des Ordens, aus denen unsere Reste stammen, noch nicht das spätere feste Schema herausgebildet, wie es z. B. Marienthal bei Helmstedt in typischer Einfachheit mit flachem östlichen Chorschluß. aber voll ausgebildetem Chorquadrat zeigt. In Walkenried scheint man noch geschwankt zu haben, ob Apsis oder Chorraum abzustoßen sei. Man übernahm daher die überlieferte Konchenform, suchte aber am Chorrechteck zu sparen. Ja, in der Folge stieß man den Chorraum ganz ab, gelegentlich einer Erweiterung der ältesten Kirche. Pfeifer hat uns den Grundriß dieses Erweiterungsbaues nach Möglichkeit rekonstruiert (Abb. 2). Vom ersten Bau sind darin noch sicher nachweisbar geblieben die Hauptapsis sowie anstoßende

 

 

 

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Mauerteile des Chorrechtecks (Abb. 3, A - B). Durch andere Technik und Profilierung unterscheiden sich und erweisen sich als jünger Reste der Querarme (D), der Westwand (E), des südlichen Seitenschiffes (F), sowie die Fundamente zweier südlicher Nebenapsiden (G, H). Es könnte dies sehr wohl der Bau sein, der nach einer ausführlichen chronikalischen Überlieferung(Eckstorm a. a. O. S. 46/47) 1137 feierlichst eingeweiht worden ist. Dies Datum wird auch deshalb gut passen, weil der Bau zumal in den Umbauten und Veränderungen der Ostteile das noch unklare Suchen und Tasten des jungen Ordens nach einer seinem Sinne gemäßen Ausdrucksform überaus deutlich verrät. Auf dem Wege nach der den Zisterziensern für ihren Kultus notwendigen Häufung der Chorkapellen sehen wir sie hier bei der Anlage der südlichen Nebenapsiden. Gleichartige am nördlichen Querarm sind nicht nachgewiesen, waren aber wohl unentbehrlich. In der Folge wurden auch diese Kapellen gleich dem Chore gern rechteckig abgeschlossen. So geschah es schon in der vermutlich 1146 geweihten Klosterkirche Marienthal, so in reichster Ausbildung später in Riddagshausen. Merkwürdig ist das von Pfeifer ebenfalls aufgefundene Fundament anscheinend der Westmauer jener romanischen Kirche (Abb. 3, E). Ihre Stärke ist auffällig. und ihre vorhandene südliche Verlängerung würde, falls wir es wirklich mit einem romanischen Rest zu tun haben, auf eine mit der alten Kirche fluchtende Südwand der alten, vielleicht auch auf die ebenfalls verschwundene der jüngeren Klausur weisen.

 

Nicht verwunderlich ist eine so erhebliche Kirchenerweiterung in Walkenried 1137‚ erst 10 Jahre nach der Gründung. Es ist sehr möglich, daß der erste Konvent, dessen Oratorium 1129 in regelrechte Benutzung genommen wurde, nach den ursprünglichen Ordensbestimmungen nur aus 12 Mönchen und dem Abt bestanden hat. Für diese wäre auch, eine aus den ältesten Resten rekonstruierbare nur einschiffige Kirche hinreichend gewesen. Aber es wuchs in allen Zisterzienserkonventen jener Jahre das Bedürfnis nach Erweiterung rapide. Eine Verfügung des Generalkapitels bestimmte 1134, daß ein Kloster erst zu Tochtergründungen schreiten dürfe, wenn sein Konvent aus mehr als 60 Mönchen bestehe. Walkenrieds bedeutende Filialen Pforte und Sittichenbach (Sichem) wurden 1140 und 1141 dem Orden als fertige Unternehmungen eingegliedert, es wird also bereits vor 1140. als Walkenried die Tochtergründungen vorzubereiten hatte, sein Konvent schon die dazu vorschriftsmäßige Anzahl von 60 Mönchen besessen haben. Dann erklärt sich auch hinreichend das Bedürfnis nach so frühzeitiger, erheblicher Kirchenvergrößerung.

 

Der 1137 geweihte Bau blieb bis in den Anfang des XIII. Jahrhunderts bestehen. Dann machte sich in Walkenried wie in so vielen der reicheren Zisterzienserklöster jener Zeit - man denke an die formal verschwisterten Bauten in Riddagshausen und zumal an Ebrach - das abermalige Bedürfnis nach einem Neubau geltend. Durch Urkunden sind wir auch über diesen (Abb. 1 u. 2) nur schlecht unterrichtet. Denn die von H. Giesau (in seinem 1912 erschienenen scharfsinnigen Buche: Eine deutsche Bauhütte aus dem Anfange des 13. Jahrhunderts, auch als Dissertation unter dem Titel: Der Erbauer der Klosterkirche zu Walkenried, S. 37) herangezogene Urkunde vom Jahre 1219 (Walkenrieder Ukb. Nr. 103) bezieht sich auf Wehrbauten der Stadt-Nordhausen. Aus dem Walkenrieder Urkundenbuch erfahren wir vielmehr nur, daß 1253 geurkundet wird „coram altari S. Mariae in nova monasterio“ (Ukb. Nr. 300), daß 1256 der Graf von Lauterberg dem Kloster den Steinbruch, aus dem bisher schon das Baumaterial geholt worden war, nunmehr ohne alle rechtliche Einschränkung überläßt (Ukb. Nr. 315: Volumus notum esse, quod fossam in Widagerode, in qua fracti sunt lapides hactenus ad aedificatonem

 

 

 

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monasterii in Walkenride ex jussione et consensu progenitorum nostrorum, pleno jure conferimus; und ähnlich a. a. O. Nr. 321), und endlich die Schlußweihe 1290. Von einer Fertigstellung der Ostteile im Jahre 1247 ist in keiner Überlieferung die Rede, obgleich diese Angabe eiserner Bestand der Kunstgeschichte geworden ist. Lotz-Giesau übertragen sie auf das Langhaus im Anschluß an die Bemerkung Leuckfelds (a. a. O S. 305), der „kaiserl. Rath“ Anton von Werther‚ „des heil. Röm. Reichs Erb-Cammer-Thürhüter“‚ hätte 1247 ein Erbbegräbnis in der großen Klosterkirche erhalten. Diese Überlieferung aber ist im Hinblick auf ihre Titulaturen mehr als verdächtig, und daher schon deshalb baugeschichtlich nicht verwertbar. Die im heutigen Chor erhaltenen geritzten Wertherschen Epitaphien gehören erst ins XV. Jahrhundert. Hat Leuckfeld eine Projizierung aus dem XV. ins XIII. Jahrh. vorgenommen ? Liegt also auch keine literarische Gewißheit über eine Chorvollendung bis 1247 vor, so werden doch jene urkundlichen Nachrichten durch andere reiche chronikalische Überlieferung glaubwürdig ergänzt. Wie wir schon bemerkten, setzt Eckstorm den Baubeginn in die Zeit um 1215. Insbesondere sagt er (S. 83) vom Abt Friedrich, er sei ganz mit dem Klosterneubau beschäftigt gewesen und habe, um Geld zu sammeln, zwei Brüder nach den Ordensklöstern, zwei andere nach den Seestädten geschickt.

 

 

Abb. 5. Nischen für Ausguß und Geräte aus dem südlichen Chorseitenschiffe der Walkenrieder Kirchenruine.

 

Sein Nachfolger Abt Heinrich III (1223-1231) sei des Bauwesens besonders kundig gewesen und habe 21 Konversen mit Bauarbeiten beschäftigt (Habuit Conversos 21 latomos, cementarios, architectos et fabros ferrarios insignes, qui templo condendo strenuam navarunt operam a. a. O. S. 87). Letzner, dessen Gewährsmann Eckstorm war, vervollständigt dieses in seiner handschriftlichen Chronik (Hannover, Kgl. Bibliothek) um das Jahr 1600 dahin, daß ein Laienbruder Bartoldus von Langeleben die Baustelle entwässert habe (er nennt das Jahr 1206 für seine im weiteren Umkreise erwähnte Ingenieurtätigkeit), und daß 1218 im Kloster berühmt gewesen seien Johannes Kellerus, Henricus Magnus, Conradus Lapicida (NB!) und Sebastianus Cromerus, und zwar seien dies auch die zum Geldsammeln ausgesandten Boten gewesen. Letzner ist nicht zuverlässig; als Ergänzer seines Gewährsmannes Eckstorm‚ dem auch seine Angaben nicht widersprechen‚ muß er aber doch beachtet werden. Im Jahre 1661 fügt dann J. H. Hofmann in seiner ebenfalls nur handschriftlichen Chronik (Hannover, Kgl. Staatsarchiv) dem Bruder Berthold noch einen Jordan hinzu, vielleicht aber nur bewogen durch die erfolgreiche Tätigkeit eines so benannten lngenieur-Bruders in der Goldenen Aue unter Kaiser Friedrich Barbarossa. Als dritte, allerdings erheblich jüngere, aber überraschend gut sich einfügende Erweiterung

 

 

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erfahren wir 1705 bei Leuckfeld (S. 81), es habe ein Abt Heidenricus von Morimund in Burgund (eines der vier ersten Töchterklöster von Zisterz), früher Abt in Walkenried, auf den Baubeginn wesentlichen Einfluß gehabt. Dieser Abt Heidenreich tauch nun überhaupt erst bei Leuckfeld in der Reihe der Walkenrieder Äbte auf, aber mit Recht. Denn eine um 1209 ausgestellte Urkunde des Erzbischofs von Mainz (nur im Auszug erhalten; Ukb. Nr. 74) erwähnt eine ältere Besitzüberweisung an Walkenried zur Zeit Abt Heidenreichs, der nun in Morimund sei („tunc existente abbate Heidenrico, nunc Morimundensi“). Kombinieren wir nun alle diese verschiedenen Angaben, so ergibt sich zwanglos Folgendes: Der Neubau des Klosters wurde – und zwar zuerst mit der Kirche, – nach mancherlei Vorbereitungen, darunter vielleicht auch Überwindung von Geländeschwierigkeiten, um oder gegen das Jahr 1215 energisch begonnen. Der damalige Abt von Morimund hatte infolge seiner früheren Beziehung zu Walkenried ein besonderes Interesse am Neubau, und daraus darf man vielleicht auch auf sachkundige Förderung unmittelbar von Burgund her schließen. Das unterstützt die formalkritische Baufolge Meier-Giesau‘s: Walkenried – Magdeburg – Halberstadt und gibt Walkenrieds Priorität eine besondere baugeschichtliche Begründung. Der Baueifer der nächsten Jahre, zumal unter dem bauverständigen Abt Heinrich (1223-1231), läßt erkennen, daß man einer ganz ungewöhnlichen Unternehmung sich bewußt war. Der Reichtum neuer Formen (Abb. 5) und die vereinzelt gebliebene originelle Raumwirkung der Choranlage (die daher die gängige Bezeichnung Paradies erhielt, ein Name, der also in Walkenried nicht eine Vorhalle bedeutet) macht dies auch aus dem Eindruck der neuen Kirche selbst begreiflich.

 

 

Abb. 6 Nordostecke der südlichen Chorseitenschiffe in der Walkenrieder Kirchenruine.

 

 

Ist es nötig, mit H. Giesau (a. a. O. S. 4 u. 9ff.) aus der noch von diesem nachgewiesenen engen stilistischen Verwandschaft mit dem Erbauer des Maulbronner Herrenrefektoriums auch auf eine stilistischen Abhängigkeit Walkenrieds von Maulbronn zu schließen? Wäre Dehio (Handbuch, Bb. III, S. 275) auf 1220/25 angesetzte Bauzeit des Herrenrefektoriums richtig,

 

Zeitschrift für Geschichte der Architektur. VI. 5

 

 

 

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So wäre schon danach dessen Abhängigkeit von dem etwa 10 Jahre früher begonnenen Walkenrieder Chor ausgeschlossen. Andererseits macht die Konstruktion der Chornebenschiffe rein formal einen noch reiferen Eindruck als in Maulbronn. Dennoch brauchte man nicht das Verhältnis nun umzukehren und von einer Abhängigkeit Maulbronns von Walkenried zu sprechen. Empfehlenswerter scheint, die auffallenden Übereinstimmungen zumal in der Feinheit der Profilierungen in einem gemeinsamen aber voneinander unabhängigen, unmittelbaren Zurückgehen auf Burgund zu sehen, wie ihn die rein geschichtliche Überlieferung nahelegt. Bei der direkten ordensorganisatorischen Beziehung jedes Zisterzienserklosters zu Burgund lag es, auch abgesehen von der besonderen Verbindung Walkenrieds mit dem Morimunder Abt, für alle nahe, ihre architektonischen Anregungen und etwa auch geschulte Laierbrüder gelegentlich auch ohne Vermittlung eines deutschen Schwesternklosters aus Burgund oder Frankreich zu holen. Den durch Giesau nachgewiesenen tatsächlichen Übereinstimmungen mit Maulbronn muß dagegen in jeder Beziehung zugestimmt werden.

 

 

Abb. 7. Gewölbeschlußsteine aus der Walkenrieder Kirchenruine.

 

Auch ich habe in einem Vortrage für den braunschweigischen Geschichtsverein (Dezember 1911), der bereits die Themen dieses Aufsatzes behandelte, mit dem Bilde des Maulbronner Herrenrefektoriums den stilistischen Eindruck der Walkenrieder nördlichen Chorseitenschiffe zu veranschaulichen gesucht. Auf die übrigen von Giesau aufgedeckten formalen und konstruktiven Beziehungen, insbesondere zu Ebrach, einzugehen ist hier nicht der Ort. Einzelne seiner Ansichten speziell über Walkenried werden im folgenden noch zu erwähnen sein. — Zunächst noch ein paar Worte zur baugeschichtlichen literarischen Überlieferung. Eckstorm nämlich teilt im Widerspruch zu den Urkunden und auch zur Klosterüberlieferung (vgl. Leuckfeld a. a. O. S. 86) mit (S. 111), Abt Hermann habe 1294 die Kirche mit dem benachbarten Kreuzgange (structuram templi maioris cum contigua porticu) endlich fertig gestellt und weihen lassen. Wenn hier nicht eine Verwechselung oder ein bloßer Druckfehler vorliegt, müßte man an eine Nachweihe denken namentlich im Hinblick auf den neu vollendeten zweiflügeligen Arm des Kreuzganges, der ja eine besondere sakrale Bedeutung zu haben pflegte. Jedenfalls muß die ausdrückliche Erwähnung von dessen Mitweihe durch Eckstorm beachtet werden, sei es nun, daß sie wirklich erst 1294 oder schon 1290 stattfand. Wir haben damit einen Anhalt für die Vollendung des schönen zweischiffigen bereits völlig hochgotischen Kreuzgangflügels. Über den durch den gegenwärtigen Zustand der Ruine erwiesenen, schon zur Spätgotik neigenden Umbau des Chores ist nichts Schriftliches überliefert,

 

 

 

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Es müßte denn die Angabe aus dem Jahre 1376 sein (Ukb. II, S 302), daß der Magister operis zu beaufsichtigen habe: „quicquid datur ad structuram“. Wir erfahren dann erst wieder ausführlich, daß der Bauernaufstand des des Jahres 1525 für die Kirche verhängnisvoll wurde. Die hölzernen Pfosten ihres über der Vierungrung vorhandenen Dachreiters wurden durch einen „faber lignarius“ durchsägt und dann der ganze Turm samt Glocke und Zimmermann von der Menge an Seilen niedergerissen ( Eckstorm a. a. O. S. 196/97). Dadurch wurde das Dach der Kirche beschädigt. Eine Reparatur unterblieb wie Eckstorm ausdrücklich bemerkt, daher wurde seitdem die Kirche mehr und mehr zur Ruine. Ob dies aber der einzige oder auch nur hauptsächliche Grund ihres Unterganges war, wollen wir später sehen. Zu einer willkürlichen Auslegung Eckstorms wie es Giesau tut in dem Sinne, daß wohl ein steinerner Dachreiter vorhanden gewesen sein könnte, liegt kein Grund vor. Eckstorm, seit 1571 ständig im Kloster, stand jenen Ereignissen noch nahe genug, um sich vom Sachverhalt authentisch überzeugen zu können.

 

Das gegenwärtig noch Vorhandene reicht nur notdürftig hin zu einer ausreichenden Vorstellung des ursprünglichen Baues. Die Kirche (Abb. 1, 2 u. 12) hatte eine innere Mittelschifflänge vom Westeingang bis zum mittleren Chorfenster von 83 Metern. Unter den zeitlich und auch formal der Walkenrieder besonders nahe gerückten Schwesterkirchen folgt ihr die Ebracher mit einer Mittelschifflänge von 74 Metern, Riddagshausen mit 71,5. Die Grundfläche dieser Kirchen rückt allerdings vor mit Umgang und Kapellenkranz bei Ebrach bis zu 84,5 m innerer Länge, bei Riddagshausen bis zu 80,5 m. Für die Raumwirkung aber scheiden diese Verlängerungen aus, zumal hinsichtlich der allein 5 m tiefen Kapellen. Wir haben also in Walkenried eine überaus entschlossene Raumentwickelung zu beachten, auffällig zu einer Zeit, die gerade erst die besonderen Eigentümlichkeilen der Zisterzienserkirchen für Deutschland in Ebrach und Riddagshausen voll entwickelte: eben jenen Umgang mit Kapellenkranz um die geradlinige Ostwand der Kirche. Marienthal ist das für Deutschland früheste Beispiel konsequenter Geradlinigkeit des Grundrisses, geweiht 1146 (System Clairveaux II von 1135 bei Dehio und von Betzold).

 

 

Einfügung: Klosterkirche Mariental

 

Ebrach (I. Viertel des 13. Jahrh.) und Riddagshausen (II. Viertel des 13. Jahrhunderts) erweiterten sie nach dem Vorbilde von Cisteaux II dadurch, daß sie diese Kapellen auch um den Chor herumführten, jedoch von diesem durch einen Umgang trennten, eine im Grundriß zwar sehr reiche Fortbildung, die aber der Raumwirkung kaum zugute kam. Walkenried, dessen Neubau bei ungefähr gleich langer Bauzeit nur etwa 10 Jahre später als der von Ebrach begann, jedoch mindestens ebensoviel früher als der Riddagshäuser, tat also im engsten Anschluß an burgundische Bauten einen ganz neuen Schritt zu den jüngeren Grundrißbildungen, wie sie Salem (begonnen 1299, Abb. 14) in der Nähe des Bodensees, aber auch noch Amelungsborn in Niedersachsen (Mitte des 14. Jahrh.) zeigen: Walkenried gibt die Sonderung der einzelnen Altarräume durch Zwischenwände in einzelne Kapellen auf. Nur Gerätenischen und Ausgußbecken (Abb. 5) deuten die alte Bestimmung der zu einem zweiten Seitenschiff gewordenen Kapellenreihe noch an.

 

 

Abb. 5. (Wdhl.) Nischen für Ausguß und Geräte aus dem südlichen Chorseitenschiffe der Walkenrieder Kirchenruine.

 

Und diese Neuerung setzte in Walkenried bereits spätestens 1215 mit dem intensiven Baubeginn des Chores ein. Es stellt sich demnach die Kirche dar mit dreischiffigem Langhaus, zweischiffigem Querhaus (auch hier folgerichtig die Ostkapellen in ein Seitenschiff aufgelöst) und fünfschiffigem Chor. Über andere Eigentümlichkeiten, das Ostpolygon des Mittelschiffes, später mehr.

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Nun aber zeigt sich das Chormittelschiff, soweit erhalten, in einem jüngeren Umbau mit bereits spätgotischen Kennzeichen (Fehlen der Kämpferzone unter den Rippen des der erhaltenen Arkade anfallenden Seitenschiffgewölbes (Abb. 6 u. 8).

 

 

 

Abb. 8. Inneres des Polygons der Walkenrieder Kirchenruine, von N.W.

 

Es könnte den letzten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts angehören. Vielleicht darf man jene allerdings recht unbestimmte Erwähnung der geldbedürftigen structura (siehe vorhin) darauf beziehen, oder hätte man für eine andere als die der Kirche sammeln dürfen? Nun gibt die Ruine nur noch über den Grundriß von Lang- und Querhaus (Abb. 1 u. 2) unmittelbar Auskunft. Für den Grundriß des Chores aber sind zwei Probleme zu lösen. Wie war sein ursprünglicher Grundriß, und wie wurde er durch den Umbau etwa verändert? - Wir betrachten die Hochschiffe von Langhaus und Querhaus (Abb. 1 u. 12). Dort, im jüngsten Bauteil, vom alten, gebundenen System noch abhängige, annähenrd quadratische Joche mit den schwerfälligen sechsteiligen Gewölben der konstruktiv noch ängstlichen Übergangszeit. Im älteren Querhaus dagegen die technisch fortgeschritteneren oblongen Joche mit vierteiligem Gewölbe, wie sie einer entwickelten gotischen Konstruktion gemäß sind, auch im älteren Ebrach bereits von Anfang an verwendet wurden. An sich liegt es nahe, von vornherein und dann natürlich auch nach dem Umbau im Chormittelschiff ebensolche oblongen und vierteiligen Gewölbe anzunehmen. Dies geschah denn auch bis unlänst auf Grund des von W. Lotz bereits 1858 rekonstruierten Grundrisses der Kirche in Verbindung mit einem , die stilistische Diagnose schon richtig vorbereitenden Aufsatze (Zeitschrift für christl. Archäol. u. Kunst, II), obgleich Lotz sich selbst nicht mit völliger Sicherheit

 

 

 

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in seinem Text entscheidet. Dieses Grundrißschema galt seitdem als das vom Bau des 13. Jahrhunderts‚ bis H. Giesau das Problem von der allgemeinen Öffentlichkeit (a. a. O.) von neuem aufnahm und zu einem ganz anderen Ergebnis kam. Allerdings beschäftigt ihn nur der ältere Zustand des Grundrisses. Ich selbst sprach mich in dem oben erwähnten Vortrage des näheren sowohl über das Problem des älteren wie des jüngeren Grundrisses aus, kam aber, natürlich ohne das noch gar nicht erschienene Buch von Giesau zu kennen, zu einem mehrfach abweichenden Ergebnis (Abb. 11.).

 

Die Rekonstruktion von Lotz ergab also 4, oblonge vierteilige Chorgewölbe und einen regelrechterweise mit sechs Kuppen überwölbten 5/8 Chorschluß. Aber wie wäre es zu erklären (Giesau allerdings versucht S. 33 eine konstruktive Begründung), daß man, nach einem so normalen Beginn, im Langhausmittelschiff auf sechsteilige Gewölbe zurückgegriffen hätte, nachdem man inzwischen überall die geschicktere Wölbungsweise würdigen und beherrschen gelernt hatte? Schon aus diesem rein psychologischen Grunde halte ich die Annahme für bedenklich, daß man solche Gewölbe im Langhaus wieder verwertet hätte (nachdem sie im Querhaus bereits überwunden waren), wenn nicht eine gewisse formale Nötigung dazu vorgelegen hätte, nämlich das Vorhandensein sechsteiliger Gewölbefelder eben im Chormittelschiff, wo sie als im ältesten und konstruktiv zunächst am schwersten zu bewältigenden Bauteil auch am ersten theoretisch zu suchen wären. Eine solche Überlegung darf aber doch nur mit Vorsicht praktisch verwertet werden. Giesau, der wegen der Fünfzahl der Arkadenbreiten im Chormittelschilf gern 5 oblonge Gewölbe hätte, sieht vorsichtigerweise ganz von jenen ästhetischen Nötigungen ab, fühlt sich aber aus einem anderen Grunde gedrungen, doch Ähnliches anzunehmen. Es sind nämlich unter den Trümmern 3 große sechsrippige Schlußsteine erhalten (Giesau zählt irrtümlicherweise nur zwei: ein vierter sechsrippiger Schlußstein ist so unvollkommen, daß man seine Rosettenlorm nicht mehr erkennen kann), von denen 2 symmetrisch gelegtes, aber schon naturalistisches Laubwerk tragen, einer aber eine burgundische Rosette zeigt (Abb. 7, vorn).

 

 

Abb. 7. (Wdhl.) Gewölbeschlußsteine aus der Walkenrieder Kirchenruine.

 

Er sagt nun: „Da jedoch der sechsteilige Rosettenschlußstein in den Chor gehört, muß man annehmen, daß zum mindesten zwei (oblonge) Joche (gemeinsam) sechsteilig überwölbt waren, und zwar die beiden östlichen.“ Er glaubt sich jedenfalls zu diesem Schluß genötigt, weil er die ältere Rosettenform im jüngeren Langhaus nicht mehr für möglich hält. Aber sicher ist das nicht. Im Kreuzgang, dessen Hauptteil, wie wir sahen, Ende des 13. Jahrhunderts im wesentlichen vollendet wurde, findet sich die burgundische Rosettenform auch verschiedentlich, und eine Photographie aus der Zeit um das Jahr 1870 zeigt drei große Schlußsteine im Langhaus annähernd noch in ihrer Sturzlage, der östlichste wahrscheinlich mit burgundischer Rosette, wie denn vermutlich diese drei Steine mit den drei erhaltenen identisch sind. Wahrscheinlich also waren solche Stücke (falls wir nicht stilistische Rückgriffe in ihnen haben) auf Vorrat gearbeitet, auch für das Langhaus, und wurden aus dem Grunde noch verwertet, obgleich sie stilistisch längst unmodern waren. Etwas umständlicher möchte ich daher schließen: Der altertümliche sechsteilige Schlußstein gehört entweder in den Chor oder sein Dasein setzt doch solche Schlußsteine dort voraus,weil man ihn außer für den Chor nur in Vorrat für das Langhaus gearbeitet haben könnte. Ob noch im Querhaus solche altertümlichen Rosetten angebracht waren, ist zweifelhaft. Die beiden aus seinem Hochschiff erhaltenen haben bereits naturalistisches Laubwerk. Jener Stein also spricht immerhin zugunsten sechsteiliger Gewölbe im Chor. Giesau aber schafft sich nun eine neue Schwierigkeit, Analogien machen ihn

 

 

 

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zwar geneigt, das dreiseitig östlich vortretende Chorpolygon (Abb. 8) im Grundriß für ursprünglich zu halten, er meint dann jedoch: „Dem widerspricht nun aber der Baubefund entschieden.“ Mit nichten. Zwar will ich auf das Einbinden eines Quaders der Polygonwand in die südliche Chorwand (Giesau verneint ein solches überhaupt) nicht viel geben. Anders aber ist es mit dem Sockelprofil. Der hier auf eine beträchtliche Strecke in die Ostwand der Seitenschiffe einbindende Quader mit dem umgekehrten Karniesprofil macht jenseits der Ecke noch die Wiederkehr der Profilstrecke an der Polygonwand mit (abb. 9, a-b Richtung Seitenschiffwand (Profillänge ca. 100 cm), b-c Richtung der Polygonwand, d-e stumpfer Winkel; und Abb. 11,a).

 

 

Abb. 9. Schematische Zeichnung des Sockelprofilsteins aus derb Südostecke des Polygons. Links des Winkels Ostwand der südlichen Seitenschiffe, rechts Seite des Polygons.

 

 

Bezeichnenderweise aber auch nicht mehr. Ein mäßiges Einbinden vom Polygon her in die Seitenschiffwand, wie etwa bei oben erwähnten Stein, wäre wohl nachträglich möglich gewesen. Dann aber läge die längere Strecke doch in der Polygonwand. Hier aber ist es gerade umgekehrt. Der Stein bindet fast ganz in die Seitenschiffwand ein. Nur eben die Wiederkehr des Profils springt über, um den Sockelwinkel festzuhalten. Da bleibt nichts übrig, als das Polygon wenigstens bis einschließlich des Sockels für ursprünglich zu halten. Das aber genügt, um ein Polygon überhaupt für den ersten Grundriß zu retten. Das dabei überschüssige oblonge Chorgewölbe erhält nun seinen zureichenden Sinn als Zubehör des 5/8 Chorpolygons. Wir haben also für das Chormittelschiff zwei sechsteilige Gewölbe über zwei annähernden Quadraten von etwas kleinerer Grundfläche als die auch nur annähernd quadratischen Joche des Langhausmittelschiffes, dazu ein regelrechtes sechskappiges über dem mit zwei Seiten eingezogenen 5/8 Chorpolygon (Abbildung 2) für den ersten Zustand der Kirche konsequenter Weise anzunehmen.

 

 

Abb. 2. (Wdhl.) Wölbungsschema des mutmaßlichen ersten Zustandes der gotisch- burgundischen Klosterkirche in Walkenried, mit Angabe der Lage und des vermutlichen Umrisses (schraffiert) der älteren romanischen Kirche.

 

Der Frage nun nach dem letzten Grundrißzustand, der wir uns weiter zuwenden, muß eine Untersuchung der Umbauveranlassung voraufgehen. Dieser vorhin erwähnte Umbau ist auf das Chormittelschiff und einige benachbarte Seitenschiffpartien beschränkt. Irgendeine Raumerweiterung war damit nicht verbunden, und auch eine Modernisierung aus ästhetischen Gründen war schwerlich beabsichtigt. Denn in einem solchen Falle hätte man kaum sich beim Kranzgesims des neuen Polygonoberbaues (Abb. 12) mit der schlechten und rechten Wiederverwertung des ursprünglichen Kranzgesimses begnügt. Es ist der diamantierte Rundbogenfries wie außen und innen unter dem Kaffgesims (Abb. 8) mit frühgotischem karniesartigen Abschluß. Vermutlich hatte er am alten Polygon, wie ja von vornherein zu erwarten, ganz ähnliche Ausdehnung. Hätte etwa das erste Polygon geringere Höhe gehabt und wäre vom Mittelschiffgiebel überragt gewesen, so wäre der Fries unter diesem vielleicht in Mittelschiffshöhe horizontal durchgeführt, dafür ist aber seine in die Gerade auseinandergefaltete Länge zu groß; hätte dagegen wider alle Wahrscheinlichkeit ein Rundbogenfries einen Giebelrand begleitet, so hätte er eine staffelförmige Überhöhung der einzelnen Bögen gehabt, wie am Nordgiebel des Querhausseitenschiffes (Abb. 17), oder wie derselbe Rundbogen den Ostgiebel des Nordhäuser Domes schmückt. Ähnlich ist es mit der Wiederverwendung romanischer Kapitäle auf den Gewölbediensten des Polygone (Abb. 8). Endlich aber läßt sich jene Beschränkung der

 

 

 

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stilistische Modernisierung auf das Notwendige auch aus einem Schlußstein der Chorseitenschiffe schließen (Abb. 10, und 7 ganz oben derselbe Stein). Rosette und eine Rippe (a) sind burgundisch (vergl. Dazu auch Abb. 7 links oben eine andere Rosette mit nur burgundischen Rippen und den jüngeren Rippenanfänger auf Abb. 6), die drei andren (zwei davon, c und d, noch mit eigentümlichen Abweichungen) sind hoch-, ja spätgotisch. Ein deutliches Zeichen, daß man sich beim Umbau nicht scheute, Altes und Neues an einem Gewölbe zu lassen, und zwar nicht an dem vermutlich gänzlich erneuerten der Nordostecke der südlichen Seitenschiffe (Abb. 6), wo zwei Rippen mit jederseits zwei Kehlen benachbart sind, wie Abb. 10,b nur eine solche Rippe zeigt.

 

 

Abb. 10. Schematische Darstellung eines Gewölbeschlußsteines aus den Chorseitenschiffen. Rosette und Rippe (a) gotisch-burgundisch, die drei anderen Rippen mit jüngeren Profilen.

 

Also liegt ein Notbau vor, der freilich mit damals (2. Hälfte des XIV. Jahrhunderts) modernen Stilformen ausgestattet wurde. Aber der gesamte fünfschiffige Chor bietet noch andere, deutliche Hinweise auf völlig form- und schmucklose Notbauten im ganz eigentlichen Sinn, die auch noch dem Mittelalter angehören müssen, da Eckstorm einwandfrei berichtet, wie wir schon bemerkten, daß seit 1525 nichts mehr am Bau geschehen sei. Der Zusammenbruch begann nach ihm (a. a. O. S. 197) damit, daß „der östliche und nördliche Teil, wo die Wendeltreppe auf den Kirchenboden führte, rasch Dach und Gewölbe verlor, nachdem die Mauern teils zusammengefallen, teils ausgewichen waren. Der westliche teil und der südliche, dem Dormitorium benachbarte, hielt sich länger und wurde noch bis zum Jahre 1570 für den Gottesdienst gebraucht.“ Nun finden sich noch mittelalterliche Stützmauern zum Verhindern weiterer Senkungen gerade im nördlichen Chorseitenschiff sowie an der Nordwestecke des Querhauses (Abb. 11, b-e).

 

 

Abb. 11. Grundrißschema des mutmaßlichen letzten Chorzustandes der gotisch-burgundischen Klosterkirche zu Walkenried

 

Insbesondere ist der mittlere Strebepfeiler des Seitenschiffes (b) ganz in einer nachträglichen Ummantelung verschwunden, und unter den drei Gurtbögen dieses Seitenschiffes sind Fundamente von Mauerwerk erhalten, teilweise noch in Höhe der Wandpfeilersockel, die namentlich unter den beiden westlichen Bögen auf eine vielleicht nachträgliche Vermauerung des Durchganges schließen lassen, ja auch

 

 

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Die beiden zugehörigen, zu schwach gewordenen Mittelsäulen verdrängt haben könnten. (Die Altarfundamente sind westlich davon zu denken; vergl. Den östlichen Abstand der erhaltenen Nischen von den Pfeilervorlagen der Südwand). Vor der Nordwand des Querhausseitenschiffes aber hat sich der Stumpf eines die ganze Breite füllenden formlosen Widerlagers erhalten (e; auf der Hofmannschen Zeichnung (Abb. 17) bereits wieder in einen breiten Steinhaufen zerfallen). Zu alledem trägt das umgebaute Hochschiff des Chors Spuren abermals späterer, durch Mauerbewegungen veranlaßter Ausbesserungen.

 

 

Abb. 12. Chor und Querhauswand der Walkenrieder Kirchenruine von S. O., vor 1902.

 

Das südliche Hauptschiffenster nämlich des Polygons (Abb. 8 u. 12) hat eine nachträgliche Einlage, die nur noch für ein schmales fenster Raum ließ, analog auch in der Gewändebildung wieder dem Fenstergaden der älteren Hochschiffe. Bloß um hier eine nachträgliche Egalisierung zu erreichen, wird diese Änderung nicht geschehen sein, sondern weil sich die Wandelbarkeit der Mauermassen an dieser Stelle auch durch den Umbau nicht dauernd hatte beseitigen lassen. Wir befinden uns an der exponiertesten Druckstelle des Baues, der Südostecke des Polygons mit der Seitenschiffwand (Abb. 11,a). Man beachte die schwächelnde mehrfache Verschiebung der Horzontalaxen in den angenzenden, oben durch recht sorgloses

 

 

 

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Aufsetzen eines hochgotischen Strebepfeilers überhöhten Teilen der südlichen Chorseitenschiffe (Abb. 12). In der benachbarten Südwand des Polygons sei hingewiesen auf einen sie senkrecht durchziehenden alten Riß. Er ist bereits im Mittelalter mit Dachziegelbruchstücken wieder ausgeflickt und seitdem nicht nennenswert weiter gerissen, also wohl nicht lange vor dem Zusammenbruch des Gewölbes, aber doch wohl noch vor 1525. Auch der erhaltene anschließende Gewölbezwickel des Seitenschiffs (Abbildung 6) mit der flachgekehlten Rippe enthält Backsteineinschluß, der sich eben nur an spätmittelalterlichen Bauteilen findet. Es liegt nun nahe anzunehmen, daß dieser Riß zu den Ursachen des Chorumbaues schon von vornherein gehört hat und durch die Erneuerung des südlich-anschließenden Seitenschiffgewölbes und der Veränderung seines Maueroberbaues nur versteckt worden ist. Als die Abhilfe dann doch nicht dauernd nützte, hat man durch die Fenstereinlage im Chorhochschiff einen Halt zu schaffen gesucht, vielleicht auch schon damals begonnen mit Verankerung der Quadern. Wenn also auch jener Riß in neuerer Zeit aus Konservierungsrücksichten gegen die Ruine noch einmal nachgeflickt worden wäre, müßte man doch schon im Hinblick auf die Fensterausfüllung darüber an seiner mittelalterlichen Herkunft festhalten.

 

Genug, wir erhalten im fünfschiffigen Gesamtchor ein von Nordwesten nach Südosten sich erstreckendes, annähernd dreieckiges Senkungsgebiet mit der breiten Basis durch den nördlichen Querarm und der Spitze in der Südostecke des Polygons. Dieser natürlichen Gefährdung des Bauwerks kommt nun die etwas wage Konstruktion des fünfschiffigen Chores entgegen. Namentlich die Schubableitung seiner Hochschiffwände war nicht mustergiltig, nach der wohl zwingenden Analogie des Langhauses (vergl. dessen erhaltene Teile der Hochschiffmauer Abb. 1, 3 und 17), sowie nach der üblichen Konstruktionsmethode der Zisterzienser.

 

 

Abb. 13 . Höhenschnitt durch den Chor der Walkenrieder Klosterkirche, oben rekonstruiert, unten in hochgotische Konstruktion übertragen

 

Man vergleiche auf Abb. 13 den tatsächlichen Zustand mit der Art, wie etwa die Hochgotik die Entlastung des Hochschiffs über zwei Seitenschiffe hinweg gebildet haben würde. Eine konsequente gotische Konstruktion hätte sich hier über die Seitenschiffe hinweg mit Strebebögen geholfen. Die Zisterzienser aber blieben mit wenig Ausnahmen bei der primitiveren und, wegen der infolge harter Durchstoßung der Seitenschiffwände, auch ästhetisch unbefriedigenderen Druckableitung durch Strebepfeiler am Hochschiff. Auch kam man wohl gelegentlich, wie in Riddagshausen, bei besonders starkem Mauerwerk, am Hochschiff ganz ohne Strebepfeiler aus, was jedenfalls auch solider war als die Walkenrieder Methode.

 

 

Einfügung: Klosterkirche St. Mariae zu Riddagshausen

 

 

Schon vor der eigentlichen Gotik stellte sich in Frankreich das Bedenkliche ungenügender Gewölbekonstruktion heraus. So bei der Kirche in Vezelay, deren jüngere Chorformen Giesau lehrreicherweise

 

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in Verbindung mit Walkenried nennt. In Vezelay war trotz des Fehlens von Gewölberippen und des daraus folgenden allgemeineren Drucks der freilich auch noch steigenden Gewölbekappen auf die gesammte Außenwand der schwache Strebepfeiler ungenügend. Es mußte schon nach wenigen Jahrzehnten durch einen Strebebogen gestützt werden: Im ganzen freilich wußten die Zisterzienser diesen Nachteilen grundsätzlicher Vermeidung von Strebebögen zu begegnen. Ungeschickt genug z. B. im Langhaus von Bronnbach (Anfang des XIII. Jahrhunderts) durch massige Verstärkung von Langhausarkadenpfeilern gegen die Seitenschiffe, gereifter in Salem (Abb. 14) seit Anfang des XIV. Jahrhunderts, also ziemlich hundert Jahre voll wertvoller konstruktiver Erfahrungen nach Walkenried.

 

 

Abb. 14. Grundriß der Klosterkirche zu Salem, nach dem Inventar der Kunstdenkmäler des Großherzogtums Baden, Kreis Konstanz.

 

Sein Grundriß gibt aber auch wegen der ebenfalls fünfschiffigen Chorpartie, freilich konsequenterweise unter Vermeidung östlicher Ausbuchtung, eine interessante Parallele zu Walkenried. In Salem sind die Pfeilerreihen der Chorseitenschiffe der Richtung des Schubs entsprechend in die Breite gezogen, sodaß sie selbst schon die Funktion eines Strebepfeilers zu erfüllen vermögen, jedenfalls aber imstande sind, die Druckübertragung auf die äußeren Strebepfeiler der Seitenschiffe sicher zu übernehmen. Das Salemer Langhaus hat bei gleicher Breite wie der Chor doch nur zwei Seitenschiffe, dort haben daher die Mittelschiffpfeiler eine entsprechend erheblichere seitliche Verstärkung erhalten, bis zur Entwickelung von selbständig überwölbten Durchgängen. - In Walkenried fußten unvermeidlicherweise die Hochschiffstrebepfeiler (Abb. 13 u. 17) nur auf den Gurtvorlagen der Seitenschiffe. Diese waren aber für eine solche Last viel zu schmächtig. Die Strebepfeiler übertrafen daher die Vorlagen erheblich an Masse und belasteten infolge dessen auch noch die Gurtbögen. Deren Druck wurde dann erst über eine Zwischenstützenreihe hinweg auf die Außenwände und deren Strebepfeiler abgegeben. Jene Zwischenstützen nun waren von Gurtbogen und Rippen schwersten frühgotisch-burgundischen Kalibers belastet, bestanden zudem in der Nordreihe aus Säulen von nur 46 cm Schaftdurchmesser (Abb. 15), während die Pfeiler der Südreihe eine Seitenlänge von 80X63 cm haben. Erinnern wir uns nun, daß gerade der mittlere Strebepfeiler der nördlichen Seitenschiffwand Reste einer erheblichen späteren Verstärkung aufweist (Abb. 11,b)‚ und ihm entsprechend die nächsten inneren Gurtbögen, so muß man schließen, daß der Druck vom mittleren Arkadenpfeiler des Chorhochschiffs her ein besonders starker war. Dies würde sich wieder leicht aus der Tatsache erläutern lassen, daß eben dieser Mittelpfeiler auch den stärksten Gewölbedruck hätte aushalten müssen, also in dem von uns schon aus anderen Gründen für wahrscheinlich gehaltenen Falle, daß über diesem Pfeiler zwei sechsteilige Gewölbe zusammenstießen. Es unterstützt also die Analyse der nachträglichen Verstrebungen in den nördlichen Seitenschiffen und am Querhaus einmal unsere Rekonstruktion des ursprünglichen

 

 

 

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Grundrisses (Abb. 2), sie legt ferner aber auch die Vermutung nahe, daß die Erneuerung des Chormittelschiffes von Osten her mindestens bis zu diesem mittelsten Arkadenpfeiler gegangen sein wird.

 

Eine andere Betrachtung drängt zu derselben Annahme. Der reife gotische Chorumbau begann, wie wir sahen, oberhalb des äußeren Sockelgesimses, an der Südwand gegen das Seitenschiff ist der erste Zustand sogar bis oberhalb der Nische erhalten (Abb. 6). Der innere (Abb. 8) und äußere romanische Rundbogenfries unter dem hochgotischen Kaffgesims der Fenster muß eine entsprechende Bedeutung und Lage als ein deutscher Einschlag auch am älteren französisch-burgundischen Bau gehabt haben. Insbesondere liegt es nahe anzunehmen, daß die Friessteine der inneren Polygonecken mit herübergenommen wurden. Denn hier sind die Schaftstücke der Eckdienste mit den angrenzenden Friesteilen aus einem Stück gearbeitet (Abb. 8). Es ist kaum anzunehmen, daß man sich die Mühe der unmodernen Nacharbeitung gerade dieser kompliziertesten Friesstücke gemacht haben würde. Viel eher ist denkbar, daß man gerade um ihretwillen den ganzen Fries wieder verwendete. Damit wäre aber auch ein sicherer Anhalt für die Rippendienste des älteren Polygons gegeben. Sie wären die praktische Bestätigung der rein theoretisch vorauszusetzenden Annahme, daß die ursprünglichen Rippendienste des Polygons den sonstigen frühgotischen Rippendiensten der Kirche geglichen haben (vergl. die Querhauswandvorlagen Abb. 12), gleichwie diesen die Schäfte der jetzigen Polygondienste noch gleichen. Ob die jetzigen Kapitäle der Polygondienste auch von der entsprechenden Stelle übernommen worden sind, mag wegen der verschiedenen Länge ihrer beiden Schauseiten einstweilen noch problematisch bleiben. Sie hätten z. B. vielleicht auch auf die Rippendienste am westlichen Polygongurt gepaßt. Über die formalen Beziehungen dieses romanisch-antikisierenden Kapitäls siehe P. J. Meier im Braunschweigischen Magazin 1904. Nun erscheint ein solcher Dienst aber auch an Stelle der für den ursprünglichen Bau vorauszusetzenden westlichen Gurtbogenvorlage (Abb. 8) des Polygons, die wir uns im ersten Zustand nach durchgängiger Analogie an den übrigen Kirchenteilen nur als rechteckige Pfeilervorlage mit besonderen seitlichen Rippendiensten vorstellen können. Wir müssen also annehmen, daß mit seiner Vorlage auch der das Polygongewölbe westlich einfassende Gurtbogen gelegentlich des Umbaus im vorgeschrittenen XIV. Jahrhundert verändert worden ist. Diese Änderung zog aber auch das westlich anschließende sechsteilige Gewölbe in Mitleidenschaft.

 

 

Abb. 15. Säule, mit gegenwärtig verkürztem Schaft, aus den nördlichen Chorseitenschiffen der Walkenrieder Kirchenruine.

 

Wir werden also von den verschiedensten Seiten her dazu genötigt, das östliche sechsteilige Gewölbe des Chormittelschiffes für wesentlich beteiligt am Umbau anzusehen, ja, da es auf der Hauptrichtungslinie des Senkungsgebietes lag, in ihm geradezu den Ausgangspunkt des ganzen Hochschiffumbaues zu vermuten. Sehr möglich, das daher auch noch das westlich anschließende sechstteilige Gewölbe vom Umbau mitbetroffen wurde.

 

 

 

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44 K. Steinacker.

 

Indessen beschränken wir uns auf das Unabweisliche und nehmen als westliche Grenze für den Umbau einen unverändert gebliebenen Gurtbogen zwischen beiden sechsteiligen Gewölben an. Der Umbau hat nun wahrscheinlich jenes östliche annähernd quadratische Mittelschiffjoch in zwei gleichartige oblonge nur vierteilige von durchaus hochgotischem Charakter zerlegt. Dafür spricht insbesondere die aus dem dünnen Runddienst vorauszusetzende Umwandlung auch des Gurtbogens zwischen Polygon und Mittelschiff in ein schmächtiges rippenartiges Gebilde, wie es die Trennungsbögen oblonger hochgotischer Gewölbejoche zu sein pflegen. Dafür spricht aber auch die damit unter normalen Verhältnissen erreichbare bessere Druckableitung. Daß diese tatsächlich nicht eintrat, lag eben doch an den unüberwindlichen Schäden leichtsinniger ursprünglicher Fundamentierung und Konstruktion. Wir erhalten danach das in Abb. 11 wiedergegebene Grundrißschema des Chors nach dem hochgotischen Umbau.

 

 

Abb. 16. Grundriß der Walkenrieder Kirchenruine im Jahre 1661. Aus J. H. Hofmann, Rerum sive Antiquitatum Walkenredensium Libri

 

Über die Rekonstruktion der Arkadenpfeiler des Chormittelschiffes hat Giesau gründlich und beachtenswert sich ausgesprochen. Wir wollen uns damit nicht mehr beschäftigen, sondern nur sagen, daß wir die ursprüngliche Arkadenpfeilerform für das westliche, sechsteilig gebliebene Chormittelschiffjoch auch nachdem Umbau beibehalten, eineschließlich der mittleren Hauptpfeiler. Für die östlichen Pfeiler aber halte ich eine Modernisierung nach Analogie des am Polygon erhaltenen Arkadengewändes für wahrscheinlich und dementsprechend auch die Umbildung dieser östlichen Oberwandteile in der Weise der südlichen Polygonwand (Abb. 8).

 

Ich darf erwähnen, daß mir gelegentlich der staatlichen Inventarisierungsarbeiten Herr Diplom-Ingenieur Adolff Bischoff sachkundig als Verfertiger der notwendigen neuen Schnitte und Risse zur Seite stand. Von unveröffentlichtem Material war uns besonders von Wert Plan und Nordansicht der Ruine in der handschriftlichen Chronik von Joh. Heinr. Hofmann aus dem Jahre 1661, jetzt im Kgl. Staatsarchiv zu Hannover (R. 57), reproduziert hier unter Abb. 16 u. 17. Sie lagen ersichtlich den von Giesau wieder veröffentlichten Kupferstichen aus Leuckfelds Chronik vom Jahre 1705 zugrunde, sind aber weit zuverlässiger als diese. Der Grundriß z. B. (Abb. 16) gibt im Sinne der Giesauschen Rekonstruktion mehr und widerspricht entschiedener der früher gängigen von Lotz. Aber natürlich ist auch er nur mit großer Vorsicht zu benutzen. Ganz ungemein wertvoll aber ist die Nordansicht (Abb. 17). Wir können hier nicht auf die vielen durch sie möglichen Auskünfte eingehen, nur sei hingewiesen auf die Strebepfeilerform am Hochschiff des Langhauses. Sie beweist allein schon einwandfrei, auch abgesehen von den erhaltenen Pfeilern der Südwand, die hier erläuterte Theorie der Druckableitung auch des Chorhochschiffes und widerspricht der Vermutung Giesaus (a. a. O. S. 34), es sei der Schub vom Hochschiff hinweg über die Gurtbogen hin durch Strebemauern abgeleitet gewesen. Zu Giesaus Untersuchung sei im übrigen noch hinzugefügt, daß die Maßergebnisse

 

 

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45 Kloster Walkenried.

 

 

Abb. 17 Ansicht der Walkenrieder Kirchenruine von N. Im Jahre 1661. Aus J. H. Hofmann, Rerum sive Antiquitatum Walkenredensium Libri.

 

der lnventarisation auch nach nochmaliger Prüfung auf Grund der Giesauschen Angaben von diesen namentlich in der Höhe nicht ganz unerheblich abweichen, man wird daher jedenfalls mit der kritischen Verwertung von Maßangaben jeglicher Herkunft immer noch vorsichtig sein müssen. Ein Irrtum ist Giesau hinsichtlich der Seitenschiffgewölbe des Langhauses unterlaufen. Es sind in der Tat in den Ostjochen des südlichen Seitenschiffes Gewölbeansätze vorhanden, aus denen sich mit Sicherheit auf das Fehlen von Rippen trotz der vorhandenen Dienste schließen läßt. Bei der wesentlichen Bedeutung endlich, die Giesau dem Schildbogen über dem erhaltenen Fenster der Ostwand der südlichen Chorseitenschiffe gibt (Abb. 6; a. a. O. S. 3), ist zu bedenken, daß das hier zuletzt vorhandene Gewölbe nicht mehr das erste gewesen ist, daher auch der Schildbogen wohl nur noch vermutungsweise für den ersten Zustand in Anspruch genommen werden kann. Beide sachlichen Korrekturen haben keinen erheblichen Einfluß auf das Verdienst Giesaus, durch eine Fülle von Kombinatiosen und Analogien die stilistische Verwandschaft Walkenrieds mit anderen Bauten gründlich erwiesen zu haben.

 

 

 

 

 

Quelle:

Sonderabdruck aus: Zeitschrift fuer Geschichte der Architektur. Herausgegeben von Dr. phil. Fritz Hirsch, Großherzogl. Oberbauinspektor in Bruchsal (Baden), Jahrgang VI (1913) Heft 2 S. 25-45, Verlag von Carl Winters Universitätsbuchhandlung in Heidelberg.

 

P. J. Meier 1904: Ein romanisches Kapitäl der Klosterkirche in Walkenried

Braunschweigisches Magazin.

Im Auftrage des Geschichtsvereins für das Herzogtum Braunschweig

herausgegeben von Dr. Paul Zimmermann in Wolfenbüttel.

1904. Februar. Nr. 2.

 

 

Ein romanisches Kapitäl der Klosterkirche in Walkenried.

 

Vortrag 1) gehalten am 15. Dezember 1903 in der gemeinsamen Sitzung des Braunschw. Architekten- und Ingenieurvereins und des Braunschw. Geschichtsvereins von P. J. Meier. Im März 1902 ist beim Einsturz einer Seite der Chorapsis der Cistercienser Klosterkirche in Walkenried eins der merkwürdigen Kapitäle herabgeworfen worden, die die Gewölberippen des gotisch erneuerten Chors trugen. Die erst jetzt mögliche genaue Betrachtung des Stücks zeigte, daß es sich um die getreue Nachbildung eines römischen Kompositakapitäls handelt, mit einer Reihe scharf gezackter und scharf gerippter Akanthusblätter, einer Perlschnur, einem stark mißverstandenen, tief eingeschnittenen Eierstab, den üblichen Voluten und dem einwärts gebogenen Abakus.

 

 

 

 

 

Walkenried

Speier (S. Afra)

Magdeburg

 

 

 

Das Kapitäl besteht aus Zechstein (Dolomit), wie er bei Walkenried ansteht und auch sonst für die Klosterkirche verwendet ist; es ist also an Ort und Stelle gearbeitet worden, hat aber wohl zuerst in dem ursprünglichen, spätromanischen Chore 2) gesessen, von dem es gleich dem Rundbogenfries in den gotischen Chor übernommen wurde. Die Formen machen freilich den Eindruck, als gehörte das Stück der frühromanischen Zeit an. Aber Kapitäle genau derselben Art und offenbar von der gleichen Hand gearbeitet oder doch wenigstens entworfen finden sich im Bischofsgang, d. h. dem oberen Chorumgang des Magdeburger Doms 3), und ihnen gesellen sich andere Kapitäle, Unterbrechungen des Säulenschafts als Ersatz der Schaftringe, Schlußsteine in der Stabverzierung der Arkaden, eine Nischeneinfassung und das ganze Dachgesims des Bischofsganges, Stücke, die sämtlich jene antike, in der romanischen Zeit fast unerhörte Bildung des Akanthusblattes zeigen,

 

 

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1) Der Vortrag wird hier nicht wörtlich, sondern nur in einem Auszug mitgeteilt, dafür aber mit Anmerkungen und Nachweisen versehen. Der Gegenstand soll später in anderm Zusammenhang ausführlicher behandelt werden.

2) Das Kapitäl war zum Einbinden in die Wand bestimmt, ist aber an der rechten Seite abgearbeitet. Bei ihrer neuen Verwendung sind die vier Kapitäle so gestellt worden, daß die jetzt einzig vollständige Volute schräg heraussteht. Die einst scharfen Formen sind durch Verwitterung stark verflacht worden.

3) Clemens, Mellin und Rosenthal, der Dom zu Magdeburg. — v. Flottwell, Jaehn und Ochs, Mittelalterl. Bau- und Kunstdenkmäler in Magdeburg.

 

 

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z. T. jedoch nicht allein nachweislich gleich für ihre jetzige Stelle gearbeitet sind, sondern auch gewisse Merkmale tragen, die ganz bestimmt auf den Anfang des 13. Jhdts. hinweisen, wie dies namentlich bei einigen Kompositakapitälen mit gebuckelten, rundlappigen Blättern französischer Art auf den Voluten und beim Dachgesims mit seiner nachromanischen Gestaltung der Fall ist. Da alle diese genannten Zierstücke eng zusammengehören, geht es nicht an, einzelne von ihnen herauszugreifen, sie für frühchristliche anzusehen und sie schon dem ottonischen Dome zuzuweisen, wie Hasak 1) erst noch vor kurzem ausgeführt hat; sondern man hat anzunehmen, daß sie sämtlich erst gleichzeitig mit dem Bau des Bischofsganges gearbeitet sind. Diesen aber können wir zeitlich ziemlich genau bestimmen. Der Neubau des im April 1207 durch Brand zerstörten Domes begann 1208 durch einen Meister, der bei den Kapitälen noch romanische Formen verwendete; ihm folgte für kurze Zeit ein Meister des Übergangsstils, der die Chorkapellen vollendete, und auf diesen wieder der Meister des Bischofsganges, den auch ich kurzweg „Bohnensack“ nennen möchte 2). Wenn nun 1221 eine Verhandlung durch den Magdeburger Erzbischof in superiori porticu maioris ecclesiae stattfindet 3), so ergibt sich daraus, daß das Obergeschoß des Chorumgangs — denn nur dieses kann mit dem Ausdruck gemeint sein — damals bereits vollendet war und benutzt werden konnte. Es hat also in jener Zeit eine außerordentlich rasche Bautätigkeit in Magdeburg stattgefunden. Für den Bischofsgang insbesondere bleiben nur die wenigen Jahre zwischen etwa 1215 bis 1220 übrig. Damals sind also auch jene Kapitäle und Zierstücke gearbeitet worden, und ihnen gehen vermutlich, wie wir noch unten sehen werden, die Walkenrieder Kapitäle unmittelbar voraus. Da nun in Walkenried im allgemeinen auch der Übergangsstil vorherrscht, und hier im südlichen Nebenchor außerdem dieselben Mondsichelkragsteine 4) vorkommen, wie im Magdeburger Bischofsgang, so fragt es sich, ob nicht wenigstens der Chor in Walkenried, soweit er nicht gotisch erneuert worden ist, mit dem Magdeburger Bauteil den gleichen Architekten hat.

 

Einfügung: Kirchenruine des Klosters Walkenried und Bischofsgang des Magdeburger Doms

 

 

 

 

Wer freilich Hasaks Meinung 5) teilt, daß gleich dem heutigen auch der mittelalterliche Architekt bei den großen Monumentalbauten sämtliche Einzelheiten, Profile und Kapitäle, figürlichen und ornamentalen Schmuck, entwirft, alles selbst anordnet, für alles persönlich verantwortlich ist, als Künstler mit einer Art Hochschulbildung turmhoch über den am Bau tätigen einfachen Handwerkern steht, der ist eigentlich der Antwort auf jene Frage enthoben. In der Tat aber genügt jedem Vorurteilslosen gerade das urkundliche Material, das Hasak selbst beibringt, vollkommen zu dem Schlusse, daß der Architekt jener Zeit von der Pike auf diente, daß er erst die gewöhnliche Bearbeitung der Steine, dann die feinere ornamentale und figürliche Ausführung, schließlich auch die Baukunst lernte. Ein Ausdruck umfaßte alle diese, heutzutage scharf von einander getrennten Berufe: Steinmetz (=lapicida, latomus 6), wie auch die trennende Bezeichnung Landschafts-, Historien-, Bildnis-, Kunstmaler in früheren Zeiten unbekannt war. Wenn wir sehen, daß ein Dürer seine Kunst durchaus handwerksmäßig in der Werkstatt Wolgemuts lernte, so kann eine gleiche Annahme für den mittelalterlichen Architekten diesen doch nicht seines unstreitig hohen künstlerischen und technischen Wertes berauben. Die Anschauung, als hätte Erwin von Steinbach heute die Fassade des Straßburger Münsters entworfen, morgen die Profile gearbeitet und am dritten Tag die schlichten Quadern behauen, wird niemand mehr teilen. Wer innerhalb des „Steinwerks“ es zu wahrhaft künstlerischer Bedeutung gebracht hatte, gebrauchte für minderwärtige Arbeit auch minderwertige Kräfte. Im übrigen aber war der Architekt jener Zeit nur der primus inter pares, und die Bezeichnung Baumeister, magister operis, maitre de l’œuvre u. ä. decken sich keineswegs mit dem jetzigen Ausdruck Baumeister, unter dem wir einen des Bauens kundigen Meister verstehen, sondern bedarf noch eines ausdrücklichen oder aus dem Zusammenhang zu ergänzenden Genitivs, wie Meister des Baus der Stephanskirche oder der Bauten eines Fürsten usw. Seinem Beruf nach war der damalige Architekt Steinmetz, seinem an Zeit und Ort gebundenen Auftrag nach Baumeister oder besser Bauleiter. Ist dies aber der Fall, so liegt es scheinbar an sich sehr nahe, daß der Architekt sämtliche Einzelheiten seines Baues, die er selbst auszuführen gelernt hat,

 

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1) Hasak, zur Geschichte des Magdeburger Dombaues. Zeitschr. f. Bauwesen1896, auch in Sonderabdruck erschienen.

2) Von dem Namen, der unter der trefflich gearbeiteten, einst vollkommen bemalten Kalksteinfigur eines Steinmetz am ersten südlichen Pfeiler des Langhauses (Abb. bei Brandt, Dom zu Magdeburg S. 10, darnach Otte, Handbuch der kirchl. Kunstarchäologie II 495) in großen Majuskeln aufgemalt ist, sind die Buchstaben BONEN . . noch gut zu erkennen. Die Blätter an der Konsole hinter der Figur zeigen Formen aus der 1. Hälfte des XIII. Jahrh.; doch hat sich die Tätigkeit des Meisters des Bischofsganges nur auf diesen und das entsprechende Geschoß des Chors erstreckt. Wollen wir also für diese Teile den Namen Bohnensack der Kürze halber beibehalten, so tun wir gut, ihn mit Anführungszeichen zu versehen.

3) Gerade diese Urkunde, für den Bau des Bischofsganges die wichtigste von allen, v. Mülverstedt Reg. Archiepisc. Magd. II S. 292 Nr. 639, hat Hasak übersehen.

4) Hasak a. a. O. Abb. 11. — Paulus, Maulbronn.

5) Hasak, Haben Steinmetzen unsre mittelalterlichen Dome gebaut? Zeitschr. f. Bauwesen 1895, auch als Sonderabzug erschienen. - Ders. Im Handbuch der Architektur II. Teil, IV. Band 3. Heft, 222 ff.

6) Das griechische latomus scheint Hasak für etwas besseres zu halten, als das lateinische lapicida.

 

 

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wenigstens auch entwirft, aber ebenso gut kann man doch auch annehmen, daß er bei seiner Stellung als erster Handwerker des Baus seinen Genossen im Beruf eine Selbständigkeit läßt, die wir heute nicht kennen.

 

Wollen wir also die oben gestellte Frage, ob wir auf Grund der Übereinstimmung von Kapitälen und anderen Zierstücken den Walkenrieder Chor und den Magdeburger Bischofsgang demselben Baumeister zuschreiben dürfen, beantworten, so bleibt nichts übrig, als diese beiden Werke auch im Hinblick auf das rein Architektonische und namentlich auf das Konstruktive mit einander zu vergleichen. Dann aber müssen wir hierbei zugleich auch die im Übergangsstil gehaltenen Bauten im Cistercienserkloster Maulbronn, namentlich das Paradies und das Herrenrefektorium 1) berücksichtigen, die schon Hasak 2) mit Recht dem Magdeburger Meister „Bohnensack“ zuschrieb und die Paul Schmidt 3) mit guten Gründen zeitlich so angesetzt hat, daß der Bischofsgang dem Paradies nachfolgt, aber dem Herrenrefektorium vorangeht. „Bohnensack“, der die Kenntnis seiner Diagonalrippeu und Gruppen von Diensten, seiner Knollenkapitäle und Schaftringe, seiner Strebepfeiler und Fenstereinfassungen den frühgotischen Bauten im nördlichen Frankreich entnommen hat, muß doch als ein schon gereifter, innerlich gefestigter Künstler die Fremde besucht haben. Denn seinem Kern nach ist er Deutscher und Vertreter des romanischen Stils geblieben. Er übernimmt aus Frankreich nur soviel, als seine Grundanschauungen ohne erhebliche Änderung vertragen können. Die französische Frühgotik steht und fällt mit dem Spitzbogen und seiner konstruktiven Verwendung, „Bohnensack“ aber gebraucht diese überaus wichtige Form, wenn wir von einer Ausnahme absehen, nur an nebensächlicher Stelle, an Fenstern, wo der Rundbogen ebenso gut am Platze gewesen wäre, und geht im Maulbronner Paradies, das sein System am reinsten zur Anschauung bringt, von dem altgewohnten Quadrat des Gewölbejoches, dem Rundbogen und hauptsächlich von dem graden Gewölbescheitel aus. Während z. B. der Meister der sonst stilgleichen Abtskapelle in Schulpforta 4) bei Gleichseitigkeit des Jochs und Halbkreisform der Bogen die Kapitäle seiner Dienste in derselben Höhe hält und nur zum Ausgleich der somit verschieden hohen Diagonal- und Gurt-, sowie Schildbogenrippen die Gewölbekappen beträchtlich steigen läßt, und während andrerseits der Meister der 1207 im Übergangsstil vollendeten Michaeliskapelle in Ebrach 5) den Spitzbogen als Retter aus allen Schwierigkeiten verwendet, hilft sich „Bohnensack“ damit, daß er die mit größerem Radius geschlagenem Bogen der Diagonalen tiefer herabzieht, als die übrigen, und sich auf diese Weise gerade Gewölbescheitel sichert. Und da das Paradies sowieso niedrig sein mußte, konnte er die Scheitelhöhe der Jochseite gleich nehmen und es erreichen, daß der Kämpfer der niedriger sitzenden Diagonalkapitäle sich als Schaftring um die höheren anderen Dienste verkröpft, und sich nun ein vollkommen durchsichtiges, ungemein reizvolles System ergab.

 

Beim Magdeburger Bischofsgang und dem Maulbronner Remter war der Grundriß bereits festgelegt, als „Bohnensack“ seine Tätigkeit begann. Dort war ja der Chorumgang von einem anderen Meister vollendet, und hier scheint das Gebäude in seinen Umfassungsmauern gleichfalls schon errichtet gewesen zu sein 6). So hatten die Joche bei dem einen Bau rechteckige und trapezförmige, bei dem andern ausschließlich rechteckige Gestalt. In Magdeburg hat nun „Bohnensack“ bei den Rechtecken für die Dienstkapitäle, im Gegensatz zum Maulbronner Paradies, gleiche Höhe genommen, aber, da er auch hier am Halbkreisbogen und graden Gewölbescheitel festhielt, für die kleineren Bogen über den Kapitälen Stelzen eingeführt, die mit einem besonderen Kämpferprofil schlossen; bei den Trapezen der Apsis, die er wohl zuerst in Angriff nahm, sind die Dienste noch verschieden hoch gebildet, er mochte aber bei den Rechtecken von seiner alten Gewohnheit abweichen, weil sich beim Bischofsgang mit seinem abweichenden Grundriß doch nicht jenes rhythmische System, wie beim Paradies, anwenden ließ. Bei den Trapezen läßt sich auch insofern eine gewisse Schwerfälligkeit im Lösen konstruktiver Schwierigkeiten beobachten, als der Meister nicht, wie es bei solchem Grundriß in Frankreich bereits üblich war, gebrochene Diagonalen wählte, die sich im Scheitel des Gewölbes trafen, sondern grade, bei denen die Schlußsteine vom Scheitel herabgerutscht scheinen. Auch beim Maulbronner Herrenremter war dem Meister, wie es scheint, der nur in Rechtecke teilbare Grundriß gegeben; dazu kam die Gewohnheit, dergleichen Räume durch eine Reihe von Säulen in zwei Schiffe zu teilen; da es nun hier natürlich unmöglich war, verschieden hohe Dienste zu benutzen, so konnte „Bohnensack“ nicht umhin, wenigstens die Gurt- und Scheidebogen diesmal spitz zu gestalten, und bei den rundbogigen,

 

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1) Das Laienrefektorium hat sein ursprüngliches Gewölbe nicht bewahrt; ich lasse dies daher hier ebenso außer Betracht, wie den ältesten Teil des Kreuzganges, bei dem ich von der Urheberschaft „Bohnensacks“ nicht ganz überzeugt bin.

2) Z. Gesch. d. Magd. Dombaues S. 10

3) P. Schmidt, Maulbronn, in d. Studien zur deutschen Kunstgeschichte Heft 47, Straßburg 1903, S. 45 ff.

4) Leidig Ztschr. f. Bauwesen 43 (1893) 231 ff. Tf. 26-28.

5) Joh. Jäger, Klosterkirche zu Ebrach (1903) 48 ff.

6) Die Außenfassade zeigt keinerlei Merkmale „Bohnensacks“, der auch mit Leichtigkeit quadratische Joche hätte wählen können.

 

 

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besonders schmalen Arkaden -- für die Zwischenrippen der sechsteiligen Gewölbe waren dünnere Säulen in die Reihe der anderen gestellt -- wiederholte er die Stelzen und Kämpfer des Magdeburger Bischofsganges, kam aber freilich selbst auf diese Weise nicht hoch genug, um auch hier den Gewölbescheitel grade zu legen. Man sieht also, wie ungemein schwer sich der Meister zu Neuerungen entschließt, die er sich nur Schritt für Schritt abringen läßt, wenn die Schwierigkeiten mit den altgewohnten Mitteln schlechterdings nicht zu beseitigen sind. Es handelt sich also um eine festgeschlossene, eigenartige Persönlichkeit, die sich in keinem seiner nachweisbaren Werke verleugnet und sich niemals hätte verleugnen können. Zeigt nun der Chor von Walkenried nicht die dargelegten Eigentümlichkeiten, so kann in ihm um so weniger ein Bau „Bohnensacks“ erkannt werden, als doch alle Wahrscheinlichkeit dafür spricht, daß er dem Magdeburger Bischofsgange hätte — wenn nicht vorausgehn, so doch — unmittelbar folgen müssen. Die Chorapsis selbst, wo die Kompositakapitäle sitzen, muß hier freilich des gotischen Umbaus wegen außer Betracht bleiben, aber von den zweischiffigen, aus Rechtecken bestehenden Nebenchören, die allerdings nicht mehr stehen, sind sowohl die Gewölbeanfänge, wie an einer Stelle, der nordöstlichen Ecke des südlichen, die Schildbogen erhalten, und an ihnen erkennen wir, daß von Stelzung hier nirgends die Rede ist, und durchweg der Spitzbogen zur Verwendung kam.

 

Der dargelegte Tatbestand würde bereits genügen, um klarzustellen, daß der Chor von Walkenried trotz der Übereinstimmung mit dem Magdeburger Bischofsgang namentlich in den Akanthuskapitälen doch nicht denselben Baumeister gehabt haben kann, wie dieser, und daß wir den weiteren Schluß ziehen müßten, der Architekt und der Bildhauer für die feineren Zierformen wären ganz verschiedene Personen gewesen. Aber die Sache wird wesentlich klarer, wenn wir noch ein weiteres Bauwerk, den Kaiserdom in Speier, heranziehen.

 

Einfügung: Dom in Speier

 

Der Dom in Speier 1) hat im Jahre 1159 durch einen großen Brand eine weitgehende Zerstörung erfahren, die, wie der Bau selbst es erkennen läßt, eine vollständige Erneuerung der beiden Querhäuser, des Langhausgewölbes — wenn anders ein solches vordem überhaupt bestand — und der S. Afrakapelle, sowie die Anbringung von Laufgängen im Äußeren und die damit zusammenhängende Erhöhung der Mittelschiffsmauern nötig machte. Bei allen diesen Teilen des mächtigen Domes, die in das letzte Viertel des 12. Jahrhd. und noch etwas darüber hinaus anzusetzen sind, läßt sich die Hand des Meisters der Walkenrieder und Magdeburger Akanthuskapitäle in zahllosen Zierstücken mit Sicherheit erkennen 2). Das ist zunächst bei einigen sorgfältig ausgeführten Kompositakapitälen der Afrakapelle 3) der Fall. Sie tragen zwei anscheinend geringfügige, aber grade deshalb für unsern Beweis entscheidende Merkmale, die bei den Kapitälen in Walkenried und Magdeburg noch nicht erwähnt waren, sich aber auch bei ihnen zeigen. In seiner Abhängigkeit von den sorgfältig studierten antiken Kapitälen läßt er nämlich, so weit ich beobachten konnte, stets den Ring, der das Kapitäl vom Schaft trennt, der aber im Mittelalter sonst mit dem ersten zusammengearbeitet zu werden pflegt, fort, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, daß der Steinmetz, der den Schaft herstellte, seiner sonstigen Gewohnheit gemäß, den Ring oft ebenso wenig ausführte.

 

Einfügung: Weitere Kapitelle im Bischofsgang des Magdeburger Domes


 

 

Im Chor zu Magdeburg sind vielfach antike, aus dem ottonischen Bau übernommene Schäfte mit Ring benutzt, aber im eigentlichen Bischofsgang sitzen die ringlosen Kapitäle zweimal ohne weiteres auf dem gleichfalls ringlosen Schaft, der nun zu dünn erscheint, und im dritten Fall ist ein besonders gearbeiteter Ring zwischen Kapitäl und Schaft eingeschoben. In Speier ließ sich wenigstens das feststellen, daß der Ring in der Afrakapelle, in der Katharinenkapelle, deren alte Kapitäle in den Neubau aufgenommen sind, und bei einzelnen aus dem Dom stammenden Kapitälen des Museums stets mit dem Schaft, nicht mit dem Kapitäl verbunden ist und daß er bei den Fenstereinfassungen des Querhauses öfters ganz fehlt.

 

Sodann aber zeigt in Walkenried, Magdeburg und S. Afra zu Speier die flache Scheibe, die das Ei des antiken Eierstabes vertritt, eine senkrechte Reihe von Bohrlöchern, die zum Eindruck des Ganzen nicht das mindeste beitragen und eine ähnliche Bedeutung haben, wie etwa der gewohnheitsmäßige Schnörkel einer Handschrift, Sachen, die ein Nachahmer sicher nicht wiederholt.

 

In S. Afra sind die meisten Kapitäle, die übrigens sämtlich Kompositaform zeigen, nur bossiert, einige davon wenigstens geglättet, die andern aber ganz rauh gelassen, so daß bei ihnen die Absicht späterer sorgfältiger Ausführung keinem Zweifel unterliegt; ja, fast um die Sache noch klarer zu machen, ist bei einem Bossenkapitäl mit der feineren Ausarbeitung eines Akanthusblattes bereits der Anfang gemacht. Es ist nicht zweifelhaft, daß auch alle diese Stücke dem „Meister des Akanthus“, wie ich ihn nennen möchte, zuzuweisen sind, freilich nicht in dem Sinne, als hätte dieser ganz allein die sämtlichen Kapitäle, die in Frage kommen, zugehauen. Er hat vielmehr seine Gesellen gehabt, die nach einem von ihm selbst

 

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1) Meyer-Schwartau, der Dom zu Speyer und verwandte Bauten.

2) Meyer-Schwartau macht a. a. O. S. 119 auf diese Übereinstimmung aufmerksam, nutzt sie jedoch nicht aus.

3) Ebd. Tf. XXIII.

 

 

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hergestellten Probestück arbeiten konnten, die sich vielleicht in Roh- und Feinarbeit teilten, aber jedenfalls sich nicht immer, sei es nun aus Mangel an Genauigkeit, sei es im Gefühl eigenen Könnens, haarscharf an die Vorlage hielten. Für die Eigenart des Ganzen blieb aber doch der Meister verantwortlich. Nun zeigt aber der Speirer Dom selbst keineswegs nur die Kompositaform, die in ihrer verschiedenartigen Gestaltung — abgesehen von der Afrakapelle — hier fast ganz auf die Zwerggallerien 1) beschränkt ist und dann meist nur im Bossencharakter erscheint, sondern er bevorzugt die Form des wieder ganz der Antike nachgebildeten korinthischen Kapitäls 2), weist aber daneben ein von ihr sich entfernendes Kapitäl 3) auf, das gleichwohl von dem Meister des Akanthus herzurühren scheint und z.·B. an den Langhausdiensten, sowie an den Säulen der Ostnischen der Querschiffe mit dem korinthischen Kapitäl regelmäßig wechselt. Namentlich verraten auch die reichen Einfassungen der Fenster der Querschiffe 4), die in verschiedenen Randmustern und in Säulen mit Akanthusblättern bestehen, vielfach die Kunst unsres Meisters. Er ist offenbar der fast ausschließlich für die ornamentale Ausschmückung dieser spätromanischen Teile des Domes beschäftigte Bildhauer gewesen, der aber, noch ehe er die nur halb fertig gestellten, wenn auch versetzten Kapitäle ganz ausgeführt hatte, den Bau verließ, um seine Werkstatt dann nach Sachsen zu verlegen.

 

Wenn nun eine Vergleichung der rein architektonischen Eigenschaften des Walkenrieder Chors mit denen der entsprechenden Bauten in Magdeburg und Maulbronn nicht ganz hoffnungslos war, da hier überall der Übergangsstil herrscht, so hat Speier in dieser Hinsicht mit keinem der genannten Werke auch nur die allergeringste Ähnlichkeit. Denn in Speier ist von irgend einem französischen Einfluß keine Rede, der Dom ist in den Teilen, die hier in Frage stehen, ein durch und durch romanischer Bau, der zudem auch in der Gewölbeanlage mit Magdeburg·und Maulbronn nichts zu tun hat. S. Afra 5) hat als Gewölbe sich durchschneidende, merkwürdigerweise korbbogenartige Tonnen ohne Diagonalrippen. Im Langhaus herrscht bei den Gurten und den gratigen Diagonalen ausschließlich der Rundbogen, so daß die Kappen beträchtlich steigen müssen, und das gleiche liegt in den Querschiffen vor, die nur im Gegensatz zum Langhaus Diagonalrippen von rechteckigem Profil zeigen 6). Andrerseits fehlen in Maulbronn Zierstücke mit Akanthusblättern vollkommen. Mochte bisher noch ein Zweifel sein, ob die Person des dekorativen Bildhauers von der des Baumeisters zu trennen war, so ist ein solcher jetzt vollkommen ausgeschlossen. Sie stellen in unserem Falle zwei von einander völlig unabhängige Kreise dar, die sich nur zu einem ganz kleinen Teile berühren.

 

Als Meister „Bohnensack“ von Maulbronn seine Reise nach Magdeburg antrat, war der bequemste Weg für ihn den Saalbach entlang, der ihn fast unmittelbar an die Stelle des Rheins führte, die gegenüber von Speier lag. Hier hat er gewiß den Meister des Akanthus kennen gelernt und ihn für sich verpflichtet. Aber während der Architekt selbst wahrscheinlich einem bestimmten Rufe nach Magdeburg folgte und gleich den Ort seiner neuen Tätigkeit aufsuchte, führte der einfachere Bildhauer seine Reife ganz nach Art der wandernden Handwerker aus; er machte Halt, wo er hoffen konnte Arbeit zu finden. Auf seiner Wanderung nach dem Norden hat er, wie wir sahen, das nicht weit von der Heerstraße liegende Walkenried aufgesucht und hier die vier Kompositakapitäle gearbeitet, aber anscheinend weiter nichts, ein deutlicher Beweis, daß er dort nur vorübergehend weilte.

 

Aber wir können seine Tätigkeit während der Reise noch an einem andern Orte nachweisen. Unweit der Straße von Frankfurt nach Norden, in der Wetterau, liegt das Dorf Ilbenstadt 7), und für die Vorhalle zu dessen Pfarrkirche lieferte er Kompositakapitäle, wie wir sie aus Speier kennen, und Akanthuskapitäle nach korinthischer Art, aber auch eins mit figürlicher Darstellung. Vielleicht ist es kein Zufall, das grade diese Stücke, wie auch die Walkenrieder, die er gewiß allein ausgemeißelt hat, besonders gut ausgefallen sind.

 

Es war fraglos ein in seinem Fach sehr tüchtiger Meister. Aber wunderbar bleibt es dennoch, daß „Bohnensack“, der in Maulbronn so ganz andere Zierformen gewohnt war und in Magdeburg doch auch mehrere Bildhauer benutzte, die sich auf die modernen Kapitäle französischer Art, auch solche mit reichem Blätterschmuck verstanden, in erster Linie den durchaus romanisch - antikisierenden Meister des Akanthus zu sich heranzog. Man kann sich dies nur erklären, wenn man bedenkt, daß dieser für seine Zeit eine wirklich einzigartige Kenntnis antiker Formen besaß, die er sich in Italien erworben haben mochte, und die selbst auf die Vertreter des neuzeitlichen Stils nicht ohne Eindruck bleiben konnte. Es hat jedenfalls nach Kräften dazu beigetragen, die Ausschmückung des Magdeburger Doms reicher und mannigfaltiger zu gestalten. Daß er, wie erwähnt, gleichwohl hier unter den Einfluß der französischen Formensprache geriet, ohne freilich deshalb

 

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1) Ebd. Tf. XXII. XXIV.

2) Ebd. Tf. XXI.

3) Ebd. Tf. XX. 6.

4) Ebd. Tf. XVIII. XIX

5) Ebd. S. 157 Fig. 66.

6) Ebd. Tf. XII-XV.

7) Kunstdenkmäler im Großherzogtum Hessen, Kr. Friedberg Figg. 90. 91. (S. 145. 146).

 

 

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in seine Eigenart zu verlieren, ist nicht zu verwundern. Unsere Untersuchung gestattet uns zuerst, für die hier in Frage stehenden Bauten genauere zeitliche Bestimmungen zu treffen. Beginnt der Bau des Magdeburger Bischofsganges um 1215 und endigt er um 1220, so müssen wir annehmen, daß das Maulbronner Paradies etwa in den Jahren 1210 bis etwa 1215, das Herrenrefektorium etwa 1220 bis 1225 gebaut worden ist, und daß auch die spätromanische Bauperiode des Speierer Domes sich bis gegen 1215 hin erstreckt hat 1). Die Vorhalle von Ilberstadt und der Chor von Walkenried würden dann etwa ins Jahr 1215 fallen.

 

Sodann gewinnen wir in den Betrieb der damaligen Bauhütten einen Einblick, der uns bisher noch fehlte. Wir sehen, daß der Baumeister oft selbständige, künstlerisch geschulte Bildhauer verwendet 2), bisweilen mehrere mit ganz verschiedener Richtung, die ihre Zierstücke selbst entwerfen, sehen auch vor allem, daß diese Steinmetzen, der Baumeister so gut, wie der Bildhauer nicht an einem bestimmten Ort ansässig sind, sondern ihren Aufenthalt wechseln, je nachdem, wo eine Aufgabe ihrer harrt, daß sie also keiner Zunft angehören, sondern sich in der jeweiligen Bauhütte zusammenfinden, ähnlich, wie dies später, nur in festeren Formen in der Zeit der Steinmetzordnungen geschah. Hier darf auch an eine frühere Untersuchung 3) erinnert werden, die zeigte, daß für den plastischen Schmuck der Stiftskirche in Königslutter ein Meister tätig war, der vorher bei dem italienischen Baumeister Nicolaus in Verona und Ferrara beschäftigt war, dann aber bei seinem jahrelangen Aufenthalt in Königslutter eine förmliche Schule für Dekorationsbildhauer gründete, deren Wirksamkeit im weiten Umkreis festzustellen ist, während nichts dafür spricht, daß dieser Meister auch als Architekt ausgebildet gewesen wäre.

 

Das wichtigste Ergebnis aber scheint mir, daß jetzt der Anfang dazu gemacht ist, wie in der Architektur, so auch in der dekorativ-figürlichen und ornamentalen Plastik der romanischen Zeit ganz bestimmte, ihrer Richtung und Bedeutung nach greifbare Künstlerpersönlichkeiten festzustellen. Nicht der einfache Mann aus dem Volke, der auch in seiner Zeit in der Masse untertaucht, hat beispielsweise — um von den Architekten zu schweigen — die so verschiedenen Formen der romanischen Kapitäle Schritt für Schritt entwickelt, die dann sofort Gemeingut aller oder vieler wurden, sondern das sind hervorragende Künstler gewesen, dem Namen nach nicht mehr faßbar, wohl aber dem Schaffen nach, die in ihrer Werkstatt einen Kreis von Gesellen um sich sammelten und den Besten von ihnen Anregung zu eigener künstlerischer Tätigkeit und zu weiterer Entwicklung der dekorativen Plastik gaben. Es wird die Aufgabe späterer Untersuchung sein, grade auf diesem Gebiet noch mehr Meister nachzuweisen von der Bedeutung, wie sie der Speierer Meister des Akanthus besessen hat.

 

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1) Schmidt setzt diese Bauten etwas anders an.

2) Hier und da nimmt auch Schmidt neben „Bohnensack“ einen besonderen Meister für die plastischen Zierstücke an.

3) P. J. Meier, der Meister von Königslutter in Italien, Kunstchronik N. F. XII 97.

 

 

 

Quelle:

 

Braunschweigisches Magazin

Im Auftrage des Geschichtsvereins für das Herzogtum Braunschweig

herausgegeben von Dr. Paul Zimmermann in Wolfenbüttel.

Zehnter Band. Jahrgang 1904. Nr. 2 (Februar) S. 13-18

Wolfenbüttel. Verlag von Julius Zwißler.

Druck von Robert Angermann 1904.