Schöne Sage: Das Moosholzmännchen

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Schöne Sage:
Das Moosholzmännchen

Hochoben auf der Nordoststrecke des nördlichen Westturmes der alten Stiftskirche zu Königslutter
befindet sich eine aus grauem Kalkstein roh gehauene Gestalt, im Volksmunde „dat Moosholzmännchen”
genannt. Die Alten wußten nun hiervon folgendes zu berichten:

Als Kaiser Lothar dem Kloster Königslutter viele Güter schenkte, kam auch das zwischen den Dörfern
Ochsendorf und Klein Steimke gelegene „Moosholz“ in den Besitz der Mönche. Es wurden aber immer
wieder viele Klagen laut, daß aus diesem Wäldchen viel Holz gestohlen würde.

Um nun diesem Übel abzuhelfen, kamen die frommen Mönche auf den Gedanken, auf den Turm des
neuerbauten Gotteshauses eine steinerne Figur zu setzen, von der man aber den Leuten sagte, daß diese
der Holzvogt sei, der das entfernte Moosholz bewachen würde. Seit dieser Zeit nun nennt man diese
steinerne Figur „dat Moosholzmännchen”.


Entnommen aus:
Stadtbüttel Juli 97  Seite 22

 

 

Die Burg von Königslutter

Die Burg von Königslutter
Die Burg von Königslutter geht vielleicht auf eine "curtis", einen befestigten Hof der Frankenzeit (um 800), der zum Schutz einer Handelsniederlassung (Wik) an der alten Heerstraße Braunschweig-Magdeburg entstanden sein könnte,zurück. Anfang des 13.Jahrhunderts wird dieser Königshof in eine Wasserburg zum Schutz der wichtigen Heerstraße umgewandelt worden sein. Urkundlich wird die Burg zuerst 1265 genannt. Im Jahre 1279 wurde sie vergeblich von dem Markgrafen von Brandenburg belagert. 1599 wird ein Vorwerk vor dem "Herzogenhaus" erwähnt.
Die Burg gehörte den Herzögen von Braunschweig und Lüneburg, die sie aber anfangs nicht selbst bewirtschafteten,sondern an verschiedene Adlige verpfändeten. Dazu gehörte der Graf Georg von Wunstorf, auf den eine früher am alten Gefängnis befindliche Inschrift mit folgenden Worten hinwies: "Anno Domini 1516 da leidt de wolgeborene undt Edle Herr undt Grave to Wunstorff düt buwen." Letzte Pfandinhaber der Burg waren die Herren von der Streithorst 1556-1637.Daran erinnerte eíne an dem Schwellbalken eines im zweiten Weltkrieg zerstörten Fachwerkhauses zwischen der Burg und dem Burgtor angebrachte Inschrift, die folgenden Wortlaut hatte: "1558 hat mich der erbare Christoff von der Streithorst Brunswiker Hofmarscalk erbuwet unde in der Palmwecken gerichtet. O, ewig ist ja to lang."
Auf dem Merianstich aus dem Jahre 1654 erscheint die Burg als ein verhältnismäßig schlichtes,aber beherrschendes Gebäude mit einem jetzt nicht mehr vorhandenen Quergiebel. Auffällig ist auch das hell hervorleuchtende hohe Tor der Vorburg. Die Wirtschaftsgebäude scheinen dagegen weniger bedeutend gewesen zu sein.
Als die Herren von der Streithorst die Burg im Jahre 1657 an das Herzogliche Haus zurückgeben, war sie "sehr devastirt und ruinirt". Auch der Graben um die Burg "lag wüst", und die drei Fischteiche waren "mit Weiden und Rohr fast zugewachsen". Die Verwaltung übernehmen nun herzogliche Amtmänner, die allerdings nicht in der Burg, sondern meistens in der Stadt wohnten. Vorübergehend - in den Jahren 1669-1683 - war die Burg auch an das Fürstliche Haus Celle verpfändet. Die ältesten Inventare der Burg stammen aus den Jahren 1671 und 1686. Darin kommt der Verfall der Burg, der durch den Dreißigjährigen Krieg sicher beschleunigt worden ist, deutlich zum Ausdruck. So wird zum Beispiel erwähnt, daß die Zugbrücke "nur noch im Notfalle gangbar sein kann", der Erker über dem Burgtor weggenommen sei, "weil er herunter fallen wolle" und die beiden Erker vor der Hofstube aus den gleichen Gründen entfernt werden mußten. Anfang des 18.Jahrhunderts wurde die Vorburg mit dem Außentor über der Lutter, Wirtschaftsgebäuden und Häuslingshäusern abgerissen, gleichzeitig aber, zum Teil aus ehemaligen Stallungen, neue Häuser für zehn Häuslingsfamilien eingerichtet. Neben dem Amtshaus werden in einem Inventar aus dem Jahre 1710 eine gemauerte Scheune (26 m x 10 m), das alte, zum Kuhstall optierte Quergebäude (16 m x 6 m), der alte Kuhstall (16 m x 6 m), das Pforthaus (6 m x 6 m) und 5 Häuslingshäuser (19 m x 6 m) genannt.
Auf dem ältesten Stadtplan von Königslutter aus dem Jahre 1761 erscheint die Burg um einen rechteckigen Hof herum gruppiert mit dem breiten Amtshaus, den Wirtschaftsgebäuden und dem Burgtor fast wie in heutiger Gestalt. Allerdings waren östlich neben dem Amtshaus noch durchgehende Gebäudeteile und an der Ostseite des Amtsplatzes noch zwei Häuslingshäuser vorhanden.
In den 1780er Jahren erfolgte der Neubau des Amtshauses. Die Umfassungsmauern konnten allerdings erst dann fertiggestellt werden, nachdem das alte Wohn- und Brauhaus, das daranstieß und baufällig war, abgebrochen worden war. Nur die zur Einfriedigung des Amtshofes notwendige Mauer blieb stehen. Die Amtsstube, die bis dahin über dem Burgtor lag, wurde damals in das Amtshaus, das nun auch Wohnhaus des Amtsmanns wurde, verlegt. Das Amtswohnhaus blieb unregelmäßig, die rechte Seite war um 12 1/2 Fuß (3.80 m) länger als die linke. Auf dem Gelände der ehemaligen Vorburg verschwanden die letzten Häuslingshäuser.
In den Jahren 1816-1830 war das Postamt in dem ehemaligen Fürstlichen Amt untergebracht.Ein Inventar aus dem Jahre 1824 zählt folgende zum Amt gehörige Gebäude auf:
1. das Wohnhaus, massiv, mit 5 Etagen, von denen aber die dritte unausgebaut ist
2. eine große Scheune, ein Teil davon Gefängnis, ein anderer Teil Unterstellraum für die Amts-Feuerspritze
3. ein Pferdestall für 10 Pferde
4. ein Kuhstall für 10 Kühe und 6 Pferde
5. einige kleinere Gebäude, wie Kälber- und Schweinestall, Wagenremise und das alte Spritzenhaus links der Brücke,welches vom Gefangenenwärter bewohnt wird.
Im Jahre 1850 verlegte man das Amtsgericht,das ursprünglich in den Räumen des ehemaligen Stifts Königslutter untergebracht werden sollte, in das Amtshaus. Während des II. Weltkrieges wurden bei einem Bombenangriff auf Königslutter die Fachwerkgebäude zwischen dem Burgtor und dem Amtswohnhaus zerstört. Im Jahre 1967 mußte das Amtsgericht wegen Einsturzgefahr geräumt werden. Im Januar 1975 wird es abgerissen.
Ein Neubau des Amtsgerichts entstand am Gerichtsweg.


Der Amtsplatz vor der alten Burg in Königslutter
Wie aus einer Urkunde über einen Streit zwischen dem Burgherrn und dem Abt des Benediktinerklosters in Königslutter aus dem Jahre 1599 hervorgeht, lag vor dem "Herzogenhause" ein Vorwerk. Es war vielleicht eine Art Vorburg, die - wenn auch weniger stark befestigt - in das Verteidigungssystem der Burg mit eingeschlossen war. Wie die ältesten erhaltenen Bauakten aus dem 17.Jahrhundert beweisen, befand sich das Eingangstor dieser "Vorburg" in der heutigen Amtsgasse, früher "Burgtwete" genannt, direkt über der Lutter. Als die Burgen ihre Bedeutung verloren, verfiel auch dieses Vorwerk. Dabei mögen Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges, denen auch der Mummenkrug vor dem äußeren Burgtor an der Burgtwete zum Opfer fiel, eine Rolle gespielt haben. Nach dem Kriege waren nur noch das von unten bis oben gemauerte und mit einem Ziegeldach versehene Pforthaus über der Lutter mehrere Stallungen (vor allem Schweineställe) und einige Häuslingshäuser, die aber ebenfalls schon stark verfallen waren, vorhanden. Anfang des 18. Jahrhunderts wurden sämtliche Gebäude abgerissen. Für die Häuslinge entstanden neue Häuser, die aber 1785 endgültig verschwanden. Seitdem war der Amtsplatz, wie er nun genannt wurde, unbebaut.
Er reichte damals von der Lutter im Westen bis zu den heutigen Silos der Zuckerfabrik im Osten und vom Burggraben im Norden bis in eine Linie mit dem Grundstück Marktstraße 8 (Laue) im Süden und nahm eine Fläche von ungefähr 80 Metern in der Länge und 40 Metern in der Breite ein. Wunderschön muß dieser Platz gewesen sein, denn darauf wuchsen - wie 1857 berichtet wird - nicht weniger als 25 Linden, 25 Kastanien, 19 Pappeln und 4 Nußbäume. Er galt daher als ein beliebter Aufenthaltsort der Kinder und diente für mancherlei Veranstaltungen. An Markttagen wurde dort z.B.regelmäßig ein Karussell aufgestellt, da der Marktplatz einschließlich des Zollplatzes, der als Viehmarkt diente, bei starkem Marktbetrieb dazu zu klein gewesen wäre.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts aber wurde der idyllische Frieden, der über diesem Platz lag, empfindlich gestört. Es begann damit, daß die schönen alten Kastanien und Linden, die auf dem Platz standen, zu kränkeln anfingen. Der Amtsrichter Schumann berichtete darüber der Herzogl. Kammer am 2.11.1850, das wäre der Fall, "seitdem unmittelbar neben diesem der Mühlenbesitzer Prelle eine Ölfabrik nebst Dampfmaschine und der Kaufmann Giebel eine Brennerei angelegt hätten." Noch deutlicher wurde der Kammerrat Uhde, der am 18.11.1850 an die Herzogl. Kammer schrieb: "Der Amtsplatz selbst ist gegenwärtig in einem höchst kotigen und wüsten Zustande, da derselbe von den Inhabern der neu erbauten Zuckerfabrik als Überfahrt - ohne irgendein Recht - benutzt wird und die an der östlichen Seite des Platzes vorhandene Befriedung des großen Amtsgartens bis auf geringe Überreste zerstört ist."  In die nun geführten langwierigen Verhandlungen zwischen dem Herzogl. Amt und der Zuckerfabrik August Rühlands, die sich hinsichtlich des Befahrens auf alte Gewohnheitsrechte stützen und ein berechtigtes Interesse an einem Zugang zum Markt nachweisen konnte, mischte sich auch die Stadtverwaltung ein. Bürgermeister Kalbe schrieb am 25.9.1854 an die Herzogl. Kammer: "Dagegen würde ein Fahrweg über den schönen Amtsplatz diesen als Tummelplatz für die Jugend, welcher in meiner Jugend von den Schulkindern sehr geliebt und besucht wurde, vollständig ruinieren und wie schon einmal im Jahre 1850 in einen kotigen Platz verwandeln, so daß er von keinem Fußgänger mehr mit Freude besucht werden könnte. Die weitere Folge würde die Zerstörung der schönen alten Kastanien- und Lindenbäume sein und diese Zierde der Stadt in nicht langer Zeit verloren gehen." Er wandte sich entschieden dagegen, der Zuckerfabrik die Überfahrt über den Platz zu gestatten, man einigte sich schließlich dahin, daß die Zuckerfabrik einen Zugang von der Rottorfer Straße aus erhielt.
Der Amtsplatz wurde nun wieder zu einer schönen Anlage ausgestaltet. Der Amtsrichter Picelius berichtete darüber am 8.12.1867 an den Stadtmagistrat: "Der sogenannte Amtsplatz, zwischen dem Amtswohnhaus und dem Küchengarten belegen, ist von mir mit nicht unerheblichen Kosten mit Rasen besät, mit Grandwegen versehen und bildet jetzt eine Zierde der ganzen Besitzung." Er wies ferner darauf hin, daß er die von den Einwohnern viel benutzte Pferdeschwemme im Burggraben der ehemaligen Burg beseitigt und den Platz selbst, "um das Fahren und Reiten darüber zu verhüten", mit Pfeilern versehen und gesperrt habe. Im Jahre 1885 äußerte die Stadtverwaltung den Wunsch, den Platz pachtweise zu ubernehmen und herzurichten. Als Hauptgrund dafür gab Bürgermeister Grütter in einem Schreiben an die Herzogl. Kammer vom 17.2.1885 folgendes an: "Der sogenannte Amtsplatz ist von jeher als Spielplatz für Kinder benutzt worden. Bei dem hier herrschenden regen Verkehr auf der Straße, hauptsachlich durch schwer beladene Wagen mit Steinen, Kalk, Rüben usw. liegt für die Kinder selbst bei vorhandener Aufsicht fast stets die Gefahr, unter die Räder zu kommen. Dieser Platz ist uns schon darum unentbehrlich, weil außer ihm innerhalb der Stadt kein anderer Platz existiert, welcher so geschützt und so schattig gelegen ist." Es kam jedoch nicht zu einer Verpachtung, sondern zu einem Verkauf. Die Stadt erhielt 5,3 Ar zur Errichtung eines Spritzenhauses, während 8,2 Ar an die Zuckerfabrik zur Vergrößerung ihres Fabrikgeländes fielen. Ein weiterer Teil des Platzes war schon vorher von dem Bäckermeister Wessel als Holzlagerplatz erworben worden. Damit verschwanden endgültig die vielen Linden, Kastanien, Pappeln und Nußbäume, die diesen Platz früher so liebenswert gemacht hatten.
Es bleibt nur zu wünschen und zu hoffen, daß bei der jetzt notwendigen Umgestaltung des Geländes des ehemaligen Amtsgerichts und des Amtsplatzes zu einem Parkplatz nicht vergesen wird, ihn auch ein wenig zu verschönern, damit er - wie einst - der Stadt "zur Zierde" gereichen kann.


Die Gärten und Teiche der alten Burg Königslutter
Als Wasserburg war die alte Burg in Königslutter ringsum von einem Wassergraben umgeben, der seinen Zufluß von der Lutter erhielt. Nach Osten zu war bis zum Donnekenberge ein versumpftes Gelände vorhanden, in dem mehrere Teiche lagen, die der Fischzucht gedient haben dürften. Auch Gärten waren sicherlich in der Nähe der Burg vorhanden.
Genauere Auskünfte gibt zuerst ein Inventar des Amtes Königslutter aus dem Jahre 1686. Danach waren "hinter dem Amt" (nach Osten) drei Teiche vorhanden, 3 1/2, 1 und 1/2 Morgen groß. Von dem Graben vor dem Hause wird ausgesagt, daß er 1/2 Morgen groß, rein und für die Fischzucht geeignet wäre. Außerdem werden noch zwei besondere Fischheller erwähnt. Folgende Gärten werden genannt:
1.  der Kohlgarten, 8 Morgen groß, mit 17 Äpfel-, 30 Birnen- und 14 Nußbäumen
2.  der Baumgarten, 6 Morgen groß, mit 35 Apfel-, 38 Birnen- und 14 Nußbäumen
5.  der Krautgarten, 5 Morgen groß, meist Grabeland, mit einer Lindenlaube, 25 Äpfel- und 9 Birnenbäumen.
Der erste Stadtplan von Königslutter aus dem Jahre 1761 zeigt einen 11 Morgen großen Amts-, Küchen-, Baum- und Grasgarten östlich des Amtsgerichtsgebäudes, einen Garten südlich des Amtsplatzes, 1 Morgen umfassend, und den kleinen Blumen- und Küchengarten ums Haus mit 100 Ruten. Erwähnt werden ferner zwei zugelandete Teiche östlich des großen Amtsgartens in einer Größe von 3 und 1 Morgen. Dieselben Gärten und Teiche in gleicher Große werden in einem Inventar von 1824 genannt und hinzugefügt, alle Gärten wären eingefriedigt und der Obststand sei bedeutend. 1857 wurden in dem von einem etwa 600 Meter langen Zaun umgebenden großen Amtsgarten nicht weniger als 158 Apfel-, 72 Birnen- und Nußbäume, in dem Küchengarten 30 Kirschen- und 14 Apfelbäume, 33 Weinreben und 5 Linden an der Laube in dem "kleinen Lustgarten" am Haus 5 Pappeln, 6 Kastanien, 13 Kirschenbäume, 13 Zwetschenbäume, 42 Rosen, 10 Hecken und eine Ligusterlaube gezählt. Der Bestand an Obstbäumen scheint danach in den Gärten immer beträchtlich gewesen zu sein.
Nach der Gründung der Zuckerfabrik im Jahre 1850 wurde der große Amtsgarten Fabrikgelände. Die Teichgärten wurden zur Anlage von Schlammteichen benutzt. Auf dem ehemaligen Küchengarten entstanden Gebäude. Nur der Lustgarten am Hause blieb und ist noch heute erkennbar. 1850 lagen darin als Reste des ehemaligen Burggraben zwei kleine Teiche, von denen der eine als Pferdeschwemme diente. Dieser wurde im Jahre 1867 trocken gelegt, während der andere bis nach dem II.Weltkrieg bestanden hat.

Heinz R ö h r

Veröffentlicht in:
Das Moosholzmännchen Nr. 95/1973
heimatkundliches Beiblatt des lutterschen Stadtbüttels




Die Stadtmauer, die Klostermauer und ihre Tore in Königslutter/Elm

Nr. 181/86  März 1986
Die Stadtmauer, die Klostermauer und ihre Tore in Königslutter/Elm
Königslutter bestand bis zum Jahre 1924 aus drei selbständigen Gemeinden, der Stadt, Oberlutter und Stift Königslutter. Die Stadt und das Kloster waren von einer Mauer umgeben, das dazwischen liegende Dorf Oberlutter, das immer zu den ärmsten des Landes Braunschweig gerechnet wurde, besaß keinerlei Schutz.


Die Klostermauer ist in ihrem Verlauf bis auf den nördlichen Teil noch gut erkennbar. Sie umgab nicht nur die um den Kreuzgang und den „Stillen Garten“ herum gruppierte Klausur und den Wirtschaftshof des Klosters mit seinen Stallungen und Scheunen, der Meierei, der Klostermühle, dem Back- und Brauhaus, sondern schloß auch die Gärten der Mönche, den großen Conventgarten im Nordosten, den Hopfengarten im Südosten sowie den Mühlen- und den Schäfergarten. im Südwesten und Nordwesten, mit ein. Ursprünglich wird die Klostermauer auch das Hospital des Klosters, das an der Stelle des heutigen Forstamtes lag, und die Klosterfreiheit mit dem Friedhof für die Einwohner von Stift Königslutter und Oberlutter und der 1753 abgerissenen Clemenskirche mit umgeben haben. Der Spitalshof wurde aber schon vor der Reformation verkauft und gelangte um 1600 in den Besitz von Busso von Veltheim, der dort ein neues Herrenhaus errichten ließ, von dem der hübsche Erker erhalten geblieben ist. lm 18. Jahrhundert wird eine eigene Ringmauer um dieses Besitztum erwähnt. Auch der „Große Hof“, der westlich der beiden Kirchtürme des Domes lag, gelangte schon in vorreformatorischer Zeit in Privatbesitz. 1692 erwarb ihn der Amtmann Gue, an den ein Stein in der Klostermauer 1 nahe dem Löwenportal erinnert. Der Verkauf dieser beiden bedeutenden alten Klosterhöfe sowie einiger Häuslingshäuser und Gärten brachte es mit sich, daß  die Klostermauer im Norden zurückverlegt wurde. Vor der Einrichtung des Landeskrankenhauses in den Jahren 1861-65 verlief sie dort westlich der beiden Türme im Gelände des Berggartens etwa 60 m weiter südlich der heutigen Mauer.


Der Mauerring, der das Kloster umschloß, besaß vier Tore. Der Haupteingang lag westlich der auf der alten Gerichtsstätte des Klosters stehenden Kaiser-Lothar-Linde. Das Pförtnerhaus befand sich an der Stelle des heutigen Berggarten-Cafés des Landeskrankenhauses. Noch im 17. Jahrhundert wird ein weiteres Pforthaus erwähnt, das weiter nördlich gelegen haben muß. Außerdem bestanden das Spitalstor am Klosterspital, das Bullentor im Nordosten und das Schäfertor im Südwesten.

Die Stadt muß von Anfang an, also seit dem Beginn des 15. Jahrhundert, eine Mauer besessen haben, die ursprünglich aber wahrscheinlich nur zum Schutz des Marktes und der Marktstraße angelegt sein wird. lm Osten verlief sie wahrscheinlich an der Lutter entlang. 1454 ist in einer Urkunde des Stifts von Königslutter von einer neuen Mauer die Rede. Sie erwies sich als notwendig, weil sich Neubürger aus Schoderstedt an der Neuen Straße angesiedelt hatten. Später wurde der Mauerring beträchtlich erweitert und umschloß wahrscheinlich auch die herzogliche Burg, die natürlich auch eigene Befestigungsanlagen besaß, und die beiden Adelshöfe in der Stadt, den Niedernhof im Nordosten und den von Schwarzkoppenschen Hof im Südosten.


Die Höhe der Stadtmauer betrug in den letzten Jahrhunderten ihres Bestehens 3 m, früher wahrscheinlich etwas mehr. Wie an der Fallersleber Straße noch zu sehen ist, besaß die Stadtmauer zur Verstärkung zahlreiche Strebepfeiler. Zur Stadtmauer gehörten vier Tore. lm Nordwesten lag etwas westlich der Einmündung der Neuen Straße in die Westernstraße das Westerntor oder Braunschweiger Tor, im Südwesten am Schnittpunkt von Kattreppeln und Wallstraße das Klostertor oder Oberluttersche Tor, im Südosten an der Lutterstraße östlich der Lutter das Mühlentor oder Helmstedter Tor, im Norden an der heutigen Bahnhofstraße kurz vor der Abbiegung der Fallersleber Straße das Niedertor, später auch Fallersleber Tor, Kuh-, Bullen- oder Schweinetor genannt. Wie verschiedene Berichte und Handzeichnungen beweisen, waren die Tore von Tortürmen überragt. Zusätzlich befand sich am Sack, der ursprünglich als echte Sackgasse gedacht war, ein Durchlaß durch die Mauer. Er wurde nach Angaben des Ratsbuches der Stadt (2) im Jahre 1658 Eberhardt Vögding bewilligt, dem damals das 1604 erbaute Haus Sack 5 gehörte. Allerdings machte der Rat ihm zur Auflage, daß er dafür „ein fest und mit starkem Schlosse verwehrtes Tor machen lasse mit zween Flügeln, im geringsten aber eine Pforte" und daß er dieses Tor nur für den eigenen Gebrauch benutzen und keinen öffentlichen Weg hindurch dulden dürfe.


Nach der Stadtbeschreibung von 1761 (3) war damals noch der größte Teil der Stadtmauer vorhanden. Nur im Nordosten zwischen dem Kuhtor und den Gärten des Fürstlichen Amtes bestand sie nicht mehr. Das Amt hatte eigene Befestigungsanlagen. Außerhalb der Stadt lagen damals nur die Clus, das Armenhaus der Stadt an der Ecke Braunschweiger Straße/Parkstraße, das Zollhaus am Zollplatz, Ecke Braunschweiger Straße, und die Kämmerei-Plantage am Ochsendorfer Weg.


lm Laufe der Zeit verlor die Stadtmauer immer mehr ihre ursprüngliche Bedeutung und verfiel allmählich. Zuerst wurden die Tortürme abgetragen. Als letzter verschwand der Wachtturm des Oberlutterschen Tores im Jahre 1819. Wie aus dem Bericht über den Abbruch heworgeht, betrug seine Grundfläche 1 1/4 Quadratruten (26 qm). Nicht weniger als 310 einspännige Fuder Bauschutt mußten abgefahren werden. Von den Toren wurden das Helmstedter Tor und anscheinend auch das Braunschweiger Tor bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts abgerissen. Das Oberluttersche und das Fallersleber Tor wurden 1824 beseitigt, letzteres aber wieder aufgebaut und endgültig 1860 niedergerissen. Die Entfernung der alten Tore war dringend notwendig geworden, weil sie für den sich immer mehr steigernden Verkehr mit größeren Wagen zu eng waren. So wird 1823 darauf hingewiesen, daß das Oberluttersche Tor nur 15 Fuß (4,30 m) breit wäre, während heute die Engpässe der Stadt im Kattreppeln und nahe dem Marktplatz eine Breite von 7,50 m haben.


Der Stadtmauer selbst sprach die Stadtverwaltung um diese Zeit noch eine gewisse Bedeutung zu, wollte aber allmählich von den hohen Kosten für ihre Erhaltung entlastet werden. So heißt es in einem Schreiben des Bürgermeister-Adjuncts Thomä an den Oberhauptmann von Beyenroth in Helmstedt vom 21. 2.1828: „Der südöstliche Theil der Stadt Königslutter ist mit einer 10 Fuß hohen Mauer umschlossen, welche Eigenthum der Stadt ist. Es ist zwar nicht zu leugnen, daß diese Mauer ein sehr großes zur Sicherheit der Stadt beträgt, weil, wenn dieselbe hinweggenommen seyn würde, vom freien Felde ab Schleichwege gemacht werden können, allein da die jährlichen Reparaturen der städtischen Casse sehr bedeutende Kosten verursachen, so scheint es nicht ungerechtfertigt zu sein, Vorschläge zu machen, wie der städtischen Casse durch die Reparatur jener Mauer jährlich entstandenen Kosten, welche, wie der in der Anlage ganz gehorsamst beigefügte Anschlag ausweist, in der laufenden Jahre wiederum 72 Taler 12 Groschen betrugen, erspart werden könnten.“ Er schlug vor, die Stadtmauer an die Grundeigentümer mit der Auflage, sie in gutem Zustand zu erhalten, zu verkaufen. Der Oberhauptmann in Helmstedt genehmigte, und so gelangte die Stadtmauer allmählich in den Besitz der Anlieger. Diese nutzten sie als Grenzmauer für ihre Grundstücke und brachten in der Mauer auch häufig Pforten an, die aber noch lange genehmigungspflichtig blieben.
Bis heute haben sich größere Teile der Stadtmauer vor allem an der Fallersleber Straße, in den Gärten zwischen der Bahnhofstraße und der Westernstraße, am Südende der Wallstraße und als östliche Begrenzung einiger Grundstücke an der Marktstraße erhalten. Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, daß diese wenigen Reste der alten Stadtmauer auch weiterhin geschützt werden, denn die Stadt Königslutter wird nur dann für den Fremdenverkehr reizvoll bleiben, wenn sie ihren Reichtum an historischen Erinnerungsstätten und an malerischen Ecken und Winkeln auch in der Zukunft erhält.

Heinz Röhr, Stadtarchivar  a. D.

Quellenmaterial
1.) Nieders. Staatsarchiv Wolfenbüttel: Originalurkunden des Stifts Königslutter Nr. 75 von 1454
2.) Stadtarchiv Königslutter St I,5 (Ratsprotokolle der Stadt Königslutter 1649-1660)
3.) Stadtarchiv Königslutter St I,1 (Bütemeister: Beschreibung der Stadt Königslutter item von Oberlutter und der Klosterfreiheit 1761)
4.) Stadtarchiv Königslutter St III,12 (Stadtmauer und Stadttore 1822-1860)


Veröffentlicht in:
Das Moosholzmännchen
heimatkundliches Beiblatt des lutterischen Stadtbüttels  Nr. 181/86

 

 



Heinz-Bruno Krieger: Flimmernde Leinwand meiner Kindheit


Nr. 205 Februar 1990
Flimmernde Leinwand meiner Kindheit
Die erste Erinnerung, die ich an das Kino - den guten alten Kintop - aus Großvaterszeiten habe, führt mich zurück in eine Werbevorstellung, die von „Kathreiners-Malz-Kaffee" in Königslutter vorgeführt wurde. Der Saal des „Deutschen Hauses” war bis auf den letzten Platz gefüllt. Es wurden viele lustige Dinge, aber auch interessante Begebenheiten, gezeigt, die uns Ort und Stunde vergessen ließen. Nachdem die Vorführung beendet war, bekam die Mutter noch ein Werbepaket „Kathreiner" gratis in die Hand gedrückt, das nicht ohne Lob und Dank für den seligen Pfarrer Kneipp, aber auch mit nicht weniger Bedacht, zu Hause von der ganzen Familie getrunken wurde.

Wieder, ein anderes Mal, sah ich auf dem Saale der „Quelle”, des Gasthauses aut der Neuen Straße, schräg gegenüber von meinem Elternhause, einen Film, der uns staunende Kinder die Fabel von der Ameise, die im Sommer immer so fleißig für den Winter vorsorgt, und der Grille, die mit ihrer Laute fröhlich und ausgelassen, lustig und ohne Sorgen, in den Tag hinein zirpt. - Fleiß und Faulheit, so drastisch und realistisch aufgezeigt, verkörperten sich so für uns in derAmeise und der Grille lch war von diesem Vortrag so sehr beeindruckt, daß ich am Abend gar nicht erst in den Schlaf finden konnte. Immer wieder mußte ich an die in Not geratene, hungernde Griile denken, so daß ich mir fest vornahm, ja mal nicht im Leben so leichtsinnig zu sein, wie sie. Ich wollte immer die fleißige Ameise zum Vorbild nehmen.

Inzwischen waren Jahre vergangen. Wir Kinder besahen die in der Stadt ausgehängten Kinobilder und Plakate, und wenn wir des Sonntagsnachmittags von der Mutter einen Groschen, oft aber nur 5 Pfennige, bekommen hatten, stellten wir uns auf die Braunschweiger Straße vor die „Kammerlichtspiele“ und bestaunten die vielen Jungen und Mädchen, die alle das Glück hatten, in die hinteren Räume des Kinos, die Treppe runter, in das Lichtspieltheater zu verschwinden.

Wir anderen Kinder aber standen draußen vor den Türen, hörten das feine Klingeln der Glocke, die uns verkündete, daß nun die Vorstellung begonnen habe und harrten der Dinge, die da kommen würden, hofften auf ein Wunder, das dann auch meistens nicht lange auf sich warten ließ. Es kam in Person des guten und unvergessenen Herrn Conrad Riedel, des Besitzers und Erbauers der „Kammerlichtspiele", der wie ein Feldherr in die Runde sah und fragte, warum wir denn nicht alle in die gerade kurz vorher begonnene Vorstellung gegangen seien.

Es waren immer mehrere Kinder, Jungen und Mädchen da und fast allen drückte der Schuh. Dann sagten wir, daß wir kein Geld - oder nicht genügend Geld da hätten, daß der Vater arbeitslos sei und was noch in einer solchen Situation zu sagen war. Herr Riedel nahm damals für einen Sperrsitz 25 Pfennig, für den Saalplatz, der auch Halunkenloge genannt wurde - 20 Pfennig für uns Kinder. Er fragte nun, wieviel Geld wir denn überhaupt bei uns hätten. Wir kramten dann in unseren Taschen, nahmen unsere Groschen oder Fünfer heraus und einer nach dem anderen von uns verschwand die Treppe hinunter in das Kino hinein.

Blieben aber noch einzelne von den Kindern über, die gar kein Geld ihr eigen nennen konnten, dann verschwand der gute Herr Riedel - um wenig spater noch einmal auf der Bildfläche zu erscheinen, um nun die Unentwegten, die noch immer wartend vor der Türe standen, mit einer majestätischen Handbewegung zu verstehen zu geben, daß sie nun ebenfalls ins Kino hinein verschwinden konnten.

Ich war nicht selten bei diesen letzten mit dabei, mußte doch meine Mutter wirklich jeden Pfennig zweimal umdrehen, ehe sie ihn ausgeben konnte. Aber war ich darum schlechter und unglücklicher dran als jene anderen Kinder, die oft eine halbe Mark oder mehr ihr eigen nennen konnten? -
Der gute Conrad Riedel! -
Noch heute, nach all den vielen Jahren sei es ihm gedankt, daß er so ein gutes und offenes Herz für die vielen, armen Kinder vor seiner Tür gehabt hat! ln jenen .Jahren hatte ich nun einen Freund -Günter Wiemann - mit dem ich viele schöne Stunden gemeinsamer Freuden, Spiel, aber auch Wandern in Feld und Wald, verleben durfte. Es verging wohl kein Tag im Jahr, an dem wir nicht zusammen herumgetollt hatten. Nur, wenn der Sonntagnachmittag herangekommen war, so hatte Günter keine Zeil für seine Freunde. Er hatte nämlich das große Glück, Sonntag für Sonntag, -.Jahr ein - Jahr aus, gratis eine Freikarte für einen Balkonplatz im Kino zu erhalten. Diesen Platz, der für gewöhnlich Sterbliche nicht bestimmt und auch nicht bezahlbar war - er kostete damals für uns Kinder 50 Pfennige - pflegte der liebe Günter dann auch immer getreulich zu benutzen.

Wir anderen, die wir nun hiervon wußten, beneideten und bewunderten ihn zu gleichen Teilen. Oft, Jahre sind seitdem vergangen, war ich hierüber sehr traurig, denn ich hätte entweder gern mit ihm gespielt, oder aber ich wäre ebenfalls gern zu den Vorstellungen mit ins Kino hinein gegangen. Mutter hatte auf keinen Fall das Geld über, und damals wünschte ich dann hin und wieder, daß mein Vater doch auch ein Polizist sein müßte, damit ich ebenfalls - wie Günter Wiemann - gratis in den Genuß einer solchen Kinokarte kommen könnte.-

lch war gewiß noch sehr jung und unerfahren, aber ich kann mich noch genau hieran erinnern, daß ich mich zu Anfang dieser, meiner ersten Kinobesuche immer sehr darüber gewundert habe, daß die ersten Platzreihen vor der Leinwand meistens nur schwach besetzt oder oft auch leer waren. Als ich wieder einmal - dank des guten Herzens von Conrad Riedel - mit mehreren anderen Kindern hier hereinstürmte, setzte ich mich ganz allein dort vorn in die erste Reihe hin. Unbehindert von den vielen Köpfen und Rücken, die sonst die Sicht zum Bilde erschwerten, erlebte ich nun die Zauberwelt der flimmernden Leinwand.-

Es ist gewiß nicht übertrieben, wenn ich hier gestehe, daß der Film mich von Klein auf in jeder Form nicht nur interessiert, sondern darüber hinaus wesentlich gebildet hat. Hier sah man die großen Gestalten der Weltgeschichte, erlebte ihre Zeit und nahm Anteil an ihren Taten. Ferne Länder und Völker, Sitten und Gebräuche wurden vor einem lebendig. Man war einfach dabei, wenn gefährliche Abenteuer heldenmütigen Einsatz verlangten.

Als wir einmal Andreas Hofer und seine Getreuen auf der Leinwand gesehen hatten, waren wir noch Wochen später hiervon so begeistert, daß sich in unseren Spielen in Wald und Feld nur altes um die tapferen Tiroler drehte. Wir schnitzten uns damals aus Heckenruten kleine Holzfiguren, kindlich und naiv, oft nur in die Rinde eingekerbt. Diese waren für uns Tiroler und Franzosen. Ich glaube damals in der Gartenlaube meines Freundes Günter, die im großen Garten nördlich der „Herberge zur Heimat" lag und an deren Stelle heute das Haus von Herrn Wilhelm Wallenstein in der Parkstraße steht, habe ich zum ersten Mal beim Schnitzen dieser kleinen Holzpuppen Freude und Lust am Gestalten und zum Schnitzen erhalten.
Flimmernde Leinwand meiner Kindheit - Erinnerungen von dem Kintop aus Großvaterszeiten.

Die Jahre sind vergangen, der alte Conrad Riedel steht nicht mehr vor der Tür, um arme Kinder in seine Kammerlichtspiele hinein zu lassen. Aber die Herzen brennen wie eh und jeh, wenn sie zurückdenken an diese ferne und doch so nahe Zeit.


Heinz-Bruno Krieger


Veröffentlicht in:
Das Moosholzmännchen               Nr. 205  Februar 1990
heimatkundliches Beiblatt des lutterschen Stadtbüttels

Einfügung: Weitere Erinnerungen und Sagen unseres Heimatforschers Heinz-Bruno Krieger sind liebevoll zusammengestellt unter www.elmsagen.de zu finden sowie auch über die Buchhandlung Kolbe in Königslutter als Buch - Elmsagen: Ein Beitrag zur Volkskunde des Elmgebiets - beziehbar.

Das Programm des von Heinz-Bruno Krieger beschriebenen Kultkinos ist im Internet verfügbar.:

www.kammerlichtspiele-koenigslutter.de

 

 

 



Hans G. Konietzky: "Raus aus dem Haus, hinein in den Elm"

Das Moosholzmännchen Nr. 68/1969

Raus aus dem Haus, hinein in den Elm !

Seitdem ich mit einem hervorragenden Vogelkundler befreundet bin, ist es mir möglich, die Sprache der Vögel zu verstehen. Das ist für mich sehr wichtig, denn auf meinem hohen Standort bin ich den Vögeln des Himmels näher, als den Bürgern unserer schönen Stadt. - Was ich so alles gehört habe, ich kann darüber einfach nicht schweigen und kurz entschlossen habe ich ein "teach-in" einberufen.



Gesprächsleiter:
Der älteste Einwohner von Königslutter, Euer liebes Moosholzmännchen.


Diskussionsteilnehmer:
Buntspecht,           Fachgruppe Klettervögel
Mäusebussard,       vom edlen Stamm der Falken
Dompfaff,             scheuer Finkenvogel
Amsel,                   elegante Schwarzdrossel
Sperling,                verarmte Linie der Finkenvögel
Blaumeise,             Familie der Singvögal

Also, meine gefiederten Freunde, wer ergreift das Wort? Ja, bitte Herr Buntspecht.

 

Buntspecht: Zum Thema Flugsicherheit möchte ich folgendes sagen !

 

Moosholzmännchen:  Wer wird denn gleich in die Luft gehen, greife lieber zur  ...  Nein, wir wollen nicht für die Glimmstengel der Zweibeiner werben !  Wenn Menschen in unseren Wald kommen, sollten sie diese Nikotinlutscher unbedingt zu Hause lassen.

 

Blaumeise:  Wieso sehe ich fast immer die selben Gesichter auf den schönen Wegen im Elm ? Es ist doch meiner Ansicht nach kein Vorrecht der älteren Herrschaften und Rentner, im Wald spazieren zu gehen. Wo bleiben die jungen Leute ?

 

Dompfaff: Ja, hört Euch diesen kleinen, possierlichen, flinken Kletterer an, anscheinend lebt er hinter dem Mond. Die jungen Menschen von heute wissen doch kaum noch etwas von Romantik. Sie nehmen sich einfach nicht die Zeit zum Wandern. Viel lieber hocken sie dichtgedrängt in verqualmten Beatschuppen, vor sich drehenden Scheiben.

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Einfügung: Aus dem Veranstaltungskalender des MMM Königslutter 2012:

Freitag, 08.06.2012

"Rock im Museum", ab 17 Uhr bis ca. 24 Uhr

Rock und Pop - Open Air im Museumshof

The Beat Goes On: Wir präsentieren nun schon zum vierten Mal einen ganzen Nachmittag und Abend mit verschiedenen Bands aus der Region Helmstedt/ Wolfsburg/ Braunschweig.  Der Eintritt ist frei.

Email: museum@koenigslutter.de

 

 

Amsel:  Also, Euer Merkwürden, sie sollten sich nicht über die jungen Leute beklagen, sondern vielmehr versuchen, sie zu verstehen. Die Jugend denkt heute zu global. Für Heimatgedanken zeigt sie wenig Neigung, was ja auch bei dem sich stärkenden europäischen Bewußtsein keinen wundern sollte.

 

Moosholzmännchen:  Meine lieben Piepmätze, wir wollen nicht polemisieren, sondern sachliche Vorschläge für unsere Wanderer im Elm erarbeiten !

 

Buntspecht:  Ich habe vom mühseligen Hämmern bei meinem Hausbau - ohne Wüstenrot - noch starke Kopfschmerzen!

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Sperling:  Hast Du was - bist Du was ! Die Kopfschmerzen bei dieser Arbeit sind allgemein bekannt und im übrigen Ihr Berufsrisiko. Ihre Vorfahren, Herr Buntspecht, haben hier an der Försterwiese die DucksteinBierfässer, welche vor den kühlen Steinkammern lagen, öfters aufgemeißelt. Seit dieser Zeit tragen sie auch den Spitznamen "Schluckspecht".

 

Moosholzmännchen:  Also; mein lieber Spatz, wenn Sie weiter so aggressiv schilpen, muß ich Ihnen das Wort entziehen !

 

Mäusebussard:  Ich kann den Buntspecht schon verstehen, daß er stolz ist, Vorfahren zu haben, die Bierologie und Hektoliteratur studiert haben. Den Sperlingen sollte man samt und sonders mit chemischen Substanzen den Garaus machen.



Moosholzmännchen: Wieso mögen Sie als der häufigste deutsche Raubvogel, dieses lustige Völkchen so wenig? Im übrigen sage ich Ihnen, daß der Spatz als Vertilger schädlicher Insekten kaum von einer anderen Vogelart übertroffen wird. Außerdem mache ich darauf aufmerksam, daß die Menschen eine totale Vernichtungsaktion selbst bezahlen müßten, indem sie weniger Blumen und Bäume hätten.

 

Sperling:  Was soll's, wir Kleinen kommen eben gegen die großen Tiere dieser Welt nicht an !

 

Moosholzmännchen:  Da wohl bei diesem Hick-Hack nichts herauskommt, werde ich das Abschlußreferat selbst halten.
Warum habe ich Ihnen diese Vögel vorgestellt ? Sie sollen sie im Elm beobachten und erkennen können. Also kommen Sie, meine lieben Freunde! Laufen Sie sich den Winterspeck ab, entschlacken Sie Ihr Blut und tun Sie was gegen die Frühjahrsmüdigkeit. Die Wissenschaft setzt als Bedingung zur Erreichung eines hohen Alters unter anderem auch eine gesunde Lebensweise voraus. Dazu gehört viel Bewegung in der frischen Luft, und wo ist die Luft am besten ?, drinnen im Elm ! Bald blüht auch der gelbe Huflattich. Sammeln Sie die frischgeöffneten Blüten. Nach dem Trocknen haben Sie dann einen wohlschmeckenden Tee gegen Erkältung, Heiserkeit, überhaupt alle Beschwernisse der Luft- und Atemwege. Später gibt's dann Holunder. Er wirkt sich aus von den Nieren, bis zu den Lungen und hilft alte Katarrhe, Rheumatismus, Gicht und jene Fettsucht beseitigen, die durch beginnende Wassersucht entsteht. Für eine Erleichterung im Altersprozeß der Frauen sorgt die Schafgarbe.

 

Mäusebussard: Halt, ich erhebe Einspruch! Sie begeben sich hier auf ein Gebiet, welches nur Apotheker und Drogisten angeht.

 

Moosholzmännchen: Gut, dem Einspruch wird stattgegeben. Dann sammeln Sie eben später Pilze und Beeren.



Buntspecht: Kurzum, genießen, was der Wald Euch schenkt.

 

Dompfaff: Übrigens, die Berufsgruppe der Kräuterweiblein hat große Nachwuchsorgen.

 

Blaumeise: Sie werden staunen, was in einem gut gehegten und gepflegten Wald, wie es der Elm nun einmal ist, alles möglich ist I

 

Moosholzmännchen: Jetzt, wo der Wald noch gut zu übersehen ist, sollten Sie mal den Buntspecht beobachten. Der Bursche hat einen starken, meißelartigen Schnabel und steife, aufstemmbare Schwanzfedern. Mit seiner langen, widerhakigen Zunge, die sehr klebrig ist, er-
beutet er die herausgehackten Insekten. Also, nochmals rufe ich Euch zu!  "Heraus aus dem Haus, hinein in den Elm !"
Unbeschwertes Wandern und ausgedehnte Spaziergänge erhöhen Ihre Lebenserwartungen. Sie tun sich selbst den größten Gefallen !

 

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Die Raumplaner haben gerade festgestellt, daß Königslutter einen wesentlich höheren "Freizeitwert" als Braunschweig oder Wolfsburg hat. Na, die werden uns beneiden !



Hans G. Konietzky

 

 



Die Grundsteinlegung zur Stiftskirche Königslutter


Das Moosholzmännchen


heimatkundliches Beiblatt des lutterschen Stadtbüttels
Nr. 174/ 85     Mai 1985

 

 

Die Grundsteinlegung zur Stiftskirche Königslutter


Otto Kruggel

Je mehr man sich in die Geschichte Kaiser Lothars Ill. von Süpplingenburg vertieft,
besonders in die des Jahres 1135, desto mehr fällt einem auf, wie spärlich die Anga-
ben über die Grundsteinlegung für die kaiserliche Stiftskirche in Königslutter sind.
Ein genaues Datum wird in den Quellen nicht genannt, und das oft verwendete des
1.8.1135 gehört zur Ausstellung der Gründungsurkunde für das Benediktinerklo-
ster Königslutter, die in Nienburg an der Saale erfolgte.
Der sächsische Annalist berichtet zu 1135 darüber und sagt unmittelbar davor, daß
in eben dem Jahre vom Kaiser und der Kaiserin die ersten Steine im Fundament ge-
legt wurden. (MGH SS 6 S. 769)
Bedenkt man, daß in dieser Zeit Angaben über Grundsteinlegungen ganz selbst-
verständlich waren, dann erscheint das Fehlen eines solchen Berichtes über die
des Kaisers in Königslutter geradezu als Aussparung. Über die Grundsteinlegung
für den Neubau von St. Denis bei Paris vom 14. 7.1137 durch König Ludwig VII liegt
ein ausführlicher Bericht vor (s. Anhang), am 16. 6. 1133 legte Bischof Bernhard den
Grundstein zu St. Godehard in Hildesheim, Wiprecht von Groitzsch trug 1091 beim
Baubeginn von St. Jakob in Pegau zwölf Körbe Steine auf seinen Schultern zu den
zwölf Ecken des Kirchenfundamentes, Bischof Thietmar von Merseburg legte 1015
die vier ersten Steine zu seiner neuen Kathedrale nach der Gestalt des heiligen
Kreuzes, 983 brachte Bischof Gebhard von Konstanz vier Goldstücke dar, die unter
die vier Ecken der Klosterkirche von Petershausen gelegt wurden, ja sogar die Da-
ten und Vorgänge der Grundsteinlegungen zum Tempel Salomos und zum Amon-
tempel in Theben sind uns überliefert (s. Rowald, Paul: Beiträge zur Geschichte der
Grundsteinlegung, Hannover 1904).


Das Wissen um die Geschichtsschreibung im Kernlande Kaiser Lothars ver-
stärkt den Eindruck bewußter Auslassung näherer Angaben über seine Grund-
steinlegung in Lutter.
Nach der ersten Phase sächsischer Geschichtsschreibung in ottonischer Zeit, de-
ren bedeutendster Autor der aus Walbeck bei Helmstedt stammende Bischof
Thietmar von Merseburg war, setzte um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine zweite
Blütezeit sächsischer Historiographie ein. Selbstverständlich war dies die Folge
des erneuten sächsischen Kaisertums durch Lothar.
Wenn Bernhard Schmeidlers Annahme stimmt, daß Abt Arnold von Berge der Ini-
tiator dieser neuen Phase sächsischer Geschichtsschreibung war, der Autor der
1134 begonnenen Nienburger Annalen sowie der Annalista Saxo, der Verfasser des
bis 1142 reichenden Teiles der Gesta archiepiscorum Magdeburgensium und der
Anreger der Annales Magdeburgensis, dann bekommt diese Auslassung gravie-
renden Charakter.

Niemand wußte besser Bescheid über Lothars Absicht und Bemühen um seine
wahrhaft kaiserliche Stiftung als dieser Arnold von Berge. Er stellte dem Kaiser den
Gründungskonvent für das so reich ausgestattete Benediktinerkloster in „Luttera“.
Legt das nicht die Vermutung nahe, den Grund für die auffällige Auslassung darin
zu suchen, daß der Manager aus dem Mutterkloster auch die historiographische
Feder führte?
Was über die Beziehungen zwischen dem Reichsoberhaupt und dem Haupt der
Reichsabtei Nienburg und Abt der benediktinischen Hauptabtei in Lothars Stamm-
lande bekannt ist, könnte solch Vermuten bekräftigen. Arnold l war 1118 - 1164, also
fast ein halbes Jahrhundert lang, Abt des cluniazensisch-hirsauisch reformierten
Klosters St. Johannis Baptista in Berge bei Magdeburg und zugleich 30 Jahre lang
Abt der Reichsabtei Nienburg an der Saale.
Er war also der mächtigste Mönch des Gebietes, in dem der Süpplingenburger sich
profilierte.
Als Lothar in steiler Karriere die Königskrönung erreicht hatte und sein Reich nicht
durch Kampf mit kirchlichen Institutionen in ähnliche Zweitracht bringen wollte wie
seine salischen Vorgänger, wehrte der Krummstab Arnolds ihm den ersten Investi-
turerfolg. Der König konnte seinen Vetter Konrad 1126 nicht gegen den Einspruch
Arnolds als Erzbischof von Magdeburg einsetzen.
Dafür kam dann der Wundermann aus Prémontré, und keiner wußte dort, wie es da-
zu kam.
Recht war es dem Abt des vor den Toren Magdeburgs gelegenen Klosters der
schwarzen Mönche bestimmt nicht, diesen weißen vorgesetzt zu bekommen. Sei-
nen Einspruch gegen Konrad hatte er damit begründet, daß dieser nicht den erfor-
derlichen Rang habe.
Nun kam einer ohne Rang und ohne Schuhe, den die Stadtwache nicht einlassen
wollte, und setzte sich auf den Stuhl des Metropoliten.
Acht Jahre später avancierte Arnold zwar, als er auch Abt der Reichtsabtei Nien-
burg wurde, sein Vorgänger dort war aber unter Lothars Mitwirkung Bischof von
Basel geworden.
Und als im gleichen Jahr der Magdeburger Stuhl durch Norberts Tod frei wurde,
setzte Lothar seinen Vetter Konrad drauf.
Verständlich, daß Arnold sich der Geschichtsschreibung zuwandte und Lothar da-
rin zu kurz kam.
Dazu kam dann noch der baldige Herrschaftwechsel nach Lothars Tode, durch den
eine Lebensbeschreibung des sächsischen Kaisers nicht mehr gefragt war, son-
dern bald die Barbarossas. lhr Schreiber, der Bischof Otto von Freising, hatte sich nie
veranlaßt gesehen, seinen Bereich gegen den Einfluß seines Neffen zu sichern.
Daß in dem Text des Annalista Saxo nur von der Klostergründung die Rede ist und
nicht vom Baubeginn der Stiftskirche, scheint Schmeidlers These zu stützen. Dem
Abt des Mutterklosters war die Filiation vermerkenswert.
Eine Grundsteinlegung war dafür aber nicht nötig, weil die schwarzen Mönche aus
Magdeburg die Gebäude und Gemächer der nach Drubeck umgesiedelten Kano-
nissen vorfanden.
Dem Kaiser war wohl die Gründung seines Triumpf-, Sühne- und Grabmals das
wichtigste.
Aber selbst in den Regesten und im Itinerar des Kaisers erscheint keine Notiz über
diese Gründung.

Damit erweist sich die Auslassung nicht als eine persönlich bedingte des Abts Ar-
nold oder sonstigen Geschichtsschreibers, sondern als eine generelle und konse-
quent durchgehende.
Dafür muß es einen bedeutenden Grund geben, und ein solcher müßte zu finden
seın.
Verfolgt man den Weg des Kaisers von Magdeburg her, wo er Pfingsten, am
26. 5.1135, in höchster Feierlichkeit zusammen mit den sächsischen Adligen und
Vertretern Dänemarks, Polens, Ungarns, Böhmens und Lothringens einen zehnjäh-
rigen Landfrieden beschworen hatte, bis zu jener Klostergründung am Tage Petri
Kettenfeier in Nienburg, und kennt man damalige und besonders des Kaisers Ge-
wohnheiten, müßte sich das Datum der lutterschen Grundsteinlegung daraus er-
geben.
Im Wegstreckenverzeichnis erscheint Lutter als erster Ort nach der Abreise in
Magdeburg, die spätestens Anfang Juni erfolgt sein wird. Die unter dem 10. Juli in
„Luttere“ bestätigte Schenkung des Ortes Vahre an das Kloster Einsiedeln wird von
manchen Autoren ins Jahr 1136 gerückt. Ebenso wurden Vermutungen geäußert,
daß der für den 15. Juli belegte Aufenthalt des Kaisers in Buxtehude erst 1136 statt-
fand.


Geht man von der Annahme aus, beide Aufenthalte gehören in das Jahr 1135, dann
zeugen die sechs Wochen Reisezeit für die Strecke Magdeburg-Königslutter, die
er gut in fünf bis sechs Tagen zurücklegen konnte, vom Verweilen des Kaisers an
Orten dieser Route. Sie führte sicher durch seinen väter- und herzoglichen Stamm-
sitz  Süpplingenburg, der eigentümlicherweise nie in seinem ltinerar auftaucht,
aber wohl als Quartier während seines Aufenthaltes in Lutter angesehen werden
kann. Andere Orte werden nicht genannt. Hätte der Kaiser den Weg auf der Ost-
West-Königsstraße gewählt, wären Aufenthalte in den wichtigen Orten wie Halber-
stadt, Quedlinburg oder Goslar belegt. Diese hatte er aber kurz zuvor besucht:
Quedlinburg am 7. 4. zur Feier des Osterfestes und Halberstadt zwei Tage danach.
Alles spricht für die Annahme, daß der Kaiser sich zwischen den Hoftagen von Mag-
deburg und Merseburg, den Feiern der Himmelfahrt Christi und Mariens, Zeit nahm
für die feierliche Grundsteinlegung seines gediegenen Denkmales zu Ehren Got-
tes, das seine Gebeine aufnehmen und seinen Platz im Himmel mit sichern sollte.
Sein Sieg über alle Feinde im Reich und der von allen Maßgeblichen beschworene
Friede ermöglichte ihm dieses Zeremoniell und forderte es zugleich. Es gibt kei-
nen Grund, an tiefer christlicher Gläubigkeit oder Überzeugung des Kaisers zu zwei-
feln.
Da die nächste Urkunde bereits am 15. 7. in Buxtehude ausgefertigt wurde, fällt das
Verweilen in Süpplingenburg und Lutter in die Zeit zwischen der durchaus schon
Mitte Juni möglichen Ankunft und dem 10. Juli. Am Peter- und Paulstag 1135 wäre
er dann in seiner Heimat gewesen.
„Für die Regierungszeit des Kaisers sind quellenmäßig die Orte für 62 Festfeiern
überliefert. 35 davon fallen auf die kirchlichen Hauptfeste Weihnachten, Ostern
und Pfingsten, 27 auf andere kirchliche Feiertage.“ stellte Charlotte Kuck (Das lti-
nerar Lothars von Supplinburg, Greifswald 1945) fest.
Nach der Kaiserkrönung werden auch die Feiern des Festes der Apostel Petrus und
Paulus genannt: 1134 in Magdeburg, 1136 in Goslar, 1137 in Melfi, wo Papst lnnozenz
ll an der Feier teilnahm. Für 1135 fehlt die Angabe. Wieder eine Auslassung! Oder
gar die gleiche?

Nach dem Aufenthalt in Buxtehude blieben dem Kaiser und seinem Gefolge nur
zwei Wochen für den gut 400 km weiten Weg nach Nienburg an der Saale. Die Rei-
segeschwindigkeit der damaligen Könige wird mit etwa 20 km pro Tag angegeben.
Lothar schaffte manchmal das Doppelte, aber zum Verweilen zwecks Grundstein-
legung in Lutter, wie es wiederholt geschrieben wurde, blieb keine Zeit.
Warum sollte jetzt in Hast geschehen, was zuvor in Ruhe und zum rechten Zeit-
punkt, nämlich am Peter- und Paulstag möglich war und meines Erachtens auch
stattfand?
Selbstverständlich mußte die Grundsteinlegung einer Peter- und Paulskirche am
Tage dieser Patrone stattfinden!
Und dies besonders bei Kaiser Lothar lll, der alle seine großen Unternehmungen
am rechten Tage begann und keine Möglichkeit ungenutzt ließ, die kirchlichen
Feier- und Gedenktage würdig zu begehen.
lm Jahre 1135, dem glanzvollsten seiner Regierungs- und Lebenszeit, feierte er das
Fest Mariä Reinigung und Ostern in Quedlinburg, Pfingsten in Magdeburg, Petri
Kettenfeier in Nienburg, St. Laurentii und Mariä Himmelfahrt in Merseburg, Michae-
lis in Mühlhausen und Weihnachten in Speyer.
Warum finden wir keine Angabe, wo und wie der Kaiser in diesem Jahre das Fest
der Apostel Peter und Paul feierte, kein Datum der Grundsteinlegung zu seiner Pe-
ter- und Paulskirche?
Da gibt es offensichtlich einen dunklen Punkt in diesem glanzvollen Jahr.
Und dieser dunkle Punkt war, wie auch einige Jahre zuvor, der Bischof Otto von Hal-
berstadt.
Dieser war 1123 mit Herzog Lothars Unterstützung gewählt und nach seiner Abset-
zung im Jahre 1128 von Lothar gehalten und schließlich auf des Königs Wunsch
1131 von Papst lnnozenz wieder als Bischof eingesetzt worden.
Ihm oblag die Grundsteinweihe von Königslutter also in doppelter Hinsicht: als Bi-
schof der Diözese und als Freund des Kaisers. Er wird sie am Peter- und Paulstag
auch als solcher vollzogen haben.
ln der Gründungsurkunde für das Kloster Königslutter allerdings fehlt sein Name.
Dort führt der Thietmars von Verden die Liste der Kleriker an.
Wieder eine Auslassung? Nein, diesmal nicht oder nicht mehr; denn die Nachricht
von der zweiten Absetzung Bischof Ottos durfte inzwischen ihren Weg von Pisa
nach Sachsen gefunden haben.
Darin liegt der Grund der auffälligen Auslassung: Am 28. 6.1135 entband Papst ln-
nozenz Il in Pisa alle ihrer Oboedienz diesem Ordinarius gegenüber und beauf-
tragte Klerus und Volk, innerhalb von vierzig Tagen einen Nachfolger zu wählen, der
die Gewähr für einen Wiederaufstieg des Bistums bot. (Bogumil: Das Bistum Hal-
berstadt im 12. Jahrhundert, Köln/ Wien 1972)
Da Otto 1131 durch Gnadenakt, nicht durch Revision oder Kassation des Urteils
von 1128 wieder eingesetzt worden war, gelang es dem Kaiser nicht, den Mann wie-
der auf den Bischofsstuhl zu bekommen, der am 29. Juni Stätte, Steine und gu-
ten Beginn seiner Stiftskirche geweiht hatte. Vielleicht war nach „stattlicher Ord-
nung“ die Stätte, wie zwei Jahre später beim Suger-Bau von St. Denis, bereits am
Sonntag zuvor (23. 6.) oder am Johannistag bzw. am Tage Johannis und Paulus ge-
weiht worden. Dann erfolgte die Absetzung des weihenden Bischofs während der
Feierlichkeiten ohne daß jemand es wußte; denn vier Wochen brauchte die Kunde
davon für ihren Weg nach Halberstadt und zum Kaiser.
Am 1. August wußten die Gründer des Klosters Königslutter davon, und wie wir se-
hen, wußten die Geschichtsschreiber, die Panne bei der Grundsteinlegung der
Stiftskirche Königslutter nicht oder lange nicht offenkundig werden zu lassen.
Vielleicht fanden sie später auch Unterstützung bei denen, die darauf kamen und
sich sagten: „Schwamm drüber.“

Anhang:
Über die Grundsteinlegung zur Erneuerung und Vergrößerung der Kirche des heili-
gen Dionysius, St. Denis, bei Paris berichtet der Erbauer Abt Sugerius:
„Nachdem in wohlweiser Beratung auf Eingebung des Heiligen Geistes, dessen
Salbung von allen unterweiset, unser beabsichtigtes Vorgehen nach stattlicher
Ordnung vorbezeichnet war, versammelten wir eine Anzahl hervorragender Män-
ner, so Bischöfe wie Äbte, erbaten auch die Gegenwart unseres Herrn und erlauch-
ten Königs der Franken, Ludewig, und veranstalteten am Tage vor dem ldus des Ju-
lius (14. Juli) an einem Sonntag, eine an Zierden reiche, durch ihre Teilnehmer be-
merkenswerte Prozession.
Indem nämlich Bischöfe und Äbte in den Händen die Zeugnisse von des Herrn Lei-
den, den Nagel und die Krone des Herrn und den Arm des heiligen Greises Simon
und andere Schutzmittel heiliger Reliquien vorantrugen, stiegen wir in die für den
Bau der Grundmauern vorbereiteten Ausschachtungen demütig und from hinab.
Nachdem wir darauf des Trösters, des Heiligen Geistes, Beihilfe angerufen, daß er
den guten Anfang des Gotteshauses mit einem guten Ende beschlösse, bereiteten
zunächst die Bischöfe eigenhängig den Mörtel mittels gesegneten Wassers, wel-
ches noch von der am verflossenen fünften vor dem ldus des Junius (9. Juni) veran-
stalteten Weihung (der Stätte) her vorrätig war und legten die ersten Steine, indem
sie im Lobgesang Gott priesen und den Psalm (87) „Fundamenta eius ..“ bis zu En-
de feierlich absangen.
Er selbst, der erlauchte König, stieg hinab und legte mit eigenen Händen seinen
Stein.
Auch wir und viele andere, sowohl Äbte als geistliche Männer, legten ihre Steine, ei-
nige auch Edelsteine (gemmas) aus Liebe und Verehrung Jesu Christi unter dem
Gesange: „Lapides pretiosi omnes muri tui“ ...
(aus: Rowald, Paul: Beiträge zur Geschichte der Grundsteinlegung, Hannover
1904)

Otto Kruggel, 10.2.85


Max Beckmann

Das Moosholzmännchen
heimatkundliches Beiblatt des lutterschen Stadtbüttels
Nr. 161/1984        Februar 1984


Max Beckmann und Königslutter
von Heinz-Bruno Krieger

Der Maler Max Beckmann wurde am 12. Februar 1884 zu Leipzig geboren. Sein Ge-
burtstag jährt sich so zum 100. mal.
ln vorliegender Aufzeichnung soll festgestellt werden, was den großen Maler, der
Weltruhm erlangt hat, mit Königslutter verbindet!
Beckmanns Eltern wurden am 15. September 1867 in der Stadtkirche getraut. Die
Mutter, Berta Düber, ist in dem Hause „Schuh-Eilers" am Markt geboren. Betrachtet
man nun die Ahnentafel des großen Malers, so stellt man fest, daß die Vorfahren bis
ins Mittelalter hinein in der Mehrzahl aus dem alten Amte Königslutter stammen,
und daß sie femer Söhne und Töchter vieler Dörfer unserer engeren Heimat sind,
die heute alle Ortsteile der Stadt Königslutter bilden.
Der Vater Beckmanns war als Mehlgroßhändler für wenige Jahre nach Leipzig ver-
schlagen, so daß zu dieser Stadt keinerlei genealogische Bindungen bestehen.
Der älteste Ahn Beckmanns in der väterlichen Filiation ist der Kothsaß Severin
Bethmann, der Ende des 16. Jahrhunderts in Lelm geboren ist. Die Bethmanns, eine
uralte Lelmer Familie, werden schon in den Erbregistem Anfang des 16. Jh. erwähnt.
Hier haben wir ein typisches Beispiel wie durch Hör- oder Schreibfehler eine Na-
mensumbenennung erfolgen kann. Severin Bethmann verheiratete sich nach Bor-
num, wo Beckmanns Urgroßvater 1753 geboren wurde. Dieser verheiratete sich mit
einer Wiele, deren Familie viele Jahrhunderte in Süpplingen ansässig war. Es sind
viele Geschlechter, viele Menschen, die alle notwendig sind, damit wir heute leben.
Wir finden in der Ahnentafel Beckmanns viele Berufe. In der Mehrzahl waren es
Bauem und Handwerker, wir finden aber auch, neben einfachen Bürgem, ausgefal-
lene Beschäftigungen, wie „Bader und Chirurgus“, Ziegelmeister und Wassermül-
ler.
Gehen wir nun von dem genealogischen Grundsatz aus daß der Sohn der Tochter,
in der Regel immer auf den Vater der Mutter artet, so müßte unser Max Beckmann
viele Wesensmerkmale von dem Bürger, Brauer und Stärkefabrikanten Joh. Hein-
rich Friedrich Düber mitbekommen haben, der Vater seiner Mutter war. Dieser Dü-
ber war viele Jahre hindurch im Rate der Stadt Königslutter, hatte sich an vielen Pro-
jekten beteiligt und zählt zu den bedeutenden Männem der Gründerjahre, denen
wir hier in unserer Elmstadt den Einstieg in die lndustrialisierung verdanken. Er war
Besitzer des Grundstückes Markt Nr. ass. 76 (= heute Schuh-Eilers) und Markt Nr.
ass. 167 (heute EsKa). Beide Grundstücke besaßen die Braugerechtigkeit.

Der Großvater Düber entstammte einer uralten Bauemfamilie, die ursprünglich aus
Süpplingenburg kam. Der älteste bekannte Ahn ist hier Paul Düvel (auch Teuffel)! ! -
der uns als Schuhmachermeister zu Süpplingenburg Ende des 16. Jh. beurkundet
ist. Sein Urenkel, Phillipp Düver heiratet 1708 in den alten Homann'schen Hof in Rot-
torf ein und dessen Urenkel, Jacob Düber, ist der Urgroßvater Max Beckmanns.
Auch hier können wir wiederum gut verfolgen, wie sich der Familienname von
„Düvel (Teuffel)“ über Düver auf Düber verändert hat.
Es ist schon ein „Puzzlespiel“ Ahnenforschung zu betreiben und die vielen, vielen
Menschen einzuordnen, um sie richtig bestimmen zu können.

tl_files/Fotos/Allgemein/Max Beckmann/Selbstbildnis_Max_Beckmann.gif

Selbstbildnis Max Beckmann

Jacob Düber hatte den Krieg gegen Napoleon mitgemacht. Nach der Schlacht bei
Waterloo hatte er die Waterloomedaille bekommen und als Sergeant verabschie-
det, ehelichte er zu Sunstedt Margarethe Schäfer, die einer uralten Sunstedter Fa-
mile entstammte. So ergeben sich natürlich für den Genealogen interessante Er-
gebnisse. ln Königslutter leben sehr viele Familien heute noch, die alte Ahnenge-
meinschaft mit dem großen Maler Max Beckmann haben. Nur leider fehlt bei vielen
Menschen das Interesse an dem Wıssen um die Herkunft ihrer Familie, und so auch
die Kenntnis der Verbindung mit Beckmann.

lm 17. Jh. lebte in dem Hause Marktstraße Nr. ass. 12 (= heute Blankmeister) der
Bürger und Schneidermeister Hans Fasterling, auch erzählt in der VIII. Generation
zu den Ahnen des Malers. Seine Frau war Margaretha Sophia von Horn. Durch diese
Urmutter zählen zu den Vorfahren Beckmanns viele alte Patriziergeschlechter der
alten Hansestadt Braunschweig, die bis in das 13. Jahrhundert nachweisbar sind.
Dieser kleine Aufsatz kann natürlich nicht auf die vielen, vielen Ahnen einzeln einge-
hen. Er soll nur zeigen, wie der große Maler Max Beckmann, durch unzählige Vorfah-
ren eng mit Königslutter, eng mit unserer Heimat verwurzelt ist.
Bedenkt man, daß Jahrhunderte hindurch die Einwohner von Rottorf auf dem alten
Stiftskirchhof vor der Stiftskirche begraben wurden, daß sie hier am Elm lebten und
arbeiteten, so kann man hieraus schon ermessen, wie unsere Stadt, unsere Dörfer
Heimatland für alle waren.
Max Beckmann, der gebrandmarkt als „entarteter Künstler“ 1937 nach Amsterdam
ins Exil ging, folgte 1947 einem Ruf nach St. Louis (USA). 1949 und 1950 unterrichtet
er in New York, wo er, an einem neuen Wendepunkt stehend - er hatte sich noch
kurz zuvor entschlossen, das ihm erneut angebotene Frankfurter Lehramt wieder
zu übernehmen - am 27. Dezember 1950 auf der Straße zusammenbricht und
stirbt...
Es wäre zu begrüßen, wenn an dem Geburtshaus der Mutter des großen Malers, am
Markt, eine Gedenktafel zur Erinnerung, aber auch zum Hinweis für viele Touristen,
angebracht würde. Auch wäre es femer gut, bei einer Neubenennung von Straßen
im Neubaugebiet den Malers Max Beckmann würdigend zu berücksichtigen.


Zum 100. Geburtstag Max Beckmanns
Otto Kruggel

Am 12. 2. 1984 ist der 100. Geburtstag des Malers, Grafikers und Bildhauers Max
Beckmann.
Das Land Niedersachsen ehrt den bedeutenden deutschen Künstler mit einer Aus-
stellung seiner im Kunstmuseum Hannover vorhandenen Werke und mit Interpre-
tationen zu seinem Gesamtwerk.
Die Kreis-Volkshochschule Helmstedt, nun auch unsere VHS, veranstaltete eine
Studienfahrt zu dieser Ausstellung. Den Teilnehmem war fast ausnahmslos nicht
bekannt, daß der Vater Max Beckmanns aus Helmstedt und seine Mutter aus Kö-
nigslutter gebürtig waren und die Vorfahren des berühmten Mannes unserer Hei-
mat entstammen.
Die Hundertfahrfeier bietet Gelegenheit, sich dessen von denen bewußt machen
oder wieder in Erinnerung rufen zu lassen, die dazu den besonderen Bezug haben.
Es ist schön, in einer Gesellschaft zu leben, wo menschliches Streben und Bemü-
hen im größtmöglichen Freiheitsraum wirken können, und deren vielfältige Früchte
allen, die wirklich wollen, zu Nutzen und Genuß bereitgehalten werden.
Die beste Art, diese Freiheit, dieses weiteste Maß an Möglichkeiten zu erhalten, ist
es, sie zu nutzen; denn, „was man nicht nutzt, ist eine schwere Last“ (Goethe).

Unser Heimatforscher und Genealoge Heinz-Bruno Krieger fand Spuren der Ah-
nenreihe Beckmanns und ging ihnen in der ihm eigentümlichen Leidenschaftlich-
keit und Genauigkeit nach und veröffentlichte die Ergebnisse schon vor 30 Jahren.
Läßt man das Wissen daraus einfließen in die Interpretationen des Künstlers Beck-
mann und seines Werkes, könnten, müßten sich neue Betrachtungsweisen auftun.

tl_files/Fotos/Allgemein/Max Beckmann/Selbstbildnis_mit_steifem_Hut.gif

Selbstbildnis mit steifem Hut

Die große Linie dieser Interpretation entwickelte sich vom Formalen über das So-
ziologische zum Psychologischen, vom expressionistischen Aufbruch über den ge-
sellschaftlichen Ausbruch zum Sucher seines Selbst. Alle drei Standpunkte und
Aspekte sind berechtigt, zur Erfassung der Künstlerpersönlichkeit und seines Wır-
kens notwendig.
Daß wir heute den sein Selbst suchenden älteren Künstler und Lehrer besonders
sehen, ist durch unsere Zeit, durch den Faktor des Zeitgeistes bestimmt, der unter
dem Begriff Identitätskrise in den letzten Jahren stark ins Bewußtsein der Men-
schen rückte.
Überprüfen wir die Ahnentafel Beckmanns nach Dauer und Wechsel der sozialen
Strömungen in ihr, könnten wir Antwort finden auf die Frage nach den Ursachen der
Identitätskrise und damit auch Möglichkeiten zu ihrer Bewältigung.
Das Werk Max Beckmanns erweist sich weiterhin als aktuell.
Das Werk Heinz-Bruno Kriegers auch.


Ausstellung des Malers Georg Beisse 1982

tl_files/Fotos/Allgemein/Georg Beisse/Stiftsstrasse Koenigslutter_.jpg


Heimischer Künstler im Stadt- und Jugendhaus
Ausstellung des Malers Georg Beisse auch in Helmstedt

Die Würdigung heimischer Künstler hat sich der Kulturverein der Stadt
Königslutter zur Aufgabe gemacht. Nach Ausstellungen mit Werken von
Thilo Maatsch und Walter Schumann werden nun die Bilder eines Mannes
gezeigt, der seinen Mitmenschen sehr viel gab und viel zu früh für seine
Familie und Freunde im Dezember vorigen Jahres verstorben ist:
Georg
Beisse.


Bei Eröffnung der Ausstellung, die noch bis zum 8. August im Stadt- und
Jugendhaus am Markt zu sehen ist, bedankte sich Bürgermeister Helmuth
Albrecht bei der Frau des Künstlers und auch bei den Bürgern Otto Kruggel
und Hella Richter für alle Vorbereitungen.

 

tl_files/Fotos/Kulturleben/Kaiser-Lothar-III-Arbeit-von-Hella-Richter-Koenigslutter-1982.jpg

Einfügung: Kaiser Lothar III. Arbeit von Hella Richter Koenigslutter 1982

 

Diese Ausstellung soll danach im Kreisheimatmuseum im Helmstedter Juleum
gezeigt werden.
Insgesamt 71 Werke des Künstlers, dazu Mappen und Drucke des Künst-
lers wurden zusammengetragen: Ölgemälde, Mischtechniken, Aquarelle, Rö-
tel-, Kohle-, Feder- und Bleistiftzeichnungen, Plastik, Schnitte und vieles
mehr.
„Georg Beisse würde sich sicher wünschen, diese Ausstellung ohne viele
Worte zu eröffnen, sein künstlerisches Werk in der Art zu würdigen, die ihm
ganz gemäß und wohl auch die höchste Form der Kunstbetrachtung, des
Kunstgenusses ist: Intensiv und schweigend.“ Diese Worte setzte Otto
Kruggel an den Beginn seiner Ansprache.
Georg Beisse, am 24. Juni 1910 in Hildesheim geboren, besuchte hier die
Kunstgewerbeschule, war dann bis 1935 Werbegrafiker in Hannover und
zwei Jahre danach Grafiker an der Kunstanstalt Crimmitschau. 1937 kam
er als Atelierleiter zu den Roto-Werken in Königslutter. Vielen jungen Zeichne-
rinnen gab er hier das Rüstzeug für ihren Beruf, und Freundschaften ent-
standen.
Nach Kriegsdienst in Frankreich und Rußland - aus dieser Zeit stammen
zwei hervorragende Mappen unter dem Thema „Menschlichkeit“ und
nach Kriegsgefangenschaft im Ural kam er 1946 wieder als Atelierleiter
nach Königslutter. Die Roto-Werke verließ er als Pensionär.
Als Dozent für Zeichnen und Malen war Georg Beisse von 1953 bis 1978 an
der Volkshochschule Braunschweig tätig.
Das ewige Bild des Menschen festzuhalten ist die Charakterisierung des
freikünstlerischen Schaffens von Georg Beisse: Impressionen aus dem
Raum zwischen Atlantik und Ural, farbige bretonische Dörfer, sibirisch
weiße Weiten, sonniger Süden am Gardasee, alpine Felsmassive und Ve-
getation, verschachtelte Altstädte, der Elm und die Fuhren vieler vieler
Variationen. Blumen, Tiere und immer wieder Menschen.
Otto Kruggel verstand die Wesensmerkmale des empfindsamen Künst-
lers herauszustellen. tb-

entnommen aus:
Helmstedter Nachrichten 29.07.1982 S.9

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