Erinnerung an Johannes Bugenhagen zum Tag der Braunschweigischen Landschaft 2008 in Königslutter

Lauingen    

Lauingen wurde 854 das erste Mal urkundlich erwähnt und gehört damit zu den ältesten Ortschaften der Umgebung. 2004 begingen wir die 1150-Jahr-Feier.

 

tl_files/Fotos/Die Bugenhagen Linde/Wappen_Lauingen.jpg
     Bild 1 (Wappen von Lauingen)

Unser Wappen besteht aus drei Teilen – dem zweiblättrigen Spross einer Linde, einer Pflugschar und einem Berg.

Die nach dem großen Reformator und Freund Martin Luthers Johannes Bugenhagen benannte und unter Denkmal- und Naturschutz stehende Bugenhagenlinde wird im Wappen durch einen zweiblättrigen Spross vertreten.
   

        Bild 2 (Bugenhagenlinde)

Warum bedeutet uns Johannes Bugenhagen so viel? Er schuf Kirchenordnungen u.a. für Braunschweig und Braunschweig-Wolfenbüttel. In ihnen wurden nicht nur die Gottesdienste geregelt, sondern auch weitreichende Festlegungen zum Schulwesen und zu sozialen Fragen getroffen. Die Kirchenordnung für Braunschweig von 1528 [1] erlangte dann überregionale Bedeutung, weil Bugenhagen nach ihrem Vorbild viele weitere Kirchenordnungen verfasste.

 

tl_files/Fotos/Die Bugenhagen Linde/Bugenhagen.jpg
Bild 3  (Johannes Bugenhagen 1485-1558 [2])

Seine Schriften und Reisen brachten die Reformation in den Norden Europas und ihm den Beinamen Reformator des Nordens ein. Er arbeitete mit den Reformatoren an der Bibelübersetzung und übertrug diese unter dem Titel „Det Nye Testament“ ins Niederdeutsche. Im Rahmen der Kirchenvisitation im Fürstentum Braunschweig vom Oktober bis November 1542 richtete er auch in Lauingen am 13.11.1542 den neuen Gottesdienst ein und anlässlich dieses Ereignisses pflanzte man die Bugenhagenlinde.

Der Berg auf unserem Wappen versinnlicht den nahen Ränzelsberg, um den sich Sagen ranken.



tl_files/Fotos/Die Bugenhagen Linde/Zwerge.jpg

        Bild 4 (Zwerge vom Ränzelsberg [3])

Die Pflugschar im Wappen verweist auf die Landwirtschaft. Schwerpunkte sind der Winterweizen und die Zuckerrübe. Der Maschinenring Velpke-Schöppenstedt e.V. organisiert von Lauingen aus den Transport der Zuckerrüben in die Zuckerfabrik just-in-time und alle übrigen nachgefragten landwirtschaftlichen Arbeiten.

        Bild 5 (Zuckerrübenlademaus)

Der Lauinger Spargel wird schon seit jeher stark nachgefragt.

        Bild 6 (Spargelernte in Lauingen 1935 [3])

Und letzlich gehören zur Landwirtschaft viele Pferde. Früher wurden Arbeitspferde gehalten und heute vorwiegend Reitpferde. Lauingen ist für den Pferdesport deshalb so beliebt, weil alle Lauinger Anspruch auf kostenloses Wasser haben und es zahlreiche Einstellmöglichkeiten für die Pferde gibt. Insbesondere der nördliche Teil der Lauinger Feldmark besteht aus Sandböden, die für Ausritte gut geeignet sind.

Und um Lauingen findet man Natur pur – Rieseberg, Elm, Rieseberger Moor, FEMO-Pfade und mehr.

Literatur:
[1] Leben und ausgewählte Schriften der Väter und Begründer der lutherischen Kirche. IV. Theil: Johannes Bugenhagen. Elberfeld. Verlag von R.L.Friderichs 1867
[2] www.luther.de: Die Menschen um Luther: Johannes Bugenhagen
[3] Chronik des Dorfes Lauingen 854-2004. Heimat- und Kulturverein Wi von de Zipperie e.V.
Meiling Druck Haldensleben  1. Auflage Juni 2004

 

Quelle:  Präsentation der Gemeinde Lauingen zum Tag der Braunschweigischen Landschaft 2008 in Königslutter

 

P. J. Meier: Die Fahrt nach Lutter

Gussform-fuer-luttersche-Pilgerzeichen
Gußform für luttersche Pilgerzeichen.

 

Die Fahrt nach Lutter.
Von P. J. Meier.
(Mit AbbiIdung).

Den Ruhm des Stiftes Königslutter macht heute die Grabstätte seiner Stifter, des Kaiserpaares Lothar und Richenza, und der wunderbare Bau von Kirche und Kreuzgang aus, die an Schönheit und künstlerischer Bedeutung ihres gleichen suchen. Aber im Mittelalter war das Stift in erheblich höherem Maße weit und breit bekannt durch die Wallfahrt, die alljährlich dorthin am Peter-Paulsfeste, dem 29. Juni, als dem Hauptfest des Klosters stattfand. Im Ordinarius, der Ordnung des Rates der Stadt Braunschweig, von 1408 2) heißt es: ,,Vortmer uppe sunte Peters unde sunte Pauels Avende unde Daghe, wen de Luttersche Vart is, unde ok wu sek de Rad vormodede, dat vele fromeder Hovelüde (wohl Bauern) unde Volkes in de Stad komen wolde, so scholde eyn jowelk Rad in synem Wykbelde bestellen, dat de Dore vorwaret werden myt Luden, daruppe to slapende, unde myt Luden, darvore to sittende des Daghes myt orem Wapende vorder wente up eyne ander Tyd. . . . Ok scholden se desulwe Tyd over de Wachte des Nachtes up den Straten sterken myt unsen Borgheren, up dat malk vor Unghevöghe möghe vorwaret werden". Da sehn wir denn die langen Züge der frommen Pilger, namentlich am Tage vor dem Peter-Paulsfeste und an diesem selbst sich gegen und durch die Stadt wälzen, geführt von Priestern, die auf der oft langen Wanderung die Leute von rechts und links des Weges sammeln, bis das Ganze einer unaufhaltsam sich schiebenden und stürzenden Lawine gleicht, der sich niemand ungestraft in den Weg stellen darf. Mit Kreuzen und Fahnen, unter Absingung geistlicher Lieder ziehen sie heran, aber nicht ohne Schrecken sieht die friedliche, an Ordnung gewöhnte Stadt sie nahen; der Weg dehnt sich noch 5 bis 6 Stunden über Braunschweig hinaus nach Osten zu; da rasten sie hier und füllen die Wirtshäuser, wie ein Heuschreckenschwarm. Gewiß, die Herbergsväter und die Krämer haben ihren Vorteil davon, aber alles atmet doch auf, wenn die Flutwelle sich glücklich verlaufen hat. In der Nacht vollends, wenn der Becher zuvor gekreist hat, sind Unruhen gar nicht zu vermeiden. Wie viel rohe Gesellen mögen da mitgezogen sein, und der weise Rat unserer alten Stadt wird wohl seinen Grund zu jenen Maßregeln gehabt haben. Näheres über den Ablaß erfahren wir aus dem Privileg des Papstes Bonifatius vom 8.März 1401 3), das sich aber ausdrücklich an ältere, jetzt nicht mehr erhaltene päpstliche Urkunden anlehnt. Bonifatius

2) U.-B. der Stadt Braunschweig I, S. 178, Abs. 124.
3) Diese und die anderen auf Königslutter bezüglichen Urkunden im Herzogl. Landeshauptarchive zu Wolfenbüttel.

_____
34

erläßt allen denen, die aus Reue über ihre Sünden und nach Ablegung der Beichte an dem genannten Peter-Paulsfeste, und zwar am Vorabend, dem Tage selbst und am achten Tage nachher die Kirche besuchen und zu ihrer Erhaltung Opfer spenden, sieben Jahre Fegefeuer und sieben Male vierzigtägigen Fastens, im Verhältnis zu den sonst üblichen Ablässen eine ganz besondere Gnade. Papst Bonifatius bestimmt weiter, daß der Abt zur Erleichterung der Gläubigen einen oder mehrere geeignete Priester oder Mönche damit beauftrage, die Beichte entgegenzunehmen, und daß für die Zeit des Festes das Betreten von Kloster und Kirche durch Sünder, die unter kirchlichem Bann ständen, nicht, wie sonst üblich, ein zeitweises Einstellen des Gottesdienstes nach sich zöge, daß aber auch eine Verunreinigung der Häuser, die sie während des Festes beträten, nicht stattfände, eine Vergünstigung, die 1433 durch eine Urkunde
Papst Eugens IV. erneuert und näher bestimmt wird.
Das Fest und die mit ihm verbundene Wallfahrt hat aber bereits am Ende des XIII. Jahrhunderts bestanden. Denn in der in allem Tatsächlichen zuverlässigen Erzählung von der Erscheinung der Mutter Gottes in Küblingen, die in einer Wolfenbüttler Handschrift (um 1300) vorliegt, lesen wir,daß Albert Ryseberg, der mit der Erscheinung begnadet war, 1291 beim Peter-Paulsfest in Königslutter von rheinischen Kaufleuten ein hölzernes Marienbild gekauft 1) hat, das dann in Küblingen aufgestellt wurde und als wundertätig galt 2).

 

tl_files/Fotos/Der Elm/Kueblingen-St-Marien-IMG-9126.jpg

Küblingen St. Marien


Andererseits hat das luttersche Vorrecht bis in die Zeiten der Reformation seine große Bedeutung behalten; denn als Johann Tetzel 1517 den bekannten Ablaß predigte, sagte er dem Abt von Königslutter in einem Briefe vom 22. Juni 1517, entgegen der sonstigen Bestimmung, die Beibehaltung jenes alten, wertvollen Ablaßrechtes ausdrücklich zu 3).
Von dem Verlauf des Festes im Kloster selbst gibt uns eine Urkunde vom 19 Nov. 1435 Aufschluß, in der sich Herzog Heinrich und Abt und Kapitel zu Königslutter dahin einigen, daß die Kramer- und Kaufschaft, die an dem genannten Tage, ,,wen de Gnade und Afflad dor is,“ im Kreuzgang und auf dem Kirchhof des Klosters zu sein pflegte, um Störungen zu vermeiden, in Zukunft nicht mehr geduldet werden sollte. In diesen engen Räumen fand offenbar ein jahrmarktähnliches Treiben mit großem Gedränge statt; hier müssen Kaufbuden und -tische aufgestellt gewesen sein, in denen besonders die sog. Devotionalien feil geboten wurden. Zu diesen Gegenständen gehörten nun vor allen Dingen die Pilgerzeichen, die sich die Wallfahrer kauften und an Hut oder Kleidung annähten, um deutlich bei der Heimkehr das Merkmal ihrer frommen Reise zur Schau zu tragen. Auf dem berühmten Stich des Meister E. S. von 1466, der die große Madonna von Einsiedeln heißt, trägt ein Pilger ein Zeichen mit einwärts gebogenen Giebeln am Hut, das sich in einem Original des Lübecker Museums erhalten hat und die wunderbare Weihe jener Kirche durch Gott selbst zeigt. Im Gegensatz dazu haben sich die lutterschen Pilgerzeichen in Originalen nicht erhalten, aber auch sie sind sicher nachweisbar. Man weiß nämlich jetzt, daß dergleichen Zeichen namentlich im XV. Jahrhundert von manchen Glockengiessern gern als Zierrat für ihre Glocken benutzt wurden 4), was übrigens auch bei dem Zeichen von Einsiedeln der Fall ist auf einer Glocke in Bisperode (Kreis Holzminden) und sonst; ähnlich, von Münzen, wurden von jenen Zeichen Wachsabgüsse auf das positive Glockenmodell, das Hemd, aufgelegt, so daß sie sich in der davon genommenen negativen Lehmform dem Mantel, abdrückten, beim Guß aber schmolzen. Eine Glocke des hannoverschen Gießers Hans Meyger (um 1440) aus Landringhausen (18 km westlich von Hannover), die jetzt dem Herzoglichen Museum in Braunschweig angehört, zeigt nun unter vielen anderen Pilgerzeichen, die wir vorläufig nicht unterbringen können, auch eines, das im unteren Teile, von einem Halbkreis überspannt, das Brust-

1) Übrigens ein lehrreicher Vorgang, der uns wieder einmal zeigt, wie wenig die mittelalterliche Kunst an die landschaftlichen Grenzen gebunden war. Das Marienbild war noch 1777 vorhanden.
2) Vgl. Schattenberg in "Aus dem kirchlichen Leben Braunschweigs", Festgabe zur IX. luth. Konferenz 1898, S. 82 ff. und Meier, Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogtums Braunschweig III 2, S. 219.
3) Vgl. Nikolaus Paulus, Joh. Tetzel (Mainz 1889) S. 38.
4) Vgl. Liebeskind in "Denkmalpflege" VII (1904) 53 ff. VII (1905) 117 ff.

____
35

bild eines Königs mit Krone, Szepter, Reichsapfel und Adlerschild, darüber aber den Gekreuzigten zwischen Petrus und Paulus darstellt. Die Vermutung, daß diese Darstellung sich auf das von Kaiser Lothar gegründete Peter-Paulsstift in Königslutter bezieht, wird aber durch eine gleichfalls im Herzogl. Museum befindliche Gußform aus Speckstein bestätigt, die in doppelter trefflicher Ausführung eben dieses Zeichen trägt und nicht allein auf Grund und Boden des Klosters gefunden worden, sondern auch mit der Inschrift lutter (in Minuskeln) versehen ist. Wie weit dies luttersche Zeichen verbreitet war, und aus welcher Ferne die Pilger nach dem Kloster strömten, zeigt der Umstand, daß sich Abdrücke desselben auch auf Glocken folgender Orte nachweisen lassen: Bisperode (Kr. Holzminden,von 1415), Eime (hannov. Kr. Marienburg; Glocke desselben Meisters Hans Meyger, von 1433), Droysig (Kr. Weißenfels, von 1440), Gr. Lübars (Kr. Jerichow I, von 1447), Kl. Wülknitz (Kr. Köthen; Glocke des Meisters Wolgast in Halle a. d. S., von 1485) 1).
Was die Herstellung solcher Pilgerzeichen betrifft, so erfahren wir näheres darüber aus den Rechnungen der Wallfahrtskirche zur ,,Schönen Marie" in Regensburg, die den Jahren 1519 bis 1524 angehören und von Schratz in den Mitteilungen der Bayerschen Numism. Gesellschaft VI (1887) 41 ff. veröffentlicht worden sind. Wie in Regensburg, so mögen auch für die lutterschen Pilger der besseren Stände silberne und silbervergoldete Zeichen mittels eiserner Stempel geprägt worden sein; aber daneben wurden dort durch den Goldschmied Kaspar Negel und den Bildschnitzer Erasmus Loy genau, wie in Königslutter - oder vielmehr in Braunschweig, wo wir den Meister zu suchen haben - Formen in Stein geschnitten, und zwar ebenfalls meist doppelt, aus denen dann der Zinngießer die billigeren Zeichen in Blei goß.
So unscheinbar jene Form daher auch ist, so besitzen wir in ihr doch eine wertvolle Erinnerung an jene berühmte Wallfahrt und zugleich ein Kulturdenkmal von erheblicher Bedeutung.

1) Vgl. Liebeskind a. a. O. VII 118.


Quelle:
P. J. Meier: Die Fahrt nach Lutter. Braunschweigisches Magazin Bd. 13 (1907), S. 33-35




Das Reformations-Jubeljahr

Braunschweigisches Magazin
26stes Stück.
Sonnabends, den 28sten Junius 1817.


Das Reformations-Jubeljahr
In diesem Jahre wird die Mittagsstunde des 31sten Oktobers den feierlichen Denktag, der für das Wohl der Deutschen und benachbarten nördlichen Staaten, für die edle Bildung des Hochdeutschen und anderer lebenden Sprachen, für das Steigen des menschlichen Wissens, und für eine rechte und wahre Gottesverehrung, wie auch für viele andere ungenannte und anerkannte Vortheile, so wichtigen Begebenheit der Reformation, welche vor dreihundert Jahren, von einem Deutschen in Deutschland, begann, zur dankvollen Erinnerung herbeiführen.


Wer die hohen Vorzüge, welche uns Menschen durch die Reformation geworden sind, wohl zu erwägen und zu schätzen weiß, daß wir nämlich, erlöset von der drückenden Sclaverei des Glaubensgewissenszwanges, zur christlichen Freiheit des vernünftigen Denkens und Handelns gebracht sind, der wird sich auch herzlich der Ankunft des Denktages schon freuen, und auch zum voraus sich und die Seinen bereiten, mit festlicher Feier die schuldigen Opfer des Dankes dem Geber des Guten zu bringen.


Vorbereitungen und Winke zur würdigen Feier dieser evangelischen Jubelzeit sind bereits von einigen Herrschern der Erde und von einigen Gelehrten hin und wieder vernommen. Die Grundlegung und Einweihung eines verdienten Denkmals, in Luthers Heimath, in der Grafschaft Mansfeld; die neue Herausgabe seiner gediegenen Schriften, und andere öffentliche Aeußerungen und Ehrenbezeugungen, werden die Dankbarkeit des deutschen Volks, dem Luther ganz eigends zugehörte, und für welches er ganz besonders gearbeitet, um welches er sich aufs Höchste verdient gemacht hat, der Zukunft verkündigen.


D. Martin Luthers Sätze von der Kraft des Ablasses, welche des Mittags zwölf Uhr am 31sten October 1517 an die Schloßkirche in Wittenberg, zur allgemeinen Untersuchung und Belehrung, angeschlagen wurden, machten in der lateinischen gelehrten, und am meisten in der kraftvollen deutschen Sprache, im schnellsten Umlauf, die unerwartetste Wirkung, daß sie den Grund zum großen Gebäude legten, welches zur Niederlegung, Aufbewahrung und Beförderung der Mittel zur Aufklärung der Völker errichtet wurde, und seitdem nun schon 300 Jahre gegen die versuchten Verwüstungen des Feuers und Schwerdts, und gegen alle listige und gewaltsame Anläufe, unerschüttert, ja noch mehr befestigt stehen bleibt. Der kraftvolle Beitritt der Fürsten, welche, unter selbst eigenen Gefahren, die gelehrten Mitarbeiter schätzten und schützten, beförderten das vom Volke zuerst begünstigte große Werk.


Die Reformation begann 1517, wie ein bloßes unbeachtetes Mönchsgezänke; wurde schon 1518 durch Luthers Sermon vom Ablasse sogleich die Sache des Volks, und seit dem 26sten Mai 1521 der Gegenstand großer Verhandlungen des Staats, bei dem Kaiser und den Ständen des deutschen Reichs; daß sie endlich seit 1530 die Sache aller gebildeten und aufgeklärten Staaten und Völker geworden ist.


Durch den dicken römischen Nebel, darin die Hohen und Niederen in aller christlichen Welt, mit blindem Köhlerglauben gegängelt, und mit den Fesseln des Aberglaubens und der Irrlehre gehalten wurden, drang die Sonne der Aufklärung, im nördlichen Deutschland, — wo der stolze Wale und der eroberungssüchtige Franke nur Finsterniß und Unwissenheit, Trägheit und Rohheit wähnte — mit ihren erhellenden Strahlen hervor, und   e s   w a r d   L i c h t !


Das Gedächtnis dieser Begebenheit der Reformation verdient überall, und besonders in allen protstantischen Ländern, nach der mit Zeit, Ort und Umständen sich vertragenden Feierlichkeit, mit dankvoller Rückerinnerung und mit geschätzter Würdigung erneut zu werden. Die Folgen einer unbedeutend scheinenden Begebenheit, wie der Anfang der Reformation zu seyn schien —— sind nicht selten.die auffallendsten und unerwartetsten, zum Erstaunen aller Augen gewesen. Und doch geht alles sehr ordentlich zu. Hinten nach durchspähet der Forscher die Führung und Vorsicht der weisesten, alles regierenden, gütigen Gottheit. Unter allen Beispielen dieser Art verdient die Geschichte der Reformation, in unsern Kirchen und Schulen, bei ihrem annähernd dritten hundertjährigen
Gedächnißtage, besonders erwogen und in Rückerinnerung gebracht zu werden.


Sie müsse uns dankvoll belehren, daß die Reformation, unter den holden Einwirkungen der obwaltenden höchsten und weisesten Vorsehung, ein köstliches Mittel zur Ausbildung und Veredlung der Menschheit, und einer reineren Gottesverehrung geworden sey. Dies bezeuget die Geschichte derselben; dieß zeigen — in die Augen fallend — die wohlthätigen Einwirkungen der Reformation auf die Aufklärung aller Staaten der ganzen gebildeten Welt, und die großen Fortschritte, welche durch dieselbe die Gelehrsamkeit mit allen
ihren Theilen gemacht hat. Der Besitz und Genuß der durch die Reformation gewordenen Vortheile und herrlichen Früchte fällt zu sehr in die Sinne, so daß sie auch durch keine jesuitische Verunglimpfung, Verdrehung und Bespottung herabgewürdigt werden können.

 

Das erste hundertjährige Reformationsjubelfest, welches 1617 von den Evangelischen gefeiert wurde, erregte freilich durch die feindseligen Anhetzungen der Jesuiten und anderer Mönche, ein schreckliches Heer ungezogener und lästerlicher Gegner in Schriften, und die römischen Nuntien reizten alle katholischen Mächte auf, daß mit dem folgenden Jahre der dreißigjährige, für ganz Deutschland sehr lästige Krieg ausbrach; aber es wurde auch mit dem westphälischen Frieden 1648, welchen der Pabst zwar erschwerte und nachher für ungültig erklärte, für beide protestantische Theile, ein langer glücklicher Ruhestand in Deutschland hervorgebracht.

 

Ungeachtet der kriegerischen Zeit, feierten die Evangelischen aufs neue im Jahre 1630 ihr erstes hundertjähriges Jubelfest zum frohen Gedächtniß der 1530 dem Kaiser und Reich übergebenen Augsburgischen Confession, und verherrlichten das Andenken dieser wichtigen Lehrund Glaubensschrift mit den sinnreichsten und schönsten Münzen und Schaustücken. Eben dieses geschah 1717 und 1730, in ruhigern Zeiten, zum zweiten Male.

 
Unsere gute Stadt Braunschweig gewann die ersten Strahlen dieses Lichts der evangelischen Erkenntniß im Jahre 1518 durch Luthers Sermon vom Ablasse, welcher durch den Verkehr des Handels und Wanderschaften mit den Nachrichten von Luthers erregter Religionsänderung hierher gebracht war. Die deutsche Uebersetzung des neuen Testaments, 1522, verbreitete sich bald und wurde mit heißer Begierde gelesen.

 

Es erwachte das weitere Bestreben nach christlicher Freiheit, im Forschen und Prüfen, was evangelische Wahrheit sey. Luthers erbauliche, verständliche und kernvolle deutsche Gesänge seit 1524 erweckten eine seelenerhebende fromme Andacht und bessere Geistesstimmung.

 

Dadurch vermehrte sich der Ekel an der bemerkten Unwissenheit und ärgerlichen Lebensart der Priester und Mönche. Die Bürgerschaft wollte und forderte laut eine kirchliche Einrichtung, welche ihr anfangs der römisch - catholische Stadtrath versagte, nachher aber, von der Nothwendigkeit einer Kirchenverbesserung überzeugt, befördern und einrichten half. Es siegte die Stimme des Volks.

 

Dr. Bugenhagen, ein würdiger Schüler Luthers, wurde 1528 von Wittenberg berufen und ordnete hier die evangelischen Kirchen und Schulen. In den folgenden Jahren verbreitete sich die evangelifche Lehre frei und öffentlich in dem Herzogl. Braunschweigischen und dem benachbarten, größtentheils einverleibten Hildesheimischen Lande.

 
So ungünstig auch für Braunschweig und das Herzogthum der Umstand war, daß der damalige Herzog Heinrich, aus bloßen politischen Ursachen, und von Eifersucht gegen die schmalkaldischen Bundesfürsten angereizt, dem Kaiser und Papst mit aller Dienstfertigkeit ergeben war, und die Fortschritte der Reformation mit zu hindern suchte, auch noch kurz vor seinem Tode, um die evangelischen Unterthanen mit der römisch - catholischen Kirche wieder zu vereinigen, die für sie erwirkte päbstliche Erlaubniß, das heil. Abendmahl unter beiderlei Gestalt zu genießen, von seinem Hofprediger, dem Jesuiten Peter Hovet, zu Wolfenbüttel 1567 durch eine gedruckte Verordnung bekannt machen ließ; so drang doch, bei allem Zürnen des Herzogs, der Eifer des Volks durch, es erhielt von den schmalkaldischen Bundesfürsten von 1542 bis 1548 kräftigen Beistand; es blieb in den darauf folgenden harten und drückenden Zeiten, von 1548 bis 1553 standhaft; es erhielt mit dem Passauischen Religionsfrieden 1555 Sicherheit und Ruhe, und mit Herzogs Heinrichs Tode wurde die evangelische Religion das Glück des Fürstenthums Braunschweig.

 
Der aufgegangene Keim der evangelischen Lehre würde vielleicht hin und wieder erstickt seyn, wenn nicht die, für Herzog Heinrich unglücklich ausgefallene Schlacht bei Sievershausen, seine beiden Prinzen der Hoffnung zur Nachfolge, durch den Tod auf dem Schlachtfelde ihm entrissen; wenn nicht seine zweite Ehe prinzenlos geblieben wäre; und wenn sein jüngster Prinz erster Ehe, Herzog Julius, nicht so fest und treu bei der evangelischen Lehre gehalten hätte, daß ihn auch keine väterlichen Drohungen , Verfolgungen und Ueberredungen davon hatten trennen können.


Dieser wahrhaft große und ruhmwürdige Herzog Julius war anfangs für den geistlichen Stand bestimmt, und studirte auf der Universität zu Löwen. Er nahm nachher die evangelische Lehre an, weswegen er von seinem Vater , bis zur Zeit seiner eigenen und besseren Ueberzeugung, verstoßen und verfolgt, bei seinen evangelischen fürstlichen Verwandten eine sichere und stete Zuflucht suchen mußte.


Wenige Jahre vor dem Absterben seines Vaters, wurde er in dessen väterliche Liebe wieder aufgenommen und zum Nachfolger bestimmt. Herzogs Heinrich Tod erfolgte am 11ten Junii 1568, und Herzog Julius erhob mit dem Antritte seiner Regierung die evangelische Lehre in seinem Lande.

 

Zu diesem Behufe ließ er eine Kirchenvisitation im ganzen Lande anstellen, und es ergab sich daraus, wie der gottesfürchtige Herzog Julius, mit aller Ueberzeugung, selbst öffentlich bekannt machte: ,,daß im ganzen Fürstenthum, zum guten Theil, nicht rechte Pastores, sondern ungelehrte und ungeschickte Mercenarien, und gleich als gedingte Knechte gewesen."


Hierauf mußte seine schöne Kirchenagende, mit Chemnitz Bericht eingeführt werden; und weil sein seliger Vater auf dem Reichstage zu Augsburg 1530, bei dem Vermittelungsgeschäfte, den evangelischen Fürsten den damals aufgebrachten und stets beibehaltenen Vorwurf laut sagte: ,,daß sie nur evangeliseh wären, um die zeitlichen Güter der Stifter und Klöster einzuziehen" so ließ er, um diesen Tadel und Vorwurf von sich zu entfernen, durch den zur kirchlichen Verbesserung seines Landes mit berufenen tübingischen Kanzler Dr. Andreae, nach dem Herzoglich Wittenbergischen Beispiele, eine Klosterordnung verfassen , wobei er auch nicht das Mindeste für seine Fürstl. Kammer einzog, sondern dafür Schulen für die Jugend stiftete, und in den Jungfrauen-Klöstern eine bessere und zweckmäßige Einrichtung machte.

 

Da wurden die trägen Sümpfe, welche die häßlichen Dünste des schädlichen Aberglaubens verbreiteten, in fruchtbare Pflanzschulen für gelehrte und brauchbare Männer im Staate und in der Kirche verwandelt. — Zum allgemeinen Religionsunterricht veranstaltete er für die evangelischen Lehrer und Prediger das nach seinem Namen genannte Juliussche Lehrbuch, zur fortwährenden Annahme und Unterschrift.

 

Den Frieden unter den damals streitigen evangelischen Gemeinden, welche sich leider unter dem eckischen Beinamen der Lutheraner und Calvinisten oder Sacramentirer sehr unbrüderlich trenneten, möglichst zu stiften und zu erhalten, veranlaßte Er zuerst und mit großen fürstlichen Kosten, die auf mehreren theologischen Synoden verfaßte, und endlich am 25sten Febr. 1580 im Kloster Bergen vollendete Eintrachtsformel.

 

Sein Wunsch und Wille, Rath und That, war hierbei christlich und fürstlich; aber wider seine Erwartung fand er sich getäuscht und beleidigt, und sein gehofftes Eintrachtswerk wurde in der benannten Eintrachtsformel eine äußerst hinderliche Grenzscheidung, zur Vereinigung der streitenden Theile. Mit gerechtem Unwillen entsagte er daher der ferneren Theilnahme und seiner früheren Unterschrift, und unterließ die Einführung und Annahme derselben in seinem Lande.

 


Der unsterbliche Julius wurde durch die Reformation der Stifter so vieler Schulen, und gab seinem Fürstenthume die beglückende Gabe der Aufklärung und Gelehrsamkeit in allen Wissenschaften. 1570 gründete er das Fürstl. Pädagogium im Franciscaner Kloster zu Gandersheim; verlegte aber dasselbe 1574 in die schöne und gesunde Gegend nach Helmstädt, wo er es 1575 zu einer Universität erhob, welche vom Kaiser, in dem Bestätigungsbriefe, zur Ehre des Stifters, den Namen der Julius - Universität erhielt, und im October 1576 aufs feierlichste eingeweihet wurde.

 

Diese Universität erreichte sehr bald den Glanz eines Sterns erster Größe am Himmel der Gelehrsamkeit. Sie wurde nach Würden berühmt; sie erzog Männer zum unvergeßlichen Ruhme.


So verdanken wir mit innigster Rührung der Freude die hohen Vortheile und Seegnungen welche auch unserem Lande zu Theil geworden sind, der Reformation. Wir waren, so können wir mit aller Wahrheit sagen, weiland Finsterniß, nun aber sind wir ein   L i c h t   i n   d e m   H e r r n  !

 

Die reine christliche Lehre und eine wahre Gottesverehrung nimmt je mehr und mehr zu. Die Freiheit eines vernünftigen, durch keinen Herrscherstuhl eingeschränkten Forschens nach Wahrheit, ist rühmlichst errungen.

 

Wir dürfen, nach der apostolischen Vorschrift, alles prüfen und das Gute behalten. Es ist und bleibt nunmehr und immer fortwährend die offene Fehde dem Aberglauben und Unglauben angekündigt. Die Waffen gegen beide geben die Vernunft und ein unverfälschtes Wort Gottes.


Durch die Reformation entsproß die regelmäßige Bildung der lebenden Sprachen; ein vernunft- und schriftmäßiger Unterricht für das gemeine und höhere Wissen; das Emporstreben und Auskommen aller Wissenschaften und Künste; die Annäherung der Menschen zur brüderlichen Duldung; und überall ein Streben zur menschlichern und christlichen Einrichtung der Staaten.


So vertreibt die Sonne der Aufklärung den schädlichen Nebel des sich untrüglich haltenden Dünkels der Unwissenheit und des Aberglaubens: sie bringt ein wohlthätiges Licht und stärkende Wärme, durch Weisheit und Tugend, ins Leben der Menschen.

Eschershausen                      Cappe


Quelle:
Hr. Pastor Primarius Cappe in Eschenhausen
"Das Reformations-Jubeljahr"  
Braunschweigisches Magazin 26tes Stück  Sonnabends, den 28ten Junius 1817   S. 401 - 412








Gedanken zum Sonntag von Pfarrer Manfred Trümer, Kaiserdom Königslutter

Gedanken zum Sonntag von Pfarrer Trümer, Kaiserdom Königslutter


Am Mittwoch war Reformationstag - in Sachsen-Anhalt sogar ein Feiertag. Bei uns nimmt man nur noch wenig Notiz davon. Kein Wunder - steht er doch mittlerweile im Schatten von Halloween. Das lässt sich ja auch viel besser vermarkten und kommerzialisieren als das etwas kopflastige Reformationsfest. Halloween mag populärer sein, aber eine ernsthafte Konkurrenz für das Reformationsfest ist es nicht. Zumindest inhaltlich nicht. Und das erstaunt mich dann doch immer wieder, wie man in unserer sich so aufgeklärt und fortschrittlich gebenden Zeit den alten Geisterspuk wieder auferstehen lässt. Eigentlich hatten uns Luther und die Reformation von diesem Aberglauben befreien wollen. Mag sein, dass viele, die Halloween feiern, gar nicht wissen, was mit diesem Fest verbunden ist. Vielleicht würden sie es dann lassen. Aber gedankenlose Nachahmung von Bräuchen hat auch nichts mit der Freiheit eines Christenmenschen zu tun, die Luther gegen die kirchlichen Autoritäten zu Felde führte. Die Autoritäten sind heute andere. Sie heißen Kommerz und Vermarktung.

Veröffentlicht in Helmstedter Sonntag, Nr. 44 vom 04. November 2012 Seite 1



Einladung zum Glauben

Einladung zum Glauben

 

„Gott sei ewig Preis und Ehr', es gibt keinen Teufel mehr! Ei, wo ist er denn geblieben? Die Vernunft hat ihn vertrieben.“

So optimistisch hat man im 18. Jahrhundert, im Zeitalter der Aufklärung, über den Teufel gedacht. Die Vernunft hat ihn ein für allemal vertrieben...Aber lässt er sich wirklich so leicht vertreiben?

Zumindest in unserem Jagdfries am Kaiserdom in Königslutter scheint er sich fest eingenistet zu haben. Eine Theorie besagt ja, dass die beiden Hasen, die den Jäger fesseln, sich zur grinsenden Fratze des Teufels zusammenfügen. Darüber; ob es wirklich so ist, mag man unterschiedlicher Meinung sein, aber dass der Jagdfries vor den teuflischen Versuchungen warnt, denen wir Menschen immer wieder ausgesetzt sind, das denke ich schon. Natürlich stellen wir uns den Teufel heute nicht mehr als den schwarzen Gesellen mit Hörnern und Pferdefuß vor.

So einfach ist dieser Bursche eben leider nicht zu erkennen. Sein Wirken ist viel subtiler, und deshalb ist ihm auch so schwer beizukommen. Der Teufel steckt nicht nur im Detail, wie ein Sprichwort sagt, sondern manchmal sogar in ehrenwerter Gesellschaft - und oft genug in uns selbst. Geschehen nicht viele schlimme Dinge deshalb, weil wir uns in unserem Streben nach Macht, Besitz, Ehre, Geltung und Anerkennung Gesetzmäßigkeiten ausliefern, die wir irgendwann nicht mehr in der Hand haben?

Wonach wir jagen, das bindet uns, und das wir erjagt heben, dem unterliegen wir. Und am Ende triumphiert etwas ganz anderes, als wir gewollt haben.

Eigentlich geht uns dieses Bild vom Menschen ganz schön gegen den Strich. Zu dem Typus des aufgeklärten Menschen gehört es doch konstruktiv dazu, dass er nicht fremdbestimmt ist, sondern eigenverantwortlich handelt. Aber sind wir wirklich „Herren im eigenen Hause “?

Tun wir wirklich immer nur das, was wir tatsächlich wollen? Wie ist es mit den Jugendlichen, die aus Frust und Enttäuschung in eine Szene hineingeraten, in der Hass und Gewalt an der Tagesordnung sind? Oder wie ist das mit unseren Versuchen, für alle Menschen Arbeit zu schaffen, alle Menschen auf der Welt mit Nahrung zu versorgen, der Bevölkerungsexplosion Herr zu werden, die Ausdehnung des Ozonlochs zu bremsen, Konflikte und Kriege zu verhindern und zu beenden? Was haben wir da bisher mit all unserem Wissen, mit unserer ganzen Vernunft bewirkt?

Sind wir also dem Teufel, dem Bösen in uns oder - wie immer wir es nennen wollen - hilflos und rettungslos ausgeliefert? Wäre das dann nicht das Ende aller ethischen Verantwortung und allen moralischen Handelns?

Im Wochenspruch aus dem ersten Johannesbrief heißt es: „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ Gott überlässt uns nicht der zerstörerischen Macht des Bösen. Er hat seinen Sohn Mensch werden lassen, um uns an ihm zu zeigen, was gut und heilsam ist für uns und andere. Er hat ihn leiden und sterben lassen, um uns aus der Gewalt des Bösen zu erlösen. So will uns der Jagdfries von Königslutter nicht nur vor dem Bösen wahren, sondern uns auf den hinweisen, der uns allein vor dem retten kann, was uns und andere zerstören möchte. Eine Einladung zum Glauben also, eine Einladung, in der Gemeinschaft der Glaubenden, in der Kirche Halt und Kraft zu finden, um dem widerstreben zu können, was nicht gut für uns ist.

 

 

Veröffentlicht in:

Helmstedter Sonntag. 09.03.2003

 

Zum Peter- und Paulstag 2003

Angedacht Besinnliches zum Sonntag Heute von Manfred Trümer, Kaiserdom Königslutter BZ Ausgabe Helmstedt 20030628

Peter und Paul vereint
An diesem Sonntag, am 29. Juni, ist Peter- und Paulstag, und am Dom in Königslutter feiern wir unser Gemeindefest. Da Peter und Paul die Patrone unserer Stiftskirche sind und der Grundstein vermutlich am 29. Juni 1135 gelegt wurde, ist das auch gleichzeitig unser Kirchweihfest.
Petrus und Paulus - auch wenn sie beide unserem Dom den Namen gegeben haben und im liturgischen Kalender denselben Namenstag haben - so friedlich und einträchtig ging es zwischen den beiden zu Lebzeiten nicht immer zu. Das kann man im Neuen Testament nachlesen. Der Theologe und Schriftsteller Peter Spangenberg hat diesen Streit in einer kleinen Fabel in unsere Zeit hinein verlängert - gewissermaßen aktualisiert.
Da gibt es in einer großen Stadt - so erzählt er - zwei große Kirchtürme. Der eine gehört zur katholischen Kirche und heißt St. Peter; der andere mit Namen St. Paul ziert die evangelische Kirche. Vor allem am Peter- und Paulstag kommt es in jedem Jahr zu einem unerfreulichen Streitgespräch zwischen beiden, und das hört sich dann so an:
„ Was bildest du dir eigentlich ein? ", sagt Peter zu Paul, „du mit deinen 450 Jahren Geschichte! So jung und schon so verbraucht. Dein Schiff ist ja sonntags fast leer!“ - „lch kann deine Angeberei nicht mehr hören erwidert Paul spitz zu Peter; „so was Römhöriges, so was Hochnäsiges, und was sich so sonntags in deinem Schiff tut, ist doch bloß eine einzige Maskerade.“ - „Neidisch, wie?“, kontert Peter und gibt seinen Glocken noch einen mächtigen Stoß.
Und so streiten sie beide munter weiter. Ja, hat denn Paul ganz vergessen, wie sein Vorbild in einem seiner Briefe geschrieben hat: „Ein Herr; ein Glaube, eine Taube “? Und Peter - erinnert der sich denn gar nicht mehr an die Worte Jesu: „Du bist Petrus, auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen “? Ja, haben denn beide vergessen, dass es nur einen Herrn, einen Glauben und eine Kirche gibt - bei aller Vielfalt und Verschiedenheit? .
Aber zum Glück ist es ja nur eine Fabel. Oder etwa nicht?
Übrigens geht die Geschichte von Peter und Paul bei Peter Spangenberg weiter:
Eines Tages kamen viele fremde Leute in die Stadt und bauten zwischen den beiden Kirchen eine Moschee mit einem langen, schlanken Minarett. Da erst begruben die beiden Türme ihre Feindschaft, entdeckten ihre Einheit und beschlossen, gemeinsam gegen das Minarett zu kämpfen. Als sie damit begannen, krähte der Hahn von St. Peter und der Turm zerschmetterte das Kreuz von St. Paul...
Auch diese Töne kennen wir ja: Die Christen müssen zusammenhalten gegen den Islam, der das Christentum zu verdrängen sucht. Ein gemeinsames Feindbild als überkonfessioneller Kitt gewissermaßen. Und dann geht die ganze Streiterei weiter - diesmal nicht zwischen Peter und Paul, sondern vielleicht- zwischen Jesus und Mohammed. Das kann ja wohl nicht sein. Wenn nur das Feindbild uns zusammenfügt, dann kann mit unserem Glauben etwas nicht stimmen. Dabei brauchen wir eigentlich nur eins: uns wieder auf die einfachen, klaren Worte von Jesus zu besinnen. Und da hören wir; wen Jesus selig preist: die Menschen, die Frieden stiften und nicht zum Kampf aufrufen... die nach Gerechtigkeit verlangen, die reinen Herzens sind und den Willen Gottes tun.
Wenn wir Jesus und seine Worte ernst nehmen, haben wir alle Hände voll zu tun und gar keine Zeit zu kleinlichem Streit und Eifersüchteleien. Dann kann auch der Peter- und Paulstag ein konfessionsverbindender Gedenktag sein. Übrigens - wir in Königslutter haben ihn in manchen Jahren schon mit einem ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Bei uns verstehen sich eben Peter und Paul. Gott sei Dank!


Veröffentlicht in:
Braunschweiger Zeitung, Ausgabe Helmstedt vom 28.06.2003

 

 

Gemeindearbeit ist ihm Bedürfnis

Pfarrer Manfred Trümer 19860405

Sonnabend, 5. April 1986   HELMSTEDT
Pfarrer Manfred Trümer wird in Königslutter erwartet
Gemeindearbeit ist ihm Bedürfnis
Der Seelsorger kam auf dem zweiten Bildungsweg zur Theologie

Die Stiftskirchengemeinde in Königslutter erwartet ihren neuen Pfarrer. Am 20. April wird der 36jährige Manfred Trümer als Nachfolger des in den Ruhestand gegangenen Pastor Kurt Raths um 15 Uhr in einem Gottesdienst im Dom in sein Amt eingeführt. Manfred Trümer war fast zehn Jahre in seiner ersten Pfarrstelle in Grasleben tätig.
Der neue Seelsorger wurde in Helmstedt geboren, wuchs in Schöningen auf. Mit zehn Jahren zog er mit seinen Eltern nach Wolfenbüttel, lebte dort fast ein Jahrzehnt. Nach dem Vorbild des Vaters begann er dort auch in der Verwaltung zu arbeiten, brachte es bis zum Inspektoranwärter.
Bestärkt durch seinen Konfirmator begann er nun einen Kinderheitswunsch zu realisieren. Manfred Trümer verließ die Verwaltung, wechselte auf die theologische  Akademie in Hermannsburg (Kreis Celle). Eine Einrichtung für Absolventen, die aus dem Berufsleben kommen. Er machte dann sein Vikariat in der Schöninger Clus-Gemeinde, trat 1976 nach Abschluß der Ausbildung seine erste Pfarrstelle in Grasleben an. Damit erfüllte sich für ihn die eigentliche Vorstellung vom Beruf: Erfüllung und Freude.
Stillstand ist für Pfarrer Trümer Rückschritt. Er fürchtete die Routine in seinem bisherigen Wirkungskreis, bewarb sich um die Vakanz an der Stiftskirche. Den Wechsel hält er für die Entwicklung seiner Persönlichkeit für nötig. Neue Aufgaben reizen ihn, fordern ihn heraus.
Manfred Trümer wird sie in der ihm eigenen offenen Art angehen. "Auf die Menschen zugehen" ist seine Devise. Ein Programm hat er nicht, es würde nur stören. Die intensive Gemeindearbeit ist ihm
Bedürfnis.                                        Disc-


Veröffentlicht: Sonnabend, 05. April 1986 BZ Rubrik HELMSTEDT

 



tl_files/Fotos/Allgemein/Pfarrhaus der Stiftskirche/Stadtbuettel-KL-01-15-S-17.jpg

Königslutter.

Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde der neue Dompfarrer Dr. Martin Senftleben am 30. November offiziell in sein Amt eingeführt und von seinen künftigen Kirchengemeinden der Stiftskirche und Sunstedt sowie vom neuen Pfarrverband begrüßt.

 

tl_files/Fotos/Allgemein/Pfarrhaus der Stiftskirche/Amtseinfuehrung-Pfarrer-Senftleben-im-Kaiserdom-20141130-Foto-Bernd-Schunke.jpg

Der stellvertretende Propst Thomas Posten nahm die Amtseinführung von Dr. Martin Senftleben vor.

Damit endete für die Kirchengemeinden eine monatelange Vakanz.

Den Gottesdienst gestalteten der Domchor, der Posaunenchor und das Blockflötenensemble, jeweils unter der Leitung von Domkantor Andreas Schultz, der auch selbst an der Orgel mitwirkte.

 

tl_files/Fotos/Allgemein/Pfarrhaus der Stiftskirche/Predigt-Pfarrer-Senftleben-im-Kaiserdom-20141130-Foto-Bernd-Schunke.jpg

Wie sich die Bilder gleichen und doch nicht gleich sind. Das letzte Foto von der Kanzel im Kaiserdom zeigte noch Pfarrer Manfred Trümer bei dessen Abschiedspredigt. Auf diesem Foto hält Dr. Martin Senftleben seine erste Predigt im Kaiserdom. Foto: Bernd Schunke

 

Dr. Martin Senftleben, geboren 1958 in Calbe an der Saale, wuchs in Bielefeld und Hamm auf. Während seines Studiums nahm er Gesangsunterricht und hatte Auftritte bei Kirchenkonzerten. Dr. Senftleben arbeitete zwei Jahre als Auszubildender in der chemischen Industrie und lernte dort chemische Verarbeitungsprozesse kennen. Außerdem wurde er in handwerkliche Prozesse eingeführt und darüber hinaus in Elektrik und Elektronik unterrichtet. Letzteres erklärt, warum der neue Dompfarrer auch die neuesten Techniken nutzt. Er ist bestens vernetzt, mit eigener Homepage unter Dr. Martinus. ( http://www.drmartinus.de ) 1979 begann er seine theologische Ausbildung in Hermannsburg, die 1989 mit der Ordination abgeschlossen wurde. Einen Teil des Vikariats verbrachte er bereits mit seiner Frau und ihrem ersten Sohn in Indien. In Tirupati, wo er unter Studenten als Studentenpfarrer arbeitete, promovierte er dann nach Erlangung des Magistergrades (M.Phil.) in Religionswissenschaft. Autodidaktisch erlernte er außerdem Computertechnik und Programmieren und baute als lnformation Systems Manager an der Schule in Kodaikanal / Indien beispielsweise die komplette Computer-InstalIation mit 120 PCs mit Internetanschluss über Satellit auf. Dort nahm er auch seine Tätigkeit als Sänger wieder auf, hält Liederabende und nimmt an Kirchenkonzerten teil.

Ende Mai 1999 kehrt er mit seiner Familie nach Deutschland zurück und nimmt am 1. September den Dienst als Pfarrer der St. Paulus-Gemeinde in Goslar-Oker auf. Am 1. Mai 2005 tritt Pfarrer Senftleben eine Stelle in Wolfenbüttel bei St. Trinitatis an und betreut dort den Seelsorgebezirk Süd.     bs

 

Veröffentlicht in: Der Stadtbüttel Weihnachten 2014 / Januar 2015 S. 17