Inschriften an der Stadtkirche Königslutter (zusammengestellt von Heinrich Medefind 1994/95)

 

Die Inschriften an unserer Stadtkirche sind über die blauen Felder anklickbar. Dabei erscheinen die zugehörigen Fotos sowie Beschreibungstext und Rekonstruktionsversuch der teilweise stark verwitterten Inschriften.

Eine Bewegung über die Kursortasten des Lichttisches ist ebenfalls möglich. Viel Spaß bei der virtuellen Erkundungstour um unsere Stadtkirche!

 

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Weitere Inschriften der Stadt Königslutter sind unter der Rubrik Königslutter > Denkmalpflege sowie Kaiserdom > Kreuzgang zu finden.

 

 

Krippen aus aller Welt in der Stadt Königslutter

Krippenausstellung Stadtkirche Königslutter
Krippenausstellung Stadtkirche Königslutter

Bereits zum neunten Mal:
Krippen aus aller Welt in der Stadt
Königslutter.
Es würde etwas fehlen, wenn in der Stadtkirche anlässlich des Adventsmarktes keine Krippenausstellung präsentiert würde. Auch in diesem Jahr waren dort glücklicherweise Krippen aus aller Welt zu bestaunen.
Es ist schon bewundernswert, was Herbert und Petra sowie Manfred und Marita Rupprecht an weihnachtlichen Exponaten zusammen getragen haben. Da standen beispielsweise Krippen aus Italien, Polen, Tschechien, aber auch aus Mexico, Vietnam, Peru und Teneriffa. Einen großen Raum nahm die „afrikanische Ecke” ein. Und eine in einer Streichholzschachtel war die „Krippe für die Reise".
Und immer wieder verblüffen die Einfälle, mit welchen die Krippenhersteller zu Werke gehen. So zeigte eine, wie Hirten und Könige aus der Sicht des Jesus-Kindes zu sehen sind.
Und drei Krippen wurden von den 12-jährigen Ruben und Oliver sowie dem 14-jährigen Aaron gebastelt, und die konnten sich wahrlich sehen lassen. Eine weitere Krippe diente als Vorlage für einen Adventskalender mit süßer Füllung.
Die Rupprechts sind inzwischen nicht nur in Königslutter berühmt. Die Stiftskirchengemeinde ließ sich von ihnen für den Kaiserdom eine Krıppe fertigen.

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Und Kindergarten-Gruppen schauen regelmäßig bei ihnen vorbei. Sie sind dann Akteure eines „Lebendigen Krippenspiels“.
Die Ausstellung in der Stadtkirche kostet keinen Eintritt. Am Eingang steht jedoch eine Sparbüchse für Spenden bereit. In den vergangenen acht Jahren kamen so stolze 6440 Euro für bedürftige Kinder zusammen.   bs

Veröffentlicht in:
Der Stadtbüttel Weihnachten 2012 / Januar 2013  S. 35


Noch bis Sonntag rund um die Stadtkirche Königslutter
Adventsmarkt lockt mit 40 Ständen und vielfältigem Programm
Die Stadt Königslutter veranstaltet vom 14. bis 16.. Dezember auf dem Gelände rund um die Stadtkirche den Adventsmarkt. Die mehr als 40 weihnachtlich geschmückten Stände und Verkaufswagen sind am heutigen Sonnabend von 12 bis 21 Uhr und am morgigen Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Für die Kleinsten gibt es ein Kinderkarussell.
Königslutter. Ein vielfältiges Rahmenprogramm erwartet die Besucher. So werden etwa heute ab 15.30 Uhr Winter- und Weihnachtslieder gesungen. Bernd Giere und Andreas Witlake wollen Lieder von Rolf Zuckowski mit den jüngsten Adventsmarktgästen anstimmen. Anschließend wird der Weihnachtsmann die Kinder mit kleinen Geschenken überraschen. Unter dem Titel „Adventsmusik zum Zuhören und Mitsingen" findet am heutigen Abend eine Veranstaltung mit André Mumot (Sprecher) und Matthias Wengler (Klavier und Orgel) statt. Neben Weihnachtsgeschichten und Orgelmusik wird es auch Lieder aus aller Welt zum Mitsingen geben.
Am Sonntag startet das Rahmenprogramm mit einem Gottesdienst zum Adventsmarkt in der Stadtkirche. Am gleichen Ort findet am Abend eine Andacht mit dem Friedenslicht aus Bethlehem statt.
Das Geopark-lnformationszentrum lädt an allen drei Festtagen große und kleine Adventsrnarktbesucher zum Erkunden der Ausstellung  „290 Millionen Jahre Erdgeschichte" ein.
Während der Marktzeiten können sich die Besucher auch verschiedene Ausstellungen ansehen, darunter die Modelleisenbahn-Anlage der Arbeitsgemeinschaft Eisenbahn im Rathaus und die Krippenausstellung in der Stadtkirche mit mehr als 100 Exemplaren aus aller Welt.


Veröffentlicht in:
Stadtspiegel 20. Jg  15.12.2012  24/12  S. 1

 

 

 

Unsere Stadtkirche St. Sebastian und St. Fabian

Leidenswerkzeuge oder Arma Christi


Eine Besonderheit in unserer Stadtkirche: ein kleines Bild mit großem Inhalt

von Otto Kruggel



Haben Sie ihn schon in unserer Stadtkirche entdeckt: den Schlußstein mit den Leidenswerkzeugen?

"Eine Besonderheit der Stadtkirche von Königslutter ist der Schlußstein in ihrem Nordwestgewölbe. Auf seiner umkränzten Kreisfläche sind in Flachrelief folgende Leidenswerkzeuge oder Arma Christi dargestellt:

Kreuz, Dornenkrone, Nägel, 30 Silberlinge, Leiter, 3 Würfel, Lateme, Fußstütze am Kreuz, Lanze, Hammer, Geißel, Palmblatt, Geißelsäule mit Stricken und Hahn, Schwammstab, Zange und Rute. Darüber Sonne und Mond, die nach Mt 24,29 beim Erscheinen des Zeichens Christi am Himmel den Schein verlieren. Die Flügellanze ist auf das Herz gerichtet.

Dieses Kleinod entstand sicherlich 1502, als die beiden westlichen Seitenarme der Kirche angebaut wurden, und damit zur gleichen Zeit wie der Schmerzensmann und die Martersäule im Braunschweiger Dom, die nächstliegenden Darstellungen dieses Themas. Vierzig Jahre später malte Michelangelo die großartígste dieser Darstellungen in seinem Meisterwerk, dem "Jüngsten Gericht" an der Altarwand der Sixtinischen Kapelle.

Ihren Ursprung haben diese Darstellungen in Christi Wort über seine Wiederkunft "Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohn am Himmel..." aus Mt 24,30. Auch sie zeugen von der Fülle und Vielgestaltigkeit biblischer Themen durch die christliche Kunst.

Galt ursprünglich das Kreuz von Golgatha als dieses Zeichen so setzte nach dem Auffınden des Kreuzes, der Nägel und des Kreuztitels durch Kaiserin Heleııa und mit dem wachsenden Reliquienkult das Suchen nach weiteren Werkzeugen der Passion ein. lm 12. Jh. fand das Thema größere Verbreitung und vielfaltige Darstellung. Der berühınte Verduner Altar von 1181 in der Stiflskirche von Klosterneuburg bei Wien (Kaiser Lothars Tochter Gertrud wurde dort 1143 beigesetzt) zeigt den zu Gericht sitzenden Christus flankiert von zwei Engeln mit Kreuz, Nägeln, Dornenkrone, Lanze und Schwammstab in den Händen und mit der Umschrift:

SIE SOLLEN MICH SEHEN; FÜR DIE ICH GELITTEN HABE; DEREN RICHTER ICH JETZT BIN;

1172 soll König Alfons I. von Portugal durch eine Erscheinung Christi aufgefordert worden sein, den Preis, den dieser für die Menschheit aufbrachte, zusammen mit dem im Wappenbild darzustellen, den die Menschen für ihn boten. So kamen die fünf Wunden des Gekreuzigten und die 30 Silberlinge ins portugiesische Wappen.

Nach der Einführung des Festes "De Armis Christi" durch Papst Innozens VI. im Jahre 1353 folgte eine Fülle von Abbildungen der Leidensinstrumente in Weltgerichts- und Passionsdarstellungen. Sie gewannen dabei symbolischen Eigenwert und erschienen in Amuletten, Andachtsbüchlein, Wappen, Fußbodenfliesen, Chorgestühlen und Schlußsteinen.

Aufrüttelung der seelischen Krafte zum Nachempfınden des Leidens Christi und Erschütterung durch Sündenbewußtsein sollte ihr Anblick erwirken. Ergriffenheit und Betroffenheit zu erzeugen und Reinigung von diesen Affekten zu bewirken, sei der Sinn aller Kunst, lehrte uns Lessing.

Diese Reinigung ist erreichbar, wenn Christus nicht weiterhin verraten, verhöhnt und gequält wird. Mit den Silberlinge fingen Verrat, Verspottung, Verurteilung und Vernichtungswollen an. Wer seines Vorteils wegen Gleiches an Mitmenschen tut, verstößt gegen das Gebot der Nächstenliebe, tut damit Christus erneut das an, was ihm Mitmenschen damals antaten und wird dafür gerichtet werden. Ein kleines Bild mit großem Inhalt.“

Schauen Sie in unsere Stadtkirche hinein, verweilen Sie dort und betrachten zur Passionszeit auch den Schlußstein mit Christis Leidenswerkzeugen.

 

veröffentlicht in: Bei uns in der Stadtkirche Brief der ev.-luth. Kirchengemeinde St. Sebastian und St. Fabian  Februar / März 1994

 

 

Die Stadtkirche (Langfassung)

Blick auf die Altstadt von Königslutter mit der Stadtkirche

Anschauung ohne Begriffe bleibt blind, Begriffe ohne Anschauung sind leer. Dieser weisen Erkenntnis folgend, soll hier in Begriffe gefaßt werden, was an und in der Stadtkirche von Königslutter angeschaut werden kann.


Der Schriftsteller Gerhard Nebel schrieb 1965 in seinem Artikel ”Altertümliche Wildheit in Königslutter”: ”Noch mehr als am Ort Königslutter liegt mir an seiner Stiftskirche, die man im Volk Kaiserdom nennt... und fast ebensosehr wie um diesen herrlichen Bau, den ich über alle romanischen Bauwerke, also über fast alle Bauwerke überhaupt stelle, geht es mir um die noch ältere, allzuleicht übersehene Stadtkirche, der man jetzt eine angemessene, zum Herantreten und Anschauen einladende Platten-Umgebung geschaffen hat - der Turm als wuchtige Masse, die durch einige romanische Bögen nicht so aufgelockert wird, daß der Eindruck altertümlicher Wildheit verlorengeht. Der Turm wurde angehaucht, aber nicht durchgeistigt, er bleibt in der sächsischen Erdenschwere."


Sicher ist die Kirche von Lutter älter als des Kaisers Stiftskirche in Regis Luttera, aber von diesem älteren Bau ist nichts mehr vorhanden und auch nicht bekannt, wie er aussah.
Von den vier Teilen der heutigen Kirche ist der quadratische romanische Turm der älteste. Er ist über einer attischen Basis in der gediegenen Großquaderbauweise mit Arkadenfenstern errichtet, die die Bauleute des Kaiserdomes in diese Gegend brachten. Demnach müßte er im Zeitraum von 1150 bis 1250 gebaut worden sein. Wie bei der 1752 abgerissenen Clemenskirche wird der massive Turm eine frühere Holzkonstruktion ersetzt haben, bzw. vor eine Kirche in Holzoder Fachwerkbau gesetzt worden sein. Es gibt mehrere Urkunden aus dieser Zeit, worin ausdrücklich der Bau eines steinernen Turmes für die Kirche betont wird. Selbst in Lutter, wo die Häuser auf Stein standen und Steinbrüche vor der Tür lagen, wurde bis weit in die Neuzeit hinein allgemein und sogar bei der Burg Fachwerkbau betrieben.
Da es keine Einbindung in das Mauerwerk der Kirche gibt, wird die Annahme des separaten Turmbaus bestärkt. Nach der gestochenen Stadtansicht Königslutter in Merians Topographia ... von 1564 entsprechen die Fenster im wesentlichen dem Stand von damals und somit wohl auch dem ursprünglichen. Anders beim Dach. Merians Stich zeigt ein Satteldach mit hohen Giebeln auf der Nord- und Südseite und darauf eine Laterne. Wann dieses entstand, ist nicht belegt, aber aus dem 12. Jh. stammen weder das spitzwinklige Dach noch die Laterne. 1744 wurde der Turm saniert, erhöht und mit dem Helm mit Laterne versehen.


Nach damaligen Angaben des Zimmermeisters Storck ist der Turm 100 Fuß hoch u. 28 Fuß breit. Die 28 Fuß sind 8,25 m, ein Fuß beträgt also 29,5 cm, die Turmhöhe demnach 29,5 m. Die Fußlänge beim Bau des Kaiserdomes wurde mit 28,2 cm gerechnet. Der Entwurf für einen Umbau der Kirche von 1742 wurde zum Glück nicht realisiert. Er sah für den Turm fünf übereinanderliegende quadratische Stichbogenfenster vor.
Die Turmuhr wurde 1853 für 247 Taler und 17 Groschen gekauft.
Die drei 1959 von der Firma Schilling in Heidelberg, vormals Apolda, gegossenen Glocken sind dem intensiven Bemühen des Propstes Blümel zu verdanken. Er brachte von den 32.000,-DM Gesamtkosten 25.000,-DM durch Spenden auf. Mit den Tönen cis`- e`- fis` schließt dieses Geläut an das des Kaiserdoms mit fis`- gis`- h an. Die vorherigen Glocken mußten während des 2. Weltkrieges abgeliefert werden. Sie stammtem von 1897 und 1928. Die älteste Glocke dieser Kirche erwähnt P. J. Meier in seinem Band "Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Helmstedt, Wolfenbüttel 1896, als "romanisch und von schöner Form (XIII. Jahrh.)." Sie befindet sich im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig.
Den Abschluß des Turmmauerwerkes bildet ein starker Viertelstab. Beim Kirchengebäude ist es eine Kehle.
Die fünf Grabsteine an der südlichen Turmwand und westlichen Kirchenfront gehören zu Bestattungen im Innern der Kirche. Sie sind folgenden Personen gewidmet

Carl Balthasar von Sydow   12.8.1708 - 10.6.1781   Oberst
Vollrad Friedrich von Brück 17.8.1670 - 17.8.1704   Erbherr auf Segrena
                           Meyers   30.5.1671 - 24.3.1673  Sohn Bürgermeisters M.
Johann Christian Lübbecke                 -25.12.1758  Pastor der Stadtkirche
Casimir Julius Gue                5.6.1695 - 18.9.1695  Sohn des Amtmanns Gue


Zwei Epitaphe der Familie Gue befinden sich in der "Klostermauer" an der Stelle, wo einst der Guesche Hof stand, und eins ist in der Kirche in Riddagshausen. Die zugemauerte Tür über dem Lübbecke-Epitaph war bis 1895 der Eingang zur Amts- oder Ratsprieche und von außen über eine Treppe zu erreichen.
1835 wurden beim Bau des Ratskellers westlich der Kirche 20 in den Duckstein gehauene Grablegen gefunden. Die Köpfe der Bestatteten lagen im Osten. Da in einem dieser Gräber im Brustbereich des Beigesetzten eine Pilgermuschel lag, muß es sich um eine Beerdigung aus vorreformatorischer Zeit handeln. An der Nordwestecke der Kirche befindet sich ein Stein mit der Jahreszahl 1480 in römischen Ziffern: Mo CCCCO LXXXO = Millesimo quadringentesimo octogesimo. Ähnliche Steine mit der Jahreszahl 1490 finden wir am Brunnenhaus des Klosters und im Nachfolgebau der Klus in der Braunschweiger Straße.


Die damit bezeugten Baumaßnahmen sind wohl im Zusammenhang mit den Aktivitäten des Konvents von Königslutter zu sehen, das durch verschwenderisches Leben des Abtes Baldewin von Berge (1460-1477) heruntergekommene Kloster mit eigener Kraft wieder zu Ansehen zu bringen und es mit Anschluß an die Bursfelder Kongregation zu verschonen. Das Patronat der Stadtkirche stand seit 1283 dem Kloster zu.
Der Anbau der westlichen Seitenschiffe und des Leichenhauses vor dem Südportal (s. Zeichnung vom 25. Debr. 1841) fand laut Pfarrarchiv 1502 statt. Diese Vergrößerung der Kirche soll der Zuzug der Bewohner des 1492 bei der Belagerung Braunschweigs zerstörten Dorfes Schoderstedt erfordert haben.
Links neben dem Nordportal ist die Jahreszahl 1794, ein Name (F...ICHTEL.?) u. das Steinmetzzeichen    eingemeißelt. Die Fenster der Seitenschiffe wurden 1841 beim Abriß des Leichenhauses denen im im Chor von 1667 angepaßt und 1974/75 mit der jetzigen Grisaille-Verglasung versehen. Über dem Ostfenster des östlichen Nordquerhauses ist die Jahreszahl 1652 eingemeißelt. Das stichbogig abschließende Fenster der oberen Prieche zeigt die Jahreszahl 1655. Hier handelt es sich also um Reparaturen nach dem 30jährigen Krieg. In den Bau-Akten wird ein Kirchenanstrich (ohne Turm) von 1864 mit Tünche von Zement und Steinfarbe erwähnt. Erstaunlich, daß davon nichts mehr zu finden ist. Vermutlich wurde sie während der Sanierung von 1895-97 entfernt. Damals war puristische, steinsichtige Oberflächenbehandlung üblich. Die seitlichen Chorfenster erhielten laut der zweimal angebrachten Jahreszahl 1667 ihre Form und Größe. Von den dabei zugemauerten kleineren sind noch Spuren zu erkennen. Die Basis des Bruchsteinmauerwerks ist nicht attisch wie beim Turm, sondern karniesförmig. Der Karnies ist ein S-Profil aus Stab und Kehle. Beim stehenden oder steigenden Karnies ist der obere Teil konkav, beim fallenden der untere. Hier ist es also ein steigender. Das Wort kommt aus dem spanischen cornisa 'Glockenleiste'. Die Treppe zur Prieche verlief einst querab.
Der gerade abschließende Chor enthält ein dreigeteiltes gotisches Lanzettfenster mit höherer Mittellanzette und schräg eingeschnittenen Laibungen. Auf der Ostseite des Südquerhauses ist ein weiteres dreiteiliges gotisches Lanzettfenster. Es ist nur wenig vertieft eingelassen. Die verschiedenen Bauphasen hinterließen hier Fenster mit geradem, stich-, rund- und spitzbogigem Abschluß.
An der Südostecke des Chores befindet sich eine Reliefplatte mit einer Darstellung der Kreuztragung und dreizeiliger stark verwitterter Inschrift in Textura. Christus trägt ein schweres Waldenserkreuz,und eine hinter ihm viel kleiner dargestellte Person, die offensichtlich nicht fähig ist, dieses schwere Kreuz zu tragen, hilft ihm wenigstens. Vorn ein Kriegsknecht und hinten Maria und Johannes flankieren diese Szene. Die kleine helfende Person ist wohl nicht als Simon von Kyrene zu deuten, sondern als der Stifter dieses Fürbittesteins. Er
wollte demnach, wie Heinrich der Löwe mit seinem berühmten Evangeliar, zeigen, daß er bereit sei, gemäß Matth. 16.24 Christus zu folgen und sein Kreuz auf sich zu nehmen. Der Schriftart nach müßte dieser Stein um 1500 gemeißelt worden sein.

Im südlichen Ansatz des Langhausgiebels ist ein Stein mit folgender Inschrift eingemauert:

 

JESUS
CHRISTUS PATRONUS
MAGIST.  GUNTHERUS DANELIUS SUPERINTENDES
B HENNIG ALBERS MATTHIAS CUSTERUS
B HENRIC MEYER CANTOR
B JOHANN MÜLLER KIRCHVATER
C HINRIC KUPEITZ M HINRIC REINBOLD
C CHRISTOPH HORN M ANDREAS SIUERS
C JOHANN LUTHKE M CHRISTOPH WEDDE
NI  UFFGESPARRET  24. JULII AO DOMI 1639


Das Dach des Langhauses wurde 1639 (!) durch Mithilfe der genannten Pastoren, Kirchenangestellten und Bürger, bzw. Bürgermeister, um ca. 4 m erhöht. Die dreifache Wiederholung des CMB= Christus mansionem benedicat, erhält ihren tiefen Sinn erst dann, wenn man weiß, daß Königslutter 1627 und 1636 fast völlig ausgeplündert worden war.


Die Baufuge zwischen den beiden Querhäusern ist auf der Südseite deutlich sichtbar. Die Wand des westlichen ist kaum mit den Eckquadern des östlichen verzahnt. Der Grabstein des Bürgermeisters Georg Schmalbruch an dieser Wand ist interessant wegen sinnvoller Anordnung der z. T. gereimten Inschrift, Darstellung von Wappen in emblematischer Manier, gediegener Steinmetzausführung und Angabe des 31. Septembers als Geburtstag.
Daneben ist der 1841 zugemauerte Südeingang sichtbar. Anstelle des jetzigen Südportals bestand von 1502 bis 1841 der Zugang zum Leichenhaus. Das Südportal, der Haupteingang, wird von drei Rippen mit tiefen Kehlen dazwischen umzogen. Im oberen, spitz zulaufenden Teil ist die äußere Kehle mit Blattwerk gefüllt. Auch den Architrav zieren sechs mehrteilige Blattornamente. Eine steife Darstellung des Opferlamms mit Kreuz füllte das Tympanon. Darüber bildet ein geschweiftes Kreuz im Kreis die Spitze des Portals. Es symbolisiert die Alleinherrschaft Gottes. Rechts neben diesem Eingang ist ein Stück der Gebäudebasis sichtbar.

Auch innen sind die außen ablesbaren Bauphasen dieser dreischiffigen Hallenkirche deutlich sichtbar. Ihre 11 Gewölbe sind zwar alle spitzbogig, aber unterschiedlich in Höhe, Stützung und Struktur. Die beiden Gratgewölbe des Langhauses ruhen im Osten auf schlichten Hornkonsolen ansonsten auf Eckpfeilern mit Kämpferabschluß. Ihren Gurtbogen stützen schlanke Säulen mit Kelchkapitellen, denen im
Süden stehende Blätter und im Norden ein Knollenkranz aufgelegt wurden. Deren Vergoldung gibt dem Langhaus seine Glanzpunkte.
Die aus zwei Kehlen und Rundstab gebildeten Diagonalrippen der östlichen Seitenschiffsgewölbe stehen auf Winkelsäulen mit schlichten Kelchkapitellen und unprofilierten dicken Abakusplatten. Solche auf vier Stielen stehenden Gewölbe wurden auf deutschem Boden zuerst im Kaiserdom von Königslutter konstruiert.
Die Basen der Ecksäulen haben ein gedrücktes attisches Profil und Eckspornzier aus Blattmustern. Auch die Gewölbeschlußsteine zeigen Blattverzierung. Die kleine Nische mit spitzem Kleeblattbogen und Ausguß in der Ostwand des südlichen Seitenschiffes zeugt von vormaligem Vorhandensein eines Altars in diesem Teil. Eine ebensolche, aber größere Nische für den Dienst am Hauptaltar befindet sich in der Südwand des Chores.
Die Rippen der westlichen Gewölbe gleichen im Profil den östlichen, steigen im nördlichen Joch über einer Horn-, einer Kopf- und einer Figurenkonsole u. einem Eckpfeiler auf, im Süden über einer Kopfkonsole und drei Eckpfeilern. Ein Stern bildet den Schmuck des südlichen Schlußsteins.


Eine Besonderheit der Stadtkirche von Königslutter ist der Schlußstein in ihrem Nordwestgewölbe. Auf seiner umkränzten Kreisfläche sind in Flachrelief folgende Leidenswerkzeuge oder Arma Christi dargestellt:
Kreuz, Dornenkrone, Nägel, 30 Silberlinge, Leiter, 3 Würfel, Bohrer, Laterne, Fußstütze am Kreuz, Lanze, Schwert, Herz, Hammer, Geißel, Palmblatt, Geißelsäule mit Stricken und Hahn, Schwammstab, Zange und Rute. Darüber Sonne und Mond, die nach Matth. 24.29 beim Erscheinen des Zeichens Christi am Himmel den Schein verlieren. Die Flügellanze (vergl. heilige Lanze) ist auf das Herz gerichtet. Dieses Kleinod entstand sicherlich 1502 als die beiden westlichen Seitenarme der Kirche angebaut wurden, und damit zur gleichen Zeit wie der Schmerzensmann und die Martersäule im Braunschweiger Dom, die nächstliegenden Darstellungen dieses Themas. Vierzig Jahre später malte Michelangelo die großartigste dieser Darstellungen in seinem Meisterwerk, dem "Jüngsten Gericht" an der Altarwand der Sixtinischen Kapelle.
Ihren Ursprung haben diese Darstellungen in Christi Wort über seine Wiederkunft: "Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel ..." aus Mt. 24.30.  Auch sie zeugen von der Fülle und Vielgestaltigkeit biblischer Themen durch die christliche Kunst. Galt ursprünglich das Kreuz von Golgatha als dieses Zeichen, so setzte nach dem Auffinden des Kreuzes, der Nägel und des Kreuztitels durch Kaiserin Helena und mit dem wachsenden Reliquienkult das Suchen nach weiteren Werkzeugen der Passion ein. Im 12. Jh. fand das Thema größere Verbreitung und vielfältige Darstellung. Der berühmte Verduner Altar von 1181 in der Stiftskirche von Klosterneuburg bei Wien (Kaiser Lothars Tochter Gertrud wurde dort 1143 beigesetzt) zeigt den zu Gericht sitzenden Christus flankiert von zwei Engeln mit Kreuz, Nägeln, Dornenkrone, Lanze und Schwammstab in den Händen und mit der Umschrift:
SIE SOLLEN MICH SEHEN, FÜR DIE ICH GELITTEN HABE, DEREN RICHTER ICH JETZT BIN.

1172 soll König Alfons I. von Portugal durch eine Erscheinung Christi aufgefordert worden sein, den Preis, den dieser für die Menschheit aufbrachte, zusammen mit dem im Wappenbild darzustellen, den die Menschen für ihn boten. So kamen die fünf Wunden des Gekreuzigten und die 30 Silberlinge ins portugiesische Wappen.


Nach der Einführung des Festes "De Armis Christi" durch Papst Innozenz VI. im Jahre 1353 folgte eine Fülle von Abbildungen der Leidensinstrumente in Weltgerichts- und Passionsdarstellungen. Sie gewannen dabei symbolischen Eigenwert und erschienen in Amuletten, Andachtsbüchlein, Wappen, Fußbodenfliesen, Chorgestühlen und Schlußsteinen. Aufrüttelung der seelischen Kräfte zum Nachempfinden des Leidens Christi und Erschütterung durch das Sündenbewußtsein sollte ihr Anblick erwirken.

Ergriffenheit und Betroffenheit zu erzeugen und Reinigung von diesen Affekten zu bewirken, sei der Sinn aller Kunst, lehrte uns Lessing. Diese Reinigung ist erreichbar, wenn Christus nicht weiterhin verraten, verhöhnt und gequält wird. Mit den Silberlingen fingen Verrat, Verspottung, Verurteilung und Vernichtungswollen an. Wer seines Vorteils wegen Gleiches an Mitmenschen tut, verstößt gegen das Gebot der Nächstenliebe, tut damit Christus erneut das an, was ihm die Mitmenschen damals antaten und wird dafür gerichtet werden. Ein kleines Bild mit großem Inhalt!


Der Chor ist um drei Stufen erhöht und hat geraden Abschluß. Seine beiden spitzer zulaufenden Gewölbe mit rundstabförmigen Rippen stehen über querrechteckigen Grundrissen auf Eck- und Wandsäulen mit Knollen- oder Blattkapitellen. Die Nordwest-Säule ist in halber Höhe durch eine Hornkonsole abgefangen. Besonders aufwendig ist der Quergurt zwischen beiden Jochen gearbeitet. Zwischen zwei Wülsten verläuft ein Diamantband, dem durch Einkerbung der einander zugekehrten Pyramidenseiten besondere Brillanz gegeben wurde. Solches Bogenprofil hat diese Kleinstadtkirche gemeinsam mit dem Herrenrefektorium des Klosters Maulbronn.
Die Form des Chorfensters hat sie sogar gemeinsam mit dem Dom von Münster. Dort befinden sich solcher dreigeteilten Fenster mit seitlichen Säulchen in den Obergaden.

Die Glasmalereien des Chorfensters zeigen den auferstehenden Heiland und die beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus und stammen von 1897. Da das Peter- und Paulsstift das Patronat dieser Kirche seit 1283 innehatte, wurde dessen Patrozinium hier dargestellt und nicht Fabian und Sebastian, denen sie geweiht war. Wann diese Weihe stattfand, ist nicht überliefert. An den Chorwänden befinden sich zehn Weihekreuze.


Fabian war von 236 bis 250 Papst. Ihm gelang die organisatorische Festigung der römischen Gemeinde. Da er am 20.1.250 als eines der ersten Opfer der Christenverfolgung unter Kaiser Decius starb, wurde er als Märtyrer heiliggesprochen. 1915 wurde sein Sarg in der Calixtus-Katakombe gefunden.


Sebastian war Kommandant der Prätorianer und wurde auf Geheiß Diokletians 288 getötet. Die bald darauf über seinem Grab in der Katakombe errichtete Kirche war aber ursprünglich Petrus und Paulus geweiht und und gilt als Prototyp für die späteren Umgangsbasiliken. Nach der Pestepidemie von 680 in Rom galt er als Pestpatron, und die Kirche erhielt seinen Namen. Im 14. Jh. wurde er Mitglied der 14-Nothelfer-Gruppe, und die große Pest von 1349 belebte seinen Kult. Auf dem Pestaltar aus der Werkstatt Martin Schaffers (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum) ist er zusammen mit dem Schmerzensmann und den Leidenswerkzeugen
dargestellt. Der 20. Januar ist der Festtag dieser beiden Heiligen.


Mit dem Bau der Kanzel an den südwestlichen Chorpfeiler erhielt auch der Altar seinen heutigen Platz. Vorher stand er in der Mitte des östlichen Chorjoches. Der Taufstein und das Lesepult sind Arbeiten aus der hiesigen Steinmetzschule von 1952. Das Taufbecken aus Zinn stifteten Andreas Kupitz und Anna Margareta Herbordtin im Jahre 1657. Der Kruzifix wurde ebenfals 1952 erworben.
Die Prieche über der Sakristei ist die einzig erhaltene von ehemals sieben und wurde hauptsächlich von der Familie von der Streithorst belegt. Das Epitaph der Anne Schenk von 1564 zeigt wie der Fürbittestein außen am Choreck ein Waldenserkreuz und eine schöne Texturaschrift.
Wie früher üblich erfolgten auch hier Bestattungen innerhalb der Kirche. In den Kirchenbüchern werden mehrere Familien-Grabgewölbe erwähnt. lm Jahre 1738 setzte die Kirchengemeinde folgende Preise für Grabstellen in der Kirche fest: im Chor 40, bis zur Kirchenmitte 30, dahinter 20 Taler. Kinder die Hälfte. Für die Prieche mußte Hedwig von der Streithorst 1653 zwölf Taler zahlen.
Die Orgel wurde 1968 eingebaut und zugleich die Empore zurückgesetzt. Die Ausmalung von 1975 gibt dieser vielfach veränderten Hallenkirche eine harmonisierende Haut.

Otto Kruggel
23.09.1993

Vortrag vor dem Männergesprächskreis der Stiftskirchengemeinde Königslutter am 23.09.1993 19:30 Uhr in der Stadtkirche am Markt

 

 

Der MGK (Männergesprächskreis) feiert im Mai 2012 sein 25-jähriges Jubiläum

 

Der Stadtbüttel vom Mai 2012 schreibt dazu auf Seite 9 folgendes:

"Zwei Jubiläen im Kaiserdom im Mai:

... Seit 25 Jahren existiert auch der Männerkreis, der seit Frühjahr 1987 regelmäßig einmal im Monat zu verschiedenen Themen, die von einem Leitungsteam vorbereitet werden, zusammen kommt. Neben theologischen Fragen werden auch immer geselllschaftspolitische Themen behandelt. Neben einer Exkursion, die einmal im Jahr stattfindet, wird Ende November zusammen mit der katholischen Kirchengemeinde zu einem Ökumenischen Männertag eingeladen, bei dem mitunter auch prominente Referenten wie der damalige Landtagspräsident Jürgen Gansäuer, der frühere Bremer Bürgermeister Dr. Henning Scherf sowie Landesbischof Prof. Dr. Weber begrüßt werden konnten. Auch der so genannte Männersonntag am dritten Sonntag im Monat wird regelmäßig mit einem Gottesdienst gefeiert. Die Männerabende, zu denen immer auch Frauen eingeladen sind und die von 20 bis 35 Teilnehmern besucht werden, finden im Gemeindezentrum am Dom statt. Von den Gründungsmitgliedern gehören noch Ehrenfried Messal und Pfarrer Manfred Trümer dem Leitungsteam an. Norbert Lucas und Jens Pfeil sind später zum Team dazugekommen.

Das 25. Jubiläum wird am Sonntag, 20. Mai, um 10 Uhr in einem Festgottesdienst im Kaiserdom, in dem Landesmännerpfarrer Maic Zielke die Predigt halten wird, gefeiert. Anschließend wird zu einem Empfang und Imbiss ins Gemeindezentrum eingeladen."