Der Seeschmaus der Brauergilde zu Königslutter

Der Seeschmaus der Brauergilde zu Königslutter

Von Erich Kindervater

 

Unter den niedersächsischen Städten, die schon in alter Zeit durch ihr Getränk sich eines besonderen Rufes erfreuten, ist auch die Stadt Königslutter zu nennen. War es in Braunschweig die Mumme, in Einbeck das Bier, in Goslar die Gose, die weit und breit bekannt und begehrt waren, so hat Königslutter einen ähnlichen Ruhm sein Dukstein eingetragen.

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Das Duksteinbier wird aus dem krystallklaren Quellwasser der Lutter gebraut, das über den Duksteinkalk geflossen ist. Es wurde nachweislich bereits im Jahre 1513 in einem

 

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am Gänsemarkte gelegenen, jetzt dem Schlachtermeister Mack gehörigen Hause hergestellt. Die Duksteinbrauer unterschieden zwei Arten ihres Gebräues. Das bessere, das eigentliche Duksteinbier, war der erste Aufguß. Nachdem dieses Bier abgefüllt war, wurde nochmals siedendes Wasser nachgegossen und ein zweites minderwerthiges Gebräu, der sogenannte Convent, hergestellt. Der Name für dieses Gebräu, im Volksmunde Koffent genannt, ist von den Klosterbrauereien übernommen worden. Diese brauten ein besseres Bier, das Patresbier, das die patres tranken, und ein geringeres Bier, welches die Anderen im Kloster erhielten, das bei kirchlichen Zusammenkünften (Conventen) gereicht und dann wohl auch an Arme außerhalb des Klosters abgegeben wurde. So erklärt sich die Bezeichnung Convent für dieses Getränk und der Uebergang dieses Namens in das Volksleben 1).

 

Im 17. und 18. Jahrhundert breitete sich die Kunst der Brauer immer weiter aus. Es bestanden in Königslutter derzeit 73 Brauhäuser, von denen jedoch eins sehr bald einging. Die Gerechtsame dieses Brauhauses wurde von der Brauergilde angekauft und das zu dem Hause gehörende Land dem allgemeinem Acker der Gilde hinzugefügt. Die Brauergilde hatte nemlich in der Gegend von Königslutter einen Grundbesitz von etwa 60 Morgen Acker und Wiesen. Es bestanden also in späterer Zeit nur noch 72 Brauhäuser, die der Reihe nach Dukstein brauten. Nach und nach wurde die Anzahl jedoch geringer, da einige Brauer durch Ankauf von Häusern die Gerechtsame mehrerer Brauhäuser auf sich vereinigten. Ebenfalls pachtete die Brauergilde zu ihrem Grundbesitze bedeutende Ländereien hinzu, und gelangte dadurch zu einer sehr einflußreichen Stellung in der Stadt. So hatten die vereinigten Brauer z. B. die Klosterländereien nach Hassel und Bege seit 1768 auf 100 Jahre in Pacht. Die Pachtzeit, welche eigentlich bis zum Jahre 1868 lief, wurde theilweise erst durch ein Uebereinkommen der Brauergilde mit Herzoglicher Cammer, die im Jahre 1865 aus dem Grund und Boden des ehemaligen Klosters die Heil- und Pflegeanstalt einrichtete, abgekürzt. Auf dem Klostergrundstücke besaßen die Brauer eine Mühle und umfangreiche Scheunen, die beim Bau der Anstalt abgerissen wurden· Auch der östlich eine Stunde von Königslutter gelegene Hagenhof war auf 100 Jahre, bis zum Jahre 1871, Pachtgut der Brauergilde. Sowohl auf dem Hagenhofe, als auch auf der Klosterländerei wurde von den Pächtern eine umfangreiche Schäferei betrieben.

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Die gesammte Länderei mit Pachtgut hat zeitweise über 1000 Morgen betragen. Sämmtliche Einnahmen flossen dann in die gemeinsame Brauergildencasse. Der Reingewinn wurde am Ende eines jeden Jahres am sogenannten Quartale an die berechtigten Brauer je nach ihren Brauantheilen vertheilt. Jedoch ist zu bemerken, daß durch Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung zeitweise nur ein geringer Ueberschuß erzielt wurde.

 

Die nördlich von der Stadt gelegenen Ländereien wurden nach einer Bestimmung der Gilde immer an drei bestimmte Pächter verpachtet Dieses Recht stand im ersten Jahre dem Herrn von Lauingen zu Lauingen, im folgenden dem Besitzer des Jürgens'schen Hofes in Königslutter und im dritten Jahre dem Rittergutsbesitzer von Rottdorf zu. Im vierten Jahre wurden dann diese Ländereien von der Brauergilde selbst verwaltet. Diese letztgenannten Ländereien lagen in der Feldmark Haiteich (Heideteich) und im großen und kleinen See. Nach Beendigung der Pachtzeit war der jedesmalige Pächter verpflichtet, einen Schmaus zu veranstalten, bei dem es gewöhnlich hoch herging. Dieser Schmaus hieß „Seeschmaus“, da zu demselben ein Theil der Pachtgelder, die aus den Ländereien im großen und kleinen See erzielt wurden, verwandt ward. Der übrigbleibende Rest floß in die Gildecasse. Es waren also verpflichtet, den Seeschmaus zu geben, der Herr von Lauingen zu Lauingen, der derzeitige Besitzer des Jürgens'schen Hofes in Königslutter, der Rittetgutbesitzer von Rottorf, und die Brauergilde zu Königslutter. Von den ersten drei Veranstaltern wurden gewöhnlich nur eine gewählte Anzahl von Gästen aus Königslutter und Umgebung eingeladen, während an dem von der Brauergilde veranstalteten Seeschmause sämmtliche berechtigte Mitglieder der Brauerinnung theilnahmen. An dem Tage des Seeschmauses wurden auch die Hirten für die Brauer gewählt, sowie der Lohn an dieselben gezahlt.

 

Ein solcher Seeschmaus dauerte einen ganzen Tag. Zunächst am Morgen wurden die geschäftlichen Angelegenheiten, Zahlung der Pacht, Wahl und Auslohnung der Hirten, sowie Zahlung der Abgaben und dergleichen erledigt. Dann wurde den Theilnehmern alter Kornschnaps mit braunen Krengeln gereicht. Nach diesem erhielt jeder Theilnehmer eine lange Thonpfeife und Taback. Mittags fand dann ein gemeinschaftliches Essen statt, bei dem eine vorgeschriebene Speisefolge berücksichtigt werden mußte. Zuerst wurde Bouillon geboten. Dann gab es das Hauptgericht der Mahlzeit: Karpfen. Hierauf wurde entweder Kalbs-, Rinder- oder Schweinebraten servirt oder auch Sauerkohl mit kleinen Würstchen oder Schweinskarbonade gereicht. Der folgende Gang bestand aus Geflügel, gebratenen Kapaunen oder Tauben. Zum Nachtisch bekamen die Theilnehmer Puddings. Dann wurden die Thonpfeifen wieder in Brand gesetzt. Verpflichtet war ferner der Gastgeber, bei dem Essen den Wein zu liefern. Nachmittags wurden die Gäste mit Kaffee und Kuchen bewirthet. Das Abendbrot bestand aus Butterbrot und allerhand kaltem Aufschnitt. Ganz besondere Feste waren es, wenn die Brauergilde den Seeschmans geben mußte. An dieser Festlichkeit nahmen außer den berechtigten Brauern viele geladene Gäste aus der Stadt Theil, so daß sich der Seeschmaus zu einem wahren Volks- und Familienfeste erweiterte und bis spät in die Nacht hinein dauerte.

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Späterhin, als das Lagerbier den Duckstein immer mehr verdrängte, verlor auch dieses alte Herkommen an Bedeutung. Besonders war dies aber der Fall, als sich in den 40er Jahren dieses Jahrhunderts die Brauergilde auflöste. Der gemeinsame

 

1) Grimm's Deutsches Wörterbuch B. V Sp. 1574 ff.

 

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Acker wurde aber dennoch bis zur Separation von den Berechtigten weiter verwaltet. Nach Beendigung der Separation im Jahre 1873 wurde der althergebrachte Brauch aufgehoben. Der letzte Seeschmaus fand im Jahre 1872 statt.

 

 

Veröffentlicht in:

Braunschweigisches Magazin N.F. 5 (1899) Nro. 2 vom 15. Januar 1899 S. 12-14

 

 

 

Heinz Röhr: "Der König und die Ducksteinbrauer"

Der König und die Ducksteinbrauer König Friedrich Wilhelm I. von Preussen hatte zwei Leidenschaften, die "langen Kerls" und sein Tabakskollegium, in dem er mit seinen Freunden lange holländische Tonpfeifen rauchte und gutes Ducksteinbier aus Königslutter trank. Um so ärgerlicher war er daher, als ihm eines Tages gemeldet wurde, daß kein Ducksteinbier mehr vorhanden sei und er dünnes Braunbier trinken müsse. "Haben diese Lutterschen Brauer denn gar keinen Respekt vor einer Königlichen Majestät?" fragte er wütend den General von Buddenbrock, den er mit der Untersuchung des Falls beauftragt hatte. "Nun", meinte dieser, "meine Ermittlungen haben ergeben, daß die reichen Brauer in Königslutter vor niemanden Respekt haben, weder vor den Majestäten fremder Länder noch vor dem Magistrat ihrer eigenen Stadt."--"Aber", so fügte er listig hinzu, "wir könnten sie leicht für uns gewinnen, wenn wir einen festen Kaufkontrakt mit ihnen abschlössen, wie es die klugen Professoren der Universität Halle und die tüchtigen Bürger der Stadt Leipzig getan haben". Brummend gab der König seine Einwilligung. Er stimmte zu, daß - natürlich gegen beste Bezahlung - drei Brauer in Königslutter für ihn jederzeit vier Wagenladungen des vortrefflichen Ducksteinbieres bereithalten sollten. Niemals trat seitdem - so lange der König lebte - eine Stockung des blühenden Exportgeschäftes ein, das die Lutterschen Bierbrauer mit dem Hof in Potsdam betrieben. Ihr kluger Geschäftssinn hatte gesiegt.

Heinz Röhr

Veröffentlicht im Stadtbüttel November 1960





Ducksteinbier: Kurze Beschreibung und genaue Untersuchung

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Woher kommt der Name D U C K S T E l N ?

auf Buchenholz gereift  Duckstein  rotblondes Oberbräu

Auszug aus Prospekt "Duckstein-Fest Königslutter serviert" am 09.09.89

"Woher kommt der Name D U C K S T E l N ?

...

“Das Bier, davon wir an dieser Stelle reden, heißt Duckstein oder Duchstein. Dieser Name
ist ihm sonder allen Zweifels von dem Tuffstein, daraus das Wasser, die Lutter, entspringt
und hervorquillt, gegeben worden. - Unser Duckstein ist ein schönes Weizenbier und
bekommt alle seine Kräfte und unvergleichlichen Tugenden von diesem edlen Weizenkorn.

- Als Wasser dient dafür das allerklarste, reinste, süßeste und schmackhafteste Wasser,
sovon seiner Reinlichkeit und Lauterkeit auch Lutter genannt worden und entsinnen wir uns,
an keinem Ort solch schönes, kristallenes Wasser als ebendieses ist, gesehen zu haben.
- Es gehöret zwar nicht mit in die Zahl der Hopfen- Biere, in dem nur etwas sehr weniges,
so nicht zu rechnen ist, dazu genommen wird, so daß wir es allen braunen Hopfen-Bieren
vorziehen können. Die Farbe ist ein gelbes Wachs, welches die beste Coleur der weissen
Biere ist.

- Der Geschmack ist annehmlich und süß, zumal wenn es frisch getrunken und
nur zwei, drei oder vier Tage alt ist. “

Als Mediziner untersuchte Dr. Brückmann vor allem die gesundheitlichen Wirkungen des
Ducksteinbiers. Das Ergebnis faßt ein Stammbuchvers zusammen, der 1752 in den
Braunschweiger Anzeigen abgedruckt wurde:


Er stärkt des Magens Kraft,                          lm Scharbock, in der Gicht
er reizet an zum Essen,                                  und Wehen in den Weichen
er hilft den Nahrungssaft                               ist diesem edlen Bier
durch seine Gänge pressen.                           kein andres zu vergleichen.
Er macht auch des Geblüts                            In Wind- und Wassersucht
versalzene Gewässer,                                    und härtesten Steinbeschwerden
das zähe, sachleimigte,                                  muß Lutters Weizensaft
viel flüssiger und besser                                ein heimisch Mittel werden.

In der Stadt hatten 73 Grundstücke eine Brauberechtigung. Bei einer gesamten Häuserzahl
von ca. 250 kann man davon ausgehen, daß in fast jedem dritten Haus eine Brauerei stand
(nicht ungewöhnlich, denn der Pro-Kopf-Verbrauch lag damals bei über 300 l).
Die Brauer erbrachten 2/3 des Steueraufkommens der Stadt. Ihre Vertretung, die Brauergil-
de, war eine Macht. Sie gaben sich eine Bauordnung, deren wichtigste Verordnung das
Reihebraurecht war, d. h. es gab für jeden eine vorgeschriebene Brauzeit, an die er sich zu
halten hatte, so daß jeder etwa 6-7 mal pro Jahr braute.
70% der gebrauten Menge wurde exportiert. Es gab Ducksteinbier in Berlin und Leipzig, es
gab es bereits damals in Hamburg, aber auch in Holland.
Größte Abnehmer waren die Preußen. Vor allem auch deshalb, weil es dort einen maßgeb-
lichen Herrn gab, der, wir würden heute sagen, "auf Duckstein stand". lm Tabakskollegium
Friedrich Wilhelm I. war es Getränk Nr. 1, was auch durch folgende Begebenheit deutlich
wird:

Das beste Ducksteinbier gelangte an die Fürstenhöfe. Sehr geschätzt war es am Hofe
Friedrich Wilhelm l., wo es in dem Tabakskollegium des Königs sich genötigt sah, “wider
höchstderselben Gewohnheit, folglich mit incommodité, etliche Tage Braunbier zu trinken",
beauftragte er den Generalmajor von Buddenbrock mit der Untersuchung des Zwischen-
falls. Dieser erfuhr von den in Potsdam anwesenden Ducksteinlieferanten und Fuhrleuten,
daß Ducksteinmangel in Königslutter häufig sei. Beschwerden beim Magistrat der Stadt
wären aber zwecklos, “weil die Bürgerschaft wenig oder gar keinen Respekt für selbigen
habe". Als besten Weg zur Erreichung regelmäßiger Lieferungen schlugen sie vor, “daß
etwa drei der besten Brauer allen Ernstes dazu angehalten würden, für seine Königliche
Majestät Mund jederzeit so viel gutes Duckstein parat zu halten, daß hiesige vier Wagen
beständig ihre völlige Ladung haben könnten. Ob dieser Rat befolgt ist und Erfolg gehabt
hat, läßt sich leider nicht mehr feststellen, da das betreffende Aktenmaterial verlorengegan-
gen ist.

Um 1800 ging der Export zurück, weil einerseits andere Getränke wie Kaffee, Tee, Wein und
Branntwein stärker aukamen, andererseits Zollerhöhungen den Export zusätzlich er-
schwerten.

Als dann die Eisenbahn den Verkehr revolutionierte, verdrängten die süddeutschen
Lagerbiere immer mehr die Bierproduktion in Königslutter. 1867 gab es nur noch drei Brauer
und 1903 verschwand die letzte Braueinrichtung.

Dies war in aller Kürze der erste Teil der Geschichte von Duckstein. Der zweite Teil hat 1987
begonnen und wir hoffen auf einen ähnlichen Erfolg.

Brauerei Feldschlößchen AG
Marketingabteilung"

Auszug aus Prospekt "Duckstein-Fest Königslutter serviert Marktplatz / 09.09.89"

 

 

siehe auch "Ducksteinbier: Kurze Beschreibung und genaue Untersuchung"

 

 

 





Ducksteinbier wieder da!

Einige ältere Lutteraner können sich bestimmt erinnern:

Pünktlich zur 800-Jahr-Feier des Kaiserdoms hergestellt und ab 07.07.1935 im Verkauf in der Stadt Königslutter:

 

 

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Ducksteinbier gehört nicht zu den Hopfen-Bieren

Woher kommt der Name?
Ducksteinbier gehört nicht zu den Hopfen-Bieren
Vor Beginn des 17. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in dem Städtchen Königslutter ein Bier gebraut, das seinen Namen nach dem Kalksinter erhielt, auf dem die Stadt steht und den man Duckstein nannte.
Königslutter ist heute eine Kleinstadt von über 16.000 Einwohnern am Fuße des Elms an der B 1 zwischen Braunschweig und Helmstedt.


Die Geschichte des damaligen Dorfes Lutter beginnt eigentlich am 1. August 1135, als der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation Lothar von Süpplingenburg, ein sächsischer Herzog, das Benediktinerstift Königslutter gründete. Die dazugehörige Stiftskirche St. Peter und Paul (deren Silhouette auf dem Ducksteinbier-Glas zu erkennen ist) wird auch „Kaiserdom“ genannt, denn sie ist die Grabstätte jenes Kaisers, seiner Frau und seines Schwiegersohnes Heinrich der Stolze, Herzog von Sachsen und Bayern und Vater Heinrich des Löwen.


Über die Grenzen hinaus bekannt wurde Königslutter im 17. und 18. Jahrhundert, als die Stadt durch den Handel mit Ducksteinbier ihre Blütezeit erreichte. Das Brauwesen spielte zwar bereits im 16. Jahrhundert eirıe Rolle, aber es war nicht zu vergleichen mit der Bedeutung, die es nach dem 30-jährigen Krieg erlangte.


Der Grund war jenes Ducksteinbier, das der in der damaligen gelehrten Welt hochangesehene Arzt Dr. F. E. Brückmann folgendermaßen beschrieben hat:

„Das Bier, davon wir an dieser Stelle reden, heißt Duckstein oder Duchstein. Dieser Name ist ihm sondern allen Zweifels von dem Tuffstein, daraus das Wasser, die Lutter, entspringt und hervorquillt, gegeben worden.


- Unser Duckstein ist ein schönes Weizenbier und bekommt alle seine Kräfte und unvergleichlichen Tugenden von diesem edlen Weizenkorn.
- Als Wasser dient dafür das allerklarste, reinste, süßeste und schmackhafteste Wasser, sovon seiner Reinlichkeit ımd Leuterkeit auch Lutter genannt worden und entsinnen wir uns, an keinem Ort solch schönes, kristallklares Wasser als ebendieses ist, gesehen zu haben.
- Es gehört zwar nicht mit in die Zahl der Hopfen-Biere, in dem nur etwas sehr weniges, so nicht zu rechnen ist, dazu genommen wird, sodass wir allen braunen Hopfen-Bieren vorziehen können.


Die Farbe ist ein gelbes Wachs, welches die beste Coleur der weißen Biere ist.


- Der Geschmack ist annehmlich und süß, zumal wenn es frisch getrunken und nur zwei, drei oder vier Tage alt ist.“

Als Mediziner untersuchte Dr. Brückmann vor allem die gesundheitlichen Wirkungen des Ducksteinbieres.



Quelle: Helmstedter Sonntag  29.Juni 2003 Seite 9

 



Heinz Röhr: "Ducksteinlieferungen in den Magdeburger Raum im 18. Jahrhundert"

 

Ducksteinlieferungen in den Magdeburger Raum im 18. Jahrhundert

lm 18. Jahrhundert war die Stadt Magdeburg der bei weitem wichtigste Ort, in den
das beliebte Ducksteinbier aus Königslutter verschickt wurde. Nach einer erhalte-
nen Statistik aus dem Jahre 1769 wurden von den damals ausgeführten 3000 Halb-
faß Ducksteinbier über 1500, also mehr als die Hälfte, dorthin exportiert. lm Stadtar-
chiv und im Kaiserdom-Museum lagern Geldregister über Ducksteinlieferungen
nach Magdeburg, besonders der Jahre 1745 - 60, aus denen hervorgeht, daß regel-
mäßig jedes Jahr Ducksteinbier dorthin gelieferte wurde. Feste Lieferungsverträge
bestanden u.a. mit dem Ratskeller, dem Domherrnkeller und dem Goldschmiede-
haus in Magdeburg.
Aber auch in anderen Orten des Magdeburger Raumes wurde das Ducksteinbier
aus Königslutter gern getrunken. lm 18. Jahrhundert werden in diesem Zusammen-
hang vor allem Weferlingen, Halberstadt, Neuhaldensleben, Osterwieck und Harbke
genannt
Gewöhnlich gelangte das Ducksteinbier auf der bedeutenden alten Heer- und Han-
delsstraße vom Rhein zur Weichsel, der heutigen Bundesstraße 1, über Helmstedt
nach Magdeburg. Wie aus Magdeburger Unterlagen über „Die Luttersche Heerstra-
ße und der Handel mit Ducksteinbier nach dem Magdeburgischen” hervorgeht, kam
aber auch viel Ducksteinbier auf einer südlichen Poststraße von Helmstedt über Ma-
rienborn, Eilsleben, Dreileben und Seehausen nach Magdeburg. Von Marienborn
heißt es 1780: „Die Poststraße von Helmstedt nach Magdeburg geht über Morsle-
ben. Die Heerstraße von Lutter nach Magdeburg passieren die Ducksteinwagen,
desgleichen einige Frachter zur Braunschweiger Messe." Die Zeit der Braunschwei-
ger Messe war für die Ducksteinfahrer besonders günstig, weil sie dann mit einer
lohnenden Rückfracht für die Heimreise rechnen konnten.
Von Dreileben berichtet das Hausbuch des Amtes Dreileben, daß dieses Amt zwei
Ducksteinfahrer hätte, von denen jeder 3 - 4 Pferde (12 - 16 Tiere) besäße. Ein Voll-
bauer wird als Ackermann und Ducksteinfahrer bezeichnet. Offensichtlich fand also
hier ein Wagenwechsel der Ducksteinfahrer statt.

Wie sein Kirchenbuch erkennen läßt, schätzte auch Seehausen das Ducksteinbier
aus Königslutter sehr. Das Seehäuser Schöffenbuch erwähnt bereits 1576 einen
Henning van Lutter, 1660 den Bürger Hans Meyer aus Königslutter, der die Witwe
Meta Peters aus Seehausen heiratete. 1676 verstarb dort Hermann Sölter, Halb-
spänner in Süpplingen, als er unglücklich von einem Wagen fiel, der mit zwei Fäs-
sern Ducksteinbier beladen war.
So war im 18. Jahrhundert das Ducksteinbier aus Königslutter nicht nur in der gro-
ßen Stadt Magdeburg, sondern auch in ihrem Umland ein wichtiger Handelsartikel.
Das änderte sich auch im 19. Jahrhundert zunächst nur wenig. Erst in der II. Hälfte
dieses Jahrhunderts erlag das Ducksteinbier der Konkurrenz der besser gehopften
und daher haltbareren süddeutschen Lagerbiere.
Die Feldschlößchen Brauerei in Braunschweig hat die Produktion von Ducksteinbier
in etwas veränderter Form wieder aufgenommen. Dieses Bier wird nicht nur in den
größeren Städten, sondern auch in kleineren Orten gern getrunken.

                                                                                                       Heinz Röhr
Quellennachweis
1. Akten des Stadtarchivs Königslutter
2. Braunschweigische Heimat 1958/2


Veröffentlicht in:
Das Moosholzmännchen  Nr. 229  Februar 1992  S. 27-28