Hallo und willkommen auf der neuen Website über den Kaiserdom zu Königslutter


Diese Website befindet sich momentan im Aufbau und es bedarf noch einer gewissenhaften Inhaltspflege und Vervollständigung, weitere Inhalte, Texte und Bilder werden in den nächsten Tagen und Wochen ständig ergänzt und auch in Zukunft gewissenhaft gepflegt und aktualisiert, Ihr Otto Kruggel und das Redaktionsteam

 

 

 

 

Der Jagdfries von Königslutter

 

 

Als ich 1946 heil heimgekehrt aus Krieg und Gefangenschaft in Halle Kunst zu studieren begann, hörte ich von Prof. Wilhelm Worringer, dass es in Königslutter eine bedeutende romanische Kirche gibt, die von einem Kaiser nicht für Chorherren, sondern für Reformmönche erbaut wurde und dass beide, Kaiser und Kirche, in vielen Fachbüchern nicht erwähnt werden.

 

Hier in Königslutter mußte ich feststellen, dass das meiste, was man über sie wußte, falsch war und ihre Bedeutung nicht erkannt wurde.

 

 

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Lothar III, der mit dem Beinamen von Süpplingenburg oder als Pfaffenknecht abgetan wurde, war aber der weiseste Kaiser des Mittelalters! Er machte die größten Fehler des Mittelalters nicht: die Kreuzzüge und die Zwietracht mit dem Papsttum.

 

Was machte er? Er stellte in 12 Jahren Frieden im Reich und an all seinen Grenzen her und gab den Mönchen des bedeutendsten Reformordens eine reichbegüterte Heim- und Wirkungsstätte in bester Lage und auf eigenem Besitz. In der Gründungsurkunde vom 1. August 1135 nennt er als Gründe dafür die Ausbreitung des neuen religiösen Kultus und die Wiederherstellung des vor alter Zeit Geschaffenen.

 

Der kleine Ort Lutter am ungefährdeten Ostlauf des wichtigen West-Ost Heerweges sollte als Königslutter die Metropole des nach Osten erweiterten Reiches werden, und die Lage am Rande des Elmwaldes auf festem Muschelkalkfelsen und am Ufer des Abflusses der wasserreichsten echten Quelle Deutschlands bot gute Gegebenheiten für den Bau der reinen königlichen Residenz.

 

Was die Bibel über die Erneuerungsbewegung Salomos schreibt: „Die Weisheit erhebt ihren Ruf auf der Straße und läßt ihre Stimme auf den Plätzen erschallen“ (Spr. 1.20), traf auch für die große Reformbewegung im 12. Jh. zu. Die Mönche und ihre Mitstreiter predigten ihre Thesen ebenfalls auf Straßen und Plätzen, auf Märkten und sonstigen Massentreffen, und Kaiser Lothar ließ die wichtigste für alle lesbar am Allerheiligsten seiner geplanten Residenzkirche sensationell in Stein meißeln.

 

Der Augustinermönch Martin Luther verfaßte 400 Jahre später seine 95 Thesen in Latein, und die Übersetzung der abschließenden lautet: „Die Christen müssen ermahnt werden, dass sie ihrem Haupt Christus durch Strafen, Tod und Hölle nachfolgen.“

Wozu mahnt der Thesenanschlag von Königslutter?

 

Er zeigt an exponiertester Stelle, am Allerheiligsten der künftigen Residenzkirche, in schlichten, für alle lesbaren Bildern, dass der Mensch von dem gebunden wird, das er erjagen will und dem unterliegt, das er erjagte, um den Betrachter zur Überlegung zu veranlassen, ob er dem Richtigen nachjage. Mose (Dt 16,20) sagte: „Was recht ist, dem sollst du nachjagen“, und bei David (Ps 34,15) heißt es: „Meide das Böse, tu Gutes, suche Frieden und jage ihm nach.“

 

Was sie postulierten, forderten Reformer zu allen Zeiten wieder. Auch der Reformabt Benedikt von Nursia, der Vater des abendländischen Mönchstums, nahm es in seine klösterliche Lebensordnung (RB Vw 17) auf, die in der karolingischen Reform vom Kaiser zur verbindlichen Regel der Klöster erklärt wurde.

 

Im Kloster Ochsenhausen, dessen Vogt Heinrich der Stolze, der Schwiegersohn Kaiser Lothars war, wurden um 1130 die Verse Nokers in Althochdeutsch niedergeschrieben, die den üblen Zustand der Welt beklagen, die Menschen zum Leben in Gerechtigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit mahnen und mit dem verheißungsvollen, bedeutendsten Satz des Mittelalters: „Solange wir hier leben hat Gott uns die Selbwala gegeben“, verkünden, dass dies durch vernünftigen Gebrauch der Willensfreiheit erreichbar ist.

 

Barak Obama wiederholte am 21.Januar 2009 vor dem Kapitol diesen verheißungsvollen Satz. Dann erhob er die Hand zum Schwur.

 

Es ist ein hohes Fest, einem erhabenen und seltenen Geist, getragen von lauterer Klarheit, zu begegnen.

Otto Kruggel, 2009