lauteres klares Wasser

"Die Lutterquelle im Elm - Lutterspring -

 

Auch kleine Stätten, die abseits großer Straßen liegen, haben ihre Geschichte. Da sprudelt am nördlichen Rand unseres Elmes, an der alten Waldstraße zwischen Schöppenstedt und Königslutter, etwa zwei Kilometer von Königslutter entfernt, aus dem spröden Gestein des Elms eine starke Quelle. Einem kleinen Flüsschen gibt sie Gestalt.

Selten klares Wasser fließt in seinem Bett, so daß der Volksmund meint, dieses 'lutere' ('lautere') Wasser, habe ihm den Namen gegeben, denn die 'Lutter' heißt ja dieser Fluss.

....

Der "Lutterspring", die Lutterquelle wurde mit einem Quellhause überbaut....

Abt Johannes Fabricius schreibt in seinem Bericht über die Lutterquelle: ...Dieses Gebäude aus Quatersteinen durch Meister Johann Friedrich Wend, Steinhauer und Maurermeister gemacht, ist 22 Fuß lang, 11 Fuß breit und aus dem Grund bis unter das Gewölbe 15 Fuß hoch und begreift in sich sieben Quellen der edlen Lutter. Hat auch eine schöne Facciata gegen den Kloster zu, über welchem in Stein gehauen ein alter Mann an einem Berge liegend und ein Gefäß, woraus ein Fluß gehet, unter dem linken Arm haltend. Darunter stehet die Insciption:

 

tl_files/Fotos/Allgemein/Wasserversorgung Kloster/lutterquelle_3.jpg

 

SUB FEL REGIM

SERENISSIPRINCIPIS

ANTONII ULRICI

M.H.F.C.

Jo. FABRICIUS

ABBAS RL.

A.C. MDCCIIX

 

und darunter:

EX FONTE BIBENS FONTEM CORONA

 

Übersetzt: " Unter der glücklichen Herrschaft des Durchlauchtigsten Fürsten Anton Ulrich schuf dieses Monument Johann Fabricius, Abt von Königslutter im Jahre Christi 1708"

Und "Wenn Du aus der Quelle trinkst, dann schmücke die Quelle".

 

Bis zum heutigen Tage ist dieses "Gewölbe", aus dem die Lutter in sieben Quellen entspringt, erhalten geblieben, wenn auch die in Stein gehauenen Schriftzeichen teilweise unleserlich geworden sind. ...

 

tl_files/Fotos/Allgemein/Wasserversorgung Kloster/lutterquelle_1.jpg

 

R. Diestelmann, Kirchenrat"

 

veröffentlicht in:

Das Moosholzmännchen Nr. 85/1971

 

Die eingefügten Fotos stammen aus 2012.

 

 

 

 

Joh. Julius Bremer: Der fluß Lutter

Der fluß Lutter


Unter den Teutschen flüssen / derer man etwan
gedencket / habe ich / ohne ruhm zu reden / nicht den
geringsten ruhm :  denn ob ich wohl nicht tüchtig
bin schiffe zu tragen / dennoch so reiche ich andern /
und gewiß nicht kleinen nuzen den einwohnern und
nachbaren dieses landes. Ich quelle zum gemeinen
nuzen / und versage keinem / der es bedarff / einen
trunck :  ein jedweder schöpffet wasser aus mir um-
sonst / und ohne entgelt.   Und damit ein wanders-
mann mich könne bequemer geniessen / so hat Herr
Abt Johann Fabricius gewolt / daß ich diese gestalt
empfangen solte / da er mir / von dem untersten
grunde biß oben an / von weissen harten stein eine
wohnung hat machen lassen. Aber vielleicht fragest
du / woher ich entstehe / und aus was für ländern
mein Ursprung sey?  Das Stifft Königs-Lutter
welches schon längst von mir seinen namen über-
kommen / hat in der nähe einen wald / welcher mit
seinem eigenen namen der Elm genennet wird.
Nicht weit von demselbigen kommt her die quelle
meines flusses / aus einem steinigten berge :  und weil
ich klar und reines wasser gebe / so nennet man mich
zu teutsch Lauter oder Luter / lateinisch Luteram.
Um meinet willen hat der glorwürdigste Kayser
LOTHARlVS der Saxe / weyland / unter der
bedeckung eines buchbaumes gesessen / und meine
crystalline feuchtigkeit gewürdiget mit seinem rei-
nen munde zu kosten. Von dannen rinne und walle
ich /  so zu sagen / durch einige tieffen / oder graben /
biß daß ich mich mit einem freyern lauff unter die
dächer des Klosters Königs-Lutter begebe / und
desselben mühle / küche und fischteichen / einen sehr
guten und grossen dienst leiste. Hernach durch-
schneide ich mit krummen fluhten die Stadt Lutter /
und wende ihr nicht wenige früchte zu. Denn
aus mir wird der tranck Duckstein gebrauet / ein
tranck / über welchen keiner ist von schönerer farbe /
von annehmlichern geschmack / und von vortreff-
lichern nuzen / denn er zermalmet / und treibet fort
den stein / ( ihr Herren / spitzet die ohren / und hö-
eret zu / die ihr steinreich seyd / und bißweilen davon
geplaget werdet) und demnach in vielen ländern be-
rühmt ist; ein tranck / welchen der Jupiter / so er
ein gastmahl halten wolte / selbst anschaffen würde:
und ich gehe nicht eher von der stadt Lutter hinweg /
biß ich einer und der andern mühle mit meinen er-
wünschten waßern das leben und geist entweder er-
halten / oder wiedergegeben habe. Endlich gehe ich
durch gefällige umwege nach dem hause Rottorp /
und begrüße deßelben besitzer / den edlen Herrn von
Schwarzkopp / und eile durch seine äcker und wie-
sen auf einem geraden wege nach Stein / allwo ich
in den fluß Schunter falle / und von dessen waßer /
auweh / untergedrucket werde / und meinen namen
verliere / zum klaren beyspiel / daß / wie alles andere /
also auch die flüße / sie mögen entweder gelinde oder
schnelle seyn / wenn sie ihren lauff vollendet ha-
ben / endlich untergehen / und sich
verlieren.


Quelle: Johannis Letzneri, Joh. Fabricius, Henr. Meibomius
„Joh. Letzneri kurze und bißhero nicht in Druck gegebene Beschreibung des im Wolffenbüttelschen Herzogthum gelegenen Kayserl. Stifftes Königs-Lutter: Mit nöthigen Anmerckungen: ... Samt Henr. Meibomii Bericht von der Comthurey zu Süpplingburg“ page 47-50

Wolfenbüttel / Bey Gottfried Freytag / Buchführern  1715

 

 

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Autor der Lutterbeschreibung ist der 1713 verstorbene Joh. Julius Bremer

tl_files/Fotos/Allgemein/Wasserversorgung Kloster/die_lutter_1713_.jpg



 

 

 

Hans Stadelmann: Die Lutterquelle

"Die Lutterquelle

......
Nur wenige Quellen Deutschlands geben ein so schmackhaf-
tes "lauteres" Wasser wie der Lutterspring; von alters-
her war es zudem so geschätzt, daß man wohl mit Recht
den Namen "Lutterwasser" ehrend und schützend ihm al-
lein vorbehalten sollte.  Wenn auch heute notwendig ge-
wordene hygienische Maßnahmen geringe Veränderungen im
Trinkwasser mit sich bringen, ist das geschmackbeein-
trächtigende Maß doch gering.  Im ganzen bleibt der art-
eigene Charakter des Springwassers als bestes Trink- u.
Kaffeewasser erhalten und erhält allein durch die Quel-
lung aus einem geologischen Grund eine solche Güte.

Die Speisung der Lutterguelle ist abhängig von der Grös-
se der Niederschläge, wodurch die "Flußstärke" der Quel-
le stetigen Veränderungen unterliegt. Eine Mindesthöhe
des Quellflusses (heute jedoch den Bedarf nicht mehr
deckend) erscheint auch über trockene Jahre hinaus durch
das erhebliche Grundwasserreservoir, das teils über der
Quellhöhe liegt, gesichert.  Die höhere Druckstufe vom
Sohltal am Butterberg und der Capillarsog am Rande des
schützenden Keuperbeckens führen die notwendigen Was-
sermengen heran. Vornehmlich füllen Sickerwasser von
der Sunstedter Höhe her (gegenüber denen des Butterber-
ges, Schiefen-Hanges und der Springbreite) die jeweili-
ge "Flußstärke" auf und bringen zudem chemische und bio-
logische Veränderungen. Dem gegenüber hat das Grund-
wasser einen fast gleichbleibenden Charakter, Anbohrun-
gen des schützenden Keupergürtels an tiefer gelegenen
Punkten können in trockenen Zeiten die "Flußstärke" der
Quelle erheblich schwächen. Eine Reihe von Quellen, meist
Sickerwasser führend, vom Schiefen Hang her, füllen dem
Lutterbach nach der Trinkwasserentnahme wieder reich-
lich auf, füllen die Teiche und geben somit der Indu-
strie, dem Gewerbe und dem Lande zusätzlich Wasser.
Alle diese Wasser stehen hier in dem tiefer eingeschnit-
tenen Luttertal über der Schwelle des undurchdringlichen
Mergels des mittleren Muschelkalks. Die Quelle erfolgt,
also durch Überlaufen des Wassers über den Rand, ist ei-
ne Überfallquelle gegenüber den artesischen Erdfallquel-
len ausgelaugter Gipsklüfte.  Aus dem allgemeinen Grund-
wasser werden auch die nördlich des Springes liegenden
Quellen und Erdfälle gespeist  (z. B. der Petersbrunn, an
der alten Zuckerfabrik u. a.).

Nach den Angaben des geologischen Blattes ist die Lutter-
quelle eine der stärksten Nordwest-Deutschlands, Die Was-
sermenge (Stromfluß) unterliegt relativ starken Schwan-
kungen nach den Jahreszeiten.
   im Minimum 1/10 cbm/sec, also  8600 cbm je Tag
   im Maximum 1/2  cbm/sec, also 52000 cbm je Tag
im Durchschnitt etwa 20.000 cbm täglich, also 7.300.000
cbm jährlich.
Dem gegenüber lassen sich bis jetzt nur abschätzend und
mit einfachen Mitteln feststellen:
a) für Wasser des Quellflusses am Brunnenhaus
    im Maximum                                  18.500  cbm/täglich
b) für Wasser der Nebenquellen            20.000 cbm/täglich
Dabei ist zu berücksicntigen, daß gerade die Sickerwas-
serströme heute die Hauptmenge des Quellwassers liefern
und daß der abgesunkene Grundwasserspiegel infolge trok-
kener Jahre schwer wieder aufgefüllt werden kann, da die
Niederschläge schnell ablaufen und nur zu geringen Teilen
wie bisher aufgesogen werden.

 

tl_files/Fotos/Allgemein/Wasserversorgung Kloster/lutterquelle_2.jpg


Dıe Härte des Lutterwassers gibt zu mancherlei Klagen
Anlaß. Sie wırd durch die reichlich mıt Kohlendioxyd
der Luft gesättigten Niederschläge hervorgerufen. Diese
Verbindung vermag die sonst unlöslichen Calciumkarbo-
nate zu lösen. Erhebliche Kesselsteinbildung und Ver-
ringerung der Seifenschaumkraft sind die Folgen. Die
Härte unterliegt relativ starken Schwankungen u. a. den
der Niederschlagsmengen. Sie beträgt in letzter Zeit
(Nov. 60) 35°. Während die Haushaltungen durch Ab-
kochen oder Sodabeigaben zu einer hinreichenden Ver-
besserung des Wassers gelangen und zum Trinken die vol-
le, natürliche Qualität sıch vorbehalten können, ent-
härten Gewerbe und Industrie mıt den gebräuchlichen
Berkefeldfiltern, Permutit oder Trinatriumphosphat.
(Wasseruntersuchungen 5 b u. A. B. C. D.).
Infolge des allgemeinen Absinkens des Grundwasserspie-
gels in den letzten Jahrzehnten liefern die oberen Sık-
kerwasserströme einen beträchtlichen Teil des Quellwas-
sers, weswegen zeitweise Bakterien in relativ geringen
Mengen vorkommen. Eıne sorgfältig abgemessene Chlorung
in einer neuen, modernen Choranlage vor dem Brunnenhaus
(1960) verhütet nach menschlichem Ermessen mögliche Ge-
sundheitsschädigungen.
Trotz der wechselnden Niederschlagsmengen und der da-
durch stetig sich verändernden Härte hat das Lutterwas-
ser seinen gleichen Geschmack und seine Farbe, kurzum,
seine Köstlıchkeit nie verändert.

 Hans Stadelmann"


Veröffentlicht in:
Das Moosholzmännchen Nr. 7/1962

 

Das eingefügte Foto stammt aus 2012.

 

 

 

Der Lauf der Lutter und der Untergang des Dorfes Schoderstedt

Nördlich von Könlgslutter lag an der „Schoderstedter Beek“ das Dorf Schoderstedt.
Wie der Name andeutet. gehörte es wahrscheinlich zu der ältesten Siedlungs-
schicht (cheruskisch-sächsische Zeit, 1.-3. Jahrh.), während man die Entstehung
von Königslutter der sächsisch-fränkischen Sledlungsperiode (6.-9. Jahrh.) zurech-
net. Urkundlich wird Schoderstedt zuerst 888, Lutter (Königslutter) 1135 genannt.

ln Schoderstedt bestanden nachweislich 36 Höfe, deren Namen überliefert sind.
Auffällig ist dabei, daß eine ganze Reihe von ihnen auf Wasser, Mühlenbetriebe und
Fischfang hinweisen (Vor dem Wasser, Über dem Wasser, Mühlen Hof, Walkemüller,
Fischerhof). Um die Mitte des 15. Jahrhunderts verließen die Einwohner von Scho-
derstedt ihr Dorf und zogen nach Königslutter. Als Grund dafür gibt der Altmeister
der Braunschweiger Historiker, Professor P. J. Meier, an, daß die Schoderstedter
Bauem ihre Höfe aufgegeben hätten und in die Stadt gezogen wären, um sich dort
dem müheloseren und einträglicheren Brauereibetrieb zu widmen (1). In einem
amtlichen Bericht über Schoderstedt aus dem Jahre 1700 heißt es aber: „Nachdem
nun dieses Dof ganz desolat geworden, haben sich die Einwohner von ihrer Dorf-
stätte weg und anher (Königslutter) begeben und ihre Wohnungen hier wieder auf-
gebaut, ohne Zweifel, um sich unserem Wässerchen Lutter zu nähern, weil sie an
jenem Orte (Schoderstedde) fast gar kein Wasser, auch nicht einmal zur Nothdurft,
genug hatten, wie die Situation desselben Ortes noch itzo anzeigt.“ (2).  Hat Was-
sermangel wirklich für das Verlassen des Ortes eine Rolle gespielt?

Die Wasserverhältnisse waren zweifellos für die Besiedlung dieses Raumes von
großer Bedeutung. Das hängt mit dem starken Kalkgehalt des Lutterwassers zu-
sammen, der zur Ausbildung eines stellenweise bis zu 8 m mächtigen Kalksinterla-
gers (Duckstein) führte, das von der Lutterquelle bis zur Bahnlinie reicht und - wenn
auch in abgeschwächter Form - bis nach Neu-Schoderstedt und Rottorf zu verfol-
gen ist. Die starken Kalkablagerungen bewirkten sehr häufig Verlegungen des Lut-
terbettes, was für eine frühe Besiedlung des Raumes sicher sehr hinderlich gewe-
sen sein muß. Daher verwundert es nicht, daß dort eine vorgeschichtiiche Besied-
lung nicht sicher nachweisbar ist und nur wenige frühgeschichtliche Einzelfunde
aus diesem Gebiet vorliegen. Im frühen Mittelalter gelang es aber, die Lutter in ge-
regelte Bahnen zu lenken, so daß eine Besiedlung möglich wurde. Allerdings besaß
die Lutter anfangs noch viele Arme. Die Aufgabe der ersten Siedler war es, ihre Zahl
zu beschränken und die Lutter in ein festes Flußbett zu zwingen. Zugleich mußten
sie versuchen, das reichlich vorhandene Wasser wirtschaftlich zu nutzen.

Zwei Hauptarme, die auch heute noch maßgebend sind, schälten sich dabei her-
aus. Der erste, in dem die eigentliche Lutter fließt, durcheilt Oberlutter, bildet die
Grenze zwischen der Burg (dem Amt) Lutter und der Stadt und erreicht über Rottorf
die Schunter. Der zweite Hauptarm ist die Heidteichsriede. Sie durchfließt den
Glockenteich und verläuft dann in nördlicher Richtung bis zur Renne. Dort teilt sie
sich in Heidteichsriede und Rennebach. Letzterer folgt der Wallstraße, verläuft ein
Stück an der alten Stadtmauer entlang, wo er durch den Bau der neuen B 1 wieder
gut sichtbar geworden ist, verschwindet aber bald danach und kommt erst jenseits
der Bahn am Rieseberger Weg wieder zum Vorschein. Die eigentliche Heidteichs-
riede verläuft an der gleichnamigen Straße, danach am Gerichtsweg entlang, verei-
nigt sich jenseits der Bahn wieder mit dem Rennebach und erreicht über den Riese-
berger Weg rechts abbiegend die Straße „Am Schoderstedter Beek“ im Bereich
des ehemaligen Dorfes Schoderstedt. Weiter nach Osten folgt sie kurz der Fallers-
leber Straße und gelangt am Lerchen Heidberg vorbei durch bzw. am Rande der
Flurstücke Großer See, Kleiner See und Seeteichs-Wiesen nördlich der heutigen
Siedlung Neu Schoderstedt ebenfalls zur Schunter.

Im Frühmittelalter erfolgte die Wasserversorgung des Dorfes Lutter durch den Lut-
terbach, die von Schoderstedt und dem Schoderstedter See durch die Heidteichs-
riede. Die Gründung des Kanonissenstifts und des Benediktinerkiosters im 11. und
12. Jahrhundert werden die Wasserversorgung der beiden Dörfer trotz der Anlage
eines großen Fischteiches, des Baues einer Klostermühle und der Abzweigung der
Conventsgartenrinne, die das Klostergelände durchschnitt und im Spitalsgarten
(jetzt Forstamtsgarten) endete, sicher nur wenig beeinflußt haben. Als aber um
1200 die Braunschweiger Herzöge die Wasserburg Königslutter bauten und um
1300 der Markt, um 1400 die Stadt Königslutter entstand, werden sich die Wasser-
verhältnisse erheblich geändert haben. Die Lutter mußte an vielen Stellen höher
gelegt werden, um das nötige Gefälle zum Betrieb der zahlreichen Mühlen zu ge-
winnen, von denen es bereits im Jahre 1403 sieben im Bereich von Königslutter gab.
Sehr viel Wasser muß auch durch die Augänge, die man zur Versorgung der Bürger
mit Trink-und Brauwasser in der Stadt anlegte und die sehr häufig verstopft waren,
verlorengegangen sein. Schließlich erforderten auch die zum Schutz der herzogli-
chen Wasserburg angelegten Wassergräben und Teiche Wasser, das von der Lutter
abgezweigt wurde.

Für die Schoderstedter Bauern war das sehr unangenehm, denn die Wasserzufuhr
aus der Heidteichsriede ließ entsprechend nach. Ihr Heidsee verlandete immer
mehr, der Fischfang ließ nach, und die Wassermühle konnte nicht mehr arbeiten.
Mensch und Tier litten unter dem Wassermangel. ln ihrer Not wandten sich die
Schoderstedter an den regierenden Herzog. Dieser bestimmte in einem Schreiben
an den Abt des Klosters und die Pfandinhaber der Burg Königslutter im Jahre 1399.
daß der Strang der Lutter, „dar de swinekove uppe den klosterhove uppe Iyd“ in den
Schoderstedter See geleitet werden solle. Mit diesem Arm der Lutter ist die Heid-
teichsriede gemeint, die über Schoderstedt zum Schoderstedter See lief. Die Hilfe
des Herzogs kam aber zu spät. Jedenfalls verließen die Schoderstedter Bauern um
die Mitte des 15. Jahrhunderts ihr Dorf und zogen in die Stadt. Wassermangel dürfte
dafür ein entscheidender Grund gewesen sein. Die Erinnerung an den bald darauf
völlig zugelandeten See halten nicht nur die eingangs genannten Bezeichnungen
für einige Schoderstedter Höfe und Flurstücke, sondem auch die von Riddagshäu-
ser Mönchen aufgezeichnete und in das Sagenbuch von Heinz-Bruno Krieger (4)
übemommene Sage wach, nach der im Jahre 1223 bei einem fürchterlichen Unwet-
ter das Dorf Schoderstedt mit 317 Menschen und allem Vieh in einem tiefen schwar-
zen Wasser untergegangen sein soll.


Ouellennachweis

1. P. J. Meier: Die Entstehung der Stadt Königslutter in Nachrichten der Gesell-
schaft der Wissenschaften zu Göttingen, phil.-histor. Klasse, 1920

2. A. Lüders: Geschichte der Stadt Königslutter, Königslutter 1909

3. Stadtarchiv Braunschweig: Fehdebuch des gemeinen Rat zu Braunschweig
1352-1420, fol. 83a (Handschrift)

4. H.-Br. Krieger: Elmsagen, Braunschweig 1967


Heinz Röhr
Stadtarchivar


Veröffentlicht in: Das Moosholzmännchen April 1986  Seite 32-34






100 Jahre Ortswasserversorgung Gemeinde Lauingen

Für die landwirtschaftlich geprägte Gegend von Königslutter ist die Versorgungssicherheit mit Wasser besonders wichtig. Dürreperioden sind nicht lokal begrenzt und deshalb ist eine Wasserbereitstellung aus eigenem Aufkommen für die Kommunen von Interesse. Man ist unabhängig vom aktuellen Füllungszustand von Talsperren der Fernwasserversorgung.


"Aufgrund der großen Dürreperiode 1910 und den immer wieder auftretenden Bränden war es notwendig geworden, über den Bau einer Wasserleitung nachzudenken. Am Rande des Elm, ungefähr in Höhe des Bornumer Erdfalls, gab es genügend Quellwasser.

Es könnte genutzt werden, wenn es gelänge, das Wasser durch eine Rohrleitung in das Dorf zu führen. Die Idee wurde zum Plan und dieser realisiert. Ab 1913 lief das saubere Wasser mit natürlichem Gefälle in Vorratsbehälter auf dem Ränzelsberg und weiter durch die Wasserleitungen bis in die angeschlossenen Häuser.

 

Für das System mussten 32.000 Goldmark aufgebracht werden. Lauingen war das erste Dorf im weiten Umkreis mit einer zentralen Wasserversorgung."

 

Einfügung:

Die vormals ohne Hilfsenergie ausschließlich durch natürliches Gefälle betriebene Leitung wurde später um eine Ringleitung erweitert.

 

Veröffentlicht in: Chronik des Dorfes Lauingen  854 - 2004   Seite 51-52

Heimat- und Kulturverein Wi von de Zipperie e.V.

Herstellung und Verlag: Meiling Druck, Haldensleben





Heinz Röhr: Brunnen in Königslutter

Brunnen in Königslutter
Die Bürger der Stadt Königslutter entnahmen früher ihr
Trink- und Brauwasser überwiegend der Lutter und ihren
Augängen, an die fast sämtliche Grundstücke angeschlos-
sen waren. Da das Wasser aber dort in zunehmendem
Maße verunreinigt wurde, gingen sie später dazu über,
eigene Brunnen, die zum Teil gleich zwei Grundstücken
dienten, anzulegen. Auch öffentliche Brunnen wurden ge-
baut
Der bedeutendste unter ihnen war zweifellos der Markt-,
Stadt- oder Rathausbrunnen, der vor dem Rathaus stand.
.....
Ende des Jahres 1891 beschloß die Stadtverordneten-
versammlung die Anlage eines weiteren städtischen Brun-
nens auf dem Platz an der Ecke Kattreppeln/Neue Straße,
bei der sogenannten "gelben Zibbe". Bei Bodenuntersu-
chungen dazu stellte der Bohrunternehmer Mülter fest, daß
die Stadt auf Schichten von 1 - 6 m Tuffstein (Duckstein), 30
cm Torf, 1 - 2 m Scheuersand und 1 - 4 m Elmgeröllen mit
guten Wasserverhältnissen stünde. Darunter käme mittle-
rer Keuper, der sehr wasserarm wäre. Beim Ausschachten
des Brunnens, dessen Schacht eine Tiefe von 8 - 10 m
erhalten sollte, hatte der Maurermeister Dietz große Schwie-
rigkeiten mit dem anstehenden Felsen (Duckstein), die das
Arbeiten so schwierig und zeitraubend machten, daß ihm
dafür noch 50 Mark nachbewilligt werden mußten. Insge-
samt besaß die Stadt 1898 5 bzw. 8 öffentliche Brunnen,
darunter je einen auf dem Platz vor der Herrenmühle und
am Niedernhof.
lnzwischen hatte die Zahl der Brunnen und Zisternen im
Privatbesitz ebenfalls erheblich zugenommen. Am 20.2.1907
meldete die Stadtverwaltung der Kreisdirektion in Helm-
stedt, daß in der Stadt Königslutter 204 Privatbrunnen und
3 Regenwasser-Zisternen vorhanden wären. Davon lagen
25 an der Bahnhofstraße, 24 an der Westernstraße, 23 an
der Neuen Straße, 16 am Markt und je 14 an der Elm- und
Lindenstraße. Die Tiefe der Brunnen betrug durchschnitt-
lich 3 - 6 m. Am Ende der Westernstraße und in der Zucker-
fabrik an der Bahnhofstraße überstieg sie aber 9 m, erreich-
te bei den Farbwerken an der Fallersleber Straße 14,50 m,
in der Lindenstraße Tiefen von über 20 m und in der Zucker-
fabrik an der Rottorfer Straße fast 100 m. Der Wasserstand
in den Brunnen war sehr unterschiedlich, lag aber meistens
bei 1 - 2 m.
Mit der Anlage der Wasserleitung im Jahre 1911 wurden
die Brunnen in der Stadt überflüssig und verschwanden.
Bereits im August des betreffenden Jahres meldete der
Bauverwalter, daß sie sämtlich entfernt wären. Das bei der
Anlage der Wasserleitung freiwerdende Geröll wurde zum
Teil dazu benutzt, die nicht mehr im Gebrauch befindlichen
Brunnenschächte auszufüllen. Auf dem Gänsemarkt und
auf dem Platz vor der Herrenmühle, wo öffentliche Brunnen
gestanden hatten, freuten sich die Kinder, daß ihre Spiel-
plätze nun größer und sicherer geworden waren. Die Ab-
deckung der ehemaligen Brunnenschächte mit Betonplat-
ten statt der früher üblichen Eichenplatten und ihr ord-
nungsgemäßes Ausfüllen mit Erde und Steinen nahm län-
gere Zeit in Anspruch. Anscheinend sind die Maßnahmen
dafür auch heute noch nicht ganz abgeschlossen, weil die
Lage der alten Brunnenschächte nicht überall bekannt ist.

Neue Brunnen entstanden vor und nach dem Kriege auf
dem Zollplatz und am Gänsemarkt. Sie tragen sicherlich mit
zur Verschönerung des Stadtbildes bei, und es wäre zu
begrüßen, wenn sie noch weiter verbessert werden könn-
ten und sich ihre Zahl noch erhöhen würde, wie das in vielen
Städten, zum Beispiel in Hameln/Weser, in jüngster Zeit
geschehen ist.

Quellenmaterial: Akten des Stadtarchivs

Heinz Röhr
Ortsheimatpfleger


Veröffentlicht in: Das Moosholzmännchen Nr. 149 / 1981




 

Zur Inbetriebnahme der neuen Wasserversorgungsanlagen in Königslutter 1973

Rat und Stadtverwaltung
Zur Inbetriebnahme der neuen Wasserversorgungsanlagen

Die zentrale Wasserversorgung für die Stadt wur-
de 1911 gebaut. Sie leitete das mit natürlichem
Druck zu Tage tretende Lutterwasser in das ent-
sprechend der damaligen Einwohnerzahl dimensio-
nierte Rohrnetz.
Inzwischen hat sich die Bevölkerung beinahe ver-
doppelt, die hygienischen Verhältnisse haben sich
erheblich verbessert, neue industrielle und ge-
werbliche Wassergroßverbraucher sind hinzugekom-
men, sodaß sich die Wasser-Abnahme erheblich ver-
größert hat, außerdem reichte der natürliche
Druck der Lutterquelle nicht mehr aus, um die
höhergelegenen Stadtteile zu versorgen. Auch der
Einbau von Druckerhöhungsstationen war nur eine
vorübergehende Lösung.
Die zunehmenden Klagen der Bevölkerung über man-
gelnden Wasserdruck zwangen die Stadt, eine gründ-
liche Verbesserung der Wassergewinnungs- und Ver-
sorgungsanlagen zu planen und zu bauen. Fünf Jah-
re wurden dazu beansprucht. Im Monat August 1973
konnten die neuen Anlagen in Betrieb genommen wer-
den.
Zwei neue Brunnen sind erschlossen: Brunnen I
'Unter den Eichen' ca. 50 m neben der Lutterquelle
und Brunnen II in der Försterwiese.
Im oberen Zipfel der Klosterteichwiese wurde das
neue Wasserwerk gebaut, ein Gebäude, in dem das
Wasser aus der Quelle und bei Bedarf aus beiden
Brunnen gesammelt und aufbereitet wird. Von dort
wird alles Wasser durch Pumpendruck in den neuen
Hochbehälter am Schmiedeberg (oberhalb vom Alten-
wohnheim Stiemerling) transportiert. Dieser Hoch-
behälter, bestehend aus zwei Kammern mit einem
Fassungsvermögen von je 1.000 Kubikmetern, liegt
ca. 30 Meter höher als die Lutterquelle, sodaß das
Wasser mit einem um 3 ATÜ höheren Druck in die Lei-
tungen kommt und somit auch die höher gelegenen
Stadtteile gut versorgt werden können.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Beschaffenheit
des aus Quelle und Brunnen gemischten Wassers:
Während das Lutterwasser durchschnittlich 150-200
mg/l an Sulfaten enthält und ca. 25-35 deutsche
Härtegrade aufweist, hat das Wasser aus den Brun-
nen einen geringeren Sulfatgehalt und ist weicher.
Durch die Mischung im Wasserwerk erhält das in das
Netz geleitete Wasser also eine bessere Qualität.

Die Gesamtkosten der Erweiterung belaufen sich
auf ca. 2.100.000 DM. Aufgebracht wurden diese Ko-
sten durch einen Bundeszuschuß von 225.000 DM,
ein zinsloses Darlehn aus Mitteln der Arbeitslo-
senversicherung von 900.000 DM (Rückzahlbar in
acht gleichen Jahresraten) und aus Eigenmitteln,
die sich im wesentlichen aus Darlehn zusammen-
setzen. Natürlich führten diese Darlehnsaufnah-
men zu einer höheren Zinsbelastung, neben den
allgemein gestiegenen Kosten ist hier der Grund
für die Erhöhung der Wassergebühren zu suchen.

Die neuen Wasserversorgungsanlagen sind bereits
seit dem Frühjahr betriebsbereit. Mit der Inbe-
triebnahme mußte so lange gewartet werden, weil
erst die inzwischen aufgetretenen Gasrohrnetz-
brüche zu beseitigen waren. Nachdem dies Geschäft
besorgt ist, stehen jetzt die Stadtwerke bereit,
die Wasserrohrbrüche zu reparieren, die - wie die
Erfahrungen in Helmstedt zeigen - mit großer Wahr-
scheinlichkeit wegen des höheren Drucks im Lei-
tungsnetz zu erwarten sind.

Wir bitten alle Hauseigentümer, die in ihren Häu-
sern verlegten Wasserleitungen auf evtl. auftreten-
de Undichtigkeiten zu beobachten. Tritt ein Rohr-
bruch im Hause auf, werden Ihnen die ortsansässi-
gen Installationsfirmen schnellstens helfen.

Am Sonnabend, dem 8. September 1973, von 10 - 17 Uhr
werden wir einen

"Tag der offenen Tür"

zur Besichtigung der neuen Anlagen veranstalten.
Alle Bürger sind herzlich eingeladen.

Uhde                     Dr. Gremmels       Isensee
Bürgermeister        Stadtdirektor         Leiter der Stadtwerke



Veröffentlicht in: Stadtbüttel September 1973

 

 

 

Rat beschließt Wasserversorgungskonzept

tl_files/Fotos/Allgemein/Wasserversorgung Kloster/Wasserwerk_Koenigslutter.jpg


Der Rat hat am 14.06.2012 mehrheitlich das von Bürgermeister Alexander Hoppe vorgeschlagene Wasserversorgungskonzept beschlossen.

LINK: http://www.koenigslutter.de/magazin/artikel.php?artikel=889&type=&menuid=64&topmenu=64

 

Im Beschluss ist integriert, die weitere Entwicklung von zentralen Enthärtungsverfahren zu beobachten und im Falle einer wirtschaftlichen und rechtlich möglichen Lösung für das Teilnetz 1 mit dem Wasserwerk Lutterspring zu verwirklichen.

 

Es liegen kommunale Erfahrungen aus Süddeutschland mit dem Pilotbetrieb von zentralen Enthärtungsanlagen vor, die Grundlage für betriebswirtschaftliche Entscheidungen zur Inbetriebnahme einer Anlage für 65000 Kunden ab 23.03.2012 bildeten.

LINK: http://www.neckartailfingen.de/seite377.htm

 

Bürgerinformation 2012 zur Wasserversorgung in Königslutter am Elm siehe im Internet unter:

LINK:  http://www.koenigslutter.de/pics/medien/1_1337692190/Wasserversorgung_in_Koenigslutter_Buergerinfo_2012_Publikation.pdf

 

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI - Projekt: "Ökologische und ökonomische Bewertung der zentralen Enthärtung von Trinkwasser"

LINK: http://isi.fraunhofer.de/isi-de/n/projekte/enthaert.php

Ergebnisse

  • Zur ökonomischen Bewertung wurden die Kosten für die einzelnen Verfahren in Abhängigkeit von der Anlagengröße ermittelt. Die Kosten für den verfahrenstechnischen Teil liegen je nach Randbedingung in einer Größenordnung von 0,1 bis 0,5 €/m³ Trinkwasser.
  • Den für die zentrale Enthärtung anfallenden Kosten stehen die möglichen Einsparungen in den Haushalten gegenüber. Anhand der Stoffflussmodellierung ergibt sich ein Einsparpotenzial von etwa 0,5 bis 0,6 €/m³, das heißt je nach Randbedingungen und Verbrauchsverhalten können die Mehrkosten einer Enthärtung ausgeglichen werden bzw. es können sich sogar deutliche Einsparungen ergeben.

 

Einzelheiten zum Projekt sind auch aus folgendem Dokument zu entnehmen:

LINK: http://stadt.bad-duerrheim.de/servlet/PB/show/1250299/Enthaertung(2004)TZW.pdf