Ergebnisse der Sommerakademie am Kaiserdom präsentiert

Der Dom gab eine tolle Inspiration für die Bildhauerei ab
KÖNIGSLUTTER (lk). Auch in diesem Jahr wurde wieder die Sommerakademie am Kaiserdom veranstaltet. Die zwei Kurse, die jeweils über eine Woche liefen, wurden wie gewohnt vom Künstler Hans Reijnders geleitet.
„Wir hatten insgesamt 20 Teilnehmer, im ersten Kurs waren es neun und im zweiten Kurs elf“, betonte Dr. Norbert Funke von der Stadt Königslutter und der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz. Für die Teilnehmer ging es darum, in die Kunst der Bildhauerei einzutauchen. „Der Kaiserdom ist eine schöne Inspiration für die Teilnehmer“, ist sich Funke sicher.
Zur Abschlusspräsentation der zweiten Gruppe ist auch Königslutters Bürgermeister Alexander Hoppe gekommen. Er zeigte sich davon überzeugt, dass die Sommerakademie den Teilnehmern viel gebracht hat und sie ein tolles Ergebnis mit nach Hause nehmen können.
Reijnders freute sich darüber, dass die Sommerakademie immer bekannter wird. „In diesem Jahr hatten wir Teilnehmer aus Hannover, Hamburg, Berlin oder Düsseldorf, nur der Süden fehlt noch“, meinte er schmunzelnd. Weiterhin betonte er, dass die zwei Wochen zwar anstrengend für ihn waren, er aber auch sehr viel Spaß hatte und von den Teilnehmern noch das ein oder andere hat lernen können.
„Wenn man Bildhauerei betreibt, muss man nicht unbedingt stark sein, sondern clever“, ist er sich sicher. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die älteste Teilnehmerin des Veranstaltung, die immerhin schon 79 Jahre alt ist. Auch die Teilnehmer zeigten sich mit dem Geleisteten zufrieden, einige von ihnen waren schon „alte Hasen“ und nicht das erste Mal dabei. Manche versprachen, im kommenden Jahr wieder mit dabei zu sein. Für Kursleiter Reijnders und Organisator Funke gab es zum Abschied kleine Präsente aus der Gruppe der Kursteilnehmer. Unter www.kaiserdom-koenigslutter.de finden sich weitere Informationen zum Programm am Kaiserdom.
Zum Abschluss der Woche wurden die Ergebnisse der Teilnehmer an der Sommerakademie am Kaiserdom präsentiert.


Veröffentlicht in:
Helmstedter Blitz vom 17.07.2013 Seite 3






"Das ist ja richtige Künstlerarbeit!"

19 Hortkinder werden künstlerisch aktiv:
Das ist ja richtige Künstlerarbeit!
Königslutter.
"Das ist ja richtige Künstlerarbeit!", mit dieser Feststellung kommentierte Justin beeindruckt die Arbeiten des Lauinger Bildhauers Georg Arfmann. Er konnte aus eigener Erfahrung sprechen, denn er hatte sich, genau wie die anderen 19 Hortkinder des Hortes „Driebe“ ein Jahr lang mit den Steinmetzarbeiten in Königslutter beschäftigt und selbst erste Erfahrungen mit Arbeiten am Speckstein gemacht.

Für die Freizeitgestaltung im Hort wurde Speckstein angeschafft, da dieser leicht mit Schnittwerkzeug, Feile oder Sandpapier bearbeitet werden kann. Bevor mit den Arbeiten  begonnen wurde, trafen die Gruppen Steinmetze, die im vergangenen Jahr vor dem Dom ihr Symposium abhielten. Von ihren Arbeiten waren die Kinder beeindruckt.
Besonders der holländische Künstler Hans Reijnders ging sehr auf die Kinder ein und ließ sie sogar mitarbeiten. Er zeigte ihnen die richtige Arbeitshaltung und gab Tipps.
lm Hort wurde dann der Umgang mit dem Speckstein und den Werkzeugen geübt. Dabei half den Kindern das Wissen, das sie von den Künstlern gelehrt bekamen. Nach und nach wurden sie immer sicherer, so dass aus den ersten Versuchen zielsichere Arbeiten wurden. Mit viel Ausdauer und Geduld gestalteten die Kinder freie Formen, aber auch selbst ausgedachte Figuren. Während der Herbstferien machten sich einige Hortkinder auf die Suche nach Steinmetzarbeiten und fotografierten diese. Aus den Fotos entwickelten sie dann in den Osterferien eine Rallye. Die Kinder, die die Fotos nicht kannten, mussten die passenden Objekte in der Königslutter suchen.
In den Sommerferien, besuchten die Kinder Künstler Arfmann. Lebendig erzählte er die Entstehungsgeschichten seiner Kunstwerke, die überall im Garten und Haus zu finden waren. Die von ihm gestalteten Tiere und Menschen beeindruckten Kinder und Erzieherinnen sehr.

Mit diesen neuen Erfahrungen und Eindrücken werden jetzt im Hort weiter eigene Werkstücke gefertigt. Die Kinder erhalten die Möglichkeit, persönliche Ausdrucksmöglichkeiten zu entwickeln. Kreativ werden auch andere Materialien wie Papier, Gips und Ton in Zukunft von den Kindern eingesetzt.


Veröffentlicht in:
Der Stadtbüttel. Mitteilungsblatt der Stadt Königslutter. Oktober 2009. S. 10




Tag der offenen Tür am bundesweiten "Tag der Steine"

 

 

Tag der offenen Tür am bundesweiten „Tag der Steine“
Steinmetzzentrum öffnete die Türen für interessierte Gäste


KÖNIGSLUTTER (nj). Am 13. Oktober war der bundesweite „Tag der Steine“ an dem das Steinmetzzentrum in Königslutter mit einem Tag der offenen Tür teilnahm, in dessen Rahmen es seine Arbeit präsentierte.
Neben Führungen konnten die Besucher auch einfach selbstständig über das Gelände und durch die Hallen streifen und den Steinmetz-Auszubildenden über die Schulter schauen.
Dabei ließ sich nicht nur ein guter Überblick über das große Facettenreichtum der Arbeit gewinnen, die hier vor Ort vermittelt wird, sondern, so man denn das Gespräch suchte, bekam auch die ein oder andere Anekdote erzählt
- zum Beispiel warum damals die Marmor-LKW in Italien stets mit offenen Türen fuhren
- nämlich damit die Fahrer aus den Wagen in Sicherheit springen konnten, wenn sie bergab fuhren und bei dem großen Gewicht des Marmorklotzes die Bremsen versagten.
Generell gab es einen wirklich umfassenden Überblick über die Themenfelder rund um Steine, Steinarbeiten und den Beruf des Steinmetzes.
Für all diejenigen, die sich für das Thema interessierten, war ein Besuch wirklich lohnenswert - aber für alle anderen natürlich auch, denn kaum einer der Besucher am Tag der Steine hatte zuvor vermutet, wie umfangreich die Ausbildung hier vor Ort ist.


Veröffentlicht in:
Helmstedter Blitz, Nr. 42/ 38.Jg. Mittwoch, den 17.10.12 Seite 9

 

 




Schmidt-Reindahl "Die Meisterschule für Steinmetzen und Steinbildhauer in Königslutter am Elm"

Till-Eulenspiegel-Denkmal in Kneitlingen
Till-Eulenspiegel-Denkmal in Kneitlingen

 

 

Die Meisterschule für Steinmetzen und Steinbildhauer in Königslutter am Elm

Anfang des 12. Jahrhunderts war eine Steinmetzschule in Königslutter für den norddeutschen Raum tonangebend. Die Ornamentik des Domes in Königslutter wurde Vorbild für die Kirchenbauten der weiteren Umgebung. Auch die Herkunft mehrerer norddeutscher Herolde ist auf die Königslutterer Schule zurückzuführen. Diese alte Tradition in Verbindung mit der Wirtschaftlichkeit der Elmkalksteinbrüche führte am 6. Oktober 1941 zur Gründung der Schule. In den 20 Jahren ihres Bestehens hat sich die Meisterschule zu einer der größten Fachschulen entwickelt. Die Verbindung einer Fachschule für Erwachsene mit einer Berufsschule für Lehrlinge ist bis jetzt für das Bundesgebiet einmalig. Das Einweisungsgebiet ist Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Ost-Westfalen. Außerdem kommen freiwillige Schüler aus allen Ländern der Bundesrepublik. Das Ziel und die Aufgabe der Schule ist die handwerkliche Ausbildung der Lehrlinge, die fachtheoretische Schulung der Techniker und die Weiterbildung durch gestalterischen Unterricht der Meisterschüler. Der Lehrkörper, aus 6 Herren bestehend, die ausschließlich aus dem Steinmetzberuf hervorgegangen sind, bietet Gewähr für eine rein fachliche und gestalterische Ausbildung des Steinmetznachwuchses aus dem Handwerk und der Natursteinindustrie. Wir hoffen, daß die Aufwärtsentwicklung der Schule zum Segen des uralten Steinmetzhandwerks noch lange Jahre anhalten möge.

Schmidt-Reindahl
Fachschuldirektor


Veröffentlicht in:
Stadtbüttel der Stadt Königslutter Oktober 1961

 

 

Weitere Infos über die Steinmetzschule Königslutter:

http://www.steinmetzschule.com

 

Das am 15.05.2011 neu eröffnete Dom- und Steinmetzmuseum informiert über den Stifter des benachbarten Kaiserdoms, Kaiser Lothar III., und seine Stiftung, das ehemalige Benediktinerkloster Königslutter mit seiner Stiftskirche St. Peter und Paul.

Der Dom und seine Baugeschichte werden in dieser Präsentation in erster Linie aus der Sicht des Steinmetzhandwerks dargestellt.

Adresse:  Dom- und Steinmetzmuseum  Vor dem Kaiserdom 3-5  38154 Königslutter

Telefon:  05353-918464

Öffnungszeiten: DI bis SO: 11 bis 17 Uhr (MO geschlossen)

Das Dom- und Steinmetzmuseum befindet sich im Untergeschoß des MMM. Hierüber erfolgt auch der Zugang. Führungen sind nach Voranmeldung möglich.



Arbeiten heutiger Meister aus Königslutter sind z.B. den beiden folgenden Links zu entnehmen:

 

http://www.elmsagen.de/brunnen.asp

 

http://www.natursteinonline.de/fileadmin/NatursteinDaten/Heftarchiv/2006/NS_2006_10/Wie_im_echten_Arbeitsleben.pdf

 

http://www.natursteinonline.de/fileadmin/NatursteinDaten/Heftarchiv/2008/NS_2008_01/Meisterstuecke_2007.pdf

 

http://www.natursteinonline.de/fileadmin/NatursteinDaten/Heftarchiv/2009/NS_2009_07/Meister_aus_Koenigslutter.pdf

 

Elmkalkstein wird in folgendem LINK charakterisiert:

http://www.baufachinformation.de/denkmalpflege.jsp?md=1988017123922

 

 

Gemeinsames Projekt von fünf Schulen: »denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule«

Königslutter.
Mit dem Fördervertrag zwischen Deutscher Stıftung Denkmalschutz Bonn und der Steinmetzschule Königslutter als federführende Schule des Clusters sowie den Partnern BBS für den Landkreis Helmstedt, der Realschule Königslutter, dem Reckenberg-Berufskolleg, Rheha-Wiedenbrück und dem Beruflichen Schulzentrum Löbau schlossen diese einen Vertrag über die Förderung im Rahmen des Schulförderprogramms „denkmal aktiv-Kulturerbe macht Schule".
Aus den Fördermitteln in Höhe von rund 9600 Euro erarbeiten die Vertragspartner unabhängig voneinander die Grundlagen für eine Ausstellung, die das Ergebnis ab 15. Juni im südlichen Seitenschiff des Kaiserdoms präsentieren wird.
So konstruieren, kartieren und dokumentieren die Schüler der Steinmetzschule beispielsweise ein Dachstuhlmodell. Die Schüler der Berufsbildenden Schule Helmstedt befassen sich dagegen intensiv mit Farben, die in Kirchen Verwendung fanden und finden, mit deren Bestandteilen und Herstellung. Und sie fertigen Schablonen an, mit Hilfe derer sie Muster auf Flächen übertragen.
Ziel dieses geförderten Wettbewerbes ist es, den Schülern durch deren aktive Mitarbeit an einem speziellen Projekt den Gedanken der wichtigen und notwendigen Denkmalpflege zu vermitteln und zu verfestigen.
Am Tag der Ausstellungseröffnung und bei angemeldeten Besuchen besteht für Besucher die Möglichkeit, sich im Beisein von Fachleuten einmal an einem Werkstück zu versuchen, beispielsweise einen Stein zu bearbeiten.   bs

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Jürgen Wallocha, Achim Brinke, Michael Hensel, Lutz Cordes
und Dr. Norbert Funke trafen sich in der Steinmetzschule, um die
Ausstellung am 15. Juni im Kaiserdom vorzubereiten.
Foto: Bernd Schunke

Quelle: Stadtbüttel Königslutter Juni 2012 Seite 35
 

 



Hans G. Konietzky: "Benedictus Luttera!"

Benedictus Luttera !
( Sei gepriesen Lautere ! )

Wußten Sie schon, daß es bereits vor 835 Jahren bei uns in Königslutter italienische Gastarbeiter gegeben hat ? Sie zweifeln ? - Bitte, dann lesen Sie, was das Moosholzmännchen darüber berichtet !
Der bedeutende Braunschweiger Kunstgeschichtsforscher Paul J.Meier hat schon im vorigen Jahrhundert festgestellt, daß Mauer und Steinmetzen, die an vielen romanischen Domen gearbeitet haben, aus dem nördlichen Italien gekommen sind. Er blieb uns die entsprechenden Beweise darüber auch nicht schuldig. In Ferrara, Verona, Worms, Speyer, Regensburg, Niedernmünster, Straubing, Quedlinburg und in Königslutter gelang es ihm, eine berühmte italienische Bildhauerschule bzw. -Linie mit ihrer ausdrucksvollen Gestaltungskunst nachzuweisen.
Jetzt, in unseren Tagen, sagt auch Dr. Gerd Betz, daß diese überaus kunstvollen Arbeiten der italienischen Bauleute, auf ihrer Wanderschaft von einer Dombaustelle zur anderen, einwandfrei nachzuweisen sind. So hat seiner Ansicht zufolge, eine große italienische Baukolonne, nach Fertigstellung des größten romanischen Kirchenhauses in Deutschland, dem Dom zu Speyer, anschließend die Arbeit in Königslutter aufgenommen. Das war im Jahre 1135.
Ich kenne sowohl Speyer, als auch Königslutter, aber erst der Dom zu Gurk, in Österreich, den ich diesen Sommer sehen konnte, lieferte auch mir die endgültigen Beweise zu den vorhergegangenen Aussagen. An der dortigen romanischen Pfeilerbasilika, der Bau wurde  1140  begonnen, haben Bauleute gearbeitet, die auch in Königslutter waren. Das kann man auf Grund der Steinmetzzeichen feststellen. Die Hauptapsiden gleichen sich hier wie dort harmonisch, ebenso auch die gemauerten Säulen des hohen Kirchenteils.
Die Trageköpfe am dortigen Hemmasarkophag zeigen eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Kopf und der Haltung des Moosholzmännchens hier. Eine bestimmte Säule im Kreuzgang bei uns in Königslutter, scheint das Vorbild für die hundertsäulige Krypta dort zu sein. Der Löwe mit dem Basilisk in Gurk ähnelt erstaunlich den Löwen in Königslutter. In Speyer meißelten die Alten den roten Sandstein aus der Haardt. In Königslutter versuchten sich ihre Schüler am Muschelkalk des Elms und in Gurk war das Hauptbaumaterial ein sehr stark eisenhaltiger Urkalk, der bei Friesach gebrochen wurde. Wem diese Ähnlichkeiten noch zu konstruiert erscheinen, dem stelle ich noch andere Beziehungen von Königslutter und Gurk vor.
Gertrud, die Tochter Kaiser Lothars, heiratete den Markgrafen Heinrich II von Österreich. Diesem hohen Herren gehörte auch das ganze Land um Gurk im heutigen Kärnten. Er hat die italienischen Bauleute für den Bauherrn Roman I nach Gurk geholt. Natürlich sehr zur Freude dieser reisenden Steinbildhauer, denn von Kärnten nach Norditalien ist es gar nicht mehr so weit. Königslutter und Gurk entstanden beide in landschaftlich schöner ruhiger Einsamkeit.  Aber auch das ist kein Zufall. Diese, für die damaligen Verhältnisse, gewaltigen Kirchenbauten wurden von wohlhabenden Herrschern zur Ehre Gottes gebaut. Aber gleichzeitig hatten diese Stifter auch den Wunsch, daß möglichst alle ihre Landeskinder, für den hohen Herrn nach dessen Ableben in dieser Kirche beten würden. Zu ihren Lebzeiten waren diese hervorragenden Prunkbauten sowohl Begegnungsstätten der Fürsten, Könige und Kaiser, als auch Zentren des geistigen und handwerklichen Schaffens. Viele kluge Köpfe gehörten dazu und über eine Heerschar solcher geschulten Menschen verfügten die Benediktiner. Ihre Klöster waren diesen Großkirchen angegliedert. Die Benediktiner aus Gurk wurden wegen ihrer hervorragenden Buchmalereien bekannt. Die Benediktiner in Königslutter, die genau wie ihre Ordensbrüder im damals bekannten Europa über ihrer großen Tunica, einen Arbeitsüberwurf, das Skapulier, trugen, waren berühmte Fischzüchter. Was waren das für Menschen, diese Benediktiner und woher kamen Sie ?
Ihr Gründer Benedikt,  480 n.Chr. geboren, stammte aus Nursia im Sabinerland (südlich Mıttelitalien). Als er in Rom studierte, hatte dort Gotenkönig Theoderich die Staatsgewalt inne. Das erste Benediktiner-Kloster wurde Monte Cassino, dessen Berühmtheit also nicht nur aus dem zweiten Weltkrieg herrührt. Auch damals hieß es dort schon: " ora et labora !" (bete und arbeite). Noch kurz vor Benedikts Tode, am 21. März 547, erwies ihm Gotenkönig Totila seine Reverenz. Die Benediktiner sollten nicht mehr wie andere Mönchsorden nur in Andacht und Weltabkehr Gott dienen, sondern vielmehr ihre Umwelt erneuern und kultivieren. Das benediktinische Mönchstum strebte eine fundierte Gelehrsamkeit an und außerdem kamen aus ihren Reihen hervorragend geschulte Verwaltungsleute. Die Gastfreundschaft der Benediktiner stand über allem. Jeder ankommende Gast sollte wie Christus aufgenommen werden.
Die Klöster verfügten meistens über einen ausgedehnten Landbesitz und sie führten eine vorbildliche Landwirtschaft. Die Erzeugnisse wurden verkauft und so erklärt es sich auch, daß um diese Dome Märkte entstanden. In Königslutter und Gurk war der Landbesitz der Benediktiner so groß, daß Verpachtungen erfolgen mußten. Der Pachtzins, welcher am Martinstag (11.11.) gezahlt werden mußte, konnte auch häufig in Naturalien ans Kloster geliefert werden. Außerdem mußten die Pächter Hilfskräfte stellen, z.B. für allerlei Transporte, den Straßenbau und den Gebäudebau. Die Menschen dieser Zeit arbeiteten gern für die Benediktiner. Dadurch konnten sie viel lernen, denn die Klöster waren, wie gesagt, Pflegestätten des Handwerks, ganz besonders für den Bau und alles was damit zusammenhing. Aber auch bei der Fischzucht, den Mühlen und den Brauereien waren Mönche die Lehrmeister der Menschen, die sich an solchen Märkten ansiedelten.
Ja, Ihr Freunde des Moosholzmännchens, wer weiß, welcher Ihrer Vorfahren sich auf solch' eine Weise in Königslutter angesiedelt hat ?

Hans G. Konietzky

Veröffentlicht in:
Das Moosholzmännchen Nr. 87/1971


 

 

 

Weitergehende Informationen zum Dom von Gurk sind auf den Seiten "Romanik als europäisches Projekt" zu finden.

LINK: http://www.transromanica.com/de/poi/?suchen_poi=1&poi_region_id=3&poi_kategorie_id[1]=1&poi_kategorie_id[2]=1&poi_kategorie_id[3]=1&poi_kategorie_id[4]=1&poi_highlights=1&artikel=1108

 

 

 

 

 






Otto-Klages-Ausstellung Fossilien aus Welt und Umgebung

von Judith Marie Nitschke
Königslutter. Die erste Ausstellung im Geopark-Informationszentrum in Königslutter, die rıicht nur Gegenstände aus der Region, sondern aus aller Welt ausstellt, eröffnete vergangene Woche mit der Otto-Klages-Samrnlung. Dabei handelt es sich um eigens von Otto Klages gesammelte und getauschte Mineralien und Fossilien. Zunächst suchte Klages im Elm und im Tagebau nach den wertvollen Versteinerungen. Durch die Entdeckung der Seelilien „Encrinus liliiformis“ wurde der Sammler auch im Ausland bekannt und konnte exklusive Fossilien aus aller Welt tauschen.
Allerdings machte sich Klages nicht nur das Sammeln, sondern auch das Vermitteln zur Aufgabe. Er verschenkte seine Sammlungen an Schulen, Museen und Universitäten. Besonders Jugendliche wollte er begeistern. Deshalb sind an der Ausstellung zwei ehemalige Schüler beteiligt, Professor Ernst-Rüdiger Look und Reinert Luer, die sich schon zu ihrer Zeit mit den Fossilien beschäftigt hatten.
Bereits damals trieb Klages ein heimatkundlicher Gedanke, denn auch Königslutter erhielt 1972 zweitausend besondere Exponate, die in der Stadtbibliothek Königslutter ausgestellt werden sollten. Darunter: Gesteine, Mineralien, Fossilien und Schmucksteine.
Der Stiftungsvertrag beauftragte Wolfgang Dreschert, sich um die Satzung und den Wunsch der Ausstellung im Krematorium zu kümmern. Diese Aufgabe führte er bis zu seinem Todestag im vergangenen Jahr insgesamt 40 Jahre aus. In seinem Beisein fanden das Krematorium und die Stadt Königslutter noch Übereinkünfte, die Fossiliensammlung neu zu präsentieren. „Ziel war es, die Bedeutung der Sammlung besser zugänglich zu machen“, so Bürgermeister Alexander Hoppe. Mit dem Lebensende Drescherts übernahm Urs Hochsprung fortwährend die Verwaltung der Ausstellung.
Von über 1.200 Fossilien irı der Stadtbibliothek wurden insgesamt 150 ausgewählte in den Originalvitrinen im Geopark-Informationsszentrum neu ausgestellt. Hier sind sie fortan zu besichtigen. Zur Erklärung dienen handbeschriftete hölzeme Namensschilder, die Klages noch bei einem Esbecker Lehrer in Auftrag gab. Die übrigen Fossilien sind in der Geopark Geschäftsstelle, am Niedernhof 7, zu besichtigen.
„Klages“ Wille war es, Menschen in der Region für die Erdgeschichte zu begeistern. So haben wir eine Möglichkeit gefunden seine Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, schildert Karl-Friedrich Weber.


Veröffentlicht in:
Helmstedter Sonntag Nr. 18/2013 vom 05.05.2013 S. 7




Otto Klages: "Das geologische Abenteuer!"

Das geologische Abenteuer!

Noch wenige Tage und wieder kommt er angereist, der alte Sammler vom Odenwald. So geht es jahrein jahraus. Vorher kommen lange Briefe, die eine Ungeduld verraten, wie sie jeder noch aus Jugendzeiten kennen wird. Er wohnt an der Bergstraße im schönen Städtchen Weinheim. Der unaufhörliche Strom der Reisenden auf Gummirädern reißt vor seiner Wohnung nicht ab.

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Er aber will nach Königslutter in das subherzynische Becken, in das Paradies seiner Träume, in das geologische Abenteuer. Einundzwanzig Tage von einer Überraschung zur anderen.


Berauschend schön ist schon der Abend vor dem Exkursionstag, denn es wird geplant, in welche Wunde der lieben Erde wir kriechen wollen. Es wird ihm freigestellt in welcher geologischen Formation er sammeln möchte, und dann geht es um die Wahl dieser wichtigen Auswahl des Aufschlusses. Soll es ein Steinbruch sein, eine Tongrube, eine Sandgrube, eine Kiesgrube, ein Bergwerk, eine alte Abraumhalde, ein Erdrutsch, eine Mergelgrube oder ein Erdfall? Unsere Heimat kann alles bieten, und somit fällt die Auswahl recht schwer.

 

Dann sitzt er sinnend da, der alte Johann Fath und berühmte Präparator von Fossilien aus Weinheim, und grübelt. Wird es Regen geben oder gar ein Gewitter? Dann kommt eine Tongrube nicht in Betracht. Ein Steinbruch bei 30 Grad Hitze im Freien bringt nicht nur Qual, sondern auch Gefahr für Sammler. Gleißender Sonnenschein und eine Abraumhalde absuchen zu wollen vertragen sich nicht, denn die schrägliegenden Steine blenden das Augenlicht. Das Suchen in einer Sandgrube oder Kiesgrube im Wind wird zur Last, denn Ohren, Augen, Nase und Mund werden versandet. So spielt das Wetter eine große und bedeutsame Rolle.

 

Doch alle Erörterungen werden belanglos vor der Auswahl der geologischen Formation, die aufgesucht werden kann und besucht werden muß. Da winken die riesigen Sand- und Kiesgruben von Velpke und Altena im Kreis Helmstedt mit ihren pleistozänen Ablagerungen Die riesigen Gletscher brachten sie mit vor über 500 Tausend Jahren aus Mittelschweden, Finnland, den Balten-Ländern und dem Ostseeraum. Sie hinterließen eine Fülle von Versteinerungen beim Abtauen des Eises. Man findet eine bunte Auswahl aus allen erdgeschichtlichen Formationen vom Kambrium, vor 600 Millionen Jahren, bis zum Ende des Tertiärs, vor 600 Tausend Jahren. Verkieselte Hölzer, Korallen, Schwämme, Blumentiere, Seeigel, Armkiemer, Windkanter, Gletscherschliffe, der über 500 Millionen Jahre alte ScolithusSandstein bieten sich an. Feuersteine in allen Farbnuancen mit Bänderungen wie Achat, oft prächtige Seeigel enthaltend, lassen sich finden. Die Tongrube am Silberberge bei Helmstedt zeigt Tertiäre Tone aus dem Mittel-Oligozän mit Krabben Coeloma balticum, welche prachtvoll versteinert sind, und vor rund 30 Millionen Jahren im Meer gelebt haben. Die alte Göesche Mergelgrube an der Straße von Boimstorf nach Lehre besteht aus oberen Quadratenschichten des Senons, also Ablagerungen des Kreidemeeres. Vor 110 Millionen Jahren lebten darin Muscheln, Schnecken, Seeigel, Belemniten, sogen. Donnerkeile, und viele Schwämme. Der Arzt Otto Griepenkerl in Königslutter bestimmte 1889 aus diesem Aufschluss über 150 verschiedene Fossilien. Als die Niederländische Geologische Vereinigung 1959 in Königslutter ihre Tagung durchführte, verharrten sie in diesem Aufschluss eine Minute ohne Kopfbedeckung im Stillschweigen, um die Verdienste dieses Mannes zu ehren. Die Eisenerzgrube von Rottorf am Klei und die Tongrube Lehrmann am Schwarzen Berge bei Helmstedt zeigen Schichten der Jurazeit. In diesen 170 Millionen Jahre alten Ablagerungen stecken wohlerhaltene Ammoniten, Nautiliden, Belemniten, Gastropoden, Lamellibranchiaten, Brachiopoden und herrliche Ophiuroiden. Der über 200 Millionen Jahre alte Kalkstein im Elm schenkt uns in großen Steinbrüchen unter vielen anderen Versteinerungen die begehrte Seelilie Encrinus liliiformis, ein Tier, keine Pflanze, das zu den Stachelhäutern gehört. Der Ort Erkerode machte den Elm weltbekannt durch diese herrliche Versteinerung.  Ammoniten (Ceratiten), Nautiliden, alle als Ammonshörner bekannt, Muscheln, Schnecken und Knochen von Meeressauriern runden das Bild.


Oder wollen wir auf die Jagd nach Mineralien gehen, fragt der alte Sammler plötzlich. Die Augen leuchten förmlich vor Erwartung. Eure Heimat hat doch alles! Fahren wir in die Tongrube Passeier in Klein-Steimke Dort liegen in Tertiären Tonen die schönsten Gipskristalle der Bundesrepublik.  Freischwebend im Ton ausgebildet als Kombinationen und Schwalbenschwänzen. Oft glasklar mit einem Tonbäumchen in der Mitte. Wir können auch in die Tone der Unteren Kreide, dem Oberen Valendis, der Tongrube Thiede bei Braunschweig fahren. Toneisensteingeoden geben nach heftigen Schlagen wahre Herrlichkeiten preis. Da blinken die Sulfide von Eisen, Mangan und Zink in isomorpher Mischung und Anlauffarben in der Sonne wie Gold und Silber.

 

Dann tanzt er, der alte Sammler voller Glück und Freude vor diesen Schätzen, und ruft mir zu: "Was für ein geologisches Paradies ist Eure Heimat, was für ein Stückchen Erde, voller Wunder, voller Zeugen von der Größe und Allmacht Gottes."


Staunend aber steht ein junger Baggerführer vor unseren ausgebreiteten Schätzen, Nach kurzer Pause fragt er uns nach dem Wert der Herrlichkeiten. Die Zornesader schwillt dem Sammler von der Bergstraße. Die Hände fassen fester den Stiel des Hammers. Dann höre ich uns beide sagen: "Junger Mann, wir schenken Ihnen unsere großen Sammlungen mit Schränken, Kästen und Zubehör und dazu unsere vielen, vielen Jahre, die wir auf dem Buckel haben, wenn Sie uns Ihre Zwanzig Jahre dafür eintauschen." Mehr sind die ganzen Schätze nicht wert.

Otto Klages

veröffentlicht in:
Das Moosholzmännchen Nr. 29/1965

 

 

Die Otto-Klages Sammlung ist derzeit montags und dienstags von 15 bis 17 Uhr sowie donnerstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Adresse: Sack 1  38154 Königslutter

Besichtigungen außerhalb der Öffnungszeiten auch an Wochenenden und Feiertagen sind nach vorheriger Anmeldung möglich.

Tourist-Information Königslutter:  Tel. 05353-912129

 

 

 

 

Dr. Ernst-Rüdiger Look: "Geologische Wanderkarte Braunschweiger Land mit Erläuterungsheft"

 

Geologische Wanderkarte Braunschweiger Land
mit Erläuterungsheft
von Dr. Ernst-Rüdiger Look

Angeregt von dem Kuratorium der Otto-Klages-Sammlung ist vor kurzem eine Geologische Wanderkarte Braunschweiger Land mit Erläuterungsheft erschienen. Herausgeber sind die Stadt Königslutter, die Naturhistorische Gesellschaft Hannover und das Niedersächsische Amt für Bodenforschung in Hannover. Als Widmung sind der Dokumentation folgende Worte vorangestellt:


Die „Geologische Wanderkarte Braunschweiger Land" und „Geologie und Bergbau im Braunschweiger Land-Dokumentation zur Geologischen Wanderkarte 1: 100 000" sind den beiden geologischen Heimatforschern Otto Klages (1902 - 1982) aus Königslutter Otto Lüer (1918 - 1983) aus Bornum am Elm gewidmet.

Beide trugen reichhaltige und einmalige Sammlungen aus Aufschlüssen, die heute größtenteils nicht mehr zugänglich sind, zusammen. Sie haben durch ihren jahrzehntelangen Eifer geholfen, eine Vielzahl von Belegstücken aus Geologie, Paläontologie und Mineralogie künftigen Generationen zu erhalten..
Die vielfarbige geologische Karte vermittelt einen umfassenden Überblick über die geologischen Verhältnisse und den Bergbau des nördlichen Harzvorlandes vom Harz bis zur Lüneburger Heide und vom lnnerste- bis zum Allenal. lhr besonderer Wert besteht darin, daß sie sämtliche geologischen Aufschlüsse, wie sie in Steinbrüchen, Erz-, Kies- und Tongruben usw. vorhanden sind, erfaßt. Insgesamt sind es in diesem Bereich 400. Dazu zählen auch viele längst stillgelegte, z. T. wieder aufgefüllt und rekultivierte Steinbrüche, die weithin unbekannt sind. Die Sammler und Liebhaber von Mineralien und Petrefakten werden dadurch in die Lage versetzt, wirklich alle Fundplätze für ihre Sammlungen zu erschließen. Das Erläuterungsheft macht darüber hinaus noch viele wertvolle Angaben über ehemalige Bergwerksanlagen (Eisenerzgruben von Rottorf am Klei, Kaliwerk Beienrode usw.), in diesem Gebiet vorhandene Naturdenkmäler (z.B. den Wippstein von Gr. Steinum, den „Goldenen Hirsch“ im Elm bei Schöningen. die Lutter- und die Schunterquelle, den Bornumer Erdfall und die Teufelsküche im Reitlingstal) und vorgeschichtliche Grabanlagen (Lübbensteine bei Helmstedt).


Es überrascht nicht, daß der Raum von Königslutter auf der Karte und in der Dokumentation besonders reich vertreten ist, denn er ist - wie Herr Klages oft betont hat - ein sehr dankbares Gebiet für den Mineralien- und Petrefaktensammler. Sehr erfreulich ist dabei, daß in dem Beiheft auch Hinweise gegeben werden, welche Versteinerungen an den betreffenden Fundorten zu finden sind. So heißt es z. B. über den großen Muschelkalksteinbruch nahe dem Lutterspring in Anlehnung an einen Aufsatz von Otto Klages:

„In diesem großen Aufschlusse finden sich prächtige Platten, die völlig übersät sind mit Muscheln, Kalksteine, die völlig durchsetzt sind von Schnecken-Steinkernen, sind keine Seltenheit. Ferner finden sich große Schnecken, Muscheln, Rhizocorallen, Zähne und Knochenreste von Sauriern. Die Aufschlüsse sind immer lohnend für den Sammler."

Den Liebhabern geologischer Fragen und den Sammlern von Mineralien und Versteinerungen kann die sehr preiswerte Geologische Karte des Braunschweiger Landes ohne jede Einschränkung sehr empfohlen werden. Zur Vertiefung der Erkenntnisse ist das Beiheft hervorragend geeignet. Als eine wertvolle Bereicherung des Schrifttums werden auch diejenigen die Karte und die Dokumentation betrachten, die an der Erhaltung einer schönen Landschaft und am Natur- und Umweltschutz in unserem Raum besonders interessiert sind.

                                                                                  Heinz Röhr
                                                                                  Stadtarchivar

 

veröffentlicht in:

Der Stadtbüttel  Dezember 1984  S. 41-42

 

 

Für Interessierte bietet das Freilicht und Erlebnismuseum Ostfalen  e. V.  im Geopark-Informationszentrum in Königslutter eine Vielzahl von Informations- und Exkursionsangeboten im alten Kulturraum Ostfalen (in den Bundesländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt) mit den Schwerpunkten Erdgeschichte, Landschafts- und Naturerlebnis sowie Vor- und Frühgeschichte. Das Freilicht- und Erlebnismuseum Ostfalen und der Regionalverband Harz haben im März 2002 den "Geopark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen" gegründet. Das Teilgebiet "Braunschweiger Land" zählt zu den ersten anerkannten "Nationalen GeoParks". Im Geopark-Informationszentrum Königslutter wird das Braunschweiger Land erdgeschichtlich und mit vielen touristischen Angeboten vorgestellt.

 

 

 

Otto Griepenkerl

Wäre es Ihnen wohl möglich, uns die weltbekannten Knollenquarzite des Helmsteder Braunkohlenbeckens zu zeigen? fragte die Holländische Geologische Vereinigung vor ihrer Tagung in Königslutter im Juli 1959 bei mir an. Mit nicht zu unterdrückemder Lust konnte ich diese merkwürdigen Steine in reicher Anzahl und prächtiger Aufstellung auf der Westernstraße in Königslutter vorführen. Herrn Dr. Rosenstiel sei herzlich gedankt, daß er sie aus der Versenkung herausgeholt und unter seiner prächtigen Akazie für jedermann zur Schau gestellt hat. Woher kommen diese rätselhaften Steine eigentlich?
Dr. med. Otto Griepenkerl, als Arzt in Königslutter vom April 1861 bis 1886 praktizierend, war ein begeisterter Liebhaber-Geologe von wissenschaftlichem Rang. Sein besonderes Interesse galt der Senone Kreide von Königslutter. In der Göesche Mergelgrube, an der Straße Boimstorf-Lehre, sammelte er über 200 Versteinerungen der Oberen Kreide, die damals kaum jemand kannte. Diese Mergelgrube ist heute verwachsen, trotzdem mußte ich die Holländer nach dort führen. Sie wollten vor diesem Aufschluß einige Minuten jenes ungewölnlichen Mannes gedenken, der außer Petrefakten auch die Knollenquarzite unserer engeren Heimat zusammentrug, um sie vor der Zerstörung zu bewahren. Das war um 1880 noch ein anderes Unterfangen als heute. Jedenfalls rettete er die schweren Brocken vor dem Zerschlagenwerden, denn der harte Quarzit wurde gern für Straßenschotter verwendet. Hin und wieder findet man noch heute einige dieser seltsamen Steine im Helmstedter Kreis und im Hasenwinkel. Besonders großartig aber sind die Griepenkerlschen Knollen vor Dr. Rosenstiels Haus, die von den Holländern immer wieder bestaunt und wohl hundertmal fotografiert wurden. Sie gehen in die Holländische Literatur ein und sind damit für lange Zeit vor der Zerstörung gerettet.
Woher kommen die bizarren Formen, die wulstigen Oberflächen dieser Knollenquarzite? Gehören die Quarzite überhaupt in die Zeit des Tertiärs, die uns die Braunkohlenlager schenkte, und vor etwa 60 Millionen Jahren begann? Hat sie das Inlandeis herbeigeschafft? Die Geologen sind ihnen gegenüber heute noch genauso ratlos wie Dr. Griepenkerl vor 100 Jahren. Wir wissen nur, daß es Quarzite sind, also Sandsteine, die durch ein kieseliges Bindemittel so widerstandsfähig wurden, daß sie Millionen Jahre überstehen konnten.

Otto Klages


Veröffentlicht in:
Stadtbüttel März 1961

Die Versteinerungen der senonen Kreide von Königslutter in den Gemarkungen Lauingen, Boimstorf und Glentorf sind in der folgenden Veröffentlichung Otto Griepenkerls ausführlich beschrieben und bebildert:

Palaeontologische Abhandlungen
Herausgegeben von W. Dames und E. Kaiser
Vierter Band. Heft 5
„Die Versteinerungen der senonen Kreide von Königslutter im Herzogthum Braunschweig“
von Otto Griepenkerl, Mit 12 Tafeln und 3 Textfiguren
Berlin. Druck und Verlag von Georg Reimer 1889

Diese Veröffentlichung ist als elektronische Ressource unter folgendem Link im Internet verfügbar:
http://www.digibib.tu-bs.de/?docid=00032944

Einzelheiten zu den dargestellten Funden Otto Griepenkerls aus der Veröffentlichung sind dem Link:
http://www.digibib.tu-bs.de/?docid=00032944  zu entnehmen.

Die Knollenquarzite in Helmstedt und Umgebung sind in einer Broschüre von Dr. Karl Brosche zusammengestellt, die der Landkreis Helmstedt herausgegeben hat. (Druckerei Kühne 1985)

 

 

Erdgeschichte, ernst gemeint.

Das Moosholzmännchen

heimatkundliches Beiblatt des lutterschen Stadtbüttels

Nr. 84/1971

Erdgeschichte, ernst gemeint.

von Otto Klages

 

Wir sollen eben nicht in Ruhe bleiben !

Gleich wird uns, wenn wir zu genießen denken,

Zur Übung unserer Tapferkeit ein Feind,

Zur Übung der Geduld ein Freund gegeben.

 

Johann Wolfgang Goethe.

 

Diesem Freund, Dr. Fritz Barnstorf, sei dieser Aufsatz gewidmet zum 70. Geburtstag.

Unsere Heimat, geologisch gesehen, stellt etwas Außergewöhnliches, Besonderes dar. Sie ist geprägt durch das Vorhandensein sämtlicher geologischer Formationen, die zutage tretend dem Paläontologen durch ihre Fossilien ihre Lebensgeschichte erzählen. Das ist eine Dauer von 600 Millionen Jahren und geschehen auf unserer herrlichen Erde, unter der gleichen prächtigen Sonne, die uns heute noch leben läßt. -

 

Wir leben in der Erdneuzeit, dem Känozoikum,und zwar im Quartär. Die oberste Abteilung dieser Formation, das Holozän (früher sagte man Alluvium) ist bestens zu studieren in Königslutter selbst, denn wir wohnen darauf. Sobald man die oberste Erde abräumt, kommt man auf den Kalksinter, der angefüllt ist mit Fossilien, wie Schnecken, Hölzer und Blätter von Weiden, Buchen, Linden und vielen anderen Arten.

 

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Torfabbau bei Gifhorn

 

In Platendorf bei Gifhorn kann man beim Stechen des Torfes das Werden der Fossilien ablesen und feststellen, daß die Natur

 

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den Begriff Anfang und Ende nicht kennt. Im Holozän wurde unsere Heimat wieder eisfrei. Der Zerfall des Resteises geschah vor etwa 9 bis 10 Tausend Jahren,errechnet nach der Bändertonchronologie. Die untere Abteilung des Quartärs, das Pleistozän (früher sagte man Diluvium) umfaßt schon 600 Tausend Jahre und ist gekennzeichnet durch Eiszeiten und Interglazialzeiten. Die riesigen Gletscher brachten vom Norden viel Gestein mit, das beim Abtauen des Eises auf unseren Feldern liegen blieb.So findet man die Versteinerungen vieler Formationen in unseren Kiesgruben bei Süpplingen, Neindorf, Velpke, Saalsdorf, Velstove, in der Lüneburger Heide, im Oberen und Unteren Drawehn, am Hohen Mechtin und im Rieseberger Moor. Erwähnt werden muß die Kieselgur von Oberohe in der Heide, die versteinerte Fische zeigt.

Vor 70 Millionen Jahren begann das Tertiär, die untere Formation des Känozoikums. Hier unterscheiden wir das Jungtertiär (Neogen) und das Alttertiär (Paläogen). Die großartigen Petrefakten von Willershausen am Harz (Pliozän) bilden ein Naturkundebuch aus Stein. In den Schiefern finden sich versteinert zarteste Mücken, Fliegen, Schmetterlinge, Spinnen, ja selbst ganze Froschskelette und Blätter, Gräser, Hölzer, die auf ein Klima des heutigen Persiens hinweisen. In Helmstedt am Silberberge finden sich vollständige Krebse im Miozän - Oligozän, eine ganz besondere Kostbarkeit. Sie wurden kürzlich von der Wiener Universität neu untersucht und mit Coeloma Helmstedtense benannt. Vorher hießen sie Coeloma Baltikum. Bis zu dieser Stufe reicht das Neogen (Jungtertıär). Mit den großen Braunkohlengruben von Helmstedt beginnt das Paläogen (Alttertiär), mit den Stufen Eozän und Paläozän. Diese riesigen Aufschlüsse zeigen eine Fülle von Versteinerungen, wie Haifischzähne, Haifischwirbelknochen, Otolithen = Gehörsteine von Fischen, Zähne vom Rhinozeros und Krokodil, Mammutzähne, Krebse (Xanthopsis), Muscheln, Schnecken und viele Sorten Hölzer. Ob hier die Schichten bis in das Paläozän hinabreichen, ist noch

 

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umstritten, aber nicht auszuschließen.

Jetzt aber beginnt das Erdmittelalter oder Mesozoikum mit den drei Formationen Kreide, Jura und Trias. Die Kreidezeit begann vor 135 Millionen Jahren und bildet zwei Abteilungen, die Oberkreide und Unterkreide. Die oberste Stufe, das Senon, begegnet uns schon vor der Tür.

 

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Lauingen Bahnübergang

 

Am Bahnwärterhäuschen vor Lauingen und in der Goeeschen Mergelgrube in Boimstorf bietet uns die Oberste Kreide eine große Auswahl an Belemniten (Donnerkeile), Schnecken, Muscheln, Schwämme und Korallen. In den großen Steinbrüchen von Misburg sind die Stufen der ganzen Oberen Kreide offenbar, wie Senon, Emscher, Turon und Cenoman. Seeigel, Belemniten und Riesenammoniten sind hier zu finden. Dann eine Fülle von Schwämmen sowie Muscheln, Schnecken und vieles Andere. Die Aufschlüsse aber von Gustedt, Groß-Elbe und Baddekkenstedt haben etwas Leckeres für den Sammler, die aberranten Ammoniten.

Auch die Unterkreide mit den Stufen Gault und Neokom stellt sich vor in Farmsen bei Schellerten (Gault) mit herrlichen Septarien gefüllt mit Drusen von Bergkristallen, Eisenspaten und Kalkspaten. Die Tongrube von Rocklum (Gault) bietet allerschönste Austernschalen mit Deckel. Die Eisenerzgrube von Haverlah-Wiese (Neokom) zeichnet sich aus durch eine Fülle von Terebrateln und Belemniten von besonderer Schönheit. Hier lagern die riesigen oolithischen Eisenerze von Salzgitter.

Eine neue Formation stellt sich vor, die Jurazeit mit dem Malm (Weißer Jura), dem Dogger (Braunjura) und dem Lias (Schwarzer Jura). Sie begann vor 180 Millionen Jahren. Vor den Toren Wolfsburgs am Steimker Berg steht der Malm an. Diese Weißjuraschichten stecken voller Schnecken-Steinkerne, die sehr gut erhalten sind. Der Dogger von Flechtorf schenkt uns viele riesige Belemniten, besonders Belemnites giganteus,eine wahre Pracht. Diese Rostren der Tintenfische zeigen oft noch Alveole und Phragmokon. Der Schwarze Jura, also Lias, ist ausgebildet in Rottorf am Klei

 

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Rottorf am Klei, Roteisenerz

 

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als Roteisenerz mit dem Capricornumergel, Jamesonimergel, Ziphuston und Arietitenschichten. In Schandelah finden wir in dem Posidonienschiefer Schichten des Oberen Lies und in Helmstedt in der Lehrmannschen Tongrube Schichten des Unteren Lias mit der Grenzzone zum Rät der Triasformation. In den Arietitenschichten des Unteren Lias von Scheppau liegen Ammoniten von beträchtlicher Größe und Schönheit. Diese Aufschlüsse lieferten Material für viele Museen und Hochschulen. Deshalb wurde die Jurazeit die Lieblingsformation der Petrefaktensammler.

Vor 220 Millionen Jahren begann die Trias, die unterste Formation des Mesozoikums oder Erdmittelalters mit den drei Abteilungen Keuper, Muschelkalk, Buntsandstein. Der Keuper steht an in Velpke (Rät), in Rennau und Schöppenstedt, hier als sogenannte Rote Wand bezeichnet. Ein klassisches Profil des Keupers zeigt die Tongrube in Schöningen. Allein der Anblick ist eine weite Reise wert. Nun kommt unser Elm mit dem Muschelkalk, und zwar den Ceratiten- und Nodosenschichten,dem Crinoidenkalk (alles Oberer Muschelkalk), dem Mittleren Muschelkalk (Zellendolomit) und dem Wellenkalk (Unterer Muschelkalk, Schaumkalk). Der Schaumkalk dient als Werksteinkalk und ist besonders begehrt für künstlerische Steinarbeiten. Weltbekannt wurde der Muschelkalk des Elms durch seine Seelilien (Encrinus liliiformis), ein Tier, das zu den Stachelhäutern gehört.

 

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Städtisches Museum Schloss Salder, Seelilie (Encrinus liliiformis)

 

Weiter steckt der Muschelkalk voller Lamellibranchiaten, Terebrateln, Gastropoden, Ceratiten und Nautiliden. Der Muschelkalk begegnet uns wieder im Rieseberg, im Dorm, bei Uehrde, am Ösel und in der Asse. Die Untere Abteilung der Trias, der Buntsandstein, ist gut zu studieren im Dorm, im Heeseberg, in der Asse und am Nußberg bei Braunschweig. Als Röt (Oberer Buntsandstein) steht er an im Reitlingstal mit Gipsplatten und Steinsalzpseudomorphosen. Als Rogenstein (Kalksandsteinooide) ist er ausgebildet im Unteren Buntsandstein, besonders schön im Dorm, Heeseberg und Nußberg. Einfach großartig sind die Stromatolithen (fossile Algen) des Heesebergs!

Damit verlassen wir das Erdmittelalter (Mesozoikum)

 

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und treten ein in das Erdaltertum, das Paläozoikum. Es beginnt mit dem Perm vor 270 Millionen Jahren. Diese Formation wird auch Dyas genannt, weil sie aus zwei Abteilungen besteht, Zechstein und Rotliegendes. Der Zechstein schenkte uns die großen Salzlager des Dorms, des Allertals und der Asse, die im Tiefbau gewonnen werden. Als Abraum finden wir Zechsteindolomite an der Westseite des Dorms bei Beienrode.

 

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Abraumhalde der Salzförderung in Beienrode

 

In Grasleben können wir die vielen Salzsorten bewundern.

 

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Tag der offenen Tür im Steinsalzwerk Grasleben - Salzlecksteine

 

Am Südrande des Harzes stehen die Gipse des Zechsteines an. In Förste am Harz finden wir schönste Gipskristalle, Schwalbenschwänze aus Marienglas, auch Fraueneis genannt. In Weenzen am Hils kommen Gipse zutage, die gediegenen Schwefel enthalten, Schwefel als Reduktionsschwefel, nicht als gewöhnliches Sublimat. In Bartolfelde am Harz kommen Zechsteinriffe vor, die ganz aus Bryozoen = Moostierchen bestehen. Eine recht schöne Versteinerung. Der weltbekannte Kupferschiefer mit seinen goldglänzenden aus Kupferkies bestehenden Fischen gehört auch hierher. Er wird in Mansfeld im Harz abgebaut. Das Rotliegende mit seinen Konglomeraten und Porphyren finden wir in Petersberg bei Halle. Hier zeigt ein Porphyr hellgrünen Flußspat von einer Farbe,die unirdisch anmutet.

Nun kommt das Karbon mit Oberkarbon und Unterkarbon. Letzteres wird auch Kulm genannt. Es begann vor 350 Millionen Jahren. Das Oberkarbon liefert die Steinkohlen, die fast ausschließlich im Tiefbau gewonnen werden. Der Siebigeröder Sandstein, der am Kyffhäuserdenkmal seine bekannten Äquivalente hat, ist weit bekannt für seine großen Stämme verkieselten Holzes (Aurakarioxylon), das angeschliffen und poliert herrliche Holzstruktur zeigt. Das Unterkarbon, den Kulm, treffen wir im Harz an vielen Stellen an. Im Tal der oberen Innerste finden wir in der Kulmgrauwacke schöne Versteinerungen von Hölzern, besonders Asterocalamites scrobiculatus, Lepidodendron volkmanni und Lepidodendron veltheimi. Der Kulmkieselschiefer liefert in der Adinolstufe des Schachttales viele Fossilien, wie

 

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Muscheln, Schnecken, Orthoceraten, Crinoidenstielglieder und anderes. Der Kulmtonschiefer ist auch nicht leer, aber durch seine Eintönigkeit in der Ausbildung schwer abzusammeln. Immerhin lohnt eine Reise in die Karbonformation des Harzes, der ja auch in anderer Weise bezaubernde Reize ausstrahlt.

Das Devon begann vor 400 Millionen Jahren und teilt sich in drei Abteilungen, das Ober-, Mittel- und Unterdevon. Da lohnt eine Reise in den Harz zum Steinbruch Winterberg bei Bad Grund. Die Auffahrt zur dritten Sohle des Steinbruches ist ein Abenteuer. Wie eine Mondlandschaft schaut der riesige Steinbruch aus. Mensch und Auto werden zum Kinderspielzeug, wenn man von einer Felswand auf die darunterliegende Sohle schaut. Felsbrocken liegen im Wege von der Größe eines Lastkraftwagens. Alles ist devonischer Kalkstein (Oberdevon), angefüllt mit prächtigen Korallen und Seelilienstielgliedern bis zur Größe eines 10-Pfennigstückes. Dazu die Mineralien Baryt, Limonit, Bergkristall, Asphalt und die riesigen Kalkspatkristalle. Der Sammler findet mehr als er mitnehmen kann. Aber auch Gefahr droht dem Besucher. Denn hin und wieder stürzen donnernd Steinlawinen auf die Sohle, groß genug um Auto und Besucher zu begraben. Das ist der Iberger Kalk des Oberdevons. Die Wissenbacher Schiefer des Mitteldevons vom Glockenberg bei Goslar sind von ganz anderer Art. Es ist ein Dachschiefer mit vielen Fossilien,die erst herauspräpariert werden müssen. Alte Ammoniten, Goniatiten, Orthoceraten, Korallen und Trilobiten stecken in diesem Schiefer. Auch Ammoniten im Stadium des Aufrollens enthält derselbe. Das Unterdevon vertritt der Kahlebergsandstein mit Brachiopoden, Trilobiten und der Pantoffelkoralle Calceola sandalina.

Die Silurformation besteht aus zwei Abteilungen, dem Gotlandium und dem Ordovizium. Sie begann vor 500 Millionen Jahren. Heute wird sie mit Ordogot bezeichnet. Bei Lauterberg im Harz tritt die Formation zutage mit Graptolithen, wie auch kalkiges Silur in der Wiedaer Kalklinse

 

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anzutreffen ist.

Das Kambrium mit Ober-, Mittel- und Unterkambrium, ist 600 Millionen Jahre alt und tritt bei uns nicht zutage. Aber die Zeugen dieser uralten Formation liegen auf unseren Feldern verstreut und sind in Sand- und Kiesgruben zu finden. Die Eiszeiten brachten diese alten Gesteine vom hohen Norden als Geschiebe zu uns. Das Eis taute auf, die Wasserströme bildeten Urstromtäler und das im Eis gefangene Gestein blieb liegen. Es kam aus Fennoskandia, den Baltenländern, aus Nordwestrußland und somit Versteinerungen aus dem Ordogot und Kambrium. So finden wir in den Endmoränen der Gletscher großartige Petrefakten aus allen Formationen und darunter die Zeugen des Kambriums. Trilobiten, Brachiopoden, Orthoceraten und den ältesten Sandstein der Erde mit Köcherbauten von Würmern. Das ist der 600 Millionen Jahre alte Scolithussandstein aus dem Unteren Kambrium. Besonders schöne Fundplätze sind Neindorf bei Königslutter, Altena im Kreis Helmstedt, Velpke, Velstove, der Obere und Untere Drawehn, der Hohe Mechtin und die Wierener Berge. Das ist unsere geologische Heimat, fürwahr ein Paradies. Ein Dorado für den Geologen!

 

Die geologische Reise lieber Fritz geht jetzt zu Ende, denn was nun kommt, die Erdfrühzeit oder das Proterozoikum verliert sich in Milliarden Jahre. Die Formation Präkambrium teilen wir in Jungalgonkium, Beginn vor etwa 1100 Millionen Jahren, in Altalgonkium vor etwa 1800 Millionen Jahren und das Archaikum. Vor 3000 Millionen Jahren soll es begonnen haben. Das Jungalgonkium zeigt noch Spuren von Algen, Radiolarien, Würmern und Brachiopoden. Das Altalgonkium zeigt hier und dort vereinzelte Lebensspuren und im Archaikum verlieren wir uns in strittige Auffassungen, denn nun beginnt die Endurzeit, das Azoikum, die Entstehung der Erde.

 

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In vielen Stunden vieler Jahre hockten wir beieinander und diskutierten über die Problematik der Auffassungen, über Hypothese und Wahrscheinlichkeit, um am Schluß unseres Lebens zu erkennen, daß noch ein ganz großer Meister am Werk sein muß. Ein Meister, den wir mit menschlichen Maßen nicht messen können. Nennen wir ihn Gott.

 

 

Veröffentlicht in:

Das Moosholzmännchen, Nr. 84/1971

 

 

 

 

 

Königslutter am Elm, ein Paradies der Geologen

Bekannt und berühmt im Wissensbereich der Geologie ist des subherzynische Becken zwischen Harz und Flechtinger Höhenzug unweit Oebisfelde, ein sanftwelliges Hügelland, von kleinen Höhenzugen unterteilt. Alle Erhebungen, wie der Hackel, der Huy, der große Fallstein, der Harliberg, die Asse, der Elm, der Dorm, der Rieseberg, der Elz und der Lappwald streichen von NW nach SO wie der Harz. Nur der Oderwald bei Wolfenbüttel streicht rheinisch, nämlich von NNO nach SSW nach dem Verlauf des Oberrheintalgrabens. Fast in der Mitte des subherzynischen Beckens liegt das größte der kleinen Gebirge, der Elm, berühmt in der Welt als Fundort der Seelilie Encrinus liliiformis, einem Tier aus der Klasse der Stachelhäuter. Da der Kelch des bestielten Meerestieres wie eine geschlossene Lilie aussieht, heißt es mit Recht Seelilie. Heute noch kommt sie in sehr warmen Meeren vor. Die versteinerte Seelilie, die im Muschelkalkmeer vor rund 165 Millionen Jahren lebte, ist als Zierde jedes Museums in vielen Museen der ganzen Welt anzutreffen.  Aber nicht nur der Elm bietet Einblick in eine unermeßliche Vergangenheit des Erdgeschehens. Das ganze subherzynische Becken gibt Zeugnis vom Anfang des Lebens bis in unsere Zeit. Kaum eine andere Gegend kann dem Geologen so viel aussagen wie unsere Heimat. Man kann hier Studien machen in den Ablagerungen sämtl. Formationen wie Alluvium, Diluvium, Tertiär, Kreide, Jura, Trias, Perm, Carbon, Devon. Nur Silur und Cambrium fehlen anstehend, doch hier brachten die Eisberge der Eiszeit genügend Material aus dem Norden mit, das beim Tauen des Eises als Geschiebe auf den Feldern liegen blieb. In diesem Material finden sich Gesteine aus den fehlenden Formationen Silur und Cambrium. So kann man hier auf engstem Raum steinerne Zeugen des Lebens aus 500 Millionen Jahren finden, unvorstellbar für Holländer, die in ihrem Lande nur Ablagerungen des Alluviums, Diluviums und der Ob. Kreide kennen. Was Wunder, das die Begeisterung der Holländischen Geologischen Vereinigung groß war, die im Vorjahr mit ungefähr 50 Mitgliedern 5 Tage geologische Wanderungen in Königslutters Umgebung machte.

Otto Klages


Veröffentlicht in:
Stadtbüttel der Stadt Königslutter August 1960

Einfügung:
LINK zum NGV (Nederlandse Geologische Vereniging)
http://geologischevereniging.nl


 

 

Gäste aus Holland

Vom 14. - 17. Mai 1966 hält die Abteilung Gelre der Niederländischen Geologischen Vereinigung unter Führung des Herrn W. van Houten aus Apeldoorn, in Königslutter eine geologische Tagung ab. Wie damals 1959, sollen auch diesmal geologische Exkursionen stattfinden, die der Liebhaber-Geologe Otto Klages aus Königslutter führen wird.

Es sollen besucht werden: Der Kalktuff in Königslutter (Holozän), die Kiesgrube Neindorf (Pleistozän), die Tongrube Passeier in Klein-Steimke (Tertiär), die Braunkohlengruben von Helmstedt (Tertiär) die Tongrube Thiede bei Braunschweig (Kreide), die Eisenerzgrube Rottorf am Klei (Jura Mittlerer Lias), die Tongrube Lehrmann in Helmstedt (Jura-Unterer Lias), die Rote Wand in Schöppenstedt (Trias Keuper), die Steinbrüche im Elm (Trias Muschelkalk), der Dorm (Trias Buntsandstein), der Heeseberg (Perm Zechstein). In der Steinsammlung Klages findet eine Besichtigung mit Vortrag statt.


Außerdem soll die Zonengrenze besucht werden, damit sich die Holländer ein Bild machen können von der unglücklichen Zerreißung unseres Vaterlandes.


Das Gebiet, das durch die Niederländische Geologische Vereinigung nun schon zum zweiten Mal besucht wird, liegt im Bereich der Klassischen geologischen Quadratmeile im Subherzynischen Becken. Es ist eine Seltenheit, daß auf so kurzen Entfernungen die vielen geologischen Formationen zutage treten wie in unserer Heimat.


Die Stadt Königslutter wünscht der geologischen Tagung einen vollen Erfolg.


Veröffentlicht in:
Stadtbüttel der Stadt Königslutter April 1966





Otto Klages: "Das Tröpfchen H2O"

Das Tröpfchen H2O
von Otto Klages

 

Die Fahrt in den Harz, am Sonntag, den 12. Juni 1977, war mehr eine Fahrt in den Herbst als in den Sommer. Dunst versperrte die Aussicht, den Harz sahen wir erst als wir darin waren. In Clausthal und Braunlage schien die liebe Sonne, aber am Torfhaus regnete es kalt in Böen. Immerhin sind wir hier in 800 m Höhe.

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Das Wasser lief in Strömen am Auto herunter und sammelte sich draußen zu Pfützen, Rinnsalen und kleinen Bächen. Zu sehen war nicht einmal die Tanne, vor der wir hielten, geschweige der Brocken mit seinen 1142 m. Er steckte tief in den Wolken. Ein dicker Wassertropfen hing vor meinen Augen am Spiegel des Wagens und wurde immer dicker und dicker. „Wo kommst Du her“, fragte ich ihn? „Das ist eine lange Geschichte", sagte er. „Schließ die Augen und höre zu“. „Bitte bitte sprich“, ich höre.


In Eurem Sinne bin ich fossil und entströmte als Wasserstoff bei vulkanischen Eruptionen als Gas, um dann mit dem Sauerstoff eine Ehe einzugehen. So wurde ich das, was lhr Homo sapiens Wasser nennt. Damit begann meine Wanderschaft auf Eurer Erdenkugel. Ob ich nun als Tau, Nebel, Dunst, Regen, Schnee, Hagel, Eis umherziehe, immer bleibe ich Wasser. Geboren wurde ich schon als Eure Erde die erste feste Erdkruste erhielt und damit zum Planeten wurde. Meine Reise war, ist und bleibt ein Abenteuer ohnegleichen. Man treibt mit mir Schindluder würdet Ihr Menschen sagen. Mal saß ich in einer Wolke und flog dahin in luftiger Höhe, mal mußte ich als Schneeflocke nach unten, um mit der Weser in das Meer zu fließen. Das passiert mir oft. Mal ist es der Mlssisippi oder der Nil, mal ist es der Po oder der Ganges. Tausende von Jahrzehnten saß ich fest im Eis von Grönland, Millionen Jahre brachte ich zu in einem Opal in Australien bis zu seiner Verwitterung. Einen freien Willen habe ich nicht. Jahre verbrachte ich im Kreislauf eines Trilobiten, 70 Jahre hielt mich der Lebenslauf eines Menschen gefangen. Entwichen konnte ich oft im Schweiß der Erregung, Angst oder Überanstrengung vieler Lebewesen, ob Mensch oder Tier. In den Pflanzen verbringe ich oft viele viele Jahre, besonders in den Bäumen. Ich kann Euch alle erquicken in der Glut der Sonne, meine eigentliche Mutter, ich kann Euch erschrecken und verderben im Strom meiner Fluten, treibe Eure Schiffe von Ozean zu Ozean und treibe mit Euch Scherz im Bad. Ich kenne Euch seit Anbeginn, kenne Eure Ängste, Euren Hochmut, Eure Scherze, die oft keine sind, Eure Arroganz, Eure Erbärmlichkeit, aber auch Eure Demut und Eure Sorge vor dem letzten Schnaufer. Ich habe Päpste, Kaiser, Könige, Fürsten, Reiche und Bettler erquickt und verlassen in der Gruft des Todes. Ich floß als Träne über die Wangen eines erschreckten Kindes, einer bedrängten Mutter, eines sterbenden Soldaten, aber auch als Freudenträne einer beglückten Braut. Ich tropfte aus dem Hahn einer Leitung und, ach lassen wir das, es ist genug. Zeit, Eure Zeit, kenne ich nicht, ich bin zeitlos, verharre endlos im Gletscher des Mont Everrest, bis der Gletscher hinabgleitet in wärmere Zonen, um mich freizugeben als Dunst, Nebel, vereinigt zur Wolke, um auf neue Reise zu gehen. Meine Welt ist die Erde, ich kenne alle Kontinente und Meere, Seen und Ströme, Flüsse und Bäche, Gebirge und Ebenen, Wüsten und Steppen und den Rand der Atmosphäre, den auch ich nicht überschreiten kann. Oder kann ich es doch? - - -


Ihr sogenannten Experten habt mich H2O getauft, Chemiker nennt lhr Euch, doch von meiner Mühsal wollt Ihr nichts wissen. Nur wenn ich knapp werde, bangt Ihr um Euren Geldbeutel, wenn ich in Mengen komme um Euer Leben. Jeden Tag braucht lhr mich, achtlos ohne nachzudenken, ohne Freude über das, was ich für Euch bin, Euer Lebenserhalter.


In Deiner Steinsammlung hast Du eine Chalcedonmundel aus Brasilien. Rio Grande do Sul, die Dir ein Sammler angeschliffen hat. Diese Geode hält mich und viele meiner Geschwister gefangen. Du hälst mich oft in der Hand, schüttelst mich an Deinem Ohr und freust Dich über unser Gluckern. Du hälst mich oft an das Licht einer starken Lampe und freust Dich über unser sichtbares Fließen in unserem Gefängnis, in dem wir Tropfen für Tropfen als Bächlein seit Millionen Jahren eingesperrt sind. Du grübelst darüber nach wie wir hinein kamen, oder wieder herauskommen können. Ich will es Dir nicht sagen, damit dieses Wunder nicht zerstört wird. Doch hinaus kommen wir wieder, darauf kannst Du Dich verlassen. Es werden viele Jahre vergehen, Hunderte, Tausende, Millionen oder Milliarden, was ist das schon. Zeit ist eine Erfindung von Euch, für mich existiert sie nicht. Deinen Lieblingsstein nennen die Gelehrten einen Enhydros (siehe Abb.). Einen Wasserstein. Schau ihn Dir immer wieder an, freue Dich über ihn, betrachte ihn als Wunder der Natur, aber treibe keinen Unfug damit, wie viele vor Dir. Scharlatane, die mit diesem Wunder Geld verdienen wollten. Geld, Geld, Geld, was ist das? Vor dem Verdursten in der Wüste gibst Du mir für einen Tropfen H2O Dein ganzes Geld, bis zum letzten Pfennig.


Nun bin ich dick genug, ich muß weiter, muß in das Rinnsal unter mir und tropfe ab.

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Wohin die Reise geht? Die hohen Berge hinab, in die Radau, in die Oker, in die Aller, in die Weser und in die Nordsee, wenn mich niemand vorher bindet. lm großen Meer holt mich die Sonne, „meine Mutter“, wieder nach oben, um als Wolke vereint erneut die Erde zu umsegeln. Vielleicht komme ich als Regentropfen wieder, aber nicht in den Harz, gewiß nicht in Menschenzeit.
Lebe wohl alter Mann und habe Dank, daß Du mir zuhörtest.

Abb.: Enhydros - Wasserstein, Rio Grande do Sul, BrasiIien.Ein Chalcedon mit Wasserfüllung. Unten angeschliffen, um das Wasser sichtbar zu machen. Siehe dunklen Schleier.               Foto: Edith Fiebig, 1000 Berlin 12, Mommsenstraße 29

Zuhören? Zuhören! Ja, das war vor etwa 20 Jahren. Ich entsinne mich immer wieder daran. Damals gab es noch keine „Städtische“ Otto-Klages-Sammlung in Königslutter.

 

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Städtische Otto-Klages-Sammlung Königslutter 2006

 

So besuchten viele viele Menschen aus nah und fern meine Privatsammlung in der Westernstraße. Mit Begeisterung empfing ich immer meine Gäste und so auch eines späten Nachmittags eine Gruppe 20 junger Menschen aus Skandinavien. Der Leiter dieser wißbegierigen Damen und Herren sprach gut deutsch und konnte verständlich übersetzen. Es rannen die Stunden im Fluge dahin und entzückt sah und fühlte ich die Begeisterung, mit der meine Steine und ihre Erklärung aufgenommen wurden. Am Ende meiner Vorführung nahm ich dann meinen Kasten mit den wundersamen Steinen zum Licht und zeigte Klappersteine, Siliziumdioxydgardinen und einen Enhydros, den beschriebenen Wasserstein. Das Staunen war groß und im starken Licht der 300 Watt-Lampe sahen alle das Wasser gluckern und fließen. Immer wieder mußte ich den Stein schütteln und vor die Lichtfülle halten.


Damit verabschiedete ich mich von meinen Gästen, die mir die Hand drückten und innerlich aufgewühlt von Dannen zogen.


Glücklich saß ich zwischen meinen Steinen und erlebte noch einmal im Geist den Ablauf dieser Stunden. Plötzlich wurde ich aufgeschreckt vom Klopfen an der Tür und auf mein Herein erschien noch einmal der Leiter der Gruppe. Eine viertel Stunde war wohl vergangen. Ob er etwas liegengelassen habe, fragte ich ihn. Er reagierte nicht, sondern begann mit bedauerlichem Ton seinen Vorwurf. „lhr Vortrag, lieber Herr Klages, war einfach schön, nur das Letzte mit dem Wasser im Stein, sollten Sie lassen. Das Restchen Kristallwasser in ihrem Gipskristall, das da wie eine Libelle einer Wasserwaage hinauf und herunterläuft, will ich verdauen, aber mit diesen Kubikzentimetern Wasser in Ihrem Enhydros machen Sie sich zum Scharlatan. Sie reißen ihren wunderschönen Vortrag ein wie ein vom Blitz getroffenes Bauwerk. Muß das sein? Lassen Sie das doch!  Ich eilte sofort zum Bücherschrank, um ihm mein Mineralogiebuch, den alten Bauer, vorzulegen. Er aber winkte ab und verließ mich kopfschüttelnd. Was war hier geschehen. Warum wollte er von mir nicht belehrt werden? Warum wollte er sich mit mir nicht vertiefen in einem Werk von Bauer einer der berühmtesten Mineralogie-Gelehrten unserer Zeit.


Er hatte die Mauer erreicht, an der wir uns wund und blutig scheuern, die Mauer, die unserem Verstand eine Schranke setzt. Die Mauer, die uns trennt von dem, das wir göttlich nennen müssen. Diese Mauer kenne ich gründlich, sie gab mir oft Halt, aber auch Haltein. Hier beginnt die Trennungslinie zwischen Wissen und Glauben.


Ich denke noch oft an diesen Besucher und seine Begleiter. Heute sind sie alle 20 Jahre älter. Denkt auch er heute noch an den Schock in der Steinsammlung in Königslutter am Elm? Das Wasser im Enhydros gluckert auch jetzt noch nach 20 Jahren, es wird auch noch gluckern in 200, 2000 oder 20000 Jahren.


„In jedem Stein offenbart sich die Größe und Allmacht Gottes und so bleibt einem langjährigen Sammler am Ende seines Lebens nur übrig die Hände zu falten.“


Veröffentlicht in:
Das Moosholzmännchen  Nr. 126/1977
heimatkundliches Beiblatt des lutterischen Stadtbüttels September 1977 S. 19-22